Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Programm Summerschool für Masterstudierende der Geschichte vom 28.08.-01.09.2017

 

"Filmaufnahmen als Zeitmaschine?"
Summerschool für Masterstudierende der Geschichte
Justus-Liebig-Universität Gießen, Philosophikum I, Raum 214
Montag, 28.8. bis Freitag, 1.9.2017

 

Historische Filmaufnahmen geben uns das Gefühl, in die Vergangenheit einzutauchen, sie miterleben zu kön­nen, dabei und vor Ort zu sein. Sie stellen faszinierende Quellen dar und bilden eine unverzicht­bare Ressource für historische Dokumentarfilme. Die zunehmende Digitalisierung hat den Zugang zu historischem Filmmaterial deut­lich vereinfacht. Doch stellen sich bei der Analyse und Verwendung historischer Filme vielfältige metho­dische Fragen. Die Summerschool "Filmaufnahmen als Zeitma­schi­nen?" bietet in täglichen Workshops mit wechselnden Referentinnen und Referenten Einblicke in deren eigene historischen Arbeiten mit Filmen. Sie wendet sich an Studierende der Geschichtswissenschaft aus dem In- und Ausland.

Bei der ersten Summerschool der Fachjournalistik Geschichte sind auch Zaungäste willkommen, die nur an einzelnen Programmpunkten teilnehmen wollen.


Montag, 28. 8. 2017

 

ab 14.30 Uhr   

Registrierung, Kaffee, Kennenlernen

15 Uhr   

Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summerschool
(Ulrike Weckel und Christina Benninghaus, Fachjournalistik Geschichte, JLU Gießen)

15.30 Uhr         

Thomas Lindenberger, ZZF Potsdam
Bewegte Bilder und vergangene Zeiten. Film und Geschichte zwischen Fakten und Fiktionen (öffentlicher Vortrag und Diskussion)

17.30 Uhr

Abendessen (vom Grill) auf der Wiese hinter der Cafeteria

19.30 Uhr                        

Filmvorführung: Oktjabr (Oktober) von Sergej Eisenstein

 

Dienstag, 29. 8. 2017

 

9.30 – 12.30 Uhr

Der Rote Oktober 1917: Authentizität und Mythos im Geschichtsfilm
Workshop mit Thomas Lindenberger, ZZF Potsdam

Mittagessen in der Mensa

 

14 – 16 Uhr                  

Visualisierungen des Selbst. Ambitionierte Amateurfilme als subjektgeschichtliche Quellen
Workshop mit Michaela Scharf, Ludwig-Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft, Wien

Kaffeepause

16.30 – 18.30 Uhr      

Das Filmfragment „Ghetto“

Workshop mit Anja Horstmann, Fachjournalistik Geschichte, JLU Gießen



Mittwoch, 30.8. 2017

 

9.30 – 12.30 Uhr        

SOS aus der Vergangenheit - über den Umgang mit Archivmaterial in einer dokumentarischen Dramaserie

Workshop mit dem Filmemacher Jan Peter

 

Mittagessen in der Mensa

 

14 – 15.30 Uhr       

Fortsetzung des Workshops mit Jan Peter

Kaffeepause

16 Uhr                                

Deutsche vor alliierten KZ-Filmen 1945/46.  Zu Chancen und Grenzen einer historischen Rezeptionsforschung

Workshop mit Ulrike Weckel, Fachjournalistik Geschichte, JLU Gießen

 

19 Uhr                                

gemeinsames Abendessen

 

Donnerstag, 31. 8. 2017

 

10 – 13 Uhr   

Filme in der historischen Forschung, oder: Sex als Politikum

Workshop mit Anja Laukötter, MPI für Bildungsforschung, Berlin

 

Mittagessen in der Mensa

 

14.30 – 16 Uhr   

Fortsetzung des Workshops mit Anja Laukötter

Kaffeepause

16.30 – 18 Uhr       

Filmerbe bewahren, erschließen, vermitteln: Die Arbeit des Deutschen Filminstituts

Einführungsvortrag von Ines Bayer, Deutsches Filminstitut, Frankfurt a.M.

 


Freitag, 1. 9. 2017

 

Besuch des Deutschen Filminstituts Frankfurt/Wiesbaden

 

8.30 Uhr       

Abfahrt der Busse vom Philosophikum I

10 – 13 Uhr                   

Workshops in den Film- und Nachlassarchiven des Deutschen Filminstituts in Wiesbaden und  Frankfurt

14.30 – 17.30 Uhr       

Fortsetzung der Workshops in dem jeweils am Vormittag noch nicht besuchten Archiv

18.30 – 20.00 Uhr 

After-Hour Besichtigung des Filmmuseums Frankfurt

Ausklang der Sommerschule in einem Frankfurter Lokal

Rückfahrt der Busse nach Gießen ca. 22.30 Uhr

 

 

Samstag, 2. 9. 2017

 

Abreise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

 

 

Die Summerschool wird vom Arbeitsbereich Fachjournalistik Geschichte mit finanzieller Unter­stüt­zung des Fachbereichs 4 der Justus-Liebig-Universität Gießen und in Kooperation mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) organisiert.

