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Materialien zur Kenntniss des unvergänglichen Boden-Eises in Sibirien

Karl Ernst von Baer (1843)

Vorwort zu Baer/Tammiksaar (1843/2001):


In der deutschen und englischsprachigen Fachliteratur fehlt bisher gänzlich eine Arbeit über den Beginn der Permafrostforschung. Weitaus mehr hingegen ist darüber in der russischen Literatur geschrieben worden, da die Erforschung des Dauerfrostbodens in Russland ihren Anfang nahm. Fast übereinstimmend verbinden russische Autoren den Anfang der Permafrostforschung mit dem Namen Alexander Theodor von Middendorff (1815-1894), der in den Jahren 1842-1845 auf der Taimyrhalbinsel und in Ost-Sibirien vielseitige Forschungsaufgaben ausführte. Die dabei erstellten geologischen, paläontologischen, ethnographischen, botanischen und zoologischen Sammlungen aus den bis dahin von keinem Wissenschaftler besuchten Gegenden Sibiriens wurden in der umfangreichen vierbändigen Monographie "Reise in den äussersten Norden und Osten Sibiriens während der Jahre 1843 und 1844" veröffentlicht und bereicherten die Wissenschaft mit völlig neuen Beobachtungen auch über den Dauerfrostboden in Sibirien.

Noch heute bezeichnet man Middendorff üblicherweise als den ersten Permafrostforscher, obgleich sich viele Fachleute in Russland schon in den 1930er Jahren bewusst waren, dass der vielseitige Naturforscher Karl Ernst von Baer (1792-1876), Initiator der Middendorff´schen Expedition war, sich intensiv an der Bearbeitung von Middendorff´s Resultaten beteiligte und Autor der "Materialien zur Kenntniss des unvergänglichen Boden-Eises in Sibirien" war, die er als Vorbereitung für Middendorffs Expedition geschrieben hatte.

Baer erfasste schon 1837 aufgrund von geothermischen Beobachtungen aus dem 116,7 m tiefen Schacht Ðergin in Jakutsk die Bedeutung der Permafrostforschung. Ende der 1830er Jahre empfahl er daher in mehreren Artikeln über die physikalischen Eigenschaften des "Bodeneises" die Entsendung einer Expedition zur Erforschung des Dauerfrostbodens in Sibirien und schlug von Middendorff als Leiter der Expedition vor. Die dabei für ihn geschriebene Expeditionsanleitung umfasste 218 Seiten und enthielt fast alle damals bekannten Erkenntnisse über den Dauerfrostboden in Eurasien. Baer legt damit den Grundstein zur Permafrostterminologie, sah die zeitlich begrenzte Existenz des Dauerfrostboden, unterschied "kontinentalen" und "insularischen" Dauerfrostboden, postulierte die Entstehung und Weiterentwicklung des Dauerfrostbodens als Schlussergebnis der komplexen physiogeographischen, geologischen und floristischen Bedingungen und Wechselwirkungen eines Untersuchungsraumes, zeichnete eine Karte der Südgrenze des Dauerfrostbodens in Eurasien und erstellte die erste Klassifikation des Dauerfrostbodens auf geologischer und physikalische Grundlage. Er brachte die Entstehung des Dauerfrostbodens mit der Eiszeittheorie von Louis Agassiz in Beziehung und erstellte eine Klassifikation der Gewässer über Dauerfrostboden. Leider blieb Baers Manuskript bis zu seiner sensationellen Wiederentdeckung durch Herrn Tammiksaar nur in Korrekturbogen erhalten.

Dr. Erki Tammiksaar ist Leiter des Karl Ernst von Baer Museums in Tartu. Er erhielt seinen Doktortitel an der dortigen Agraruniversität für seine umfassenden Studien über "Baers wissenschaftliches Werk in den 1830er und 1840er Jahren". Erki Tammiksaar führte zahlreiche Reisen in europäische Länder durch, immer auf der Spurensuche nach Karl Ernst von Baer. Längere Forschungsaufenthalte an der Justus-Liebig-Universität Giessen erlaubten ihm dabei die detaillierte Bearbeitung des von Baer'schen Nachlasses, der in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek aufbewahrt wird und dort zu den wertvollsten Schätzen zählt.

Die jetzt vorliegende, von Tammiksaar kommentierte Veröffentlichung des schon 1834 fertiggestellten Baer-Manuskripts ist eine wissenschaftliche Sensation und bietet dem Permafrost-Experten interessante Denkanstöße für eigene Arbeiten, aber auch für den Laien ist das vorliegende Werk eine faszinierende Lektüre. Für seine jahrelange akribische Forschungsarbeit gebührt Dr. Tammiksaar großen Dank.

Lorenz King,
Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees Permafrost,
International Permafrost Association (DNP/IPA)