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Artikelaktionen

Habilitationen, Dissertationen

Professuren Ostmitteleuropa

Professur Bömelburg


Professur Haslinger

Professur Osteuropa

Professur Bohn

Aliaksandr Dalhouski

Biographie

Seit 10/2013

Mitarbeiter des Projekts „Aufbau eines elektronischen Archivs zur Bewahrung der Erinnerung an jüdische NS-Opfer in Belarus“

Seit 08/2013

Dokumentation der Lebensgeschichten belarussischer Tschernobyl-Liquidatoren im Auftrag der Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund

11/2012

Verteidigung (Disputation) der Dissertation

Seit 08/2012

Mitarbeiter im Projekt „World War II – Everyday Life Under German Occupation“

12/2011 – 06/2012

Vorbereitung und Betreuung der Tschernobyl- Ausstellung des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund „25 Jahre nach Tschernobyl. Menschen – Orte – Solidarität“ in Gießen

12/2011 – 03/2012

Kurzzeitstipendiat der Leibniz Graduate School beim Herder Institut

08/2008 – 08/2011

Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts „Politik und Gesellschaft nach Tschernobyl. Belarus, Ukraine, Russland, Litauen und Deutschland in vergleichender und beziehungsgeschichtlicher Perspektive (1986-2006)“ im Rahmen des Förderungsprogramms der Volkswagen-Stiftung "Einheit in der Vielfalt. Grundlagen und Voraussetzungen eines erweiterten Europas"

08/2008 – 08/2011

Doktorand bei Prof. Dr. Thomas Bohn (JLU Gießen) und Stipendiat der Volkswagen-Stiftung

2004 – 2006

Studentischer Mitarbeiter eines Dokumentarfilm-Projekts „Ozariči 1944 – Spuren eines Kriegsverbrechens“

2004 – 2006

Studentischer Mitarbeiter im Projekt „Überregionale Erschließung personenbezogener Quellen zu Angehörigen der bewaffneten Formationen des 'Dritten Reiches'“

WS 2001/02 – WS 2007/08

Studium der Politischen Wissenschaft, Geschichte und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der RWTH in Aachen

1996 – 2001

Studium der Geschichte und deutscher Sprache an der Belarussischen Pädagogischen Staatsuniversität in Minsk. Abschluss: Dipl. Pädagoge für Geschichte und deutsche Sprache

 

Forschungsschwerpunkte

  • Politik und Gesellschaft nach Tschernobyl
  • Weißrussland im Zweiten Weltkrieg
  • Migrationsgeschichte
  • Eigensinn und Dissens
 

Publikationen

  • Anthropologischer Schock? Reaktionen in der BSSR auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. In: Bohn Thomas, Shadurski Victor (Hg.): Ein weisser Fleck in Europa… Die Imagination der Belarus als Kontaktzone zwischen Ost und West, Bielefeld 2011, S. 211-217.
  • Gosudarstvennaja černobyl'skaja politika i pis'mennyj protest belorusskogo naselenija v 1986-1991 gg. In: Perekrestki 1-2 (2010), S. 105-115.
  • Belarussische Zwangsarbeiter: Ihre Typen und Rekrutierungsmethoden. In: Plato v. Alexander, Leh Almut, Thonfeld Christoph (Hg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analyse zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich, Wien 2008, S. 194-206.
  • Prymusova pracja bilorus'kych robitnykiv u systemi vijs'kovogo i cyvil'nogo upravlinnja na terytorii okupovanoi Bilorusi u 1941-1944 rr. In: Schid/Zachid 11-12 (2008), S. 180-197.
  • Executiile in masa de la Kurapati 1937-1941/The Mass Executions at Kurapaty 1937-1941. In: Arhivele Totalitarismului, 1-2 (2007), S. 15-21.
  • Belarus posle Černobylja: ot samalčivanija k ignorirovaniju. (The Soviet and Post-Soviet Review, im Druck)
  • „Environmental Migration as a Reflection of societal Disposition to the Chernobyl Disaster in Belarus'” im Tagungsband der Konferenz “Comparing Fukushima and Chernobyl: Social and Cultural Dimensions of the two Nuclear Catastrophes“, Goethe Universität in Frankfurt Main. (Im Druck)
 

