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Artikelaktionen

Archiv


 

2018


Sommersemester 2018

 

Gießen 1968 – Filmvorführung der Fachjournalistik Geschichte im Kinocenter Gießen

 

Vor 50 Jahren protestierten die "68er" in der gesamten Bundesrepublik. Mit dem Vermächtnis des langjährigen Gießener Grünenpolitikers und "68ers" Heinrich Brinkmann, der auch "Dutschke von Gießen" genannt wurde, beschäftigt sich der Dokumentarfilm "Giessen 68 – ein revolutionärer Traum". Der Film ist eine Masterprojektarbeit von Studierenden der Fachjournalistik Geschichte der JLU Gießen.

Eine weitere Masterprojektarbeit mit dem Titel: " ‚… erwarten die sofortige Rückkehr‘. Der Fall Jeung Gil Choe" rekapituliert filmisch die Geschehnisse rund um die Entführung des Gießener Studenten Jeung Gil Choe und das anschließende Engagement seiner KommilitonInnen, welche sich für seine Freilassung einsetzten. Über das Projekt und die damit einhergehenden Dreharbeiten berichtete bereits im Vorfeld der Gießener Anzeiger.

Am Donnerstag, 28. Juni 2018, zeigte das Kinocenter Gießen, in Kooperation mit dem ZMI, der JLU Gießen und der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, die beiden Filme von Studierenden der Fachjournalistik Geschichte. Die Filme wurden anlässlich des Sommerfestes der Fachjournalistik Geschichte am 12. Juli 2018 noch einmal gezeigt.

 

 

(21.06.2018, Max Stümpel)

 

Ludwig-Börne-Vorlesungen: "’68 – Eine Revision". Veranstaltungsreihe des Präsidenten in Kooperation mit Prof. Dr. Claus Leggewie 

 

1968 gilt als Jahr des Aufbruchs und des Protests. Die Jugend lehnt sich auf, es wird demonstriert und rebelliert. Soweit bekannt – soweit so gut. In der diesjährigen Ludwig-Börne Ringvorlesung mit dem Titel "’68 – Eine Revision" soll es nun aber darum gehen, die Geschehnisse von 1968 in einem neuen Licht zu betrachten. Vor allem das, was nach der Revolte offen und unerfüllt geblieben ist, soll im Fokus stehen. Was ist aus der kritischen Universität geworden?  Welchen Erfolg hatten die Geschlechterkämpfe? Wie pazifistisch war die Revolte, und wie weit trug der kulturelle Wandel? Diese und andere Fragen werden von vier Referenten und Referentinnen kompetent erörtert und diskutiert.

 

1.) Den Auftakt zur Vorlesungsreihe bildet ein Vortrag von Jürgen Kaube, dem Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), zu "Universitäten nach der Hochschulreform" am 18. April 2018.

 

2.) Am 2. Mai 2018 wird die Publizistin und Schriftstellerin Barbara Sichtermann in ihrem Vortrag "Un/Gleich. Geschlechterkämpfe seit den 1960er Jahren" auf Gleichheit und Verschiedenheit im Prozess der Emanzipation im Anschluss an die 1960er Jahre eingehen: Die Kategorien, von denen die Frauenemanzipation strukturiert wird, heißen Gleichheit und Verschiedenheit, Gleichheitspolitik und Differenzpolitik. Es sind immer beide gleichzeitig am Werk, aber der Schwerpunkt ruht mal hier, mal da. Heute haben wir es zu einer bemerkenswerten Mischung der Geschlechter im öffentlichen Raum und in den Berufen und Funktionen gebracht. Frauen gehen zu den Soldaten, und Männer sollen Väterzeit nehmen, weibliche Chefs werden immer selbstverständlicher, männliche Akzeptanz dieser Art Frauenpower wächst an. Aber nicht überall und nicht friktionslos, denn „Women's lib“, wie es früher hieß, bedeutet nicht nur, dass die Frauen einen Freifahrtschein in alle ehemals männlichen Domänen erworben haben und die Männer ihnen dort Platz machen müssen. Es bedeutet auch, dass sich gewachsene Strukturen und Verhaltensweisen in nahezu sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen – bis in die Sprache hinein – verändern oder sich gegen Veränderung sperren. Zu beobachten ist in jedem Fall, dass es eine stetige Verunsicherung gibt, wodurch der Dialog zum Thema der Geschlechterkämpfe nicht nur hochaktuell, sondern auch von essentieller Bedeutung ist.

 

3.) Dr. Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler und Mitglied der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, wird am 16. Mai 2018 in "Natürlich kann geschossen werden. Oder wie pazifistisch war die Revolte?" Fragen zur Opfer- und Täterrolle erörtern: Die Sichtweise der meisten 68er basiert auf einer grundlegenden  Unterscheidung zwischen passiver und aktiver Gewalt. Sie sehen sich vor allem als Opfer staatlicher Repression. Im Verlauf der 68er-Bewegung hatte es insbesondere zwei Akte mörderischer Gewalt gegeben: Die Erschießung des Germanistikstudenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967 und ein am 11. April 1968 von einem Rechtsradikalen auf Rudi Dutschke verübtes Attentat. Angesichts der Tatsache, dass es davor und danach zu einer Vielzahl militanter Ausschreitungen kam, ist jedoch zu fragen: Wann waren die Teilnehmer der 68er-Bewegung bloß Objekte staatlicher Gewalt, wann wurden aus ihnen selbst Subjekte von Gewaltaktionen und welche Relation bestand zwischen diesen beiden Formen. Es geht vor allem darum zu hinterfragen, wie sich dieser Rollenwechsel erklären lässt. War er situationsbedingt oder ist bereits von vornherein eine bestimmte Disposition vorhanden gewesen und welche determinierenden Faktoren spielten dabei eine Rolle? Auch die Gießener Allgemeine hat über Kraushaars Vortrag zu gewaltsamen Widerstand berichtet.

 

4.) Mit dem vierten Vortrag der Ludwig Börne-Vorlesungen lädt das ZMI zur Abschlussveranstaltung der Vorlesungsreihe ein. Als Historiker für zeitgenössische Geschichte und Professor an der Universität Kopenhagen stellt uns Prof. Dr. Detlef Siegfried am 6. Juni 2018 den kulturellen Hintergrund einer Jugend vor, der die Dynamik der '68er-Protestbewegung maßgebliche prägte. Der mit dem Humboldt-Forschungspreis 2018 ausgezeichnete Historiker schließt mit seinem Vortrag über das Thema "Kultur und die linke Szene der 60er und 70er Jahre" an die vergangenen Vorträge an, welche die Protestbewegung der '68er kritisch hinterfragten.
Bekannt ist das Wissen über die Verbindung von Protest und Jugendkultur. Doch wie angespannt und wie konfliktgeladen war das Verhältnis zwischen Protestbewegung und Popkultur wirklich? Wie verlaufen die Spuren der '68er in der Popkultur? Detlef Siegfried geht dem nach, was das Selbstbild einer Generation in Fragen stellen könnte, wie etwa die Frage der Konsumkultur. War die populäre Musik nur der Soundtrack jener Bewegung oder wirklich Einflussfaktor für politisches Handeln und Wertewandel? Siegfried wird versuchen das Wechselverhältnis aufzudecken.

 

Alle Vorträge finden mittwochs um 19.15 Uhr (19 Uhr c.t.) in der Aula im Hauptgebäude der Justus-Liebig-Universität (Ludwigstraße 23) statt.

Das ZMI und die JLU laden Sie herzlich zur Teilnahme ein und freuen sich auf Ihren Besuch.  

 (27.03.2018, Jennifer Neumann/ 5. Juni 2018 Abdullah Erdogan)

 

Podiumsdiskussion mit Volker Beck: Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte Auftakt der ZMI-Veranstaltungsreihe (Neue) Herausforderungen der Wissenschaft

Für die Geschichte von 1968 erscheint die Politisierung der Universitäten und Studierenden unverzichtbar, wobei die sogenannten Studentenrevolten in den USA andere inhaltliche Schwerpunkte hatten (Rassismus, Bürgerrechte, Anti-Vietnamkrieg) als in Deutschland ("Unter den Talaren..."). Im Vergleich dazu konnte in den letzten Jahren nur das Thema Studiengebühren zu Protesten und Blockaden motivieren. Auch kursiert allerorten das Gerücht von den völlig unpolitischen Studierenden. Im Gegensatz dazu stehen das Unbehagen gegenüber politisch (falsch?) agierenden ProfessorInnen, die Diskussionen um genderquotierte Seminarliteratur und die politische Korrektheit der Meinungen, Themen und Fassadengestaltungen.

Das spannende Thema der Politisierung der Universität und der Wissenschaft damals und heute wird im Rahmen eines Podiumsgespräches am Montag, 28. Mai 2018 um 18 Uhr c.t. in der Aula der JLU diskutiert. Prominent besetzt ist das Podium mit Volker Beck (Mitglied des Bundestages 1994-2017, Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bonn), Prof. Dr. Regina Kreide (Politikwissenschaft JLU) und Prof. Dr. Arnd Pollmann (Philosophie, Alice Salomon Hochschule Berlin). Die Veranstaltung wird eröffnet von der Vizepräsidentin der JLU, Prof. Dr. Verena Dolle, und moderiert von Prof. Dr. Elif Özmen (Philosophie JLU & ZMI).

Die Podiumsdiskussion stellt zugleich den Auftakt einer Veranstaltungsreihe des ZMI (Sektion 1) dar, die über drei Semester hinweg die Probleme der Politisierung, Ökonomisierung und Instrumentalisierung, als neuen Herausforderungen der Wissenschaft, in den Blick nehmen möchte.

Über die Veranstaltung wurde bereits im Vorfeld in der Presse berichtet. Die Ankündigung der Gießener Allgemeinen finden Sie hier, der Bericht der Alsfelder Allgemeinen ist hier zu lesen und die Vorberichterstattung des Gießener Anzeiger finden Sie hier.

Die Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität zu dieser Veranstaltung können Sie hier lesen.


(25.04.2018, Katharina Monaco)

 

Gastvortrag von Prof. Dr. Charlotte Klonk beim ZMI-Workshop Darstellbarkeit

Das Problem der bildlichen Darstellbarkeit verbindet Politik, Gesellschaft und visuelle Medien. Deutlich ist, dass Gebote von Schicklichkeit und Scham, Akte von Zensur und Bilderstreit, Behauptungen von Machbarkeit und visueller Evidenz in Konkurrenz treten und sich überkreuzen, wo es um das Darstellbare, seine Möglichkeiten und Grenzen geht. Was darf, kann, muss oder soll wie und von wem zu sehen gegeben werden? Dieses Feld auszuloten erweist sich als interkulturell schwierig und interdisziplinär herausfordernd.

Im Verlauf des zweitägigen Workshops, der am Donnerstag 3. und Freitag 4. Mai 2018 im Margarete-Bieber-Saal stattfand, wurden ausgewählte, das Problem der Darstellbarkeit exemplifizierende Bilder (Presse- und Alltagsfotos, technische und medizinische Bildgebung, Artefakte aus sozialen Medien, handwerklich hergestellte Bilder hochkünstlerischen und populären Charakters) von unterschiedlicher disziplinärer Warte kommentiert. Das Konzept zielte auf eine mehrstimmige Beleuchtung der Darstellungsproblematik und suchte nach Schnittpunkten und Eigensinn der sich ins Gespräch begebenden Fachdisziplinen. Die drei Betrachtungen am Donnerstag, 3. Mai 2018, beschäftigten sich mit medialen und technischen Konventionen sowie deren Darstellbarkeitsgrenzen. Um 18 Uhr hielt Charlotte Klonk, Professorin für Kunst und Neue Medien, die unter anderem auf Terrorbilder spezialisiert ist (Humboldt-Universität Berlin), eine öffentliche keynote lecture mit dem Titel "Opfer- statt Täterbilder. Aber wie und welche?". Dass die Bilder vom Terror nicht nur einer immer ähnlichen Dramaturgie folgen und etablierte ikonographische Traditionen fortschreiben, sondern auch als strategische Waffen in einem Kampf um Deutungshoheit eingesetzt werden, hat die Berliner Kunsthistorikerin in ihrem 2017 erschienenen Buch "Terror" eindrucksvoll herausgearbeitet.
Der Vortrag fand im Margarete-Bieber-Saal statt.
Die vier Betrachtungen am Freitag, 4. Mai 2018, beschäftigten sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Konventionen sowie deren Darstellbarkeitsgrenzen.

Über den Vortrag von Frau Prof. Klonk im Rahmen des ZMI-Workshops berichteten auch der Gießener Anzeiger sowie Focus Online.

Veranstaltet wurde der Workshop im Rahmen von ZMI-Sektion 1 und der Ludwig Börne-Professur. Er wurde von Prof. Claudia Hattendorff und Prof. Ansgar Schnurr vom Institut für Kunstpädagogik, Prof. Sigrid Ruby vom Institut für Kunstgeschichte sowie Prof. Claus Leggewie, Ludwig-Börne-Professur der JLU, organisiert.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.


 

Podiumsdiskussion: #MeToo - Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?

Mitte Oktober 2017 berichteten die New York Times und der New Yorker, dass Filmproduzent Harvey Weinstein von zahlreichen Frauen der sexuellen Belästigung, sexuellen Nötigung und/oder der Vergewaltigung beschuldigt wurde. Die Schauspielerin Alyssa Milano rief betroffene Personen dazu auf, über den Hashtag #MeToo auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen. In den darauffolgenden Tagen, Wochen und Monaten wurde der Hashtag immer häufiger von Personen, die sexuelle Belästigungen oder sexuelle Übergriffe erfahren hatten, genutzt. Die Bewegung, die in den USA begann, verbreitete sich international, so dass #MeToo in mindestens 85 verschiedenen Ländern bei Twitter benutzt wurde.
In Deutschland setzte die Debatte erst im Januar 2018 ein, als Vorwürfe gegen den deutschen Drehbuchautor und Regisseur Dieter Wedel laut wurden. In Frankreich wurde der #MeToo-Bewegung auch von Männern öffentlich Solidarität ausgesprochen, während andererseits namhafte Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve sie als eine "Kampagne der Denunziation" kritisierten.

Um #MeToo und die von der Berufswelt der Medien ausgehende Debatte über sexualisierte Gewalt eingehender zu betrachten, veranstaltete das ZMI am Montag, 23. April 2018, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "#MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?". Dabei ging es um die durch die Bewegung offengelegten Missstände und damit verbundene mediale Phänomene. Zudem ging es um Formen und Inhalte medial vermittelter Kritik an der Bewegung, ihre Verortung in einem breiteren feministischen Kontext und um länderspezifische Ausprägungen der #MeToo-Debatte.

Mit dem Publikum diskutierten Prof. Dr. Greta Olson (Amerikanistik/Anglistik JLU & ZMI), PD Dr. Elisabeth Schäfer-Wünsche (Nordamerikanistik Universität Bonn), Verena Lueken (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Dr. Jutta Hergenhan (ZMI). Die Veranstaltung wurde von der Zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der JLU, Dr. Nadyne Stritzke, eröffnet. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Dr. Birte Christ (Anglistik JLU). 

Die Podiumsdiskussion stellte die Auftaktveranstaltung der neu gegründeten ZMI-Sektion 6 dar, welche sich mit Themen aus dem Bereich "Medien und Gender" befasst.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und wird auf dem ZMI-Youtube-Kanal online gestellt.

Der Gießener Anzeiger berichtete in einem ausführlichen Artikel über die Podiumsdiskussion, der hier nachzulesen ist.

 

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Erste Arbeitstagung des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen - Herausforderungen für Bildung und Sozialisation

Am 19. und 20. April 2018 fand die erste Tagung des am Fachbereich 03 (Sozial- und Kulturwissenschaften) der JLU gegründeten interdisziplinären Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen - Herausforderungen für Bildung und Sozialisation statt. Ziel des Forschungsverbundes ist es, Erscheinungsformen und die Artikulation antidemokratischer Haltungen in unserer Gesellschaft systematisch zu untersuchen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie antidemokratische Haltungen entstehen bzw. reproduziert werden. Der Anspruch des Forschungsverbundes ist es darüber hinaus, Interventionschancen gegen die Entstehung antidemokratischer Haltungen sowie Transformationschancen für bereits bestehende antidemokratische Haltungen aufzuzeigen. Die Arbeitstagung schloss an bereits erarbeitete Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsverbundes an und eröffnete die Möglichkeit für eine vertiefte Zusammenarbeit. Im Rahmen der Tagung fand am 19. April 2018 ein öffentlicher Gastvortrag von Prof. Dr. Klaus Tanner (Universität Heidelberg) zum Thema Traditionen deutscher Demokratiekritik statt. Nähere Informationen zur Tagung finden Sie hier.

Ein Interview mit Koordinatorin Dr. Verena Schäfer-Nerlich über die erste Tagung des Forschungsverbundes mit dem Gießener Anzeiger können Sie hier nachlesen.

 

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Heiner Goebbels tritt Georg Büchner-Seniorprofessur an

Der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Komponist und Theatermacher Prof. Heiner Goebbels trat am 1. April 2018 die Georg Büchner-Seniorprofessur an der JLU an. Für die nächsten drei Jahre hat Goebbels die am Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) ansässige Professur inne. „Das ist eine tolle Auszeichnung, über die ich mich sehr freue und auf die ich stolz sein kann“, sagte Goebbels gegenüber dem JLU-Präsidium und dem Gießener Anzeiger über seine Berufung.

©Wonge Bergmann/Ruhrtriennale
Der Komponist und Theatermacher Heiner Goebbels arbeitet in zahlreichen preisgekrönten Hörstücken und Musiktheaterarbeiten nach Texten von Heiner Müller, Elias Canetti, Gertrude Stein u.a. mit der Musikalität und Form von gesprochener, nicht gesungener Sprache. Die Antrittsvorlesung der Georg Büchner-Seniorprofessur mit dem Titel „Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen“ – Zur Musikalität des Theaters hat Prof. Heiner Goebbels am Dienstag, 10. April 2018 im Biologischen Hörsaal des Universitätshauptgebäudes in Gießen gehalten.

Mit einem Verweis auf den französischen Autor und Philosophen Maurice Blanchot ist Goebbels auf den eigenen künstlerischen Umgang mit dem Sprechen auf der Bühne anhand von Klang- und Videobeispielen eingegangen. Dabei versteht Heiner Goebbels unter 'Sprechen' nicht nur den Text, sondern auch den vielstimmigen und gleichberechtigten Einsatz aller Medien des Theaters: des Lichts, des Raums, der Musik, der Bewegungen.

Goebbels‘  Expertise wird sowohl im In- und Ausland geschätzt. Neben Veranstaltungen im Gießener Stadttheater zu „mit einem Namen aus einem alten Buch“ - Szenisches Konzert von Heiner Goebbels im Frühsommer, wird er am 21. April 2018 einen Vortrag zum Thema „Experiments in Opera Today“ an der Columbia University, New York, halten. Zudem steht Goebbels  vom 18. bis 27. Mai als Komponist und Künstler bei der diesjährigen Schloßmediale – Internationales Festival für Alte Musik, Neue Musik und Audiovisuelle Kunst in der Schweiz im Fokus. Am 6. Juni 2018 wird Prof. Goebbels die Ehrendoktorwürde der National Academy for Theatre and Film Arts in Sofia (Bulgarien) verliehen.

 

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Wintersemester 2017/2018

 

 

Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien – Workshopbericht

Zur Auftaktveranstaltung Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien der Workshopreihedes ZMI-Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM) hatten Prof. Thomas Gloning und Melanie Grumt Suárez am 16. März 2018 an die JLU eingeladen. Die Veranstaltung wurde von Melanie Grumt Suárez (JLU Gießen) moderiert.

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Prof. Hans-Jürgen Bucher Foto: Ina Daßbach

Thomas Gloning (JLU/ZMI Gießen) eröffnete mit seinem Vortrag den Vormittag und stellte zunächst Grundlagen einer multimodal ausgebauten Textlinguistik vor. Anschließend erläuterte er den Zusammenhang zwischen unterschiedlich komplexen Wissensräumen und multimodalen Gestaltungsformen und Konfigurationsparametern von Zeitschriftenbeiträgen, -heften und -heftserien anhand verschiedener Zeitschriften. Im Anschluss präsentierte Dr. Daniel Pfurtscheller (Universität Innsbruck) empirische Befunde zu Gestaltungsprinzipien in populären Wissenszeitschriften. Er konstatierte zunächst, dass die Zeitschriftenforschung zurzeit noch unsystematisch sei und bislang nicht sehr intensiv betrieben werde, stellte dann seine empirisch erhobenen Zwischenergebnisse für „Heftprofile“ vor. Mit dem Medienwissenschaftler und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des ZMI, Prof. Hans-Jürgen Bucher (Universität Trier) konnte ein Experte gewonnen werden, der in seinem Beitrag einen anschaulichen medienhistorischen Rückblick auf die Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis heute nachzeichnete und Visualisieren als Strategie der Wissenspräsentation in Zeitschriften erörterte.

Im zweiten Block wurden am Nachmittag literatur-, kultur- und editionsphilologische Fragestellungen bearbeitet. Prof. Kirsten von Hagen (JLU/ZMI Gießen) stellte in einer literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektive Jules Vernes Abenteuerreisen, die zunächst in der von Jean-Pierre Hetzel herausgegebenen Zeitschrift Magasin d‘éducation et de récréation erschienen sind, in den Mittelpunkt. Die Romanistikprofessorin arbeitete unter anderem eine Typologie von Figuren als Wissensquellen heraus und wies nach, dass die Reisetexte neben der Wissensvermittlung auch unterhaltende Funktion hatten.

In einen anderen Bereich der Zeitschriftenlandschaft führte Dr. Norman Ächtler (JLU/ZMI Gießen) mit philologisch-pädagogischen Zeitschriften im 19. Jahrhundert ein: Er konstatierte, dass die „Macher“ solcher Zeitschriften Schulmänner und engagierte Lehrer waren, die philologisch-pädagogische Zeitschriften benutzten, um die Ergebnisse universitärer Forschung mit den Anforderungen des Lehrens in der Schule zu vermitteln und strukturell zu koppeln.

Der virtuelle Abschluss des Tagesworkshops wurde von der Anglistin Jana Pflaeging (Universität Salzburg) mit dem Titel Science for the Masses: Intra- und intermediale Vergleiche akademischer Magazine auf dem Weg zur Populärwissenschaftlichkeit um 1900 und um 2000 gemacht. Per Skype berichtete sie über aktuelle Zwischenergebnisse aus ihrem Promotionsprojekt und erläuterte „Textsortenprofile“ in National Geographic und MIT Technology Review. Pflaeging konnte in einer anschaulichen Präsentation Textsortenemergenzen (Feature Articles) und interessante Standardisierungsprozesse nachweisen.

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Frank Waldschmidt-Dietz und Marcel Wrzesinski Foto: Dennis Kaltwasser

Frank Waldschmidt-Dietz, Florian Ruckelshausen (jeweils UB Gießen) und Marcel Wrzesinski (KULT_online) informierten mit ihrem Posterbeitrag über das digitale Open Access Journal KULT_onlineund die dafür verwendete Software Open Journal Systems (OJS).

Insgesamt stellte die Auftaktveranstaltung eine erfolgreiche Premiere dar, die einerseits das Desiderat von Zeitschriftenforschung in den verschiedenen Disziplinen offenlegte und andererseits zeigte, dass damit aber auch gute Grundlagen für eine Weiterführung der Forschung gelegt worden sind.

Im Laufe des Jahres ist die Publikation der vorgetragenen Beiträge und weiterer Einreichungen in der Reihe Sprache, Literatur, Kommunikation – Geschichte und Gegenwart geplant.

 

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ZDF-History – Geschichte im Fernsehen zwischen "Dokutainment" und öffentlich-rechtlichem Auftrag – Johanna Kaack bei Stimmen aus der Praxis

stimmen aus der praxis logoGeschichte und Unterhaltung – wie passt das zusammen? Als Gratwanderung zwischen Fakten und Fiktion gehört das sogenannte "Dokutainment" zu einem der beliebtesten Vermittlungswege historischer Inhalte im Fernsehen. Wie Geschichten aus der Geschichte vor dem Hintergrund eines öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrages spannend aufbereitet und erzählt werden, berichtete Johanna Kaack, Autorin, Schlussredakteurin und Chefin vom Dienst für das Format ZDF-History in der Redaktion Zeitgeschichte. In ihrer redaktionellen Arbeit für das Fernsehformat ZDF-History bedient sie tagtäglich die spezifischen Anforderungen dieses Mediums – und seines Publikums. Zugleich gab sie Einblicke in ihren bisherigen Karriereweg vom Studium der Fachjournalistik Geschichte bis zu ihrer heutigen Position in der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF.

Der Termin im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungsreihe Stimmen aus der Praxis der ZMI-Sektion 4 und der Fachjournalistik Geschichte fand am Dienstag, den 30. Januar 2018 statt.

 

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Emerging Topics in the Study of Culture: Introducing Digital Literacy – Vortrag von Ramón Reichert

Am Dienstag, den 30. Januar 2018, sprah Prof. Ramón Reichert im gut besuchten GCSC zum Thema Emerging Topics in the Study of Culture: Introducing Digital Literacy. Ramón Reichert ist Professor am Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaften der Universität Wien. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich Medienwandel, Medientheorie, Mediengeschichte sowie Digitale Medien. Organisiert wurde die Veranstaltung von der GCSC-Research Area 2 "Cultural Narratologies". In den Vortrag eingeführt hatten Ann-Marie Riesner (ehemalige Sprecherin der GCSC-Research Area 2; ZMI-Sektion 5) und Prof. Andreas Langenohl (ZMI-Sektion 1). Was die BesucherIn erwartete, beschreibt Reichert folgendermaßen:

The term literacy has become a ubiquitous metaphor in recent years, particularly in connection with digital technologies. Literacies remain an attractive option to describe the use of new communication technologies and different communication modes for the production of medially-mediated utterances. The lecture from Prof. Ramón Reichert (University of Vienna, Austria) gives an overview of the theories and methods of the new literacy studies and shows in this context their critical potentials and the latest developments in the research field of the digital literacies. Digital literacy involves an understanding how search engines function, how hypertexts and links are structured to encourage us to navigate in particular ways, how information is gathered about users, and how the activity of users is governed and constrained by technological and commercial forces. Digital Literacies develop a theoretical framework of their own owing to the media specificity of digital media culture. In another sense digital literacies focus on technological application competencies when it comes to using convergent media. Finally, Reichert would like to point out that the idea of digital literacy is not only a question of technological transformation but also a question of social practices.

 

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Auf dem Weg zum Babelfisch? Fremdsprachenlernen in den Zeiten von Big Data – Antrittsvorlesung der Otto Behaghel-Seniorprofessur

Antrittsvorlesung Behaghel Seniorprofessur

Digitalisierung und Gamifizierung? Das Fremdsprachenlernen in Bildungsinstitutionen scheint seltsam unberührt von den Entwicklungen, die andere Bereiche des Lebens erfasst haben. Disruptive Innovationen – Fehlanzeige. Vokabellernen auf dem Handy, ein paar Serious Games am Horizont, Selbstlernprogramme außerhalb von Schule und Hochschule – viel mehr ist nicht. Bleibt das so? Werden das sich ändernde außerschulische Mediennutzungsverhalten, die technologische Entwicklung und die Möglichkeiten, die Big Data bieten, auch das institutionelle Fremdsprachenlernen radikal verändern? Mit Konsequenzen für Lehrerrolle und Stundentafeln, für das Verhältnis von Alleinlernen und Lernen in der Gruppe und für das Zusammenspiel von formellem und informellem Lernen? Haben sie Auswirkungen auf den Lebensweltbezug des Unterrichts, so dass die Unhintergehbarkeit der Künstlichkeit des Lernens im Klassenzimmer doch ein Stück weit hintergangen werden kann?

Diesen und weiteren spannenden Fragen ging Prof. Dietmar Rösler, Otto Behaghel-Seniorprofessor, bei seiner öffentlichen Antrittsvorlesung am 24. Januar 2018 nach. Beim anschließenden Empfang wurde nicht nur auf die neue Seniorprofessur und den verdienten Seniorprofessor angestoßen, sondern auch angeregt über die Thesen des Vortrags diskutiert.

 

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Europa zuerst!? Diskussionsveranstaltung mit Claus Leggewie und Udo Bullmann

Europa zuerst?! Flyer Diskussionsveranstaltung Leggewie AStA
Plakat: AStA der JLU Gießen
Wie sieht die Zukunft Europas aus? Wird sich das Europa, das wir kennen, erhalten können? Werden wir mehr Europa erleben oder singen wir bereits den Abgesang auf die EU? Was bewirken Erneuerungsvorschläge und Ideen von PolitikerInnen, EuropaparlamentarierInnen und nicht zuletzt von den BürgerInnen?

Diesen und weiteren Fragen gingen Ludwig Börne-Seniorprofessor Claus Leggewie und Europaparlamentarier Udo Bullmann in einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung des AStA der JLU Gießen nach. Claus Leggewie vertritt in seinem kürzlich erschienenen Buch Europa zuerst! die Überzeugung von einem zukünftig basisdemokratischen, bürgernahen und sozial gerechten Europa. Udo Bullmann ist selbst überzeugter Europäer und stellvertretender Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion. Es war ein spannender, perspektivenöffnender Abend über Europa zu dem Interessierte herzlich eingeladen waren. Die Veranstaltung fand am Freitag, 19. Januar 2018 im Großen Hörsaal des Zeughaus Gießen statt.  

Einen Bericht über die Veranstaltung, der im Gießener Anzeiger erschienen ist, finden Sie hier.


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Auf der Suche nach Bildern – Sascha Schmidt zu Gast bei Stimmen aus der Praxis

stimmen aus der praxis logoSascha Schmidt, Freier Film- und Theaterregisseur sprach über seine Erfahrungen aus der Praxis gab dn interessierten Zuhörenden einen Einblick in seine Arbeit und der damit einhergehenden Suche nach Bildern. Denn nahezu keine Dokumentation über ein historisches Thema kommt ohne das Zeigen von Archivmaterial (Filme, Fotos, Akten usw.) aus. Gerade der Einsatz von Archivfilmbildern vermittelt uns oft den Eindruck, ganz nah und intensiv an das erzählte Thema heranzukommen. Doch wie findet man passende Aufnahmen? Und wie bindet man diese innerhalb der Narration der erzählten Geschichte sinnvoll ein? Anhand seiner Projekte (zum Beispiel Endstation Freistatt, NDR 2016, im Netz verfügbar) berichtete Sascha Schmidt aus der Praxis eines Filmemachers. Am Dienstag, 16.01.2018 war er bei Stimmen aus der Praxis zu Gast.

 

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2017


Wintersemester 2017/2018

 

 

Das ZMI auf der GGS-Tagung Digitale (Un)sichtbarkeiten

Das ZMI freute sich, auf der GSS-Jahrestagung Digitale (Un)Sichtbarkeiten den Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (FSP-LBM) im Rahmen eines Discussion Roundtables vorzustellen. Prof. Dr. Dorothée de Nève (stellvertretende Direktorin des ZMI), Dr. Jutta Hergenhan (wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI) und Ina Daßbach M.A. (Hilfskraft FSP-LBM) diskutierten aktuelle Perspektiven und neue Entwicklungen des Schwerpunkts. Der ZMI-Roundtable fand am Donnerstag, 7. Dezember 2017 im Margarete-Bieber-Saal in Gießen statt.

Um 15 Uhr sprach ebenfalls Prof. Henning Lobin (ZMI-Direktorium, Sektion 3) über "Postliteralität und digitale Forschungsdaten".

Die vom GGS in Kooperation mit dem ZMI veranstaltete Tagung umfasste interdisziplinäre Vorträge, verschiedene Discussion Roundtables und lud zum Networking rund um das Thema digitale (Un)Sichtbarkeiten ein. Dazu öffnete die Tagung am 6. Dezember 2017 mit der Vorstellung des Kinderrechte-Filmfestivals, welches die Vermittlung von Medienkompetenz mit kultureller und politischer Bildung kombiniert und so den interdisziplinären Rahmen der Tagung verdeutlichte. Die Tagung selbst fand am 7. und 8. Dezember 2017 statt.

Weitere Informationen zur GGS-Jahrestagung finden Sie hier.

 

ZMI Round Table auf der GGS-Tagung Digitale (Un)sichtbarkeiten

Die Round Table Diskussion zu aktuellen Thematiken des Forschungsschwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (FSP-LBM) am 7. Dezember 2017 stellte die gelungene erste Kooperation des ZMI mit dem Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) dar.

ZMI Round Table
Jutta Hergenhan, Ina Daßbach und Dorothée de Nève (v.r.n.l.) diskutierten mit den TeilnehmerInnen der Tagung. Foto: Robin Uhl, ZMI

Dr. Jutta Hergenhan (wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI) eröffnete den Beitrag des ZMI mit einer Vorstellung des Forschungszentrums und des dort angegliederten Schwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft. Danach diskutierten Prof. Dorothée de Nève (stellvertretende Direktorin des ZMI), Dr. Jutta Hergenhan und Ina Daßbach M.A. (Hilfskraft FSP-LBM) mit den TeilnehmerInnen der Tagung. Es wurden je eine These zu den drei Themenschwerpunkten 'Sehnsuchtsort Wahrheit', 'digitaler Habitus' 'Konstruktion von Identität' zur Diskussion gestellt. Die Beiträge der aus verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen stammenden TagungsteilnehmerInnen bereicherten die Debatte mit interessanten Aspekten und neuen Perspektiven auf die aktuellen Forschungsgebiete des Schwerpunkts.

 

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Polit-Journalismus im Zeitalter der Likes und Klicks - Lennart Pfahler bei Stimmen aus der Praxis

Stimmen aus der PraxisWie schreibe ich im Internet journalistisch spannend und unterhaltsam über Politik? Wie erreiche ich mein Publikum und wie mache ich auf meine Artikel aufmerksam? Ist Facebook dabei mein Kooperationspartner oder Gegner?

Antworten auf diese Fragen gab der ehemalige Fachjournalistik-Student Lennart Pfahler. Pfahler ist Reporter im News- und Politikteam der Huffington Post Deutschland und Absolvent der Fachjournalistik Geschichte der Justus-Liebig-Universität. Der 24-Jährige Journalist berichtet zurzeit als Parlamentskorrespondent vor allem über innenpolitische Themen. Bevor Pfahler durch ein Volontariat bei der Huffington Post in den Beruf einstieg, lebte er in Ägypten und den USA und absolvierte diverse Praktika im Bereich Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit. In seinem Blog Die Letzte Seite schreibt Lennart Pfahler über Innen- und Außenpolitik, insbesondere über den Nahen Osten und die Türkei. In Stimmen aus der Praxis berichtete der Politikjournalist über seinen Berufsweg zur Huffington Post, über seinen Arbeitsalltag sowie seine Reporter-Reisen in die USA, die Türkei und den Irak. Der öffentliche Vortrag fand am Dienstag, 5.12.2017 statt. Einen Bericht von Universum zur ersten Stimmen aus der Praxis-Veranstaltung in diesem Semester finden Sie hier.

 

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Dorothée de Nève im Livestream über soziale Ungleichheit und politische Partizipation

Prof. Dr. Dorothée de Nève
Dorothée de Nève Foto: ZMI

Die Wahlbeteiligung in Deutschland befindet sich in einem Abwärtstrend: Nichtwählerinnen und Nichtwähler bilden inzwischen bei vielen Urnengängen die stärkste Gruppe. Je größer die soziale Ungleichheit, desto geringer die Wahlbeteiligung. Ist die Demokratie in Gefahr?
Dieser Frage widmete sich Prof. Dorothée de Nève IfP, Professur für das Politische und Soziale System Deutschlands und Vergleich politischer Systeme/Stellv. Geschäftsführende Direktorin des ZMI. In ihrem Vortrag setzte de Nève aktuelle Forschungsergebnisse zur niedrigen Wahlbeteiligung mit politischer Partizipation in Bezug.

Der Vortrag konnte am Montag, 4.12.2017 im Livestream der Bundeszentrale für politische Bildung über Facebook verfolgt werden. Weitere Informationen finden Sie hier.


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Katharina Stornig berichtet über den interdisziplinären Workshop Data Collection and Visualization of Networks in History and Culture des ZMI, GCSC und Herder-Instituts

Die Netzwerkforschung erlebt aktuell eine Konjunktur. Diese erfasste in den letzten Jahren auch die Geschichts- und Kulturwissenschaften, welche sich zunehmend mit den Möglichkeiten und Grenzen von zum Beispiel digitalen Netzwerkanalysen und der Visualisierung von Netzwerken auseinandersetzen. Der Begriff des "Netzwerks" erfährt dabei durchaus unterschiedliche Interpretationen und Konnotationen: So wird er in manchen Studien als Quellenbegriff operationalisiert und als Selbstzuschreibung von AkteurInnen betrachtet, die sich explizit als Netzwerk verstanden und beschrieben. Andere Studien wiederum verwenden den Begriff eher metaphorisch, um unterschiedliche (kommunikative) Bezüge zwischen Personen und/oder Institutionen deutlich zu machen.

