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Forschung

Ernährungskommunikation: omnipräsent & aktuell

Ernährungskommunikation ist in den letzten Jahren immer vielfältiger geworden. Heute kommunizieren nicht mehr nur professionelle Akteurinnen und Akteure über die klassischen Kommunikationsmedien, wie bspw. Printmedien und TV, Ernährungsbotschaften an eher passive Laien. Ernährung ist vielmehr zu einem komplexen Kommunikationsgegenstand avanciert, der sich auf verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher Kommunikation wiederfinden lässt und an dem sich unterschiedlichste Individuen, Gruppen und Organisationen beteiligen. Professionelle Akteurinnen und Akteure haben an Deutungshoheit verloren, während nichtprofessionelle Akteure sich insbesondere in neuen Kommunikationsmedien, wie bspw. in Internetforen oder auf -blogs, zunehmend an der kommunikativen Konstruktion des Phänomens Ernährung beteiligen.

 

Ernährungskommunikationsforschung …

Inter- und transdisziplinär

Die zunehmende gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Ernährungsthemen (z. B. Gesundheitsaspekte, Lebensmittelskandale, Umweltauswirkungen, nachhaltige Transformation der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft) erfordert neben einer naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung auch eine sozialwissenschaftliche Bearbeitung. Im Forschungsfeld Ernährungskommunikation wird Ernährung über den Aspekt der Nährstoffzufuhr durch den Akt des Essens hinausgehend als ein soziales Phänomen verstanden, das eingebettet ist in ein globales System. Eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährung umfasst sowohl verschiedene

  • materielle (bspw. Lebensmittel),
  • immaterielle (bspw. Dienstleistungen) und
  • symbolische Objekte (wie bspw. mit Lebensmitteln verbundene Bedeutungen),
  • Subjekte (neben Menschen auch Tiere) sowie
  • Aktivitäten (bspw. anbauen, essen, verdauen, wegwerfen) und
  • Prozesse (bspw. Forschung & Entwicklung, Produktion, Verarbeitung, Verteilung, Konsum) als auch deren
  • Wechselwirkungen und Nebenfolgen.

Wir legen unserer interdisziplinär ausgerichteten Forschung ein solches umfassendes Verständnis von Ernährung zugrunde und machen die unterschiedlichen Aspekte zum Gegenstand. Ernährungskommunikation bezieht sich im Wesentlichen auf drei Dimensionen, die in der Forschung als Analyseebenen verstanden werden können:

 

  1. Sie kann sich inhaltlich auf verschiedenste Aspekte in dem breiten Verständnisrahmen von Ernährung beziehen (Kommunikation über Ernährung, also Ernährungsthemen wie bspw. Transportwege, Nährwert etc.).
  2. Sie kann bestimmte Vorstellungen transportieren und Verständnisse konstruieren, was als die „richtige“, „gesündeste“ oder „nachhaltigste“ Ernährung, Lebensmittelproduktionsweise oder Umgangsweise mit Lebensmittelabfall von der jeweiligen Kommunikatorin und dem jeweiligen Kommunikator angesehen wird (Kommunikation der Ernährung, sprich Ernährungsverständnisse).
  3. Sie (re)produziert immer eine bestimmte Ernährungskultur (oder auch Landbewirtschaftungskultur etc.), das heißt durch sie werden bestimmte Identitäten konstruiert über die gleichzeitig eine Abgrenzung von anderen Individuen, Gruppen oder Verständnissen erfolgt (Kommunikation durch Ernährung, d. h. Ernährung als Ausdrucksmittel).

 

In diesem Verständnisrahmen von Ernährung und entsprechender Kommunikation ergeben sich disziplinenübergreifende Fragestellungen und Erkenntnisinteressen. Diese bewegen sich innerhalb oder zwischen den aufgezeigten Analysedimensionen und beziehen sich insbesondere auf Bereiche der Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften. Häufig überschneiden sie sich mit kommunikations-, nachhaltigkeits–, kultur- oder politikwissenschaftlichen sowie insbesondere soziologischen Forschungsperspektiven. Um den umfassenden Forschungsgegenständen „Kommunikation über, der oder durch Ernährung“ und deren inhärenter Komplexität gerecht zu werden, bewegt sich unsere Forschung in einem interdisziplinären Theorierahmen und bezieht Praxisakteure und Betroffene häufig schon bei der Entwicklung der Fragestellung in den Forschungsprozess ein (transdisziplinär).

