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Artikelaktionen

Lehrveranstaltungen

Hinweise für schriftliche Arbeiten

Leitfaden für schriftliche Arbeiten

 

Lehrangebot im Sommersemester 2019

Prof. Dr. Elif Özmen

3TH1CS. Die Ethik der digitalen Zeit

Dienstags 14-16 Uhr, Rathenaustr. 8, 214

Als digitale Transformation werden die in digitalen Technologien begründeten Veränderungen bezeichnet, die gegenwärtig alle gesellschaftlichen Bereiche – Recht, Politik, Medien, Wirtschaft, Gesundheit, Arbeit, Bildung, Unterhaltung – erfassen. Den Hoffnungen, die diese digitale Revolution des menschlichen Lebens und Zusammenlebens begleiten, stehen Befürchtungen zur Seite, die auch durch neuartige ethische Herausforderungen verursacht werden. Das Seminar widmet sich solchen Herausforderungen aus der Perspektive der Maschinen- und Informationsethik, d.h. es geht um Fragen wie:

-Nach welchen moralischen Prinzipien sollen sich künstliche Akteure im Umgang mit Menschen verhalten?

-Wie unterscheidet sich die Ethik der Maschinen, wenn es um z.B. um Pflegesysteme, Militärroboter oder autonomes Fahren geht?

-Ist der Einsatz von Kriegsdrohnen moralisch verwerflicher als der Einsatz von Soldaten?

-Spricht ethisch etwas dagegen, einen Roboter zu lieben?

-Gefährdet AI unsere menschliche Lebensform?

-Welche Auswirkungen hat Virtual/ Augmented Reality) für unser Selbst- und Weltverständnis?

-Ist Internetzugang ein Menschenrecht?

 

Textgrundlage des Seminares:

Capurro, Rafael: Homo Digitalis, Berlin 2017

Misselhorn, Catrin: Grundfragen der Maschinenethik, Ditzingen 2018

Otto, Philipp/Gräf, Eike (Hgg): 3TH1CS. Die Ethik der digitalen Zeit, Berlin 2017

 

Staat ohne Gott? Debatten und Herausforderungen

Dienstags 16-20 Uhr (14-tägig), Rathenaustr.8, 214

Die moderne, pluralistische, säkulare und freiheitliche Demokratie ist auf zwei Säulen gegründet: die negative und positive Religionsfreiheit der Bürger*innen einerseits, die weltanschaulich-religiöse Neutralität des Staates andererseits. Das bedeutet, dass die Autorität des Staates und des Rechtes unabhängig von religiösen Gründen und weltanschaulichen Legitimationen erfolgen muss und sich zudem mit keiner bestimmten Religion identifizieren darf. Erst durch diese religiöse Enthaltung – den säkularisierten Staat - ist eine ungehinderte religiöse Entfaltung – eine plural-religiöse Gesellschaft – möglich.

 

Zu diesem scheinbaren Paradox im Verhältnis von Politik und Religion wurden in den letzten Jahren eine Reihe von philosophischen Beiträgen vorgelegt, die in Auszügen in dem Seminar behandelt werden (u.a. von Jürgen Habermas, Ernst-Wolfgang Böckenförde, Horst Dreier, Avishai Margalit, Jan Assmann, Charles Taylor). Leitende Themen des Seminares sind:

-Religion zwischen Wahrheitsanspruch und Freiheit

-Religion und Staat: Strikte Trennung oder Kooperation?

-Religion und Gewalt

-Politik, Religion und Toleranz

-das Pluralismus-Problem

-Religion und Öffentlichkeit.

 

Das Seminar findet in Kooperation mit Prof. Friedemann Voigt, Evangelische Theologie Marburg, statt, d.h. es gibt vier gemeinsame Sitzungen sowie zwei Gastreferenten:

 

Die Termine sind (jeweils von 16-20 Uhr):

-16. April 2019

-30. April 2019

-14. Mai 2019

-21. Mai 2019: Gastvortrag: Prof. Dr. Steffen Augsberg, Professur für Öffentliches Recht an der JLU Gießen

-11. Juni 2019: Gastvortrag: Dr. Peter Tauber, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung  

(Sitzungen finden in Marburg statt!)

-25. Juni

-9. Juli 2019

 

Eine Anmeldung zum Seminar auf Flex Now bis zum 10. April ist notwendig, damit das Material für die erste Sitzung vorab versendet werden kann!