Die historische Netzwerkforschung im engeren Sinn geht hingegen auf sozialwissenschaftliche Theorien und Methoden zurück. Sie versteht die Netzwerkanalyse als ein Instrument, welches es uns erlaubt, komplexe soziale Beziehungen und Bezüge auf Basis von bestimmten – zum Beispiel aus Textquellen erhobenen und kritisch reflektierten – Daten systematisch zu erfassen und darzustellen. Der erfolgreiche Einsatz der digitalen Netzwerkanalyse erfordert folglich nicht nur ein fundiertes Verständnis von ihrem analytischen Potential in bestimmten Forschungskontexten, sondern auch eine gewisse Vertrautheit mit den einschlägigen Programmen und Medien. Die Vermittlung dieses Wissens sowie die kritische Reflexion auf die Möglichkeiten und Grenzen dieses methodischen Zugriffs aus Sicht der Geschichts- und Kulturwissenschaften standen im Zentrum des Workshops, welcher von Dr. Martin Stark (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Aachen), einem Experten und langjährigen Kenner des Feldes der historischen Netzwerkforschung, geleitet wurde.

Der Workshop umfasste im Wesentlichen zwei Teile. Der erste Teil fand am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in Gießen statt und bestand aus einem öffentlichen Vortrag von Martin Stark mit anschließender Diskussion. Stark präsentierte eine Fallstudie zum Kreditwesen im ländlichen Württemberg in den mittleren Dekaden des 19. Jahrhunderts. Am Beispiel der Gemeinde Ohmenhausen diskutierte er die soziale Einbettung des lokalen Kreditmarktes und fragte insbesondere nach der Bedeutung von sozialen und familiären Netzwerken für die Kreditvergabe vor dem Hintergrund sich wandelnder rechtlicher Rahmenbedingungen. Dabei konnte Stark deutlich machen, dass die Wichtigkeit familiärer Netzwerke am Ohmenhausener Kreditmarkt nach 1850 tendenziell abnahm, was er darauf zurückführte, dass neue Gesetze zunehmend Rechtssicherheit für Kreditgeber hergestellt und somit das Ausfallrisiko reduziert hatten. Im Zentrum der anschließenden Diskussion standen jedoch weniger Starks empirische Ergebnisse als vielmehr sein methodisches Vorgehen: Im Besonderen wurde dabei Starks Erhebung von Daten aus "klassischen" Quellen der Geschichtswissenschaft (vor allem den diversen Medien des Kreditmarktes wie zum Beispiel Kreditbüchern, Vermögensverzeichnissen, Steuerlisten oder Kirchenregistern) und ihrer Verarbeitung und Analyse mittels digitaler Instrumente diskutiert, welche er genutzt hatte, um die sozialen Bezüge der zu erforschenden Kreditvergaben zu erfassen und zu visualisieren. Kritisch hinterfragt wurde auch das Verhältnis zwischen Aufwand und analytischem Nutzen der digitalen Datenerhebung und ihrer Visualisierung.

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Mit Palladio und Venmaker führte Martin Stark (links) Software zur Analyse und Visualisierung von Netzwerken ein. (Foto: Herder-Institut)

Die Auseinandersetzung mit den Instrumenten der Digitalen Netzwerkforschung und ihren Möglichkeiten und Grenzen bildete einen wesentlichen Aspekt des zweiten Teils der Veranstaltung, einem praktisch- und diskussionsorientierten Workshop, zu dem sich eine Gruppe von insgesamt 24 Teilnehmenden am folgenden Tag im Herder-Institut in Marburg versammelte. Im Rahmen des Workshops wurden nicht nur der Begriff des Netzwerks und sein heuristisches Potential, sondern auch sein analytischer Mehrwert für die historische und kulturwissenschaftliche Forschung diskutiert. Dies geschah stets sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene. In mehreren Gruppendiskussionen entwarfen die Teilnehmenden diverse Netzwerke, welche nicht nur Personen und Institutionen umfassten, sondern auch anders gelagerte Beziehungen und Bezüge, wie zum Beispiel semantische Netzwerke, mit einschlossen. Darüber hinaus beschäftigte sich der Workshop mit der Frage der Erhebung von relevanten Daten aus Textquellen und der Umwandlung von textbasierten Netzwerkdaten in Soziogramme und/oder Matrizen. Mit Palladio und Vennmaker führte Stark zudem nicht nur einschlägige Software zur Analyse und Visualisierung von Netzwerken ein, sondern stellte deren Operationalisierung auch zur Diskussion. Dies geschah stets in engem Bezug zu den Forschungsinteressen und -schwerpunkten der Teilnehmenden, welche zum Teil ihre eigenen Forschungsdaten präsentierten und die entsprechenden Visualisierungen abschließend im Plenum diskutierten.

Organisiert und durchgeführt wurde der interdisziplinäre Workshop, der am 15. und 16. November 2017 in Gießen und Marburg stattfand, in Kooperation zwischen der ZMI-Sektion 4, dem GCSC und dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg. Für die Organisation verantwortlich waren Prof. Katharina Stornig (ZMI-Sektion 4/GCSC), Dr. Elke Bauer und Dr. Victoria Harms (jeweils Herder-Institut).

 

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Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? − Nachlese zur Bundestagswahl 2017

"Wir müssen wissen was sie antreibt"

Identitätsprobleme bewegten die AfD. Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017 sucht nach Erklärungen und Lösungen

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Präsident Prof. Joybrato Mukherjee (Foto: ZMI)

Das Wahlergebnis sorgte am Wahlabend der letzten Bundestagswahl bei Vielen für eine Katerstimmung, so Prof. Simone Abendschön vom Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Sie moderierte die vom ZMI und dem Institut für Politikwissenschaft initiierte und von ZMI und Präsidium geförderte Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl, die am Abend des 26.10. in der Aula des Hauptgebäudes der JLU stattfand und von gut 100 Gästen besucht war. Der Einzug der AfD in den Bundestag ist sicherlich ein Grund für diese Katerstimmung. Auch der Präsident der JLU, Prof. Joybrato Mukherjee adressierte diesen in seinem einleitenden Grußwort: "Ich glaube wir unterschätzen das Phänomen". Die AfD werde oft lediglich mit unterschiedlichen Themen, wie einer Flüchtlings- oder Rentenpolitik und Unzufriedenheit oder Protest verbunden. "Durch Sprache signalisieren wir den Wunsch nach Zugehörigkeit oder Distanz. Wir bilden durch Sprache unsere Identität." Wer die AfD und ihre Sprache wählte, habe mitunter, so der Präsident, versucht sich selbst Identität zu geben, indem andere pauschal als ein Problem markiert worden sind. Für die Politikwissenschaft, die an der JLU gute und aktive Forschung betreibe, gälte es nun und in Zukunft dieses Wahlergebnis in einer langfristigen Entwicklung zu verorten und zu erklären.

Die AfD war auch eines der Themen, mit denen sich die Podiumsgäste beschäftigten. Schon im Wahlkampf sei die AfD, so der Politikberater Matthias Hartl, ohne Not von den anderen Parteien und den Medien großgemacht worden. Auch an diesem Abend war von großem Interesse, wie man mit der taktischen Skandal-Politik und immanenten Opferrolle einer AfD umzugehen habe. Lösungsansätze wurden dabei aber nicht ohne den Blick auf die anderen Parteien, ihren Wahlkampf, ihre Zukunftsperspektiven und das Phänomen der steigenden Wahlbeteiligung erarbeitet.

Auch die Politikkorrespondentin Maria Fiedler, vom Tagesspiegel in Berlin, bestätigt in ihrem Eingangsstatement die Skandalpolitik der AfD. Diese habe es geschafft mit großen Emotionen einen Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung zu erzielen. Ob es sich also, so Fiedler, um faire oder nicht faire Berichterstattung handelte: Die AfD war in jedem Fall das selbst gewählte Opfer und bei Teilen der Bevölkerung damit der Gewinner. Sorgen dieser Bevölkerungsteile, dass die etablierten Parteien sie nicht höre und prinzipiell gegen sie arbeitet, seien, so die Journalistin, von der AfD bestätigt und ausgenutzt worden. Damit sei es Aufgabe der Presse gewesen, kritische und informative Berichterstattung zu leisten. Das stellte sich, ohne die Selbstinszenierung der AfD noch anzufachen, als Herausforderung dar.

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Stefan Krabbes, Sigrid Roßteutscher, Simone Abendschön, Maria Fiedler, Matthias Hartl, Dorothée de Nève (v.l.n.r., Foto: ZMI)

Katerstimmung auch bei der SPD. Ihre Niederlage zu erklären, falle der Wahlforschung durchaus schwer. Interessanterweise habe, unter anderem bei der Frage nach Identifikation, auch das Problem der SPD gelegen. So meint Sigrid Roßteutscher, Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt, die SPD sei die einzig wahre Volkspartei: "Jeder kann die SPD wählen. Es kann sie aber auch jeder nicht wählen."

Darüber, dass es der SPD insgesamt an Profil, Tiefe und Standfestigkeit, beispielsweise gegenüber Angela Merkel, gefehlt habe, war sich die Podiumsrunde weitestgehend einig. Die SPD gäbe sich zwar selbst gern den Stempel der "Mit-Mach-Partei", so Professorin Dorothée de Nève vom Institut für Politikwissenschaft der JLU (und Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI). In diesem Wahlkampf habe sie aber ein Personalkarussell gefahren, das nicht für eine partizipatorische Partei spreche. Hätte sich die SPD besser auf sich selbst und ihre Richtung konzentriert, hätte sich das auch weiter auf die Umfragen und Prognosen zur AfD ausgewirkt, so Hartl. Roßteutscher rät der SPD dringend, die Oppositionszeit zu nutzen, um wieder ihr Stammklientel anzusprechen.

Polit-Blogger Stefan Krabbes gab derweil Einblicke in den Online-Wahlkampf der Parteien und seine Perspektiven auf etwaige Koalitionsbündnisse. In diesem Wahlkampf sei zumindest versucht worden, die Vergangenheit zu verarbeiten. Themen für die Zukunft seien dabei kaum gesetzt worden, wie Krabbes darlegt. So sei Angela Merkel für ihr Eingeständnis, dass Digitalisierung und Co. für sie "Neuland" seien zwar vor allem belacht worden. "Aber verdammt nochmal, sie hatte recht." Das sähe man beispielsweise am Haustür-Wahlkampf der CDU, der konventionell lief, aber eben online. So arbeitete die CDU beispielsweise mit Apps, einer hohen Präsenz in sozialen Netzwerken oder sogar einem begehbaren Wahlprogramm in Berlin, mit einer Menge darin enthaltener unterhaltsamer Technikspielereien. Auch die AfD habe von den social Media profitiert, so de Nève: Ohne diese hätte die AfD nicht ein solches Wahlergebnis schaffen können.

Eine der fast zwanzig Fragen aus dem Publikum, formulierte den Wunsch nach mehr Kontakt zwischen PolitikerInnen und BürgerInnen. Wichtig sei hier Kontakt und Dialog zu definieren, so de Nève. Diese Formate habe es zu Hauf gegeben. Auch die CDU habe hier mit Emotionen gearbeitet, das habe man Merkel oft angehört: "Ich nehme das mit." Dies war ein beliebter Antwortsatz ihrerseits, in den viel diskutierten Bürgerdialogen. De Nève findet hier klare Worte bezüglich funktionierender Repräsentation: "Politikerinnen und Politiker sollen sich nicht kümmern. Politik ist kein Sorgentelefon. Politikerinnen und Politiker sollen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten, die sie gewählt haben."

Interessanterweise käme dieses Jahr auf drei bis sieben NichtwählerInnen, die dieses Jahr etablierte Parteien wählten, eine Person, die nun die AfD wählte, so Roßteutscher. Die steigende Wahlbeteiligung sei nicht lediglich ein Phänomen, welches der AfD zu Gute käme. Davon geht Hartl aus. Es sei ein grundsätzlich guter Impuls für eine demokratische Gesellschaft, so de Nève.

 

Videomitschnitt jetzt auf YouTube

Die Sondierungsgespräche zur Bildung der neuen Bundesregierung auf der Grundlage einer "Jamaika"-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Bündnis'90/Die Grünen sind spektakulär gescheitert.  Unter dem Titel Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017 fand am 26. Oktober 2017 an der JLU Gießen eine Podiumsdiskussion statt, die sich dem Ausgang der Bundestagswahl widmete. Auf dem Podium diskutierten Prof. Sigrid Roßteutscher (Goethe Universität Frankfurt), Stefan Krabbes (Politblogger), Maria Fiedler (Tagesspiegel), Matthias Hartl (pollytix strategic research GmbH) und Prof. Dorothée de Nève (Justus-Liebig-Universität Gießen & ZMI-Sektion 1). Prof. Simone Abendschön (Justus-Liebig-Universität Gießen & ZMI-Sektion 1) moderierte die Diskussion. Die Rednerinnen und Redner sowie das Publikum ahnten noch nichts vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen. Um die Bundestagswahl vom 24. September 2017 besser zu verstehen bietet die Debatte zum Jamaika-Kater wichtige Ansätze und Ideen. Wie lässt sich der Erfolg der AfD erklären? Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der modernen Politik? Oder ganz allgemein: Wie ist dieses Wahlergebnis zu deuten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie im Videomitschnitt der Veranstaltung.

 

 

Presseschau zur vergangenen Veranstaltung Jamaika Kater? - Nachlese zur Bundestagswahl 2017

Podiumsgast Stefan Krabbes fasste den Abend unter dem Titel "Jamaika, Digitalisierung & neue Anforderungen an den Bundestag" auf seinem Blog Stefan Krabbes. Meine Seite für Politik & Kultur zusammen.

Einen ausführlichen Bericht verfasste der Gießener Anzeiger zur spannenden Debatte, der hier nachgelesen werden kann.

Die Gießener Allgemeine Zeitung titelte mit "SPD macht Forscher ratlos" und berichtet darin ebenfalls von der gelungenen Veranstaltung.

 

"Faktencheck" von Dorothée de Nève bei Maischberger

In den Medien und in Fernseh-Talkshows wurde und wird heftig über die Bundestagswahl 2017 und deren Ergebnis debattiert. Oft bleiben dabei am Ende Fragen offen oder Argumente uneindeutig. Aus diesem Grund gibt es im Anschluss der Fernseh-Talkshow Maischberger einen "Faktencheck". Dort werden Fragen zum Thema der Sendung von Experten beantwortet.
Prof. Dorothée de Nève (Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI, Sektion 1) beantwortete einen solchen "Faktencheck" zur Sendung "Wutwahl: Haben die Volksparteien ausgedient?" am 28. September 2017. Insbesondere das Wahlergebnis der AfD wurde diskutiert. Im "Faktencheck" analysiert Dorothée de Nève das Wahlergebnis der AfD und zeigt auf, wie dieses zustande kam sowie welche Rolle die AfD im Osten Deutschlands spielt. Ihre Antworten können hier nachgelesen werden.


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Sommersemester 2017

 

 

Experten-Tagung Materialgestütztes Schreiben:  Erfahrungen aus der Praxis – Perspektiven der Forschung

Forscherinnen und Forscher der JLU und der Universität Paderborn organisieren Experten-Tagung im Alexander-von-Humboldt-Haus in Gießen

Bild: Experten-Tagung Materialgestütztes SchreibenDer neue Aufgabentyp "Materialgestütztes Schreiben" im Abitur, welcher das domänenspezifische Schreiben auf Grundlage unterschiedlichster Textquellen beinhaltet, wird 2017 fünf Jahre alt – und ist doch kaum aus der Taufe gehoben. Es gibt erste konzeptionelle Publikationen und Aufgabensammlungen, die Implementation in die Kerncurricula und Abiturprüfungen beginnt. In der fachdidaktischen Diskussion verbinden sich einerseits große Erwartungen, andererseits aber auch Befürchtungen mit dem neuen Aufgabentyp.

Wie werden Inhalte aus Quellen für die Textproduktion aufbereitet und integriert? Wie kann das Lesen zum Zwecke des Schreibens didaktisch vermittelt werden? Insbesondere stellt sich im Kontext aktueller Diskussionen auch die Frage, wie sich die materialgestützte Textproduktion im Spannungsfeld zwischen Plagiat und eigenem Schreiben verhält.

Die Experten-Tagung zum materialgestützten Schreiben, die vom 27. bis zum 29. September an der JLU stattfand bot die Chance, den Austausch zum Thema zu intensivieren und Praxiserfahrung sowie Forschungsperspektiven zu verbinden. Unter der Federführung von Prof. Katrin Lehnen, Prof. Helmut Feilke, Dr. Michael Steinmetz (alle JLU) und Dr. Sarah Rezat (Uni Paderborn) kamen dabei erstmalig Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der schulischen Praxis, der Kultusministerien, der fachdidaktischen Forschung und der Bildungsforschung zu einem Erfahrungsaustausch und zu einer Diskussion zusammen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Arbeitsschwerpunkt "Materialgestütztes Schreiben".

 

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Filmaufnahmen als Zeitmaschine? - Summerschool für Masterstudierende der Geschichte


Historische Filmaufnahmen geben uns das Gefühl, in die Vergangenheit einzutauchen, sie miterleben zu kön­nen, dabei und vor Ort zu sein. Sie stellen faszinierende Quellen dar und bilden eine unverzicht­bare Ressource für historische Dokumentarfilme. Die zunehmende Digitalisierung hat den Zugang zu historischem Filmmaterial deut­lich vereinfacht. Doch stellen sich bei der Analyse und Verwendung historischer Filme vielfältige metho­dische Fragen. Die Summerschool Filmaufnahmen als Zeitma­schi­nen? bot in täglichen Workshops mit wechselnden Referentinnen und Referenten Einblicke in deren eigene historischen Arbeiten mit Filmen. Sie richtete sich an Studierende der Geschichtswissenschaft aus dem In- und Ausland.

Die Summerschool, die vom 28. August bis 1. September 2017 stattfand, führte anhand von thematisch vielfältigen Workshops in die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit Filmen ein. Prof. Ulrike Weckel (Sprecherin ZMI-Sektion 4), Prof. Thomas Lindenberger (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam), Dr. Anja Laukötter (Max-Plank-Institut für Bildungsforschung, Berlin) und Anja Horstmann (Universität Gießen) zeigten, wie sie in ihrer Forschung Filme, deren Entstehung, Zirkulation und Rezeption analysieren und auf diese Weise neue Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Der Filmemacher Jan Peter (14-Tagebücher des Ersten Weltkriegs) gewährte Einblicke in die Verwendung von historischen Filmaufnahmen im narrativen Doku-Drama.

Neben zuvor angemeldeten Teilnehmern war die Veranstaltung auch für Gäste geöffnet, die auch nur einem Teil des Programms beiwohnen konnten.

 

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Digitaler Diskurs – Zur Untersuchung des Strukturwandels politischer Öffentlichkeit

Vortrag von Kornelia Hahn (Universität Salzburg)

Für die wissenschaftliche Untersuchung von Mediendiskursen ist aktuell das Spannungsfeld zwischen einer „funktionierenden“ öffentlichen Kommunikation mit Blick auf politisch-demokratische Perspektiven und „unfassbare(n)“ politische(n) Öffentlichkeit(en) auf der anderen Seite von Bedeutung.

Prof. Kornelia Hahn befasste sich in ihrem Vortrag damit, den Formwandel politischer Öffentlichkeit zu beschreiben und einen Wandel von Geltungsansprüchen zu diskutieren. Dabei ging Prof. Hahn davon aus, dass es bereits vor dem Auftauchen neuer Medien verschiedene Formen von Öffentlichkeit gab, die schon immer in enger Wechselbeziehung mit Medien (wie z.B. auch dem Körpermedium) standen.

Der Vortrag fand am Dienstag, den 18. Juli 2017 statt und war für Mitglieder der Universität Gießen  geöffnet.

 

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Podiumsdiskussion: Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen

VerwähltAm 24. September 2017 findet die nächste Bundestagswahl statt. Sie fragen sich im Vorfeld, wen Sie wählen und ob Sie überhaupt zur Wahl gehen sollen? Sie sind unsicher, welche Informationsquellen zur Bundestagswahl vertrauenswürdig sind?

Die Debatten um fake news seit den letzten US-Wahlen, die Neuauflage des rechten historischen Kampfbegriffs der „Lügenpresse“ und der Einsatz von bots in Wahlkämpfen werfen Fragen auf, die viele WählerInnen verunsichern. Wenn Sie erfahren möchten, was hinter diesen Phänomenen steckt und wie Sie mögliche Irreführungen erkennen können, dann kommen Sie zu unserer Podiumsdiskussion Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen. Wir haben ExpertInnen eingeladen, Wege aufzeigen, sich im Vorfeld der Bundestagswahl verlässlich zu informieren und dadurch eine eigene Meinung zu bilden.

Studierende des Instituts für Politikwissenschaft (IfP) der JLU organisierten gemeinsam mit dem ZMI eine Podiumsdiskussion mit anschließender offener Debatte zu diesen Themen. Auf dem Podium sprach die Wahlforscherin Prof. Simone Abendschön (Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der Politikwissenschaft, JLU). Tanja Binder M.A., Mitglied im wissenschaftlichen Begleitteam des Wahl-O-Mat, informierte über den Wahl-O-Mat als Orientierungshilfe für persönliche Wahlentscheidungen. Alexander Sander, Geschäftsführer der Digitalen Gesellschaft e.V., referierte zu den Chancen und Risiken des Internets im Vorfeld von Wahlen. Einleitend sprach Prof. Dorothée de Nève (stellvertretende Direktorin des ZMI, Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/Vergleich politischer Systeme, JLU). Die Debatte wurde von Louisa A. Süß (JLU) moderiert.

Die Podiumsdiskussion fand am 11. Juli 2017 statt und war für alle interessierten Personen geöffnet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Den Videomitschnitt zur Diskussion können Sie auf dem ZMI-Youtube-Kanal nachschauen:

 

Auch die Gießener Zeitungen berichteten über die Veranstaltung.

 

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Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Dr. Tina Olteanu (Institut für Politikwissenschaft) organisierte in diesem Sommersemester die Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit der ZMI-Sektion 1. Ausgangspunkt war der zunehmende Anstieg von Hasskommentaren, verbalisierter Menschenverachtung – anonym/nicht anonym, online/offline, öffentlich/privat – welcher die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu entfacht und auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung darstellt. Ziel war es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Die erste Veranstaltung am 9. Mai 2017 beschäftigte sich mit den rechtlichen Grenzen der Meinungsfreiheit. PD Dr. Alexander Thiele (Universität Göttingen) betonte in seinem Beitrag die hohe Relevanz der Meinungsfreiheit als zentrales demokratisches Recht. Allerdings bedeutet dies nicht im Umkehrschluss, dass jede Form der Meinungsäußerung durch dieses Gesetz tatsächlich geschützt ist. Jedoch setzt die Einschränkung der Meinungsfreiheit ein kontextspezifisches Abwägen voraus, welches, laut Thiele, von den zuständigen Gerichten für jeden Einzelfall geklärt werden muss. Jegliche Einschränkung durch Dritte bewertete er sehr skeptisch, da hier das Recht auf Meinungsfreiheit potenziell Schaden nehmen könne. Sandra Niggemann (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) hingegen präsentierte den Entwurf des inzwischen verabschiedeten „Netzwerk-Durchsetzungsgesetzes“, welches große Social Media Konzerne in die Pflicht nehmen soll, gegen Hasskriminalität entschieden vorzugehen. Sie skizzierte, inwiefern der vorherige Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung durch Twitter, Facebook und Co. nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt habe. Das Gesetz sieht Bußgelder bis zu 50 Millionen Euro bei Nichtlöschung klar strafbarer Inhalte vor. Es ist, laut Niggemann, eine Antwort der Politik auf den gesellschaftlich formulierten Wunsch der stärkeren staatlichen Regulierung und Sanktionierung. Insgesamt zeigten die Vorträge und die anschließende, lebhaft geführte Diskussion, dass zwar ein allgemeiner Konsens darüber besteht, Hasskriminalität im Netz Einhalt zu gebieten ist. Die Wege dahin und die bestmögliche Umsetzung wurden jedoch durchaus kontrovers diskutiert.

Die US-amerikanische Journalistin Dr. Sarah Kendzior, die am 28. Juni 2017 einen Vortrag zu Coping with social media under a post-truth president hielt, zeigte auf, inwiefern sich das Verhältnis von klassischen Medien und Social Media zur Politik geändert hat – teils als Resultat des medialen Hypes um Donald Trump vor seiner Kandidatur, teils aufgrund der Konzentration von (überwiegend weißen, männlichen) JournalistInnen auf ein paar Städte wie Washington, New York und San Francisco. Dadurch, so Kendzior, wurde zum einen der Aufstieg von Donald Trump befördert und gleichzeitig seine Bedeutung für potenzielle WählerInnen in ruralen Regionen falsch eingeschätzt. Kendzior, die lange zu Medienfreiheit in postsozialistischen Staaten Zentralasiens geforscht hat, zeigte auf inwiefern – bei allen augenscheinlichen Unterschieden – ähnliche Strukturen (Aufbau eines potenziell kleptomanischen Familienclans im Amt, Einschüchterungsversuche gegenüber JournalistInnen und KritikerInnen) und Argumentationsmuster (Medien als Feinde des Regimes) zwischen diesen Staaten und der „autokratischen“ Administration unter dem Präsidenten Donald Trump bestehen. Beklemmend und zugleich eindrucksvoll beschrieb sie die zunehmende verbale und physische Gewalt gegen Frauen, die zu politischen Themen Stellung beziehen. In der anschließenden Diskussion, moderiert von Prof. Dr. Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) wurden weitere Facetten des amerikanischen politischen Systems unter Trump diskutiert, etwa seine Verbindungen zu evangelikalen Gruppierungen oder der Alt-Right Bewegung. Kendzior zeichnete das Bild einer US-amerikanischen Gesellschaft, die sich in einem tiefgreifenden Umbruchprozess befindet und in der viele der konstituierenden Elemente des amerikanischen Selbstverständnisses, wie etwa die Meinungs- und Pressefreiheit, starkem Druck ausgesetzt sind.

Sarah Kendzior hielt zudem auf der internationalen Konferenz Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media einen Vortrag zu dem Thema Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Am 4. Juli 2017 wurde die Veranstaltungsreihe mit Vorträgen zu dem Thema Die Grenze des Sagbaren in Politik und Wissenschaft – Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus beendet. Franziska Schutzbach (Universität Basel) und Ass. Prof. Ricarda Drüeke (Universität Salzburg) analysierten aus unterschiedlichen Perspektiven antifeministische Diskurse, die zunehmend nicht nur als (rechte) Randerscheinungen auftreten, sondern mehr und mehr eine Verankerung in der „Mitte“ der Gesellschaft finden. Schutzbach skizzierte zudem, inwiefern antifeministische Tendenzen in Umbruchs- und Krisenzeiten im Laufe der Geschichte immer wieder Konjunktur haben. Sie legte die dahinterliegenden Motive und Argumentationslinien am Beispiel der Romanfigur „Heidi“ von Johanna Spyri aus den 1880er Jahren dar. Zudem erläuterte sie, wie in den heutigen Diskursen die Idee der Meinungsfreiheit instrumentalisiert wird, um rassistische, antifeministische und homophobe Positionen zu legitimieren. Ricarda Drüeke analysierte unterschiedliche Kommunikationsräume und die dort verwendeten Strategien, antifeministische und rassistische Positionen zu platzieren. Dabei thematisierte sie nicht nur die neu entstandenen Räume in den Sozialen Medien, sondern auch traditionelle Medien. Drüeke kommt zu dem Schluss, dass hier ein Wissensvorrat geschaffen wird, der dann in Alltagsöffentlichkeiten in Handlungen umgesetzt wird (Hass Postings, Gewaltaufrufe etc.). Der Moderatorin Dr. Jutta Hergenhan (Geschäftsführerin des ZMI) gelang es in der Abschlussdiskussion, die unterschiedlichen Fragestellungen der Vortragsreihe nochmals zusammenzubinden und relevante Forschungsfragen nach Wandlungsprozessen in den gesellschaftlichen Diskursen durch soziale Medien bzw. lediglich deren Sichtbarmachung zu stellen. Insgesamt hat die Vortragsreihe damit verdeutlicht, dass das Spannungsverhältnis zwischen Hetze und Meinungsfreiheit uns in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen wird.

Hergenhan, Schutzbach, Drüeke
Jutta Hergenhan (links) moderierte am 4. Juli die Diskussion mit Franziska Schutzbach und Ricarda Drüeke (rechts)

 

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Filmvorführung mit anschließender Diskussion: Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik

Deutsche Pop ZuständeIm Rahmen einer Kooperationsveranstaltung zwischen der ZMI-Sektion 1 sowie Dr. Ralf von Appen (Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, JLU) und Prof. Dr. Andrea Gawrich (Institut für Politikwissenschaft, JLU) fand am 3. Juli im Saal des Instituts für Musikwissenschaft ein gut besuchter öffentlicher Themenabend zur Charakteristik und Genese rechter Pop-Musik statt. Im Anschluss an ein Grußwort von Prof. Christine Wiezorek (ZMI-Sektion 1) wurde der Dokumentarfilm Deutsche Pop Zustände. Eine Geschichte rechter Musik (2016) vorgeführt. Der Film präsentierte, angelehnt an eine Studie des Soziologen Wilhelm Heitmeyer zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, einen Überblick über Entwicklungen und Tendenzen in der deutschsprachigen rechten Musik, primär bezogen auf die Bundesrepublik. Der Film beleuchtete auch rechte Topoi wie völkische Argumente und Nazi-Ästhetik bei Musikgruppen des Mainstreams, etwa bei Rammstein oder FreiWild.

Der Film konzentriert sich auf die letzten 30 Jahre und beginnt seinen Überblick mit der englischen Band Skrewdriver, die sich stilistisch beim Punk bediente. In der Bundesrepublik entwickelten Bands wie die Böhsen Onkelz oder Endstufe sich zu „Pionieren“ in diesem Bereich. Der Film zeichnet die Entwicklung durch die Jahrzehnte nach und schließt den musikalischen „Soundtrack“ der ausländerfeindlichen Gewaltausbrüche in den frühen 1990er Jahren mit ein, beispielsweise durch die Gruppe Landser. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass sich rechte Musiker ästhetisch stets bei emanzipativen/linken Subkulturen – Punk, Liedermacher, HipHop – bedienen und die Szene dabei zunehmend Anknüpfungspunkte zu Mainstream-Musikern aufweist.

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Andrea Gawrich, Thorsten Hindrichs und Ralf von Appen (v.l.n.r.)

An den Film schloss sich eine breite Publikumsdebatte mit Dr. Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler der Universität Mainz, an, der die Entstehung des Films als wissenschaftlicher Berater begleitet hat. Hindrichs gab Aufschluss über die teilweise schwierigen Entstehungshintergründe des Films und informierte über verschwörungstheoretische und antisemitische Tendenzen populärer Musiker, wie bspw. Xavier Naidoo, die der Mainstream-Tauglichkeit dieses Stars jedoch bislang kaum geschadet haben. Zudem verwies Hindrichs darauf, dass die ökonomische Tragfähigkeit rechter Musik stark zunimmt, insbesondere in den letzten drei bis fünf Jahren. Parallel dazu hat rechte Musik inzwischen technisch und musikalisch professionelle Qualität erreicht.

Ein Bericht über die Veranstaltung und ein Interview mit Thorsten Hindrichs sind beim Gießener Anzeiger erschienen.

Den Trailer zum Film können Sie hier anschauen.

 

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Tagungsbericht: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media – internationale Konferenz des GCSC und ZMI

LogoOnlineVitriol 

Der Begriff „Online Vitriol“ umfasst all jene Phänomene in den sozialen Medien, die die Kehrseite der Meinungsfreiheit und Vernetzung aufdecken: Hasskommentare, Cyberbullying, Aufruf zur virtuellen Hetze und vieles mehr. Auf vielfältigen Ebenen näherte sich die viertägige internationale Konferenz Online Vitriol. Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media dem komplexen Thema der Gewalt in Online-Kontexten an.

Gerahmt wurde die gesamte Tagung von zwei Vorträgen der amerikanischen Journalistin und Anthropologin Dr. Sarah Kendzior. Kendzior sprach am Mittwochabend zur Eröffnung der Tagung im Rahmen der ZMI-Vortragsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit zum Thema Coping with Social Media under a Post-Truth President und verdeutlichte die prekäre Lage des kritischen Journalismus in Amerika. Bei Ihrer Einschätzung Donald Trumps konnte sie immer wieder auf ihre wissenschaftliche Arbeit zum Autoritarismus in postsowjetischen Ländern wie Usbekistan zurückgreifen und zeigte erstaunliche Parallelen, aber auch deren Grenzen, auf. In ihrem Vortrag Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’ am Freitagabend ging sie stärker auf die Dynamiken der sozialen Medien in Amerika ein und gab Einblicke in ihre persönliche Arbeit als Journalistin in St. Louis im amerikanischen Midwest. Dieser hochinteressante Vortrag der Journalistin und Zeitdiagnostikerin, die auf Twitter mehr als 260.000 Follower zählt, ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Am Donnerstag früh begann die Konferenz mit zwei sehr erhellenden Keynote-Vorträgen: Frans-Willem Korsten von der Universität Leiden leitete aus der griechischen Mythologie die Konzepte des Spottes (Momus) und des Gerüchts (Fama) her und beleuchtete deren ambivalente Karriere in der europäischen Kulturgeschichte bis in die Gegenwart. Daniel Trottier von der Erasmus University Rotterdam sprach vom weltweit verbreiteten Phänomen des „Digital Vigilantism“, der Praxis des Filmens in der Öffentlichkeit mit dem Ziel der Denunzierung von Personen in den sozialen Medien.

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Session „Legal and Ethical Approaches“ mit Penelope Kemekenidou, Jutta Hergenhan, Seda Gökçe Turan und Bernardo Caycedo (v.l.n.r.)
Drei Panels vertieften am Donnerstag und Freitag folgende Themenkomplexe: Die Beiträge im Panel History & Memory of/in Online Vitriol beschäftigten sich mit der geschichtlichen Dimension von „Online Vitriol“ und Erinnerungsprozessen in sozialen Medien. Im Panel Legal and Ethical Approaches adressierten drei Beiträge Gewaltphänomene im Internet und damit verbundene Fragen rechtlicher Regulierung und pädagogischer Sensibilisierung. Im Panel Racism, Misogyny, Ableism Etc. Online wurden verschiedene Beispiele von Belästigung im Netz präsentiert und mögliche Abwehrstrategien aufgezeigt.

Ein weiteres Highlight war die Podiumsdiskussion zum Thema Dealing with Online Vitriol in Theory and Practice mit der Aktivistin Penelope Kemekenidou (Stop BILD Sexism), dem Medienwissenschaftler Ramón Reichert (Universität Wien) und dem Journalisten Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau). Unter der Moderation von Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) sprachen alle drei von ihren persönlichen Erfahrungen mit „Online Vitriol“ und Strategien der Abwehr oder Entkräftung. Ramón Reichert zeigte die Problematik der Geolokalisierung und Visualisierung von Emergenzen des Tweetens von Hasskommentaren auf.

Eine Roundtable-Diskussion mit Burcu Alkan, Sonja Schillings, Rahel Schmitz, Ann-Marie Riesner (jeweils GCSC, JLU Gießen) und Marie Jude Bendiola (Philipps-Universität Marburg) präsentierte und analysierte weitere Fälle von „Online Vitriol“ und erweiterte somit noch das Spektrum der betrachteten Phänomene.

Die Tagung mündet in die gemeinsame Erarbeitung eines Rough Guide to Online Vitriol, das im Amsterdam University Press Verlag erscheinen wird.

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Die TeilnehmerInnen und ReferentInnen der internationalen Konferenz „Online Vitriol“

Wie schreibt man einen Duden?

