Livia Cárdenas


Kontakt

Livia Cárdenas
Otto-Behaghel-Straße 10, G
35394 Gießen

Biographie

Studium der Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft sowie Französisch in Berlin und Tours
Seither freie Mitarbeit im Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte sowie freie redaktionelle Mitarbeit beim rbb
seit 2004 Redakteurin von H-ArtHist. Mailingliste für Kunstgeschichte im H-Net - Humanities and Social Sciences Online. www.arthist.net
Zur Zeit Arbeit an einer Dissertation über gedruckte illustrierte Heiltumsbücher
seit März 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt B12: "Märtyrerblut, Predigtwort und Gelehrtenschrift-Bildmedien und Heiligenkult im Dienste dominikanischer Erinnerung und Identitätsbildung (13.-15. Jahrhundert)"

Projektskizze

Mittelalterliche Ordensbäume der Dominikaner

Ordensbäume der Dominikaner treten, den Untersuchungen von Angelus Walz zufolge, erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts auf. Der früheste überlieferte Ordensbaum war Teil des monumentalen Freskenzyklus, der für den Kreuzgang von Santa Maria sopra Minerva in Rom durch den Kardinal Johannes de Turrecremata (Juan de Torquemada 1388–1468) in Auftrag gegeben wurde. Die Fresken haben sich nicht erhalten aber die Holzschnitte, die die 1467 veröffentlichten Meditationes des Johannes de Turrecremata begleiten, geben zumindest die Themen wieder, wenn auch nicht die Kompositionen der einzelnen Bildwerke, wie es zeitweilig angenommen wurde. Neben den Holzschnitten ist auch auf die Handzeichnungen eines Manuskriptes der Meditationes zu verweisen, daß in der Bibliotheca Apostolica Vaticana in Rom verwahrt wird (Cod. Vat. Lat. 973). Die Meditationes des Johannes de Turrecremata, deren Erstdruck dem Kolophon zufolge am 31. Dezember 1467 vollendet wurde, erlebten mehrere Neuauflagen. Im Ganzen waren es zwischen 1467 und 1498 elf Ausgaben, wovon ganze sechs die Holzschnittillustrationen aufweisen.
Bei einem Orden, dessen Organisation überregional ausgerichtet ist, muß die vergleichsweise begrenzte Verbreitung eines spezifischen Bildtyps Fragen aufwerfen. Einerseits besteht die Möglichkeit, daß es sich um ein Überlieferungsproblem handelt. Anderseits kann aber auch das Fehlen dieser dominikanischen Gruppenbilder andernorts aussagekräftig werden. Wenn es z.B. regional bzw. national verschiedene Strategien zur visuellen Darstellung von Gruppenidentität gab.
Im Verlauf der Untersuchungen wird gefragt, ob die Verbreitung der recht übersichtlichen Zahl der Dominikanerstammbäume in Zusammenhang mit der Rezeption der Meditationes stehen. Dabei ist zu klären, ob besonders die Drucke Muster für Bildprogramme bereitstellen konnten, denn durch sie war die Möglichkeit der Verbreitung des Motivs durchaus gegeben – ein Motiv, das jeweils ortsspezifische Abwandlung erfuhr und in dessen Umsetzung je „nach Bedarf“ die Heiligen und wichtigen Ordensmänner und -frauen integriert werden konnten und das zudem als ein Identifikationsangebot zur Wahrnehmung des Ordens gelesen werden konnte.
Die Entstehung der Dominikanerstammbäume ist anscheinend jeweils in Verbindung mit den verstärkten Bemühungen der Dominikaner um die Reform in ihren Ordenshäusern zu sehen. Die unterschiedlich zugängliche Präsentation der Stammbäume – als Teil eines Retabels, Wandmalerei an einem Lettner oder auch in einem Kreuzgang – sowie die jeweils besondere Form soll nach ihren unterschiedlichen Bild- und Aussagestrategien befragt werden. Das Thema des Ordensbaumes mag dabei eine visuelle Argumentation des mit der Reform wiederzuerlangenden Ideals einer vita communis darstellen. Die sowohl nach innen als auch nach außen (Holzschnitte, öffentliche Zugänglichkeit) gerichtete Parallelisierung von Stammbaum Christi in der Wurzel Jesse und des gleichsam genealogischen Abstammungsgedankens vom heiliggesprochenen Ordensstifter, konnte sowohl die Einheit als auch die Fruchtbarkeit des dominikanischen Ordensideals evozieren. Die diversen Repräsentationsmodelle des Ordens ließen sich mit diesen Bildparallelen auch in die als an einer heilsgeschichtlichen Entwicklung orientierten Ausrichtung des Ordens integrieren.

Veröffentlichungen

»Albrecht von Brandenburg – Herrschaft und Heilige. Fürstliche Repräsentation im Medium des Heiltumsbuches«, in: »Ich armer sundiger mensch«. Heiligen- und Reliquienkult am Übergang zum konfessionellen Zeitalter, herausgegeben von Andreas Tacke, Göttingen 2006, S. 239–270
als Herausgeberin: »Marguerite Blume-Cárdenas. Bruch – Stein – Skulptur« (Werkkatalog der Künstlerin), Berlin 2002
Friedrich der Weise und das Wittenberger Heiltumsbuch. Mediale Repräsentation zwischen Mittelalter und Neuzeit. Berlin, 2002
Das Schloß Monbijou, in: Schlösser in Berlin. Auf den Spuren der Hohenzollern, Berlin 2000, S. 167-180

im Themenbereich des Teilprojektes
Das mittelalterliche Altarretabel der Moritzkirche in Mittenwalde, in: Kunst : Kontext : Geschichte. Festgabe für Hubert Faensen zum 75. Geburtstag, hg. von Tatjana Bartsch und Jörg Meiner, Berlin 2003, S. 129-155, [zusammen mit Dirk Schumann]
[unter demselben Titel in erweiterter Form als Einzelpublikation erschienen, Berlin 2004]