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Praxis im Studium: Drehen, schneiden, vertonen – Fernsehjournalist für ein Semester

© MOK Gießen HessenZeit: In der Magazinsendung der Gießener Fachjournalisten werden jedes Semester die selbstgedrehten Beiträge der Studenten ausgestrahlt.
Ihr findet euren Studien-Alltag zu langweilig? Immer nur lesen, lernen und zuhören? Ihr wollt mehr Praxis im Bereich Fernsehjournalismus sammeln? Dann solltet ihr die Fernsehwerkstatt besuchen! Ziel der Übung ist es, einen selbstproduzierten, sendefähigen Magazinbeitrag am Ende des Semesters abzugeben. Dieser wird später in der Magazinsendung HessenZeit im Offenen Kanal Gießen ausgestrahlt.

Dozentin Jana Kremin möchte den Studenten mehr Praxiserfahrung im Bereich Fernsehproduktion geben. „Recherche, Dreh und Schnitt – alle Komponenten liegen in der Hand der Studierenden, sodass sie am Ende sagen können: Das ist mein Produkt, bei dem habe ich von A-Z alles selbst gemacht“, so Kremin. Sie war selber Studentin an der JLU und weiß um die oft fehlende Praxis während des Studiums Bescheid. Ab 2002 studierte Kremin Mittlere und Neuere Geschichte und Fachjournalistik Geschichte mit den Studienelementen Text- und Mediengermanistik und Politikwissenschaft. 2008 verließ sie die Uni mit dem Magister Artium, um ein Volontariat beim Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main zu absolvieren. Seitdem arbeitet Jana Kremin als Videoredakteurin beim Presseamt und ist für Sonderprojekte und die „Stadtteilserie“ verantwortlich. Zusätzlich berät sie Institutionen bei der filmischen Umsetzung von unterschiedlichen Themen und leitet die Fernsehwerkstatt an der JLU.

Die Übung entstand schon unter Professor Quandt

Siegfried Quandt, Professor der Fachjournalistik Geschichte von 1984-2007, hatte die Übung in Zusammenarbeit mit Wilhelm Behle vom Medienprojektzentrum Offener Kanal Gießen ins Leben gerufen. „Idee der Kooperation war, den Studenten eine Möglichkeit zu geben, ihr eher theoretisch geprägtes Studium mit praxisnaher Arbeit aufzuwerten“, erinnert sich Behle. „Die produzierten Magazinsendungen stellen eine wertvolle Bereicherung des Programms dar und sind auch für das MOK ein Highlight.“ 2007 bekam Jana Kremin schließlich von Frank Bösch, Professor der Fachjournalistik Geschichte von 2007-2011, das Angebot, die Leitung der Fernsehwerkstatt zu übernehmen. Der Fokus der Übung lag nun noch mehr auf dem Praktischen, damit die Studenten „erste Erfahrungen in der Produktion von Fernsehbeiträgen sammeln und sich selbst ausprobieren“ können, so die Dozentin. 

© MOK Gießen Die Studenten erhalten eine Einführung in Bild, Licht, Ton und Schnitt und können die Geräte im Rahmen der Fernsehwerkstatt auch nutzen.

Wie wird aus einer Idee ein Magazinbeitrag?

Im Sommersemester 2011 stand die Fernsehwerkstatt auf meinem Stundenplan. Mit der Erwartung, praktische Erfahrungen im Bereich Fernsehproduktion zu sammeln, saß ich gespannt in der ersten Sitzung – und ich wurde fortan nicht enttäuscht! Was uns das Semester erwartete? Theorie, Übungen mit der Kamera und dem Schnittprogramm Final Cut Pro im Offenen Kanal Gießen, Erstellen eines Storyboards, das selbstständige Drehen, Schneiden und Vertonen eines zweiminütigen Magazinbeitrags, Moderationstraining mit Frank Berge vom Hessischen Rundfunk und schließlich die finale Aufzeichnung der Sendung HessenZeit.

In den ersten Wochen wechselten sich Theorie und Praxis in den Sitzungen bei Frau Kremin und bei den Mitarbeitern des Offenen Kanals ab. Wir wurden in das Thema Fernsehproduktion anhand einer Magazinsendung eingeführt, lernten den Umgang mit der Kamera, dem Mikrofon, Licht und dem Schnittprogramm Final Cut Pro. Mitte Mai bildeten wir Kleingruppen, suchten ein Thema für unseren Magazinbeitrag und verfassten ein Exposé. Gar nicht so einfach, da viele Themen nicht geeignet waren. Letztendlich entschieden wir uns für das Tierheim Gießen.

Ende Mai sollten wir ein Storyboard zu unserem Thema abgeben – das war sehr viel schwerer! Von vornherein mussten wir wissen, wie unser Beitrag aufgebaut sein soll, welche Bilder wir wie lange zeigen wollen, an welcher Stelle wir die beiden Interview-Blöcke einbauen und welche Aspekte inhaltlich im Vordergrund stehen – obwohl wir bis dato das Tierheim noch nicht von innen gesehen hatten.
Die häufigsten Fehler am Anfang: Zu viel Text und zu wenige Bilder. Denn obwohl wir so viele Tiere zeigen könnten, nützte es trotzdem nichts, weil die Bilder einen gewissen Anteil des Inhalts auf visueller Ebene an den Zuschauer bringen oder den Off-Text unterstreichen sollen. Nachdem wir mehrmals unsere Ideen für ein Storyboard verworfen hatten, entschlossen wir uns für ein Kurzportrait einer Tierpflegerin.