Vortrag von Prof. Mathilde Hennig in der Reihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics zum schwierigen Verhältnis zwischen sprachlicher Präskription und Deskription am Beispiel des Wörterbuchs der sprachlichen Zweifelsfälle

Bereits seit fünfzig Jahren gibt es das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. Die Grundlage für diesen Sprachratgeber bilden mehrere Hunderttausend Anfragen an die Duden-Sprachberatung. Über die Auskunftsfunktion hinaus ist er als lexikographische Sammlung sprachlicher Zweifelsfälle ein Fundstück für die Forschung, die sich mit grammatischer, orthografischer und stilistischer Variation beschäftigt. Prof. Mathilde Hennig (ZMI-Sektion 3: Educational Linguistics) durfte sich der spannenden Aufgabe annehmen, den Dudenband 9 als Herausgeberin und Autorin im Bereich Grammatik mitzugestalten. In ihrem Vortrag berichtet sie über die Ziele und die Schwierigkeiten, die auftauchen, wenn man ein Duden-Wörterbuch schreibt. Wie gelingt es, den Spagat zwischen Präskriptionsbedürfnis der Nutzer und wissenschaftlicher Fundiertheit der Angaben und Erläuterungen zusammen zu bringen? Auf Basis des Dudenkorpus, der 4 Milliarden Wortformen umfasst, wurden typische Zweifelsfälle der deutschen Sprache analysiert. Mit verständlichen Erklärungen, Systematisierungen und Übersichtsartikeln hält das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle sowohl Diskussionen linguistischer Fachfragen als auch Empfehlungen für den Nutzer bereit.

Prof. Mathilde Hennig studierte Deutsch als Fremdsprache, Anglistik und Russistik in Leipzig. Ihre Habilitation an der Universität Kassel verfasste sie zum Thema „Grammatik der gesprochenen Sprache in Geschichte und Gegenwart“. Seit 2009 hat sie die Professur für Deutsche Sprachwissenschaft mit den Schwerpunkten Sprachtheorie und Sprachbeschreibung an der JLU inne.

Der Vortrag von Mathilde Hennig war der letzte Teil der Vorlesungsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics im Sommersemester 2017. Er fand am Dienstag, 27. Juni 2017 statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 


Madgermanes

Buchpräsentation im Rahmen des Geschichtslesesommers 2017

In der DDR waren rund 20.000 Vertragsarbeiter aus Mosambik zwischen 1979 und 1991 beschäftigt. Ihr Aufenthalt, der bis auf vier Jahre befristet war, sollte ihnen vor allem eine Berufsausbildung ermöglichen, um nach ihrer Rückkehr zum Aufbau eines unabhängigen sozialistischen Mosambiks beitragen zu können. Die Realität sah jedoch gänzlich anders aus. Für ihre Ausbildung gab es keinerlei Verwendung. Die Comic-Autorin Birgit Weyhe hat mit ihrem Graphic Novel Madgermanes ein Stück deutsch-afrikanische Geschichte recherchiert und aufgearbeitet. Sie erzählt die hierzulande kaum bekannte Geschichte dieser Menschen. Durch subtiles Einfügen von Erinnerungsobjekten und allegorischen Motiven entstand ein Comic, der in seiner Bild- und Erzählsprache die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet.

Birgit Weyhe verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte Literatur, Geschichte und Illustration in Konstanz und Hamburg. Seitdem arbeitet sie als freie Illustratorin und Comic-Zeichnerin. Madgermanes wurde mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung 2015 und dem Max & Moritz Preis 2016 für das „beste deutschsprachige Comic“ ausgezeichnet.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Professur für Didaktik der Geschichte (Prof. Vadim Oswalt; ZMI-Sektion 2 - Medien und Didaktik) und des Literarischen Zentrums Gießen e.V. (Prof. Sascha Feuchert; Vorsitzender des LZG und ZMI-Sektion 4 - Medien und Geschichte). Im Rahmen des Geschichtslesesommers 2017 stellte Birgit Weyhe ihren Graphic Novel am 20. Juni 2017 vor. Moderiert wurde die Veranstaltung von Monika Rox-Helmer vom Historischen Institut der JLU und Anna-Lena Heid vom LZG.

Weitere Informationen zum Graphic Novel finden Sie hier, ein Interview mit der Autorin können Sie hier nachlesen sowie hier Hintergrundinformationen zu den Madgermanes in Maputo.

 


Zwischen Zuckerguss und simulierten Welten – Digitales Fremdsprachenlernen in Zeiten von Gamification, Serious Games und Commercial Off-The-Shelf Games

Vortrag von Prof. Torben Schmidt in der Reihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics 

Digitale Spiele erfreuen sich nicht nur als Unterhaltungsmedien großer Beliebtheit. Auch im Bereich des Lernens werden zunehmend spielerisch orientierte Produkte entwickelt. Dies trifft besonders auf den Bereich des Fremdsprachenlernens und hier speziell auf den Bereich des Mobile-Assisted Language Learning zu. Mit dieser spannenden Thematik beschäftigte sich Prof. Torben Schmidt in seinem Vortrag am 13.6.2017.

Welche Zugänge und Mechaniken werden genutzt, um diese Lernprogramme zu entwickeln und was bringen diese Ansätze für das Fremdsprachenlernen? Torben Schmidt stellte Möglichkeiten und Grenzen digitaler und spielerisch orientierter Zugänge für das Erlernen von Fremdsprachen vor. Ein Prüfkatalog zur Evaluation von spielerisch orientierten Sprachlernprogrammen stand im Zentrum des Vortrags sowie die Diskussion ausgewählter Analyseergebnisse von Fremdsprachenlernprogrammen. Nicht zuletzt gab Torben Schmidt Einblicke in die eigene App-Entwicklungspraxis und stellte zwei Prototypen vor.

Prof. Torben Schmidt ist Professor für Didaktik des Englischen am Institute of English Studies an der Leuphana Universität Lüneburg. Seine Forschungsinteressen liegen unter anderem im Bereich der empirischen Schul- und Unterrichtsforschung und dem Fremdsprachenlernen mit digitalen Kommunikations- und Distributionsmedien (Schwerpunkt Web 2.0 und Mündlichkeitsförderung). Von 2008 - 2011 war er Habilitationsstipendiat am ZMI im Rahmen des LOEWE-Projektverbunds Kulturtechniken und ihre Medialisierung an der JLU. Dann folgte der Ruf auf eine Professur an die Leuphana Universität Lüneburg. 

Der Vortrag von Torben Schmidt war Teil der Vorlesungsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics im Sommersemester 2017.

 


Rückschau: Die Autoritäre Welle im Westen III

Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland – Podiumsdiskussion mit Prof. Claus Leggewie, Dr. Justus Bender und Ali Can

 

Die letzte Veranstaltung der von Ludwig-Börne-Professor Claus Leggewie (ZMI) kuratierten Vortragsreihe „Die autoritäre Welle im Westen“ befasste sich mit dem Erstarken der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) und deren Hintergründe und Ziele. Dazu nahmen neben Prof. Leggewie auch der Journalist und Buchautor Dr. Bender (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und der Gießener Lehramtsstudent Ali Can (hotline-besorgte-buerger.de; interkulturell-leben.de) auf dem Podium Platz. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten der Universität Gießen, Prof. Joybrato Mukherjee. Er ging bei seiner Begrüßungsrede darauf ein, dass sich durch die AfD der politische Diskurs und die politische Diskussion insgesamt in Deutschland verändert hätten. Daraus resultiere die Aufgabe an die Universität, sich als Bildungsinstitution mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

 

Anknüpfend an diese durch den Präsidenten aufgezeigte Herausforderung stellte Prof. Leggewie das neue Buch von Dr. Bender Was will die AfD? vor. Die Publikation sei der Versuch eines ausgewiesenen Experten, sich fair mit dieser Partei auseinanderzusetzen. Dr. Bender legte zunächst deutliche Radikalisierungs- und Professionalisierungsentwicklungen innerhalb der Partei seit deren Gründung dar. So seien die früheren Themenschwerpunkte „Euro“ und „Griechenland“ durch einen Fokus auf „Flüchtlinge, Sicherheit und Muslime“ abgelöst worden. Außerdem habe sich das Personal der Partei durch eine bessere Finanzierung auch professionalisiert. Daran anschließend charakterisierte Dr. Bender die AfD als autoritär-völkische Partei, in deren Selbstverständnis keine republikanische, sondern eine ethnische Definition des Volksbegriffs Anwendung findet. Der Rekurs auf das Abendland sei indes nur als rhetorische Figur zu verstehen, da seitens der AfD vermehrt Angriffe auf Kirchen und kirchliche Institutionen wie das Kirchenasyl zu beobachten sind. Dies gelte ebenfalls für andere staatliche Institutionen, wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Als konkrete Handlungen einer potentiellen Regierungsarbeit der Partei machte Dr. Bender u.a. die Schließung von Koranschulen, die Stärkung des traditionellen Rollenverständnisses in Familien, eine defizitäre Steuerpolitik und einen weitgehenden Finanzierungsstopp für Genderstudien und ‚linke Milieus‘ aus. Mit Blick auf die Analyse der Wählerschaft der AfD bemerkte Dr. Bender, dass man das subjektive Gefühl des Abgehängtseiens von den in der Realität schwächer gestellten WählerInnen trennen müsse. Im Besonderen ging er hier auf die strukturschwachen und bei staatlichen Investitionen vernachlässigten ländlichen Gebiete und die Angst vor einem Kontroll- und Ordnungsverlust an sich als mögliche Ursachen ein. Prof. Leggewie schloss sich diesem Argument an und erweiterte es um eine globale Perspektive. So sei das steigende Problem des Stadt-Land-Gefälles mit abgehängten Regionen durch schlechte Infrastruktur und fehlende kulturelle Angebote weltweit zu beobachten. Die Agenda der AfD sei hierbei jedoch keine Hilfe, so Dr. Bender. Sie stelle vielmehr eine Abkehr von der repräsentativen Demokratie dar.

 

Lehramtsstudent Ali Can gründete 2016 den Verein Interkultureller Frieden e.V. und in diesem Rahmen auch die Hotline für besorgte Bürger, die sich als Gesprächsangebot an Menschen richtet, die Fragen rund um „Migration, Flüchtlinge, Migranten, Islam“ haben. In diesem Kontext entstand auch das Video, das Ali Can in der zweiten Hälfte der Veranstaltung zeigt. Der Ausschnitt zeigt ihn bei seinem Besuch einer Pegida-Kundgebung in Dresden, die vom WDR begleitet wurde (das Video finden Sie in voller Länge hier.) Ali Can hat sich zum Ziel gesetzt, zur Verbesserung der Kommunikation und des Miteinanders beizutragen. Er sieht dies als langen Prozess, zu dem er mit seinen Projekten einen Teil betragen will, damit festgefahrene Denkmuster und einseitige Sichtweisen durchbrochen werden können. In seinen Gesprächen im Rahmen der Hotline für besorgte Bürger seien die am meisten angesprochenen Themen Religion, Kultur und Integration gewesen. Auch hierbei sei die Argumentation über Zahlen und Fakten nicht immer zielführend, da Empfindungen wie Kontrollverlust und Ungerechtigkeit überwiegen würden.

 

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, ob die AfD auch ein Symptom einer in Deutschland offenen Identitätsfrage sei und inwiefern man diese Frage mit Rücksicht auf Unterschiede von Stadt zu Land diskutieren müsse.

Abschließend ging Prof. Leggewie noch auf den Ausgang der Wahlen in Frankreich ein und führte die Wahl Emmanuel Macrons als Chance für Europa und gegen den Populismus an.

 

Prof. Leggewie äußerte sich auch in einem Interview mit dem Deutschlandfunk zur aktuellen Lage der Populisten in Europa. Das Interview finden Sie in voller Länge hier.

Die Berichterstattung der Presse finden Sie hier (Gießener Allgemeine) und hier (Gießener Anzeiger).

 

Buchpräsentation von und mit Claus Leggewie und Erik Meyer: Global Pop: Das Buch zur Weltmusik

Anlässlich ihrer Publikation „Global Pop: Das Buch zur Weltmusik“ veranstalteten Claus Leggewie und Erik Meyer eine Buchvorstellung mit Diskussion zu politischen Aspekten globaler Popmusik an der JLU. Das Event fand am 06. Juni 2017 im Musiksaal der JLU statt.

Zum Buch: Die Publikation umfasst 44 Beiträge von 32 AutorInnen und dient als interdisziplinäres Kompendium zur gesamten Bandbreite des Themenbereichs „Weltmusik“. Analysiert werden historische und aktuelle Entwicklungen unter Einbeziehung (pop-)kultureller Globalisierungs- und Digitalisierungsphänomene und kulturwissenschaftlicher, sowie marktwirtschaftlicher Perspektiven darauf. Mit dieser interdisziplinären Mischung wurden die Herausgeber ihrem Anspruch gerecht, eine im deutschsprachigen Raum einmalige und neuartige Publikation zu konzipieren. Dabei wurde der Obertitel Global Pop bewusst gewählt, um so die globale Betrachtung der Thematik in den Fokus zu rücken und zugleich die gegenseitige Beeinflussung von lokalen und globalen musikalischen Strömungen und der Digitalisierung von Musik hervorzuheben.

Die Publikation ist seit Ende März im Handel erhältlich.

Ein Interview von Prof. Claus Leggwie zu dieser Publikation finden Sie hier.

 


Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert

Eine Podiumsdiskussion

Können nur JournalistInnen mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben? Diese Frage stellte Michael Martens im Kommentar „Für immer Türke“ in der FAZ, nachdem Deniz Yücel im Dezember letzten Jahres in der Türkei verhaftet wurde. Er entfachte damit eine Debatte über identitäre Fixierungen und fehlende Diversität im deutschen Journalismus.

Die Podiumsdiskussion Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert, die am 6. Juni 2017 im Senatssaal des Hauptgebäudes der JLU stattfand, griff diese Debatte auf, um genauer nach der Rolle der Herkunft in den deutschen Medien zu fragen. Die eingeladenen JournalistInnen, Doris Akrap, Miltiadis Oulios und Cigdem Toprak, diskutierten dabei nicht nur über die Bedeutung, die Herkunft für den beruflichen Zugang von JournalistInnen zu und ihre Stellung in deutschen Redaktionen besitzt. Sie debattierten ebenfalls über Stigmatisierungen, denen diese aufgrund ihrer Herkunft von Seiten des Publikums sowie innerhalb von Redaktionen und Medienhäusern ausgesetzt sind. Darüber hinaus fragten sie nach der Rolle, die Herkunft bei der Bestimmung von Zielgruppen, Formaten und Inhalten im journalistischen Alltag spielt.

Doris Akrap ist Redakteurin bei der taz und Mitbegründerin der Reihe Hate Poetry, in welcher JournalistInnen rassistische Leserbriefe vortrugen. Miltiadis Oulios ist Radiomoderator bei WDRcosmo und hat in diesem Rahmen die deutsch-griechische Radiosendung Radiopolis entwickelt. Mit seinem Buch Blackbox Abschiebung hat er einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Ausländer- und Asylpolitik in der Bundesrepublik geleistet. Cigdem Toprak war eine wichtige Stimme in der Debatte über den Artikel von Michael Martens und schreibt unter anderem für die ZEIT und FAZ. Die Podiumsdiskussion wurdr mit einem Grußwort des Präsidenten der JLU Prof. Joybrato Mukherjee eröffnet. Prof. Greta Olson, Mitglied in der ZMI-Sektion 1 (Macht - Medium – Gesellschaft), moderierte die Podiumsdiskussion. Sie ist außerdem Mitglied in der Forschungsgruppe Migration und Menschenrechte der JLU. An die Podiumsdiskussion schoss sich ein Empfang an, der die Möglichkeit zur weiteren Diskussion und zum Austausch gab.

Die drei JournalistInnen haben nach dem Grußwort des Präsidenten nicht nur äußerst kritisch über die Rolle der Herkunft im deutschen Journalismus sowie diesbezüglichen Entwicklungen, Neuerungen und Perspektiven diskutiert. Sie haben sich ebenfalls mit unterschiedlichen Medien von Zeitung über Radio bis hin zum Blog auseinandergesetzt. Die Vielfalt der angesprochenen Themen war dabei nicht zuletzt der Vielfalt ihrer Lebenswege und beruflichen Laufbahnen geschuldet. Beeindruckend waren auch die teilweise sehr persönlichen Schilderungen der Gäste. Sie gaben Einblicke in die Medienbranche, die in dieser Unmittelbarkeit ansonsten kaum möglich bzw. nicht zugänglich sind.

Die Veranstaltung wurde von den beiden Mitgliedern der ZMI-Sektion 4 (Medien und Geschichte) Prof. Bettina Severin-Barboutie (Migrationshistorikerin) und Dr. Eva Gajek (Medienhistorikerin) in Kooperation mit dem ZMI und dem Historischen Institut der Justus-Liebig Universität organisiert und fand in der Reihe Stimmen aus der Praxis der Fachjournalistik Geschichte statt.

Beide Gießener Tageszeitungen haben über die Veranstaltung berichtet:

 

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Das ZMI gratuliert: ORDNUNG – Ein theatrales Essay beim OUTNOW! Festival  in Bremen zu sehen

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Grafik: Maren Wiese

Nun wird auch in Bremen das Leben geordnet! Das ZMI freut sich zusammen mit Gesa Bering und Stephan Dorn über die Einladung zum OUTNOW! Internationales Performing Arts Festival in Bremen und gratuliert herzlich. Aus über 400 Bewerbungen aus ganz Europa wurde Ordnung zusammen mit 20 weiteren Inszenierungen für das Festival ausgewählt. Dieses findet vom 2.-6. Juni 2017 statt, Ordnung wird am 3. Juni von 22-23 Uhr in der Schwankhalle Bremen aufgeführt. Ordnungwurde unter anderem vom ZMI gefördert und feierte im November 2016 Premiere im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt.

 

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Grafik: Maren Wiese

Bering und Dorn setzen sich in ihrem theatralen Essay mit der Frage nach einer ganzheitlichen Ordnung auseinander. 

Ist es möglich, die Welt zu archivieren? Komplett und lückenlos? Kann man die gesamte Geschichte - nicht nur den Teil, den Gewinner geschrieben haben - vollumfassend nacherzählen? Sämtliche Phänomene, Ideologien, Philosophien, Religionen, alle Dinge, Wissenschaften und Künste zwischen zwei Buchdeckeln vollständig und endgültig bändigen? Alle Menschen, die gesamte Tier- und Pflanzenwelt?

Geht das?

- Ja.

Stephan Dorn hat genau dies getan. Sein Lebenswerk, das Buch „Ordnung“, ist perfekt. Es ist Lexikon, Ratgeber, Gebrauchsanweisung. Die Welt ist hiermit erklärt.

Fast.

Nur ein guter letzter Satz fehlt noch und natürlich ein Punkt.  Die Zuschauer sind herzlich dazu eingeladen diesem Punkt beizuwohnen.

 

Konzept, Regie, Performance und Text sind von Gesa Bering und Stephan Dorn entwickelt worden. Verantwortlich für die  Ausstattung ist Annatina Huwiler, für die technische Gestaltung Jost von Harleßem und für die Grafik und Animation Maren Wiese.
Gefördert wurde das Projekt vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft (JLU Gießen) in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und der Hessischen Theaterakademie (HTA) sowie dem ZMI, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, dem Kulturamt der Stadt Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft.

Weitere Informationen zum Festival sowie zur Aufführung finden Sie hier.  Einen Trailer des Festivals mit allen eingeladenen Produktionen finden Sie hier.

 

Präsentation Handbuch Komik von und mit Uwe Wirth sowie anschließende Lesung komischer Gedichte von und mit Christian Maintz

Cover Handbuch KomikDas von Uwe Wirth herausgegebene Interdisziplinäre Handbuch Komik wurde am 1. Juni 2017 im Caricatura Museum Frankfurt der Presse und am Abend in der Frankfurter Ausstellungshalle 1a der Öffentlichkeit präsentiert. Begleitet wurde die Buchvorstellung durch eine Lesung komischer Gedichte von und mit Christian Maintz. In dem im Metzler-Verlag erschienenen Handbuch haben 35 Autorinnen und Autoren aus 10 verschiedenen Disziplinen auf 400 Seiten alles zusammengetragen, was sich zurzeit über das Phänomen „Komik“ wissen lässt.

Neben Definitionen der Grundbegriffe, von Komik und Witz bis hin zu Dummheit und Groteske, sowie dem state of the art zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen gewinnen die LeserInnen einen kultur- und medienübergreifenden Einblick in die historischen Erscheinungsformen des Komischen. Neben den unterschiedlichen methodischen Zugängen zum Komischen – etwa den philosophischen, psychologischen, psychoanalytischen, anthropologischen und gesellschaftspolitischen – beschäftigt sich das Handbuch detailliert mit den medialen Formen des Komischen. Dazu gehören zum einen die verschiedenen Gattungen des Komischen. Zum anderen werden aber auch deren Medienformate berücksichtigt: Karikatur, Comic, Satirezeitschriften, Anthologien, Film, Funk und Internet.

Obwohl in den letzten 20 Jahren rund 1500 Publikationen im Feld der Komikforschung erschienen sind, handelt es sich bei dem jetzt von Uwe Wirth vorgelegten Interdisziplinären Handbuch Komik um das erste Handbuch zum Thema überhaupt. Des Weiteren zeichnet sich das Handbuch durch die Vielzahl von Beitragenden aus, die sich nicht allein durch einen universitären Fokus mit dem Komischen beschäftigen, sondern selbst ganz praktische Erfahrung in der Komikproduktion haben. Dazu gehört unter anderem Christian Maintz, der die Veranstaltung mit einer Lesung von eigenen komischen Gedichten abschloss.

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Uwe Wirth präsentiert das Handbuch Komik in Frankfurt

Weitere Informationen: Wirth, Uwe (Hrsg.), Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart: J.B. Metzler, 2017.

 

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Talk to teach? Wie verändert sich die Lehrersprache von der Grundschule bis zur Oberstufe?

Vortrag von Katrin Kleinschmidt in der Reihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

Programm EL SoSe17Welche Merkmale muss die Unterrichtssprache haben, damit SchülerInnen erfolgreich am Unterrichtsdiskurs teilnehmen können? Katrin Kleinschmidt diskutierte in ihrem Vortrag ihre These, dass allen Konzepten zu Unterrichtssprache Strukturen und Ausdrucksformen der konzeptionellen Schriftlichkeit zugrunde liegen. In den Blickpunkt rückte sie dabei, wie sich die an die SchülerInnen gerichtete Sprache von der Grundschule über die Unter- und Mittelstufe bis hin zur Oberstufe des Gymnasiums verändert und dabei tendenziell immer mehr zu einer konzeptionellen Schriftlichkeit hinführt. Welche interaktionalen Stützmechanismen setzen Lehrpersonen ein, die der Förderung dieser konzeptionellen Schriftlichkeit dienen? Welche Einflussfaktoren wirken sich positiv auf den Erwerb der Unterrichtssprache durch die SchülerInnen aus?  Diese und weitere Fragen wurden im Anschluss diskutiert.

Der Vortrag von Katrin Kleinschmidt bildete den Auftakt der Vorlesungsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics im Sommersemester 2017. Informationen zu den beiden folgenden Vorträgen finden Sie hier.

 

1917 – der wahre Oktober

Stimmen aus der Praxis präsentiert: Workshop, Filmvorführung und Diskussion mit der Filmemacherin Katrin Rothe

Stimmen aus der PraxisDas ZMI und die Fachjournalisitik Geschichte luden in ihrer gemeinsamen Reihe Stimmen aus der Praxis zum Workshop und zur Filmvorführung mit anschließender Diskussion mit der freiberuflichen Trickfilmerin und Regisseurin Katrin Rothe ein. Sie studierte Experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule der Künste Berlin und am CSM London. Sie verbindet Trickfilm mit anderen Formaten. Ihre Filme sind stets gut recherchiert und nah am Menschen.
Am 18. Mai 2017 fand um 16 Uhr im Philosophikum I, Raum C214, ein Workshop über ihren früheren Film Betongold - wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam (2013) statt, der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.
Um 18:30 Uhr zeigte das Kinocenter Gießen die russische Revolution als Doku-Trickfilm 1917 – der wahre Oktober: St. Petersburg 1917. Die Weltkriegsfront rückt täglich näher, man hungert, bangt, wütet. Im Februar wird der Zar gestürzt. Auch viele Künstler sind euphorisch: Revolution! Freiheit! Endlich Frieden? Nein. Ab Oktober herrschen allein die Bolschewiki. Was taten Dichter, Denker, Avantgardisten wie Maxim Gorki und Kasimir Malewitsch während dieser radikalen Gewaltenwechsel? Fünf von ihnen entsteigen im Film als animierte Legetrickfiguren den Bücherstapeln der Filmemacherin.
Basierend auf Recherchen in teils bisher unbekanntem Quellenmaterial, in Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken der Trickfilm-Protagonisten wird eine  multiperspektivische Befragung dessen, was heute weithin als „Die Oktoberrevolution“ bekannt ist, unternommen.

 

 

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Fake-News & Bots: Politik ohne Medienkompetenz

Öffentlicher Vortrag von Katharina Nocun im Rahmen von Literalität – interdisziplinär: Workshop des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM)

Im Weißen Haus werden „Alternative Fakten“ präsentiert. In Deutschland verbreiten Rechtsradikale auf ihren Facebook-Seiten Lügen über Geflüchtete. „Bots“ sollen in sozialen Netzwerken den Wahlkampf beeinflussen, so die Befürchtung. Die Bundesregierung will nun Facebook zum Hilfssheriff gegen Hass-Posts machen – doch ist uns damit wirklich geholfen? Oder machen wir damit den Bock endgültig zum Gärtner?


Katharina Nocun ist Autorin, Bürgerrechtlerin und  Netzaktivistin. Edward Snowden bedankte sich persönlich für die von ihr geleitete Kampagne Asyl für Snowden. Sie ist Beirat im Whistleblower-Netzwerk e.V. und klagt gegen mehrere Überwachungsgesetze vor dem Bundesverfassungsgericht. Sie leitet derzeit die Kampagne der Volksinitiative gegen CETA in Schleswig-Holstein. Katharina Nocun war 2013 zur politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland gewählt. Sie war Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten im Jahr 2017.

Der öffentliche Vortrag sollte Teil des internen Workshops des Forschungschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft sein, der am 18. und 19. Mai stattfand und thematisch an die erste interne Tagung von LBM  im November 2016 auf Schloss Rauischholzhausen anknüpfte.

Leider musste die Veranstaltung abgesagt werden, da Katharina Nocun am 18.05.2017 bei Maybritt Illner zu Gast war.


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Wahrheit vs. Lüge in postfaktischen Zeiten

Diskussionsabend mit Sascha Feuchert in der KHG

Was ist Lüge und was ist Wahrheit? In postfaktischen Zeiten herrscht in dieser Hinsicht große Verunsicherung. Gefühlen und Spekulationen wird oft mehr geglaubt als Tatsachen. Das ist verführerisch, aber vor allem gefährlich. Über die aktuelle Problematik des Umgangs mit Wahrheit (Fakten) und Lüge (Fake News) in Öffentlichkeit, Politik, Literatur, Presse und sozialen Netzwerken wurde in der Katholischen Hochschulgemeinde diskutiert. Dabei ging es auch um die Frage, wie es um die freie Meinungsäußerung bestellt ist. Diskussionspartner war Hon.-Prof. Sascha Feuchert, Mitglied der Sektion 4 (Medien und Geschichte) des ZMI. Er ist Literaturwissenschaftler an der JLU und Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur. Sascha Feuchert ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und dort seit 2012 Vizepräsident sowie Beauftragter für Writers in Prison.

 

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Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto

Buchvorstellung und Lesung im Rathaus Gießen

jurandot.text.image0Im März 2017 ist die Komödie Die Liebe sucht eine Wohnung. Eine Komödie aus dem Warschauer Getto von Jerzy Jurandot in der gemeinsamen Schriftenreihe der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL) und der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur im Metropol Verlag erschienen.

Sie wurde im Januar 1942 im Femina-Theater im Warschauer Getto uraufgeführt. Jurandot, der literarische Leiter des Theaters, hatte dieses Stück auf Polnisch im Getto verfasst. Durch einen unglücklichen Zufall müssen sich zwei frisch verheiratete Paare ein Zimmer teilen. Es entspinnt sich vor dem immer wieder durchscheinenden Getto-Alltag eine Überkreuz-Beziehung zwischen den Ehepartnern. Jurandot führt in flotten Dialogen, satirischen Liedern und mit manchen Verwicklungen dem Publikum eine letztlich perspektivlose Liebe und Heiterkeit vor.

Nun ist das Stück erstmals auf Deutsch erschienen, herausgegeben von Dr. Markus Roth (Sektion 4 Medien und Geschichte) und David Safier, ergänzt um einen Aufsatz von Andrea Löw über Liebe und Humor sowie von Markus Roth über Theater im Warschauer Getto und über die beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler. David Safier hat zudem ein Vorwort zu dem Band geschrieben.

Die Vorstellung des Buchs und die Lesung mit David Safier (Drehbuchautor und Schriftsteller, u.a. Mieses Karma) ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und des Literarischen Zentrums Gießen (LZG), mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt der Stadt Gießen. Sie fand am 9. Mai 2017 im Hermann-Levi-Saal im Rathaus Gießen statt.

 

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Die autoritäre Welle im Westen geht in die zweite Runde

Prof. Claus Leggewie spricht über ‚Die leere Mitte‘ gegen Marine Le Pen

Frankreich zwischen zwei Wahlgängen war Anlass genug, um die Vortragsreihe Die autoritäre Welle im Westen. USA, Frankreich, Deutschland. Wie stark ist der Nationalismus? fortzusetzen. Am 3. Mai 2017 beschäftigte sich Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur des ZMI, JLU Gießen) mit der Präsidentschaftswahl in Frankreich, bei der es ganz direkt auch um die EU und Frankreichs Beziehungen zu Deutschland ging. Vorab waren große Befürchtungen laut geworden, die autoritäre Welle würde auch Frankreich überrollen. Mit dem Teilerfolg von Emmanuel Macron war nur scheinbar alles in Ordnung: Die Probleme dürften am Tag nach der Stichwahl am 8. Mai erst richtig anfangen. Leggewie stellte die Wahl 2017 in den zeitgeschichtlichen Kontext und beschrieb die schwierige Ausgangslage eines alternativen Politikmodus.

 

 

 

 

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100 Tage Trump – Die Bilanz der Bilanz



 

Wie bilanziert man die ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump und ist dies die Aufgabe der Universität? Unbedingt! Dieser Auffassung waren zumindest die DiskutantInnen der von dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) und dem Institut für Politikwissenschaft (JLU) veranstalteten Podiumsdiskussion 100 Tage Trump am 28. April 2017. Die Podiumsdiskussion in der Aula des Universitätshauptgebäudes war sehr gut besucht und bot einen guten Anschluss an die viel gelobten Veranstaltungen zur US‑Wahlnacht und zum Brexit, die ebenfalls in Zusammenarbeit des ZMI und des Instituts für Politikwissenschaft organisiert wurden. So begrüßte  Prof. Dr. Christine Wiezorek (Studiendekanin des Fachbereichs für Sozial- und Kulturwissenschaften) die ZuhörerInnen und DiskutantInnen und betonte die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Begleitung tagespolitischer Ereignisse. Sie ging auf die Aufgabe der Wissenschaft, sich öffentlich zu positionieren und sich eine Haltung anzueignen ein und erklärte ihre Freude über die so zahlreich erschienenen ZuhörerInnen.

Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Abendschön (Professur für Methoden der Politikwissenschaft, JLU), die zu Beginn die drei einleitenden Fragen stellte: Wie fällt die Bilanz der ersten 100 Tage von Donald Trumps Amtszeit aus? Wie beurteilen die DiskutantInnen den Ausblick auf die weitere Amtszeit? Was haben wir innen- sowie außenpolitisch von Donald Trump zu erwarten? Eingeladen um diese Fragen zu diskutieren waren ProfessorInnen aus Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft und Japanologie sowie ein Vertreter der Presse.

Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) sprach aus der Rolle des kritisch-analytischen Journalisten und ging als solcher auf das gespannte Verhältnis Trumps zu den Medien ein. Im Besonderen thematisierte er die Verunglimpfung der Medien als ‚Lügenpresse‘, die Nutzung von fake news im Wahlkampf und die Ausgrenzung der freien Presse von Berichterstattungen im Weißen Haus. In diesem Zusammenhang betonte er jedoch auch den Willen der Medien, kritisch zu bleiben und die gesteigerten Auflagen führender amerikanischer Zeitungen wie der New York Times oder der Washington Post. Außerdem ging er auf Trumps, in seinen Augen „Katastrophenbilanz“ ein und nannte als Beispiele die gescheiterte Steuerreform und die Abschaffung von Obamacare. Im weiteren Verlauf spannte er den Bogen zu dem globalen Phänomen des Aufstrebens von Rechtspopulisten und lenkte den Blick auf die Frage, ob Trump Symptom oder Wirkung dieses Phänomens sei. Andreas Schwarzkopf identifizierte den Sieg Trumps als Niederlage der etablierten Parteien, die seiner Ansicht nach keine ausreichenden Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gefunden haben. Abschließend spannte er den Bogen zu dem militärischen Schutz, den die USA für Europa und Deutschland lange boten und argumentierte hier, dass die EU zukünftig bereit und in der Lage sein müsse, sich militärisch selbst zu verteidigen, da man sich nun nicht mehr zurücklehnen und auf die Hilfe der USA vertrauen könne.

Prof. Verena Blechinger-Talcott (Professur für Japanologie, Freie Universität Berlin) ging auf das Verhältnis der USA zu den Ländern Asiens ein und betonte hier die großen Unsicherheiten, die sich aus Trumps unklarem politischem Kurs ergäben. So sei die japanische Regierung sehr besorgt über die Äußerungen Trumps im Wahlkampf und erst seit einem Staatsbesuch nach der Wahl beruhige sich die Lage etwas. Die Situation sei jedoch auch für die Regierung der USA problematisch, da es dort keinen Experten für Asienpolitik gäbe und Südkorea und Japan die beiden entscheidenden Bündnispartner der USA in Asien seien. Im Gegensatz dazu stehen jedoch die Wichtigkeit Asiens in handels- und sicherheitspolitischen Fragen und die Möglichkeiten die sich dort für Trump böten, Asien als Bühne für sich zu nutzen. Als Ausblick betonte Prof. Blechinger-Talcott die immer wichtiger werdende Rolle Chinas in der Weltpolitik.

Prof. Helmut Breitmeier (Professur für internationale Beziehungen, JLU) ging ebenfalls auf das Fehlen außenpolitischer Konzepte und Strategien der Regierung Trump ein und bezeichnete die USA in diesem Zusammenhang als „Weltmacht im Abstieg“, da die Probleme der Vorgängerregierung geblieben und lediglich durch neue Probleme ergänzt worden sein. Als zukünftig relevante politische Probleme identifizierte er unter anderem den Umweltschutz und die Armutsbekämpfung. Auch Prof. Breitmeier argumentierte für ein neues europäisches Sicherheitskonzept, da man sich in Europa zu lange allein auf die Hilfe der USA verlassen habe.

Prof. Dr. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur, ZMI/JLU) beschrieb Trumps ideologische Grundlagen als faschistoid und autoritär. Er ging auf die Gefahren für die amerikanische Demokratie und die Normen und Werte des Westens ein und erklärte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Widerstands der Zivilgesellschaft. Weiterhin ordnete er Trumps Handlungen in verschiedene Typen ein: Als Erstes beschrieb er ‚Trump the American‘ als äußerst liberalen, sozialkonservativen und religiösen Politiker. Es folgte ‚Trump the European‘ mit Elementen des europäischen Faschismus und dessen völkisch-autoritärem Denken. Danach beschrieb er ‚Trump the Anti-European‘ als Demonstrationseffekt auf einen Paradigmenwechsel von „links-liberaler Modernität zu einem völkisch-autoritären Nationalismus“. Als letzten Typ zeichnete er ‚Trump als Quasi-Europäer‘, der die Medialisierung der Politik im Stile eines Silvio Berlosconi einerseits wie ein Unterhaltungskünstler ausreizte, andererseits aber auch Politik und Medien zueinander in Opposition stellte. Prof. Leggewie argumentierte, der Sieg Trumps sei nicht nur über soziale Fragen, sondern auch über einen tief verwurzelten Hass auf kulturelle Diversität möglich geworden. Europa, so forderte er, solle Trump nicht nur belächeln, sondern eigene Antworten auf die Fragen der Gegenwart finden und so zum Hort der kulturell-westlichen Werte in der Welt werden.

Prof. Greta Olson (Professur für English and American Literature and Cultural Studies, JLU) ging auf den Widerstand der Justiz im Fall des Einreiseverbots für Menschen aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ein und lobte in diesem Zusammenhang die „robuste amerikanische Verfassung“. Außerdem beschrieb sie die starke Zunahme von Kriminalität gegenüber MuslimInnen und der Benachteiligung von Frauen, Queers und schwarze AmerikanerInnen. Als positive Effekte bezeichnete sie die politisierende Wirkung  einer so kontroversen Regierung und Demonstrationen wie den Womens March.

