Gruppenleiter: Dr.
rer. nat. Carin Jansen
Mitarbeiter: Rebekka
Fensch,
Dipl. biol. Sibylle von
Rüden (PhD student), Dr. agr. Cléberson
Fernandes,
Lenka Malinowski
(Master student)
Das vom BMBF geförderte Verbundprojekt GABI-Agrotec
wurde im April 2002 als Teil des Programms GABI (Genomanalyse im biologischen
System Pflanze) ins Leben gerufen. Neben dem IPAZ (Institut für Phytopathologie
und Angewandte Zoologie) der JLU Gießen sind an GABI-Agrotec die
Abteilung Molekulare Phytopathologie und Genetik des Biozentrums Klein
Flottbek der Universität Hamburg und das Institut für Pflanzengenetik
und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben beteiligt. Ziel des Projekts
ist die Isolierung und funktionelle Überprüfung von Gerstengenen,
die zur Resistenz von Getreide gegenüber Pilzen der Gattung Fusarium
beitragen.
Fusariumpilze gehören zu den sogenannten Feldpilzen
und führen auch in Mitteleuropa zu erheblichen Ernteverlusten besonders
im Weizen- aber auch im Maisanbau. Das typische Symptom einer Fusarium-Infektion
im Weizenfeld ist die partielle bzw. völlige Taubährigkeit (Bild
1). Pilze der Gattung Fusarium sind allerdings nicht nur auf Grund
ihrer ertragsreduzierenden Eigenschaften ins Zentrum des öffentlichen
und wissenschaftlichen Interesses gerückt, sondern insbesondere durch
die von ihnen produzierten Toxine (Mykotoxine), die z.T. auch in Nahrungsmittel
gelangen und zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen können.
Da keines der zurzeit auf dem Markt erhältlichen
Fungizide einen ausreichenden Schutz gegenüber Fusariumpilzen gewährleistet,
bemühen sich Pflanzenzüchter und Phytopathologen gleichermaßen
um eine Lösung der Fusarium-Problematik.
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Bild 1. Partielle bzw. vollständige Taubährigkeit
beim Weizen verursacht durch eine Infektion mit Fusariumpilzen. Das Einwachsen
des Pilzes in die Ährenspindel führt zu einer derart massiven
Zerstörung des Gewebes, dass die Nährstoffversorgung zum darüber
liegenden Teil der Ähre abgeschnitten wird. Dieser Bereich bleicht
in der Folge aus und stirbt schließlich ab.
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Isolierung von Kandidatengenen über cDNA-Arrays
Der Kontakt zwischen einer Pflanze und einem Krankheitserreger
führt immer zur Aktivierung von Abwehrmechanismen, mit denen die Pflanze
versucht, die Ausbreitung des Pathogens und damit einen Befall zu verhindern.
Die Schnelligkeit und die Stärke, mit der bestimmte Reaktionen erfolgen,
sind oftmals entscheidend für den Erfolg der pflanzlichen Abwehr.
Grundvoraussetzung für alle Abwehrprozesse ist die Aktivierung von
Resistenz-vermittelnden Genen, deren Produkte z.B. antifungale Wirkung
besitzen oder den Eintritt des Pathogens ins Pflanzengewebe verhindern.
Daher ist es das primäre Ziel von GABI-Agrotec,
Gene der Modellpflanze Gerste (Hordeum vulgare L.) zu identifizieren,
die bei einem Befall mit Fusariumpilzen in Ähren, Wurzeln und Blättern
besonders aktiviert werden, d.h. deren Expression im Vergleich zum nicht-infizierten
Zustand verstärkt ist. Diese Gene werden mit Hilfe sogenannter cDNA-Arrays
(Bild 2) gefunden. Dabei handelt es sich um Filter, auf denen fast 5.000
verschiedene mRNA (messenger RNA, Boten-RNA) aufgebracht wurden, die verschiedene
Gene der Gerste repräsentieren.
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Bild 2. Ausschnitt aus einem cDNA-Array, der auf
einer Fläche von etwa 9 x 13 cm ca. 5.000 mRNA Fragmente enthält.
Die Aktivität der korrespondierenden Gene wird in nicht-infizierten
und Fusarium-infizierten Geweben der Gerste mit Hilfe Computer-gestützter
Analysen bestimmt.
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Durch den Vergleich des Aktivitätszustands der verschiedenen
Gene sowohl in nicht-infizierten als auch in Fusarium-infizierten
Gerstenähren, -wurzeln und –blättern, werden solche Gene selektiert,
deren Expression durch einen Fusariumbefall in besonderem Maße verstärkt
wird.
Genfunktions-Assays zur Identifizierung von Determinanten
der Resistenz: Das Arabidopsis-Fusarium Pathosytem
Da die stabile Transformation von Getreide sehr langwierig
ist, wurde zur schnellen funktionellen Analyse der Kandidatengene ein Pathosystem
etabliert, in dem A. thaliana als Wirt für Fusarium
dient. Da eine hohe Homologie zwischen Gerste und Arabidopsis besteht,
können über Datenbankvergleiche für viele Gerstengene entsprechende
Homologe in Arabidopsis gefunden werden. Für viele dieser Arabidopsisgene
existieren Insertionslinien, d.h. Mutanten, in denen das Kandidatengen
nicht mehr funktional ist. Diese Insertionslinien können von öffentlichen
Stockcentern problemlos bezogen werden. Als Pathogene setzten wir neben
den in der Literatur beschriebenen F. oxysporum Stämmen, ebenfalls
die Getreidepathogene F. culmorum und F. graminearum ein,
da eine erfolgreiche Infektion von F. culmorum auf Arabidopsisblättern
bzw. von F. culmorum und F. graminearum an Arabidopsiswurzeln
etabliert werden konnte (Bild 3).
