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Gefährliche Winzlinge – klein, aber oho

Bei der letzten »Senioren-Vorlesung« im Wintersemester ging es um Viren

Gießen (if). Als sich am Dienstagnachmittag mit Verzögerung die Türen zum Großen Hörsaal der Anatomie im Aulweg öffneten, sah man eine der herausströmenden jungen Frauen vor Vergnügen hüpfen: Pure Erleichterung. »Letzte Klausur geschafft.« Den auf Einlass Wartenden blieb eine Klausur erspart. Dafür entließ anderthalb spannende Stunden später Prof. Henning Stürz seine applaudierenden Hörer mit der Versicherung, die beliebte Vorlesungsreihe »Aktuelle Medizin« werde im Sommersemester fortgeführt.

Zuvor hatte Prof. John Ziebuhr, als Nachfolger von Prof. Wolfram Gerlich seit zweieinhalb Jahren Direktor des Virologischen Instituts im Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität, bei der letzten Vorlesung des Semesters in die Wunderwelt der kleinsten Krankheitserreger eingeführt. Dabei vermittelte er einen Eindruck von ihrer schier unerschöpflichen genetischen Vielfalt und wies auf das anscheinend ebenso unerschöpfliche Reservoir hin, das sowohl in der Tierwelt Afrikas als auch in Indien oder Pakistan nur darauf lauert, Neuland – sprich weitere Wirte – zu erobern.

Tausendmal kleiner als Bakterien, vermehren sich die Winzlinge in atemberaubendem Tempo. Sie »kapern« sozusagen als Piraten nur lebende Zellen. Manche verfallen danach in einen Dornröschenschlaf, um irgendwann nach längerer Zeit wieder zu erwachen. Manche aber plündern ihre Wirte sofort aus, um sich mit rasender Geschwindigkeit zu vermehren. Die Zelle platzt und stirbt. In 24 Stunden kommt ein einziges Poliovirus so beispielsweise auf 10 000 000 000 000 – 10 hoch zwölf – Nachkommen. Dass sich darunter solche mit »Webfehlern« befinden müssen, liegt auf der Hand.

»Faszinierende Strukturen« nennt Ziebuhr, dessen Institut sich im neuen kunterbunten Forschungstrakt Ecke Schubertstraße/Aulweg befindet, in diesem Zusammenhang namentlich die RNA-Viren: Bei ihnen funktioniert, anders als bei den DNA-Viren, die sozusagen automatisierte Ausmerzung »schadhafter« Abkömmlinge nicht mehr. Neue Stämme mit besonders tückischen Eigenschaften können sich entwickeln, beispielsweise fähig, über Artengrenzen hinweg von einem Wirt zum anderen zu wandern – nicht zuletzt vom Tier zum Menschen.

Seit Anfang dieses Jahres befassen sich 15 Arbeitsgruppen in Gießen und Marburg speziell mit der Erforschung solcher RNA-Viren. Sie führen damit ein traditionsreiches Gießener Forschungsgebiet fort: Hier entstand das erste Institut für Virologie an einer deutschen Universität. Als Influenza-Forschungsstätte gelangte es unter seinem ersten Direktor, Prof. Rudolf Rott, zu Weltruf und »infizierte« sozusagen mit dem Rott-Schüler Prof. Hans-Dieter Klenk auch die Uni Marburg.

Der neu eingerichtete Sonderforschungsbereich 1021, der zunächst mit 8 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, setzt diese Tradition fort. Ziel ist es, so Ziebuhr – einer der beiden Sprecher des neuen SFB –, über die bisher gewonnenen Erkenntnisse hinaus neue Möglichkeiten der Virus-Bekämpfung zu entwickeln.

 

Wanderung vom Tier zum Menschen

Am Beispiel des 2003 zunächst in China neu aufgetauchten hochansteckenden SARS-Virus – der eine oft tödlich endende Lungenentzündung auslösen kann – schilderte Ziebuhr spannend die Maßnahmen, über deren weltweite Koordination schließlich nicht nur ein Erlöschen der Infektionskette erreicht wurde, sondern sich zudem auch die Annahme weiter erhärtete, dass ein Großteil von Viren des Menschen tierischen Ursprungs sind: Sie stammen etwa von Affen in Afrika, wilden Katzenarten in China.

In jüngster Zeit hat sich auch die Vermutung bestätigt, dass die bei uns so friedlichen Fledermäuse offenbar ein fliegendes Reservoir für Viren der verschiedenen Art bilden. Vor Kurzem jedenfalls konnte man lesen, dass sich bei ihnen enge Verwandte eines Rinderpest-Erregers fanden, der als eigentlich ausgerottet gilt. Und es gibt Fledermäuse, die – man glaubt es kaum – mit Mumps infiziert waren. 

 

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 8.2.13