Auf die Anmerkungen der Demokratischen Linken zu ihrer Filmreihe hat die Hochschulliste Uni Grün reagiert. In einer Pressemitteilung schreiben sie, dass die
„Filmreihe (…) bewußt als Film- und Diskussionsreihe betitelt worden (wäre), da es keine Weitergabe von Anschauungen ist, sondern weil genau die Diskussionen geführt werden sollen und ein Diskurs gestartet werden soll. Das kann man von einem akademischen Zielpublikum erwarten und UniGrün verwehrt sich dagegen die Dogmen der DL per se anzunehmen, welche ihrer Weltanschauung entspricht.“
Warum genau reagiert Uni Grün jetzt auf diese Weise? Zuerst mal beziehen sie mit ihrem Statement gar keine Position mehr zu den Inhalten der Filme außer, dass die gezeigte Meinung nicht ihre eigene ist. Eine inhaltliche Auseinandersetzung wollen sie aber auch gar nicht. Denn die Veranstaltung hat nicht zum Ziel „eine bestimmte Meinung weiter zu geben, sondern kritisch zu diskutieren und einen Diskurs zu beginnen“, wie es auf der facebook-Seite zur Filmreihe geschrieben steht. Man könnte ihnen jetzt böse Absicht unterstellen und behaupten, dass das nicht mehr oder weniger ist als der Versuch, sich gegen Kritik zu immunisieren, indem sie vergewissern,
dass sie die Kontroversen um diese Filme kennen und die dargestellte Meinung nicht vertreten würden. Dies mag ein Nebeneffekt sein. In erster Linie ist dies aber ein Reflex. Es wird betont, dass man über alles reden und sprechen dürfe und könne. Ob man über Verschwörungstheorien und die
Verharmlosung der Shoah auch diskutieren sollte, wird dabei außen vor gelassen.
Diese Einstellung, die die lokalen Grünen auf den ersten Blick wie die Wächter und Hüter der Meinungsfreiheit erscheinen lässt, offenbart lediglich, dass sie auf Politik keine Lust mehr haben. Wer nur noch das Verfahren schützen mag und sich selbst dabei als (hochschul-) politische Liste versteht, hat sich schon selbst aufgegeben.
Bisher war das auch kaum ein Problem: Uni Grün hat stets solche Referate im AStA besetzt, die vollkommen unstrittig arbeiten konnten: das Referat für Ökologie und Verkehr handelt das Semesterticket aus, das Referat für Öffentlichkeit und Koordination bereitet die Tüten für die Ersti-Begrüßung vor. Darüber hinaus wurde kein Finger gekrümmt. Die Grünen waren stets Stimmvieh, das für die Bildung einer Koalition gebraucht wurde. Gewollt hat sie niemand, schließlich haben sie kaum etwas getan. Dies geht aber nur so lange, wie nicht gegen einen informellen Konsens verstoßen wurde: rechtsradikale Positionen, wie eben die Relativierung der Shoah oder Verschwörungstheorien, sind nicht diskutierbar.
Wenn Uni Grün der Auffassung ist, dass dies ein „Dogma“ sei, welches einer „Weltanschauung“ entstammt, dann können wir nur sagen:
Dieser Grundsatz ist ein Dogma in dem Sinne, dass er für uns unumstößlich und nicht verhandelbar ist. Und ja, es entspringt unserer Weltanschauung, denn wer wie wir ernsthaft verhindern will, dass rechtsradikale Positionen Einfluss gewinnen , muss sich gegen die Verharmlosung von Auschwitz
zur Wehr setzen.
Die grüne Hochschulgruppe ist so post-ideologisch veranlagt, dass sie selbst dies nicht mehr als Grundlage oder wenigstens Bestandteil ihrer Politik verstehen kann, da sie keine mehr betreiben will. Es ist zu befürchten, dass Uni Grün hofft, gerade deshalb durch die Studierenden der JLU gewählt zu werden. Wie die letzten Wahlen zeigten, stehen die Chancen dafür nicht schlecht.


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