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Mitarbeiter
Teilprojekt D12 Andenken und Eingedenken. Ein ästhetisch-soziales Wechselspiel zwischen poetisierten Gärten und Intérieurs
Leiter: Günter OesterleAKTUELL: Tagung der Stiftung für Romantikforschung vom 11. - 14. 9. 2008 in München: "Schläft ein Lied in allen Dingen ..." - Romantische Dingkulturen in Text und Bild
FRAGESTELLUNG UND ARBEITSVORHABEN DES TEILPROJEKTS
Im Zuge der Ausdifferenzierung von Öffentlichkeit und Privatheit um 1800 werden neue Formen affektiver Erinnerung erprobt, die erst um 1900 theoriefähig werden. Das Teilprojekt hat die literarische Entdeckung und Reflexion der anhebenden Konjunktur von Andenken und Eingedenken in Erzähltexten von der Empfindsamkeit bis zum frühen Biedermeier dingfest gemacht und beabsichtigt sie nun unter den veränderten Bedingungen der Kommerzialisierung bis zum Fin de siècle zu erforschen.
Das Teilprojekt hat die konkreten Bestände und Formationen des bislang wenig beachteten Segments der Dingkultur mit Erinnerungsfunktion erschlossen. Zudem wurde die Genese des Andenkens aus religiösen Referenzformen und -praktiken, der Andacht und dem Reliquienkult, begriffs- und sachgeschichtlich erhellt. Der entscheidende, disziplinär bedingte Ertrag besteht in der Einsicht, dass dingliche Andenken durch eine spezifische Poetizität strukturiert sind, die sie zu besonders attraktiven Reflexionsobjekten der Erzählliteratur seit der Empfindsamkeit prädestiniert. Andenken erhalten ihre Erinnerungsfunktion völlig unabhängig von ihrem Kunst-, Gebrauchs- und Tauschwert allein durch ihre Gründungsszene. Diese konstituierende Szene als unsichtbarer narrativer Kern eines dinglichen Andenkens bleibt an die kommunikative Rückerstattung gebunden, woraus sich ein poetisches Spiel von Verhüllen und Enthüllen speist.
In der abschließenden Förderungsphase kann die erarbeitete Analysekategorie des poetischen Andenkens für kanonische wie für populäre Erzähltexte von der Mitte des 19. Jh.s bis zum Beginn des 20. Jh.s fruchtbar gemacht werden. Dabei gewinnen vier Aspekte an Brisanz: Erstens stellt die exponentiell wachsende Dingkultur unter den Bedingungen medientechnischer Neuerungen, ihrer Kommerzialisierung und ihren veränderten Distributionsformen völlig neue Herausforderungen an die Poetizität des Andenkens. Zweitens werden mit dem Interesse an tradierten Beständen der Dingkultur historistische und folkloristische Adaptionen eingespeist. Drittens gewinnen die niederen Sinne als die Erlebniswege, sowie der intime, stimmungsvolle Erlebnisraum des Andenkens, das Intérieur und der Garten, an Bedeutung. Und viertens konturiert sich das Eingedenken als mémoire involontaire zunehmend komplementär zum Andenken.
Das Forschungsvorhaben des Teilprojekts stellt den übergreifenden Fragehorizont dar, den der Teilprojektleiter wie die Mitarbeiterinnen gemeinsam bearbeiten. Innerhalb dieses Rahmens sind die drei einzelnen Arbeitsvorhaben als Arbeitsschwerpunkte zu verstehen. Alle drei behandeln intermediale Konstellationen von Erinnerungsdingen und Erinnerungsnarrationen, deren Raumbezug zu Intérieurs und Gärten unter den Bedingungen zunehmender Temporalisierung und die Reflexion der Erinnerungsmodi Andenken und Eingedenken als Kulturpraktiken:
1. Arbeitsvorhaben: Die Kulturpraxis des Andenkens an der Schnittstelle von Literatur, Culturhistorie, Volkskunde und Museologie von 1848 bis 1900 (Christiane Holm)
2. Arbeitsvorhaben: Verlassene Gärten und Poesie des Eingedenkens (Anna Ananieva)
3. Arbeitsvorhaben (assoziiert): Zu einer Ästhetik des Ruins. Von einer modernen Verlusterfahrung und ihrer Begegnung im literarischen Andenken (Natascha N. Hoefer)