 

Wie lässt sich Moral verstehen? (Jay Wallace: The Moral Nexus)

Donnerstags 10-12 Uhr, Rathenaustr. 8, 204

Vom 17.-19. Juni 2019 findet das dritte Sommer-Seminar der Friend-Stiftung mit Prof. Dr. R. Jay Wallace statt. Wallace ist Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley, seine Forschungsinteressen betreffen Fragen der Metaethik, Moralpsychologie, Handlungstheorie und der Praktischen Rationalität.

Gegenstand des Sommer-Seminares wird sein neuestes Buch The Moral Nexus, Princeton University Press 2019 sein. Dieses steht im Mittelpunkt des Vorbereitungsseminares, in dem zusammen mit dem 2.5 halbtägigen Seminar mit Wallace 6 ECTS-Punkte erworben werden können durch zwei Essays oder einen Impulsvortrag während des Sommer-Seminares.

 

Prof. Wallace spricht übrigens perfekt Deutsch, so dass keinerlei Sprachhürden befürchtet werden müssen.

 

Aus der Verlagsankündigung zum Buch:

The Moral Nexus develops and defends a new interpretation of morality namely, as a set of requirements that connect agents normatively to other persons in a nexus of moral relations. According to this relational interpretation, moral demands are directed to other individuals, who have claims that the agent comply with these demands. Interpersonal morality, so conceived, is the domain of what we owe to each other, insofar as we are each persons with equal moral standing. The book features a novel defense of the relational approach to morality, which emphasizes the special significance that moral requirements have, both for agents who are deliberating about what to do and for those who stand to be affected by their actions. The book argues that relational moral requirements can be understood to link us to all individuals whose interests render them vulnerable to our agency, regardless of whether they stand in any prior relationship to us.“

Lehrangebot im Wintersemester 2018/2019

Prof. Dr. Elif Özmen

Einführung in die Praktische Philosophie (Vorlesung)

Mittwochs 10-12 Uhr, Alter Steinbacher Weg 44, 011

Mit der Kenntnis und Analyse von klassischen und zeitgenössischen Positionen der praktischen Philosophie werden nicht nur ideengeschichtliche und systematische Grundkenntnisse erworben, die für das weitere Studium unerlässlich sind, sondern auch das Verständnis von und der Umgang mit philosophischen Argumenten geschult. Die Vorlesung führt in grundlegende Fragen, Probleme und Methoden der praktischen Philosophie ein und ist in drei Teile gegliedert:

i) Grundlegende Fragen: Was ist praktische Philosophie (nicht)?

ii) Paradigmatische Theorien: Tugendethik, Deontologie, Utilitarismus und Kontraktualismus

iii) Ausgewählte Anwendungsbereiche: Ethik am Anfang und Ende des Lebens, Ethik nichtmenschlicher Entitäten, Technik- und Wirtschaftsethik

Die Vorlesung wird durch Tutorien begleitet.

Zur Vorbereitung geeignet: Dieter Birnbacher: Analytische Einführung in die Ethik, Kap. 1, Berlin 2007.

 

Einführung in die Angewandte Ethik (Seminar)

Dienstags 16-18 Uhr, Rath 8 R 214

Als angewandte Ethik bezeichnet man den Teil der praktischen Philosophie, der sich mit denjenigen ethischen Fragen beschäftigt, die sich in verschiedenen gesellschaftlichen Praktiken (z.B. Technik), Berufsfeldern (z.B. Medizin) und Gesellschaftsbereichen (z.B. Ökonomie) stellen. Es geht also um die (mögliche) Anwendung der bekannten Theorien der normativen Ethik (z.B. Deontologie, Utilitarismus) und moralischen Prinzipien (z.B. Nicht-Schädigung, Instrumentalisierungsverbot) auf unterschiedliche konkrete Bereiche des menschlichen Handelns und Zusammenlebens.
Das Seminar konzentriert sich auf drei Themengebiete der angewandten Ethik und die klassischen Argumente, die im Bereich der Bio- und Medizinethik sowie der Natur- und Tierethik vorgebracht wurden: 1. Der Anfang des Lebens: Haben Embryonen Rechte?; 2. Neues Leben machen: Brauchen wir eine Ethik der Genetik?; 3. Nichtmenschliches Leben: Was schulden wir der Natur, Umwelt und den Tieren?
Zur Vorbereitung geeignet: Julian Nida-Rümelin: Theoretische und angewandte Ethik: Paradigmen, Begründungen, Bereiche, in: Ders. (Hg.): Angewandte Ethik. Ein Handbuch, Stuttgart 2005.

