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Ernährungsökologie - Historie

Entwicklungen der Ernährungsökologie als neues Fachgebiet

Ernährungsökologie: Entwicklungen (in Anlehnung an Koerber et al. 2001)

Die Ernährungsökologie ist ein relativ neues Wissenschaftsgebiet innerhalb der Ökotrophologie bzw. der Ernährungswissenschaft. Die Gründung der Ernährungsökologie geht auf langjährige studentische Initiativen an der Universität Gießen zurück. Seit Mitte der 1970er Jahre beschäftigten sich einige Studierende der Ernährungswissenschaft aus Unzufriedenheit mit dem vorwiegend physiologisch, biochemisch und technologisch ausgerichteten Lehrangebot in studentischen Arbeitskreisen mit alternativen Ernährungsrichtungen sowie ökologischen und sozialen Fragen. Hintergründe waren die Umweltbewegung sowie die entwicklungspolitische Bewegung. In den Jahren danach entstand auf der Basis von zwei Diplomarbeiten die erste Fassung der „Gießener Konzeption der Vollwert-Ernährung“, die 1981 in Buchform veröffentlicht wurde (v. Koerber, Männle, Leitzmann: Vollwert-Ernährung, Haug Verlag, Heidelberg).

Anfang der 1980er Jahre erfolgten in Gießen Vereinsgründungen, um diese ganzheitliche Ernährungskonzeption weiter zu entwickeln und nach außen in die Verbraucheraufklärung einzubringen: die „Arbeits- und Forschungsgemeinschaft Ökotrophologie eukos e. V.“ sowie der „Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung - UGB e. V.“.

Seit 1986 gab es Bestrebungen, an der Universität Gießen ein neues Fachgebiet zur Erforschung dieser komplexen Zusammenhänge im Bereich der Ernährung des Menschen aufzubauen und dafür die Einrichtung einer eigenständigen Professur zu fordern. Initiator war der „Studentische Arbeitskreis Ernährungsökologie“, der seitdem jedes Semester eine Vortragsreihe organisiert. Von Seiten des Instituts für Ernährungswissenschaft wurde dieses Vorhaben v. a. von Prof. Dr. Claus Leitzmann, der den Begriff „Ernährungsökologie“ prägte, und von Dr. Karl von Koerber unterstützt. Eine 'Professur für Ernährungsökologie' wurde bereits 1987 vom Fachbereichsrat in das neue Strukturkonzept integriert.

Ein erster Erfolg war im Jahr 1989, dass die Universität für das Fachgebiet Ernährungsökologie eine Halbtagsstelle für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter einrichtete, die mit Dr. Karl von Koerber besetzt wurde. Seitdem konnte mit dem Aufbau des Wissenschaftsgebiets Ernährungsökologie auch von Seiten des Instituts für Ernährungswissenschaft innerhalb der Arbeitsgruppe von Prof. Leitzmann begonnen werden. Am Anfang stand eine Arbeitstagung mit etwa 40 ExpertInnen u. a. aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft, Ökologie, Medizin und Pädagogik. Ziel war die Vorstellung der Konzeption Ernährungsökologie vor Beginn des Lehrangebots sowie deren Beratung, Ergänzung und Konkretisierung durch Kooperationsangebote.

Das Lehrangebot bestand aus einem fortlaufenden zweistündigen Seminar, teilweise mit auswärtigen ReferentInnen. Die Schwerpunktthemen wechselten jedes Semester, z. B.

  • Lebensmittelqualität

  • Ernährungsverhalten

  • EU-Binnenmarkt

  • Fast Food

  • Convenience Food

  • 'Zukunftstechnologien' im Ernährungsbereich

  • Biokost-Vermarktung

  • Trinkwasser

  • Alternative Ernährungsrichtungen.

Weiterhin gab es Vorlesungen und Seminare zur Ökotoxikologie (Lehrbeauftragter: Prof. Dr. Volker Mersch-Sundermann, Universität Heidelberg/Mannheim). Das kontinuierliche Lehrangebot wurde ergänzt durch Gastvorträge und Wochenend-Blockseminare, z. B.:

  • Bio- und Gentechnologie

  • Lebensmittelbestrahlung

  • Lebensmittelqualität

  • Schadstoffe

  • Pseudo-Bio-Produkte

  • Umweltpolitik

  • Verkehrspolitik

  • Klimarelevanz der Ernährung.

Schließlich gab es jedes Semester 1–2 Exkursionen zur Lebensmittel verarbeitenden Industrie, besonders im Bereich Öko-Lebensmittel/Naturkost/Reformwaren sowie zu Kliniken, Tagungen, Messen usw.

Die Forschungsaktivitäten in Form von Diplom- und Doktorarbeiten erfolgten u. a. zu den Themen Umwelt- und Sozialverträglichkeit der Ernährung, Gentechnologie, Aromastoffe, alternative Ernährungsrichtungen, Umsetzung der Ernährungsökologie. Des Weiteren gab es zahlreiche Kooperationen, z. B. mit Institutionen der Ernährungsberatung, Umwelt-Forschungsinstituten, Verbänden des Ökolandbaus usw.

Da die Mitarbeiterstelle nach fünf Jahren infolge Geldmangels leider nicht mehr neu besetzt werden konnte, erklärte sich erfreulicherweise die Eden-Stiftung in Bad Soden bereit, die Finanzierung einer Mitarbeiterstelle für die Ernährungsökologie zu übernehmen – neben Zuschüssen für die laufenden Kosten.

