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Demokratische Linke an der Uni Gießen

Wir möchten auf eine Veranstaltung des Arbeitskreis Kritische Theorie aufmerksam machen:

Das Ende der Despotie?
Zustand und Entwicklungsperspektiven der
Freiheitsbewegungen im arabischen Raum

Sonntag, 10. Juli · 15:30
Gießen Zeughaus (Senkenbergstraße 3) Raum 109

Im Folgenden der Ankündigungstext des Arbeitskreises:

Seit mehreren Monaten kam und kommt es in verschiedenen nordafrikanischen und arabischen Staaten zu politischen Unruhen – einige zogen politische Umbrüche nach sich, andere schwelen noch. Zeigen sich manche Kommentatoren aufgrund dieser Geschehnisse an den Zusammenbruch der sozialistischen Staaten 1989ff. erinnert, warnen andere vor Umbrüchen, die der Islamischen Revolution 1979 gleichen könnten, an deren Ende die „Islamische Republik Iran“ stand. Der Frage danach wie tiefgehend diese Umbrüche wirklich sind, wohin diese führen könnten, welche Auswirkungen diese auf den Westen haben werden und welche Möglichkeiten oder auch Gefahren aus ihnen erwachsen mögen, soll mittels dieser Doppelveranstaltung nachgegangen werden.

„Gottes gerechter Zorn“
Die Muslimbruderschaft und die ägyptische Revolte

Vortrag von Malte Gebert

Um Ägypten ist es in den letzten Wochen in den deutschen Medien ruhig geworden. Die andauernden Übergriffe von Salafisten auf Kopten und Sufis zeigen aber wie fragil die Lage in Ägypten derzeit ist. Nach der Revolte gegen das „System Mubarak“ ist noch längst nicht entschieden, in welche Richtung sich der politische Prozess entwickeln wird. Gegenwärtig profitiert vor allem die radikalislamische Muslimbruderschaft, die auf eine mehr als 80jährige Organisationsgeschichte zurückblicken kann.
In den gegenwärtigen Umfragen ist die Muslimbruderschaft mit bis zu 30% Zustimmung stärkste politische Kraft und verfolgt nun selbstbewusst ihr eigenes Projekt. Eine durchaus positive Folge hiervon ist der Bruch des langjährigen Bündnisses zwischen ihr und anderen Gruppen der Oppositionsbewegung. Erstmals steht die Muslimbruderschaft nun vor dem Problem, Antworten auf gesellschaftliche Fragen der Gegenwart finden zu müssen. Während Abspaltungen diese Herausforderung annehmen, setzt die Führung auf altbewährte Erklärungsmuster: Der Oberste Führer Muhammad Badi’e deutet die ägyptische Revolte nicht als menschengemacht sondern als Strafe Gottes für die Verfolgung der Gruppe unter Husni Mubarak und knüpft damit an ein gängigesErklärungsmodell für die Niederlage im Sechs-Tage-Krieg 1967 gegen Israel an. Auch die
Mobilisierung des antisemitischen Tickets ist anlässlich außenpolitischer und ökonomischer Fragen (nicht nur) bei ihr zu beobachten.
Die Muslimbruderschaft bereitet sich nun auf die Parlamentswahlen im September vor und sie hat Grund zum Optimismus. Doch wie genau ist die Organisation eigentlich entstanden und wie ist sie strukturiert? Wie genau sind ihre Chancen einzuschätzen? Und wie wird sich ihr Verhältnis zur Demokratiebewegung und zu den salafistischen Gruppen entwickeln? Der Vortrag soll auf diese Fragen erste, vorsichtige Antworten geben und eine Einschätzung der Lage im Land am Nil nach dem Sturz Mubaraks liefern.

Malte Gebert promoviert gegenwärtig zur Rezeption der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“ in Ägypten. Er beschäftigt sich seit etlichen Jahren mit den Entwicklungen in der ägyptischen Gesellschaft und hat dort 2009 und 2010 jeweils für einige Monate im Rahmen von Forschungsaufenthalten gelebt.

Israel und die neue Konstellation im Nahen Osten

Über den „arabischen Frühling“ und den Einfluss des Iran

Vortrag von Stephan Grigat

Während die antisemitische Internationale Israel mit Hamas-Solidaritätsflotten, Grenzstürmungen und Fly ins zum Handeln zwingt, werden in Deutschland einstimmige Bundestagsbeschlüsse gegen den jüdischen Staat verabschiedet. „Postnationale“ und „antirassistische“ Akademiker nehmen zunehmend den Zionismus ins Visier, während EU-Außenpolitiker in einer Art und Weise handeln, dass sich die palästinensische Führung geradezu ermutigt fühlen muss, auf eine einseitige Ausrufung eines Staates Palästina zu setzen, die kein einziges der im Nahen Osten existierenden Probleme lösen und jeden zukünftigen Kompromiss erschweren, wenn nicht verunmöglichen würde.
In den Delegitimierungskampagnen gegen Israel und den Zionismus äußert sich der aktuelle Antisemitismus ebenso wie in den offenen Vernichtungsfantasien und -drohungen, wie sie beispielsweise vom iranischen Regime artikuliert werden. Die Teheraner Machthaber, die sich nach der brutalen Unterdrückung der iranischen Freiheitsbewegung nun auch an der Niederschlagung der Revolte in Syrien beteiligen, waren unter den Ersten, die die neue regionale Instabilität für sich zu nutzen wussten. Dementsprechend wäre ein Sturz des iranischen Regimes eine gute, wenn auch sicher nicht hinreichende Versicherung, dass der „arabische Frühling“ nicht zu einer Intifada gegen Israel verkommt, die den Massen weder Freiheit noch Brot zu bieten hätte – was aber bekanntlich kein Grund ist, sie nicht vom Zaun zu brechen. Die Frage lautet, ob jener für den Nahen Osten so typische Mechanismus durchbrochen werden kann, durch den die innergesellschaftlichen und durch den Weltmarkt evozierten Widersprüche, die allein durch den Sturz eines Regimes nicht verschwinden, stets in Aggression gegen den jüdischen Staat transformiert werden.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter von www.stopthebomb.net in Österreich. Er ist Herausgeber von „Feindaufklärung & Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus & Islamismus“ (ça ira 2006) und Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008) sowie „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung (Studienverlag 2010)

Veranstalter ist der Arbeitskreis Kritische Theorie, mit Unterstützung der Demokratischen Linken Gießen.

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