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Teilprojekt E14 Von der Erinnerungskultur zum Erinnerungsbruch: Deutsch-jüdische Jugendbewegung vor der Emigration
Leiter: Jürgen Reulecke
Während der Bearbeitung des Teilprojekts Von der Erinnerungskultur zum Erinnerungsbruch: Deutsch-jüdische Jugendbewegung vor und nach der Emigration 2003 bis 2005 haben sich weiterführende Fragestellungen ergeben, die nun innerhalb eines weiteren Jahres bearbeitet werden. Ging es in der bisherigen Arbeit im Hinblick auf die Frage nach historischen wie diskursiven Bedingungen der Entstehung und Konstruktion einer deutsch-jüdischen und zugleich jugendbewegten Identität hauptsächlich um die Analyse schriftlicher Quellen, sollen nun in einem weiteren Schritt zusätzlich zentrale materiale Bildzeichen in den Blick genommen werden, von denen anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer - im Vergleich zu Texten - größeren medialen Unmittelbarkeit und stärkeren affektiven Besetzbarkeit in besonderer Weise dazu beigetragen haben, kommunikative wie soziale Gedächtnisakte zu generieren bzw. zu organisieren, die dann sinn- und identitätsstiftend innerhalb der deutsch-jüdischen Jugendbewegung wirkten.
Im Hinblick auf die Erinnerungskultur der deutsch-jüdischen Jugendbewegung ergibt sich somit die Frage, welche spezifischen Bildhaushalte und visuellen Wegmarken als gruppenspezifisch angesehen werden können, welche Bewusstseinsinhalte in ihnen visualisiert und welche spezifisch deutsch-jüdischen Mentalitäten tradiert wurden. Es soll also untersucht werden, mithilfe welcher visuellen Codes und Deutungsmuster sich die zwischen kultureller 'Assimilation' und zionistischer Opposition angesiedelten Fraktionen der deutsch-jüdischen Jugendbewegung im gesellschaftlichen Spannungsfeld der Jahre besonders vor der Emigration positionierten, welche (je eigenen) semantischen Verbindungen sie mit der Umgebungsgesellschaft eingingen bzw. welche visuellen Abgrenzungsstrategien sie verfolgten und welches Bild sie sich generell von den kulturellen und politischen Verwerfungen jener Zeit machten.
Zu fragen ist etwa, wie es sich mit der deutsch-jüdischen Erinnerung an Bar-Kochba verhält oder welchen sinnorganisierenden Stellenwert Bilder bestimmter, z.T. ikonisierter Landschaften in der kollektiven Erinnerung einnahmen (Stichworte: Jordan - Rhein, Wüste - Wald).
Unter kontextuellen Gesichtspunkten zu berücksichtigen ist dabei, dass der hier vornehmlich zur Debatte stehende Zeitraum der Jahre 1900 bis 1938 nicht nur in mentalitätsgeschichtlicher und politischer Perspektive von zahlreichen Friktionen, Verschiebungen und Brüchen bestimmt war, sondern auch im Fokus der Medien- bzw. Wahrnehmungsgeschichte eine Zäsur markiert: Mit der sukzessiven Etablierung der neuen Leitmedien Fotografie und Film wurden zunehmend auch bildliche, vornehmlich fotografische Techniken der Inszenierung von Weltwahrnehmung zu perzeptiven und einflussreichen Referenzpunkten der Wirklichkeitsrepräsentation, welche zuvor dominant linear organisierte Redeweisen über Gesellschaft von ihrer Textzentriertheit entbanden und - der Terminus 'Schlagbild' deutet dies an - neuartige, dem Modus der Verdichtung folgende Darstellungsweisen an ihre Stelle setzten.