Bezüglich der Einrichtung einer Professur für Ernährungsökologie erfolgten intensive Bemühungen bei den zuständigen Hessischen Ministerien sowie den Landtagsfraktionen von SPD und GRÜNEN. Anlässlich der rot-grünen Koalitionsvereinbarungen nach den Landtagswahlen 1991 wurde die grundsätzliche Bereitschaft hierfür erreicht, zumal beide Parteien die „Ökologisierung der Wissenschaft“ vorantreiben wollten. Jedoch scheiterte die Umsetzung unerwartet an der Finanzierung, da nach der 'Wende' in der DDR der größte Teil des Wissenschaftsetats zum Aufbau der Wissenschaftsstruktur in die neuen Bundesländer floss. Aus diesem Grunde gingen die Bestrebungen dahin, eine Stiftung für dieses Vorhaben zu finden. So gelang es Anfang 1993, vor allem dank der Bemühungen von Prof. Leitzmann, die Eden-Stiftung und die Werner-und-Elisabeth-Kollath-Stiftung zur Finanzierung einer auf sechs Jahre befristeten Stiftungsprofessur zu gewinnen.

Es schlossen sich eine eineinhalbjährige Phase der Vertragsverhandlungen zwischen den Stiftern, der Universität Gießen und dem Hessischen Wissenschaftsministerium sowie weitere eineinhalb Jahre des Berufungsverfahrens an. Bedauerlicherweise scheiterte jedoch Anfang 1996 die Besetzung der Professur Ernährungsökologie, da beide Kandidaten auf der Liste nicht mehr für eine Berufung in Frage kamen.

Um die Aktivitäten in Gießen bis zu einer erneuten Ausschreibung weiter aufrecht zu erhalten bzw. um diese weiter auszubauen, entschied sich die Eden-Stiftung abermals für eine finanzielle Unterstützung. Es wurde für knapp vier Jahre, d. h. bis Ende März 2000, eine Vollzeitstelle für eine wissenschaftliche Mitarbeiterin (einschließlich einer gewissen Ausstattung) geschaffen, die mit Dr. Ingrid Hoffmann besetzt wurde. Zusätzlich förderte die Stoll-VITA-Stiftung in Waldshut unterschiedliche (Forschungs-)Aktivitäten. Forschungsschwerpunkte – aufgeteilt nach den vier Dimensionen der Ernährungsökologie – während dieser Zeit waren:

  • Gesundheit: Gegenüberstellung der Gießener Vollwert-Ernährungs-Studie, der Gießener Rohkost-Studie und der Deutschen Vegan-Studie mit dem Ziel, die Auswirkungen von verschiedenen Ernährungsweisen auf den Gesundheits- und Ernährungsstatus zu untersuchen
  • Umwelt: Untersuchung verschiedener Ernährungsgewohnheiten und einzelner Bereiche des Ernährungssystems (Erzeugung, Verarbeitung, Handel, Verbrauch/Haushalt) bezüglich der ökologischen Wirkung anhand der Indikatoren Primärenergie, CO2- und SO2-Äquivalente
  • Gesellschaft: Zusammenstellung von Aspekten, die die soziale Dimension der Ernährung beschreiben, und Entwicklung von Kriterien zur Bewertung der Sozialverträglichkeit der Ernährung
  • Wirtschaft: Zusammenstellung von negativen externen Kosten im Ernährungssektor.


Im Rahmen der Lehre fanden weiterhin ein fortlaufendes Seminar, Blockseminare und Exkursionen statt. Während im Wintersemester die Grundlagen der Ernährungsökologie auf dem Programm standen, wurden im Sommersemester verschiedene ernährungsökologische Themenschwerpunkte angeboten. Beispiele dafür sind:

  • Die Dimension Zeit in der Ernährung

  • Trends in der Ernährung

  • Ernährungsverhalten – Motive und Konsequenzen

  • Frauen & Männer und Ernährung.

Im Jahr 2001 erfolgte eine erneute Ausschreibung der Stiftungsprofessur Ernährungsökologie. Seit dem 1. September 2003 hat Prof. Dr. Ingrid Hoffmann diese Professur inne. Sie ist am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen angesiedelt und wird von der EDEN-, der Elisabeth-und-Werner-Kollath- sowie der Stoll VITA-Stiftung für 6 Jahre finanziert. Damit ist dieses relativ neue Wissenschaftsgebiet innerhalb der Ökotrophologie bzw. der Ernährungswissenschaft erstmals mit einer Professur vertreten. Außerdem werden an anderen deutschsprachigen Hochschulen entsprechende Lehrveranstaltungen angeboten (Fachhochschule Fulda, Technische Universität München/Weihenstephan, Universität Gesamthochschule Kassel/Witzenhausen, Fachhochschule Münster, Fachhochschule Weihenstephan/Triesdorf, Universität Wien).

 

Nachdem Ernährungsökologie in Gießen im Diplomstudiengang der Haushalts- und Ernährungswissenschaften als Wahlvertiefungsveranstaltung belegt werden konnte, ist das neue Wissenschaftsgebiet im Bachelor- und Masterstudiengang im Bereich Ökotrophologie mit Profilmodulen vertreten.

Zusätzlich zur Arbeitsgruppe Ernährungsökologie im Rahmen der Professur Ernährungsökologie ist an der Justus-Liebig-Universität Gießen weiterhin der Studentische Arbeitskreis Ernährungsökologie aktiv. Dieser Arbeitskreis bietet jedes Semester eine Vortragsreihe zu Themen der Ernährungsökologie für Studierende und die breite Öffentlichkeit an.

 

Weitere Kontaktmöglichkeiten bzw. eine erste Anlaufstelle für InteressentInnen bietet die im Internet existierende „Plattform Ernährungsökologie“. Diese enthält die Kontaktadressen der bisher bestehenden Arbeitsgruppen im Bereich Ernährungsökologie.