Molekulare Mechanismen in der Kolonisation von Gerstenwurzeln (Hordeum vulgare L.) durch Piriformospora indica und Rhizoctonia solani AG-8 
Molecular mechanisms necessary for the colonisation of barley (Hordeum vulgare L.) roots by Piriformospora indica and Rhizoctonia solani AG-8

Gruppenleiter: Dr. agr. Patrick Schäfer
Mitarbeiter: Christina Neumann (Technische Assistentin), M. Sc. Behnam Khatabi (PhD student), M. Sc. Ponduranga Vara Prasad Vaddepalli (PhD student)

Getreidepflanzen werden von einer Vielzahl pilzlicher Organismen besiedelt. Diese Interaktionen können entweder einen positiven, mutualistischen Effekt auf die Pflanze haben oder bedingen eine Schädigung oder ein Absterben. Im Fall wurzelbesiedelnder pilzlicher Parasiten führt dies oft zu deutlichen Ertragsverlusten in der Landwirtschaft. Dies ist vordergründig durch fehlende Resistenzquellen in Getreide, durch ökonomisch diktierte Anbaustrategien mit einseitigen Fruchtfolgen und der geringen Zugänglichkeit der Wurzeln für Pflanzenschutzmittel und der daraus resultierenden ineffektiven Kontrollmaßnahmen bedingt. Unlängst wurde in der indischen Thar-Wüste der wurzelbesiedelnde Pilz Piriformospora indica in der Rhizosphäre zweier Sträucher (Prosopis juliflora and Zizyphus nummularia) entdeckt. Nachfolgende Untersuchungen ergaben, dass der Pilz nicht nur fähig ist, eine Vielzahl von Pflanzen zu besiedeln sondern in diesen auch eine gesteigerte Resistenz bzw. Toleranz gegenüber biotischen und abiotischen Stressfaktoren zu vermitteln (Varma et al., 1999; Waller et al., 2005). So konnte in Gerste eine gesteigerte Toleranz gegenüber Salzstress, eine induzierte Blattresistenz gegen Gerstenmehltau (Blumeria graminis f.sp. hordei) und eine erhöhte Resistenz gegenüber den Wurzelpathogenen Fusarium culmorum und Cochliobolus sativus beobachtet werden (Waller et al., 2005). 
Rhizoctonia solani AG-8, der Erreger der Wurzelfäule, ist ein nekrotropher, pilzlicher Wurzelparasit (Neate and Warcup 1985). Insbesonderes durch die Umstellung in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion auf die ökonomisch attraktive aber auch resourcenschonende Methode des Direktsaatverfahrens entwickelt dieser pilzliche Parasit ein beträchtliches Schadpotenzial in Gerste (Mazzola et al., 1996). Hinzu kommt, dass R. solani AG-8 ein sehr breites Wirtsspektrum innerhalb ein- und zweikeimblättriger Kulturarten (alle Getreidearten, Gräser, Raps, Luzerne, Lupinen) besitzt (Macnish and Neate 1996).

Zytologisch-histochemische Studien

Sowohl mutualistische als auch parasitische Organismen besitzen Strategien, um auftretende pflanzliche Abwehrmechanismen während der Penetration und Kolonisation der Gerstenwurzel zu umgehen bzw. zu unterdrücken. Zytologisch-histochemische Untersuchungen dienen der Identifikation von Infektionsmechanismen und –mustern der Pilze sowie der Reaktion der Gerstenwurzelzellen auf die Eindringlinge. Makroskopisch betrachtet zeigen durch Piriformospora indica kolonisierte Gerstenwurzeln keine Unterschiede zu unbesiedelten Gerstenwurzeln. Im Gegensatz dazu zeigen Rhizoctonia solani AG-8 infizierte Pflanzen als typisches Schadbild nekrotische Läsionen, die letztendlich zu deutlich verkürzten Wurzeln führen.
Inwieweit die im Zuge der Infektion des Wurzelgewebes auftretenden Nekrosen durch die Synthese pilzlicher Toxine oder eine Hyperinduktion pflanzlicher Abwehrmechanismen gesteuert wird, ist Gegenstand dieser Untersuchungen. Dem gegenüber scheint die symptomlose Wurzelbesiedlung durch P. indica auf einer anderen Strategie zu basieren. 

Molekulare Untersuchungen

Die Interaktion der Wurzelzellen mit P. indica oder R. solani AG-8 führt zu einer Umsteuerung des pflanzlichen und pilzlichen Transkriptoms. Diese physiologische Neuausrichtung soll durch molekulare Analysen untersucht werden. Ziel ist es, entscheidende regulatorische Veränderungen zu identifizieren und deren Bedeutung für die jeweilige Gerste-Pilz Wechselbeziehung zu bewerten. Dabei wird zwischen initialen Penetrations- und fortgeschrittenen Kolonisationsstadien unterschieden.

Ziel des Projekts

Letztendlich werden zytologische Beobachtungen mit molekularbiologischen Studien kombiniert, um die mutualistische Gerste-P. indica und parasitische Gerste-R. solani AG-8 Interaktion sowohl aus pilzlicher als auch aus pflanzlicher Sicht zu charakterisieren.
Abb. 1. Gerstenwurzel 24 Stunden nach Inokulation mit Rhizoctonia solani AG-8. Zu diesem Zeitpunkt hat der Pilz bereits Wirtszellen über Penetrationsorgane (Appressorien, Pfeilkopf) penetriert (Pfeile).
Abb. 2. Gerstenwurzel 72 Stunden nach Inokulation mit Piriformospora indica. Der Pilz hat die Wurzel intensiv kolonisiert. Die Kolonisation der Pflanze geht von keimenden Chlamydosporen (Pfeil) aus.

Literatur:

Macnish, G.C. and Neate, S.M. (1996). Rhizoctonia bare patch of cereals. Plant Dis. 80: 965-971.
Mazzola, M., Wong, O.T., and Cook, R.J. (1996). Virulence of Rhizoctonia oryzae and R. solani AG-8 on wheat and detection of R. oryzae in plant tissue by PCR. Phytopathology 86: 354-360.
Neate, S.M. and Warcup, J.H. (1985). Anastomosis grouping of some isolates of Thanatephorus cucumeris from agricultural soils in South Australia. Trans. Br. Mycol. Soc. 85: 615-620.

Varma A, Verma S, Sudha, Sahay N., Bütehorn B, Franken P (1999) Piriformospora indica, a cultivable plant-growth-promoting root endophyte. Applied and Environmental Microbiology 2741-2744 

Waller F, Baltruschat H, Achatz B, Becker K, Fischer M, Fodor J, Heier T, Hückelhoven R, Neumann C, von Wettstein D, Franken P, Kogel K-H (2005) The endophytic fungus Piriformospora indica reprograms barley to salt stress tolerance, disease resistance and higher yield. PNAS 102:13386-91 

Eine Seite zurück