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Gescannte Vergangenheit

 
Seite aus einem Fotoalbum von Richard Schirrmann
Fotostoria digitalisierte u. a. den Bildnachlass von Richard Schirrmann, Gründer des Deutschen Jugendherbergswerkes. Hier zu sehen eine Seite aus einem seiner Fotoalben. (Foto: Fotonachlass Richard Schirrmann © LWL-Medienzentrum für Westfalen)

 

Dass Fotos wunderschöne und goldwerte historische Quellen sein können, ist kein Geheimnis. Ob in Aufsätzen, Geschichtsbüchern, Hausarbeiten – Fotos haben die gute Eigenschaft, Themen visuell zu unterstreichen und historische Sachverhalte zu verdeutlichen. Zu sehen bekommen wir aber, wenn sich der Autor für Bildmaterial entscheidet, nur eine wohl durchdachte Auswahl. Abgesehen von Archiven, in denen Bilder oft nur einem exklusiven Publikum zugänglich sind, können sie meist nur im Rahmen einer entgeltlichen Ausstellung ein größeres Publikum erreichen. Nicht zuletzt deshalb gewinnt das Internet als neuer frei zugänglicher und kostenloser Archiv- und Ausstellungsraum immer größere Bedeutung für ein wachsendes Publikum. Die promovierte Kunsthistorikerin Ruth von dem Bussche trägt mit ihrem 2004 gegründeten Projekt „Fotostoria“ zu der Präsenz von historischer Bilddokumentation im Internet bei und zeigt, dass berufliche Nischensuche eine Goldgrube für Absolventen eines Geschichtsstudiums sein kann. In einem vierwöchigen Praktikum durfte ich sie bei ihrer Arbeit unterstützen.

 

 

 

 

 

Mein Arbeitsplatz

Ob es die Ebstorfer Weltkarte, eine Königsurkunde aus dem 10. Jahrhundert oder ein memphitischer Papyrus  ist - die digitale Aufbereitung und Speicherung von historischem Bild- und Schriftmaterial erleichtert nicht nur die Arbeit für Historiker, sie gewährt Studenten und jedermann auch unbegrenzt Zugang zu den (Bild)Quellen der Weltgeschichte. Viele Dozenten gehen mittlerweile dazu über, in Seminaren online einen Blick auf das historische Quellenmaterial zu werfen. Für ein Geschichtsstudium sind Onlinebildbestände also von immer größer werdender Bedeutung. Fotostoria (der Name ist ein Wortspiel aus Foto und historia) ist ein Dienstleistungsunternehmen für Wissenschaft und öffentliche Archive, das sich auf die Bereitstellung von historischen Bildarchiven im Web spezialisiert hat.

 

Die meisten Auftraggeber von Fotostoria sind wissenschaftliche Einrichtungen und Archive, aber auch Privatpersonen, die Fotosammlungen an das Unternehmen übergeben. Die Aufgabe der Agentur besteht darin, die Originale einzuscannen und gegebenenfalls zu bearbeiten. Das kann bei einem Fotobestand von mehreren tausend Bildern sehr zeitaufwändig sein. Die bearbeiteten Fotos werden auf Festplatten gespeichert und an den Auftraggeber zurückgegeben. So kann das Bildmaterial zum Beispiel für eine Ausstellung oder eine Internetpräsenz genutzt werden.

 

Ruth von dem Bussche beschreibt ihre Arbeit so: „Als freiberufliche Kunsthistorikerin habe ich mich auf die Arbeit mit Bildarchiven sowie elektronisches Publizieren spezialisiert: Ich verbinde dabei die technischen Aspekte (Digitalisierung, Dokumentation, Archivierung) mit der fotogeschichtlichen Seite der Archive. Ich arbeite für Einrichtungen in Bildung und Forschung mit dem Schwerpunkt Datenbankanwendungen, elektronisches Publizieren und Content Management Systeme (CMS).“ (Zitat aus: http://www.fotostoria.de/?page_id=133 )

Während meines Praktikums bearbeitete ich hauptsächlich den Fotonachlass des Jugendherbergsgründers Richard Schirrmann. Die Fotosammlung wurde Fotostoria von dessen Tochter, Gudrun Schirrmann, übergeben. Träger dieses Auftrages war das LWL-Medienzentrum für Westfalen. Der Bildnachlass bestand aus eigens angelegten, aber auch geschenkten Fotoalben sowie Glasplatten- und Kleinbildnegativen, die die Entwicklung der Jugendherbergsbewegung illustrierten, vor allem die Gründerzeit. Die Zeitspanne, in der die Bilder entstanden, reichte vom Ersten Weltkrieg bis in die 80er Jahre. Der Kontakt mit diesen Bildern war ein besonderes Erlebnis für mich: Ich sah zum Beispiel Soldatenfotos aus Schirrmans Kriegseinsatz, fernab vom populärem Bildmaterial, das in Geschichtsbüchern abgedruckt ist. So konnte ich den Ersten Weltkrieg aus der fotografischen Perspektive eines Einzelnen wahrnehmen. Das ermöglichte mir einen neuen, persönlicheren Zugang zur Geschichte. Zudem lernte ich zum ersten Mal klassisches Fotomaterial wie Glasplatten und Kleinbildfilmstreifen kennen, das in Zeiten digitaler Kameras und einem eher sporadischen Wissen über Fotografie ein fremdes Terrain für mich war.