Prof. Dorothée de Nève (Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/ Vergleich politischer Systeme, Stellvertretende Direktorin ZMI, JLU) ging auf die Bezüge der politischen Ereignisse in den USA zu europäischer und deutscher Politik ein.  Besonders die Tendenzen zur vorschreitenden Spaltung der Gesellschaft sein hier zu thematisieren. Prof. de Nève beschrieb eine zunehmende Tendenz zum Antiamerikanismus, der quer durch alle politischen Lager zu beobachten sei. Außerdem wie sie auch auf die Formen des Widerstands gegen Trumps Regierung hin, die teils auch in Europa aufgenommen werden würden. Im weiteren Verlauf ging sie auf die Bedeutung von Verhaltenskonsolidierung der BürgerInnen als Ergänzung zu stabilen politischen Verfassungen ein. Hier seien demokratische Grundhaltungen und „Anstand“ bei politischen Eliten, wie bei den BürgerInnen von essentieller Bedeutung. Andernfalls drohe das demokratische politische System schnell Risse zu bekommen, welche auch das menschliche Miteinander angreifen könnten. Zusätzlich ging Prof. de Nève auf die gesellschaftliche Anschlussmöglichkeit der politischen Agenda von Trump in Deutschland ein. So sei die Zustimmung für eine bestimmte Agenda größer als die Zustimmungsraten für bestimmte Parteien. Abschließend ging sie auf die politischen Prozesse ein, die ein Emporkommen von Donald Trump überhaupt erst möglich machen, und dass man diese genau untersuchen müsse um dies zukünftig zu verhindern.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden vor allem Thematiken wie die Legitimationskrise der westlichen Demokratien und die Möglichkeiten und Risiken der direkten Demokratie angesprochen. Außerdem wurden Fragen nach den potentiellen Gründen für die Wahl Donald Trumps aufgeworfen und Bezüge zu den in Europa anstehenden Wahlen erfragt.

Den Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung finden Sie hier. Das ZMI möchte diese Gelegenheit nochmals nutzen um sich für die freundliche Unterstützung des Hochschulrechenzentrums der JLU herzlich zu bedankten.

Über die Veranstaltung wurde außerdem durch die Gießener Allgemeine (den Bericht finden Sie hier) und durch den Gießener Anzeiger (den Bericht finden Sie hier) berichtet.

(Ina Daßbach, 11.05.2017)

 

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March for Science

Weltweit demonstrierten am 22. April 2017 in über 600 Städten Zehntausende für den Wert der Wissenschaft und faktenbasierte Politik. In mehr als 20 deutschen Städten nahmen TeilnehmerInnen an Demonstrationen des Science March teil.
In Frankfurt am Main nahm neben Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Brigitta Wolf und dem Präsidenten der der Hochschule für angewandte Wissenschaft Prof. Frank Dievernich auch der Präsident der JLU und Sprecher der Konferenz Hessischer Universitäten (KHU) Prof. Joybrato Mukherjee teil. „In Zeiten, in denen die Unterscheidung zwischen Fakten und der Interpretation von Fakten verloren zu gehen droht und damit der Kern der Wissenschaft in Gefahr ist, gilt es, die Wissenschaft als ein hohes Gut zu schützen“, betonte Prof. Mukherjee am Freitag, 21. April als die KHU in ihrer Sitzung zur Beteiligung an den Demonstrationen aufgerufen hat. „Wissenschaftliche Erkenntnisse können nur in einem offenen, freien und internationalen Diskurs gewonnen werden. In einer global vernetzten Wissenschaftsgemeinde gilt: Wenn in anderen Ländern die Wissenschaftsfreiheit bedroht ist, geht uns das auch in Hessen unmittelbar an“, fügte Prof. Mukherjee auch im Namen der vier anderen Universitätspräsidentinnen und -präsidenten (Prof. Hans Jürgen Prömel (Technische Universität Darmstadt), Prof. Birgitta Wolf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Reiner Finkeldey (Universität Kassel), Prof. Katharina Krause (Philipps-Universität Marburg) hinzu .

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Die ZMI-Delegation vor der ungarischen Botschaft Unter den Linden.

In Berlin liefen Mitglieder des ZMI mit dem Slogan „Wer Wissen verhindert, schaf(f)t Angst.“ von der Humboldt-Universität über den Boulevard Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor und nahmen am dortigen Science March teil. Vor der ungarischen Botschaft demonstrierte die ZMI-Delegation ihre Solidarität mit der Central European University (CEU), die aufgrund eines Gesetzes der Orbàn-Regierung von der Schließung bedroht ist. Neben der Streichung der Gelder für unabhängige Wissenschaft in den USA ist dies ein weiterer eklatanter Fall des Angriffs auf die freie Wissenschaft, wie sie aktuell in vielen Ländern zu beobachten ist und die der Grund für den Science Marchist.

Weitere Informationen zum March for Science finden Sie hier.

 

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 Wintersemester 2016/2017



Der fliegende Teppich. Eine Diagnose der Moderne

Buchpremiere: Gert Scobel liest aus seinem neuen Buch im Literaturhaus Frankfurt

„Die Moderne macht schwindelig. Sie ist verwirrend, vielfältig, widersprüchlich und komplex. Vor allem zeigt sie, dass es keinen festen Boden unter den Füßen gibt.“ So schreibt Gert Scobel, Mitglied des ZMI-Beirats, in seinem neuen Buch Der fliegende Teppich und unternimmt nicht weniger als eine Diagnose unserer modernen Welt, ihrer Charakteristiken und Probleme. Eine ebenso überraschende wie augenöffnende Analyse. Anhand des Bildes eines fliegenden Teppichs veranschaulicht Scobel in klaren Worten die Lage. Seine Themen reichen dabei vom Begründungsproblem in den Wissenschaften über die Frage nach dem, was wirklich ist, vom Zustand unserer Gesellschaft bis hin zur Kraft der Imagination. „Denn alles hängt daran, fliegen und auf dem Teppich bleiben zu können.“ (Scobel – Der fliegende Teppich)

Im Frankfurter Literaturhaus wird Der fliegende Teppich am 3. April 2017 mit einer Lesung Premiere feiern.  Eintrittskarten (9 Euro/ Ermäßigt 6 Euro) für die Veranstaltung können Sie auch hier online beim Literaturhaus Frankfurt erwerben. Karten vom 30.01.2017 behalten ihre Gültigkeit. 

Gert Scobel ist einer der renommiertesten Wissenschaftsjournalisten und bekannt aus der Fernsehsendung scobel. Er studierte Philosophie und Theologie an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main und an der University of California in Berkeley. Scobel verantwortete und moderierte zahlreiche Fernsehsendungen, unter anderem die 3sat-Sendung Kulturzeit und das Magazin delta, das vom Wissensmagazin scobel abgelöst wurde. Außerdem hatte er mehrfach Lehraufträge, u.a. an der University of San Francisco und ist seit 2016 Professor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Weitere Informationen zur Lesung finden Sie hier.

 

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Writing Symposium 2017 

Supporting L2 Writing in Higher Education und GAL Research School

Prof. Susanne Göpferich (Sektion 3 Educational Linguistics) und das ZfbK veranstalten in Kooperation mit dem ZMI am 6. und 7. April 2017 das Writing Symposium 2017, das ein vielfältiges Programm mit 25 Vorträgen, zwei Workshops und Keynote Lectures bietet.

 

Unmittelbar davor, vom 3. bis 5. April, findet die GAL Research School zu „Prozessorientierten Forschungs-methoden in der Translationswissenschaft und L2-Schreibforschung“ für Nachwuchswissen-schaftlerInnen statt.

Lesen Sie weitere Informationen zu beiden Events auf der Seite von Sektion 3 (Educational Linguistics).

 

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Europas Feinde

Ludwig Börne-Professor Claus Leggewie in der Tele-Akademie des SWR

Mit welchen internen und externen Problemen hat die Europäische Union zu kämpfen? Wie reagiert der Kontinent auf die aktuellen Herausforderungen? Wie kann die Zukunft Europas aussehen? Diesen Fragen stellen sich im Rahmen des Themenschwerpunktes Europa der Teleakademie des SWR namhafte Wissenschaftler verschiedener Disziplinen.

Einer von ihnen ist Ludwig Börne-Professor Claus Leggewie, der in der Sendung „Europas Feinde“ insbesondere auf die Fragilität der Europäischen Union eingeht. Diese führt er nicht allein auf die politische Zerstrittenheit der Mitgliedsstaaten, eine überbordende Demokratie und ökonomische Schwächen zurück. Er verweist auch auf internationale Gegenspieler wie die Russische Föderation und die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus, welche die Schwäche Europas als ihren Vorteil erkennen. Die 45-minütige Aufzeichnung ist in der ARD-Mediathek verfügbar.

 

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Wie wollen wir leben - Die offene Gesellschaft

Bericht zum 3. Zukunftsrat – Mobilität und Verkehr

Im Foyer des Stadttheaters fand am Sonntag, den 12. März 2017 der dritte Gießener Zukunftsrat statt. Der Zukunftsrat gehört zur bundesweiten Diskussionsreihe Wie wollen wir leben – Die offene Gesellschaft und soll den Bürgerdialog fördern. In Gießen wird er durch Prof. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur,  JLU/ZMI) in Kooperation mit dem Stadttheater veranstaltet. Der dritte Gießener Zukunftsrat befasste sich mit dem wichtigen und zukunftsweisenden Themengebiet Verkehr und Mobilität. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Leggewie und Behzad Borhani vom Stadttheater.

 

Dass dieses Thema den GießenerInnen offenbar unter den Nägeln brennt, merkte man deutlich an der großen Resonanz der Veranstaltung. Gekommen waren BürgerInnen aller Altersklassen, sowohl aus der Stadt wie auch aus dem angrenzenden Umland. Als Impulsgeber für die Diskussion fungierten Bürgermeisterin Weigel-Greilich, Dr. André Kavai (Geschäftsführer des RMV), Prof. Dr.-Ing. Frank Lademann (Leitung Studiengang Bahningenieur THM), Luca Manns (stellv. Stadtschulsprecher), Roland Meuschke (Bahnhofsmanager Gießen) und Prof. Dr.-Ing. Hartmut H. Topp (Institut für Mobilität & Verkehr - imove TU Kaiserslautern).

 

Zur Einleitung in den Abend formulierte Claus Leggewie vier generelle Thesen zum Thema Mobilität: Erstens sei Mobilität ein Grundrecht, zweitens müsse sie nachhaltig ausgestaltet werden, drittens bestehe noch erheblicher Verbesserungsbedarf und viertens müssten alle VerkehrsteilnehmerInnen individuell Verantwortung für ihre Verkehrsnutzung übernehmen. Danach folge ein kurzer Film, der einige wissenswerte Fakten zum Thema Mobilität in Gießen lieferte. Im Anschluss erklärte Dr. Kavai, dass Gießen ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in Hessen sei und die Strecke Gießen-Frankfurt die höchste Auslastung im gesamten RMV-Gebiet aufweise. Die geplanten und teils begonnenen Ausbauten dieses Abschnitts würden zur zukünftigen Entlastung stark betragen. Außerdem wies er darauf hin, dass ein Erreichen der Klimaziele in Hessen ohne einen Ausbau des ÖPNV und eine intelligente Vernetzung der Mobilität nicht zu erreichen sei.

 

Ein Schwerpunkt des Abends war die Anbindung des Umlands an die Stadt Gießen. Einige Bahnlinien, z.B. die Lumdatalbahn, sind vor Jahren stillgelegt worden. Dies, so herrschte bei den Anwesenden breiter Konsens, sollte dringend rückgängig gemacht werden, um eine Verlagerung weg vom Individualverkehr mittels PKW hin zu einer verstärkten Nutzung und Nutzbarkeit des ÖPNV zu erreichen. Darüber hinaus bestehe auch beim Busverkehr erheblicher Nachholbedarf. Dies sind nur einige wenige von sehr vielen Maßnahmen zur Reduzierung des Autoaufkommens in der Stadt, die in der Diskussion gefordert wurden. Diese Forderung ging immer wieder auch einher mit dem Wunsch nach einem sicherer und attraktiver gestaltetem Fuß- und Fahrradverkehr in der Stadt.

 

Abschließend hielten Prof. Leggewie, Behzad Borhani und die Intendantin des Stadttheaters, Cathérine Miville fest, dass es erforderlich sei, das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken und zu verändern und politisch neue Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen und zukunftsträchtigen Verkehr zu schaffen. 

 

Die Dokumentation der Veranstaltung erfolgte durch ein Graphic Recording von Janina Röhrig:

 

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© Stadttheater Gießen / Janina Röhrig

 

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© Stadttheater Gießen / Janina Röhrig

 

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Wie wollen wir leben - Die offene Gesellschaft geht in die nächste Runde

Verkehr und Mobilität

Der Gießener Zukunftsrat – ein Ratschlag über die Zukunft unserer Stadt im Rahmen einer bundesweiten Diskussionsreihe – ging in die dritte Runde und drehte sich diesmal um das Themengebiet Verkehr und Mobilität. Hierzu gaben Experten  der Stadt, der THM, der Bahn, aus Schulen und Fachpersonen aus vergleichbaren Städten kurze Impulse, um mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Das Ziel war es gemeinsam innovative Lösungen für eine nachhaltige und bezahlbare Mobilität in Gießen zu finden.

Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur,  JLU/ZMI Gießen) und Behzad Borhani (Stadttheater Gießen). Als Experten nahmen Gerda Weigel-Greilich (Bürgermeisterin der Stadt Gießen), Prof. Dr.-Ing. Frank Lademann (Leitung Studiengang Bahningenieur THM), Luca Manns (stellv. Stadtschulsprecher), Roland Meuschke (Bahnhofsmanager Gießen) und Prof. Dr.-Ing. Hartmut H. Topp (Institut für Mobilität & Verkeher - imove TU Kaiserslautern) teil.

Die Veranstaltung fand am Sonntag, 12.03.2017 im Foyer des Stadttheaters Gießen statt.

 

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Grenzen in den Lebenswegen von Frauen - Veranstaltung zum Internationalen Frauentag 2017

Zum jährlichen Internationalen Frauentag soll von nun an eine kooperative Veranstaltung des Büros der Zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und des Akademischen Auslandsamtes der JLU Gießen zum festen Bestandteil des universitären Veranstaltungskalenders werden. Der Auftakt in diesem Jahr wurde in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen ausgerichtet.

Im Fokus der Veranstaltung am 08. März 2017 stand das Thema Grenzen in den Lebenswegen von Frauen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ulrike Weckel, Sprecherin der ZMI Sektion 4 (Medien und Geschichte). Das vielfältige Programm mit Vortrag, Film, Lesung und Gesprächsrunde fand in der Aula des Uni-Hauptgebäudes statt.

Im Blickpunkt standen Biographien von Frauen, deren Lebenswege von Einschränkungen durch Grenzen und deren Überwindung geprägt waren und sind. Es wurde beleuchtet, wie politische und institutionelle Grenzen in historischer und tagesaktueller Perspektive über Teilhabe und Ausschluss entschieden haben und noch immer entscheiden sowie mit welchen individuellen Möglichkeiten der Lebensgestaltung damit umgegangen wurde und wird. Vor allem aber wurde anhand der exemplarischen Biographien diskutiert, ob bzw. wie Grenzen in besonderer Weise die Leben von Frauen beeinträchtigt und herausgefordert haben – und inwiefern sie dies noch heute tun.

Detaillierte Informationen zu Programm, Zeit und Ort können Sie dem Flyer entnehmen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

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Nationalität: Staatenlos. Die Geschichte der Selbstfindung eines Kindertransportkindes

Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur präsentiert: Buchvorstellung und ZDF-Verfilmung zu Ruth Barnetts Buch

Als Vierjährige gelangte Ruth Barnett 1939 mit ihrem Bruder in einem Kindertransport nach Großbritannien. Der jüdische Vater entkam nach Shanghai, während die nicht-jüdische Mutter in Deutschland blieb. Erst zehn Jahre später sah Barnett ihre Eltern wieder.

 

Unter dem Titel Person of No Nationality. A Story of Childhood Loss and Recovery erschienen Barnetts Erinnerungen an ihre Kindheit bereits 2009 in England. Anschaulich erzählt sie darin von ihrer schwierigen Existenz als heimat- und staatenloses Mädchen in der Fremde, von ihren Jahren in Heimen und Pflegefamilien.

Anfang Dezember 2016 ist das Buch erstmals in deutscher Übersetzung in der gemeinsamen Schriftenreihe der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur „Studien und Materialen zur Holocaust- und Lagerliteratur“ unter dem Titel Nationalität: Staatenlos. Die Geschichte der Selbstfindung eines Kindertransportkindes im Metropol-Verlag erschienen.

Ruth Barnett stellte am 13. Februar 2017 in einer Gemeinschaftsveranstaltung des Vereins Criminalium e. V. und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur ihr Buch vor. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Startseite der Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

Des Weiteren zeigte das ZDF am 30. Januar und 1. Februar 2017, jeweils um 20.15 Uhr, den Zweiteiler Landgericht, der auf dem preisgekrönten Roman Landgericht von Ursula Krechel und den Erinnerungen Ruth Barnetts basiert. Im Anschluss an den zweiten Teil sendete das ZDF am 1. Februar zudem eine Dokumentation, in der die historische Geschichte der Familie geschildert wird und in der u.a. Ruth Barnett über ihre Kindheitserlebnisse als Kindertransportkind berichtet.

Der Spiegel bespricht den Film ausführlich unter dem Titel „Schöne Tage in Havanna“ in der Ausgabe 4/2017 vom 21.01.2017.

Weitere Informationen zum Film sowie ein Interview mit Ruth Barnett finden Sie auf der Seite des ZDF.

 

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Erfindung Europa – In welchem Europa wollen wir leben?

Thementage vom 10. bis 12. Februar 2017 im Schauspiel Frankfurt

Die Thementage im Schauspiel Frankfurt  befassten sich in diesem Jahr mit Ideen und Forderungen für Europa, die von namhaften DenkerInnen, PolitikerInnen und AktivistInnen formuliert und zur Diskussion gestellt wurden. Zu diesen Personen zählten u. a. Jakob Augstein, Daniel Cohn-Bendit, Pablo Bustinudy, Michel Friedman, Ulrike Guérot, Axel Honneth, Srećko Horvat, Navid Kermani, Frédéric Lordon, Chantal Mouffe, Guillaume Paoli, Martin Roth und Adrian Zandberg.

Mit dabei war Ludwig Börne-Professor Claus Leggewie, der am 11. Februar 2017 mit Roman Léandre Schmidt zur Neugründung eines pro-europäischen Netzwerks aufrief.

Die Aktualität der Thementage ergab sich maßgeblich aus dem Spannungsfeld der existenziellen Krise der EU auf der einen, und ihrer durch Ereignisse wie den US-Wahlen neu zu definierenden, wachsenden internationalen Rolle auf der anderen Seite. Das politische Projekt Europa muss sich im globalisierten 21. Jahrhundert neu erfinden um die Repräsentationskrise zu überwinden und den Europäer*innen gerecht zu werden. Wie soll sie aussehen, die Erfindung Europa?

Im Rahmen der Thementage wurden verschiedene Vorträge und Podiumsdiskussionen veranstaltet, sowie Gastspiele und Inszenierungen aufgeführt.  Darüber hinaus wurde ein vielfältiges Rahmenprogramm aus Programmkino, Interviews und kulinarischen Entdeckungen des Atelierhaus Freitagsküche angeboten.

Kuratorin der Vorträge und Diskussionsveranstaltungen: Anja Nioduschewski

Das Programm und das Veranstaltungsmagazin sind hier abrufbar.

 

 

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Library Life

Buchvorstellung & Podiumsdiskussion mit Katrin Lehnen und Uwe Wirth

Wie gehen KulturwissenschaftlerInnen vor, um von der ersten Idee zum fertigen Text zu gelangen? Welche Praktiken, welche Orte und Gegenstände, welche Diskurse und (Selbst-) Vorstellungen spielen dabei eine Rolle? Inspiriert von der Erforschung naturwissenschaftlicher Laboratorien geht der Band Library Life von 2015 diesen Fragen anhand von Interviews mit renommierten Kulturwissenschaftler/-innen nach. Das interdisziplinäre Projekt ist im Rahmen der GCSC Research Area 8 (Cultures of Knowledge, Research and Education) entstanden. Vorgestellt wurde die als Open-Access-Publikation im Verlag „meson press“ erschienene Kollektivmonographie von zwei der acht Mitautor/-innen (Laura Meneghello, Universität Siegen, und Christian Wilke, JLU Gießen) im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Diese fand am 8. Februar 2017 statt.

An der Podiumsdiskussion am 8. Februar 2017 im Zeitschriftenlesesaal (1. Stock) der Universitätsbibliothek Gießen beteiligten sich zudem Prof. Katrin Lehnen, Direktorin des ZMI, die als Sprach- und Mediendidaktikerin unter anderem wissenschaftliche Schreibprozesse erforscht, modelliert und fördert, Birte Kohtz (JLU Gießen), Mitherausgeberin des Buches Geschichte als Passion (2011), das Gespräche mit angesehenen Historiker/-innen über deren Arbeitsweise versammelt, sowie Dr. Doris Bachmann-Medick (Senior Research Fellow am GCSC), die in ihrer viel beachteten Studie Cultural Turns (2006) Konzepte des kulturwissenschaftlichen Denkens reflektiert. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Uwe Wirth, Sprecher der Sektion 5 (Kunst und Medien) des ZMI, der zuallererst den Anstoß für das Projekt Library Life gab.

 

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Amerika ist anders - Abschluss der Ringvorlesung des Präsidenten

Der Gebrauch der Bedrohung: Die amerikanische Literatur und das Problem der Sicherheit - Vortrag von Prof. Dr. Johannes Völz

Wie lässt sich die Festlegung auf den Leitwert „Sicherheit“ im politischen Diskurs der USA in den letzten Jahren erklären? Gängige Theorien der Sicherheitsstudien erkennen in der Sicherheit den Schlüssel zu einer autoritären „Politik der Furcht“. Anhand von Lektüren kanonischer amerikanischer Romane schlug der Vortrag von Johannes Völz am 30. Januar 2016 eine alternative Deutung vor: Sicherheit und Unsicherheit bilden die Matrix für Ermächtigungsnarrative, die in der kontingenten Ordnung der amerikanischen Demokratie eine besonders wichtige Funktion einnehmen.

Prof. Dr. Johannes Völz ist Heisenberg-Professor für Amerikanistik mit Schwerpunkt Demokratie und Ästhetik an der Goethe-Universität Frankfurt. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Kultur des John-F.-Kennedy-Instituts der FU Berlin von 2003-2008. Außerdem war er Gastforscher an der Harvard University und der Stanford University. Ein Interview mit Johannes Völz zu Donald Trump und Populismus in der Sendung Kulturzeit (3sat) vom 10.11.2016 finden Sie hier.

Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

 

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Was ist aus Martin Luther Kings Traum geworden? Eine Bilanz der Bürgerrechtsbewegung bis in die Ära Barack Obama

Vortrag von Prof. Dr. Manfred Berg - Ringvorlesung des Präsidenten

Was ist aus Martin Luther Kings Traum geworden? Diese Frage war im Januar 2017 aktueller denn je, da durch die kommende Präsidentschaft Donald J. Trumps viele Fragen neu aufgeworfen werden müssen.

Prof. Dr. Manfred Berg ist Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, Mitglied im Direktorium des Heidelberg Center for American Studies der Universität Heidelberg und Mitglied im Advisory Board des European Journal of American Studies. Mit seinem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung hat dieser eine Bilanzierung der vergangenen Bürgerrechtsbewegungen bis hin zur Amtszeit Barack Obamas vorgenommen und ist im Besonderen auf die Rassenunruhen der letzten Monate eingegangen. Diese sind unter dem Gesichtspunkt des ersten nichtweißen Präsidenten der USA von besonderer Brisanz. Der Vortrag befasste sich daher mit Fragen wie: Was ist aus dem „Traum“ eines Martin Luther King geworden, der mit seiner berühmten Rede „I have a dream Gleichheit und Freiheit für alle Bevölkerungsgruppen der USA forderte? Wie kann man sich den anhaltenden Rassismus erklären? Welche Bilanz weist die Ära Barack Obama diesbezüglich auf? Der Vortrag fand am 23. Januar 2017 statt.

Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

 

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Forschen in der digitalen Welt

Henning Lobin hält Festrede an der Uni Marburg

Durch die fortschreitende Digitalisierung ist der Bedarf für eine Infrastruktur zur langfristigen Sicherung und Bereitstellung digitaler Forschungsdaten gestiegen. Die Philipps-Universität Marburg hat aus diesem Grund mit Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst eine zentrale Stabsstelle für Forschungsdatenmanagement eingerichtet, die am 16. Januar 2017 feierlich eröffnet wurde. Den Festvortrag hielt Henning Lobin, der bis Mai 2016 das ZMI leitete und dort einschlägige Projekte wie Interactive Science, GeoBib und Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen durchführte.

In seinem Vortrag „Digitalität  der Gesellschaft – Digitalität von Wissenschaft? Zur Perspektive und zum Status Quo von eScience“ vermittelte Henning Lobin seine Thesen zur Digitalisierung in Gesellschaft und Wissenschaft: „Weite Bereiche der gesellschaftlichen Kommunikation sind bereits durch Digitalität geprägt, das heißt durch veränderliche Texte und vernetztes Wissen. Unsere heutige Wissenschaft ist aber auf der Basis von Literalität entstanden, also durch geordnetes, hierarchisches Wissen und Texte, die nach ihrem Druck lange Bestand haben.“ Diese Beobachtungen ließen ihn Forderungen an Wissenschaft und Forschung entwickeln: „Wissenschaft und Forschung müssen einen kompetenten Umgang mit Digitalität entwickeln. Dazu braucht es den digitalen Wandel an der Hochschule.“

„Forschungsdaten sind eine Ressource der Zukunft“, betonte auch Prof. Dr. Joachim Schachtner, Vizepräsident für Informations- und Qualitätsmanagement an der Philipps-Universität Marburg, in seiner Begrüßung. Ziel der Stabstelle ist es, am Standort Marburg digitale Forschungsdaten zu sichern, zu archivieren, zu veröffentlichen und auch für eine spätere Nutzung zugänglich zu machen.

 

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Linguistische Zugänge zur Kommunikation in Weblogs

Gastvortrag von Dr. Kathrin Wenz

Das Internet ist eine Bühne! Soziale Netzwerke, Weblogs, Mikroblogs und Apps werden genutzt, um die eigene Person in der virtuellen Welt darzustellen und sich mit anderen Menschen auszutauschen. Am Mittwoch, 18. Januar 2017 sprach Dr. Kathrin Wenz von der Universität Tübingen im Rahmen eines Gastvortrags im Institut für Romanistik über die Kommunikation in Weblogs. Der Vortrag versuchte, über linguistische Zugänge die Kommunikation und Selbstdarstellung in französischen Weblogs zu beschreiben. Es wurden Einblicke in die Sprachverwendung zur Identitätskonstruktion im virtuellen Raum gegeben, welche die aktuelle computervermittelte Kommunikation charakterisiert. Darüber hinaus wurden die verwendeten Textsorten und deren multimodale Umsetzung, die Herausbildung einer Gruppensprache und die schriftliche Gestaltung sozialer Kontakte analysiert. Orthographische Variationen und ein bewusst persönlicher Schreibstil, die unabhängig von Alter und Geschlecht der Autoren verwendet werden, charakterisieren die Texte. Darüber hinaus wurden mögliche zukünftige Entwicklungen für das Französische der Gegenwart aufgezeigt.

 

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2016

 

Wintersemester 2016/2017 

 

 

The writing Clown isn't fooling around - Enhancing learning through writing

Vortrag von Prof. Magnus Gustafsson im Rahmen der Reihe Educational Linguistics

An der Chalmers Universität Göteborg wurde ein Schreibprogramm entwickelt, das sich auf das Schreiben in unterschiedlichen Disziplinen bezieht. Prof. Magnus Gustafsson hat es vorgestellt und ist dabei vor allem auf Tätigkeiten des Schreibenlernens eingegangen, die in verschiedenen Gebieten und Lernsituationen eingesetzt werden können und keinen Programmkontext benötigen, um zu funktionieren. Beispiele wurden sowohl aus Kursen der englischen Literatur, der Wissenschaftssprache als auch der Technik und der Medizin gegeben. Lehrende waren dazu eingeladen über das Schreiben und den Schreibprozess während des Lernprozesses selbst und nicht erst an dessen Ende nachzudenken.

Die Zuhörer wurden gebeten, einen Roman mitzubringen, den sie gerade lesen oder den sie kürzlich beendet hatten. Der Vortrag der Reihe „Akademische Literalität“ des Forschungsverbundes Educational Linguistics fand am 13. Dezember 2016 statt. Der Vortrag wurde in englischer Sprache gehalten.


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Taste the Waste 

Wie wird aus einer Fernsehdokumentation ein Kinofilm?: Stimmen aus der Praxis empfängt WDR-Fernsehredakteurin Andrea Ernst

„Frisch auf den Müll“, hieß es vor wenigen Jahren, als zum ersten Mal im deutschen Fernsehen darüber berichtet wurde, dass fast die Hälfte der Lebensmittel weggeworfen wird. Das meiste davon landet im Müll, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht. Fast 15 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland zum Abfall, weil die Kartoffel einen Riss hat, der Apfel eine Delle oder der Brokkoli einen braunen Fleck – sofort wird die Ware aussortiert. Fast niemand kennt das Ausmaß der Verschwendung und ihre Folgen. Der Journalist Valentin Thurn begann seine Recherchen für den WDR vor über sechs Jahren, um dieses Ausmaß öffentlich zu machen. Aus einer anfangs „kleinen Geschichte“ wurde ein großes gesellschaftliches Thema. Was bedeutet das für die redaktionelle Arbeit? Wie kann ein brisanter journalistischer Stoff tatsächlich eine ethische Debatte und politisches Handeln auslösen? Was bedeutet die Entwicklung eines Stoffes von der Reportage bis zum erfolgreichen Kinofilm?

 

Anhand von Filmausschnitten berichtet WDR-Redakteurin Andrea Ernst vom journalistischen Wachsen des Themas und seiner nachhaltigen Wirkung: „Journalistisches Arbeiten im langen Format - Wie wird aus einer Fernsehdokumentation ein Kinofilm? Redaktionelle Erfahrungen mit dem Film Taste The Waste. Andrea Ernst war von 2011 bis 2015 Vorsitzende des Journalistinnenbundes und ist seit 2007 stellvertretende Abteilungs- und Redaktionsleiterin für den Bereich Religion und Bildung beim WDR.

Die Fachjournalistik Geschichte und das ZMI freuten sich, im Rahmen der Gesprächsreihe „Stimmen aus der Praxis“, Andrea Ernst am 08. Dezember 2016 begrüßen zu dürfen. 
Weitere Informationen und den Trailer zu Taste The Waste finden Sie hier.

 

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Götter, Könige und Gauner: Präsidenten (und solche, die es werden wollen) in amerikanischen Fernsehserien

Ringvorlesung des Präsidenten: Vortrag von Heike Paul

Aktuelle amerikanische Fernsehserien, die sich mit Politik auseinandersetzen, waremn Thema des nächsten Vortrags von Prof. Heike Paul in der Vorlesungsreihe des Präsidenten. Häufig stand in den TV-Serien die Figur des Präsidenten selbst (oder des Präsidentschaftskandidaten) im Mittelpunkt. Gelegentlich auch weibliche Charaktere, z.B. seine Frau, eine Kandidatin oder Präsidentin sowie das politische Tagesgeschäft, Gaunereien und spannende Intrigen rund um das Weiße Haus. An Beispielen wie West Wing, House of Cards und Scandal sollten Repräsentationsstrategien und kulturspezifische Darstellungen der amerikanischen Präsidentschaft analysiert werden. Diese vollzog Paul vor dem Hintergrund von Studien zur amerikanischen Zivilreligion und zum amerikanischen Auserwähltheitsdenken (exceptionalism) sowie von Populärkultur und aktuellen Ereignissen. Der Vortrag fand am 5. Dezember 2016 statt.

Heike Paul hat seit Dezember 2004 den Lehrstuhl für nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg inne. Neben vielen anderen Funktionen ist sie seit 2007 Vorstandsmitglied der Bayerischen Amerika Akademie und seit 2014 Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien.

Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

 

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Sehnsucht nach Grenzen. Identitätssuche in Zeiten des Populismus

Die 44. Römerberggespräche in Frankfurt

Die Römerberggespräche setzten sich dieses Jahr mit der Sehnsucht nach Grenzen und der Identitätssuche in Zeiten des Populismus auseinander. Martin Seel, Philipp Blom, Tatjana Hörnle, Marina Münkler, Katja Petrowskaja und Claus Leggewie diskutierten, wieviel Vielfalt wir als Gesellschaft ertragen können, wieviel Einheit wir fordern müssen und was an wechselseitiger Integration verlangt werden darf.

In Europa wächst derzeit das Bestreben, das Eigene zu definieren und das heißt: sich abzugrenzen. Die Forderung nach Grenzzäunen und staatlichen Obergrenzen für Flüchtlinge, die Diskussionen um Burka-Verbote, die Verweigerung von Handschlägen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen: All das zeigt, begleitet von öffentlicher Empörung, eine nervöse Verunsicherung über die eigene Identität. Was gehört noch unverzichtbar zum gesellschaftlichen, zum kulturellen und religiösen, nicht zuletzt zum nationalen Selbstverständnis? Wo liegt die Grenze, hinter der das Eigene sich auflöst und das Fremde beginnt? Worauf spekuliert ein völkisches Identitätskonzept, das populistische Parteien in ganz Europa derzeit so erfolgreich propagieren, in einer globalisierten Welt?

Die Römerberggespräche wollten in Erfahrung bringen, wie mit individuellen Verunsicherungen und einem allgemeinen Unbehagen umgegangen werden kann. Was sagen uns diese Identitätskonflikte über unsere Gesellschaft? Welche Formen der Identität gibt es in einer pluralistischen Gesellschaft? Und wie soll ein liberaler Rechtsstaat mit den Herausforderungen gelebter und beanspruchter Mannigfaltigkeit umgehen? Wieviel Vielfalt können wir ertragen, wieviel Einheit müssen wir fordern, und was darf an wechselseitiger Integration verlangt werden?

Die 44. Römerberggespräche fanden am 3. Dezember im Schauspiel Frankfurt statt. Zum kompletten Programm gelangen Sie hier.

 

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Bilder von Migration

Interdisziplinäre Perspektiven

 

Tandem 1: „Konrad Adenauer Platz 1“ mit Johannes Diesing, MA (Institut für Politikwissenschaft) und Diana Dreßler, MA (Insitut für Soziologie)

Tandem 2: „Bilder der Flucht“ mit Prof. Dr. Sigrid Ruby (Institut für Kunstgeschichte) und Prof. Dr. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig-Börne-Professur)

Tandem 3: „Perspektiven_Ordnung_Chaos“ mit Prof. Dr. Hermann Wegner (Institut für Organische Chemie) und Prof. Dr. Ansgar Schnurr (Institut für Kunstpädagogik)

Tandem 4: „Schnelle Striche kratzen tief - sozialwissenschaftliche Perspektiven auf Karikaturen“ mit Prof. Dr. Jasmin Siri (Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Dorothée de Nève (Institut für Politikwissenschaft)

Tandem 5: „'Bilder von Migranten in Deutschland' - Die Herstellung von Sichtbarkeit in der politischen Bildung“ mit Prof. Dr. Christine Wiezorek (Institut für Erziehungswissenschaft) und Dr. Jutta Hergenhan (ZMI)

 

 

 

Die gesellschaftspolitischen Debatten um Geflüchtete und aktuelle Fragen der Zuwanderung und Inklusion sind nicht nur von mahnenden und hetzerischen Reden, Streits um die korrekten Zahlen und angemessenen Strategien, sondern auch von Bildern geprägt. Die Bilder von Geflüchteten sind selbst Politikum, relevanter Teil medialer Berichte, Objekte der Aneignung und des politischen Aktionismus.

Die Sektion 1 „Macht – Medium – Gesellschaft“ hat die im vergangenen Sommer in einem Workshop begonnene interdisziplinäre Arbeit mit einer Tagung zum Thema „Bilder von Migration“ fortgesetzt. Die Präsentationen haben auch auf einer methodischen Ebene gezeigt, dass die Souveränität in der Beschreibung und Interpretation von Bildern nicht in allen Disziplinen gleichermaßen routinisiert ist. Dementsprechend wurde auch der Wunsch nach weiterem Austausch zu Methoden der Bildanalyse unter verschiedenen Aspekten (ikonographische Bezüge, Framing, Lesbarkeit/Lesarten von Bildern u.a.) deutlich geäußert.