Projektarbeit

Dokumentation der Lebensgeschichten ehemaliger Zwangs und Sklavenarbeiter in Belarus Praktische Durchführung des Dokumentationsprojektes im Auftrag des Instituts für Geschichte und Biographie der Fernuniversität Hagen. http://www.zwangsarbeit-archiv.de/sammlung/teilsammlungen/weissrussland-rwth-aachen/index.html

 

Dissertationsprojekt (abgeschlossen)

Die Sowjetrepublik Weißrussland nach Tschernobyl: Ökologischer Protest und materieller Kompromiss

Die Katastrophe von Tschernobyl entwickelte sich zu einer ernsten Herausforderung für das sowjetische Staatssystem. Zwar hatte die Reformpolitik Michail Gorbačëvs bereits vor dem Unfall begonnen, sie konnte jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Entscheidungen in den Jahren 1986 bis 1988 erlangen. Die Beziehungen zwischen der vom radioaktiven Fallout direkt betroffenen Bevölkerung und dem Staat regelte in den ersten Jahren nach dem Reaktorunfall ein „Sozialkontrakt von Tschernobyl“. Zu den zentralen Kriterien des „Sozialkontraktes von Tschernobyl“ gehörten somit die Garantie eines risikolosen Aufenthaltes und die Schaffung materieller Vorteile in den betroffenen Bezirken. Weißrussland war zu dieser Zeit eine Republik der benachteiligten Beschwerdeführer, die nach Gerechtigkeit bei verschiedenen Behördeninstanzen suchten. Die zentralen Charakteristiken der Tschernobyl-Eingaben dieser Zeit waren ihr Kollektivcharakter, das schwach ausgeprägte Bewusstsein für Umweltprobleme und die eigenen Rechte sowie das paternalistische Denken auf Seiten der Verfasser. Ausgehend von der Statistik über die bei den Machtorganen eingegangene Eingaben kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass nicht etwa die gesamtnationale Tragödie die Bevölkerung 1986 bis 1988 einigte, sondern vielmehr die Wohnungsfrage, die überall in der Republik akut war.

Im Laufe der Demokratisierungsprozesse 1989 bis 1991 verloren die staatlichen Sicherheitsgarantien, die als Grundlage für den „Sozialkontrakt von Tschernobyl“ galten, zunehmend ihre Gültigkeit. Mit der öffentlichen Diskussion des Ausmaßes und der Folgen der Katastrophe in den Medien nahm Tschernobyl allmählich den Charakter einer gesamtnationalen Tragödie an. Die Jahre 1989-1991 waren nicht nur die Zeit eines Durchbrechens der Informationsblockade, sondern auch die Jahre der Herausbildung alternativer Kommunikationsmittel. Einerseits wurden die Obersten Sowjets und ihre Deputierten zu den wichtigsten Adressaten und ersetzten mit der Zeit die Parteibehörden, andererseits wurden die Tschernobyl-Eingaben an ihre Adresse zum Gegenstand öffentlicher Politik und wandelten sich allmählich zu Wähleraufträgen. Letztendlich kam es in diesen Jahren zu neuen Formen widerständigen Verhaltens - zu zivilgesellschaftlichem Protest. Somit brach in den Jahren 1989 bis 1991 infolge des Verlustes des Sicherheitsgefühls und der Destabilisierung der ökonomischen Lage die Strategie der politischen Kommunikation zusammen, die nicht allen Ansprüchen der Betroffenen gerecht geworden war. Dieser rasante Anstieg der zivilgesellschaftlichen Aktivität trug dazu bei, dass 1990/95 eine verbindliche Rechtslage in Bezug auf die Katastrophe geschaffen wurde. Neben dem Anstieg der zivilgesellschaftlichen Aktivität Ende der 80er Jahre war der materielle Kompromiss unter den Bedingungen einer temporären Demokratisierung das zentrale Charakteristikum im Post-Tschernobyl-Weißrussland.

In der Herrschaftsperiode von Lukašenka wurde das Eingabewesen durch präsidiale Erlasse entsprechend der „neuen“ paternalistischen Herrschaftsform modifiziert und der im öffentlichen Diskurs betonten „toleranten“ weißrussischen Nation zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des autoritären Regimes, welches von der Bewältigung der Katastrophenfolgen ausgeht und ein eigenes AKW baut, hat sich der Versuch einer Lösung der Tschernobyl-Probleme mittels Eingaben als zeitaufwendig und ineffizient erwiesen.

Professur Südosteuropa