Projektbereiche
Mitarbeiter
- PD Dr. Sabine Damir-Geilsdorf
- Prof. Dr. Astrid Erll
- Dr. Carola Fey
- Barbara Hammes
- Sina Kalipke
- Dr. habil. Andreas Langenohl
- Prof. Dr. Claus Leggewie
- Nina McDonagh
- Dr. Erik Meyer
- Dr. Martin Miersch
- Prof. Dr. Ansgar Nünning
- PD Dr. Birgit Neumann
- Daniela Neuser
- Christiane Reichart-Burikukiye
- Prof. Dr. Christine Reinle
- Prof. Dr. Dietmar Rieger
- Patrick Schmidt
- Kerstin Schmidt-Beck
- Priv.-Doz. Dr. Lu Seegers
- Prof. Dr. Winfried Speitkamp
- PD Dr. Stephanie Wodianka
Teilprojekt AG Zeit, Medien, Identität
Dr. Astrid Erll und Dr. Stephanie Wodianka
Die AG "Zeit-Medien-Identität" widmet sich dem Zusammenhang von Zeiterfahrung, Medialität und Konzepten kollektiver Identität. Die Begriffstrias im Titel der AG verdankt sich erstens der Einsicht, dass Zeit und Identität stets der medialen Repräsentation und Vermittlung bedürfen, um in Erinnerungskulturen Wirkung zu entfalten, und zweitens dem von allen AG-Mitgliedern geteilten Interesse an der Rolle von Medien in der Erinnerungskultur.
Eine Vielfalt sowohl von medialen Phänomenen als auch von theoretisch-methodischen Ansätzen einer erinnerungskulturwissenschaftlichen Medienforschung steht im Mittelpunkt unserer Diskussionen. Dies ergibt sich schon aus der hochgradig interdisziplinären Zusammensetzung der AG: Vertreten sind frühneuzeitliche und neuere Geschichte, Politikwissenschaft, Soziologie, Orientalistik sowie anglistische und romanistische Literaturwissenschaft. Damit vereinigt die AG Perspektiven auf Medien in Kontexten kulturellen Erinnerns, welche historisch vom 16. Jh. bis zur Gegenwart reichen und sich in kultureller, ethnischer, religiöser und nationaler Hinsicht von deutschen über englische und französische bis hin zu jüdischen, palästinensischen und afrikanischen Erinnerungskulturen erstrecken.
Die gemeinsame Arbeit der AG wies in den vergangenen Jahren drei Schwerpunkte auf: Zunächst (bis Ende WS 2003/04) ging es um die gemeinsame Erarbeitung von grundlegenden Medientheorien, unter besonderer Berücksichtigung von Ansätzen zur Medienrezeption und wirkung. Die zweite Arbeitsphase (Anfang SS 2004 bis Anfang WS 2004/05) bestand aus einer Reihe von Projektvorstellungen und interdisziplinären Arbeitsgesprächen, die zur gemeinsamen Entwicklung von neuen theoretischen und methodischen Zugängen zum Thema '"Zeit-Medien-Identität" geführt hat. Drei dieser theoretisch-methodischen Perspektiven seien kurz genannt: Erstens haben mehrere Teilprojekte die Differenzierung zwischen verschiedenen Erinnerungsmodi angeregt. Im Zusammenhang damit ist zweitens disziplinübergreifend die zentrale Rolle von medialen Anordnungs- und Inszenierungsverfahren für die jeweiligen Arten oder Modi des medialen Erinnerns hervorgehoben worden. Drittens schließlich zeigten die Projektvorstellungen deutlich, dass die herausragende Bedeutung von Medien in der Erinnerungskultur nicht allein auf deren (in der Gedächtnisforschung stets hervorgehobenen) Speicherfunktion, sondern mehr und wirksamer noch auf deren Verbreitungsfunktion beruht.
In der dritten Arbeitsphase (seit Mitte WS 2004/05) hat die AG ihrer starken Ausrichtung auf Massenmedien, Populärkultur und die Prägung kollektiver Geschichtsbilder durch mediale Repräsentationen der Vergangenheit dadurch Rechnung getragen, dass sie sich den zur Zeit äußerst erfolgreichen und massenhaft produzierten Kinofilmen zur jüngeren deutschen Geschichte widmete. Den Auftakt der Beschäftigung mit dem Film als Medium der Erinnerungskultur bildete Das Wunder von Bern (BRD 2003). Im Sommersemester 2005 wurde dieses Format der AG-Arbeit weitergeführt, insbesondere am Beispiel des Films Memento (USA, 2000), wobei vor allem die Formen der filmischen Inszenierung von Erinnerung sowie deren Funktionspotential in aktuellen Erinnerungskulturen diskutiert wurden.
In der vierten, seit Januar 2006 laufenden Förderungsphase des SFB will die AG die Arbeit der letzten Phase weiterführen und am Beispiel des Massenmediums Film Zusammenhänge von Zeitbewusstsein, Identitäten und Medien in aktuellen Erinnerungskulturen untersuchen. Der Kinofilm bietet sich als paradigmatischer Untersuchungsgegenstand an, weil es sich dabei um ein massenwirksames Leitmedium heutiger Erinnerungskulturen handelt, das sich einer Vielfalt von historischen Ereignissen, Stoffen und Mythen annimmt: Die nahe Vergangenheit, wie das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre, Nationalsozialismus und Holocaust sowie der 'deutsche Herbst', scheint ebenso publikumswirksam zu sein wie die fernere und fernste Vergangenheit, etwa der Erste Weltkrieg, das britische Empire, die Reformation, das Mittelalter sowie die Antike. Ziel ist es, am Beispiel von ausgewählten 'Erinnerungsfilmen' der Gegenwart die geschichts- und kulturwissenschaftlichen Kompetenzen sowie das erinnerungstheoretische Wissen der in der AG vertretenen Teilprojekte zu bündeln. Auf diese Weise sollen gemeinsam Ansätze zu einer 'erinnerungskulturwissenschaftlichen Filmanalyse' erarbeitet werden.
Besondere Schwerpunkte des laufenden WS 2005/6 sind das von Dr. Martin Windisch in seinem Vortrag vorgestellte Konzept der 'Überblendung als Form historischer Erinnerung' am Beispiel des Films The Charge of the Light Brigade (Michael Curtiz, USA, 1936) sowie eine zwei Sitzungen umfassende Einheit zur gegenwärtig stark umstrittenen filmischen Erinnerung an den Genozid in Rwanda (Hotel Rwanda, 2004 und Sometimes in April, 2004), deren Ausgangspunkt ein Vortrag von Christiane Reichart-Burikukiye (SFB Gießen) zu Den Genozid erinnern - internationale und ruandische Strategien sein wird.