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Mehr Wirkung – weniger Nebenwirkungen

»Forschungsschwerpunkt Hämatologie« lud ein – Jetzt berichtete auch »Lancet« über StiL

Gießen (if). Der Schäferhund hatte nur spielerisch gehackt: Es floss kein Tropfen Blut. Doch am folgenden Tag bemerkte die Ärztin einen unerklärlichen riesigen blauen Fleck. Dann bildeten sich Blasen im Mund. Die alarmierte Gerinnungsspezialistin schickte Jonny L. umgehend nach Gießen. Bei Prof. Mathias Rummel in der Medizinischen Klinik IV – Hämatologie – stellte sich dann Bedenkliches heraus: Die Blutwerte waren katastrophal, die Prognose miserabel. Das war vor zwei Jahren. Heute, nach 88 Gießen-Terminen als Teilnehmer einer klinischen Studie, liegen die Werte Jonnys im normalen Bereich. »Und ich fühle mich wieder gesund«.

Der weißhaarige Fußballtrainer, der – obschon im Rentenalter – noch heute U15-Buben in der Wetterau betreut, erzählte seine Geschichte beim Tag der offenen Tür, zu dem der »Forschungsschwerpunkt Hämatologie« am Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität am Wochenende eingeladen hatte. Die interessierte Öffentlichkeit bekam dabei die Möglichkeit, die – aus Drittmitteln finanzierte – Studienzentrale der Studiengruppe »Indolente Lymphome« (»StiL«) näher kennenzulernen. Im Seitentrakt der alten Medizinischen Klinik residiert sie mitsamt ihrer über 300 Aktenordner, in denen sich die Studienprotokolle befinden.

Bei der Gruppe handelt es sich um einen deutschlandweiten Zusammenschluss von auf Krankheiten des blutbildenden Systems spezialisierten Kliniken und Schwerpunktpraxen. »Im Mittelpunkt unserer Bemühungen steht die Durchführung von klinischen Therapie-Optimierungsstudien«, erläuterte Rummel. »Unser Ziel ist es, Behandlungskonzepte mit einem Höchstmaß an Wirksamkeit und bestmöglicher Verträglichkeit zu entwickeln«. Schließlich seien es solche klinischen Studien gewesen, die dazu beitrugen, bei früher selten heilbaren kindlichen Leukämien heute die allermeisten Kinder retten zu können. 

Die Gießener Zentrale – geleitet von dem Pharmazeuten Jürgen Barth – koordiniert mit ihren Forschungsassistentinnen derzeit rund 25 klinische Studien im Bereich von Krankheiten des gesamten blutbildenden Systems. Sie ist ursprünglich aus einer Frankfurter Gruppe hervorgegangen, die mit ihrem Sprecher Rummel nach Gießen wechselte. Ihr obliegen die Koordination gemeinsamer Anstrengungen. Sie hält die Verbindung der Mitglieder untereinander aufrecht und versteht sich zugleich als kompetenter Ansprechpartner, wenn es um gemeinsame wissenschaftliche Aktivitäten geht. 

Eine der StiL-Studien – NHL I-2003 – hat mittlerweile weltweit Furore gemacht. Patienten mit bestimmten Lymphomen – langsam wachsenden Entartungen von Zellen des Immunsystems – konnten mit einer neuen nebenwirkungsärmeren Kombinationsmethode erfolgreich therapiert werden und profitierten zugleich von deren höherer Wirksamkeit.

Nachdem schon 2007 der internationalen Fachwelt erste günstige Ergebnisse einer Behandlung unter Einsatz des »wiederentdeckten«, ursprünglich aus der DDR stammenden Wirkstoffes Bendamustin vorgestellt werden konnten, erregten beim Krebs-Weltkongress 2012 in Chicago dann im Sommer vorigen Jahres die jüngsten Gießener Ergebnisse Aufsehen (die GAZ berichtete).

Inzwischen in den Leitlinien der amerikanischen Krebsgesellschaft Stelle festgeschrieben, hat nun auch »The Lancet«, eine der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, das Thema aufgegriffen. In USA, so hieß es, waren 2012 rund 30 000 neue Fälle von Lymphomen entdeckt worden. Drei bis vier Jahrzehnte habe es gedauert, bis eine neues Therapieschema entwickelt worden sei: »Nun haben Rummel und seine Kollegen gezeigt, dass bei 514 Patienten im Vergleich zum bisherigen Schema R-CHOP bei B-R der rückfallfreie Verlauf signifikant verlängert und mit weniger Nebenwirkungen erkauft wurde«.

Am Wochenende hörte man: Bendamustin ist mittlerweile weltweit zugelassen. Ein »pharmakologisches Dornröschen« aus der DDR macht Karriere. Jetzt, so die US Kommentatoren, müsse es sich nur noch im Langzeitergebnis bewähren. 

 

(Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 8.5.13)