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Die GewinnerInnen des Ideenwettbewerbs zur Frauenförderung der JLU

 
Justus-Liebig-Universität fördert in der zweiten Ausschreibung sechs Pilotprojekte

Um Anreize für neue Initiativen zur Herstellung von Chancengleichheit in der Wissenschaft zu schaffen, hat die Justus-Liebig-Universität unter Federführung der Frauenbeauftragten im März dieses Jahres zum zweiten Mal einen universitätsinternen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Im Rahmen des Ideenwettbewerbs wird die konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung innovativer Maßnahmen in den Fachbereichen und zentralen Einrichtungen der JLU gefördert, die dem Abbau von strukturellen Barrieren für Wissenschaftlerinnen und von bestehenden Unterrepräsentanzen auf allen Qualifikationsstufen sowie der Integration der Frauen- und Geschlechterforschung in Forschung und Lehre dienen.

Auch die zweite Ausschreibung des Ideenwettbewerbs ist mit insgesamt zehn Bewerbungen aus sieben Fachbereichen und einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung auf eine erfreulich große Resonanz gestoßen. Auf Vorschlag der Gleichstellungskommission hat das Präsidium der JLU beschlossen, folgende Pilotprojekte, die Modellcharakter für andere Fächer und Fachbereiche besitzen, zu fördern:

 

1. AG Familienfreundlicher Campus Recht und Wirtschaft (Projektleitung: Dekan des FB 01, Prof. Dr. Jens Adolphsen; Dekan des FB 02, Prof. Dr. Jürgen Meckl)


Im Rahmen der Projektförderung wird die von MitarbeiterInnen der Fachbereiche 01 und 02 ins Leben gerufene AG „Familienfreundlicher Campus Recht und Wirtschaft“ durch die Einrichtung einer wissenschaftlichen Hilfskraftstelle für den Aufbau eines Beratungsangebots für Studierende mit Kind unterstützt. Ziel des Pilotprojekts ist es zum einen, studierenden Eltern konkrete Hilfestellungen bei der Organisation von Studium und Prüfungen anzubieten. Zum anderen sollen die Studienbedingungen für studierende Eltern – z.B. durch Optimierung der Studien- und Prüfungsordnungen – in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen und Prüfungsämtern verbessert werden, um so mittel- und langfristig bestehende Hemmnisse für Studierende mit Kind in der Phase der Ausbildung und Berufsfindung abbauen zu können.

 

2. „Tobias in die Werkstatt und Lena in die Kita?“ Geschlechtersensible Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler aller Schulformen (Projektleitung: Prof. Dr. Marianne Friese; Dr. Christine Küster, FB 03, Institut für Erziehungswissenschaft, Professur für Berufspädagogik/Didaktik der Arbeitslehre in Kooperation mit Dr. Wolfgang Lührmann, ZfL)


Ziel des Pilotprojekts, das sich zunächst an Studierende der Bachelor-/Master-Studiengänge „Berufliche und Betriebliche Bildung“ (BBB) für das Lehramt an Beruflichen Schulen (L4) und Lehramtsstudierende mit dem Fach Arbeitslehre (L2, L5) richtet, ist die Etablierung einer geschlechtersensiblen Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Durchführung der Schulpraktischen Studien in Lehramtsstudiengängen der JLU. Dies schließt die Sensibilisierung von Lehramtsstudierenden zur Problemlage geschlechterbezogener Ungleichheiten in der Phase der Berufsorientierung ebenso mit ein, wie die Entwicklung, Erprobung und Evaluation konkreter Handlungsansätze für eine geschlechtersensible Methodik und Didaktik in der schulischen Praxis.

 

3. Weiterentwicklung des E-learning-Angebots „e-campus Altertum“ als Maßnahme zur Umsetzung des Audits „Familienfreundliche Hochschule“ sowie zur verstärkten und verstetigten Einbindung von Themen der Frauen- und Genderforschung in die Lehre (Projektleitung: Prof. Dr. Anja Klöckner; Prof. Dr. Helmut Krasser; Prof. Dr. Peter v. Möllendorff, FB 04, Institut für Altertumswissenschaften)


Die geplante Weiterentwicklung des E-learning-Angebots im Rahmen des „e-campus Altertum“ soll eine flexiblere Zeiteinteilung im Studium durch Erweiterung virtueller Lehrangebote ermöglichen und auf diese Weise zum Abbau von strukturellen Barrieren in Bezug auf die Vereinbarkeit von Studium und Familie beitragen. Der im Rahmen des Pilotprojekts vorgesehene Ausbau der bestehenden Lehrangebote ist zugleich mit einer Erweiterung der Lerninhalte durch systematische Berücksichtigung von Themen der Frauen- und Geschlechterforschung (Körperbilder, geschlechtsspezifische Repräsentationsformen, soziale Räume/soziale Rollen in der griechischen Polis und in der römischen Stadt, geschlechtsspezifische Feste und Kultpraktiken, weibliche/männliche Lebenswelten, Geschlechterkonstruktionen in der Literatur) verbunden.