 

Ethik der Menschenwürde (Seminar)

Dienstags 14-16 Uhr, Rath 8 R 302

Das Konzept der Menschenwürde beruht auf einer einfachen normativen Vorstellung: Würde kommt jedem Menschen zu, bloß indem und weil er Mensch ist. Daher hat jeder Mensch den gleichen moralischen Wert, verdient gleichermaßen Wertschätzung, die sich primär durch unantastbare moralische bzw. politische Grundrechte ausdrückt. Eben weil die Würde des Menschen dem Menschen unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Weltanschauung, gesellschaftlichen Stellung und Gesundheitszustand zukommt, hat sie einen universellen Geltungsanspruch. Kein Wunder, dass sie zur Leitnorm von nationalen Verfassungen (Grundgesetz, Art. 1.1) und internationalen Vereinbarungen (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Präambel) geworden ist. Kein Zufall, dass sie als Bezugsgröße für Debatten innerhalb der Medizin- und Bioethik (Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik, Genetik) sowie der Politischen und Rechtsphilosophie (Menschenrechte, Ächtung von Sklaverei, Folter) herangezogen wird.

Aber wie ist es zu dieser Erfolgsgeschichte der Menschenwürde gekommen? Lassen sich die verschiedenen Bedeutungen der Menschenwürde – als soziale Stellung (röm. Antike), Gabe (Mittelalter), Fähigkeit (Aufklärung) und Potential (nach WW II) – überhaupt unter einem Konzept vereinen? Oder handelt es sich um einen notwendig umstrittenen, gar leeren Begriff? Was heißt es, dass die Menschenwürde unantastbar ist? Wer ist überhaupt Träger des Menschenwürdeschutzes? Und konkreter: Wann liegen Verletzungen der Menschenwürde vor? Dürfen z.B. Menschen ein Leben lang eingesperrt werden? Dürfen von Terroristen entführte Flugzeuge abgeschossen werden? Was heißt es, unter „menschenunwürdigen Umständen” leben zu müssen?

Das Seminar leitet durch solche historischen, systematischen und anwendungsbezogenen Fragen der Philosophie der Menschenwürde.

Teilnahmebedingungen:
Für Lehramtsstudierende, die die „Didaktik der Ethik der Menschenwürde” bei Dr. Rösch absolvieren wollen, ist der Besuch dieses Seminars Pflicht. Eine gemeinsame Vorbesprechung findet statt am: Dienstag, 16.10.18, 14-16 Uhr, R. 302. Desweiteren werden Plätze für BA-Studierende freigehalten.

Zur Vorbereitung geeignet:
Dietmar von der Pfordten: Menschenwürde, München 2016

Katharina Kaufmann

Injustice and Cruelty (Seminar)

Donnerstags 14-16 Uhr, Rath 8 R 207

Injustice is typically thought of as the mere absence of justice. Recently, however, there has been a renewed interest in injustice as a distinct phenomenon. Based on Judith N. Shklar's claim that justice and injustice are asymmetrical phenomena, and thus injustice more than simply the negation of justice, this seminar will critically engage with the sparse, but growing and intriguing literature on injustice. In particular, we will analyse epistemic and political aspects of injustice. Drawing on Miranda Fricker's concept of ‘epistemic injustice', we will ask whether and under which conditions it is possible to recognise injustice at all, and whether and how epistemic injustice can be resisted, as Jose Medina suggests with the concept of ‘epistemic friction'. Informed by disparate perspectives on injustice such as Judith Shklar's The Faces of Injustice and Iris Marion Young's The Faces of Oppression, we will focus on the problem of political injustice, and ask whether there can be a common denominator that all cases of injustice share: cruelty, domination, oppression, or dehumanisation?