Bild 3. Bildung von Konidien von F. culmorumauf
einem Blatt von A. th.a, 8 Tage nach künstlicher Infektion
(A). Starker Befall einer A. th. Wurzel durch einen GFP-exprimierenden
Stamm von F. graminearum, 3 Tage nach künstlicher Infektion
(B).
Genfunktions-Assays
zur Identifizierung von Determinanten der Resistenz: Test stabil transformierter
Getreidepflanzen
Abschließend wird die Beteiligung der Kandidatengene
an der Resistenz gegenüber Fusarium auch in Getreide in funktionellen
Assays überprüft. Dazu werden die Kandidatengene in bestimmte
Expressionsvektoren eingebracht, die über Agrobakterien in Weizen-
und Gerstenpflanzen überführt werden. Die verschiedenen Organe
(Wurzeln, Blätter, Ähren) der transformierten Pflanzen werden
mit Fusariumpilzen inokuliert und durch den direkten Vergleich mit nicht
transformierten Kontrollpflanzen kann abgeschätzt werden, ob das verwendete
Kandidatengen einen Einfluss auf die Stärke des Pathogenbefalls bzw.
die Resistenz der Pflanze hat.
Der Befall von Gersten- und Weizenwurzeln (Bild
4A) mit Fusarium kann, wie die Infektion von Gersten- und Weizenblättern
(Bild 4B), besonders schnell und reproduzierbar untersucht werden. Die
Bestimmung der Befallsstärke erfolgt zunächst makroskopisch durch
Ausmessen des nekrotisierten Bereichs des infizierten Pflanzenorgans. Wenn
der Befall in transformierten Pflanzen gegenüber dem der Kontrolle
reduziert ist, erfolgt eine genaue mikroskopische Analyse, um mögliche
Veränderungen auf zytologischer Ebene aufzudecken.
Bild 4 A/B. Infektionen von Fusarium culmorum
an Wurzeln (A) und Primärblättern (B) der Gerste. Der Befall
der Wurzel führt zu einer starken Verbräunung (Nekrotisierung)
und deutlichen Reduktion der Länge in Vergleich zur nicht-infizierten
Kontrolle, die links im Bild zu sehen ist. An Blättern verursacht
Fusarium
gelb-braune Läsionen, d.h. Bereiche, in denen das Pflanzengewebe großflächig
abgestorben ist. Beide Bilder wurden 7 Tage nach künstlicher Inokulation
aufgenommen.
Ebenso wird die Anfälligkeit der Ähre transformierter Getreidepflanzen
in Inokulationsexperimenten überprüft. Dazu werden einzelne Ähren
mit einer Sporenlösung von F. graminearum besprüht und
nach etwa 3 Wochen der prozentuale Anteil befallener Ährchen bestimmt.
Untersuchung von gezielt
ausgewählten Kandidatengenen
Fusariumpilze sind nekrotrophe Pathogene, d.h. dass
sie das Pflanzengewebe, in das sie eindringen, abtöten und sich vom
toten Zellmaterial ernähren. Auf Grund dieser Lebensweise ist es eine
denkbare Strategie, den Pilz in seiner Entwicklung dadurch zu hemmen, dass
man die attackierten Pflanzenzellen am Leben erhält. Mit dieser Aufgabe
sind
in Pflanzenzellen verschiedene Gene betraut, von denen einige auch in Gerste
bereits isoliert und charakterisiert worden sind. Diese Zelltodinhibitorgene
sollen ebenso wie die Kandidatengene aus dem GABI-Agrotec Projekt
in funktionellen Assays auf ihre Resistenz-vermittelnde Wirkung im Getreide-Fusarium
Pathosystem untersucht werden.
Zytologische Untersuchung
der Getreide-Fusarium Interaktion
Über die zytologischen Details der Getreide-Fusarium
Interaktion ist bislang nur sehr wenig bekannt. Dies mag daran liegen,
dass die mikroskopische Untersuchung des Pilzes sehr schwierig ist, da
er eine exzessive Myzelbildung zeigt und nur schwer im Pflanzengewebe zu
erkennen bzw. durch Färbemethoden sichtbar zu machen ist. Durch die
Kooperation mit der Abteilung Molekulare Phytopathologie und Genetik des
Biozentrums Klein Flottbek der Universität Hamburg stehen uns Fusarium
graminearum Stämme zur Verfügung, die mit dem gfp-Gen,
das für das grün fluoreszierende Protein kodiert, transformiert
wurden. Diese Pilze leuchten bei Anregung mit UV-Licht grün und sind
daher sehr leicht auf und im pflanzlichen Gewebe zu detektieren. Der Infektionsverlauf
von F. graminearum wird in allen Schichten der Karyopse, an isolierten
Epikarpien (Bild 5) und in Querschnitten der Karyopse (Bild 6) dokumentiert.
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Bild 5. Hyphe eines GFP-exprimierenden Fusarium graminearum
Stamms in Zellen des Epikarps, d.h. der äußeren Zellschicht
einer Gerstenkaryopse. Die Aufnahme erfolgte 48 Stunden nach künstlicher
Inokulation.
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Bild 6: Querschnitt einer Gerstenkaryopse, 72 Stunden nach künstlicher
Inokulation. Grün-fluoreszierendes Pilzmycel ist in den aüßeren
beiden Zellschichten der Hypodermis zu erkennen.
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Die hier vorgestellten Arbeiten sollen letztlich dazu dienen, sowohl
die zellulären als auch die molekularbiologischen Ereignisse der Getreide-Fusarium
Interaktion aufzuklären.
Englische
Literatur:
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07.10.2005