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»Fahnder« im Unsichtbaren

125 Jahre Hygiene und Mikrobiologie in Gießen: Am Samstag Tag der offenen Tür und Festakt

Gießen (if). Ob schraubenförmig, kugelrund, ob in Stäbchenform – eines ist ihnen allen gemeinsam: Bakterien sind normalerweise mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Es sei denn, sie rotten sich auf Petrischalen in den Brutschränken der Labors zu ganzen Kolonien zusammen. An Samstag (2. November) stehen die »Winzlinge« im Mittelpunkt eines universitären Festaktes im Hörsaal des Hygieninstituts. Die Gießener »Fahnder« im Unsichtbaren im Institut für Hygiene und Umweltmedizin des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität und im Institut für Medizinische Mikrobiologie blicken auf ihre gemeinsame 125-jährige Geschichte zurück.

Zugleich können sich Gießener Bürger bei einem Tag der offenen Tür von elf Uhr an im Hygiene-Institut Ecke Friedrich- und Rudolf-Buchheim-Straße gegenüber der Augenklinik über dessen aktuelle Arbeit informieren. Ab 14 Uhr sind Interessierte dann auch in den unlängst bezogenen neuen Labors der Medizinischen Mikrobiologie im neuen Biomedizinischen Forschungszentrum Ecke Aulweg/Schubertstraße willkommen, wie im Vorfeld des Jubiläums Medizindekan Prof. Trinad Chakraborty, zugleich Mikrobiologie-Chef, und Prof. Thomas Eickmann, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, unterstrichen. 

 Bei diesem Anlass werden auch Persönlichkeit und Wirken Georg Gaffkys ihre Würdigung erfahren. Während jedem Gießener die Namen Liebigs oder Röntgens und – derzeit aktuell – Georg Büchners in Verbindung mit deren Gießener Wirken präsent sind, hält lediglich ein Straßenname an der Zufahrt zum Klinikum die Erinnerung an den prominenten Ehrenbürger wach.

Gaffky war vor 125 Jahren aus Berlin nach Gießen gekommen, wo man im Oktober 1888 beschlossen hatte, die »Staatsarzneikunde« an der »Ludoviciana« in eine Professur für Hygiene umzuwandeln und mit dem Lieblingsschüler Robert Kochs zu besetzen. Als er 16 Jahre später nach abgelehnten Rufen aus Göttingen und Halle dem Ruf auf Robert Kochs Berliner Lehrstuhl folgte, fiel ihm selbst dieser ehrenvolle Wechsel schwer. »Bis ans Ende meiner Tage«, so schrieb er später »werde ich mich alles dessen, was mir die Ludoviciana gewesen ist, aufs Dankbarste erinnern«, zitierte Prof. Jost Benedum, der vor wenigen Jahren verstorbene Gießener Medizinhistoriker, aus einem Brief des Entdeckers des Typhuserregers. Von ihm und seinen Mitarbeitern in Reinkultur anfänglich auf Kartoffelnährböden gezüchtet, waren sie zunächst »Gaffky Bazillen« genannt worden. Selbst in der Nobelpreis Literatur hinterließ Gießens Ehrenbürger Spuren: In Thomas Manns »Zauberberg« ist von »Gaffky Nr. 2« und »Gaffky Nr.9«, den nach ihm benannten »Schwindsuchts-Stadien« die Rede. Die Stadt profitierte von Gaffkys Rat zu Hygieneproblemen.

Auch nach der Einführung neuer molekularbiologischer Techniken gehört die Kultivierung von Keimen auf inzwischen optimierten Agarnährböden heute noch zu den Standardmethoden der »Fahnder« im Dschungel der unsichtbaren Krankheitserregern: »Damals brauchte man drei Wochen zur Identifizierung. Inzwischen haben wir auf drei Tage verkürzt und streben drei Stunden an«, so Institutsdirektor Chakraborty, Sprecher im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, das vom Forschungsministerium eingerichtet, angesichts der zunehmenden Resistenzentwicklung gegen Antibiotika und neu auftretender Erreger an sieben Standorten (darunter Gießen) arbeitet.

Direkt »vor Ort« liegt das breite Aufgabengebiet der Hygieniker um Thomas Eikmann, die sich um Lärmbelastung ebenso wie um Feinstaubbelastung kümmern und die in den Krankenhäusern gesetzlich geforderte »Hygienebeauftragte Ärzte« fortbilden. Eikmann koordiniert als dessen Vorsitzender das Mittelhessische Netzwerk gegen multiresistente Keime, Dipl-Ing. Susanne Harpel und ihre Mitarbeiter überwachen im Umweltlabor mittelhessisches Trink- und Badewasser. Mehr und mehr an Bedeutung gewinnen in jüngster Zeit überdies die im Institut angesiedelte Reisemedizin mit dem Gelbfieber-Impfzentrum.

 

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 31.10.2013