Johannes Rübel

Martha Nussbaums politische Philosophie (Seminar)

Dienstags 10-12 Uhr, Rath 8 R 214

In der bereits in der Antike verhandelten Frage, was das gelungene Leben ausmacht, entscheidet sich Martha Nussbaum gegen die platonische, für die aristotelische Antwort. Körperliche Eigenschaften und Grenzen sowie das Wissen über beide bedingen die Chance, ein gelungenes Leben führen zu können. Die Philosophie müsse sich daher von der platonischen Vorstellung des gelungenen Lebens verabschieden, um sich stattdessen diesen körperlichen Voraussetzungen zu widmen. Ihrer eigenen Forderung folgend entwickelte Nussbaum eine Emotionstheorie und untersuchte bestimmte Diskriminierungsformen als Hindernisse eines gelungenen Lebens. Ihre wohl bekannteste Idee, der Capabilities-Approach, vereint ihr Denken in einer politischen Theorie. Hier identifiziert sie all jene körperlichen Eigenschaften, die Capabilities, die für ein gelungenes Leben notwendig sind. Capabilities sind Befähigungen der Menschen bestimmte Handlungen ausführen zu können. Nussbaum fordert, eine gerechte Gesellschaft müsse ihren Mitgliedern sicherstellen, ihre Befähigungen ausführen zu können. Dabei geht es nicht allein um Bereitstellen materieller Dinge, sondern auch um Achtung und Würde. Um auf die Frage, wie eine solche Gesellschaft dauerhaft stabil und gerecht sein kann antworten zu können, entwickelt Nussbaum ihre Emotionstheorie zu einer politischen Theorie weiter. Ohne Liebe wird jede Gesellschaft kalt bleiben, ihre Konflikte nicht lösen können, daher nicht dauerhaft bestehen. Nussbaum gelangen bedeutsame Beiträge auf gleich mehreren Feldern der praktischen Philosophie. Der ihr 2016 verliehene Kyoto-Preis belegt ihre besondere Stellung in der praktischen Philosophie.

Das Seminar wird sich auf die politische Philosophie Nussbaums beschränken. Dazu gehört der Capabilities-Approach und die politische Emotionstheorie, die wir im ersten Teil des Seminars kennen lernen. Das bildet die Grundlage für den zweiten Teil, hier lesen und diskutieren wir Nussbaums Kritiker*innen.

Lehrangebot im Sommersemester 2018

 

Prof. Dr. Elif Özmen

Grundlagen der Praktischen Philosophie (Gruppe 1)

Das Seminar baut auf den Themen und Problemstellungen der Einführungsvorlesung auf und soll eine vertiefte Beschäftigung mit den Paradigmen der theoretischen Ethik und der politischen Philosophie ermöglichen. Nach einer einleitenden Einheit zu metaethischen Fragestellungen werden die Theorie- Paradigmen (Tugendethik, Deontologie, Utilitarismus, Kontraktualismus) anhand ihrer klassischen Vertreter (Aristoteles, Immanuel Kant, John Stuart Mill, John Locke) systematisch erarbeitet werden. Im Anschluss sollen zeitgenössische Weiterentwicklungen sowie konkrete moralische Probleme mit Rückgriff auf diese paradigmatischen Positionen der Praktischen Philosophie analysiert werden.
Die Seminare werden durch Pflichttutorien begleitet.

 

John Rawls: Das Recht der Völker

Die politische Philosophie der Gegenwart ist nachdrücklich durch das Werk des amerikanischen Philosophen John Rawls geprägt. Mit Erscheinen der Theory of Justice (1971) erfuhr die normative politische Philosophie im Ganzen und der Liberalismus im Besonderen eine Renaissance. Das zweite große Werk Political Liberalism (1993) eröffnete eine anhaltende Debatte über die Gerechtigkeit und Stabilität pluralistischer Gesellschaften, wohingegen die letzte Publikation, The Law of Peoples (1999), eine Theorie internationaler Gerechtigkeit skizziert. Zu den grundlegenden und hochaktuellen Fragen, denen sich Rawls hier mit Rückgriff auf einen hypothetischen "Vertrag der Gesellschaft der Völker“ annimmt, gehören etwa: Welche Gerechtigkeitsprinzipien können für die internationale Gemeinschaft, die sich faktisch aus liberalen und nichtliberalen Staaten zusammensetzt, gerechtfertigt werden? Welche Menschenrechte können in einer pluralistischen Welt gegenüber allen Betroffenen begründet und dann auch durchgesetzt werden, welche Rechte (z.B. soziale Grundrechte) haben hingegen nur nationale Wirkungskraft? Wie soll man mit Menschenrechtsverletzungen und anderen Formen der Ungerechtigkeit umgehen? Kann es gerechtfertigte Kriege geben?