Kontakt über: fajo@geschichte.uni-giessen.de


Workshop Abstracts

 

Thomas Lindenberger

Der Rote Oktober 1917 : Authentizität und Mythos im Geschichtsfilm


Es gibt nur wenige historische Ereignisse, die noch heute so nachhaltig als eine Folge bewegter Bilder im kollektiven Gedächtnis verankert sind wie die Absetzung und Gefangennahme der „Provisorischen Re¬gie¬¬rung" im Winterpalais in Petrograd durch Einheiten des Militärischen Revolutionskomittees in der Nacht vom 7. November 1917. Die Grundlage dafür bildete Sergej Eisensteins zum zehnten Jahrestag nach der Reportage des US-amerikanischen Journalisten John Reed, „Zehn Tage, die die Welt erschütter¬ten", gedrehter Film Oktjabr (Oktober). Nicht nur anhand des „Sturms auf das Winterpalais", auch an¬hand zahlreicher weiterer Szenen und Details lässt sich nachzeichnen, wie im Auftrag der bereits von Stalin dominierten Sowjetmacht Elemente des Authentischen und ideologische Überhöhung zu einem Mythos verwoben wurden, der seitdem die Repräsentationen der Oktoberrevolution prägt. Ausgehend von der 2012 rekonstruierten, mit der Originalfilmmusik von Edmund Meisel versehenen Fassung des Filmmuseums München behandelt der Workshop die Inszenierungen des Authentischen und der geziel¬ten Geschichtsdeutung in Oktjabr, seine Rezeption in Deutschland, die im Lauf der Jahrzehnte mehrfach an ihm vorgenommenen Zensureingriffe und seine Wirkung auf weitere Verfilmungen dieses Stoffs.

 

 

Michaela Scharf

Visualisierungen des Selbst. Ambitionierte Amateurfilme als subjektgeschichtliche Quellen

 

Der Workshop fokussiert auf das Potenzial von ambitionierten Amateurfilmen für die zeit- und kulturge­schichtliche Forschung. Die Ausführungen beruhen auf ersten Ergebnissen des Dissertationsprojektes zum Thema „Soziale und ästhetische Praktiken der Subjektivierung im österreichischen Amateurfilm der 1920er bis 1980er-Jahre“. Dieses widmet sich den Selbstdarstellungspraktiken im Amateurfilmschaffen sowie deren historischer Veränderung. Im Zentrum des Workshops steht die Frage nach der konkreten Umsetzung dieses Forschungsdesigns: Wie lassen sich Praktiken der Subjektivierung im Amateurfilm empirisch untersuchen? Als Antwort darauf werden zwei methodische Ansätze vorgestellt: zum einen soll anhand ausgewählter Filmbeispiele der Gewinn mikrohistorischer Close Readings demonstriert werden. Zum anderen wird der Nutzen einer seriellen Filmanalyse eines größeren Materialkorpus zur Diskussion gestellt.

 

 

Anja Horstmann

Das Filmfragment „Ghetto“

 

Wie kann man als Historikerin und Historiker mit Archivfilmmaterial umgehen, welches niemals ganz fertig­gestellt wurde, zu dem größtenteils der schriftliche Kontext fehlt und das einer sehr starken propa­gandistischen Leitlinie folgt? Um sich dieser Frage zu nähern, beschäftigt sich Workshop exemplarisch mit Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto, die im Frühjahr 1942 von einem nationalsozialistischen Filmteam angefertigt wurden. Es wird darum gehen zu erörtern, wie solch ein „inverted lost film“ über eine rein illustrative Ver­wendung des Materials hinaus für die Forschung nutzbar gemacht werden kann.  Dazu werden wir uns intensiv mit den Originalfilmaufnahmen und weiteren Quellen auseinandersetzen und versuchen,  aus dem Filmmaterial heraus Aussagen über Inszenierungsmechanismen und intendier­te Propagandaziele herauszufiltern. Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, die filmische Auseinanderset­zung mit den Archivfilmaufnahmen Geheimsache Ghettofilm der Regisseurin Yael Hersonski von 2010 anzusehen. Hersonski versucht hier, die Inszenierung des Films aufzubrechen und den manipulativen Charakter offenzulegen: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/geheimsache-ghettofilm/

 Hier finden Sie auch weitere Hintergrundinformationen zu den Originalfilmaufnahmen.

