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Konzept




Der Gießener Sonderforschungsbereich 434 Erinnerungskulturen, der seit 1997 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, untersucht die Inhalte und Formen kultureller Erinnerungen in ihrer Pluralität, Konstruktivität und Dynamik. Sein Anliegen ist es, Formen und Funktionen des Erinnerns von der Antike bis ins 21. Jahrhundert zu analysieren und so das Bewusstsein für die Historizität erinnerungskultureller Konstellationen zu schärfen. Der SFB vereinigt insgesamt zwanzig HochschullehrerInnen und etwa fünfzig MitarbeiterInnen aus zwölf kulturwissenschaftlichen Disziplinen: den Geschichtswissenschaften, Literaturwissenschaften (Anglistik, Romanistik, Germanistik), der klassischen Philologie (Latinistik, Gräzistik), Kunstgeschichte, Medizingeschichte, Turkologie, Orientalistik, Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologie. Das Potential einer interdisziplinären Erinnerungsforschung wird von dem SFB seit seiner Gründung dazu genutzt, die Rahmenbedingungen des historischen Erinnerns, die Ausbildung spezifischer Erinnerungskulturen sowie der unterschiedlichen Formen der Erinnerung zu untersuchen.

Das Konzept der Erinnerungskulturen unterstreicht die Vielfalt eines durch Konkurrenzen geprägten Erinnerungsgeschehens. Es versteht die Dynamik des Erinnerungsgeschehens als Resultat der Pluralität von gleichzeitigen Erinnerungsfeldern, die um gesellschaftliche Deutungshoheit konkurrieren. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang nicht nur kulturelle Machtverhältnisse, die selbst wiederum durch Erinnerung stabilisiert werden, sondern auch kommunikationsgeschichtliche Ausgangslagen. Jedem kulturellen Erinnerungsprozess ist eine historisch bedingte Medienselektion vorgängig, die weit reichende Konsequenzen für Möglichkeiten und Grenzen des Erinnerns mit sich bringt.

Der SFB Erinnerungskulturen verbindet die praxisreflexive Methodik der Sozial- und Geschichtswissenschaften mit dem stärker formenorientierten Zugang der Literatur- und Kunstwissenschaften. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht die Untersuchung der Rahmenbedingungen des historischen Erinnerns, der Ausbildung spezifischer Erinnerungskulturen sowie unterschiedlicher Formen der kollektiven Erinnerung. Durch das Zusammenspiel von Empirienähe und Theorieoffenheit, von Praxisreflexion und Beachtung des Medialen, von historischer Tiefendimension und Sensibilität für Aktualität wird Erinnerung zu einem integrativen Konzept der Kulturwissenschaften.