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Mit Nanotechnologie gegen Hirntumore

Zu Stahl, Strahl, Chemotherapie auch »Nanotherm« – 60 Jahre Gießener Neurochirurgie

Gießen (if). Mit Kopfschmerz oder Sehstörungen machen sie sich bemerkbar, ehe sich das Befinden ihrer Opfer – doppelt so häufig Männer wie Frauen – rasch verschlechtert: Bösartige Gliome zählen zu den gefürchtetsten Hirntumoren. Ihre Standardtherapie stützt sich auf die klassischen Waffen der Krebsbekämpfung, auf »Stahl und Strahl«, auf Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Doch was, wenn diese Waffen stumpf werden und sich der entfernt geglaubte Tumor erneut meldet? Ärzte der Neurochirurgischen Uniklinik Gießen geben auch in solchen Fällen nicht auf. 

Von November an wird im Rahmen einer multizentrischen klinischen Studie mit »Nanotherm« für Gliom-Patienten eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit in Gießen verfügbar sein. 15 Nanometer – 15 millionstel Millimeter – messende speziell beschichtete Eisenoxid-Partikel werden in den Tumor injiziert und auf rund 50 Grad erwärmt. Die Behandlung ist schmerzlos und kann, wenn nötig, wiederholt werden. Sie beruht auf ermutigenden Vorstudien der Gießener Arbeitsgruppe, in denen sich bestätigt hat, dass überwärmte Tumorzellen irreparabel geschädigt, damit für Strahlen- und Chemotherapie empfindlicher gemacht und in den Zelltod – die Apoptose – getrieben werden können. 

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums »Fortschritt und Innovation in der Neurochirurgie« berichteten dieser Tage Dr. Marco Stein, Leiter der Neurochirurgie-Ambulanz, und seine Kollegin Dr. Malgorzeta Kolodzie über die Arbeiten ihrer »Nanothermischen Forschungsgruppe«. Anlass war das 60-jährige Bestehen der Gießener Neurologie, die, 1953 als eigenständige Abteilung von Prof. Karl Vossschulte begründet, sich mit ihrem ersten Direktor Prof. Werner Pia und dessen Nachfolgern bald internationales Renommee erwarb. Nun hatten Direktor Prof. Eberhard Uhl und seine Mitarbeiter ins Biomedizinische Forschungszentrum eingeladen. »Während dieser sechs Jahrzehnte hat unsere Fachrichtung einen rasanten Aufschwung genommen und große Fortschritte sowohl im medizinischen als auch technischen Bereich erzielt«, sagte Uhl. 

Nicht nur in der Onkologie, sondern auch in den übrigen Arbeitsfeldern führe der Weg in die weitere Personalisierung, unterstrich zum Auftakt Prof. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Münchner Neurochirurgie in Großhadern und ehemaliger Gießener Oberarzt. Auf ihre derzeitigen Arbeitsfelder gingen danach mit Dr. Maximilian Ruge (Köln) und Prof. Jürgen Meixensberger (Uni Leipzig) ebenfalls Neurochirugen mit »Gießener Vergangenheit« ein. Sie taten es vor einem Auditorium, das den Eindruck eines Familientreffens einer erfolgreichen Sippe machte: Kliniksdirektoren und Professoren, die ihre Karriere vor Jahren an der Justus-Liebig-Universität gestartet hatten, waren aus ganz Deutschland angereist. Sie nutzten die Gelegenheit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch, nachdem der Neuropathologe Prof. Till Acker, der Wirbelsäulen-Spezialist Dr. Karsten Schöller sowie der Marburger Neurochirurg Prof. Christopher Nimsky über die Perspektiven ihres jeweiligen Arbeitsgebietes berichtet hatten. 

Besonderes Interesse fand – neben der Novität aus der Krebsheilkunde – der von Prof. Uhl in Gießen neu etablierte Schwerpunkt »Rekonstruktive Neurochirurgie«. Dr. Kartik Krishnan zeigte die neurochirurgischen Möglichkeiten, die bei der Behandlung von peripheren Nervenschäden – beispielsweise bei Lähmungen der Gesichtsnerven – eingesetzt werden können.

Mit Grüßen und guten Wünschen zum Kliniksjubiläum hatte zu Beginn des Symposiums Prof. Dieter-Karsten Böker – vor drei Jahren emeritierter Klinikchef – im von Uhl verlesenen Manuskript die Geschichte der Gießener Neurochirurgie nachgezeichnet. Er erinnerte an die Anfänge mit zehn Betten unterm Dach und einem »halben OP«. »Heute« – so ein Gießener Neurochirurg am Rande des Symposiums – »führen wir jährlich rund 2000 Eingriffe durch und sind – neben den 32 Betten auf ›Normalstation‹ – stolz auf die mit 17 Plätzen größte deutsche neurochirurgische Intensivstation.«  

 

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 29.10.2013