Ein zentraler Diskussionspunkt der Tagung war es, die Konstruktion und Reproduktion von Bildern von Migration und Migrant*innen – u.a. im Kontext politischer Bildung – zu hinterfragen. Dabei wurde kritisch reflektiert, wie die inzwischen etablierten Klischeebilder von Migrant*innen und Geflüchteten durch andere bzw. neue Bilder in Frage gestellt werden können. Dabei wurde auch die Rolle von Fotograf*innen als so genannte „Bilderkrieger*innen“ und deren moralische Verpflichtung, Flucht, Gewalt und Krieg zu dokumentieren, in Frage gestellt. Ebenso wurde die Zulässigkeit der Verletzung von Persönlichkeitsrechten sowie die Darstellung von Kindern um Verständnis und Empathie für Geflüchtete herzustellen, kontrovers diskutiert.

Unabhängig davon hat die Analyse auch die religiöse Überformung vieler Bilder von Migration aufgezeigt. Insbesondere die Darstellung von Migrant*innen als heilige Familie und die Idealisierung von Familie als kleinste schützenswerte Einheit markieren die christliche Ikonographie nicht selten als die nach wie vor dominante Interpretation von Inhalten und Symbolen. Neben der Bezugnahme auf ein religiöses kollektives Bildgedächtnis stellte auch die Bezugnahme auf einen historischen Bilderkanon (II. Weltkrieg, Vietnamkrieg, Napoleonische Kriege u.a.) ein wichtiges Thema in der Debatte um die Herstellung von affektiver Wirkung und moralischem Appell durch Bilddarstellungen in verschiedenen Formen (Fotos, Karikaturen, Malerei) dar. 

In der Abschlussdebatte wurde das innovative Format der Tagung als „Universität im besten Sinne“ bezeichnet. Fünf interdisziplinäre Tandems eröffneten jeweils verschiedene Fachzugänge zu Bildern von Migration. Jedes Tandem analysierte ein von ihm gewähltes Bild aus der Perspektive der jeweils vertretenen Disziplinen. So wurden aus der Perspektive der Chemie, der Kunstgeschichte und -pädagogik, der Soziologie und Politikwissenschaft ausgewählte Fotografien und eine Karikatur systematisch analysiert. Das Tandem-Format mit klaren Spielregeln hat sich für den interdisziplinären Austausch bewährt. Es hat erneut bewiesen, dass es zu sehr interessanten und wirklich weiterführenden Gedanken und Diskussionen zwischen den disziplinären Perspektiven anregen kann. Das Programm bot genug Raum für Diskussionen im Plenum und informelle Gespräche während der Pausen.

Mit dieser Veranstaltung wurde das Thema Bilder von Migration noch keineswegs erschöpfend diskutiert. Etwa Fragen nach den ökonomischen Interessen und Machtstrukturen, in denen die Bilder entstehen, sowie nach den medialen Kontexten, in den Bilder von Migration veröffentlicht werden, bedürfen noch einer weiterführenden Debatte.

 

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Drei Jahre nach Snowden. Bilanz einer Enthüllung

  Ringvorlesung des Präsidenten: Vortrag von Constanze Kurz

Dr. Constanze Kurz zog Bilanz um die Enthüllungen von Edward Snowden und die wichtige Debatte, die diese Erkenntnisse angestoßen haben. In ihrem Vortrag beleuchtete Kurz folgende Aspekte näher: Kritiker betrachten die Weitergabe der NSA-Papiere als einen „Verrat“, der einen Keil zwischen Westeuropa und die USA zu treiben versucht. Andere sehen darin hingegen einen wichtigen Beitrag zur Transparenz demokratischer Politik und fordern mehr Schutz für Whistleblower. Denn wenn umfassende Informationsabflüsse in Zukunft zu verhindern seien, dann nur dadurch, dass von Gewissensbissen Geplagten ein anderer Weg angeboten wird, mit ihrem Wissen und ihren Gewissensnöten umzugehen. Der Vortrag fand am 28. November statt.

Constanze Kurz ist promovierte Informatikerin, Sachbuchautorin und ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Club e.V., einer maßgebenden Nichtregierungsorganisation zu Fragen der Computersicherheit, sowie Teilzeit-Mitglied der Redaktion von Netzpolitik.org. Ihre Kolumne „Aus dem Maschinenraum“ erscheint im Feuilleton der FAZ.

Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

 

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If you lived here / Wenn Sie hier leben würden - Monologe für einen leeren Raum

Performative Soundinstallation des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft

Die performative Soundinstallation „If you lived here / Wenn Sie hier leben würden - Monologe für einen leeren Raum“ waren am 25. und 26. November 2016 im Institut für Angewandte Theaterwissenschaft (ATW) der JLU Gießen zu sehen. Stündlich von 16 bis 22 Uhr, jeweils für 5 Zuschauer pro Vorstellung, war das 45 minütige Stück zu erleben.

Wo auch immer Objekte und Körper als Kunstwerke präsentiert werden, sind institutionelle Strukturen und politische Mechanismen mit am Werk. „Wenn Sie hier leben würden“ - eine vom ZMI geförderte und vom Institut für Theaterwissenschaft in Koproduktion mit dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt entwickelte Installation, untersucht die soziale und kulturelle Konstitution von Ausstellungs- und Theaterräumen.

Tamara Antonijevic, Johanna Herschel, Robert Läßig (alle ATW Gießen), Malgorzata Wdowik (Theaterakademie Warschau) und Nora Neuhaus (Städelschule Frankfurt) versuchen mit ihrer Installation herauszufinden welche Art von Performance entsteht, wenn ein Raum sich selbst spielt.

Bis zu fünf Zuschauerinnen und Zuschauer bzw. Besucherinnen und Besucher generieren über ihre eigene Teilnahme, dem Umherlaufen im Raum ihre/seine eigene Erzählung. Der vollkommen weiße Raum ist in einer Blackbox installiert, in dem verschiedene Sound- und Textsphären betreten und über Kopfhörer sowie mp3-Player hörbar gemacht werden können.
Wie bestimmen Erwartung und Wissen, wie Rahmen, Kontext und Raum unsere Erfahrung und die Produktion des künstlerischen Werts? Wie verhalten sich Besucherinnen und Besucher zu diesen Systemen, wenn kein Objekt und kein Körper vorhanden sind?
Die Installation wurde am 15. September im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt uraufgeführt und bis zum 18. September dort präsentiert.

 

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Wie konnte es dazu kommen? / How did this happen? - America after the Elections

Öffentliche Podiumsdiskussion

Für viele Deutsche – ebenso wie für die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner – war der Ausgang der Präsidentenwahl am 8. November 2016 sehr schwer zu verstehen (und zu verdauen). Die neue Trump-Weltordnung löst viele Sorgen aus, auch was Deutschlands veränderte Stellung in Europa und der Welt angeht. In dieser Podiumsdiskussion wurde in deutscher und englischer Sprache deutsche und US-amerikanische Perspektiven zu den Konsequenzen der Wahl präsentiert, um Amerika und das deutsch-amerikanische Verhältnis nach der Wahl besser einzuordnen.

Die Podiumsdiskussion führten Prof. Greta Olson (Amerikanistik, JLU; Mitglied der Democrats Abroad Frankfurt; Mitglied der ZMI Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft), Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) und Dr. Falk Ostermann (International Relations, JLU). Moderiert wurde sie von Dr. Wiebke Schneidermann (GCSC, JLU). Die Diskussion wurde in deutscher und englischer Sprache gehalten und fand am 21. November 2016 statt.
Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Der Gießener Anzeiger berichtete über die Podiumsdiskussion im Artikel „Befürchtungen und Erwartungen: Experten diskutieren an JLU Ursachen und Folgen der Wahl von Donald Trump“.

Ein Gastbeitrag „Gezielt für unsere Demokratie kämpfen“ von Prof. Greta Olson erschien am 1. Dezember in der Frankfurter Rundschau und kann hier nachgelesen werden.

 

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ORDNUNG

Ein theatraler Essay

Im Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt) wurde das Leben geordnet. Gesa Bering und Stephan Dorn setzten sich in ihrem theatralen Essay mit der Frage nach einer ganzheitlichen Ordnung auseinander.

Ist es möglich, die Welt zu archivieren? Komplett und lückenlos? Kann man die gesamte Geschichte - nicht nur den Teil, den Gewinner geschrieben haben - vollumfassend nacherzählen? Sämtliche Phänomene, Ideologien, Philosophien, Religionen, alle Dinge, Wissenschaften und Künste zwischen zwei Buchdeckeln vollständig und endgültig bändigen? Alle Menschen, die gesamte Tier- und Pflanzenwelt?

Geht das?

- Ja.

Stephan Dorn hat genau dies getan. Sein Lebenswerk, das Buch „Ordnung“, ist perfekt. Es ist Lexikon, Ratgeber, Gebrauchsanweisung. Die Welt ist hiermit erklärt.

Fast.

Nur ein guter letzter Satz fehlt noch und natürlich ein Punkt.  Die Zuschauer waren herzlich dazu eingeladen diesem Punkt beizuwohnen.

Konzept, Regie, Performance und Text sind von Gesa Bering  und Stephan Dorn entwickelt worden. Verantwortlich für die  Ausstattung ist Annatina Huwiler, für die technische Gestaltung Jost von Harleßem und für die Grafik und Animation Maren Wiese.

Zu sehen war der theatrale Essay im Künstlerhaus Mousonturm am 17. und 18. November 2016.

 Gefördert wurde das Projekt vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft (JLU Gießen) in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm und der Hessischen Theaterakademie (HTA) sowie dem ZMI, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, dem Kulturamt der Stadt Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

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Wie verändern Social Media den Journalismus

Stimmen aus der Praxis empfängt phoenix-Online-Chefredakteur Gregor Mayer

Die Medienbranche sieht sich einschneidenden Veränderungen ausgesetzt, insbesondere im Nutzungsverhalten der Zuschauer und User. Ausgangspunkt dieser Veränderungen ist die Digitalisierung der Medien, die eine Differenzierung und Konvergenz der Medien sowie eine wachsende Angebots- und Zugangsvielfalt zur Folge hat. Dadurch setzt ein zunehmend fragmentiertes Sehverhalten ein. Aus diesen Veränderungen ergeben sich Fragen nach der Aufgabenstellung von Medien und dem Beruf des Journalisten im Allgemeinen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Besonderen. Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Welche Inhalte brauchen wir heute im Studium, um gut auf eine Beschäftigung in der Medienbranche vorbereitet zu sein? Worauf können wir womöglich verzichten?

Gregor Mayer ist seit 17 Jahren der Online-Chef des ARD/ZDF-Spartenkanals phoenix. Er ist Redakteur des ZDF, verantwortet die Homepage phoenix.de, Videotext und EPG, die phoenix-Apps sowie alle Social Media Kanäle des Senders.
Die Fachjournalistik Geschichte und das ZMI freuten sich, im Rahmen der Gesprächsreihe Stimmen aus der Praxis, Gregor Mayer am 17. November 2016 begrüßen zu dürfen. 

 

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Proposal Writing in Deutsch und Englisch: Konzeption und Implementierung einer mehrsprachigen, digitalen Lernumgebung zur Begleitung von Abschlussarbeiten

Vortrag von Otto Kruse im Rahmen des Forschungsverbundes Educational Linguistics

An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde eine Lernplattform mit Namen „Thesis Writer“ entwickelt, die dort den Studierenden für das Schreiben von Abschlussarbeiten zur Verfügung steht. Prof. Otto Kruse von der ZHAW hat in seinem Vortrag die Konzeption des „Thesis Writer“ in Abgrenzung zu anderen digitalen Hilfen für das Lernen des Schreibens vorstellen sowie dessen Aufbau und Bestandteile demonstrieren. Zur Diskussion standen Fragen nach dem Nutzen eines solchen Programms, der Beeinflussung des Schreibens und wie dieses von Studierenden angenommen wird.
Der Vortrag der Reihe Akademische Literalität des Forschungsverbundes Educational Linguistics fand am 15. November statt.

 

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U.S. Election Night Gießen

Ein Resümee

Die vom Institut für Politikwissenschaft und dem ZMI organisierte Veranstaltung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 traf auf überwältigende Resonanz und wurde von insgesamt über 400 interessierten StudentInnen, MitarbeiterInnen der Universität Gießen und BürgerInnen besucht. Für das rege Interesse an der Veranstaltung möchte sich das Team der US Election Night Gießen bedanken und hofft, dass allen BesucherInnen ein informatives und unterhaltsames Programm geboten werden konnte und sie die Election Night in bleibender Erinnerung behalten werden.

Der Präsident der Universität Prof. Joybrato Mukherjee betonte in seiner Begrüßungsrede die zentrale Bedeutung dieser Veranstaltung für die JLU und die Stadt Gießen und stellte den zahlreichen anwesenden StudentInnen einen wohlwollenden Umgang mit der Anwesenheitspflicht für den nächsten Tag in Aussicht.

Eine Fotogalerie, die die Stimmung wiedergibt und die Ereignisse der Nacht zusammenfasst finden Sie hier.

Pressestimmen auf die U.S. Election Night

Der Gießener Anzeiger berichtet in zwei Artikeln über die U.S. Election Night: „Einschätzungen zum Duell Clinton-Trump von der „U.S.-Election-Night“ in Gießen“ und „Nur wenige Trump-Anhänger bei „U.S. Election Night Gießen„. Auf Seite 11 des uniforums Nr. 5/2016 wird über die Wahlnacht „Eine Nacht, eine Wahl ... und dann viel Entsetzen – Eindrücke von der U.S. Election Night in der Alten UB“ berichtet.

Eine kleine Fotogalerie mit Impressionen zur Election Night hat die Gießener Allgemeine zusammengestellt.

Stimmen und Reaktionen auf die Wahl in den USA von der Election Night hat Klaus Pradella für den Hessischen Rundfunk eingefangen. Zu hören ist der Podcast (ab 00:49 der Bericht zur US Election Night) hier.

 

 

 


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U.S. Election Night Gießen

Am 8. November 2016 war es soweit – nach einem skandalträchtigen Wahlkampf wurde in den USA ein neuer Präsident gewählt – zum ersten Mal in der Geschichte. Zu diesem Anlass lud das ZMI zusammen mit dem Institut für Politikwissenschaft alle Interessierten herzlich zur „U.S. Election Night Gießen“ ein.

Auf dem Programm standen natürlich in erster Linie die Übertragung und Kommentierung der Wahlergebnisse, die im Laufe der Nacht nach und nach eingetroffen sind. Nach einem Grußwort des JLU-Präsidenten, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee und einem Vortrag von Dr. Claire Smith zum Wahlsystem und dem Wahlkampf in den USA standen zahlreiche unterhaltende Beiträge (von einem Pub-Quiz bis zu fiktiven Korrespondentenbeiträgen) auf dem Programm, um die Zeit bis zu den ersten Hochrechnungen abwechslungsreich zu gestalten. Bei Musik sowie Getränken und Speisen hatten die Gäste Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, um über die politischen Ereignisse zu diskutieren.

Ort: Alte UB, Bismarckstr. 37, 35390 Gießen

Saalöffnung: 8. November 2016, 22.30h

Ende der Veranstaltung: 9. November 2016, 6.00h

Eintritt frei

Weitere Informationen:


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Wer wird der nächste Republikanische Präsident? Über Gegenwart und Zukunft der Grand Old Party

Ringvorlesung des Präsidenten: Vortrag von PD Dr. Thomas Greven

Am 7. November 2016, einen Tag bevor die historischen Wahlen in den USA stattfanden, setzte sich Thomas Greven mit den Fragen „Wer wird der nächste Republikanische Präsident?“ und „Gegenwart und Zukunft der Grand Old Party“ auseinander. Die Partei nennt sich stolz die „Grand Old Party“ (GOP) und blickt zurück auf Präsidenten wie Abraham Lincoln und Ronald Reagan, die Geschichte schrieben. Thomas Greven hat den Fokus auf die heutige Verfassung der Partei gerichtet. Deren Strategie der Polarisierung hat viele Wahlen gewonnen, jedoch auch den Nativismus und Populismus der Republikanischen Basis offengelegt und mobilisiert – auch gegen das Parteiestablishment. Nun hat die GOP nicht mehr nur demografische Probleme, sondern steht auch vor einer inneren Zerreißprobe.

PD Dr. Thomas Greven ist Privatdozent für Politikwissenschaft an der FU Berlin und unterrichtet dort am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien.

Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.


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3Sat interviewt Claus Leggewie im Margarete-Bieber-Saal

Am 2. November 2016 gab Ludwig Börne-Professor Claus Leggewie dem 3Sat ein ausführliches Interview zu den Thesen seiner jüngsten Suhrkamp-Publikation “Anti-Europäer – Breivik, Dugin, al Suri & Co“. Dabei handelte es sich dieses Mal um ein Heimspiel – der Dreh fand im Margarete-Bieber-Saal der Justus-Liebig-Universität statt, sodass den Reportern vom ZMI dieser Schnappschuss gelang.

Ausgestrahlt wurde das Interview in der 3Sat-Sendung Kulturzeit bereits am Montag, den 7. November zwischen 19.20 und 20.00 Uhr.


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Theater als Kritik

Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft

Vom 3. bis 6. November 2016 fand in Gießen und Frankfurt der 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft unter dem Titel „Theater als Kritik“ statt. Veranstaltet wurde die Fachtagung vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Gerald Siegmund), der Professur für Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main (Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll) in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie (HTA), dem Frankfurt LAB, dem Künstlerhaus Mousonturm und dem ZMI. Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, hat die Tagung mit einem Grußwort eröffnet.

Theater als eine kritische Praktik im doppelten Sinne sollte während des Kongresses untersucht werden: Vor dem Hintergrund der Krise klassischer Begründungen des Theaters wie der Kritik sollten deren Geschichte, Theorie und Fragen neu beleuchtet werden. Nicht also die Gegenstände der Kritik des Theaters standen zur Debatte, sondern vielmehr diese Kritik selbst. Plenarvorträge und kürzere Beiträge zu acht Themenbereichen wurden dabei durch performative Formate, Theaterbesuche, Gespräche und szenische Beiträge von Studierenden der Hessischen Theaterakademie (HTA) ergänzt.
Als thematische Schwerpunkte waren folgende acht Sektionen angedacht:

1. Kritische Praktiken im Gegenwartstheater, 2.  Kritik und Normativität, 3. Kritik des Dispositivs des Theaters in Vergangenheit und Gegenwart, 4. Theater als kritische Praxis des Denkens und Agierens, 5. Kritik der Kritik, 6. Theaterwissenschaft als kritische Praxis, 7. Kritik und Öffentlichkeit im Theater und 8. Theaterfeindlichkeit.

Für die Leitvorträge waren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Kunst vorgesehen, Shannon Jackson (Berkeley) „Context as Critique: On Experiences that may or may not be Theater“, Christoph Menke (Frankfurt) „Das Spiel im Theater und die Veränderung der Welt“ und Werner Hamacher (Frankfurt) „Das eine Kriterium für das, was geschieht“ sowie eine Gruppe von NachwuchswissenschaftlerInnen (Marcel Behn, Lucie Ortmann, Melanie Reichert, Sara Tiefenbacher, Anna Volkland), die die Ergebnisse ihrer Diskussionen zum Thema „'Ich sehe was, was du nicht siehst.' Modi der Kritik“ vortrugen. Die Internationalisierung der deutschsprachigen Theaterwissenschaft wurde außerdem dadurch befördert, dass es während der Tagung eine durchgängige Serie von Vorträgen in englischer Sprache gegeben hat.
Weitere Informationen zum 13. Kongress der Gesellschaft für Theaterwissenschaft finden Sie hier.

 

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Erfolgreich gescheitert - Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit

Amerika ist anders - Auftakt der Ringvorlesung des Präsidenten mit einem Vortrag von Dietmar Herz

Einen großartigen Auftakt hatte die Ringvorlesung des Präsidenten am 31. Oktober 2017 in der sehr gut besuchten Aula des Uni Hauptgebäudes. Mit dem Vortrag „Erfolgreich gescheitert - Präsident Obamas Versuch einer Politik der Ernsthaftigkeit“ von Prof. Dietmar Herz hatte eine spannende Vorlesungsreihe zum Thema „Amerika ist anders“ begonnen. Herz stellte schlüssig seine These zur Politik Barack Obamas dar: Als Grundlage seiner „Politik der Ernsthaftigkeit“ wollte Präsident Obama die amerikanische Nation mit sich selbst versöhnen, was einen „national building process“ innerhalb der USA erforderte. Durch parteiübergreifende Zusammenarbeit versuchte er, das politische System zu erneuern. Mit diesen beiden Grundlagen seiner Politik scheiterte Obama. In einem Klima wachsender Wut auf „Washington“ erreichte er in der Innen- und Außenpolitik dennoch Beachtenswertes, ließ er die Konturen eines „anderen“ Amerika des 21. Jahrhunderts sichtbar werden. Mit seinen ehrgeizigen Politikvorstellungen scheiterte der Präsident – in seiner konkreten Politik war er oft erfolgreich. Ein erfolgreiches Scheitern also?

Prof. Dietmar Herz ist seit 2000 Inhaber des Lehrstuhls für Vergleichende Regierungslehre an der Universität Erfurt. Die Ringvorlesung des Präsidenten der JLU hat sich im WS 2016/17 anlässlich der amerikanischen Präsidentschaftswahl mit zentralen Perspektiven auf die Vereinigen Staaten von Amerika befasst. Durch die breite Themenauswahl bot sie einen weit gefächerten Blick auf dieses vielfältige und interessante Land. Wissenschaftlich koordiniert wurde die Vorlesungsreihe von Prof. Claus Leggewie, ZMI-Gründungsmitglied und Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie hier.

 

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lost on the highest peak 

Eine interaktive Klanginstallation

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Foto: Katharina Speckmann
Am 29. und 30. Oktober 2017 konnte in die Klangwelten von David Rittershaus im studioNAXOS, Frankfurt, eingetaucht werden. In seinen Klanglandschaften gerät die Natur in Bewegung, sie fließt, bröckelt, rauscht, weht oder brennt - zumindest akustisch. „lost on the highest peak“, eine interaktive Klanginstallation, entstand in Kooperation mit studioNAXOS, dem Künstlerhaus Mousonturm und der Hessischen Theaterakademie (HTA). Gefördert wurde das Projekt des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der JLU vom ZMI und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.
Nahezu alles, was wir hören, bleibt unsichtbar. Ob und wie sich klanglich etwas bewegt, hängt dabei von den Besuchern ab. Schaukeln hingen einladend in den Weiten der Naxoshalle und das schwungvolle Treiben wurde auf Klänge übertragen. In gemeinsamer Bewegung öffnet sich der Raum für ein mythisches Fest und für die Erinnerung an eine irrende Suche nach einem verlorenen Grund.
„lost on the highest peak“ ist eine Installation, die aus acht Schaukeln besteht, die in einem großen und hohen Raum an der Decke angebracht sind und von den BesucherInnen benutzt werden konnte. Die Schaukeln sind alle mit mehreren Sensoren bestückt, die über einen Computer Klangerzeugung und Klangmodulation steuern. Die Bewegung der BesucherInnen auf den Schaukeln wirkt sich also unmittelbar auf die Klanggestaltung der Installation aus und die direkte Verbindung von Bewegung und Klang war für die BesucherInnen erfahrbar. So entstand im Raum durch die BesucherInnen eine Gesamtkompostion aus den einzelnen Klängen jeder Schaukel. Zusammen mit der räumlichen Anordnung und der Lichtgestaltung ergab sich eine starke Atmosphäre in die die BesucherInnen eintauchen können. 
Das Interesse der Arbeit gilt dem Zusammenspiel von Körper und Technologie und der Erfahrung von Klang im interaktiven Format. Die BesucherInnen wurden so auch zu Protagonisten in einer klanglichen Spurensuche, die sich um das Schaukelfest der Antike „Aiora“ und den damit verbundenen Mythos um Erigone und Ikarios dreht. Der Sage nach war es ein Sühnefest für Erigone und ihren Vater Ikarios. Erigone war auf der Suche nach dem unbegrabenen Leichnam ihres ermordeten Vaters lange umhergeirrt. Als sie ihn schließlich gefunden und begraben hatte, erhängte sie sich in ihrer Verzweiflung an einem Baum.
Das Konzept, die Elektronik und Programmierung wurde von David Rittershaus entwickelt, die Installation und das Sounddesign zusammen mit Katharina Speckmann. Für die technische Leitung ist Hanke Wilsmann, die Musik Figen Aksoy, das Licht Hendrik Borowski und die Grafik Ajda Tomazin verantwortlich.  

Weitere Informationen finden Sie hier und hier.

 

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An der Presse vorbei - Die Entsachlichung des US-Präsidentschaftswahlkampfs durch die Social Media

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Karikatur: Gary Varvel
Der Medienwissenschaftler und Germanist Robert Shandley von der Texas A&M University hielt am 26. Oktober 2017 einen Vortrag über den Einsatz von sozialen Medien im US-Präsidentschaftswahlkampf. Shandley, der den U.S. Wahlkampf über die Social Media aufmerksam beobachtet und analysiert hat, zeigte auf, wie sich die politische Debatte veränderte. In dieser Veranstaltung wurden Beispiele aus Twitter, aus Blogs und aus dem traditionellem Journalismus einer vergleichenden digitalen Textanalyse unterzogen, um herauszufinden, auf welche Weisen die direkte Kommunikation geprägt wird und was im Wahlkampf wie zur Sprache kommt. Zudem wurde überprüft, inwieweit die Kandidaten in den Fernsehdebatten über den von den sozialen Medien gesetzten Rahmen hinausgehen.

Prof. Dr. Ulrike Weckel, Sprecherin Sektion 4 des ZMI (Medien und Geschichte) ist die Ansprechpartnerin der vom Historischen Institut - Fachjournalistik Geschichte ausgerichteten Semesterauftaktveranstaltung.

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie hier.

 

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Akademische Pluriliteralität und die Rolle der Muttersprache beim Schreiben in der Fremdsprache

Auftaktvortrag in der Reihe Educational Linguistics

 

Am 25. Oktober 2016 begann die Vortragsreihe der ZMI-Sektion 3 des Forschungsverbunds Educational Linguistics. Prof. Dr. Susanne Göpferich sprach über Akademische Pluriliteralität und die Rolle der Muttersprache beim Schreiben in der Fremdsprache.

 

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Sommersemester 2016



Politische Medienkompetenz – Mediale Politikkompetenz. Politikdidaktik und Medienpädagogik im Gespräch

Tagung mit Dorothée de Nève  im September

Medien und Politik sind in der heutigen Gesellschaft nicht voneinander zu trennen. Bürgerinnen und Bürger sind auf die massenmediale Berichterstattung angewiesen, um den politischen Prozess kritisch zu begleiten und sich selbst eine Meinung zu bilden. Politikerinnen und Politiker brauchen die Medienöffentlichkeit um Transparenz und Legitimierung ihres Tuns herzustellen. Und Medienschaffende beziehen sich zu einem nicht unerheblichen Teil in ihrer Berichterstattung auf politische Ereignisse. Wer sich als mündiger Bürger in dieser Mediendemokratie bewegen und einmischen möchte, muss folglich nicht nur politisches Wissen, sondern auch Medienkompetenz mitbringen. Dennoch fristet die Auseinandersetzung mit den Medien in der politischen Bildung ein Schattendasein als Spezialthema oder wird auf mediendidaktische Fragen reduziert.

In der interdisziplinären Tagung „Politische Medienkompetenz Mediale Politikkompetenz“ sollte der Austausch zwischen Medienpädagogik und politischer Bildung befördert werden. Wo können beide Disziplinen voneinander lernen? Wie kann politische Bildung Jugendliche auch medial abholen, wo sie stehen? Und wie kann die politische Dimension der Medienpädagogik stärker in den Fokus rücken?

Dorothée de Nève hat zum ThemaMedien als Partizipationschance“ referiert. Weitere Vortragende kamen aus den Bereichen Medienpädagogik, Kinder- und Jugendmedien, Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft, Schulpädagogik, Elementarbildung und Didaktik der Sozialwissenschaften, sowie aus der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V., dem Landesfilmdienst Thüringen e.V. und dem Schuldienst. Abgerundet wurde die Tagung durch die Vernissage zur Ausstellung Ruhmreiche Zeiten von Stefan Kratsch und Jörg Müller.

Die Tagung fand vom 22. bis 24. September 2016 in Zinzendorfhaus Neudietendorf bei Erfurt statt. Alle weiteren Informationen und das komplette Tagungsprogramm finden Sie hier.

Ausgerichtet wurde die Tagung von:

Prof. Dr. Michael May (Professur Didaktik der Politik, Friedrich-Schiller-Universität Jena), Wieland Koch (Landeszentrale für politische Bildung Thüringen), Paula Stehr (Wiss. Mitarbeiterin an der Professur für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziale Kommunikation, Universität Erfurt), Annika Schreiter (Studienleiterin für politische Jugendbildung, Evangelische Akademie Thüringen).

 

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Brexit – Dynamiken einer Krise 

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion des Instituts für Politikwissenschaft in Zusammenarbeit mit dem Präsidium der JLU und dem ZMI  

Die zahlreichen europaweiten politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen des Brexit-Referendums sind bislang nur schwer abschätzbar. Neben die Sorgen vor einem ökonomischen Absturz Großbritanniens treten Befürchtungen möglicher Dominoeffekte in weiteren EU-Staaten. Gleichzeitig ist die allgemeine Unsicherheit über Zeitpunkt und Verfahren einer konkreten Brexit-Umsetzung sowie über eventuell doch noch vorhandene Optionen eines „Exit vom Brexit“ groß. Schließlich wird der Brexit auch als ein Signal für eine weitreichendere Krise der Demokratie bzw. der EU gedeutet.

Im Rahmen der politikwissenschaftlichen Reihe „Kontroversen“ fand in Kooperation mit dem Präsidium der JLU und dem ZMI am 11. Juli 2017 eine Podiumsdiskussion zum Brexit statt. Dabei wurden die möglichen gesamteuropäischen Ursachen und Folgen des Referendums mit einem Vertreter der EU-Kommission, einem London-Korrespondenten, einem Europarechtsexperten der JLU sowie mit verschiedenen politikwissenschaftlichen ExpertInnen der JLU diskutiert.  – Die neue Veranstaltungsreihe mit dem Namen „Kontroversen“ ist vor einiger Zeit vom Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität ins Leben gerufen worden. Das erklärte Ziel dieser Reihe ist es, gesellschaftspolitische Debatten zu tagespolitisch aktuellen Themen anzuregen.

Das ZMI und das Institut für Politikwissenschaft freuen sich, die Veröffentlichung des Videomitschnitts zur Brexit Podiumsdiskussion anzukündigen. Mit rund 300 Besuchern und regem Austausch auf und mit dem Podium wurde die Veranstaltung zu einem wirklichen Erfolg, über den auch die Gießener Blätter berichteten:

 

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Triumph des guten Willens

ZMI unterstützt Vorführung des Dokumentarfilm und anschließende Diskussion mit Regisseur Mikko Linnemann

Im Rahmen der Reihe „Wie erinnern?“, veranstaltet vom Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen, der Fachschaft Gesellschaftswissenschaften der JLU und gefördert durch das Gießener Kulturamt und das ZMI, wurde am 4. Juli im Margarete-Bieber-Saal der Dokumentarfilm „Triumph des guten Willens“ gezeigt.

Im Zentrum des Films stehen Eike Geisels Kritiken an der deutschen Erinnerungspolitik und seine These über die „Wiedergutwerdung der Deutschen“. Texte Geisels aus den 1990er Jahren unter anderem über die Neue Wache und das Holocaust-Mahnmal kontrastieren die heutigen Bilder der beschriebenen Gedenkstätten. Sie zeigen eine fragwürdige Normalität.

Weitere Informationen zum Film und Gegenfeuer Produktionen.

Als Gäste anwesend waren Regisseur Mikko Linnemann (Gegenfeuer) und Alex Feuerherdt.

 

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Die Beschulung von SeiteneinsteigerInnen: eine aktuelle Herausforderung für den schulischen DaZ-Bereich

Vortrag von Julia Ricart Brede

Mit drei interessanten, thematisch unterschiedlichen Vorträgen bot die ZMI-Sektion 3 ‚Educational Linguistics‘ auch im Sommersemester 2016 wieder die Möglichkeit, über sprachwissenschaftliche Fragestellungen zu diskutieren.

Nach Vorträgen zum 100-jährigen Jubiläum des Cours de linguistique générale und zum 20-jährigen Jubiläum der Rechtschreibreform gibt es für den dritten, noch ausstehenden Vortrag kein Jubiläum zum Anlass. Dieser befasst sich, höchst aktuell, mit dem schulischen Erwerb von Deutsch als Zweitsprache von Seiteneinsteigern. Der Vortrag von Prof. Dr. Julia Ricart Brede (Europa-Universität Flensburg) mit dem Titel „Die Beschulung von SeiteneinsteigerInnen: eine aktuelle Herausforderung für den schulischen DaZ-Bereich“ fand am 5. Juli statt.

 

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Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele

Filmvorführung & Diskussion

Im Rahmen seines Seminars „Literatur über Menschen mit Behinderung“ lud Hon.-Prof. Dr. Feuchert herzlich zur Filmvorführung des Dokumentarfilms „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“ mit anschließender Diskussionsrunde mit Felix Kuballa am 1. Juli 2016 ein.

Birger Sellin gehört nach seinen Buchveröffentlichungen zu den wohl bekanntesten Autisten in Deutschland. Dank gestützter Kommunikation schrieb Sellin das Buch Ich will kein Inmich mehr sein, welches 1993 herausgegeben wurde. Nach der Veröffentlichung kamen Kontroversen um den Einsatz von gestützter Kommunikation auf.

Noch im selben Jahr drehte Felix Kuballa für den WDR den Dokumentarfilm „Wie ein wuchernder Erdklumpen auf der Seele“ über Birger Sellin. Der Film erhielt 1995 den Sonderpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis.


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Erzählen über Kindheit und Jugend in der Gegenwartsliteratur

Geschichten vom Aufwachsen in Ost und West in Literatur und Medien

Prof. Carsten Gansel aus der Sektion 2 des ZMI „Medien und Didaktik“ und Prof. Bettina Kümmerling-Meibauer von der Universität Tübingen organisierten eine Tagung zu Kindheit und Jugend in der Gegenwartsliteratur und anderen Medien, die vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2016 auf Schloss Rauischholzhausen stattfand. Die interdisziplinäre Tagung bot WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Fachdisziplinen (u.a. Neurophysiologie und -psychologie, Soziologie, Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Skandinavistik, Komparatistik, Kindheitsforschung, Medienwissenschaft/-didaktik, Kinderliteratur-wissenschaft) ein Forum zum gegenseitigen Austausch und zur weiterführenden Diskussion.

Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf der Verbindung zwischen gewandelten Kindheitsbildern und Erzählungen über Kindheit und Jugend in Europa seit den 1990er Jahren. Dabei stand die Verbindung von historischen und aktuellen theoretischen Fragestellungen im Vordergrund, um auf diese Weise neue Forschungsperspektiven auf die vielfältigen literarischen Darstellungen und die Komplexität des Gegenstandes zu gewinnen. Eine besondere Stellung nahmen in diesem Rahmen die Schnittstellen zwischen Kinder- und Jugendliteratur/-Medien sowie Literatur für Erwachsene hinsichtlich der Darstellung von Kindheit und Jugend in verschiedenen europäischen Ländern ein. Weitere Themen, mit denen sich die Konferenz befasste, sind die Unterscheidung zwischen nationalen und transnationalen Konzepten von Kindheit und Jugend, die Entwicklung neuer narrativer Formate, die sogar hybride Erzählformen – einschließlich von medialen Adaptionen – generiert haben, die Bedeutung des kulturellen Raumes und der literarischen Topographie, die Verbindung von autobiographischem Erzählen und Gedächtnis und der Einfluss von Migrationsbewegungen auf die Entstehung von Narrationen, die durch einen multikulturellen und mehrsprachigen Zugang charakterisiert sind.

Zum vollständigen Programm klicken Sie hier.

 

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Techno-soziale Praktiken des doing family

ZMI-Sektionssprecherin Prof. Heike Greschke bietet im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramm Mediatisierte Welten Workshop an

Am 24. und 25. Juni 2016  fand im  GCSC, der von Prof. Heike Greschke (Sprecherin der  ZMI-Sektion 1 Macht – Medium - Gesellschaft) veranstaltete Workshop „Techno-soziale Praktiken des doing family: Mediatisierungstheoretische Perspektiven auf die Heterogenisierung von Familienformen“ statt. Die Veranstaltung wird im Rahmen des Projekts „Die Mediatisierung von Eltern-Kind-Beziehung im Kontext transnationaler Migration“ im DFG-Schwerpunktprogramm „Mediatisierte Welten“ durchgeführt.

