Wechsel ohne Nebenwirkungen
Ein neuer Motor
"Es hängt von dir selbst ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.", sagte bereits Henry Ford bei der Entwicklung seines Model T zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als er mit Freunden in Detroit den Jahreswechsel feierte. Das Jahr in der Universität wird allerdings nicht zum 1. Januar eingeläutet, sondern beginnt immer zum neuen Wintersemester. Nach nur wenigen Jahren erlebt die Fachjournalistik erneut ein akademisches Interregnum. Professor Bösch, der seit 2007 die Professur in Gießen leitete und den Lehrstuhl damals von Professor Quandt übernahm, ist zum Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) nach Potsdam gewechselt. Seine Nachfolge ist noch nicht geregelt und wird erst in den kommenden Monaten entschieden.
Peter Hoeres hat sich mit einer Studie über „Außenpolitik und Öffentlichkeit. Massenmedien, Meinungsforschung und Arkanpolitik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen im Kalten Krieg (1963-1974)“ und einem Vortrag über „Repräsentation und Zelebration. Die Symbolisierung der Verfassung im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert“ Ende Juni im Fachbereich 04 habilitiert. Er übernimmt nun übergangsweise die Fachjournalistik Geschichte. Noch vor der Einführungswoche ist er bereits in das Büro seines "alten Chefs" umgezogen. "Für das neue Semester wird es keine tiefgreifenden strukturellen Veränderungen an der Fachjournalistik geben", verspricht der Gießener Zeithistoriker. In seiner aktuellen Vorlesung, die diese Woche beginnen wird, geht es um "Visual History" des 20. Jahrhunderts: Bilder die Geschichte schrieben.
Zu den bekannten Gesichtern ist Eva Maria Gajek als Wissenschaftliche Mitarbeiterin ins Haus E hinzugekommen. Sie übernimmt die Aufgaben von Peter Hoeres, u.a. die Praktikumsbetreuung und die Studienberatung der Fachjournalistik. Ihre Dissertation über „Die Olympischen Spiele von Rom (1960) und München (1972) als transnationales Medienereignis“ hat sie im Juli diesen Jahres noch bei Professor Bösch eingereicht. Hinzu kommt ferner als Leiter der Einführungsseminare Christoph Hilgert, der selbst in Gießen Fachjournalistik Geschichte studiert hat. Er promoviert über „Die unerhörte Generation. Jugend im westdeutschen und britischen Hörfunk der 1950er und frühen 1960er Jahre“.
"Der neue Kurs innerhalb der Fachjournalistik wird sich auch im UNIversum niederschlagen.", sagt die neue Chefredakteurin Anne Raßner des Online-Magazins. Peter Hoeres möchte den Vorschlag der jungen Nachwuchsjournalistin aufgreifen und mehr journalistische Darstellungsformen im UNIversum etablieren. "Im Praktikum wird man oft ins kalte Wasser geschmissen", erklärt Anne, die auch Freie Mitarbeiterin beim Gießener Anzeiger ist. Im neuen UNIversum sollen deshalb, so die Vorstellung von Peter Hoeres und Anne Raßner, besonders ein Aktuellteil mit mehr universitären Themen platziert werden. "Redakteure des UNIversums sollen auf diese Weise das Schreiben einer Nachricht, einer Reportage und einer Glosse besser trainieren", so Peter Hoeres im Gespräch mit der neuen Chefredaktion.
Inwiefern sich der Führungsstil von Peter Hoeres von Frank Bösch unterscheiden wird, können Gießener Studenten erst im Laufe der Zeit feststellen. Jedenfalls läuft der neue Motor in der Fachjournalistik bereits auf Hochtouren.