 

In dem Seminar werden wir „Das Recht der Völker“ vollständig lesen und die kontroversen Debatten, die sich um die einzelnen Themen und Thesen entwickelt haben, würdigen.

 

Probleme und Perspektiven der praktischen Philosophie

In dem Forschungskolloquium können ausgewählte aktuelle Beiträge zu allen Themengebieten der praktischen Philosophie erarbeitet und diskutiert werden. Es steht allen an forschungsnahen Themen und Debatten der Praktischen Philosophie interessierten fortgeschrittenen Studierenden offen. Welche Texte wir in diesem Semester lesen, wird in der ersten Sitzung gemeinsam entschieden werden, Vorschläge sind u.a.:

- A. Mbembe: Kritik der schwarzen Vernunft

- J. Searle: Wie wir die soziale Welt machen

- D. Parfit: Personen, Normativität, Moral.

 

Sterben und Tod aus ethischer Perspektive

Menschen sind sterbliche Wesen. An diese Tatsache (die philosophisch wenig banal anmutet, wie sich im vergangenen Semester am Seminar-Thema „Philosophie des Todes“ zeigte) schließen sich eine Reihe von ethischen Problemstellungen an. So ist etwa die Frage nach dem Todeskriterium (Hirntod, Herztod) von größter Wichtigkeit für Organtransplantationen; ob wir Leben medizintechnisch verlängern dürfen oder gar müssen, ist medizinethisch relevant; zu den ethischen Dimensionen der Selbsttötung und der Todesstrafe gibt es durchaus divergierenden Positionen und schließlich ist der Umgang mit Leichnamen strafrechtlich geregelt, aber ethisch durchaus diskussionswürdig. Diese Themen werden im Seminar mit zeitgenössischen Texten erarbeitet werden.

Zur Vorbereitung  geeignet:

- Ralf Stoecker: Sterben und Tod, in: Handbuch Angewandte Ethik, hg. von Marcus Düwell, Christoph Hübenthal und Micha H. Werner Düwell, Metzler  2005.

-Héctor Wittwer: Philosophie des Todes, Reclam 2009, Kap. 3.


Lehrangebot im Wintersemester 2017/2018

 

Prof. Dr. Elif Özmen

Einführung in die Praktische Philosophie (Vorlesung)

Dienstags 16-18 Uhr, Phil I, A 4

Mit der Kenntnis und Analyse von klassischen und zeitgenössischen Positionen der praktischen Philosophie werden nicht nur ideengeschichtliche und systematische Grundkenntnisse erworben, die für das weitere Studium unerlässlich sind, sondern auch das Verständnis von und der Umgang mit philosophischen Argumenten geschult. Die Vorlesung führt in grundlegende Fragen, Probleme und Methoden der praktischen Philosophie ein und ist in drei Teile gegliedert:

i) Grundlegende Fragen: Was ist praktische Philosophie (nicht)?

ii) Paradigmatische Theorien: Tugendethik, Deontologie, Utilitarismus und Kontraktualismus

iii) Ausgewählte Anwendungsbereiche: Ethik am Anfang und Ende des Lebens, Ethik nichtmenschlicher Entitäten, Technik- und Wirtschaftsethik

Die Vorlesung wird durch Tutorien begleitet.

Zur Vorbereitung geeignet: Dieter Birnbacher: Analytische Einführung in die Ethik, Kap. 1, Berlin 2007.

 

"Philosophieren heißt sterben lernen". Der Tod in der Philosophie (Seminar)

Mittwochs 10-12 Uhr, Rath 8 R 214

Als Mensch kommt man in seinem Alltag gut zurecht, ohne sich Gedanken über Gehirne im Tank, moralische Tatsachen oder die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht Nichts, zu machen. Aber der Tod betrifft uns alle. Menschen, die wir kennen und lieben, (werden) sterben; wir werden sterben. Was aber der Tod „ist“ und was er für uns bedeutet, ist das Thema der Philosophie seit ihren Anfängen. Der Philosophie des Todes wird das Seminar unter vier leitenden Fragestellungen nachgehen:

    • Was ist der Tod? Zum Problem der Unsterblichkeit der Seele

    • Ist der Tod ein Übel? Über die Langeweile der Unsterblichkeit

    • Wie sollen wir leben, wenn wir doch sterben müssen? Philosophieren heißt sterben lernen

    • Dasein/ Sein als ein Vorlauf zum Tode? Existentialistische Todesmeditationen

Das Seminar richtet sich an fortgeschrittene und MA-Studierende.