 

Meine Praktikumsvorgängerin hatte bereits die Glasplattennegative gereinigt und anschließend die Informationen zu den Bildern digital erfasst. Die bearbeiteten Bilddateien wurden dann in eine zugangsgeschützte Website geladen, die den Mitarbeitern des Medienzentrums Westfalen sowie weiteren Einrichtungen und Wissenschaftlern zur Verfügung stand, die sich mit der Vorbereitung befassten – schließlich sollte eine Ausstellung über den Jugendherbergsgründer zu sehen sein. Am 23. August 2009 wurde dann die Ausstellung: „Über Stock und Stein- 100 Jahre Jugendherbergen“ eröffnet. Bis zum 21. Februar 2010 waren die Bilder in der Jugendherberge Burg Altena zu sehen. Da meine Vorgängerin die Hauptarbeit schon erledigt hatte, bestand meine Aufgabe in der letzten Nachbearbeitung und Kontrolle der Bilder. Das hieß zu überprüfen, ob Fehler in der Nummerierung der eingescannten Bilder vorhanden waren und ob die Beschreibungen der Bilddateien mit den Beschreibungen in der Bestandsliste übereinstimmten. Zudem konnte ich einmal in die Arbeit eines Fotoarchivars reinschnuppern: Einige Glasplatten des Fotobestandes waren über die Zeit zerbrochen. Nach deren Digitalisierung reparierte ich eine dieser kaputten Glasplatten, indem ich die Fragmente zwischen zwei Sandwichgläser legte und am Rand verklebte. So konnte das Glasplattennegativ in stabilem Zustand wieder in den Bestand einsortiert werden.

 

Nebenher erhielt ich Einweisungen in elektronische Datenbanksysteme wie das Content Management System (CMS), Plone und dem Blog Fotostoria selbst. Meine Aufgabe auf dem Fotostoria Blog bestand beispielsweise darin, eine Übersicht über ausländische Bildarchive anzulegen. Diese
Übersicht ermöglicht die Online-Fotosuche historischer Bilder. Da die Archive meist nur in der jeweiligen Landessprache durchsuchbar sind, sollte ich für den potentiellen User ein paar nützliche Suchbegriffe in der passenden Landessprache auswählen.

 

Generell waren alle technischen Aufgaben immer mit historischen Aspekten verbunden. Man musste sich bei jedem Bild, das man elektronisch bearbeitete, natürlich verdeutlichen mit welcher historischen Epoche man es zu tun hatte. Aber auch wenn man ein paar Suchbegriffe in der jeweiligen Landessprache postete, musste man sich fragen, welche relevant sind und mit welchen man zu historisch interessanten Fotos gelangt.

 

Auch fototechnische Aspekte kamen während meines Praktikums nicht zu kurz. Ich lernte Fotofachzeitschriften kennen und musste mir durch eigene Recherche Kenntnisse in der Fotografie aneignen. Im Vorfeld erhielt ich dafür wertvolle Tipps zur allgemeinen und effektiven Nutzung des Opacs und Websites wie DigiBib. Anhand einiger Bilder musste ich mein recherchiertes Wissen dann einmal unter Beweis stellen und in der Lage sein, einige beispielhafte Fragen zu beantworten: Welches Bild ist heller belichtet? Wie kommen die Kratzer auf dem Originalbild zustande?

 

Insgesamt zielt das Praktikum bei Fotostoria auf eigenständiges Arbeiten und Kenntnissgewinnung im fotohistorischen, geisteswissenschaftlichen und IT-Bereich ab. Allerdings setzt die Initiatorin auch je nach Praktikant akzentuierte Schwerpunkte. Studiengang, technisches Vorwissen und auch persönliche Interessen spielen für die praktischen Tätigkeiten bei Fotostoria eine Rolle. Insgesamt stehen zwar eher technische als historische Aspekte im Vordergrund, aber es gibt, wie bereits erwähnt, viele Berührungspunkte.


Mein Fazit

Fotostoria beschäftigt immer nur einen Praktikanten, dieser allerdings trägt zum laufenden Projekt sichtbar bei. Positiv hervorzuheben ist in jenem Fall, dass man als Student die Möglichkeit eines vierwöchigen Praktikums erhält. Die Arbeit findet innerhalb eines kleinen Mitarbeiterkreises in sehr angenehmer, persönlicher Atmosphäre statt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Entlohnung des Praktikums, was sicher keine Selbstverständlichkeit ist.

 

Der Wandel von historischem zu digitalisiertem Bildmaterial war für mich interessant zu verfolgen. Es hat mir die Frage beantwortet, wo historisches Bildmaterial in einer heutigen digitalen Welt seinen Platz finden kann. Immerhin hat sich die Initiatorin, Frau Ruth von dem Bussche, als Kunsthistorikerin einen Nischenbereich gesucht, den sie durch interessante Projekte zu füllen weiß. Für mich war das Praktikum gerade deshalb lohnenswert, weil ich nicht nur im informations- und fototechnischen Bereich neue Kenntnisse, sondern auch eine Berufsperspektive gewinnen konnte.

 

Das Praktikum hat mit gezeigt, dass es in jedem Fall von Vorteil ist, sich auch in einem geisteswissenschaftlichen Studium informationstechnische Grundkenntnisse anzueignen. Seien es Onlinearchive, -magazine oder –ausstellungen: Immer öfter haben Berufe mit historischem Schwerpunkt auch eine technische Seite. Wer die Verbindung von historischem Material und seiner digitalen Darstellung einmal genauer kennenlernen will, dem kann ich Fotostoria sehr empfehlen.

 

 

Projekte von Fotostoria

  • Eines der Projekte von Fr. Dr. Ruth von dem Bussche sind eingescannte, aber auch elektronisch durchsuchbare historische Matrikelbücher der Münchener Akademie der Bildenden Künste: http://matrikel.adbk.de/
  • weiteres Projekt: Online-Pulikationsportal für historische Zeitschriften und Reihen: www.perspectivia.net

 

 

Von Sarah Orland