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Teilprojekt B12 Märtyrerblut, Predigtwort und Gelehrtenschrift-Bildmedien und Heiligenkult im Dienste dominikanischer Erinnerung und Identitätsbildung (13.-15. Jh.)
Leiterin: Silke Tammen
Das Projekt untersucht die im Dienst der Identitätsbildung und Erinnerung stehende Bildkultur des Dominikanerordens, der sich zwar als einmütige, dem apostolischen Ideal der Armut und der Predigt verpflichtete Gemeinschaft sah, zugleich aber durch Laienseelsorge, Inquisition und Lehrtätigkeit differierende Selbstbilder hervorbrachte. Wie am Bildkult der ersten zwei Ordensheiligen, dem Gründervater Dominikus (kan. 1234) und dem ermordeten Ketzerprediger Petrus '''Martyr' von Verona (kan.1253) ablesbar ist, wurde die Erinnerung an die Anfänge des Ordens im Zeichen des Ketzerkampfes und der Seelsorge ins Ordensinnere und zuweilen offensiv in die Städte vermittelt. Mit dem dritten Heiligen, Thomas von Aquin'' (kan. 1323), trat ein neuer Typus des gelehrten Heiligen hinzu. Das Projekt wird schwerpunktmäßig die für Kult und Memoria der drei Heiligen eingesetzten Medien und bildlichen Erinnerungsstrategien vergleichen. Jenseits des ordensweit zwar verbindlichen, aber mit unterschiedlicher Intensität gepflegten Heiligenkults gedachte man in einzelnen Ordenshäusern nicht kanonisierter Persönlichkeiten, etwa als Märtyrer wahrgenommene Inquisitoren. Ordensidentität wurde aber auch über Gruppenbilder formuliert (communitas der Heiligen und Seligen des Ordens, Ordensstammbäume). Dem Zusammenspiel verschiedener Bildmedien und Bildorte (v.a. Kirchen, Kapitelsäle, Stadtmauern) und der visuellen Vergegenwärtigung der Erinnerungsträger in Gestalt des heiligen Körpers, seiner aggressiven Sprache (Predigt, Disput, Wunder, Flammen- und Lichterscheinungen) und schließlich dem Verhältnis von Texten und Bildern als differierende, aber auch kooperierende Erinnungsmedien soll besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Schwerpunkt der Untersuchung wird wegen der günstigen Überlieferungslage in Italien und Katalonien liegen.
Innerhalb des Teilprojekts sollen die Verehrung und Erinnerung der drei Ordenspatrone Dominikus, Petrus Martyr und Thomas von Aquin anhand (weniger überlieferter) Vitentafeln, Freskenzyklen, Schreine, Reliquiare und Buchmalereien vergleichend untersucht werden. Neben diese für den gesamten Orden verbindlichen Kulte und ihrer Bilder förderten Gruppenbilder und Ordenstammbäume die Wahrnehmung des Ordens als Gemeinschaft. Darüber hinaus gab es allerdings auch die regional beschränkte Memoria der 'im Geruche der Heiligkeit' verstorbenen Mitbrüder, vor allem ermordeter Inquisitoren wie etwa die in Urgell verehrten Bernat de Travesseres und Ponce de Planelles. Hypothese ist, dass sich der Orden 'unterhalb' seiner allgemeinverbindlichen Identität einer apostolisch armen und predigenden Gemeinschaft mit differierenden Selbstbildern zwischen den Polen Märtyrer und Gelehrter auseinanderzusetzen hatte und diese zwischen dem ausgehenden 13. und 15. Jh. immer wieder neu formulieren mußte. Es ist von einer Pluralität von Erinnerungsbildern auszugehen, die unter Berücksichtigung (hagiographischer) Traditionen, Ausgleichs- und Innovationsbedürfnisse ver- und überformt wurden. Ziel ist überdies, Erkenntnisse über besondere 'Herausforderungslagen' von Erinnerung und 'Erinnerungskonkurrenzen' im komplexen Gefüge der spätmittelalterlichen Stadt zu gewinnen und so die Eigenwahrnehmung des Ordens mit der Fremdwahrnehmung durch städtische Laien oder konkurrierende Orden vergleichen zu können. Methodisch wird das Teilprojekt eine Öffnung der bis dato in der Erforschung dominikanischer Bildkultur dominanten Ikonographie für rezeptionsästhetische und mediengeschichtliche Fragestellungen anstreben. Die besonderen Orte der Erinnerung und Identitätsbildung (z.B. Kapitelsaal) und die für diese Orte spezifischen Bildprogramme, Darstellungsmodi und Argumentationsformen werden ebenso zu berücksichtigen sein wie die ganz unterschiedliche Medialität von Reliquiaren und Schreinen, Vitentafeln, Freskenzyklen oder Buchmalereien. Ein besonderes Interesse wird der Inszenierung des Heiligenkörpers, seiner predigenden Stimme und stilisierter Gestik im Verhältnis zur symbolhaften Präsenz von Büchern und Schrift im Bildsystem gelten, schließlich auch dem Zusammenspiel von Bildsystem und Raum.