Zur Vorbereitung geeignet: Gehring, Petra: Theorien des Todes zur Einführung, Hamburg.
Wittwer, Héctor: Philosophie des Todes, Stuttgart 2009.

 

Ethik der Migration (Seminar)

Dienstags 14-16 Uhr, Rath 8, R 302

65 Millionen Menschen - so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht - sind weltweit auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung, Elend und Hunger oder motiviert durch die Hoffnung auf ein besseres Leben. Neben politischen, rechtlichen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen sind mit unfreiwilliger Flucht und freiwilliger Migration auch normative Problemstellungen verbunden. Während etwa die moralische bzw. menschenrechtliche Berechtigung der durch systematische politische Verfolgung begründeten Asylgesuche zum politikphilosophischen common sense gehört, sind die moralischen Ansprüche der vielen Anderen noch nicht abschließend reflektiert und diskutiert worden.

In dem Seminar werden wir verschiedene Themen aus der aktuellen philosophischen Debatte um Ethik und Migration diskutieren, etwa:

    • Formen der Migration und ihre Relevanz für Migrationsrechte

    • Gibt es ein Recht auf (offene) Grenzen?

    • (Wofür) ist (welche) Identität wichtig?

    • Politik der Anerkennung (oder der Integration oder der Assimilation)

    • Rassismus – Diskriminierung – Exklusion

Für Lehramt-Studierenden, die die „Didaktik der Ethik der Migration“ bei Dr. Rösch absolvieren wollen, ist der Besuch dieses Seminars Pflicht.

Eine gemeinsame Vorbesprechung findet statt am: Dienstag, 17.10.17, 14-16 Uhr, R. 302.

 

Einige Plätze werden für BA-Studierende freigehalten.

 

Probleme und Perspektiven der Praktischen Philosophie: Das Recht der Freiheit (Oberseminar)

Donnerstags 10-12 Uhr, Rath 8, R 204

Im Zentrum des Seminars steht der vieldiskutierte Beitrag des Frankfurter Sozialphilosophen Axel Honneth „Das Recht der Freiheit: Grundriss einer demokratischen Sittlichkeit“ (Suhrkamp/ Frankfurt 2011). Aus der Verlagsankündigung:

„Die Theorie der Gerechtigkeit gehört zu den am intensivsten bestellten Feldern der zeitgenössischen Philosophie. Allerdings haben die meisten Gerechtigkeitstheorien ihr hohes Begründungsniveau nur um den Preis eines schweren Defizits erreicht, denn mit ihrer Fixierung auf rein normative, abstrakte Prinzipien geraten sie in beträchtliche Distanz zu jener Sphäre, die ihr »Anwendungsbereich« ist: der gesellschaftlichen Wirklichkeit. 

Axel Honneth schlägt einen anderen Weg ein und gewinnt die heute maßgeblichen Kriterien sozialer Gerechtigkeit direkt aus jenen normativen Ansprüchen, die sich innerhalb der westlichen, liberaldemokratischen Gesellschaften herausgebildet haben. Zusammen machen sie das aus, was er »demokratische Sittlichkeit« nennt: ein System nicht nur rechtlich verankerter, sondern auch institutionell eingespielter Handlungsnormen, die moralische Legitimität besitzen. 

Zur Begründung dieses weitreichenden Unterfangens weist Honneth zunächst nach, daß alle wesentlichen Handlungssphären westlicher Gesellschaften ein Merkmal teilen: Sie haben den Anspruch, einen jeweils besonderen Aspekt von individueller Freiheit zu verwirklichen. Im Geiste von Hegels Rechtsphilosophie und unter anerkennungstheoretischen Vorzeichen zeigt das zentrale Kapitel, wie in konkreten gesellschaftlichen Bereichen - in persönlichen Beziehungen, im marktvermittelten Wirtschaftshandeln und in der politischen Öffentlichkeit - die Prinzipien individueller Freiheit generiert werden, die die Richtschnur für Gerechtigkeit bilden. Das Ziel des Buches ist ein höchst anspruchsvolles: die Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse neu zu begründen.“

 

Honneth wird zum Ende des Semesters im Rahmen der zweiten Lahngespräche für einen Vortrag und intensive Diskussionen in Gießen und Marburg zu Gast sein. Das Seminar steht daher allen offen, die sich für diese Gelegenheit inhaltlich vorbereiten wollen. Und natürlich sind, wie immer, alle an forschungsnahen Themen und Diskussionen der Praktischen Philosophie interessierten fortgeschrittenen Studierenden eingeladen.


