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2003 Kunstdiskurs

Rauischholzhausen, März 2003

Kunstdiskurs und weibliche Porträtkultur

 

kunstdiskurs2003
Die Tagungsbeiträge und weitere Aufsätze wurden 2004 im Jonas Verlag publiziert.
Im Verlauf der Frühen Neuzeit entwickelte sich ausgehend vom italienischen Kulturraum ein zunehmend eigenständiger, vornehmlich von männlichen Akteuren geführter Diskurs über Gestalt, Funktion und Stellenwert der Künste. Zu den markanten Topoi dieses maßgeblich durch antike Vorbilder beeinflussten Diskurses gehört die weitgehende Gleichsetzung von idealer Weiblichkeit und vollendeter Kunst über das Vergleichsmoment der Schönheit. Diese lässt sich sowohl in den kunst- und literaturtheoretischen Schriften der Zeit als auch in den bildkünstlerischen und literarischen Werken selbst sowie in den Praktiken ihrer gesellschaftlichen Handhabung nachweisen.

 

Während die problematische Verschränkung von künstlerischem Diskurs und weiblicher Porträtkultur im Bereich der italienischen Renaissance bereits angemessen erforscht ist, fehlt es an Studien zu späteren Epochen und zu den nördlich der Alpen gelegenen Kulturräumen. Die in dem vorliegenden Tagungsband versammelten kunsthistorischen und literaturwissenschaftlichen Beiträge bieten einen ersten Überblick über die komplexe Vernetzung von Geschlechter- und Kunstdiskurs, wie sie vor allem in den literarischen und bildkünstlerischen Werken selbst verhandelt wird.

 

Verfolgt wird eine historische Sichtweise, die die Werke in ihrem jeweiligen Entstehungs- und Rezeptionskontext situiert und nach den spezifischen Darstellungsabsichten und Funktionszusammenhängen fragt. Besondere Berücksichtigung findet dabei die Auseinandersetzung mit dem problematischen und häufig ambivalent bleibendem Verhältnis zwischen idealer und individueller, abstrahierender und kontextgebundener Darstellung der Frau.

 

Simone Roggendorf, Sigrid Ruby (Hg.): (En)gendered: Frühneuzeitlicher Kunstdiskurs und weibliche Porträtkultur nördlich der Alpen, Marburg: Jonas 2004

 

  • Vorwort der Herausgeberinnen
  • Einleitung
  • Simone Roggendorf und Sigrid Ruby, Vom Ehemann vollendet: Die Bildwerdung der Margareta van Eyck
  • Karin Gludovatz, „Anna, die Anmutige, werde ich genannt.“ – Eros und Virtus in den weiblichen Porträts von Lucas Cranach d. Ä.
  • Mila Horký, „Ich halt mich ja so mühsam in mir ein“ – Der Entwurf eines neuen Frauenbildes in den Gedichten der Louise Labé (ca. 1520-1566)
  • Alice Bolterauer, Das Porträt der schönen Frau bei François Clouet und Pierre de Ronsard
  • Sigrid Ruby, Frauengalerien im Kontext der enzyklopädischen Porträtsammlung in den Kunst- und Wunderkammern – Die Beispiele München und Innsbruck
  • Michael Wenzel, Ein Leben für die Kunst? – Anmerkungen zu Pictura-Darstellungen nördlich der Alpen
  • Nicole Birnfeld, Die Porträtkunst der Marie-Catherine d’Aulnoy in den Feenmärchen des späten 17. Jahrhunderts
  • Roswitha Böhm, „She scorn’d an Empire for Religion’s sake“ – Zu einem Jugendbildnis der Caroline von Ansbach, Königin von England (1683-1737)
  • Karin Schrader, Die Schönheit im Urteil in Gemälden der Aufklärung
  • Marie Louise Geiseler, Die Feminisierung und Marginalisierung von Thomas Gainsborough – Eine Neubewertung der späten Landschaftsporträts im Kontext der Kultur der Empfindsamkeit am Beispiel von Mr and Mrs William Hallett (1785)
  • Simone Roggendorf, „O des schönen Weibes, der Königin“ – Das Frauenbild in den Porträts der Königin Luise von Preußen
  • Gerrit Walczak