Im Mittelpunkt dieses Workshops standen die Fragen, auf welche Weise und mit welchen Im­plikationen sich Kommunikationstechnologien in die Praktiken und Beziehungen in Familien einschreiben und inwieweit sich in einem mediatisierungstheoretischen Zugriff auf die Ana­ly­se von familialen Praktiken der soziologische Blick auf die Institution Familie verändert.

Geboten wurden sechs spannende Vorträge. Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.  

 

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Nach der Hybridität III

Medien und Politiken der Transplantation

Bei der dritten Tagung der Reihe Nach der Hybridität rückten Prof. Uwe Wirth (ZMI-Sektion 5) und Prof. Ottmar Ette (Uni Potsdam) die medialen Rahmenbedingungen der verschiedenen Techniken und Praktiken des Transplantierens in den Mittelpunkt. Die Tagung fand vom 23. bis 24. Juni 2016 im Alexander-von-Humboldt-Haus der JLU statt und war öffentlich. Sie wurde als Kooperation zwischen der Universität Potsdam (unter Beteiligung des Internationalen Graduiertenkollegs Zwischen Räumen / Entre Espacios) und der Universität Gießen (unter Beteiligung des Gießener Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)) durchgeführt.  

Zum Begriff „Transplantation“

Der Begriff der Transplantation kann sich (dies war eine der Einsichten der letzten Tagung der Reihe) nicht aus dem konnotativen Geflecht seiner biologischen Wurzeln befreien – selbst wenn er als Metapher für kulturelle Wanderungs- und Übersetzungsprozesse verwendet wird. Zugleich ruft er eine Vorstellung des „Organologischen“ als funktionales Gefüge auf, die, wie Gilbert Simondon gezeigt hat, all unseren Konzepten von der Existenzweise technischer Objekte zugrunde liegt. Gemeint ist damit ein technisches Prinzip der „Übersetzung“, das sich etwa dann zeigt, wenn die Funktion natürlicher Organe durch Prothesen ersetzt, ergänzt und erweitert wird.

Ziele der Tagung

Neben den medialen Implikationen, die bei diesen technischen Übersetzungs- und Verpflanzungsleistungen eine Rolle spielen, sollte bei der Tagung vor allem den politischen und ethischen Implikationen nachgegangen werden. Dies betrifft zunächst einmal die medizinischen Aspekte der Cyborg-Ontologie: Angefangen von den Prothesen, die einfache Organfunktionen übernehmen und dabei als Quasi-Pfropfreiser die Integrität eines versehrten Körpers wieder herstellen, bis hin zu den lebenserhaltenden Maschinen ist die moderne Medizin voll von „couplings between organism and machine“ (Haraway). Schließlich wird aber auch der gesamte Komplex der Medienpraktiken, etwa Collage-Techniken und Verfahren des ‚Cut and Paste‘ thematisiert, die sich auf Modelle der Transplantation und der Pfropfung beziehen: Auch hier hat man es mit ‚Chimärischen Konfigurationen‘ zu tun, die verschiedene Materialien und Medien zu einem neuen Gefüge verkoppeln.

Mit Beiträgen von

Uwe Wirth (Gießen), Yvette Sánchez (St. Gallen), Helge Baumann (Gießen), Volker Wissemann (Gießen), Georg Toepfer (Berlin), Solveig Lena Hansen (Göttingen), Benjamin Bühler (Berlin), Hans-Christian v. Herrmann (Berlin), Leif Weatherby (New York), Gesine Müller (Köln), Ottmar Ette (Potsdam).

Zum vollständigen Programm, klicken Sie hier.

 

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Briefe aus Paris. Ludwig Börne, das deutsch-französische Verhältnis und die Zukunft Europas

Claus Leggewies Antrittsvorlesung zur Ludwig Börne-Professur

Mit seinem Vortrag „Neue Briefe aus Paris. Schubumkehr im literarisch-politischen Grenzverkehr“ trat Claus Leggewie am vergangenen Dienstag, 21. Juni 2016, seine am ZMI verankerte Ludwig Börne-Professur an.

Trotz doppelter Konkurrenz durch einen angenehmen Sommeranfang-Abend und das zeitgleich laufende EM-Fußballspiel Deutschland gegen Nordirland erschienen rund 80 interessierte Besucher. Nach Grußworten des JLU-Präsidenten Prof. Joybrato Mukherjee und der ZMI-Direktorin Prof. Kathrin Lehnen sprach Prof. Leggewie rund 45 Minuten über den Einfluss französischen Gedankenguts auf die deutsche Kultur von der Französischen Revolution bis in unsere jüngste Vergangenheit. Damit öffnete er den Fokus von einer rein historischen Einordnung Ludwig Börnes in den deutsch-französischen Ideen-Austausch des frühen 19. Jahrhunderts auf eine globalere These: die Verschiebung der deutschen Frankreich-Bewunderung vom linken an den rechten Rand.

Während die Verehrung deutscher Intellektueller für das französische Nachbarland noch im späten 18. und im 19. Jahrhundert meist an revolutionäres und linkes Gedankengut anknüpfte (siehe Carl Ludwig Börne und Heinrich Heine), verschob sich die Bezugnahme im 20. Jahrhundert auf französische Denker des rechten Randes. Zwar werden mit Jean-Paul Sartre und Albert Camus seit den 1940er Jahren, der „Nouvelle Gauche“ ab 1968 und der „Franzosentheorie“ in den 1970ern Beispiele dafür aufgeführt, dass Frankreich weiterhin wichtige linke Einflüsse liefert.

Doch formieren sich mit den Befreiungsschlägen der 1968er auch die „Nouvelle Droite“ und mit diesem Gedankengut – von Leggewie als „Seelenlage zwischen Dandytum, Rebellion und Melancholie“ beschrieben – auch die dazu passenden Autoren. Hierzu referierte Leggewie ausführlich Jacques Raspail und Renaud Camus. Anhand von Raspails Camp des Saints (1978) zeigte er exemplarisch, wie im Nachgang der Toleranz-Hochzeit der 68-Bewegung Ängste gegen eine vermutete „Invasion“ fremder Kulturen geschürt wurden, die heute neuen Zündstoff finden. Leggewie verwies auf die beachtliche Leserzahl Raspails in Deutschland sowie auf Neuübersetzungen und Neuauflagen seiner Werke gerade in den letzten Jahren, passenderweise auch im nach Ernst Jünger benannten sachsen-anhaltischen Verlag edition antaios. Dabei zeichnete er nach, wie Raspail in der aktuellen Flüchtlingsdebatte zum „Kultautor der völkisch-autoritären Rechten“ und zum Visionär stilisiert wird. Ähnliches geschehe aktuell auch mit Renaud Camus' Thesen gegen das „Grand Remplacement“, welches – teils gegen das Verständnis des Autoren – von nachwachsenden europäischen Rechten als Instrument gegen „Willkommenskultur“ und „Multikulti-Fantasten“ instrumentalisiert werde.

So kommt Leggewie zu dem Schluss, „im Ideenaustausch mit Frankreich“ habe „eine Art Schubumkehr stattgefunden. Bei Camus fällt den meisten Älteren noch Albert ein, nicht wenige Jüngere denken indessen an den Namensvetter Renaud. Bei François-Vincent Raspail, dem Barrikadenkämpfer der Juli-Revolution, zu Börnes Zeiten also, gab es eine ähnliche Mutation zu Jean, dem erklärten Gegenrevolutionär.“

Im Anschluss an den Vortrag fand im Rektorenzimmer ein Empfang in lockerer Atmosphäre statt, den Claus Leggewie mit erhobenem Glas eröffnete. Bei weiteren Gesprächen rund um Frankreich, Europa und die Börne-Professur geriet auch die zweite Halbzeit des Deutschlandspiels, das im Rektorenzimmer gezeigt wurde, ganz in den Hintergrund.

Claus Leggewies Vortrag soll in der September-Ausgabe der Zeitschrift „Sinn und Form“ publiziert werden. Zur Leseprobe auf dem Online-Auftritt der Zeitschrift gelangen Sie hier.

 

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Potenziale des Mobilen Lernens

ZMI Projekt Soziologie 2 Go bietet Didaktik-Workshop an

Im Rahmen des Lehrinnovationsprojekts „Soziologie 2 Go“  fand am 1. Juli 2016 im GCSC-Gebäude ein von der Professur für Soziologie, Schwerpunkt Mediensoziologie ausgerichteter Workshop zum Thema „Potenziale des Mobilen Lernens“ statt.

„Soziologie 2 Go“ ist ein interaktiver, mit dem Smartphone navigierbarer Lehrpfad, der an bestimmten Orten innerhalb Gießens „Migrationsgesellschaft“ soziologisch nachvollzieh- und vermittelbar machen möchte. Mittels einer speziellen Smartphone-Applikation (ILIAS-Learning-Locations) greifen Studierende auf ortsgebundene Informationen innerhalb Gießens zu. Die Stadt wird dabei zum Lern- und Anwendungsort allgemeiner soziologischer Theorien und Methoden.

Mehr Informationen erhalten Sie hier: https://www.uni-giessen.de/fbz/zmi/blogs/soz2gostartet

Im Workshop ging es darum, die Potenziale einer Didaktik des Mobilen Lernens auszuloten und zu veranschaulichen. Dabei sollten verschiedene Optionen für möglichst variable Einsatzszenarien und Anwendungsmöglichkeiten in der universitären Lehre diskutiert werden. Die Workshop-Leitung übernahm die ‚M-Learning'-Expertin Dr. Judith Seipold.

 

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The Power and the Limits of Facebook as a Political Tool

Sektion 1 des ZMI lädt den rumänischen Abgeordneten Remus Cernea zu Vortrag und Diskussionsrunde ein

Am 16. Juni 2016 um 18 Uhr hielt Remus Cernea, grüner Abgeordneter des rumänischen Parlaments in Bukarest, auf Einladung der Sektion 1 des ZMI „Macht – Medium – Gesellschaft” im Hörsaal 012 (Phil II der JLU) einen Vortrag zur Nutzung von Facebook als politisches Instrument. Neben seiner parlamentarischen Oppositionsarbeit setzte sich Remus Cernea als politischer Aktivist in Rumänien vor allem für Menschenrechte, Tierschutz, Trennung von Kirche und Staat und die Gleichstellung von homosexuellen Menschen ein.


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Was wissen unsere SchülerInnen von der Rechtschreibung?

Vortrag von Hans-Georg Müller

 

Das 20-jährige Jubiläum der Rechtschreibreform war am 7. Juni 2016 Anlass für einen Vortrag von Dr. habil. Hans-Georg Müller (Universität Potsdam) zu deren Konsequenzen für den Erwerb mit dem Titel „Was wissen unsere SchülerInnen von der Rechtschreibung?“. Der Vortrag findet in Hörsaal A5

 

 

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Schreiben über den Islam und die Türkei

Stimmen aus der Praxis empfängt FAZ-Journalistin Karen Krüger

Das ZMI und die Fachjournalistik Geschichte freuten sich, im Rahmen der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ am 7.  Juni 2016 die Journalistin Karen Krüger zu empfangen, die seit Jahren für die FAZ über die Türkei und über Muslime in Deutschland berichtet.

Die politischen Veränderungen in der Türkei machen Schlagzeilen. Tag für Tag müssen deutsche Redaktionen entscheiden, was und wie berichtet werden soll. Informiert und diskutiert wird auch über muslimisches Leben in Deutschland. Dabei drängen sich gerade in den überregionalen Medien immer wieder Gewalt und Konflikt in den Vordergrund.

Wie werden Journalistinnen und Journalisten der Herausforderung gerecht, objektiv  zu berichten und umfassend zu informieren, wenn es um die Türkei und den Islam in Deutschland geht? Wie gelingt es ihnen, zugleich wahrhaftig, kritisch und respektvoll zu sein? Leistet die Presse islamophoben Haltungen Vorschub? Oder versäumt sie es umgekehrt, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen anzuklagen? Diese und weitere Fragen sollen am Dienstag angesprochen werden.

Karen Krüger berichtet seit Jahren für die FAZ über die Türkei und über Muslime in Deutschland. Letztes Jahr veröffentlichte sie das Werk „Bosporus Reloaded“, das aktuelle Veränderungen im Leben von Türken in der Türkei und in Deutschland darstellt. Ihr bald erscheinendes Buch „Eine Reise durch das muslimische Deutschland“ untersucht die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland.

Zum FAZ-Profil von Karen Krüger gelangen Sie hier.

 

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Pressebesuche im ZMI

Gießener Allgemeine Zeitung und Gießener Anzeiger interviewen Claus Leggewie

Claus Leggewie im Interview mit Stephan Scholz vom Gießener Anzeiger

Gleich zweimal empfing das ZMI diese Woche Besuch von der Presse.

Am 31. Mai 2016 interviewte Stefan Schaal von der Gießener Allgemeinen Zeitung Claus Leggewie zur Ludwig Börne-Professur, zu Leggewies Aktivitäten in Gießen, und fragte auch nach Einschätzungen zu AfD, Parallelwelten in sozialen Medien und autoritärem Nationalismus sowie zu Engagement, Parti

Claus Leggewie im Interview mit Stefan Schaal von der GAZ
zipation und politischen Zukunftsperspektiven

 

Am 3. Juni 2016 interviewte Stephan Scholz vom Gießener

Anzeiger Claus Leggewie und legte dabei Schwerpunkte auf Leggewies Bezug zur JLU, auf die Bedeutung der Ludwig Börne-Professur aber auch auf politische Fragen auf kommunaler, nationaler und europäischer Ebene.

 

 

 

 

 

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Im Livestream

Dorothée de Nève diskutiert auf Fachtagung der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin zum Thema Gut bekannt und unerreicht? Nichtwähler_innen und Wahlbeteiligung

Das Forum „Politik und Gesellschaft“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin organisierte eine Fachtagung zum Thema „Gut bekannt und unerreicht? Nichtwähler_innen und Wahlbeteiligung“.

Am 31. Mai 2016 diskutieren Dr. Yvonne Schroth, Vorstand der Forschungsgruppe „Wahlen“, Juliane Seifert, Bundesgeschäftsführerin der SPD und Prof. Dr. Dorothée de Nève, Professorin für Politikwissenschaften an der JLU und stellvertretende GD des ZMI, über mögliche Strategien der Mobilisierung von NichtwählerInnen.

Zu dieser Debatte gab es einen Livestream, der über diesen Link erreicht werden konnte: http://www.sagwas.net/


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Ostpreußens vergessene Schlösser

Dokumentationsdrama zum Projekt Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen  bald im NDR

Das ZMI und seine Projektpartner – das Herder-Institut Marburg, die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, und die Technische Universität Lodz/Łódź – konnten kürzlich wichtige Schritte im Projekt „Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen“ verzeichnen.

Nicht nur wurde das von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte Projekt um ein weiteres Jahr bis Frühjahr 2017 verlängert, es wurde auch das Dokumentationsdrama „Ostpreußens vergessene Schlösser“ produziert, das am 25.05.2016 im NDR 3 erstmalig ausgestrahlt wurde. Weitere ARD-Sender werden folgen.

Die von der Filmproduktion Stein (Martin Papirowski) realisierte Dokumentation berichtet über die Arbeit der drei Forscher aus Deutschland, Polen und Russland, die mithilfe modernster Technologie digitale 3D Rekonstruktion zweier heute fast vollständig zerstörter Barockschlösser, Schlodien (Gładysze/Polen) und Friedrichstein (Каменка/Russland), erstellen und damit die untergegangen geglaubte Welt des ehemaligen Ostpreußen virtuell wiederauferstehen lassen. Der Film verknüpft die Arbeit der Wissenschaftler mit der Entstehungsgeschichte der Schlösser, sowie mit Augen- und Zeitzeugenberichten.

Näheres zum Dokumentationsdrama „Ostpreußens vergessene Schlösser“ auf den Seiten des NDR.

 

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Der Kuaför aus der Keupstraße

Fachjournalistik Geschichte und ZMI-Sektion 4 laden heute zur Filmvorführung und zum Gespräch mit dem Regisseur Andreas Maus ein

In Kooperation mit dem ZMI und dem Kinocenter Gießen hat die Fachjournalistik Geschichte den Filmemacher und Journalisten Andreas Maus nach Gießen eingeladen, der kürzlich seinen viel beachteten Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ herausbrachte.

Der Film wurde am 17. Mai 2016 im Kinocenter in Gießen in der Bahnhofstraße gezeigt. Im Anschluss daran fand eine Diskussion mit Andreas Maus statt.

In seinem Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ widmete sich der Kölner Filmemacher Andreas Maus der Arbeit der Ermittler im Falle der Bombenexplosion in der Kölner Keupstraße von 2004. Er zeigt, wie diese über Jahre hinweg ausländerfeindliche Motive ausblendeten und auf skandalöse Weise versuchten, Opfer zu Tätern zu machen. War dies ein Ausdruck struktureller Fremdenfeindlichkeit? Und welche Konsequenzen hatten der Anschlag und die Ermittlungen für die Opfer? Diese und weitere Fragen kommen in der Veranstaltung zur Sprache.

Klicken Sie hier für weitere Informationen.

 

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Mythos 'Cours'. Saussure und die Gründungslegende des Strukturalismus

Vortrag von Ludwig Jäger in der Reihe Educational Linguistics

Mit drei interessanten, thematisch unterschiedlichen Vorträgen bot die ZMI-Sektion 3 Educational Linguistics auch im Sommersemester 2016 wieder die Möglichkeit, über sprachwissenschaftliche Fragestellungen zu diskutieren. Zum 100-jährigen Jubiläum des Cours hielt Prof. Dr. Ludwig Jäger (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) am 10. Mai 2016 einen Vortrag zum Thema „Mythos 'Cours'. Saussure und die Gründungslegende des Strukturalismus“.


 

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Sexismus im Web 2.0

Podiumsdiskussion mit Beteiligung von ZMI-Sektion 1

Am 11. Mai 2016 fand eine Podiumsdiskussion und offene Debatte zum Themenkomplex „Sexismus im Web“ statt. In der von der ZMI-Sektion 1 „Macht – Medium – Gesellschaft“ geförderten Veranstaltung diskutieren die Aktivistin und Bloggerin Malaika Bunzenthal, die Wissenschaftlerin Franziska Schutzbach sowie Nadia Shehadeh, Journalistin des feministischen Blogs  „Mädchen-mannschaft“. Organisiert wurde die Veranstaltung hauptsächlich von Prof. Dorothée de Nève aus Sektion 1.




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Verhaltet euch ruhig

ZMI-geförderte Performance der ATW feiert Premiere auf dem Festival der jungen Talente in Frankfurt

 

Im Rahmen des Festival der jungen Talente (FDJT), das vom 28. April bis 1. Mai 2016 im Frankfurter Kunstverein stattfand, präsentierten die ATW-Absolventinnen Gesa Bering, Laura Eggert und Kathi Sendfeld erstmals ihre Performance „Verhaltet euch ruhig“. Hier werden Verlesungen irrwitzig aneinander gereihter Schlagzeilen mit Livemusik kraftvoll kombiniert. Die medienreflexive Komponente der Performance gab Anlass zu einer Förderung des Projekts durch die ZMI Sektion 5.

Das Festival der jungen Talente (FDJT) findet im zweijährlichen Rhythmus statt und fußt auf einer Kooperation aus sechs künstlerisch ausgerichteten Hochschulen aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Zur Einstimmung auf die Performance:

Die Welt. Alles könnte auch anders sein. Alles, was wir sehen und beschreiben können, könnte auch anders sein. Es könnte alles ganz anders sein. Kein Dada-Gedicht kann den Aberwitz und schieren Irrsinn der aus dem Kontext gerissenen und beliebig aneinandergereihten Schlagzeilen eines einzelnen Tages übertreffen. Die Dinge kommen und gehen und am Ende gibt es trotz aller Eilmeldungen nichts Neues unter der Sonne. Denn, und da sind wir ehrlich, das Gespräch wurde vor der Sendung aufgezeichnet. Dieser Monolog des Informationsflusses, ein Hin und Her von Schlagzeilen – ein Dialog auf einer Seite und der, der ihm gegenübergestellt ist. Alles ist vorproduziert, dennoch könnte alles auch ganz anders sein. Nur die Musik, die ist live. Auf jeden Fall. Garantiert. Und jetzt: das Wetter.

Von und mit: Gesa Bering, Laura Eggert, Kathi Sendfeld Technische Unterstützung: Dominik Hallerbach. Termine: 29.04.2016, 21 Uhr und  30.04.2016.

 

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Wie man mit Multimedia-Specials Geschichte(n) erzählen und Menschen weltweit berühren kann

Susanne Spröer (Kultur Online, Deutsche Welle) zu Besuch bei Stimmen aus der Praxis

Das ZMI und die Professur Fachjournalistik Geschichte luden im Rahmen der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ am 21. April 2016 herzlich zum öffentlichen Vortrag von Susanne Spröer, Abteilungsleiterin Kultur Online, Deutsche Welle, Bonn, und Absolventin der Fachjournalistik Geschichte der JLU ein.

Wie kann man Geschichte spannend und unterhaltsam vermitteln und dabei möglichst viele (auch junge) Menschen erreichen? Natürlich via Internet. Das Internet ist aber mehr als eine mediale Plattform für klassische journalistische Inhalte wie Texte, Videos und Audios. Es bietet Multimedia-Journalisten vielfältige neue Möglichkeiten, Formen digitalen Storytellings zu entwickeln und auszuprobieren.

Wie Geschichts-Inhalte im Internet aufbereitet werden können, zeigte Susanne Spröer anhand von Beispielen aus ihrem journalistischen Berufsalltag. Vorgestellt wurden u.a. die preisgekrönten Multimedia-Specials „Mit 17… Das Jahrhundert der Jugend“ (www.dw.com/mit17) und „Meine Oma, das Regime und ich“ (www.dw.com/oma). Das erste Special ist anlässlich des 100. Jahrestages des Ersten Weltkrieges 2014 entstanden, beim zweiten handelt es sich um ein VJ- Reportage-Special, das die Volontäre der Deutschen Welle realisiert haben. In der anschließenden Diskussion waren Platz für Fragen, Feedback und Anregungen aus dem Plenum.

 

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Social Media und Wissenschaftskommunikation 

Henning Lobin stellt in drei Formaten seine Expertise und Thesen zu Auswirkungen sozialer Medien auf Wissenschaftskommunikation vor

Im Auftrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften hat Prof. Henning Lobin eine Expertise zum Thema „Künftige technische Rahmenbedingungen der digitalen Medien (unter Berücksichtigung für Wissenschaftsthemen besonders relevanter Kanäle)“ verfasst.

Das 37 Seiten umfassende Papier befasst sich mit den technischen Rahmenbedingungen von Social Media-Formaten, gegenwärtigen Entwicklungstendenzen und absehbaren Auswirkungen dieser Entwicklungen für die interne und externe Wissenschaftskommunikation.

Seine Thesen stellte er auf dem Projekt-Blog www.scilogs.de, bei einer Expertendiskussion am Hasso-Plattner-Institution in Potsdam sowie einer öffentlichen Tagung in Berlin dar. Dokumentiert sind diese Auftritte in mehreren Formaten, die hier vorgestellt werden:

Im Projekt-Blog Wissenschaftskommunikation3 – Wissenschaft – Kommunikation – Medien auf der Seite www.scilogs.de – Tagebücher der Wissenschaft hat Henning Lobin vier Gastbeiträge zum Thema verfasst: http://www.scilogs.de/Wissenschaftskommunikation-hoch-drei/

Beim Workshop „Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation“, organisiert von der der Akademienarbeitsgruppe Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien (acatech Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) am 18. März 2016 stellte Henning Lobin seine Expertise und seine Thesen vor. Die Veranstaltung wurde als Livestream mitgeschnitten und gesendet und kann untenstehend oder auf YouTube abgerufen werden: https://youtu..be/3blrT4JWY-Y?t=8782=2:26&amp

Des Weiteren präsentierte der Workshop den Teilnehmern ein innovatives Format der Partizipation, das Diskussionsbeiträge über Twitter (Hashtag #woem2) ermöglichte. Die Storify-Dokumentation der Tagung ist hier zu finden: https://storify.com/acatech_de/bedeutung-chancen-und-risiken-der-sozialen?utm_campaign=website&utm_source=email&utm_medium=email

 

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Wintersemester 2015/2016

 

LONELY PLANET

Theaterperformance gefördert von ZMI-Sektion 5

LONELY PLANET befragt den Theaterraum als paradigmatischen Ort des Kultur-Kontakts und des Exotismus sowie den eigenen, wie auch den kuratorischen Blick auf das Andere. In der Praxis der szenischen Künste wie auch in der Geschichte des Theaters durchmischen und beeinflussen sich fremde Kulturen stets und stetig.

In Reisen und Studienaufenthalten in Japan und Korea erforschten und erlebten die beiden Performer Lars Thielen und Philipp Krüger persönlich auf unterschiedliche Weise die Facetten des Kulturaustausches. Am Ende ihrer Reisen angelangt, wollen sie gemeinsam mit dem Barockcellisten Seung Yoen Lee die Bühne als Ort ihrer Begegnung bespielen. Ob mit Witz, Trash, Opulenz oder Minimalismus, Thielen und Krüger absolvieren einen Parcours aus Stereotypen über Kunst, Kultur, Theater, Japan, Diskurs, Produktion, Soju, Asien, Planen, Vorhaben, Reisen und Abenteuer.

Sowohl die ZMI-Sektion 5 als auch die Hessische Theaterakademie fördern die in Kooperation mit dem Stadttheater Gießen und dem Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft stattfindenden Veranstaltungen. Das LONELY PLANET-Team bedankt sich zudem bei der speed Sun GmbH & Co. KG und der Caravan GmbH für die Unterstützung.

Stattgefunden haben die Performance von und mit Philipp Krüger, Lars Thielen, Julia Kranhold, Seung Yeon Lee, Robert Läßig, Leander Ripchinsky, Anne Mahlow, Gesa Bering und Kristin Gerwien an folgenden Terminen:

  • 14.2.2016, 20:00 Uhr, Abschlussprojekt, Probebühne 1, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Gießen
  • 27.2.2016, 20:00 Uhr, Abschlussprojekt, taT Studiobühne des Stadttheater Gießen

LONELY PLANET – spannendes Medienecho auf ZMI-geförderte Theaterperformance

Die Kritiken des Gießener Anzeiger und der Gießener Allgemeinen Zeitung bewerteten die Performance kontrovers. So lobt Dagmar Klein in der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 1. März 2016 „die sorgfältige Vorbereitung, die Auseinandersetzung mit Theatertheorie und vor allem mit Teamarbeit“, bemängelt aber die fehlende Lesbarkeit einiger Performanceelemente, beispielsweise das Zerhacken des Bonsais. Der Gießener Anzeiger vom 29. Februar 2016  bezeichnet sie als „schwere Kost“. Der Rezensent wünscht sich „mehr Hilfestellung“ bei der Interpretation, relativiert aber zum Schluss, „vielleicht war auch gerade das nicht gewollt?“

Zur Online-Kritik „Wer weiß schon, was gewollt war?“ des Gießener Anzeigers vom 29.02.2016

Die Kritik „Sprechender Bonsai im Zen-Garten“ der Gießener Allgemeinen Zeitung erschien in der Print-Ausgabe vom 01.03.2016.

 

 

 

 

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Yuichi Morii von der Universität Tokyo zu Besuch im ZMI

 

Prof. Yuichi Morii, Direktor des Zentrums für Deutschland- und Europastudien der Universität Tokyo (DESK), war am 23. Februar zu Besuch im ZMI, anlässlich der Anbahnung eines Kooperationsabkommens zwischen der JLU und dem DESK. An dem Gespräch nahmen teil (von links nach rechts): Prof. Katrin Lehnen (stellv. Direktorin ZMI), Prof. Dorothée de Nève (ZMI-Sektion 1), Prof. Henning Lobin (Direktor ZMI), Prof. Yuichi Morii (Direktor DESK), Sabine Heymann M.A. (Geschäftsführerin ZMI).

 

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Vera Ermakova moderierte das nasch-Forum 2016 der VolkswagenStiftung

Im Rahmen des Statussymposiums der VolkswagenStiftung fand am 3. Februar im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover das Forum der NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem Förderprogramm „Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften“ bzw. „Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft“ (kurz: „nasch-Forum“) statt. Es richtet sich an junge WissenschaftlerInnen aus der Stiftungsinitiative und dient seit 2010 als Begegnungsstätte und Austauschmöglichkeit für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Dr. Vera Ermakova (ZMI), auch sie ehemalige Schlüsselprojekt-Mitarbeiterin („Interactive Science“) wurde von der Förderreferentin der VolkswagenStiftung Dr. Vera Szöllösi-Brenig als Kuratorin und Moderatorin der Veranstaltung  eingeladen, nachdem sie zuvor bereits 2011, gemeinsam mit KollegInnen, das nasch-Forum in Göttingen organisiert hatte. Beim diesjährigen Forum standen zwei Fragen im Vordergrund, zum einen: Was bedeutet es, in einem interdisziplinären Projekt zu arbeiten und sich darin zu qualifizieren? Und: Was kann die Stiftung aus diesen Erfahrungen lernen? Außerdem haben die jungen WissenschaftlerInnen über Methoden der Projektarbeit, aktuelle Anforderungen (Digitalität und Interdisziplinarität) und veränderte Zukunftsperspektiven in den Geisteswissenschaften diskutiert.

Mehr als 15 Jahre hat die Stiftung die „Schlüsselthemen“ gefördert, ein Förderangebot, das zunächst nur auf die Geistes- und Kulturwissenschaften ausgerichtet war, dann auch für die Gesellschaftswissenschaften geöffnet wurde. Insgesamt wurden 72 Projekte mit 44,4 Mio. Euro bewilligt. Die VolkswagenStiftung hat von 2008 bis 2011 den sehr erfolgreichen Projektverbund des ZMI „Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien“ mit einem Fördervolumen von 990.000 Euro unterstützt.

Weitere Informationen:

 

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Migration und veränderte Medienpraktiken im marokkanischen Kontext

Ines Braune spricht in der Vortragsveranstaltung der GGS-Sektion Medialisierung von Gesellschaft

Dr. Ines Braune vom Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Philipps-Universität Marburg hat am 27. Januar 2016 zum Thema „Migration und veränderte Medienpraktiken im marokkanischen Kontext“ referiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Vorlesungsreihe „Mediale Dimensionen der Migrationsgesellschaft“ statt und wurde von der Sektion „Medialisierung von Gesellschaft“ des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) der JLU organisiert.
Braune promovierte über die Internetnutzung marokkanischer Jugendlicher und die dabei eintretenden gesellschaftlichen Transformationsprozesse. Seit Juli 2011 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien der Philipps-Universität Marburg. Alle Interessierten waren herzlich eingeladen.


 

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Unbequem

Das ARD Polit-Magazin Panorama — Kontrolle, Recherche, Verantwortung / Diskussionsveranstaltung der ZMI-Sektion 4 mit Anja Reschke

Anja Reschke
Anja Reschke - (C) NDR/Thomas Pritschet
Panorama-Chefin Anja Reschke hat auf Einladung der ZMI-Sektion 4 und der Fachjournalistik Geschichte an einer Diskussionsveranstaltung über kritischen Journalismus im Allgemeinen und das Fernsehmagazin Panorama im Besonderen teilgenommen. Der Diskussionsabend war für alle Interessierten offen.

Unter dem Thema „Unbequem: Das ARD Polit-Magazin Panorama — Kontrolle, Recherche, Verantwortung“ wurden folgende und viele weitere Fragen diskutiert: Wie finden Panorama-Autoren ihre Themen? Wie recherchiert man Missstände, die die Verantwortlichen lieber nicht aufgedeckt sehen wollen? Welche Verantwortung übernimmt man damit, dass man etwas öffentlich macht? Und wie geht man mit dem Ärger um, den einem kritischer Journalismus einbringt?

Seit seiner ersten Sendung 1961 will Panorama das Publikum aufklären und gesellschaftliche Debatten in Gang setzen. Der Ärger derer, die kritisiert werden oder vom Kritisierten profitieren, gehört für das Fernsehmagazin also zum Tagesgeschäft. Doch darüber hinaus scheint Kritik aktuell bei einer beträchtlichen Zahl von Menschen in Deutschland mal wieder in Verruf geraten zu sein, gelten Kritiker vielen als unangenehme Besserwisser, Miesmacher und Ruhestörer. Wie geht Anja Reschke damit um?

Zu Anja Reschke:

Mit ihren pointierten Kommentaren zum Holocaustgedenken, zur aktuellen Massenflucht und zur Ausländerhetze in den Tagesthemen sowie durch deren Verbreitung im Internet wurde Anja Reschke in den letzten Monaten zu einem der bekanntesten Gesichter des kritischen Journalismus in Deutschland. Gerade wurde sie vom Medium Magazin zur Journalistin des Jahres 2015 gewählt. Seit 2000 arbeitet Reschke als Autorin, Moderatorin und investigative Reporterin für Panorama. Vor einem Jahr wurde sie die Leiterin der Abteilung Innenpolitik im Programmbereich Zeitgeschehen/Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks und damit auch Chefin der Magazine Panorama und Zapp.

Gießener Zeitungen berichten über Diskussionsveranstaltung der ZMI-Sektion 4

Anja Reschke
Anja Reschke / Foto: Christian Schmeink
Die Gießener Allgemeine Zeitung und der Gießener Anzeiger berichteten in ihren Samstagsausgaben ausgiebig über die Diskussionsveranstaltung der ZMI-Sektion 4 und der Fachjournalistik Geschichte „Unbequem: Das ARD Polit-Magazin Panorama“ mit Anja Reschke. Zum zweistündigen öffentlichen Diskussionsabend fanden sich vergangenen Freitag über 150 Gäste im Philosophikum I ein. Anja Reschke sprach zuerst über ihre nun 16-jährige Mitarbeit, Moderation und mittlerweile Leitung bei Panorama und stellte sich dann Fragen zu ihrer Wahrnehmung der Flüchtlingsdebatte und zur Berichterstattung über die Thematik. Die wichtigsten Aspekte der Artikel über die Veranstaltung der beiden Gießener Zeitungen werden folgend in einer kleinen Presseschau dargelegt.

Anja Reschke und Prof. Ulrike Weckel
Anja Reschke (Bild links) und Prof. Ulrike Weckel (Bild rechts) bei der Diskussionsveranstaltung / Foto: Christian Schmeink
Unter dem Titel „Reschke besorgt über ,verrohte‘ Debatte“ legte die Gießener Allgemeine Zeitung den Fokus auf die persönliche Verfassung der Referentin. Es wurde mehrfach betont, wie „ernst und verhalten“, sogar „besorgt“ Reschke in Bezug auf die aktuellen Herausforderungen des kritischen Journalismus sei. Vor allem die Flüchtlingsdebatte stelle Journalisten, und dies seit den Ereignissen in Köln nochmals verschärft, vor innere Konflikte der Berichterstattung, die die Gratwanderung zwischen Enthüllungsjournalismus und Schutz von Personengruppen finden, und dabei von Einzelschicksalen bis zu Massenbewegungen alles abdecken müsse. Innerhalb dieses Journalismus, der eine „ultimative Wahrheit“ gar nicht mehr als existent postuliert, müsse Reschke immer wieder gegen „Lügenpresse-Vorwürfe“ und persönliche Attacken, welche wie „kübelweise Dreck ausgeschüttet“ würden, angehen und wisse aktuell nicht, „wie wir da wieder rauskommen.“ Mit diesem ernüchternden Ausblick schließt die Gießener Allgemeine ihre Besprechung.

Publikum bei Vortrag von Anja Reschke
Über 150 Gäste erschienen zur Diskussionsveranstaltung
Auch der Gießener Anzeiger konstatiert, „im Mittelpunkt“ der Veranstaltung haben „die massiven Unterstellungen von Teilen der Öffentlichkeit, denen sich die 43-Jährige, aber auch die Medien insgesamt ausgesetzt sehen“ gestanden. Das Blatt zitiert hierbei Aussagen Reschkes zu hartnäckigen Gerüchten über Flüchtlinge, zur mangelnden „gemeinsame[n] Basis an Fakten innerhalb der Bevölkerung“ und zur Polarisierung des „Stimmungsbildes“ innerhalb der Gesellschaft. Der Anzeiger beschließt seine Besprechung jedoch mit Reschkes Aussage, sie werde Pauschalisierungen gegen Flüchtlinge auch in Zukunft nicht hinnehmen und situiert somit den kritischen Journalismus in einer zwar kritischen, jedoch nicht aussichtslosen Lage. Er lobt außerdem den „herzlichen Empfang“, den das ZMI und die Fachjournalistik Geschichte der Journalistin bereitet haben.

 

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2015


Wintersemester 2015/2016



GeoBib – der Film

GeoBib-Film lässt die Höhepunkte der GeoBib-Abschlusstagung und Lesung mit Patricia Litten Revue passieren

Bewegende Momente und produktives Fazit des dreijährigen GeoBib-Projekts: Der kürzlich von Abdullah Erdogan produzierte „GeoBib-Film“ hält die wichtigsten Momente der Abschlusstagung und -lesung des GeoBib-Projekts fest. Das ZMI und besonders Vera Ermakova, die den Film kuratierte, freuen sich, den zugehörigen Filmtrailer hier vorzustellen.