 

 

Jan Peter

SOS aus der Vergangenheit - über den Umgang mit Archivmaterial in einer dokumentarischen Dramaserie

 

Die Serie 14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs wurde bei ihrer Erstausstrahlung vor drei Jahren zum Sen­sationserfolg - "Ein Meilenstein für das Europäische Fernsehen" bescheinigte die FAZ. Das wichtigste Element dieses Erfolges war die enge und übergangslose Verzahnung von fictionalen Szenen und Archiv­material. Letzteres wird erstmals nicht als eine Art Beleg und Bildteppich verwendet, sondern tritt in einen emotionalen, nicht didaktischen Dialog mit den fictionalen Szenen, die ihrerseits wieder auf au­then­­tischen Tagebüchern beruhen. Daraus ergeben sich spannende Fragen über den Umgang mit die­sem Material. Was ist letztlich authentischer - die Fiction (beruhend auf Quellen, aber inszeniert) oder das Archiv (an realen Orten gefilmt, aber immer mit einem Auftraggeber, einer Idee von Abbildung da­hinter)? Können diese beiden künstlerischen Formen tiefer zu einer historischen Wahrheit vordringen, wenn sie auf neue Art und Weise zueinander in Beziehung gesetzt werden? Wie lassen sich verschiede­ne Erzählformen auf ein und demselben Archivmaterial ausprobieren - und wo liegen die Grenzen?

 

 

Ulrike Weckel

Deutsche vor alliierten KZ-Filmen 1945/46.

Zu Chancen und Grenzen einer historischen Rezeptionsforschung

 

Wohl selten sonst sind die Reaktionen von Filmzuschauern so umfangreich registriert, interpretiert und kommentiert worden wie im Fall der Deutschen, denen die Alliierten unmittelbar nach Kriegsende einen Film über befreite Konzentrationslager vorführten. Man fotografierte und filmte, beobachtete und be­frag­te sie und kam zeitgenössisch zu unterschiedlichsten Deutungen, wie wirkungsvoll diese Schock­pä­da­gogik gewesen sei. In der historischen Forschung dagegen war je länger die Filmvorführungen zurück­lagen desto häufiger zu lesen, die alliierte Reeducation via KZ-Film sei seinerzeit gescheitert. Die Diskre­panz von vielfältigen Quellen einerseits und einer allzu schlichten vorherrschenden These andererseits war der Aus­gangspunkt für mein langjähriges Forschungsprojekt mit dem Titel Beschämende Bilder. Im Workshop werden gemeinsam einige Quellen gelesen, um zu diskutieren, was die einem sagen können (und was nicht). So die zeitgenössiche Auswertung einer aus­führlichen Fragebogen-Aktion über den Film Die Todesmühlen in Eichstätt und eine Zeitungsdebatte, inklusive Leserbriefen, über die Zuschauerzah­len bei den Vorführungen des Films im amerikanischen Sektor Berlins, beide von Anfang 1946. Eine Szene über eine KZ-Filmvorführung in dem amerikanischen Spielfilm Verboten! aus dem Jahr 1959 dient zudem zum Nachdenken darüber, ob fiktionale Szenen wie diese Aufschluss darüber geben können, welche unrealistisch hohen Erwartungen mit den KZ-Filmen bis heute verknüpft sind.

 

 

Anja Laukötter

Filme in der historischen Forschung oder: Sex als Politikum

 

In diesem Workshop soll anhand eines einzelnen Films aus dem Bereich der Sexualerziehung in der DDR der 1980er Jahre das analytische Potential dieser visuellen Quelle für die Geschichtsschreibung ausge¬lotet werden. Dabei soll auch das entsprechende "Handwerkszeug" für die historische Arbeit mit dieser Quellenform vermittelt werden. So wird das Seminar nach einer gemeinsamen Sichtung des Films die viel¬fältigen relevanten Kontexte erarbeiten und dabei entsprechend zahlreiche zusätzliche Quellen (Text-, Bild- und Filmquellen) sowie die aktuelle Forschungsliteratur heranziehen. Vor diesem Hinter¬grund wird das Seminar gemeinsam eine dichte Filmanalyse (Erzählstruktur, Montage, Kamera, Bildkom¬po¬sition etc.) durchführen und Forschungsfragen und Thesen formulieren. Auf diese Weise soll deutlich werden, dass Filme nicht lediglich eine illustrative Quelle sind, sondern, wie in diesem Fall, als komple¬xes politisches Instrument mit großer Reichweite dienen konnten und daher prägnante Quellen der historischen Forschung sein können.

 

zum Programm als PDF