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Richtig rezensieren kann man lernen

Kritiken schreiben über Literatur, Musik und Film gehört zum Handwerk eines jeden Kulturjournalisten. Erstmalig hat sich dieses Semester das Proseminar "Rezensionen schreiben lernen" mit dieser wichtigen journalistischen Darstellungsform beschäftigt. Seminarleiter Dr. Peter Hoeres berichtet, worauf es beim richtigen Rezensieren ankommt und präsentiert die besten studentischen Arbeiten zu geschichtswissenschaftlichen Neuerscheinungen.



 

 

Editorial von Dr. Peter Hoeres

Im Sommersemester 2009 habe ich unter großer studentischer Beteiligung das Seminar „Rezensionen schreiben lernen“ geleitet. Kann man überhaupt schreiben lernen? Bis zu einem gewissen Grade ja, so meine ich. Denn für eine gute Rezension gibt es ganz bestimmte Kriterien. Diese reichen von der vollständigen und korrekten bibliographischen Angabe des rezensierten Werkes über die adäquate Wiedergabe des Inhaltes bis zu einer argumentativen, wohl begründeten Kritik, für welche die Kenntnis von Vergleichswerken unabdingbar ist. Neben orthographisch korrektem und stilistisch sauberem Deutsch sind daneben der richtige Einsatz von Stilmitteln wie Ironie, Metaphern, Zitaten, Paraphrasen, historischem Präsens etc. zu beachten.

Bestandteil des Seminars war außerdem ein wenig diskutiertes Thema, das man mit dem Begriff „Rezensionsethik“ umschreiben könnte und das jeder Rezensent immer im Hinterkopf haben sollte: Ein bestelltes Lob kann ebenso wie der Verriss eines Konkurrenten unangenehm auffallen. Andererseits erfordern etwa Dissertationen, die hinter den Forschungsstand zurückfallen, oder Romane, die von Druckfehlern und fehlenden Anschlüssen strotzen, ein klares Urteil. Und auch ein Meisterwerk muss meisterlich gefeiert werden.

Zu guter Letzt wollte ich bei aller Handreichung aber auch die Entwicklung eines eigenen Stils der Rezensenten nicht verhindern, sondern fördern. Wenn beispielsweise jemand in das Erfinden von Sprachbildern verliebt ist, so kann man auf schiefe Vergleiche aufmerksam machen; die eigene Art der Vermittlung von Gelesenem sollte aber erhalten bleiben.

Rezensionen kann man über wissenschaftliche und schöne Literatur, Spiel- und Dokumentarfilme, klassische und Popmusik schreiben. Im Seminar haben wir alle diese Genres behandelt. Hier im UNIversum sind nun einige Rezensionen von geschichtswissenschaftlichen Neuerscheinungen publiziert. Weitere Buchbesprechungen belletristischer Titel befinden sich unter der Rubrik Literatur

Den Lesern wünsche ich gute Unterhaltung bei einer großen thematischen Vielfalt und vielleicht Anregungen für die nächste Urlaubslektüre.

Buch-Cover Masculinity in Fiction and Film
(Bildmaterial: Continuum)

Der Wunsch, ein Held zu sein…

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl: Man kommt aus dem Kino und wünscht sich, man selbst wäre der Mann, den man noch vor ein paar Minuten auf der Leinwand bewundert hat. Der Mann, den selbst in größter Gefahr nichts aus der Ruhe bringen kann. Der unsere Welt im letzten Moment vor einer Katastrophe bewahrt und in dessen Armen am Ende des Films eine bezaubernd schöne Frau liegt. Wie aufregend wäre es, anstelle dieses Mannes zu sein, der uns immer wieder aufs Neue präsentiert wird.
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Buch-Cover Klimakriege
(Bildmaterial: S. Fischer Verlag)

Eine düstere Prognose

Harald Welzer stellt eine düstere Prognose auf, wie im 21. Jahrhundert um Ressourcen gekämpft werden wird. Der Sozialpsychologe Welzer ist Jahrgang 1958 und arbeitet als Direktor des „Center for Interdisciplinary Memory Research“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen sowie an der Universität Witten/Herdecke als Forschungsprofessor. Mit „Opa war kein Nazi“, „Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden“ und „Der Krieg der Erinnerung. Holocaust, Kollaboration und Widerstand im europäischen Gedächtnis“ hat Welzer im gleichen Verlag bereits bedeutende Werke vorgelegt.
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Buch-Cover Staufer und Welfen
(Bildmaterial: Verlag Friedrich Pustet)

Staufer und Welfen – Zwei Adelsgeschlechter im Kampf um Macht und Ehre

Die Stauferzeit gilt bis heute unter Historikern als einer der Höhepunkte deutscher Geschichte. Die Dynastie der Staufer erlosch jedoch bereits am 29. Oktober 1268 mit der Ermordung Konradins in Neapel, während jene der Welfen bis zur heutigen Zeit andauert. Letztere gelten in der Geschichtsschreibung als „finstere Gegenspieler der glanzvollen Staufer“.
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Buch-Cover Hat die Fußball-WM 2006 den Stahlhelm verbannt
(Bildmaterial: Tectum Verlag)

Retro- oder Prospektive? Warum knapp daneben eben auch nur vorbei ist.