 

Zum Abschluss des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund einer Million Euro geförderten GeoBib-Projekts lud das ZMI in Kooperation mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU und dem Herder-Institut Marburg am 4. und 5. Mai 2015 zur Abschlusstagung „Neue Perspektiven auf frühe Holocaust- und Lagerliteratur: Texte, Karten und Erschließungsmethoden“ ein. Im Rahmen dieser Veranstaltung präsentierten zahlreiche Wissenschaftler/-innen von unterschiedlichen Forschungseinrichtungen Ergebnisse und Methoden aus den dreijährigen Forschungsarbeiten im GeoBib-Projekt. Im letzten Modul wurde der Blick geweitet, indem thematisch und/oder methodisch ähnliche internationale Projekte zu Wort gebeten wurden.

Einen besonderen Höhepunkt und den Abschluss der Tagung stellte die Lesung aus Werken der Holocaust- und Lagerliteratur dar. Die schweizerisch-deutsche Schauspielerin Patricia Litten las Auszüge aus dem Text ihrer Großmutter Irmgard Litten, die 1940 den Bericht „Die Hölle sieht dich an“ über die fünfjährige Konzentrationslagerhaft ihres Sohnes Hans Litten im KZ Dachau und dessen Selbstmord 1938 veröffentlichte. Zudem präsentierte die vor allem als Theaterschauspielerin deutschlandweit bekannte Patricia Litten Auszüge aus einem Roman über das Getto Theresienstadt, aus verschiedenen Erinnerungsberichten sowie satirische Gedichte von dem Konzentrationslagerüberlebenden Karl Schnog.

Impressionen aus der Lesung sind dem beigefügten Video zu entnehmen. Bei Interesse am ganzen Mitschnitt der Lesung wenden Sie sich bitte an Vera Ermakova (vera.ermakova@zmi.uni-giessen.de). Die Aufzeichnung kann für private, wissenschaftliche und nicht-kommerzielle Zwecke zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen zum Projekt GeoBib finden Sie hier.

 

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Eine Ausnahme. Überleben. Freundschaft. Widerstand

Adrian Oeser und Martin Stiehl zu Gast bei Stimmen aus der Praxis

„Eine Ausnahme. Überleben. Freundschaft. Widerstand“, ein crossmediales Web-Projekt, wurde von Adrian Oeser und Martin Stiehl am Donnerstag, 26. November 2015 vorgestellt. Nach der Präsentation bestand Raum und Zeit zur Diskussion mit dem Publikum.

Das interaktive Web-Projekt basiert auf dem 2006 gedrehten Interviewfilm „Eine Ausnahme“  von Adrian Oeser, in dem er Irmgard Heydorn (linkes Bild), eine deutsche sozialistische Widerstandskämpferin während des zweiten Weltkriegs, und Trude Simonsohn (rechtes Bild), eine jüdische Holocaustüberlebende, zu ihren Erlebnissen und zu ihrer freundschaftlichen Bindung zueinander interviewte. Der Film wurde mehrfach prämiert.

Das von Oeser und dem Programmierer Martin Stiehl erschaffene Onlineportal, www.eine-ausnahme.de, ermöglicht einen interaktiven Zugang zu dem Film. So kann je nach individuellem Interesse bisher unveröffentlichtes Interviewmaterial  aufgerufen werden, neue Einblicke in Szenen und in das Vorgehen beim Schnitt können gewonnen werden und der Film selbst kann angesehen werden.

Die Projektvorstellung wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stimmen aus der Praxis“ gemeinsam von der ZMI-Sektion 4 und der Fachjournalistik Geschichte veranstaltet.

Weitere Informationen:


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Mediale Dimensionen der Migrationsgesellschaft

Vortragsreihe des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der JLU

 

Dr. Vassilis Tsianos (Universität Hamburg) eröffnete mit seinem Vortrag „'... all you need is a mobile phone' - Feldforschung in den mobile Common“ am 2. Dezember 2015 die Vortragsreihe „Mediale Dimensionen der Migrationsgesellschaft“. Ausgerichtet wurde die Vortragsreihe von der Sektion „Medialisierung von Gesellschaft“ des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS). Die Vortragsreihe gliedert sich in drei

Termine:

  • „'... all you need is a mobile phone' - Feldforschung in den mobile Common“, Dr. Vassilis Tsianos (Universität Hamburg), 2. Dezember, 17:00 Uhr c.t.
  • „Transnationale Identitäten der Diaspora: Die Medienaneignung des Ukraine-Konflikts durch die lettische Diaspora in Deutschland“, Dr. Laura Sūna (Freie Universität Berlin), 9. Dezember, 17:00 Uhr c.t.
  • „Migration und veränderte Medienpraktiken im marokkanischen Kontext“, Dr. Ines Braune (Philipps-Universität Marburg), 27. Januar, 17 Uhr c.t.

Weitere Informationen zur GGS-Sektion „Medialisierung von Gesellschaft“ finden Sie hier.

 

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Krisen des Tauschs

Ringvorlesung

Im Wintersemester 2015/16 fand die von Prof. Andreas Langenohl (Sprecher der ZMI-Sektion 1 Macht – Medium – Gesellschaft) organisierte Ringvorlesung „Krisen des Tauschs“ statt.

Die Ringvorlesung „Krisen des Tauschs“ widmete sich den gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen der Praxis des Tauschs in Gesellschaften der Gegenwart. Tauschen ist, folgt man soziologischer, anthropologischer und ökonomischer Literatur, eine soziale Praxis von fundamentaler Bedeutung für die Gesellschaft: Tauschen stiftet Verpflichtungen, schafft Beziehungen und dient der Umverteilung und Zirkulation von Ressourcen, Personen und Symbolen. Zugleich geraten bestimmte Praktiken des Tauschs in der Gegenwartsgesellschaft zunehmend in die Kritik, seien es umstrittene internationale Handelsabkommen, die Ökonomisierung sozialer Beziehungen, weitgehend deregulierte Märkte oder illegitime Formen von Tausch, etwa in der Korruption. Tauschen ist somit eine hochgradig ambivalente Praxis, der die Ringvorlesung nachgegangen ist.


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14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs. Ein europäisches TV-Experiment

Workshop und Abendveranstaltung der ZMI Sektion 4 mit Regisseur Jan Peter

Am Mittwoch, den 21. Oktober 2015, fand anlässlich der Eröffnung des neuen Masterfachs Fachjournalistik Geschichte ein Workshop und eine Diskussion mit dem Regisseur des Fernseh-Großprojekts Jan Peter statt.

Vergangenes Jahr strahlten Fernsehsender in ganz Europa die ambitionierte arte-Serie 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs aus. Die Resonanz war groß, und selbst notorisch fernsehkritische Historiker zeigten sich sehr angetan. Die Mini-Serie erzählt die Geschichte des Ersten Weltkriegs konsequent aus persönlicher und zugleich gesamteuropäischer Perspektive: Die Tagebuch-Schreiberinnen und -Schreiber, deren Beiträge hier in Spielszenen umgesetzt werden, stammen aus diversen kriegführenden Ländern, erleben den Krieg an unterschiedlichsten Orten, verteilen sich über alle Altersstufen, denken politisch ganz unterschiedlich und erleben doch manches durchaus ähnlich.

Die „Fachjournalistik Geschichte“ der JLU hat den Co-Autor und Regisseur dieser europäischen Koproduktion, Jan Peter, eingeladen, sein Fernseh-Großprojekt an der JLU vorzustellen und mit den TeilnehmerInnen zu diskutieren. In der öffentlichen Abendveranstaltung gab es eine Vorführung der 7. Episode der arte-Miniserie „Der Aufstand“. Die Diskussion mit Jan Peter wurde von Prof. Ulrike Weckel, Sprecherin der ZMI-Sektion 4 Medien und Geschichte, moderiert.

Weitere Informationen können Sie dem Flyer entnehmen.

 

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DISKURS 15 - Festival on Spatial Arts

Das von der ZMI-Sektion 5 geförderte Festival „DISKURS 15 - Festival on Spatial Arts“ widmete sich vom 07. bis 11. Oktober 2015 in herausragenden Projekten von nationalen und internationalen KünstlerInnen dem Thema „Ground Control“. Mit Ground Control thematisierte DISKURS 15 in Form von Installationen, Performances, Tanz, Workshops, Vorträgen und Konzerten die Beziehungen zwischen Kunst und Denken, Raum, Performance und Architektur. In diesem Jahr wurden 14 internationale Projekte präsentiert, von denen folgend eine kleine Auswahl vorgestellt wird. Das vollständige Programm des Diskursfestivals können Sie direkt unter diesem Artikel einsehen.

In Sonic Architecture machte JAN JACOB HOFFMANN mit Hilfe von Granularsynthese-Instrumenten Architektur hörbar und erzeugte einen, die BesucherInnen umgebenden Klangraum. ITAY MAROM begleitete in Surveying eine Gruppe von Arbeitern in der namibischen Wüste mit der Kamera und reflektierte darüber den menschlichen Blick und dessen Versuch, sich in der endlosen Weite zu verorten. BesucherInnen werden in Tourgasm: Gießen der Gruppe FREIZEIT in die Rolle von Hypertouristen schlüpfen. NATHALIE FARI erprobte und generierte in ihrem Workshop Body Mapping gemeinsam mit Studierenden eine ortsspezifische Choreographie in der Ground Control. In Cosmology with the End and the Beginning erkundete IVANA RONČEVIĆ ferne Sternsysteme und konfrontierte die ZuschauerInnen mit der eigenen Bedeutung und Position im interstellaren Raum. JULIAN RAUTERs Arbeit Nacht und Träume ließ einen Nebelkörper als Protagonisten erscheinen, der den lebendigen Schauspielerkörper suspendiert und nach der Lust und Unlust des eigenen Verschwindens fragt. Zusätzlich konnte eine Reihe internationaler RaumexpertInnen aus Wissenschaft, Kultur und Architektur für Vorträge gewonnen werden. BesucherInnen konnten sich zudem auf Konzerte und Partys freuen, u.a. auf den japanischen Komponisten und Elektromusiker UENO MASAAKI (Raster-Noton).

DISKURS 15 konzentriert gedankliche und physische Räume, ist Raum für Kunst, zu erlebender und sozialer Raum. Das Festival steht in langer Tradition für junge, internationale performative Künste in Gießen. Jährlich wird das Event von Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft gestaltet. Die Veranstaltungen des Events fokussieren sich auf interdisziplinäre künstlerische Praxis und einen zeitgenössischen kulturellen und theoretischen Austausch. DISKURS 15 ermöglichte vielseitige Begegnungen von KünstlerInnen, TheoretikerInnen und Publikum und schuf ein für alle bereicherndes Miteinander zwischen Kunst, Wissenschaft, Politik und Unterhaltung.

Veranstaltet wurde das Festival von kunstrasen giessen e.V. Gefördert wurde das Event vom ZMI, dem Kulturamt der Stadt Gießen, der Hessischen Theaterakademie, der Gießener Hochschulgesellschaft, der Gießener Kulturstiftung, der Justus-Liebig-Universität, dem AStA der JLU Gießen und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

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Henning Lobin gab Workshop im Prager Goetheinstitut

 

Im Rahmen der Fachkonferenz „Lesen und Literaturvermittlung im digitalen Zeitalter“ bot Henning Lobin am 07. Oktober 2015 im Prager Goetheinstitut einen Workshop zum Thema „Lesen und Schreiben in der Engelbart-Galaxis“ an.

 

 


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Sommersemester 2015


Delegation der Sichuan-Universität Chengdu zu Gast an der JLU

Von links nach rechts: Meichen ZHANG-QI, Yan Cheng, Leye YAO, Henning Lobin, Shijing YAN, Sabine Heymann, Ping GUAN, Urs Bremer

Eine Delegation der Sichuan Universität Chengdu, China, bestehend aus: Shijing YAN (Vice President of Sichuan University), Ping GUAN (Vice Dean of International Office), Leye YAO (Director of Office of Social Sciences) und Meichen ZHANG-QI (Incoming International Students Coordinator), besuchte am Freitag, 18. September, die JLU, um sich über die Fachbereiche, Forschungsfelder und die JLU als Ganzes zu informieren. Anlass des Besuchs waren informelle Gespräche über mögliche Kooperationen zwischen der Sichuan-Universität und der JLU. Empfangen wurden die Chinesen von Prof. Henning Lobin (Direktor des ZMI und Repräsentant des Präsidenten der JLU für Chinesische Angelegenheiten), Sabine Heymann (Geschäftsführerin des ZMI), Yan Cheng (Koordinatorin für Chinesische Angelegenheiten des ZMI), Urs Bremer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZMI) und Ralph Zoth (IT-Koordinator des ZMI).

Der ganztägige Besuch führte die Gäste der Sichuan-Universität zunächst ins International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), wo Dr. habil. Michael Basseler (Manger des GCSC) die Delegierten über das Forschungs- und Tätigkeitsprofil des Graduiertenzentrums informierte. Insbesondere an den verschiedenen Kooperationsformen zwischen GCSC und ausländischen Universitäten zeigten die Chinesen reges Interesse.

Eva C. Glaser (Kommissarische Leiterin der Nutzerabteilung der Universitätsbibliothek) führte die Gäste durch die Universitätsbibliothek, wo sie sich über die Größe und die Organisation der Bibliothek informierten. Im Rahmen der Führung durch das Gebäude wurden zahlreiche Aspekte der über 400 Jahre andauernden Geschichte der JLU erwähnt. So wurden beispielsweise abseits der alltäglichen Pfade, die Studierende und Forscher auf der Suche nach geeigneter Literatur beschreiten, alte handbeschriebene Registerkarten in einer geschichtsträchtig anmutenden, ledernen Schatulle präsentiert. Diese Registerkarten wurden von Gießenern unter Einsatz ihres Lebens im Jahre 1944 aus der durch Bomben zerstörten und in Brand geratenen Universitätsbibliothek gerettet. Die Bücher, auf die die Karten verweisen, verbrannten.

Nach der Bibliotheksführung ging es zum Campus Recht und Wirtschaft. Auf dem Campusgelände wurde der Gruppe der neue multifunktionale Hörsaal präsentiert. Es wurde auf die zahlreichen bekannten Persönlichkeiten eingegangen, die an diesem Ort Jura studierten, z.B. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier, der Hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesverfassungsrichter Wilhelm Schluckebier und die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypries. Zudem wurde über das Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) informiert. 

Bei einer Rundfahrt durch Gießen konnten die Gäste verschiedene Campus und Gebäude in Augenschein nehmen. Auf besonderes Interesse stießen das Biomedizinische Forschungszentrum Seltersberg, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, das Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System und die Gießener Chemie. Es wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen der Sichuan-Universität und der JLU festgestellt, so ähnelt sich das Spektrum der Fachbereiche beider Universitäten und beide Universitäten sind sehr gut aufgestellt in den Bereichen Chemie und Medizin.

Zeughaus, Neues Schloss und botanischer Garten wurden kurz besichtigt, Architektur, Geschichte und die Größe des botanischen Gartens erläutert. Die Gäste zeigten großes Interesse an der Geschichte der JLU und wussten diese altehrwürdigen Orte sehr zu schätzen.

Henning Lobin stellte die JLU im ZMI im Rahmen einer Powerpoint-Präsentation vor, woraus sich ein angeregtes und aufschlussreiches Gespräch ergab. Shijing YAN stellte das Profil der Sichuan-Universität vor, erklärte, welche Kooperationen bereits zu anderen Universitäten auf der ganzen Welt unterhalten werden, und erörterte Ideen, wie eine Kooperation mit der JLU aussehen könnte. Auch hier stellten alle Beteiligten zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Universitäten fest.

 

 

Nach dem Gespräch im ZMI empfing Prof. Richard Göttlich (Studiendekan im Institut für Chemie) die Delegierten und führte sie durch das neue Chemiegebäude. Es ergab sich ein fruchtbarer und interessanter Informationsaustausch zwischen den Gästen, Yan Cheng und Herrn Göttlich.

 

 

 

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Henning Lobin moderiert Mitternachtsgespräch bei der Mystischen Nacht der abrahamitischen Religionen

Am 18. September 2015 fand ab 17:00 Uhr die Mystische Nacht der abrahamitischen Religionen mit Musik, Poesie und Kunst im Hauptgebäude der JLU statt. Henning Lobin (Direktor des ZMI) moderierte von 0 bis 1 Uhr das Mitternachtsgespräch „Vom eindimensionalen Menschen zur Integralen Spiritualität - Mystik in Literatur, Musik, Malerei und Religion“.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Veranstaltung.

 

 

 

 

 

 

 

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Besuch aus Tokio am ZMI

 

Am 11. August 2015 besuchte Hideto Hiramatsu (Geschäftsführer des Zentrums für Deutschland- und Europastudien der Universität Tokyo - im Bild links) das ZMI. Empfangen wurde er von Katrin Lehnen (stellv. Direktorin des ZMI – im Bild Mitte) und Dorothée de Nève (Professorin am Institut für Politikwissenschaft der JLU – im Bild rechts). Die JLU kooperiert mit der Universität Tokio






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GeLeSo 2015

 

 

Autorenlesung und Zeitzeugengespräch mit Grit Poppe und Detlef Jablonski

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G. Poppe und D. Jablonski © LZG
Mit einer Kombination aus Autorenlesung und Zeitzeugengespräch eröffnete am 27. Mai 2015, im Hermann-Levi-Saal des Gießener Rathauses der sechste Geschichtslesesommer (GeLeSo) der Professur für Didaktik der Geschichte, des Instituts für Germanistik der JLU sowie des Literarischen Zentrums Gießen (LZG). Anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung rückte der diesjährige GeLeSo die Lebensumstände und Erfahrungen Jugendlicher in der DDR ins Zentrum des Interesses. Wie emotional aufgeladen dieses Thema ist, wurde bereits an diesem ersten
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Hermann-Levi-Saal © Gießener Stadtbibliothek
Termin deutlich. Die Autorin Grit Poppe stellte ihr Jugendbuch „Schuld“ vor, in dem es um die junge Liebe von Jana und Jakob geht, die versucht, zwischen Systemkonformität und –kritik zu bestehen. Das Schicksal des rebuplikkritischen Jungen Jakob, der schließlich im Gefängnis landet, griff Poppe stellvertretend für die vielen wahren Begebenheiten ähnlichen Typs auf. Eine dieser wurde am selben Abend von Detlef Jablonski geschildert – in jungen Jahren zu zehn Monaten Haft verurteilt, nachdem er zwei Mal aus der DDR zu fliehen versuchte, litt er fortan als „Staatsfeind“ unter den staatlichen Repressalien, deren seelische Folgen ihn auch heute noch belasten. Das Zusammenkommen von literarischer Fiktion und historischer Realität wirkte sehr eindringlich auf die 200 Besucher und regte zu einem intensiven Austausch zwischen Podium und Publikum an. Besonders erfreulich war, dass sich im voll besetzten Saal u.a. auch Schüler der umliegenden Orte Gladenbach, Nidda und Buseck mit ihren vorher ausgearbeiteten Fragen an der Diskussion beteiligten.

Dorit Linke liest aus ihrem Roman „Jenseits der blauen Grenze“

Am Montag, den 29. Juni, stellte Dorit Linke ihren Erstlingsroman „Jenseits der blauen Grenze“ vor, in dem es um zwei junge Erwachsene geht, die im August 1989 über die Ostsee einen Fluchtversuch in den Westen unternehmen. Hanna und Andreas fühlen sich aufgrund staatlicher Willkür und Repressalien in ihrer Freiheit und ihren Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten und entscheiden, den 50km langen und gefährlichen Fluchtweg zu Wasser auf sich zu nehmen. Während der Leser die beiden Protagonisten bei ihrem riskanten Unterfangen begleitet, führt Linke ihn zugleich in deren zurückgelassene Leben ein und vermittelt ein stimmiges Bild einer Jugend kurz vor dem Ende der DDR.

Dorit Linke verbindet in „Jenseits der blauen Grenze“ Ernsthaftigkeit und Witz miteinander. Ihr Buch war im Januarranking der besten sieben Bücher für Jugendliche vertreten und ist zudem für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015 nominiert.

Lesung des Comic-Zeichners und Autors Flix

Am Freitag, den 10. Juli 2015, schloss der diesjährige Geschichtslesesommer mit der Lesung des Comiczeichners und -autors Felix Görmann (Flix) ab. Das GeLeSo-Thema DDR hat Flix in seinem 2009 erschienen Comic Da war mal was… aufgegriffen, in dem er in mehreren Episoden von unterschiedlichen DDR-Alltagserfahrungen erzählt.
Flix hat schon in jungen Jahren sein Interesse für Comics und für das Comiczeichnen entdeckt. Mittlerweile sind zahlreiche Arbeiten von ihm veröffentlicht worden, darunter u.a. Graphic Novels, Cartoonbände und Comictagebücher.

  • "Flix" - offizieller Internetauftritt

 

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Hamster, Hipster, Handy im Museum Angewandte Kunst (MAK) in Frankfurt/Main

Vortragsreihe mit Talkrunden (Mai-Juli 2015)



  • Digitaler Hausbesuch. Zeige mir dein Handy, und ich sage Dir, wer Du bist

Ein Podiumsgespräch der etwas anderen Art war am Mittwochabend, 27.05.2015, die Veranstaltung „Digitaler Hausbesuch. Zeige mir dein Handy, und ich sage Dir, wer Du bist“. Sie bildete den Auftakt zu drei Talkrunden, die in Zusammenarbeit mit dem ZMI im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt/Main, begleitend zur Ausstellung „Hamster Hipster Handy. Im Bann des Mobiltelefons“, stattfanden. Dabei schlüpfte Prof. Dr. Henning Lobin, GD des ZMI, in die ungewohnte Rolle eines Talkmasters und Moderators. Lobin gab zunächst eine kleine Einführung über die in den letzten Jahren mit den technischen Möglichkeiten rasant gewachsene Bedeutung des Mobiltelefons im Alltag.

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Henning Lobin und Aljoscha Romahn
Für viele Menschen ist das Mobiltelefon das erste und das letzte Objekt, das sie am Tag in der Hand halten.
Prof. Lobin führte mit drei Personen unterschiedlichen Alters Gespräche über ihr privates „Handy-Leben“. Zusammen mit dem 23 Jahre alte Studenten Aljoscha Romahn und dem 17-Jährigen Leo Köppencastrop analysierte Lobin die typische Handy-Nutzung der beiden jungen Männer.

Die Mediensoziologin Prof Heike Greschke (JLU/ZMI) ordnete diese Symbiose zwischen Mensch und Handy wissenschaftlich ein und beleuchtete Besonderheiten im Zusammenhang mit Themen wie Migration und Geschlechterverhältnis.

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Die Talkrunde mit (von links) Leo Köppenastrup, Jean-Claude Yves Maier (Kunstsammler und Unternehmensberater), Prof. Greschke und Prof. Lobin.

 

 

  • Mit Henning Lobin „Unterwegs im Twitterversum“ – Eine Reise in die Welt der Kürzesttexte

 

Unter dem Titel „Unterwegs im Twitterversum – Eine Reise in die Welt der Kürzesttexte“ fand am Mittwoch, 17. Juni, ab 19 Uhr im Frankfurter Museum Angewandte Kunst ein öffentliches Gespräch zwischen Twitter-Praktikern und -Experten mit Prof. Henning Lobin (Direktor des ZMI) statt.

 

Das Event war Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Hamster, Hipster, Handy“. Dem Thema des Abends entsprechend wurden Tweets auf Live-Twitter-Walls angezeigt und es wurde eine Anleitung zum Selber-Twittern bereitgestellt.

 

HashTag, ShitStorm, Follower. Tatort Twitter – Die Meinungsmaschine Twitter ist ein Infokosmos geworden, der seine eigenen Regeln und Phänomene entwickelt hat. Das Grundprinzip heißt Partizipation: Jeder kann mitlesen und mitschreiben, sofern er die Regeln des Mediums beherrscht. Henning Lobin navigierte im Gespräch mit Intensiv-Twitterer Tom Klein (Hessischer Rundfunk), Social Media-Expertin Catharina Clauß (Hessischer Rundfunk) und Medienwissenschaftler Michael Klemm (Universität Koblenz) durch die Welt der Echtzeitnachrichten und beleuchtete, wie sie die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privaten aufweichen, inwiefern das Medium den Tagesjournalismus und den Medienkonsum verändert oder als strategisches Instrument von Politikern genutzt wird.

 

 

  • Handylyrik: Event mit Henning Lobin und Dalibor Marković - Innovatives Veranstaltungskonzept, Poesie und rege Publikumsbeteiligung

Henning Lobin (Direktor des ZMI, unteres Bild) und Dalibor Marković (Poetryslammer, oberes Bild) gingen am Mittwoch, den 1. Juli, im Frankfurter Museum Angewandte Kunst in der Veranstaltung „Handylyrik – Wie uns der Computer Schreiben und Dichten abnimmt“ der Frage nach: „Wer ist hier der Autor – Sie oder Ihr Handy?“

Lobin und Marković leiteten das Publikum an, „Haikus“ zu schreiben, eine japanische Gedichtform, die aus drei Zeilen mit Wortgruppen à fünf, sieben und fünf Silben besteht. Der Clou - das Publikum musste die Wortvorschlagsfunktion der eigenen Smartphones benutzen und die Gedichte in einer kreativen Kollaboration zwischen Computerprogramm und eigenen Worten erstellen. Dabei ergaben sich witzige, ernste und teils wiedersinnige Gedichte, die anschließend von Dalibor Marković performt wurden. Dank seiner Bühnenerfahrung und perfekten Intonation wurde der Vortrag eines jeden Gedichts zu einem Event für das Publikum.

Auch Markovićs Performance „Fingertrilogy“ und Henning Lobins Einführung, die die Entwicklung der Schrift von der Erfindung des Buchdrucks bis hin zur Funktionsweise der Wortvervollständigungsfunktion im Smartphone thematisierte, wurden vom Publikum mit regem Applaus quittiert.

Das innovative Veranstaltungskonzept sowie die poetische Liaison, die das Publikum mit dem Poetryslammer einging, erwiesen sich – wie schon die beiden vorangegangenen Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung „Hamster Hipster Handy“ - als äußerst erfolgreich.

 

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Digitale Selbsterkenntnis, oder: wie ich aufhörte mich zu fürchten und lernte das Internet zu lieben

Kai Biermann bei Stimmen aus der Praxis

Zum Thema „Digitale Selbsterkenntnis, oder: wie ich aufhörte mich zu fürchten und lernte das Internet zu lieben“ hat Kai Biermann (ZEIT ONLINE) im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Stimmen aus der Praxis“ am 9. Juli vorgetragen. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Studierende und interessierte Beschäftigte der JLU gleichermaßen und wird ausgerichtet von der Professur für Fachjournalistik Geschichte und dem ZMI. Im Anschluss an den Vortrag wird es zu einem Gespräch zwischen Biermann und dem Publikum kommen, Fragen können gestellt werden und es darf munter diskutiert werden.

Nach Stationen bei der Berliner Zeitung, der Financial Times Deutschland und der taz ist Kai Biermann seit 2007 Redakteur bei ZEIT ONLINE. Zunächst war er dort als Hauptstadtkorrespondent tätig, seit 2009 schreibt er über Internet, Datenschutz und Netzpolitik, dieser Wochen etwa über die NSA und den NSA-Untersuchungsaus­schuss. Aus einem Artikel über Wortschöpfungen zum Thema „Innere Sicherheit“, die Einschrän­kungen der Freiheit als Gewinn verkaufen (Des Schäubles kleines Wörter­buch, 2009) entstand der Blog neusprech.org, den Biermann zusammen mit dem Linguisten und Podcaster Martin Haase betreibt. 2011 erhielt der Blog den Grimme-Online-Award.

 

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Bewusstheit – Sprache – Lernen 

Abschlussvortrag der Educational-Linguistics-Reihe:  Dr. Juliane Stude spricht zu Sprachbewusstheit und Sprachthematisierungen im Kindes- und Jugendalter

Am 30. Juni 2015 schloss die Vortragsreihe Bewusstheit – Sprache – Lernen der ZMI-Sektion 3 Educational Linguistics mit einem Gastvortrag der Wissenschaftlerin Dr. Juliane Stude von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ab.

Dr. Stude verhandelte in ihrem Vortrag „'When you‘re talking to adults at school, you make it sound better' – Sprachbewusstheit und Sprachthematisierungen im Kindes- und Jugendalter“, welche Vorstellungen Heranwachsende über die Funktionsweise kontextspezifischen Sprachgebrauchs entwickeln. Sie setzte dabei zwei Schwerpunkte, die diese Entwicklung illustrieren sollen. Zum einen betrachtete sie, in welchen Interaktionszusammenhängen Kinder in ihrem Alltag Bezug auf Sprache nehmen. Zum anderen stellte sie die grundlegende Frage, welche Aspekte von Sprache die Beteiligten zu thematisieren imstande sind.

 

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LISTEN Radio Free Europe Wahrheit oder Propaganda?

Filmvorführung der ZMI Sektion 4 mit Regisseurin Diana Ivanova

Was machte Radio Free Europe so gefährlich und wie wurde es für Generationen von Bulgaren zur Legende? Die bulgarische Filmemacherin und Autorin Diana Ivanova stellte am 25. Juni 2015 ihren Dokumentarfilm LISTEN vor. Der Film erzählt die vergessene Geschichte von Radio Free Europe. Von den USA in Westdeutschland gegründet, gehörte der Radiosender zu den schlimmsten Feinden des kommunistischen Bulgariens.

Listen ist ein Film, der zum ersten Mal verschiedenen Wahrheiten nebeneinander Raum bietet – Hörern und Journalisten von Radio Free Europe, Funktionären der bulgarischen Staatssicherheit, Agenten und US-Sicherheitsdirektoren. Er zeigt nie gesehenes Archivmaterial der Staatssicherheit und offizielle bulgarische und amerikanische Propaganda-Filme. Das Ergebnis? Ein neues unbekanntes Bulgarien vor dem Fall des Kommunismus, das wir so zum ersten Mal hören und sehen.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand eine Diskussion mit der Regisseurin Diana Ivanova statt. Veranstalter waren das ZMI und das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC).

 

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Henning Lobin über die Zukunft von Printmedien

Expertenanhörung im Hessischen Landtag

Henning Lobin (Direktor des ZMI) plädierte am 10. Juni 2015 im Hessischen Landtag dafür, eine Landesstiftung einzurichten, die Startup-Firmen im Print- und Onlinebereich unterstützt. Gemeinsam mit weiteren Experten war Lobin  zu einer Anhörung im Plenum des Landtags eingeladen. Mit seiner Befürwortung der Gründung einer Stiftung unterstützte er einen Vorschlag der SPD-Fraktion.

Internet und veränderte Mediennutzung setzen Zeitungen immer stärker unter Druck. Die Auflagen nehmen seit geraumer Zeit drastisch ab. Die Folge ist eine wachsende Konzentration von Verlagen und damit einhergehend weniger inhaltliche Vielfalt auf dem Zeitungsmarkt. Dieser Entwicklung möchten die beiden Regierungsparteien CDU und Grüne durch die  Stärkung der Medienkompetenz in Schulen und Kitas entgegenwirken. Den Aufbau einer Landesstiftung lehnt die Regierung ab.

Auch Werner D'Inka, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Hans Georg Schnücker, Vorsitzender des  Verbands Hessischer Zeitungsverleger, sehen die Etablierung einer solchen Stiftung kritisch: Um zu vermeiden, dass eine Stiftung staatliche und parteipolitische Interessen verfolge, käme die Schaffung einer solchen Institution nur in Frage, wenn die Verlage selbst über die Verteilung der Stiftungsmittel bestimmen dürften. Henning Lobin hielt dagegen: „Selbstverständlich muss so eine Stiftung staatsfern agieren“.

Einigkeit herrschte unter den geladenen Medienexperten darüber, dass kein Ende der Krise am Zeitungsmarkt zu sehen ist, sich insbesondere die Mediennutzung von jungen Menschen stark verändert hat. Informationen beziehen diese  vorrangig aus dem Internet und den Social-Media-Networks. Die Zeitung hingegen verliert als Informationsquelle drastisch an Bedeutung. Erschwerend wirkt die sogenannte „Kostenlos-Kultur“ im Internet. Weil immer weniger Menschen dazu bereit sind, für Nachrichteninhalte Geld zu bezahlen, wird es für Verlage zunehmend schwieriger, ihre Geschäftsmodelle an die aktuellen Herausforderungen anzupassen. Auf diese Herausforderungen ist Lobin nicht zuletzt in seinem aktuellen Buch „Engelbarts Traum – Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt“ eingegangen.

Weitere Informationen:

 

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Theater ohne Publikum

Filmvorführung und Matinee unterstützt durch ZMI Sektion 5

ATW
(c) www.theatre-without-audience.net
In der Filmproduktion der Knudsen & Streuber  Medienmanufaktur zeigt Pawel Kocambasi mit Filmmaterial aus Polen, Berlin, Florida und New York Fragmente aus dem Leben und Denken der großen internationalen Theaterpersönlichkeit Andrzej Tadeusz Wirth (ATW). Die Filmvorführung und das Matinee fanden am 11. Juni 2015 um und auf der Lastenbühne des Festivalzentrums von theater maschine 2015 statt. Im Anschluss an die Filmvorführung gab es die Möglichkeit, mit Andrzej T. Wirth sowie mit dem Regisseur des Films, Pawel Kocambasi, zu diskutieren.
ATW unterrichtete Drama und Vergleichende Literaturwissenschaft in Harvard, Yale, Oxford, Stanford und New York. In seinen New Yorker Vorlesungen in den Siebzigern führte er Gertrude Stein, Brecht und Witkiewicz als Vordenker des postdramatischen Theaters ein. 1982 kehrte er nach Europa zurück und gründete das legendäre Institut für Angewandte Theaterwissenschaften an der JLU. Das Institut reformierte die Darstellenden Künste. Seitdem hat Wirth keine Hemmungen mehr, sich selbst ATW zu nennen, ein Anagramm von Andrzej Tadeusz Wirth und der von ihm gegründeten Gießener Institution.

Vom Standpunkt seines Theaterinteresses aus gesehen, brachten ihn glückliche Umstände immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort und mit den richtigen Personen in Kontakt: Kantor und Grotowski in Polen, Bertolt Brecht und der Gruppe 47 in Berlin und Robert Wilson in New York. Zu den Schülern von ATW gehörte u.a. René Pollesch, der in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Theaterpreises  des Internationalen Theaterinstituts (ITI) 2008 an ATW schreibt: „...Theater ist oft wie Schule. Und das war das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft nie: Unterweisung, Zurichtung für irgendwas, was es schon gibt. Ich weiß nicht, wie glücklich die anderen Kommilitonen darüber sind, dass Andrzej Wirth ihr Professor war. Ich jedenfalls will mir gar nicht ausmalen, was ohne ihn aus mir geworden wäre.“
Unterstützt und gefördert wurde das Event vom ZMI, dem Grenzgängerprogramm des LitCol, Berlin und der Robert-Bosch-Stiftung.
Weitere Informationen:

 

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Bewusstheit – Sprache – Lernen

2. Gastvortrag in der Educational Linguistics-Reihe

Am Dienstag, den 02. Juni sprach Dr. habil. Sabine Hoffmann von der Università della Calabria, Italien, im Rahmen der Reihe „Bewusstheit – Sprache – Lernen“ zu „Sprachbewusstsein und mündlicher Kompetenzentwicklung beim Fremdsprachenlehren und -lernen“. Sie geht dabei verschiedene Themen an, bspw. die Unterscheidung von explizitem und implizitem Lernen, die Ermittlung bewusster Prozesse beim Aufbau mündlicher Kompetenz, aber auch Formen der Selbst-und Fremdbewertung des Lehrverhaltens. Schließlich sollte ermittelt werden, in welcher Weise Sprachbewusstsein in der Lehreraus- und -fortbildung stärker berücksichtigt werden könnte.

