Aus der "Münsterschen Erklärung",
vorgelegt auf dem schulpolitischen Kongreß der Bertelsmann Stiftung

Innovative Schulen brauchen ein innovatives Schulsystem. Selbstgestaltung und Qualitätsverantwortung entstehen dort, wo Entscheidungen getroffen werden und Verantwortung getragen wird. Ein zentral gesteuertes Schulsystem und die Arbeit innovativer Schulen sind unvereinbar. Deshalb müssen enge Vorgaben traditionelle Kontrollstrukturen und bürokratische Verkrustungen überall dort, wo sie noch vorhanden sind, aufgelöst und beseitigt werden. Anders sind Innovationskraft und Zukunftssicherheit nicht zu erreichen.

Innovative Schulen sollen eigene Leitbilder und Schulprogramme für ihre Arbeit entwickeln, um so ihre Schülerinnen und Schüler besser auf die Veränderungen vorzubereiten, die in einer offenen und dynamischen Gesellschaft unabweisbar auf den Menschen zukommen. Innovative Schulsysteme ermutigen die Schulen dazu, geben ihnen Schutz und halten ihnen den Rücken frei.

Schulentwicklung braucht öffentliche Verantwortung. Die öffentliche Verantwortung für das Schulwesen darf nicht aufgegeben werden. Es muß bei der gemeinsamen Verantwortung des Staates, der Kommunen und der Einzelschulen für die Qualität und die Qualitätssicherung bleiben. Qualität und Qualitätssicherung hängen jedoch in erheblichem Maße davon ab, daß staatliche Verantwortung "auf Distanz" wahrgenommen wird. Ein neues Selbstverständnis der Schulaufsicht ist deshalb ebenso erforderlich wie ihre Neuorganisation. Beratung und Unterstützung müssen vor Weisung und Kontrolle rangieren.

Schulentwicklung braucht gute und engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Eine pädagogisch ertragreiche Arbeit steht und fällt mit der Motivation und der Befähigung von Lehrerinnen und Lehrern. Innovative Aufgeschlossenheit und Professionalität müssen durch eine veränderte Ausbildung und durch Fortbildung in den Schulen gestützt und ausgebaut werden. Personalführung und Personalentwicklung sollen in den Schulen ebenso zur Selbstverständlichkeit werden wie eine von den Schulen mitverantwortete Einstellungspolitik. Ohne eine kontinuierliche - wenn auch begrenzte - Einstellung junger Lehrerinnen und Lehrer fehlt der innovativen Kraft der Kollgien eine entscheidende Möglichkeit zur Erneuerung. Der Erfolg innovativer Schulen beruht nicht zuletzt auf dem Vertrauen und der Wertschätzung, die den Lehrerinnen und Lehrern in der Schule und in der Öffentlichkeit entgegengebracht werden. Schulen und Kommunen sollten gemeinsam Wege finden, die Arbeit der Schulen bekanntzumachen und öffentlich zu würdigen.

Schulentwicklung braucht Bundesgenossen vor Ort. Die Erfahrung innovativer Schulen zeigt, daß Schule dann erfolgreich ist, wenn sie nicht in die Isolierung gerät, sondern "unsere Schule vor Ort" wird. Es ist Sache der Umgebung, Schulen nicht allein zu lassen, und es ist Sache der Schulen, sich nicht abzuschotten.(. . .)

Schulentwicklung braucht Mittel. Innovative Schulentwicklung bedarf in erster Linie der Initiative, den Engagements und der Kraft der Menschen, die in den Schulen und für die Schulen tätig sind. Sie bedarf jedoch auch der Mittel. Der Widerspruch zwischen der immer dringenderen Aufforderung zur Reform und den finanziellen Restriktionen, die diese Reform behindern oder bereits in den Anfängen ersticken, wird für Lehrer, Schulen und Eltern immer weniger erträglich. Es geht nicht darum, mehr zu fordern, wo nur noch wenig zu verteilen ist. Es geht aber durchaus darum, vorhandene Mittel richtig einzusetzen, Prioritäten dort zu sehen, wo Innovation und Weiterentwicklung sich zeigen. (...)


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