Katharina Kaufmann, M.A.

Globale Gerechtigkeit (Seminar)

Dienstags 10-12 Uhr, Rath 8, R 214

„Die Welt, in der wir leben, ist nicht gerecht“, konstatiert Thomas Nagel in seinem einflussreichen Artikel über „Das Problem globaler Gerechtigkeit“ (2005). Dennoch argumentieren einige Autoren dafür, dass es Gerechtigkeitspflichten nur im Rahmen des Nationalstaats geben kann und damit globale Gerechtigkeit bestenfalls ein nachrangiges Problem ist. Angesichts vielschichtiger ökonomischer und politischer Interdependenzen scheint diese Position allerdings problematisch.

Mit Blick auf diese Frage werden diesem Seminar zeitgenössische Theorien internationaler und globaler Gerechtigkeit erarbeitet. Beginnend mit John Rawls‘ einflussreicher kontraktualistischer Theorie eines ‚Rechts der Völker‘, über deren Weiterentwicklung durch z.B. Thomas Pogge, werden wir uns auch mit deren Kritik von kommunitaristischer (Michael Walzer), utilitaristischer (Peter Singer) sowie neo-aristotelischer Seite (Martha Nussbaum) beschäftigen. Dabei wird insbesondere der Konflikt zwischen kosmopolitisch und partikularistisch argumentierenden Positionen nachvollzogen. Es stellt sich auch die Frage, welche Akteure (Individuen, Staaten, Internationale Organisationen etc.) die Adressaten einer Theorie globaler Gerechtigkeit sein können oder sollten.

 

Johannes Rübel

Kommunitarismus (Seminar)

Montags 10-12 Uhr, Rath 8, R207

Unter den zahlreichen Reaktionen auf John Rawls' "A Theory of Justice" befinden sich auch die von Michael Walzer, Michael Sandel, Alasdair MacIntyre oder Charles Taylor. Es gebe keinen archimedischen Punkt, von dem aus universale Gerechtigkeitsprinzipien entworfen sowie überzeitliche menschliche Eigenschaften und Interessen gefunden werden können. Obwohl diese Autoren niemals ein gemeinsames kohärentes Theoriegebäude entwarfen, lassen sich zwischen ihnen drei Übereinstimmungen ausmachen: 1. Sie heben die Bedeutung von Tradition und Kultur hervor, diese seien die Kontexte politischer Argumentation. 2. Sie stellen ontologische oder metaphysische Aussagen über die soziale Natur des Selbst auf. Sowie 3. Gemeinschaft erhält normative Geltung als identitätsstiftende Quelle des Selbst und als Stabilitätsvoraussetzung für Demokratien. Diese Position wird als „Kommunitarismus“ bezeichnet.

Das Seminar ist als Einführung gestaltet. Zuerst erarbeiten wir uns gemeinsam den Liberalismus als Ansatzpunkt der kommunitaristischen Kritik, danach analysieren wir die Positionen ausgewählter kommunitaristischer Autoren, im letzten Teil betrachten wir kommunitaristische Alternativen zur liberalen Demokratie.

Obwohl dieses Seminar als Anschluss an Frau Prof. Özmens „Was ist Liberalismus“ geplant ist, lässt es sich auch ohne Vorkenntnisse besuchen, denn eine Einführung wird im Seminar angeboten. Die meisten Texte sind in Englisch geschrieben, eine hohe Lesedisziplin ist für den erfolgreichen Abschluss des Seminars unbedingt erforderlich.

Zur Einführung geeignet:

Walter Reese-Schäfer: "Kommunitarismus", Campus 2001.

"Communitarianism" auf der Stanford Encyclopedia of Philosophy https://plato.stanford.edu/entries/communitarianism.