Die Weltmeisterschaft 2006 ist vielen noch frisch im Gedächtnis. In der deutschen Presse wunderte man sich über die ausgelassenen Feiern auf den Straßen und die scheinbar südländische Mentalität der eigenen Nation. Doch wie wirkten sich diese vier Wochen auf das Bild der Deutschen im Ausland aus? In ihrem Buch „Hat die WM 2006 den Stahlhelm verbannt“ versucht Kathrin Och eine Veränderung des Deutschlandbildes in der Sportberichterstattung der britischen Presse nachzuweisen. Dieses soll sich, so die Theorie, aufgrund der WM 2006 in Deutschland zum Positiven verändert haben.
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Buch-Cover The Cinema of Werner Herzog
(Bildmaterial: Wallflower Press)

Die Suche nach der ästhetischen Wahrheit

Werner Herzog, im Ausland einer der meistgeschätzten deutschen Regisseure der letzten vierzig Jahre, konnte diesen Status in Deutschland nur im kleinen Kreis erlangen und zählt in der breiten deutschen Öffentlichkeit eher zu den unbekannten Größen. So verwundert es auch nicht, dass die erste Gesamtdarstellung des filmischen Schaffens Werner Herzogs von Brad Prager, einem Professor der Film Studies und German Studies an der University of Missouri-Columbia, verfasst wurde.
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Buch-Cover Kalte Heimat
(Bildmaterial: Siedler Verlag)

Vertrieben! Assimiliert! Integriert?

In seinem Buch „Kalte Heimat“ befasst sich der promovierte Historiker Andreas Kossert mit dem Schicksal der 14 Millionen Deutschen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands vertrieben wurden. Ihrer Heimat beraubt, mussten sie sich in Westdeutschland und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) auf oftmals beschwerlichem Weg eine neue Existenz aufbauen.
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Buch-Cover Demokratische Republik Kongo
(Bildmaterial: Verlag Ferdinand Schöningh)

Reiseführer in die Geschichte Zentralafrikas

Das Bild Afrikas im Westen ist geprägt von Gewalt, Armut und Unterdrückung. Ein Kontinent der Katastrophen und Konflikte, welcher scheinbar an seiner eigenen Primitivität zu Grunde geht. Das öffentliche Wissen über die Kultur und Geschichte Afrikas ist jedoch verschwindend gering. Nur in Momenten der Eskalation flimmern anarchische Bilder roher Gewalt über die Fernseher der europäischen Haushalte. Besonders oft thematisieren diese die Demokratische Republik Kongo. Der Staat in Zentralafrika zeigt wie kein anderer, wie wichtig es ist, die Hintergründe solcher Bilder zu kennen. Vielleicht um zu verstehen, vielleicht um die Verantwortung von uns Europäern zu entdecken, denn fast alle modernen Konflikte Afrikas haben ihre Wurzeln in der Kolonialzeit. Genau hier setzt dieses Buch an.
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Buch-Cover Terror und Traum
(Bildmaterial: Carl Hanser Verlag)

Moskauer Schizophrenie - Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust.

Moskau 1937: Die Millionenstadt an der Moskwa ist viel mehr als die Hauptstadt der jungen Sowjetunion. Sie ist Brenn- und Verdichtungspunkt der stalinschen Herrschaftsepoche, schillernd in allen Farben des alltäglich gewordenen Kampfes um Lebensfreude, ja in etlichen Fälle um das Leben selbst.
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Buch-Cover Prager Frühling
(Bildmaterial: Universitäts-Verlagsbuchhandlung GmbH Wien)

Vom menschlichen Antlitz der Reformen - 40 Jahre nach dem Prager Frühling

In der Nacht auf den 21. August 1968 wurde die tschechoslowakische Reformbewegung durch die militärische Intervention der Sowjetunion und fünf weiterer Staaten des Warschauer Pakts niedergeschlagen. Zum 40-jährigen Jubiläum der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings erschien Dieter Segerts Monographie, in der er die weitreichenden Konsequenzen des Prager Frühlings zeigen will, z. B. für den demokratischen Umbruch 1989 oder die zeitgenössische linke Politik.
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Buch-Cover Was denkt das Volk
(Bildmaterial: Tectum Verlag)

Was denkt das Volk

Mit seiner im Jahr 2007 im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Konstanz vorgelegten Diplomarbeit liefert Sven Wettach einen soliden, aber nicht mit revolutionären Thesen ausgestatteten Abriss der Geschichte der Umfrageforschung im 20. Jahrhundert. Die teilweise nur ungenau formulierten „Darstellungen zu Einzelaspekten“ (S.12), an denen sich Wettach in vier Hauptteilen entlang hangelt, laufen zu einer chronologischen Abfolge über die Geschichte der Demoskopie zusammen: von den ersten Umfragen im Deutschen Reich, über die Entwicklung in der Weimarer Republik und den propagandistischen Missbrauch im Nationalsozialismus bis hin zu einer im Zuge des Kulturtransfers durch die Amerikaner sich neu etablierende Meinungsforschung, die sich mit Hilfe des bereits vorhandenen personellen Unterbaus aus der Vorkriegszeit entfalten kann.
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Redaktion
20.07.2009 20:50
 

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