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Neujahrsempfang: Alarmglocken am Gießener Klinikum

GIESSEN - (tt). Mehr als zehn Jahre nach der Privatisierung und Investitionen im dreistelligen Millionenbereich droht das Gießener Universitätsklinikum mit seinen rund 5000 Beschäftigten erneut in existenzielle Nöte zu geraten - sollten Land und die Rhön-Klinikum AG als Betreiberin des Großkrankenhauses sich nicht umgehend einigen, wer welche Leistungen bezahlt.

Eine Einigung sei unabdingbar für weitere dringend benötigte Investitionen, mahnte Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM), beim Neujahrsempfang von Fachbereich und Uniklinik im neuen Lehrzentrum in der Klinikstraße. "Es ist nicht so, dass wir Baumaßnahmen noch ein Jahr verschieben können", betonte Seeger. Es bedürfe "dringend einer Lösung für die Kinderkardiologie und für den neonatologischen Bereich (also die Betreuung von Frühgeborenen)". Vor allem in der Neonatologie spielten sich aufgrund fehlender Kapazitäten Dramen ab. Längst gehöre Gießen auf diesem Gebiet zu den größten Einrichtungen in Deutschland.

 

Seeger bekräftigte, dass "Gießen eben keine Uniklinik wie jede andere ist". Aus der von ihm vorgelegten Grafik über die Höhe der Investitionsmittel des Landes geht hervor, dass der Gießener Standort im Zeitraum von 1998 bis 2003 im Vergleich zu den beiden anderen Häusern in Marburg und Frankfurt mit weitem Abstand die wenigsten Gelder erhalten hat. 600 Millionen seien seit der Privatisierung seitens der Rhön AG nach Gießen und Marburg geflossen. Nicht gestiegen seien dagegen die Landesmittel. Zum Vergleich: In den Standort Frankfurt habe das Land mehr als eine Milliarde Euro gesteckt. Hinzu komme, dass das UKGM jedes Jahr aus der eigenen Tasche rund 40 Millionen Euro für "Zins, Tilgung und Abschreibung" (der Bauinvestitionen) aufbringen müsse. Damit müsse endlich Schluss sein, forderte Seeger. "Wir haben diese Leistung so lange erbracht, bis wir eine neue Klinik bekommen haben (der Neubau wurde im April 2011 in Betrieb genommen, d. Red.). Das können wir aber nicht bis in alle Ewigkeit machen." Das leidige Problem der sogenannten Trennungsrechnung müsse "endlich einer Lösung zugeführt werden". Alles andere habe "dieser Standort nicht verdient", sagte Seeger unter großem Beifall. In der Trennungsrechnung haben Krankenhausbetreiber, Land und Universität geregelt, wer welche Kosten übernimmt. So kommt Rhön für die Ausgaben bei der Krankenversorgung auf, während das Land über die Universitäten Gießen und Marburg die Ausgaben für Forschung und Lehre trägt. Ende des Jahres hatte der Krankenhausbetreiber dem Land mit einer Klage in Höhe von 25 Millionen Euro gedroht, sollten sich Land und Rhön AG beziehungsweise UKGM nicht über die Modalitäten der sogenannten Trennungsrechnung einigen.

 

Lob für Zusammenarbeit Positiv hob Seeger die "hervorragende Phase der Zusammenarbeit" mit Marburg hervor. Er sprach von einem Klinikum mit Herz, bei dem es nicht nur um Zahlen gehe, sondern um Patienten. In den Notfallambulanzen habe sich die Zahl der Zuweisungen verdoppelt. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte verspricht aus Sicht des Ärztlichen Geschäftsführers der federführend in Gießen angesiedelte "Campus Kerckhoff" zu werden. Damit verfüge Gießen über eine der größten Kardiologien in Deutschland. Zufrieden bilanzierte Seeger, Gießen sei der Knotenpunkt einer ganzen Medizinregion.

 

Dr. Gunther Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung des UKGM, räumte ein, dass "die sachgerechte Vergütung der gegenseitig erbrachten Leistungen" eine der großen Herausforderungen sei. Ein Schlichtungsverfahren, für das 18 Monate angesetzt sind, würde zu "großer Verunsicherung" und "sinkender Attraktivität" der beiden Häuser führen, warnte Weiß. Den von Verdi geforderten Tarifvertrag für einen Gesundheitsschutz sieht Weiß dagegen nicht als notwendig an. Heute wollen Gewerkschaft und Geschäftsführung ihre Gespräche über die Situation der Krankenhausmitarbeiter fortsetzen. Im Raum steht eine Streikandrohung von Verdi für den Fall, dass es zu keiner Verständigung kommt. Betriebsrat und Gewerkschaft beklagen eine zunehmende Belastung der Beschäftigten.

 

Dekan Prof. Wolfgang Weidner wies auf die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). So sei die THM unter anderem an der Einrichtung eines Instituts für Allgemeinmedizin beteiligt. Kritisch bemerkte Weidner, zwischen Land und Krankenhausbetreiber gebe es "Geheimverhandlungen". Der Dekan: "Wenn dabei medizinische Dinge besprochen werden, gehören wir an den Tisch." Seit 2013 zahle die Justus-Liebig-Universität (JLU) der Rhön AG pro Jahr rund 31 Millionen Euro, wobei niemand genau wisse, wie sich diese Summe zusammensetze: "Die andauernde Frage ist, zahlen wir zu wenig oder bekommt die Rhön AG zu viel." Die zentrale Bedeutung des Fachbereichs Medizin strich JLU-Kanzlerin Susanne Kraus in Vertretung von Präsident Prof. Joybrato Mukherjee hervor. Der Stadt dankte sie für ihre Unterstützung bei der Verwirklichung von Baumaßnahmen, trotz mancher Kritik aus der Bevölkerung.

 

Staatsminister Prof. Helge Braun beleuchtete das Thema "Medizin im Spannungsfeld von Allokation und Innovation."

(Quelle: Giessener Anzeiger, 16.01.2017)