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Demokratische Linke an der Uni Gießen

Vom 17.06. bis 19.06.2011 findet in Gießen der Burschentag der Neuen Deutschen Burschenschaft (NDB) statt. Schon im Vorfeld findet am 8. Juni um 19 Uhr ein Vortrag im Café Amélie statt. Nähere Infos gibt es hier. Im Folgenden der Bündnis – Aufruf gegen den Burschentag.

Gegen Männerbünde und Sexismus! Für ein selbstbestimmtes Leben!
Vom 17. bis 19. Juni findet in Gießen der Burschentag der „Neuen Deutschen Burschenschaft“ (NDB) zeitgleich zum Burschentag der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) in Eisenach statt. Wir kritisieren das gesamte Verbindungswesen und werden unsere Kritik am 17. Juni in Gießen auf die Straße tragen!

Neue Burschen mit alten Werten
Nachdem der Burschentag der „Neuen Deutschen Burschenschaft“(NDB) vergangenes Jahr in Marburg stattfand, ging der Verbandsvorsitz für das Jahr 2011 an die Giessener Verbindung Frankonia, welche nun auch den alljährlichen Burschentag ausrichtet.
Die NDB entstand aus einer Abspaltung einiger Verbindungen von der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), der Verbindungen aus dem extrem rechten Spektrum angehören und deren Mitglieder teils auch der NPD angehören. Seit ihrer Gründung 1996 versucht sich die NDB als die liberale Alternative zur DB zu präsentieren. Als Verband verfolgt die NDB jedoch bis heute eine zutiefst reaktionäre Ideologie, die auf Nationalismus, Rassismus, Elitedenken und Sexismus basiert. So wird nach wie vor Frauen die Mitgliedschaft in den NDB-assoziierten Verbindungen verwehrt und studentisches Fechten bleibt eine verpflichtende Tradition, wenn auch auf eine Selbstverstümmelung durch eine verpflichtende Mensur verzichtet wird.
Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Mitgliedschaft von DB- und NDB- Burschenschaften im „Convent Deutscher Akademiker“ (CDA) und regelmäßigen, gemeinsamen Trinkritualen von Angehörigen beider Verbände in so genannten „Waffenringen“, wird deutlich wie oberflächlich die Distanzierung der NDB von der DB vielfach bleibt. Aktuell wird in der Verbandsinternen Periodika der NDB über eine Annäherung an die DB diskutiert. Eine ähnliche Konstellation lässt sich für Gießen nachzeichnen. Dort stand die Frankonia den, nun teilweise ehemaligen, DB-Verbindungen lange Zeit sehr nahe. Man traf sich regelmäßig zu Trinkgelagen und focht gemeinsam im „Gießener Waffenring“. Erst nachdem öffentlich skandalisiert wurde, dass sich in den Reihen der Dresdensia-Rugia auch hochrangige NPD-Mitglieder befinden, ging die Frankonia, wenn auch zögerlich, gegenüber der DR auf Distanz.

Lebenslänglich hierarchisch
Burschenschaften sind hierarchisch aufgebaut. Die drei Ebenen in die sich das Leben eines Verbindungsmitgliedes unterteilt sind „Fux“, „Bursche“, „Alter Herr“. Schon in der Bezeichnung „Alter Herr“ wird das Prinzip des „Lebensbundes“ deutlich. So ist der Einzelne im Regelfall auf Lebenszeit Mitglied einer Verbindung und trägt als „Alter Herr“ zur Finanzierung der Verbindung bei. Verbindungen haben überdies ein klares Ziel: die Schaffung einer nationalen Elite. Dass es dabei jedoch nicht nur um das ohnehin zu kritisierende Leistungsprinzip geht, verdeutlichen die Seilschaften der Burschenschaften. Denn durch die Protektion der Alten Herren wird der verbindungsinterne Nachwuchs schließlich in führende Stellungen in Politik und Wirtschaft gehievt. Ein Prinzip, dass jegliche Form von Chancengleichheit ad absurdum führt.
Mit der anvisierten Protektion der Burschen durch ihre Alten Herren geht zudem auch eine interne Abhängigkeit mit klaren Hierarchien einher: so obliegt den Alten Herren nicht nur die Vorgabe über die Entwicklung ihrer Verbindung, vielmehr spiegelt sich der klare hierarchische Aufbau auch auf den Versammlungen der Verbindungen wieder. So haben Füxe weitaus weniger Rederecht als Alte Herren und Konflikte werden im Zweifel, mittels autoritärer Maßnahmen, zugunsten der Alten Herren entschieden.
In dieser konfliktfeindlichen und latent undemokratischen Atmosphäre wird das Individuum gezwungen, sich den gegebenen Verhältnissen anzupassen und sich der jeweils nächst höheren Ebene zu unterwerfen.
Diese Form der Unterordnung und Disziplinierung, die das gesamte verbindungsinterne Leben, vom „Fux“ bis zum „Alten Herren“, bestimmt, zielt darauf ab, die Mitglieder einer Verbindung auf das Leben nach dem Studium vorzubereiten, welches nach Möglichkeit in einer Führungspositionen gipfeln soll.
Die Gesellschaft, die von Verbindungen und ihren Mitgliedern angestrebt wird, orientiert sich am burschenschaftlichen Leben und weist eine ähnlich klare, hierarchische und undemokratische Struktur auf. Wer in dieser Struktur das Sagen hat, ist ebenso klar definiert, wie jene, die aus der burschenschaftlichen Perspektive in dieser Gesellschaft als zweitrangig betrachtet und darum aus dem burschenschaftlichen Leben ausgeschlossen werden: So werden Männer, die sich den Härtetests und Disziplinierungsmaßnahmen des burschenschaftlichen Fechtens nicht ausliefern wollen oder dem burschenschaftlichen Weltbild nicht entsprechen ausgeschlossen. Und Frauen, wollen die männerbündischen Verbindungsstudenten schon gar nicht in ihren Reihen dulden. Und wenn doch, dann lediglich als schmückendes Beiwerk auf Bällen.

