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Nachruf - Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Karl Alewell (em.)

Alewell

Die Justus-Liebig-Universität Gießen trauert um ihren ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Karl Alewell. Der Wirtschaftswissenschaftler war 31 Jahre lang Professor an der JLU und stand der Universität acht Jahre lang – von 1978 bis 1986 – als Präsident vor. Prof. Karl Alewell verstarb am 8. Februar 2012 im Alter von 80 Jahren nach langer schwerer Krankheit.

Nach dem Abitur im Jahre 1950 und einer erfolgreichen kaufmännischen Lehre absolvierte Karl Alewell sein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Hamburg und München; er wurde 1957 promoviert und habilitierte sich 1963 an der Universität Hamburg. Im Jahre 1965 wurde er zum ordentlichen Professor auf den ersten betriebswirtschaftlichen Lehrstuhl an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen. Prof. Alewell hat den betriebswirtschaftlichen Studiengang in Gießen maßgeblich aufgebaut, der sich dank seines Engagements als eine tragende Säule des Lehrangebots der JLU etabliert hat. 1969 wurde er zum Dekan seiner damaligen Fakultät gewählt. Trotz vielfältiger Angebote anderer Universitäten blieb Prof. Alewell der Universität Gießen bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 treu.

Als erster Vizepräsident von 1970 bis 1972 und als Universitätspräsident von 1978 bis 1986 stellte Prof. Alewell bedeutende Weichen für die Entwicklung der Universität. So wurden in seiner Amtszeit neue praxisorientierte Studiengänge wie die „Neueren Fremdsprachen“, „Fachjournalistik Geschichte“ sowie „Drama, Theater, Medien“ geschaffen und damit wegweisende Entwicklungen im Bereich der Geisteswissenschaften initiiert. Er förderte in den Naturwissenschaften große Forschungsprojekte etwa der Geowissenschaften, eine weitreichende Restrukturierung der Agrarwissenschaften und initiierte die Erarbeitung eines Konzepts für ein Biologikum, das in seiner Nachfolge zum verwirklichten Interdisziplinären Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung weiterentwickelt wurde. Ebenso fielen die Vorarbeiten für den Neubau Chirurgie, der Erwerb der Klinik Seltersberg und der Neubau der Universitätsbibliothek in die Amtszeit von Prof. Alewell.

Auch über die Justus-Liebig-Universität hinaus setzte sich Karl Alewell für die Wissenschaft und ihre Vernetzung ein. Internationale Kontakte wurden mit den Universitäten Milwaukee, Kansas State und Limoges gepflegt; 1978, in der schwierigen Zeit des damaligen „Kalten Krieges“, war er maßgeblich daran beteiligt, die bis heute blühende Partnerschaft mit der polnischen Universität Lodz zu begründen. Bereits 1969 war er Mitglied der Effizienzkommission der damaligen Westdeutschen Rektorenkonferenz. Von 1984 bis 1988 fungierte Prof. Alewell als Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz für Planung, im Anschluss daran engagierte er sich sieben Jahre lang im Vorstand des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Als Mitglied im Gründungsbeirat der Universität Erfurt und als Vorsitzender der Hochschulstrukturkommission Thüringen erwarb sich Prof. Alewell zudem Verdienste um die Neuorganisation der Hochschulen in den neuen Bundesländern. Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürden der Universitäten Lodz und Ilmenau wurde sein akademisches Lebenswerk gewürdigt.

Prof. Alewell wurde als Kollege aufgrund seiner distinguierten und ausgleichenden Art hoch geschätzt; bei den Studierenden war er aufgrund seiner hohen Lehrkompetenz ein sehr beliebter Hochschullehrer.

Die Justus-Liebig-Universität und ihr Fachbereich Wirtschaftswissenschaften werden sich ihres langjährigen Präsidenten und Hochschullehrers mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit erinnern und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.