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Veranstaltungen SoSe 2004

Tagung: Die mediale Inszenierung von Massakern, 16. bis 21. Jahrhundert

23.-25.09.2004

Das Massaker ist eine archaisch anmutende Gewaltform. Das wahllose und grausame Niedermetzeln von Wehrlosen durch eine Gruppe Bewaffneter, der kollektive Gewaltexzeß als Kulminationspunkt von Kriegen und Revolten lösen Entsetzen und Ratlosigkeit aus und wollen in die Zeit übernationaler Konventionen zu Menschenrechten und der Ahndung von Kriegsverbrechen nicht passen. Dennoch hat die "Rückkehr der Marodeure" (Wolfgang Sofsky) als Charakteristikum der Kriege unserer Zeit auch das Massaker wieder zum gängigen Bestandteil gegenwärtiger Kriegspraxis erhoben. Die modernen Massenmedien konfrontieren uns mit Bildern von Massengräbern, Zeugenaussagen Überlebender und den Spuren der Gewalt am Ort des Geschehens. Oft genug jedoch haben die Täter ihre Spuren verwischt – gilt es doch, die begangenen Greuel vor den Augen der "Weltöffentlichkeit" zu verstecken und juristisch auswertbare Beweise zu vernichten.

So scheint es auf den ersten Blick paradox, von einer medialen Inszenierung von Massakern zu sprechen. Dennoch wäre es naiv zu glauben, daß die Medien das Geschehene einfach nur "dokumentierten". Je nach Art der Präsentation und Aufbereitung des Materials lassen sich unterschiedliche Wirkungen beim Publikum erzielen oder unterschiedliche Öffentlichkeiten ansprechen. Umgekehrt kann die Analyse der medialen Inszenierungsformen von Massakern Rückschlüsse auf den Umgang einer Gesellschaft mit diesem exzessiven Gewaltphänomen ermöglichen oder schlaglichtartig grundsätzliche (welt-)politische Konfliktlagen erhellen. Dies läßt sich nicht erst in der Zeit der modernen Massenmedien und der "Fernsehkriege" beobachten, sondern schon in frühneuzeitlichen Medienberichten, etwa über die Massaker der französischen Religionskriege oder die Conquista.

Seit mehr als zwei Jahren befaßt sich eine interdisziplinäre französische Nachwuchsforschergruppe in einem vom Centre national des recherches scientifiques (CNRS) geförderten Projekt mit dem Phänomen des Massakers in der Geschichte und als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Forschung. Der Aspekt der medialen Verarbeitung von Massakern spielte dabei bisher allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die gemeinsam mit dem Gießener Graduiertenkolleg "Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart" veranstaltete Tagung soll nun diese Lücke schließen. Sie soll dazu dienen, bestehende kulturwissenschaftliche Forschungsansätze zum Thema "Massaker" mit den spezifischen mediengeschichtlichen und –theoretischen Fragestellungen des Kollegs zu verknüpfen.


Programm:

Donnerstag, 23. September 2004 
Margarete-Bieber Saal, Ludwigstr. 34

18.00 Uhr Begrüßung 
(Prof. Dr. Friedrich Lenger)

MARTIN SCHIEDER (BERLIN) 
Kunst als konfessionelle Propaganda. Massakerszenen in der französischen Malerei des ausgehenden 16. Jahrhunderts

ab 20.00 Uhr Empfang

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Freitag, 24. September 
Alexander-von-Humboldt-Haus, Rathenaustr. 24

I. Inszenierungen von Massakern in der frühneuzeitlichen (Bild-) Publizistik

9.00-11.15 Uhr 
Konfessionelle Polemik (N.N.)

DAVID EL KENZ (DIJON) 
La mise en scène médiatique des massacres protestants d‘après le Livre des martyrs de Jean Crespin et les gravures de Tortorel et Perrissin : une sécularisation des violences extrêmes ?

WOLFGANG CILLESSEN (GIESSEN / BERLIN) 
Massakerdarstellungen in der niederländischen Erinnerungskultur

CHRISTINE VOGEL (GIESSEN) 
Die Waldenser-Massaker in der hugenottischen Erinnerungskultur (17. Jh.)

11.15-11.30 Uhr Pause

11.30-13.00 Uhr 
Kriegspublizistik (Prof. Dr. Horst Carl)

KATRIN HIRT (GIESSEN) 
„Lamento di Roma“ - der sacco di Roma in zeitgenössischen italienischen Versflugschriften

THOMAS WEISSBRICH (GIESSEN) 
„Aufmetzgern und umbringen“. Die Sendlinger Bauernschlacht von 1705 in der zeitgenössischen Publizistik

13.00-14.30 Uhr Mittagessen

14.30-16.00 Uhr Conquista (Prof. Dr. Dietmar Rieger)

MATTHIAS VOLLET (MAINZ) 
„Leyenda negra“. Die internationale publizistische Schlacht um die Conquista (16. Jh.)

ROWENA SANDNER (GIESSEN) 
„Von den Hunden zerrissen“: Die Massakrierung der Indios und ihre filmische Inszenierung

16.00-16.15 Uhr Pause

II. Inszenierungen von Massakern in den modernen Massenmedien

16.15-18.30 Uhr 
Zwischen Information, Instrumentalisierung und Mobilisierung 
(Prof. Dr. Friedrich Lenger)

THOMAS KAILER (GIESSEN) 
Das „Massaker von Aussig“ am 31. Juli 1945 und seine mediale Inszenierung

MARTIN STEINSEIFER (GIESSEN) 
Vom Nutzen und Nachteil der Gewalt für das „Medienereignis“. Anmerkungen zur Unterscheidung von Massaker und Terrorismus

KAREN KRÜGER (BIELEFELD) 
Die mediale Vor-Inszenierung von Gewalt im rwandischen Genozid 1994

20.00 Gemeinsames Abendessen

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Samstag, 25. September 
Alexander-von-Humboldt-Haus, Rathenaustr. 24

9.00-10.30 Uhr 
Zwischen Information, Instrumentalisierung und Mobilisierung 
(Fortsetzung) 
(N.N.)

JOSÉ EDUARDO FRANCO (LISSABON / PARIS) 
La mémoire des massacres dans la littérature anti-pombaline au Portugal (XIXe siècle)

KRISTL PHILIPPI (GIESSEN) 
Das Massaker von Temesvar

10.30-10.45 Uhr Pause

10.45-12.15 Uhr 
Neue Medien (Prof. Dr. Claus Leggewie)

FABRICE D‘ALMEIDA (BERLIN / PARIS) 
Massacres sur internet

MATHIAS MERTENS (GIESSEN) 
„Shoot 'em up!“ Computerspiele als Vorlagen für Massaker oder für Massakerdiskussionen?

12.15-13.00 Uhr

Zusammenfassung und Schlußdiskussion 
(Prof. Dr. Friedrich Lenger)