Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Die Mitarbeiter des Instituts für Philosophie trauern um Ihren Kollegen Apl. Professor Dr. Wolfgang Achtner, der am 31. Oktober 2017 an den Folgen eines Herzinfarktes verstorben ist.

Nachruf
 
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und der Fachbereich 04 trauern um
 
apl. Prof. Dr. Wolfgang Achtner
 
der im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben ist.
 
Apl. Prof. Dr. Wolfgang Achtner war seit dem Jahr 2000 Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Er wurde am 1. Februar 2013 zum außerplanmäßigen Professor an der JLU ernannt und war seit dem Wintersemester 2013/2014 von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die JLU abgeordnet. Er hat in diesem Rahmen Lehraufgaben an den Instituten für Evangelische Theologie und für Philosophie wahrgenommen.
 
Am 2. September 1957 in Weyer, Kreis Limburg-Weilburg, geboren, studierte Wolfgang Achtner von 1979-1984 Evangelische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der GeorgAugust-Universität Göttingen. Später studierte er zudem Mathematik an der Fernuniversität Hagen. Nach dem Abschluss seines Theologiestudiums mit dem ersten Kirchlichen Examen 1984 erfolgte 1991 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg die Promotion zum Doktor der Theologie mit seiner Studie Physik, Mystik und Christentum. Eine Darstellung und Diskussion der natürlichen Theologie bei T.F. Torrance. Von 1991-2000 war er Pfarrer in Mainz-Gonsenheim, bis er 2000 in das Hochschulpfarramt an der JLU wechselte. Im Dezember 2005 erfolgte die Habilitation an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main im Fach Systematische Theologie mit der Schrift Vom Erkennen zum Handeln. Die Dynamisierung von Mensch und Natur im ausgehenden Mittelalter als Voraussetzung zur Entstehung naturwissenschaftlicher Rationalität.  
 
Mit den Themen von Dissertation und Habilitation war die wissenschaftliche Leidenschaft Wolfgang Achtners gesetzt, es erwuchsen daraus sein intensiv geführter Dialog der Theologie mit den Natur
wissenschaften und seine Begeisterung für die Mystik. Sein theologischer Dialog zuerst mit der Physik, der Biologie, der Medizin (Hirnforschung) und schließlich auch mit der Mathematik bestimmte sein wissenschaftliches Schaffen in Wort und Schrift in intensiver Weise, was seine zahlreichen Publikationen, Tagungs- und Projektaktivitäten in diesen Bereichen erweisen. Neben weiteren Schwerpunkten seiner Forschung, wie die Auseinandersetzung mit dem Zeitbegriff und der Frage nach der Evolution von Religion, richteten sich in jüngerer Zeit seine Forschungsinteressen mehr und mehr auf die Mystik und den interreligiösen Dialog. Zuletzt erschien dazu 2017 der von ihm konzipierte und herausgegebene interdisziplinär und interreligiös ausgerichtete Sammelband Mystik als Kern der Weltreligionen? Eine protestantische Perspektive. Dieser Ausschnitt zeigt, dass Wolfgang Achtners Œuvre durch und durch von interdisziplinären, transdisziplinären sowie internationalen Grenzüberschreitungen geprägt ist. Zudem entsprach es seinem Verständnis von Theologie, in Wissenschaft und Öffentlichkeit ihre Stimme hörbar werden zu lassen. Dabei war dieses Verständnis nicht nur davon geleitet, im interdisziplinären Dialog mit den Wissenschaften und im öffentlichen Diskurs präsent zu sein, sondern er sah es als Aufgabe der Theologie selbst, sich in ihrem Wahrheitsgehalt an diesen Diskursen zu erproben und sich weiter zu entwickeln. Diesem Anliegen sah er sich verpflichtet, und er verfolgte es mit hoher Intensität.
 
Wolfgang Achtner war Wissenschaftsmanager, er knüpfte nationale und internationale Forschungsnetzwerke und gründete Transscientia, ein Institut für Wissenschaftsentwicklung, Philosophie und Religion, das eine Plattform für die Förderung von Forschungsprojekten im interdisziplinären Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften bietet. Und er war stets dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnis in die Gesellschaft verpflichtet. Neben vielen Tagungen und Workshops organisierte er Ringvorlesungen, die über die JLU hinaus in die Gießener Stadtöffentlichkeit ausstrahlten und große Beachtung fanden. Zu nennen sind etwa die Ringvorlesungen Was ist Religion?, die er zusammen mit Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt im Rahmen des 400-jährigen Jubiläums der JLU 2006/2007 organisierte und gleichermaßen Willensfreiheit in Rechtswissenschaft, Neurowissenschaft, Philosophie und Theologie zusammen mit Prof. Dr. Franz Reimer 2010/2011. Weiterhin koordinierte er die Ringvorlesung des Präsidenten Prof. Dr. Joybrato Mukherjee 2013/2014 Homo Conflictus – Zwischen Harmoniebedürfnis und Konfliktrealität, für welche er u.a. Dr. Frank-Walter Steinmeier und Margot Käßmann nach Gießen holte. In der Schnittstelle von Universität, Studierendengemeinde und Stadtöffentlichkeit organisierte er darüber hinaus Veranstaltungen, die ebenfalls breite Resonanz fanden und nachhaltig in Erinnerung bleiben, wie etwa die Mystischen Nächte, die er wiederholt veranstaltete, oder vor wenigen Monaten die stark besuchte Veranstaltung Theologie im Brennpunkt: Nahtoderfahrungen – Blick ins Jenseits? und zuletzt das Symposion Mystik als Kern der Welt
religionen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Wolfgang Achtner neben dem Bonner Predigtpreis auch viele Wissenschaftspreise gewonnen hat, wie z.B. zwei Grants der John Templeton Foundation oder zusammen mit Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt den Preis des Institute for Unlimited Love, USA, für ein interdisziplinäres Seminar mit Forschungsaspekten zum Thema Altruismus an der JLU.
 
Sein Tod hat uns tief getroffen und reißt eine Lücke. Mit Wolfgang Achtner verlieren die Institute für Evangelische Theologie und Philosophie der JLU, die ESG und die Gießener Öffentlichkeit einen engagierten und hochgeschätzten Wissenschaftler, Theologen, Hochschullehrer und Prediger. Wir sind ihm für sein Engagement und auch seine rege Vermittlung von Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft sehr dankbar und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie.  
 
Die Mitglieder der Universität, des Fachbereichs und der Institute für Evangelische Theologie und für Philosophie werden dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren.
 
 
 
Der Dekan des Fachbereichs                                                       Die Geschäftsführende Direktorin   

Geschichts- und Kulturwissenschaften                                        des Instituts für Evangelische Theologie 

Prof. Dr. Peter von Möllendorff                                                      Prof. Dr. Ute Eva Eisen