Männerbünde auflösen!
Folglich ist Frauen die Mitgliedschaft in NDB-Verbindungen explizit untersagt. Eine Haltung, die historisch eine Reaktion auf die sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse im frühen 20. Jahrhundert war, als Frauen zunehmend erfolgreich um ihre Rechte kämpften und auch an den Universitäten zugelassen wurden. Die Burschenschaften versuchten als Folge darauf, ihre Bastion der Männlichkeit in einer sich modernisierenden Welt durch eine Ideologie zu sichern, die in einem geschlechtlich dualistisch ausgerichteten Weltbild, Männer gegenüber Frauen als höherwertig ansieht. Frauen wurden mittels dieser sexistischen Ideologie als Mitglieder kategorisch ausgeschlossen und werden im Weltbild der Burschenschaften bis heute auf traditionelle Aufgaben wie „Kinder und Küche“ reduziert.
Auf diesem Weltbild basieren auch die burschenschaftlichen Fecht- und Trinkrituale. Sie zielen darauf ab, durch die in ihnen angelegten Grenzüberschreitungen all das abzulegen was als „weiblich“ definiert wird, so zum Beispiel „Emotionalität“ und „Schwäche“. Die gepflegten Rituale und der Wahlspruch „Freiheit – Ehre – Vaterland“ zeigen worauf die Verbindungen auch der NDB abzielen: Eine streng hierarchisch denkende, nationalistische, männliche, deutsche Elite.

Deutschland? Nicht schon wieder!
Und auch der verbindungsstudentische Patriotismus grenzt aus wo er kann. Die NDB ist mit dem von ihr gepflegten neoliberalen Standortnationalismus in der globalisierten Gegenwart angekommen. So verwehrt sich das Denken der NDB zwar platten fremdenfeindlichen Parolen und auch mit dem Anwerben von Fachkräften aus „dem Ausland“ hat man nur noch wenige Probleme, sofern sie dem Standort Deutschland nützen. Wer jedoch den Nützlichkeitsnachweis nicht erbringt – ob Asylsuchende oder Migrant_innen, die ohne Bedarf seitens des Standortes Deutschland hierher kommen –, bekommt die Kehrseite des angeblich aufgeklärten Patriotismus innerhalb der NDB zu spüren.

Wir werden die Burschenschafter nicht ungestört in Gießen feiern lassen, sondern mit diversen Aktionen unsere Kritik an Verbindungen und den, auch von ihnen reproduzierten, herrschenden gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen artikulieren. Dem elitären Konkurrenzdenken setzen wir die Vorstellung einer solidarischen, emanzipatorischen Gesellschaft entgegen. Wir erklären uns solidarisch mit den Protesten gegen den Burschentag der „Deutschen Burschenschaft“ in Eisenach!

Gegen Männerbünde, Sexismus und Ausgrenzung!
Gegen Unterordnung, Gehorsam und Disziplin!
Für ein selbstbestimmtes Leben!
Für die soziale Revolution!

For more Infos check noburschentag.blogsport.de.

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