4. Tagungsreihe „Gender Studies“ in den Kulturwissenschaften für Masterstudierende der literaturwissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Studiengänge zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen (Projektleitung: Prof. Dr. Annette Simonis, FB 05, Institut für Germanistik, Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft


Im Mittelpunkt dieses Pilotprojekts steht die Durchführung einer Tagungsreihe von und für Studierende zu Themenstellungen aus dem Bereich der Gender Studies. Ziel der geplanten Tagungsreihe ist es zum einen, die Sichtbarkeit dieses interdisziplinären Forschungsfeldes zu erhöhen, fortgeschrittene, forschungsorientierte Studierende der unterschiedlichen literaturwissenschaftlichen (und kulturwissenschaftlichen) Masterstudiengänge des FB 05 und FB 04 dazu zu motivieren, sich intensiver mit genderbezogenen Fragestellungen zu beschäftigen und ein gemeinsames Forum für den fächerübergreifenden Austausch zu bieten. Zum anderen werden den Studierenden mit der Mitarbeit an der Organisation und Durchführung von Tagungen, der Erarbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen und wissenschaftlicher Problemlösungen in Tagungsvorträgen und Beiträgen zu wissenschaftlichen Tagungsbänden wichtige Schlüsselqualifikationen für eine wissenschaftliche Laufbahn vermittelt.

 

5.  „BioMenti“ – Projekt zur Förderung der überfachlichen Kompetenzen beim naturwissen-schaftlichen Arbeiten von studentischen Mentorinnen (Projektleitung: Claudia Westermann, FB 07, Institut für Biologiedidaktik)

 

Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Befunde, die zum einen zeigen, dass Schülerinnen – insbesondere in den MINT – Fächern nach wie vor eine geringeres Selbstvertrauen entwickeln und die zum anderen darauf hinweisen, dass Lehrerinnen als bedeutsame soziale Akteure eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung eines adäquaten fachbezogenen Selbstkonzepts spielen, sollen Biologiestudentinnen im Rahmen dieses Pilotprojekts als Mentorinnen für Schülerinnen ausgebildet werden: In einem vorbereitenden Seminar sollen Studentinnen der Biologiedidaktik zunächst dahingehend motiviert werden, sich selbstständig mit naturwissenschaftlichen Forschungsfragen zu beschäftigen und sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden, um diese Erkenntnisse auf ihre Arbeit mit Schülerinnen übertragen zu können. In der zweiten Projektphase sollen die Studentinnen Arbeitsgruppen an Kooperationsschulen betreuen, die am SchülerInnenwettbewerb "Jugend forscht" teilnehmen, und als Mentorinnen Schülerinnen ermutigen, sich selbstbewusst an naturwissenschaftliche Forschungsfragen zu wagen.

 

6. Perspectives – Gender Awareness and Career Chances for Women in the Life Sciences/ Perspektiven – Geschlechterbewusstsein und Karrierechancen für Frauen in den Lebenswissenschaften (Projektleitung: Prof. Dr. med. Eveline Baumgart-Vogt; Dr. Lorna Lück, GGL)


Ziel des Pilotprojekts ist die gezielte Erweiterung des GGL-Trainingsprogramms durch Berücksichtigung der Genderperspektive und der interkulturellen Perspektive. Im Zentrum des geplanten Angebots stehen u.a. die Vermittlung von Karriereperspektiven und Schaffung von Anreizen durch die Vorstellung erfolgreicher Wissenschaftlerinnen und ihrer Karrierewege, Hilfe beim Aufbau von persönlichen und professionellen Netzwerken, Trainings für Doktorandinnen im Bereich professioneller Schlüsselkompetenzen sowie ein initiales Beratungsangebot zu Karriereoptionen und Antragsfragen, insbesondere für internationale Doktorandinnen. Neben den explizit an Frauen in den Lebenswissenschaften adressierten Angeboten ist eine systematische Integration der Genderperspektive, sowohl in das Vortragsprogramm, als auch in alle Workshops des GGL, vorgesehen. Durch die Verknüpfung mit Kerninteressen aller Promovierenden (fachliche Weiterbildung und Karriereplanung) soll die Zielgruppe der Teilnehmenden (z.B. um diejenigen, die nicht an Fragen der Gleichstellung interessiert sind) und eine Sensibilisierung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern für Gender- und Diversity-Aspekte ermöglicht werden.