Geschichte der Kinderuni
Kinder sind die Studierenden von morgen - vielleicht sogar die Wissenschaftler von übermorgen. Die Forschungsergebnisse, die Experten heute vorweisen können, werden schon morgen auf vielfältige Weise Eingang in unser Alltagsleben finden. Die Wissbegier der Kinder kennt keine Grenzen. Die Justus-Liebig-Universität Gießen hat daher ihre Pforten für den Nachwuchs schon lange geöffnet, ehe die ersten Kinderuniversitäten (den Anfang machte die Universität Tübingen im Sommer 2002) wie Pilze aus dem Boden sprossen. Bereits seit 1968 hat die Justus-Liebig-Universität mit großem Erfolg regelmäßig Kinder- und Jugendvorlesungen durchgeführt und ist damit in Deutschland sogar ein Vorreiter gewesen.
Manche kleinen Besucher von damals sind heute selbst Eltern. So freut es die Organisatoren von Justus' Kinderuni umso mehr, wenn sich diese Erwachsenen ihre damalige Begeisterung bewahrt haben und nun ihren eigenen Nachwuchs in die Hörsäle schicken. Sogar Großeltern, die mit ihren Kindern einst allgemeinverständliche Vorlesungen im Bereich der Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaften besuchten, haben sich in der Kinderuni gemeldet, um für ihre Enkel "Studierendenausweise" besorgen.
Mit Justus' Kinderuni ist ein fester Rahmen geschaffen, in dem Kinder ihren Wissensdurst stillen und ihre Fragen an die Experten stellen dürfen. In jedem Semester werden jeweils vier Vorträge angeboten. Eingeladen sind Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren. Die Vortragsthemen sollen die Breite des Fächerangebots der Gießener Universität widerspiegeln, aber auch auf aktuelle Fragestellungen eingehen. Die Kinder sollen die Universität als eine offene Einrichtung erleben, die sie ohne Schwellenängste betreten dürfen. Schön wäre es natürlich, wenn sie sich eines Tages, wenn sie berufliche Weichen stellen müssen, an möglichst viele positive Erfahrungen dieser Art erinnern würden.
Am 31. Mai 2005 um 16.15 Uhr - einen Tag vor dem Weltkindertag - war es endlich soweit: Zum offiziellen Start von Justus' Kinderuni im Sommersemester 2005 stürmten rund 500 Mädchen und Jungen die Uni-Aula in der Ludwigstraße. Kaum hatte sich das erste Getöse gelegt, lauschten sie andächtig 45 Minuten Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, dem Hausherrn des Mathematikums, der die Kinder in die Welt der Zahlen entführte und fragte: "Wozu braucht man Zahlen?" Das Nachsehen hatten eindeutig die enttäuschten Eltern, denn für Erwachsene hieß es "leider kein Zutritt".