Anhand von Beispielen aus Indien, Argentinien und Palästina
Referent: Karl Rössel (Mitarbeiter des Rheinischen JournalistInnen Büros in Köln)
Ab 19.00 Uhr im Infoladen (AK 44, Alter Wetzlarer Weg 44, Gießen)
Die eurozentrische Geschichtsschreibung übersieht, dass der Zweite Weltkrieg auch in Ländern der Dritten Welt geführt wurde und dort ähnlich viele Opfer forderte wie in Europa. Millionen Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika leisteten zudem einen wichtigen Beitrag zur Befreiung der Welt von Naziterror, italienischem Faschismus und japanischem Großmachtwahn.
Diese Fakten werden im hiesigen Geschichtsdiskurs allerdings ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass auch in einigen Ländern der Dritten Welt Teile der Bevölkerung und hochrangige Politiker mit den deutschen Nazis und den italienischen Faschisten sympathisierten. Kollaborateure haben die faschistischen Achsenmächte politisch, ökonomisch und in vielen Fällen auch militärisch unterstützt und dies rund um den Globus.
Selbst für die Todesschwadronen der Waffen-SS, die Giftgasbrigaden der italienischen Faschisten und die Mordkommandos der japanischen Besatzer ließen sich Tausende Helfershelfern anheuern.
Zehntausende meldeten sich freiwillig zur Arbeit in den Rüstungsindustrien der kriegtreibenden Mächte, Hunderttausende zum Kriegsdienst in deren Streitkräften und Millionen Menschen bejubelten deren Siege.
Der Vortrag erinnert an diese „faschistische Internationale“ und dokumentiert am Beispiel des Umgangs mit Nazi-Sympathisanten aus Palästina, Indien und Argentinien, wie Wissenschaftlern und Publizisten hierzulande Faschisten und Antisemiten als antikoloniale Freiheitshelden präsentieren.
- Geschichte ist nicht schwarz-weiß: Der Streit um die Ausstellung “Die Dritte Welt im zweiten Weltkreig” als Schwerpunktthema der Jungle World 40/2009
- Interview mit Karl Rössel in der Jungle World 36/2009
- Wikipedia-Seite zur Ausstellung
- Ausstellungsstreit ist beigelegt: Artikel in der taz vom 04.09.2009



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