© MOK Gießen In den Praxisseminaren werden die Teilnehmer mit der Technik vertraut gemacht.

Nur durch Fehler lernt man

Ab Mitte Juni musste jede Gruppe schließlich selber für das Entstehen ihres Beitrages sorgen: Eine Kamera-Ausrüstung stand im Offenen Kanal zum Ausleihen bereit. Diese borgten wir uns für einen Tag, um die ersten Aufnahmen im Tierheim zu drehen. Der Tag verlief nicht unbedingt nach unseren Vorstellungen, da wir teilweise nicht die gewünschten Aufnahmen machen konnten. Doch der Wurf ins kalte Wasser hat uns gut getan, da wir nun umso strukturierter einen neuen Plan entwarfen, welche Bilder wir wie filmen und welche Fragen wir stellen möchten. Am zweiten Drehtag lief alles viel besser, da wir der Pflegerin nun genau unsere Vorstellungen schildern und wir auch konzentrierter auf Ton und Licht achten konnten. Unsicher waren wir uns trotzdem noch ein wenig, da wir anhand des kleinen Kamera-Displays beurteilen mussten, ob die Aufnahmen gelungen waren oder nicht. 

Ein paar Tage später haben wir uns für zwei Wochenenden im Offenen Kanal Gießen „eingenistet“. Das hieß: jeweils zwei Tage im Schnittraum. Der schwerste Teil begann: Wir mussten den Beitrag auf zwei Minuten schneiden und uns die Texte für den Off-Text ausdenken. Die kurzen Sätze, in denen wichtige Informationen prägnant erläutert werden sollen, hatten es echt in sich. Nach und nach bildeten sich einzelne „Text-Blöcke“ heraus, die ich am Mikrofon einsprach. Die Mühe der letzten Wochen hatte sich schließlich gelohnt: Am Ende waren wir zufrieden mit unserem ersten eigenen Magazinbeitrag. Anfang Juli konnten wir das Moderationstraining mit Frank Berge vom Hessischen Rundfunk besuchen. Die zuvor angefertigten Anmoderationen besprach er mit uns und wir durften vor der Kamera unseren Beitrag ankündigen. Zum Schluss hat jeder Teilnehmer ein Feedback bekommen.

© MOK Gießen Die Studenten - wie hier im SoSe 2011 - übernehmen am Tag der Aufzeichnung auch die Kameraführung und die Moderation. Unterstützung gibt es wieder von Jana Kremin und den MOK-Mitarbeitern.
© MOK Gießen Nicht nur für Studenten: Jeder kann sich nach Anmeldung vor oder hinter der Kamera betätigen.

Eigene Erfahrungen als Fernsehjournalist gesammelt

Eine Woche später war das Ende des Semesters erreicht. Zwischen Klausuren, Seminaren und Hausaufgaben hatten wir es tatsächlich fast alle geschafft, unsere fertigen Beiträge abzugeben. Nun wurde die Moderation aufgezeichnet. Unter Aufsicht von Frau Kremin und einem Mitarbeiter des Offenen Kanals durften die Kursmitglieder wieder selber die Knöpfe betätigen und nahezu eigenständig Licht, Ton und die Kameras bedienen. Die Moderation hatte ich übernommen. Nach knapp zwei Stunden war alles „im Kasten“ und die Mitarbeiter des Offenen Kanals erstellten in den kommenden Wochen die Magazinsendung HessenZeit. Mitte August wurde diese ausgestrahlt und Anfang des Wintersemesters konnten wir uns eine DVD mit der Sendung kostenlos abholen.

Die Balance zwischen Theorie und Praxis, die Einführung in die Produktion von Fernsehbeiträgen, die eigenen Erfahrungen mit Kamera, Ton und dem Schnittprogramm und das alleine Anfertigen eines Beitrages haben einen Einblick in die Arbeit eines Fernsehjournalisten gegeben. Obwohl es zeitaufwendig und teilweise stressig war, seinen Beitrag zu produzieren, hat es sehr viel Spaß gemacht, eigenständig und praktisch zu arbeiten. Wie viel Mühe hinter jedem Fernsehbeitrag steht, wurde mir erst in dieser Übung klar.

 

Informationen zu der Übung Fernsehwerkstatt

Die Übung findet Donnerstagabend von 18-20 Uhr abwechselnd an der Universität und im Medienprojektzentrum Offener Kanal (MOK) Gießen statt. Sie kann nicht nur im Studiengang Fachjournalistik Geschichte gewählt werden, sondern auch als AfK. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Weitere Informationen zum MOK und der HessenZeit. 

Die Veranstaltung findet im kommenden Wintersemester 12/13 wieder statt.

 

Nadine Kaspersinski

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Redaktion
15.05.2012 16:21
 

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