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Kranke Herzklappen – was nun?

Fachleute informierten beim »8. Gießener Herztag« rund 200 Besucher

Gießen (if). »Beschwerden psychisch bedingt «, wurde noch vor kaum mehr als einem halben Jahrhundert so manchem Ratsuchenden beschieden, der über Schwäche, Luftnot und Müdigkeit klagte. Heute weiß man: Herzklappen, die »Ventile« unseres körpereigenen Motors , die im Laufe eines Menschenlebens Milliarden Mal, Stunde um Stunde mit dafür sorgen, dass unser Organismus mit genügend sauerstoffreichem Blut versorgt wird, sind vielfach die Ursachen. Sie können erkranken, defekt werden, verengt sein oder ausgefranst.

 

Was nun?

Rund 200 Besucher des »8. Gießener Herztages« erfuhren die Antworten von kompetenten heimischen Herzmedizinern am Samstag in Hörsaal und im Foyer der Chirurgie »unter der blauen Kugel«. Sie gewannen dabei neben einer Fülle interessanter Informationen zugleich spektakuläre Einblicke in die vergleichsweise junge heimischen Herzchirurgie, die – Hochleistungs- und Spitzenmedizin par excellence – lange vor der eigentlichen Verselbständigung des Faches mit der ersten operativen Behandlung einer Aortenistmustenose durch F. Bernhard 1949 in Gießen einen ersten international beachteten Meilenstein setzte. Danach: Erster Einsatz einer Herz-Lungenmaschine in Deutschland in der Ägide von Professor KarlVossschulte in den frühen Sechzigern, erfolgreiche Operation eines Herztumors durch Professor Fritz Hehrlein Anfang der achtziger Jahre und schließlich 1988 erste europäische Säuglingsherztransplantation des Gießener Teams um Vossschulte-Schüler Professor Hans Scheld, dem späteren Münsteraner Herzchirurgie-Ordinarius. Er werde auch beim nächsten »Gießener Herztag« wieder dabei sein, versicherte spontan Dr. Lars Witteck im Chirurgie-Hörsaal in seinem Grußwort. Zugleich würdigte der Regierungspräsident nachdrücklich die überregionale Bedeutung der mittelhessischen Herzmedizin und dankte den Gießener Ärzten für die Ausrichtung der »Herztage«, die es in dieser Form nur hier gibt. 


Neue Techniken, neue Fragen 

Professor Joachim Kreuder erwähnte bei der Begrüßung die neueste Entscheidung des Gesundheitsausschusses zur Frage der Herzklappentherapie, die künftig nur in eigens zertifizierten Zentren mit eigener Herzchirurgie und entsprechender Infrastruktur erfolgen soll. Die Gießener Herzchirurgie erfüllt – beispielsweise auch mit dem hier vorhandenen speziellen Hybrid-OP – die erforderlichen Voraussetzungen. Der Forschungsdekan der Mediziner teilte in diesem Zusammenhang auch mit, dass eine neue eigene Professur für »Versorgungsforschung« geschaffen wird.

 

Das Fachgebiet widmet sich beispielsweise Problemen im Zusammenhang mit der Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Konventionelle Operation mit dem Vorzug langjähriger Erfahrung oder neuartig minimal- invasiv beziehungsweise endoskopisch? Reparatur oder Klappenersatz? Mechanisch oder biologisch? Vom Schwein oder Rind? Neue Techniken führen zu neuen Fragen. In geraffter Form auf hohem Niveau zeigten Privatdozent Dr. Bernd Niemann, Leitender Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie und gerade eben mit dem Preis für Herzforschung der Deutschen Herzstiftung bedacht, sowie Dr. Martin Dahmer, der Herz- und Gefäßchirurg, wie Aortenklappen den Blutstrom steuern. Mit phantastischen Bildsequenzen illustriert, ging danach Klinikchef Professor Andreas Böning bei der Erläuterung der konventionellen offen-chirurgischen Behandlung der kranken Mitralklappen auf ein eindrucksvolles Kapitel Herzchirurgie ein, das durchaus den Begriff »Ärztliche Kunst« verdient. Die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Therapie funktionsuntüchtiger Mitralklappen schilderte aus kardiologischer Sicht der Mediziner Dr. Timm Bauer. Nachdenklich mochte wohl so mancher Besucher nach diesem Herztag dem Heimweg angetreten haben. Begleitet von der Frage: Wird unser ohnehin ökonomisch kränkelndes Gesundheitssystem all die neuesten Entwicklungen längerfristig auch verkraften können? Oder müssen in Deutschland, »Weltmeister« auf dem Gebiet der interventionellen Klappenbehandlung, Patienten über 70 – wie anderswo – darauf verzichten?

 

(Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 20.4.15)