 

Methodisch vielfältig

Im Interesse unserer empirischen Forschung stehen nicht nur Kommunikation in und zwischen Interaktions-, Organisations- und anderen Sozialsystemen, sondern auch Vorstellungen und Gedanken von Individuen. Wir untersuchen Ernährungskommunikation von und zwischen Individuen und Organisationen verschiedener gesellschaftlicher Teilsysteme (wie Politik, Wirtschaft, Bildung, Kunst, Wissenschaft, Massenmedien etc.), sowie Ernährungskommunikation in Interaktionen, insbesondere in der Beratung oder im Unterricht, aber auch in alltäglichen Kommunikationssituationen, wie bspw. innerhalb von Familien etc. Zu unserem Analysematerial gehören: direkte Kommunikation (Face-to-Face-Kommunikation) v. a. medienvermittelte Kommunikation, darunter digitale Kommunikation, Berichte, Printmedien etc., sowie auch sprachunabhängige und körpergebundene Ausdrucksformen wie Bilder, Videos und Artefakte. Entsprechend der inter- und transdisziplinären Fragestellungen sowie der Vielfalt an Untersuchungsmaterialien bewegen wir uns in unterschiedlichsten Forschungssträngen (Diskurs-, Inhalts-, Mediennutzungsforschung etc.) und nutzen verschiedene Strategien sowie Methoden zur Erhebung und Analyse der Daten. Zur Datenerhebung, Datenanalyse und Exploration des Forschungsfeldes setzen wir überwiegend qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung ein.

 

Gesellschaftsorientiert

Trotz interdisziplinärer und methodischer Vielfalt liegt der Schwerpunkt unserer Forschung auf der sozialwissenschaftlichen Betrachtung von Ernährungskommunikation. Ziel unserer Forschung ist es, ein Verständnis für unterschiedliche gesellschaftliche Blickwinkel und Interpretationen von ernährungsbezogenen Herausforderungen zu erarbeiten und somit zu einer Reflexion der gesellschaftlichen Wirklichkeit beizutragen. Im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung nimmt die Verständigung über die Zukunft unserer Ernährung und unseres Ernährungssystems einen immer größeren Stellenwert ein. Durch den Rückbezug der Einzelerkenntnisse aus den verschiedenen Forschungsprojekten in einen gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang generieren wir konkrete Erkenntnisse für das Gestaltungs- und Anwendungsinteresse unserer Forschung: anschlussfähige Kommunikationsstrategien für die Praxis abzuleiten und einen gesellschaftlichen Verständigungsrahmen zu erarbeiten.

 

Zum Nachlesen

  • Godemann, J. & Bartelmeß, T. (2018). Gesellschaftliche Verständigung über ein Totalphänomen. Zum Verständnis nachhaltigkeitsbezogener Ernährungskommunikation. In: Phyel, T. (Hrsg.). Zwischen Ohnmacht und Zuversicht. Vom Umgang mit Komplexität in der Nachhaltigkeitskommunikation. DBU Reihe Umweltkommunikation (10). München: oekom. S. 187-206.
  • Herzig, C. & Godemann, J. (2018). Unternehmensführung und -kommunikation. In Wachendorf, M., Bürkert, A., Graß, R. (Hrsg.), Ökologische Landwirtschaft, Stuttgart: UTB, S. 297-309.
  • Godemann, J. & Bartelmeß, T. (2017). Ernährungskommunikation und Nachhaltigkeit. Perspektiven eines Forschungsfeldes. Ernährungsumschau 64 (12), M692-M698.
  • Yildiz, J., Godemann, J. (2017). Mit Beratung gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen. Hauswirtschaft und Wissenschaft 2/2017, 78-87.
  • Godemann, J. (2017). Qualitative Forschung verstehen und anwenden. Ernährungsumschau 2/2017, 94-103.
  • Weitere Publikationen