 

 

 

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Engelbarts Traum

Lesung von Henning Lobin über die Zukunft des Lesens und Schreibens

archiv.text.image108Nach zahlreichen Lesungen in Deutschland und der Schweiz gab Prof. Henning Lobin (Direktor des ZMI) am 20. Mai im Gießener Kulturzentrum (KiZ) Einblicke in die Zukunft des Lesens und Schreibens. Die Veranstaltung des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) wurde von Alf Mentzer (hr2-Kultur) moderiert. Nachdem Henning Lobin sein Buch Engelbarts Traum – Wie der Computer uns das Lesen und Schreiben abnimmt bereits in zahlreichen Städten präsentierte, hatten nun interessierte Gießener die Möglichkeit, sich mit dem Sprachwissenschaftler und Informatiker über die Zukunft des Lesens und Schreibens in einer sich fortschreitend digitalisierenden Welt auszutauschen. Seit Jahren erforscht der Gießener Professor die kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die mit dem digitalen Wandel einhergehen. Engelbarts Traum widmet sich u.a. Fragen, wie: Wie verändern sich unsere Kulturtechniken und im Zuge des digitalen Wandels bspw. die Lehre an Schulen und Universitäten?“ oder „Wie stellen sich Bibliotheken und Verlage auf die veränderten digitalen Realitäten ein?“ All dies sind bedeutende Fragen der heutigen Zeit, die auch am 20. Mai in der Kongresshalle zu einer anspruchsvollen und ansprechenden Diskussion führten.

 

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Vortragsreihe der Sektion 3

Bewusstheit - Sprache - Lernen

Die ZMI-Sektion Educational Linguistics veranstaltete im Sommersemester 2015 drei Gastvorträge zum Thema „Bewusstheit - Sprache - Lernen“. Die Reihe begann am Dienstag, 19.05.2015 mit einem Beitrag der Gießener Lehrenden Dr. Kai Hamburger und Prof. Dr. Jürgen Kurtz, die zu „Bewusstheit und Bewusstsein aus psychologischer und fremdsprachendidaktischer Perspektive“ sprachen.

 

 

 

 

 

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theateradaptionen

Internationale Tagung der Universität Mainz über Interkulturelle Transformationen moderner Bühnentexte

Theaterinszenierungen implizieren immer intermediale Übersetzungsprozesse. Im Rahmen einer Tagung, die als interdisziplinäres und interkulturelles Gespräch entlang der Schnittstellen von Literatur- und Übersetzungswissenschaft, Übersetzungspraxis, Theaterpraxis und Verlagswesen konzipiert war, fand vom 7. bis 9. Mai 2015 an der Johannes Gutenberg Universität Mainz in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz und dem Zentrum für Interkulturelle Studien (ZIS) die internationale Tagung „theateradaptionen“ statt. Auf Einladung des Veranstalters, Prof. Dr. Olaf Müller (Univ. Mainz, Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft) hat Sabine Heymann dort einen Vortrag zum Thema „'Konzept' und 'Wort'. Luca Ronconis Methode der 'Zweigleisigkeit' bei der Inszenierung von übersetzten Texten und die Folgen“ gehalten und bei einer Podiumsdiskussion über intermediale Übersetzungsprozesse mitdiskutiert. Dabei analysierten Vertreter der involvierten Arbeitsgebiete (Literatur- und Übersetzungswissenschaftler, Übersetzer, Theater- und Verlagspraktiker, Theaterkritiker), was zusätzlich zu diesem immer stattfindenden intermedialen Übersetzungsprozess auf dem Spiel steht, wenn einer Inszenierung bereits ein übersetzter Text zugrunde liegt.

 

(Foto oben links: Podiumsdiskussion im Glashaus des Staatstheaters Mainz. (v.l.) Prof. Olaf Müller, Jörg Vorhaben (Chefdramaturg Schauspiel Mainz), Bettina Walther (Fischerverlage Theater und Medien), Sabine Heymann, Uli Menke (Übersetzer), Luigi Reitani (Germanist, Übersetzer), Flavia Foradini (Journalistin, Autorin)

Foto rechts unten: Vortrag in der Alten Mensa der Universität Mainz. (Fotos: privat)

 

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Abschlusstagung des GeoBib-Projekts

13 interessante Vorträge und eine ergreifende Lesung aus Werken der Holocaust- und Lagerliteratur

Unter dem Titel „Neue Perspektiven auf frühe Holocaust- und Lagerliteratur: Texte, Karten und Erschließungsmethoden“ veranstalteten das ZMI, die Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL) der JLU sowie das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung Marburg vom 4.-5. Mai die Abschlusstagung des GeoBib-Projekts „Georeferenzierte Online-Bibliographie früher Holocaust- und Lagerliteratur“.

Das Projekt widmete sich seit 2012 der bibliographischen Erfassung von frühen Texten der deutsch- und polnischsprachigen Holocaust- und Lagerliteratur der Jahre 1933 bis 1949. Lange Zeit wurden diese Dokumente in der  Wissenschaft und Öffentlichkeit vernachlässigt und sind heute überwiegend vergessen. Sie erfassen unmittelbar die Verbrechen des Holocaust, etwa in den Konzentrationslagern, und sind historische Zeugnisse individueller Schicksale. Die Werke wurden in einer Online-Datenbank auf dem Internetportal www.geobib.info wie in einem virtuellen Atlas auf Landkarten vermerkt. Die Datenbankeinträge enthalten biographische Informationen zu den Autoren sowie die Entstehungshintergründe der Werke. Auf diese Weise eröffnete das Projekt einen neuen Zugang zur Erforschung und Nutzung der frühen Holocaust- und Lagerliteratur.

Im Rahmen der interdisziplinären Tagung analysierten 16 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in 13 Vorträgen anhand konkreter Beispiele, wie sich biographische, bibliographische und kartographische Daten analysieren, untersuchen und erschließen lassen.

Zu den Vortragenden zählten: Dr. Markus Roth (AHL), Dr. habil. Barbara Breysach (Europa Universität Viadrina), Anika Binsch (AHL), Charlotte Kitzinger M.A. (AHL), Anna Kiniorska-Michel M.A. (AHL), Dr. Patrik Sahle (Cologne Center for eHumanities), Bastian Entrup (JLU), Sandra Schaarschmidt und Ines Schiller (JLU), Franz Kraus und Jonas Pieper sowie Dr. Jürgen Schweikart (Beuth Hochshule für Technik), Prof. Dr. Wolfgang Benz (TU Berlin), Prof. Dr. Andrea Reiter (University of Southhampton), Dr. Kate Byrne (University of Edinburgh), Michal Frankl (Jewish Museum Prague). Nach jedem Vortrag wurden die entsprechenden Themen im vollständig gefüllten Senatssaal ausführlich diskutiert. Die Themen der Vorträge können dem Tagungsprogramm entnommen werden. Moderiert wurde die Veranstaltung von: Prof. Dr. Henning Lobin (Direktor des ZMI), Hon.-Prof. Dr. Sascha Feuchert (Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur), Vera Ermakova M.A. (Wissenschaftliche Koordinatorin des GeoBib-Projekts) und Bastian Entrup M.A. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im GeoBib-Projekt).

Zum Abschluss des wissenschaftlichen Teils der Tagung stellte Bastian Entrup die Internetseite www.geobib.info in einer Beta Version vor und führte das wissenschaftliche Publikum durch die einzelnen Funktionen der Homepage.

Den offiziellen Abschluss fand das Event mit einer öffentlichen Lesung von Schauspielerin Patricia Litten (siehe Bild) aus Werken der Holocaust- und Lagerliteratur. Der Titel der Lesung war „Und, da das Schweigen Gift mir wird im Munde, Gebe ich weinend von der Schande Kunde“ (Satirische Gedichte des Konzentrationslagerüberlebenden Karl Schnog „Jedem das Seine“, 1947). Die schweizerisch-deutsche Litten las aus dem Buch ihrer Großmutter Irmgard Litten „Die Hölle sieht Dich an“ (1940) sowie aus anderen Werken. „Die Hölle sieht Dich an“ thematisiert das tragische Schicksaal von Hans Litten (dem Sohn Irmgard Littens), der sich nach fünfjähriger Konzentrationslagerhaft 1938 im KZ Dachau das Leben nahm.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit über einer Million Euro geförderte GeoBib-Projekt erfasst seit 2012 frühe Texte der deutsch- und polnischsprachigen Holocaust- und Lagerliteratur der Jahre 1933 bis 1949 bibliographisch in einer Online-Datenbank. Die Datenbankeinträge enthalten biographische Informationen sowie den Entstehungshintergrund zu diesen Werken und sind um einen virtuellen Atlas ergänzt. Auf diese Weise eröffnet das Projekt einen neuen Zugang zur Erforschung und der Nutzung der Holocaust- und Lagerliteratur.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage www.geobib.info.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sie hier.

 

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Wintersemester 2014/2015

 

 

Laternenfest im ZMI

Abschluss des chinesischen Neujahrsfests

Mit einem gemeinsamen kleinen chinesischen Mittagessen feierten die Mitarbeiter des ZMI heute das chinesische Laternenfest. Das Lichterfest ist ein traditioneller chinesischer Feiertag, der das mehrtägige Neujahrsfest abschließt. Seine Ursprünge reichen bis in die Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zurück. Mit Dekorationsartikeln, die unsere chinesische Mitarbeiterin Yan Cheng mitbrachte, wurde das ZMI geschmückt.

Das traditionelle Laternenfest gilt als ein Familienfest, Kinder präsentieren traditionell ihre selbstgebastelten Laternen, inoffiziell ist es jedoch auch bekannt als Pendant zu dem hier gefeierten Valentinstag.

Weitere Informationen zum chinesischen Laternenfest auf Wikipedia.

 

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Die Engelbart-Galaxis

Wie Lesen und Schreiben digital wurde und warum es dadurch anders ist - Henning Lobin referiert bei Veranstaltung des Deutschen Germanistenverbandes

Plakat: Lesen, Schreiben und Klicken
(c) Deutscher Germanistenverband
„Lesen, Schreiben und Klicken?! – Deutschunterricht in der digitalen Welt“, so lautet der Titel der Fortbildungsveranstaltung des Fachverbands Deutsch des Deutschen Germanistenverbands e.V. bei der Henning Lobin, Direktor des ZMI, am 19. Februar in der Goethe-Universität Frankfurt am Campus Westend zum Thema „Die Engelbart-Galaxis – Wie Lesen und Schreiben digital wurde und warum es dadurch anders ist” referierte.

Neben Henning Lobin trugen Hilke-Gesa Bußmann sowie Olaf Schneider und Volker Wittenbröker zu den Themen „Verlagsunabhängiges Publizieren im Zeitalter der Digitalisierung – Self-Publishing und Schreiben im Internet: Plattformen und Möglichkeiten” sowie „Digitale Medien im Literaturunterricht – ein Bericht aus der Produzentenwerkstatt” vor.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

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Neue Wege der Kooperation - Osteuropa im Schnittpunkt universitärer und außeruniversitärer Forschung

Einladung zur Podiumsdiskussion

Am 18. Februar 2015 luden das Herder-Institut Marburg sowie der Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker e.V. (VOH) herzlich zum Gespräch über Kooperationsperspektiven universitärer und außeruniversitärer Osteuropaforschung ein. Als Diskutanten nahmen Ulf Brunnbauer, Peter Haslinger, Reinhard Johler, Jan Kusber, Miloš Řezník, Susanne Schattenberg und Gudrun Wirtz teil. Julia Obertreis hat die Veranstaltung im Vortragssaal des Herder-Instituts moderiert.

Weitere Informationen zu den Teilnehmenden finden Sie hier.       

 

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„Ich finde Lobins sachliche Darstellung sehr, sehr nützlich“

Hanne Kulessa rezensiert Henning Lobins Buch Engelbarts Traum in hr2 Kultur Radiosendung

Hanne Kulessa rezensierte Henning Lobins Buch „Engelbarts Traum – Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt“ in der hr2 Kultur Radiosendung „Kulturfrühstück“. Kulessa zog ein sehr positives Fazit. Sie bewertete das Buch als „sachlich“ und „nützlich“. Sie  habe bei der Lektüre viel über die Vor- und Nachteile des computergestützten vernetzten Arbeitens gelernt. Das Buch habe sie mit großer Spannung gelesen: „fast wie einen Krimi“. Kritisch merkte sie einzig an, dass Lobin die Gefahren des Lesens und Schreibens im digitalen Zeitalter zwar beschreibe, den Leser jedoch noch entschiedener darauf aufmerksam machen könnte. Lobin vertraue jedoch offenbar darauf, dass die Leser_innen das Buch selbst lesen und ihre Schlüsse daraus ziehen könnten. Kulessas Empfehlung an die Radiohörer: Wer eigenständig lesen könne, solle das Buch lesen.

Zum Podcast der Sendung „Kulturfrühstück“.

 

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Vier Vorträge, zwei Workshops, ein voller Erfolg

Medien – Bildung – Migration: Tagung des ZMI-Projekts migr@com

 

Bild: Prof. Heike Greschke (links), Prof. Paul Mecheril (2.von links), Dr. Kyoko Shinozaki (2. von rechts), Dr. Robert Fuchs (rechts)

Auf großen Zuspruch traf vergangenen Freitag die ganztägige Tagung „Medien - Bildung - Migration“ des ZMI-Projekts migr@com im Margarete-Bieber-Saal der JLU. Vier Referent/innen gaben Einblicke in verschiedenste Aspekte des Themenkomplexes „Medien – Bildung – Migration“.

Prof. Heike Greschke, Soziologin der JLU und migr@com-Projektleiterin, führte in das ZMI-Projekt ein und erklärte anhand eines Bildes, wie Medien das Familienleben über große räumliche Distanzen ermöglichen und mitgestalten. Anschließend zeigte sie dem Publikum die Internetpräsenz www.migracom.de. Prof. Paul Mecheril, Erziehungswissenschaftler der Universität Oldenburg, referierte zum Thema „In Bewegung. Repräsentationsweisen in der Migrationsgesellschaft“. Mecheril thematisierte und problematisierte, wie bestimmte Bevölkerungsgruppen öffentlich repräsentiert werden und wie ihre Interessen in der Öffentlichkeit vertreten werden. Im Vortrag „Von ‚voice letters‘ zu SMS und Facbook: Nähe transnational erzeugen“ erläuterte Dr. Kyoko Shinozaki, Soziologin der Universität Bochum, wie Nähe zwischen Familienmitgliedern auch über große Distanzen hinweg erzeugt werden kann. Dr. Robert Fuchs, Historiker und Leiter des Virtuellen Migrationsmuseums des Dokumentationszentrums und Museums über die Migration in Deutschland e.V.(DOMiD), stellte in seinem Vortrag  „Auf dem Weg zu einem Virtuellen Migrationsmuseum“ das DOMiD vor. Zudem erläuterte er, wie das im Aufbau befindliche Virtuelle Migrationsmuseum gestaltet ist.

Im Workshop „Schreiben Sie Migrationsgeschichte – Perspektiven für www.migracom.de“ wurden gemeinsam mit 15 Kursteilnehmern Ideen entwickelt, wie www.migracom.de verbessert werden kann. Der Workshop „Die Migrationsstadt Gießen interaktiv – Lehrpfad zum Thema Medien und Migration“ diente dazu zu erarbeiten, wie im Rahmen des Projekts migr@com ein Interaktiver Lehrpfad gestaltet werden könnte. Die neun Teilnehmer des Workshops erarbeiteten dabei u.a. Denkanstöße wie der Lehrpfad technisch umzusetzen sein könnte, sodass er mit dem Smartphone begangen werden kann.
Die Tagung traf auf große Medienresonanz, sie wurde von vielen Zeitungen thematisiert, u.a. in der Frankfurter Rundschau, der Frankfurter Neuen Presse, dem Express, dem Gießener Anzeiger und der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Weitere Informationen:

 

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Wie lesen wir in der Zukunft?

Lesung aus Engelbarts Traum von Henning Lobin

Am Mittwoch, 4. Februar 2015, lud die Zentralbibliothek zu einer Reise in die Zukunft des Lesens ein. Reiseleiter ist Henning Lobin, Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik und Direktor des ZMI.
Lobin erforscht seit Jahren den digitalen Wandel des Lesens und Schreibens mit all seinen kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen. In seinem aktuellen Buch zeigt er, wie sich die Kulturtechniken der Schrift verändern, wenn sich die technischen Voraussetzungen wandeln. Sein ungewöhnlicher Buchtitel „Engelbarts Traum. Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt“ verweist auf Douglas Engelbart, den Mann, der 1968 die Computermaus erfand.

In „Engebarts Traum“ fragt Lobin nach den Konsequenzen der Digitalisierung für das Individuum und beschreibt, wie sich das Denken den Bedingungen des digitalen Lesens und Schreibens anpasst. Die Gehirne der Menschen würden kolonisiert werden durch den Computer und die digitale Schrift. Darüber hinaus zeigt Lobin, wie Verlage, Buchhandel und Presse, Schulen und Universitäten und auch Bibliotheken in der Digitalkultur aussehen werden, und welche Werte sich im digitalen Zeitalter etablieren. Jenseits von Kulturpessimismus oder Fortschrittsfeindlichkeit wirft Henning Lobin einen evolutionären Blick auf das Ende der Schriftkultur, wie wir sie kannten und liefert Hintergrundwissen und fundierte Orientierung in der aktuellen Debatte um die Digitalisierung.

Hier können Sie schon einmal einen kleinen Ausschnitt aus einer vorherigen Lesung aus Engelbarts Traum von Henning Lobin sehen. Seine Lesung in der Frankfurter Zentralbibliothek wurde jedoch in neuem Format präsentiert.

 

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Männerhochburg im Umbau. Wie Frauen den Journalismus verändern

Eine Podiumsdiskussion

Die Studierenden der Fachjournalistik Geschichte luden am 06. Februar herzlich zur Podiumsdiskussion „Männerhochburg im Umbau. Wie Frauen den Journalismus verändern“ in den Hermann-Levi-Saal des Gießener Rathauses ein. Die Idee zu einer Diskussionsrunde entstand im Rahmen des Seminars „Journalistinnen. Meinungsmacherinnen in der Minderzahl“, das die Schwierigkeiten außergewöhnlicher Journalistinnen aufzeigte in männerdominierten Strukturen auch über Frauenzeitschriften oder „Frauenbeilagen“ hinaus Gehör zu finden. Obwohl es seit den Anfängen des weiblichen Journalismus bereits viele Veränderungen gab, besitzt dieses Thema eine andauernde Aktualität und lädt zur Auseinandersetzung damit ein. Die Podiumsdiskussion soll eine Möglichkeit bieten, sich mit erfolgreichen und bekannten Journalistinnen und Journalisten über Geschlechterverhältnisse in den Medien auszutauschen sowie Fragen und Themen zu diesem Komplex gemeinsam zu erörtern.

Es nahmen teil:

  • Chris Köver, u.a. Mitbegründerin und Chefredakteurin des seit 2008 erscheinenden Missy Magazins
  • Georg Cadeggianini, u.a. Autor zweier Bücher und Redakteur im Dossier der Brigitte 
  • Carmen Thomas,  u.a. ehemalige Redaktions-und Programmgruppenleiterin, eine der ersten WDR-Moderatorinnen, die zudem als erste Frau das "Aktuelle Sportstudio" moderierte 
  • Robin Detje, u.a. Ressortleiter "Literatur" bei der ZEIT und der Berliner Zeitung
  • Prof. Bascha Mika,  u.a. Autorin, Chefredakteurin bei der taz (1998-2009) und der Frankfurter Rundschau (seit 2014)

Die Veranstaltung wurde unter anderem von der Universität Gießen und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) unterstützt. Ausführlichere Informationen zu Hintergründen und Gästen finden Sie hier.

 

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Daniél Kretschmar zu Gast bei Stimmen aus der Praxis

Das ZMI und die Fachjournalistik Geschichte luden am Montag, den 02. Februar 2015, zu einem Gespräch mit Daniel Kretschmar von der tageszeitung  zum Thema „Krise der Verlage – Goldenes Zeitalter des Journalismus“ ein. Der Leiter der Online-Redaktion hat ein paar theoretische Fragen und ein Praxisbeispiel zu diesem Komplex verhandelt und stand zudem für Fragen rund um den Online-Journalismus zur Verfügung.

 

 

 

 

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Sektion 4 des ZMI lädt zum Gespräch mit Viola Roggenkamp ein

Thema des Gesprächs war „Ein journalistisches Doppelleben. Schreiben für DIE ZEIT und Schreiben für Emma“. Bevor sich die bekannte Journalistin und Essayistin der Schriftstellerei zuwandte, war sie über viele Jahre eine begehrte freie Autorin sowohl bei der ZEIT in Hamburg als auch bei der Emma in Köln. Das lag natürlich an ihren ausgezeichneten Reportagen. Gleichzeitig schmückte sich die ZEIT bei geeigneten Anlässen gerne mit der Emma-Autorin, um Liberalität zu demonstrieren, während es Viola Roggenkamp (siehe Bild) bei Emma und Alice Schwarzer zusätzlichen Respekt verschaffte, bei der renommierten bildungsbürgerlichen Wochenzeitung ein und aus zu gehen. Sie schrieb für beide Blätter über Unterschiedliches, und in beiden Blättern registrierten die Kolleginnen und Kollegen aufmerksam, was sie am jeweils anderen Ort publizierte.

Wie keine andere kann Viola Roggenkamp daher berichten über die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen in einer Männerhochburg und einer Frauenredaktion, über die ihr dort jeweils möglichen und unmöglichen Themen, über Fragen der Wahrnehmung und die kaum verhüllte Neugier, von ihr zu erfahren, wie es denn wohl so sei mit „Alice“ bzw. mit „der Gräfin“.

Wir freuen uns daher sehr, dass Viola Roggenkamp die Einladung angenommen hat und von ihren Erfahrungen berichtete. Die Veranstaltung fand am Donnerstag, den 15. Januar 2015 statt. Eingeladen sind alle interessierten Studierenden und Lehrenden. Ausgerichtet wurde der Event in Kooperation mit der Professur für Fachjournalistik Geschichte und dem Büro für Frauen- und Gleichberechtigungsfragen der Stadt Gießen. 

Bild: http://www.viola-roggenkamp.de/


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2014


Wintersemester 2014/2015

 

 

„Ein bemerkenswertes Buch“

In seiner Titelgeschichte zur Zukunft des Lesens widmet der Spiegel Henning Lobins Buch Engelbarts Traum einen längeren Abschnitt

„Die Zukunft des Lesens wiegt 75 Gramm, misst 17,3 mal 5,8 mal 16,8 Zentimeter, sie hat die Form einer Skibrille.“ So beginnt der Aufmacher der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel. Als Grundlage für den Artikel „Lesen und lesen lassen“ dient zu großen Teilen Henning Lobins Buch „Engelbarts Traum – Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt“, das im September dieses Jahres im Campus Verlag erschienen ist. Engelbarts Traum wird im Spiegel-Beitrag als ein „bemerkenswertes Buch“ beschrieben, das davon handelt, wie „der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt“. Die beiden Autoren Hauke Goos und Claudia Voigt folgen in ihrer Darstellung den drei „Grundtendenzen“, die Lobin in seinem Buch beschreibt:

- Lesen wird künftig sozialer. Menschen teilen Beiträge im Internet ergänzen und korrigieren einander und geben einander Feedback.

- Lesen wird multimedialer. Zu den gelesenen Texten werden vermehrt Videos, Grafiken etc. konsumiert.

- Lesen wird hybrider. Der Computer verwandelt manuelle Eingaben in eine Bitfolge und diese Bitfolge wiederum zurück in einen Anzeigetext. Ohne PC könnten wir somit nicht mehr lesen.

Weiter schreiben die beiden Autoren: „Der Computer hilft uns nicht nur beim Schreiben, er übernimmt auch unser Denken bereitwillig. Ähnlich, wie er Buchstaben zu Wörtern ergänzt, indem er berechnet, was wir schreiben wollen, ergänzt er Sätze zu Gedanken, indem er berechnet, was wir am liebsten denken.[…] Unser Leseverhalten wird direkt auf die Texte zurückwirken.“

Grundlage für den Spiegelartikel ist ein mehrstündiges Interview zwischen dem Hamburger Redakteur Hauke Goos und Henning Lobin, das im September im ZMI stattfand. Bei dem Interview tauschten sich Lobin und Goos zur Zukunft des Lesens und Schreibens aus, dem Thema von „Engelbarts Traum“. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel erreicht 6,7 Millionen Leser.

Das Buch „Engelbarts Traum“ thematisiert, wie sich die Digitalisierung des Lesens und Schreibens auf den Prozess des Lesens und Schreibens, aber auch die Infrastrukturen der Schriftkultur (Bibliotheken, Verlage) und ihre Institutionen (Schule, Universität, Presse, Zensur) auswirkt. Auf dem Weg hin zu einer „Digitalkultur“ wird der Mensch zunehmend in die Peripherie gedrängt. Der digitale Code, gleichsam eine neue kulturelle DNA, tritt dabei mehr und mehr an seine Stelle.

Lobins evolutionärer Blick auf das Ende der Schriftkultur bietet jenseits von Kulturpessimismus oder Fortschrittsfeindlichkeit unverzichtbares Hintergrundwissen und fundierte Orientierung in der aktuellen Debatte um die Digitalisierung.

Weitere Informationen:

 

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ZMI-Projekt migr@com

Filmvorführung Homesick mit anschließender Diskussion

Am 10. Dezember 2014 zeigte das Institut für Soziologie im Rahmen seines Master-Seminars „Grenzen überwinden - ­Nähe erzeugen. Digitales Miteinander in der Migratonsgesellschaft“ (migr@com) den Film Homesick von Reza Kamali. Der Dokumentarfilm eröffnet eine intime Perspektive auf das Leben von Flüchtlingen in Deutschland, die sich, häufig in wehmütiger Erinnerung an die eigene Geschichte und vor dem Hintergrund spezifischer kultureller und rechtlicher Barrieren, um eine bessere Zukunft in der Fremde bemühen. Er geht dabei explizit auf die Flüchtlingsthematik in Hessen ein und berichtet u.a. aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Im Anschluss an den Film gab es die Möglichkeit zum Austausch. An der Diskussion nahm auch der Regisseur teil. 

Weitere Informationen zum Film gibt es hier.

 

 

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Gespräch mit Meera Jamal

Pakistanische Journalistin im deutschen Exil

Die Fachjournalistik der JLU und die ZMI Sektion Medien und Geschichte luden am Donnerstag, den 04. Dezember 2014 herzlich zum Gespräch mit der pakistanischen Journalistin Meera Jamal ein, die zum Thema „Women Journalists: Breaking the Stereotypes - Karriere, Engagement und Verfolgung einer Journalistin in Pakistan“ sprechen wird. Jamal begann ihre journalistische Karriere 2003 bei der meistgelesenen englischsprachigen Zeitung Pakistans: „Dawn“. Als renommierte Journalistin kritisierte sie unter anderem die Zustände in pakistanischen Koranschulen und engagierte sich für Frauen- und Kinderrechte. Durch ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung sah sie sich in ihrer Heimat jedoch zunehmend Bedrohungen ausgesetzt. 2009 entschloss sie sich, Pakistan zu verlassen, um weiterhin schreiben zu können. In Deutschland fand sie politisches Asyl, kann jedoch als Journalistin schwer Fuß fassen. Sprachprobleme und der Kampf mit deutschen Behörden machen ihr ein Arbeiten, das ihrer Qualifikation entspräche, nahezu unmöglich. Bei ihrem Besuch an der JLU hat sie von Arbeitsbedingungen, ihren Erfahrungen als Journalistin in einem islamischen Land und die Reaktionen auf ihre Beiträge in Pakistan berichtet.

 

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Medialisierung sozialer Konflikte

Konferenz des Graduiertenzentrums (GGS) vom 03. bis 05. Dezember an der JLU

Technische Entwicklungen, insbesondere im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, haben maßgeblich zu einer Veränderung unserer Lebenswelten beigetragen. Die Gießener Graduiertenkonferenz „Medialisierung sozialer Konflikte“ fokussierte die Rolle von Medien bei gesellschaftlichen Transformationsprozessen von öffentlichen Diskursen und Alltagspraktiken. Dabei wurde der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Medien auf die Anordnung, Austragung und Rezeption sozialer Konflikte haben. Wirken sie konflikthemmend, konfliktverschärfend oder generieren sie sogar neue Konflikte? Mit welchen Methoden lässt sich vor diesem Hintergrund das Zusammenspiel von Medien und sozialen Konflikten untersuchen? Schwerpunkte stellen dabei Medienwandel und Konfliktvisualisierung, Massenmediale Konfliktkommunikation in Theorie und Praxis, die Medialisierung von Alter(n) sowie die Medialisierung von Gewalt(-konflikten) dar.

Ausführliche Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

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Stretching Attitudes

Zwischen Arbeit & Sex, Pop & Feminismus, Riots & Krise – Event von Margarita Tsomou im Rahmen des von ZMI Sektion 5 geförderten Diskurs 14

Die Themen – und Tätigkeitsfelder, in denen sich die Kulturwissenschaftlerin, Performerin und Publizistin Margarita Tsomou künstlerisch und theoretisch bewegt, sind divers – und kontrovers. Sie hat den Festivaltag genutzt, um Schlaglichter auf ihre Arbeit zu werfen, die sowohl Präsentationen bisheriger Projekte, theoretische Vorträge, essayistische Lesungen sowie Auszüge aus Performance-Arbeiten beinhalteten. Themen waren u.a.: Publizieren: Neuer Feminismus – Missy Magazine; Kuratieren: Sexwork-Konferenz Kampnagel; Performen: Nackte Agitation; Dokumentieren / Forschen: „Abfall der Geschichte“ und die Krise in Griechenland

Diskurs 14 wurde gefördert und unterstützt von ZMI Sektion 5. Das Event fand am 30. November auf der Probebühne 2 der ATW statt. Weitere Informationen können der Homepage des DISKURS’14 – ON YOUNG PERFORMING ARTS entnommen werden.

 

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In 5 Minuten erklärt

ZMI Projekt migr@com

Mit einem fünfminütigen Kurzfilm über das Projekt migr@com „Grenzen überwinden – Nähe erzeugen“ sind wir vor wenigen Tagen über Youtube an eine größere Öffentlichkeit gegangen. Das Projekt widmet sich den bisher weder hinreichend erforschten noch umfassend dokumentierten Themen Medien und Migration.

Deutschland ist Ziel- und Startpunkt tausender Menschen, die eine Zukunft in der Ferne suchen. Fast alle Menschen, die in der Ferne leben, suchen Wege, um die Beziehungen zu Familie und Freunden im eigenen Herkunftsland zu pflegen. Auf dem Internetportal www.migracom.de laden wir migrationserfahrene Menschen dazu ein, eigens Geschichte zu schreiben. In einer digitalen Ausstellung können Briefe, Bilder, Ton- und Videoaufzeichnungen veröffentlicht werden und mit ganz persönlichen Erfahrungsgeschichten verbunden werden. Auf diese Weise wird ein Teil deutscher Migrationsgeschichte dokumentiert und der Forschung zugänglich gemacht. Mit den gesammelten Daten sollen Antworten auf Fragen gefunden werden, die heutige und künftige Generationen brennend interessieren, beispielsweise: Wie hat sich das Familienleben über große Distanzen über Jahrzehnte verändert? Welche Chancen bergen neue Kommunikationstechnologien? Wie fühlte sich das Familienleben auf Distanz früher an? Wie fühlt es sich heute an?

Der dokumentarische Kurzfilm wurde mit Unterstützung der Professur für Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation der Technischen Hochschule Mittelhessen erstellt. Umgesetzt wurde er von Thomas Niederhaus und Urs Bremer.

 

 

Wissenschaftsjahr 2014 – Die digitale Gesellschaft Hochschulwettbewerb 2014

Das ZMI-Projekt „Grenzen überwinden – Nähe erzeugen: Digitales Miteinander in der Migrationsgesellschaft“ (migr@com) ist Gewinner beim Hochschulwettbewerb „Mehr als Bits und Bytes – Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit“ und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und Wissenschaft im Dialog mit 10.000 Euro für die Umsetzung prämiert. Der Hochschulwettbewerb wird seit 2007 ausgeschrieben. Im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2014 – Die digitale Gesellschaft wird er von Wissenschaft im Dialog durchgeführt. Das Wissenschaftsjahr wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog sowie zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur ausgerichtet, macht Forschung und Wissenschaft erlebbar und fördert die gesellschaftliche Debatte über Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels.

 

Weitere Informationen

 

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A Speculative Glossary

Maska Research Group zu Gast bei ZMI geförderten DISKURS’14 – ON YOUNG PERFORMING ARTS

„in0wasting”, „zenacceleration” und „pregnant boredom” sind nur einige neue Vokabularien, die die Maska Research Group geschaffen hat, um sich an die Herausforderungen der Gegenwart anzupassen. Die Gegenwart sei einerseits geprägt durch andauernden Zeitmangel und  andererseits durch Zeitverschwendung. Die Maska Research Group schafft ein Glossar, das notwendig erscheint, um präzise über spezifische Formen von Zeit und die Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wird, sprechen zu können. Diskurs 14 wurde gefördert und unterstützt von ZMI Sektion 5.

Das Event fand am 23. November im Pavillon der THM statt. Weitere Informationen  können der Homepage des DISKURS’14 – ON YOUNG PERFORMING ARTS entnommen werden.

 

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Henning Lobin und Sabine Heymann zu Gast bei der Shanghai Theatre Academy

„Mediating Cultural Heritage“ war der Titel eines internationalen Symposiums an der Shanghai Theatre Academy (STA), an dem Prof. Henning Lobin und Sabine Heymann teilgenommen haben. Im Zentrum stand ein Workshop mit Scott deLahunta und Florian Jenett vom Projekt „Motion Bank“ sowie Christian Ziegler (Arizona State University). „Motion Bank“ war ein auf vier Jahre angelegtes Projekt der Forsythe Company, in dem in einem breiten Kontext die choreografische Praxis erforscht wurde. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Erstellung digitaler Online-Partituren von Choreografien. Mit der Motion Bank sollte erforscht werden, wie sich die neuartigen digitalen Online-Partituren und verwandte, von anderen Künstlern produzierte choreografische Ressourcen für die Dokumentation, die Ausbildung und die Analyse/Kritik fruchtbar machen lassen.

Ziel des Workshops im Virtual Performing Arts Lab der STA Ende Oktober/Anfang November war die Frage, ob die Methoden und Techniken der Motion Bank in modifizierter Form auch auf das chinesische Musiktheater xiqu anwendbar sind. Im zweiten Teil der Veranstaltung beleuchtete Henning Lobin das Thema unter dem Aspekt der Digital Humanities in einem Vortrag über „Digitizing Cultural Heritage in different Modalities. Preservation and new perspectives“ und präsentierte die beiden ZMI-Projekte „GeoBib“ und „Virtuelle Rekonstruktionen in transnationalen Forschungsumgebungen“. Ingo Diehl (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main) referierte über ein analoges, in Buchform publiziertes Projekt zu Techniken des modernen, postmodernen und zeitgenössischen Tanzes.

Am Rande des Aufenthalts führten Henning Lobin und Sabine Heymann Kooperationsgespräche mit dem Chairman der STA, Herrn Prof. Lou Wei.

 

(Foto oben: Im xiqu-Department der Shanghai Theatre Academy; Foto links unten: Kooperationsgespräche mit dem Chairman der STA, Prof. Lou Wei (3. v.r.); Foto rechts unten: Prof. Henning Lobin bei seinem Vortrag über „Cultural Heritage“ und „Digital Humanities“; Fotos: Sabine Heymann)

 

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Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe

Eine Podiumsdiskussion

 

 

Der Forschungsverbund Educational Linguistics lud herzlich zu seiner ersten Veranstaltung im Wintersemester 2014/15 ein. Am 11. November kamen JLU-Professoren verschiedener Fachbereiche zusammen, um über das Thema „Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe“ zu diskutieren. 

Es nahmen Prof. Dr. Eva Burwitz-Melzer (Anglistik), Prof. Dr. Helmuth Feilke (Germanistik), Prof. Dr. Katja Lengnink (Mathematik) und Prof. Dr. Hélène Martinez (Romanistik) an der Diskussion teil. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Jürgen Kurtz (Anglistik).

 

 

 

 

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Sabine Heymann bei der Podiumsdiskussion zum Zeitgenössischen Theater in China an den Münchner Kammerspielen

„Totally happy“ ist der Titel einer chinesisch-deutschen Theaterarbeit, die gerade an den Münchner Kammerspielen Uraufführung hatte. Das Stück ist eine Koproduktion mit dem Paper Tiger Theater Studio Peking, ko-finanziert vom Goethe-Institut China, Regie: Tian Gebing. Aus dem Programm:  „Die Massen haben klare Augen“, so lautete einer der zahllosen Slogans von Mao Zedong aus den Siebzigerjahren: eine ultimative Beschwörung und Bedrohung zugleich. Das Gespenst der Masse ist in China noch immer spürbar, auch wenn die autoritäre kommunistische Ein-Parteien-Politik heute einen extrem kapitalistischen Einschlag hat und sich individualistische Tendenzen abzeichnen. Was für Erinnerungen, Missverständnisse, Sprachverwirrungen und Assoziationen entstehen, wenn deutsche Schauspieler auf chinesische Tänzer treffen und sich mit dem Theater der Menschenmasse auseinandersetzen? