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CfP: "Schreiben, Text und Autorschaft"

Call for Papers für die interdisziplinäre Tagung "Schreiben, Text und Autorschaft - Zur Thematisierung, Inszenierung und Reflexion von Schreibprozessen in ausgewählten Medien und historischen Selbstzeugnissen"

CfP
Schreiben, Text und Autorschaft - Zur Thematisierung, Inszenierung und Reflexion von Schreibprozessen in ausgewählten Medien und historischen Selbstzeugnissen
Schreiben als (schwierige Form der) Selbstvergewisserung

Ingeborg Bachmann hat als erste und schlimmste Frage, die sich der Schriftstellerin in der Gegenwart stelle, jene nach der Rechtfertigung ihrer Existenz angesehen: „Warum schreiben? Wozu? Und wozu, seit kein Auftrag mehr da ist  von oben und überhaupt kein Auftrag mehr kommt, keiner mehr täuscht. Woraufhin schreiben, für wen sich ausdrücken und was ausdrücken von Menschen, in dieser Welt ...?“ Es handelt sich hier um ein Problem, das sich – betrachtet man nur das 20. und beginnende 21. Jahrhundert – bei so unterschiedlichen Autoren wie Alfred Andersch, Heinrich Böll, Else Lasker- Schüler, Christoph Hein, Wolfgang Hildesheimer, Max Frisch, Martin Walser, Christa Wolf, Reinhard Jirgl, Julia Frank, Jenny Erpenbeck oder Eva Menasse findet. Das „Warum schreiben?“ fragt nach dem Autor-Subjekt und danach, was den literarischen Schaffensprozess motiviert. Schreiben ist in hohem Maße an Prozesse der  existentiellen Selbstvergewisserung und Legitimation gebunden. Es geht – so könnte man weiter sagen – um das Selbstverständnis, das Selbst-Bild von Autorschaft, um das Verhältnis von „Berufung und Beruf“, darum, wer ein  Schriftsteller, wer ein Dichter ist und wann, wie, warum der Autor zum Produzenten wird. Neben den eng auf die literarische Produktion selbst bezogenen Fragen gewinnt Schreiben als Reflexionsinstrument oder Reflexionsmedium auch in ganz anderen Konstellationen Bedeutung: In Selbstzeugnissen, Autobiografien Tagebüchern, Briefen Nachlässen, Interviews geben Schreibende Einblick in Alltagsbegebenheiten und Erfahrungen, Empfindungen und Gedanken und  machen das Schreiben und die Textproduktion häufig zum Gegenstand der (Selbst-)Reflexion. Diese Selbstthematisierung findet man auch bei literarisch ungeschulten VerfasserInnnen, wenn sie über den Sinn ihres Schreibens  Rechenschaft ablegen und so den Überlieferungscharakter ihres Zeugnisses markieren.

Schreiben kann in dieser Perspektive ganz unterschiedliche Funktionen haben: epistemische Funktionen durch die Hervorbringung von neuen  Zusammenhängen und Erkenntnissen und der Entfaltung neuer Lebenswirklichkeiten, biografische Funktionen durch die Reflexion und Vergewisserung über das eigene literarische Handeln und seine kulturelle Bedeutung, expressive oder entlastende Funktionen bei der Verarbeitung schwieriger Erlebnisse und Ereignisse als Verarbeitung von Traumata im Krieg, wie z. B. in Feldpostbriefen oder geheimen Tagebüchern, oder in Zeiten politischer Unterdrückung.

 

Inszenierung von Autorschaft und Schreibhandlungen in literarischen und filmischen Medien

Außerhalb dieser auf Authentizität gerichteten Formen der Auseinandersetzung mit dem Schreiben, ist die literarische Produktion und die Rolle  on SchriftstellerInnen häufig selbst Gegenstand von Roman- oder Drehbuchhandlungen. Dabei kann das Schreiben Hauptschauplatz sein, wie in sog. Biopics oder Büchern und Filmen, die eine Schriftstellerin oder einen Schreiber zur Protagonistin oder zum Protagonisten machen1, oder es kann Nebenschauplatz und Teil anderer Handlungsstränge sein2 bzw. irgendwo dazwischen liegen, etwa in Peter Stamms „Agnes“ (1998). Häufig wird das Schreiben in  literarischen und filmischen Arrangements im weitesten Sinne als expressives Schreiben und häufig in Form von Schreibflowerlebnissen oder Schreibblockaden inszeniert. Auch damit wird dem Schreiben eine spezifische Qualität des  persönlichen wie individuellen Ausdrucks und des Schöpferischen verliehen. Häufig hat die Darstellung von Schreib- und Erkenntnisprozessen in der literarisch-filmischen Inszenierung wenig mit dem zu tun, was wir über das (reale)  Schreiben wissen.

Die kognitive, historische und gesellschaftliche Bedeutung des Schreibens und die ihm eigenen Prozesse und sozialen Bedingungen sind Gegenstand unterschiedlicher Forschungsdisziplinen wie der Literatur-, Kultur-,  Sprach- und Geschichtswissenschaft wie auch Psychologie und Theologie. Eher selten jedoch wurde danach gefragt, wie diese Rolle in unterschiedlichen kulturellen Kontexten thematisiert, reflektiert und auch inszeniert wird? Mit der  Tagung wird der Versuch unternommen, in interdisziplinärer Perspektive den besonderen Arrangements und Inszenierungen von Schreiben, Text/Werk und Autorschaft in unterschiedlichen Kontexten nachzugehen.

Die Tagung zielt  mithin darauf, die unterschiedlichen Aspekte des Schreibens als Reflexionsmedium und Inszenierungsgegenstand insbesondere aus der Sicht der Literatur- und Sprachwissenschaft sowie der Geschichtswissenschaft in den Blick zu  bekommen. In diesem Rahmen werden folgende Aspekte betrachtet:

I. Allgemeine Grundlagen des Schreibens
Schreiben als Kulturtechnik, künstlerische Reflexion über das Schreiben als Reflexion über Kultur; Schreiben als Mittel der Selbstreflexion; ausgewählte Gattungen des Literatursystems, z.B. Tagebücher, Memoiren, Briefe, Notizbücher als werkbiografische sowie historiographische Quellen.

II. Formen der Inszenierung von Schreibprozessen/Schreibsituationen und Schreiborten
Schreibsituationen als Momente der Fremd- und Selbstreflexion; künstlerische Inszenierung/In-Szene-Setzen von Schreibsituationen als Beobachtungen 2. Ordnung in Literatur und Film.

III. Rekonstruktion von Schreibsituationen/-strategien
Einblicke in Schreibwerkstätten von Autoren (Schriftsteller, Publizisten, Historiker, Philosophen usw.); Gegenwart (synchron): Interviews, Werkstattgespräche, Raumbegehungen, Orte des Schreibens, Fotographie; Historisch (diachron): ‚Poetiken des Beginnens‘ > Schreibprozessforschung.

IV. Formen der Schreibstörung
Auseinandersetzung mit Ursachen für Schreibhemmungen und ihren Folgen sowie deren Reflexion: Schreibblockaden und ihre literarische/filmische Inszenierung; Gründe für das Entstehen einer Schreibblockade (‚writers block‘) und ihre Thematisierung.

 

 


1 Beispiele sind u.a. der Film „Barton Fink“ (1991) der Coen-Brüder, Stephen Kings „Shining“ (1977) oder Pascal Merciers „Perlmanns Schweigen“ (1995).
2 Z.B. Adaption, „Sex and the City“, „Californication“.



Organisation
Datum: 26. – 28. Februar 2020, Justus-Liebig-Universität Gießen

Einreichung von Vorschlägen bitte an die Veranstalter:
Abstracts (max. 3.000 Zeichen) für Vorträge (30 Min. Vortrag + 20 Min. Diskussion)
Einreichungsfrist: 30. September 2019
Rückmeldung: 15. November 2019

Die Tagung wird veranstaltet von:
Prof. Dr. Carsten Gansel -
Prof. Dr. Katrin Lehnen -
Prof. Dr. Vadim Oswalt -

 

 

 

(18.07.2019, Rahel Schmitz/Laura Schilling)