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Leben ohne Beatmungsgerät

75. Lungentransplantation am Klinikum: Die 22-jährige Jeannine ist glücklich

Gießen (if). Tennis spielen möchte sie und »richtig auf die Berge kraxeln«, wie sie es in der Reha im Bayerischen gesehen hat. »Früher habe ich auch Sport getrieben. Aber jetzt muss ich erst mal noch weitere zehn Kilo zunehmen«, lächelt Jeannine B. Als die zierliche gelernte Bürokauffrau aus dem kaum hundert Seelen zählenden Eifeldorf Preischeid Anfang des Jahres in einen der OPs im Uniklinikum gefahren wurde, wo ihr Chirurgiechef Prof. Winfried Padberg und sein Team in sechs Stunden eine »neue Lunge« einpflanzten, brachte sie nur noch 34 Kilo auf den Tisch: Am Leben gehalten worden war die 22-Jährige nur durch eine »künstliche Lunge« auf der Intensivstation.
Mukoviszidose seit dem vierten Lebensjahr, unablässig wiederkehrende Infektionen, Lungenentzündungen: Im Mukoviszidose-Zentrum Aachen, wo Jeannine betreut wurde, war man angesichts der dramatischen Verschlechterung ratlos. »Leider«, beschied angesichts der Befunde ein angefragtes großes Zentrum: »Wir können nichts tun.«
Da kamen die Gießener Lungenforscher – bekanntlich federführend im Deutschen Zentrum für Lungenforschung – in die Diskussion. Der Zufall – man kann ihn auch Vorsehung nennen – spielte mit. Auf der internistischen Intensivstation in Gießen, das vor Kurzem ein spezielles Mukoviszidose-Lungentransplantationsprogramm gestartet hat, ist zufällig Kapazität frei, bei »Eurotransplant«, das Spenderorgane nach strengen Vorgaben nach Dringlichkeit vergibt, ein »passendes« Organ gemeldet worden. Und Jeannine, die Freizeitsportlerin, ist nach der hochprofessionellen intensivmedizinischen Behandlung in einem Zustand, der ein positives Resultat erwarten lässt.
»Bereits zwei Tage nach der Transplantation konnte die Patientin selbstständig atmen und von der künstlichen Lunge genommen werden«, berichtet Prof. Konstantin Mayer. »Und sie ist glücklich«, so ergänzt Prof. Werner Seeger, »dass sie wieder ein eigenständiges Leben ohne Sauerstoff und Beatmungsgerät führen kann«. Jeannine selbst, Nummer 75 der Gießener Lungentransplantierten im GAZ-Gespräch: »Ich fühle mich wie neugeboren.« Der Vater, der sie zur Nachuntersuchung ins Klinikum gefahren hat, rühmt die Gießener Betreuung in den höchsten Tönen. Prof. Markus Weigand – Direktor der Klinik für Anästhesiologie: »Im Zentrum steht für uns immer das Wohl des Patienten. Transplantation ist Teamsache, bei der auch die Herzchirurgen, die Kardiotechniker, Ärzte der Infektiologie, der Mikrobiologie und Hygiene sowie Psychologen eine zentrale Rolle spielen.«
Anfang des Jahres hatte Jeannine ihre »neue« Lunge bekommen – seither konnte nahezu 20 weiteren meist jungen Patienten mit einer Lungentransplantation geholfen werden. Dass man dabei in Gießen »gut aufgehoben« ist, bestätigt Ingrid Volke: »Wenn man Probleme hat, kann man – ob Tag oder Nacht – die Transplantationsambulanz anrufen.« Volke hat vor neun Jahren in Gießen ihre neue Lunge bekommen. Funktioniert sie noch? »Sie funktioniert noch immer«, strahlt sie.
Wer damals im OP das Sagen hatte? Lächelnd deutet die charmante ältere Dame auf Prof. Padberg und auf Dr. Wilhelm Stertmann, den heutigen Transplantationsbeauftragten des Klinikums.

 

(Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 11.9.14)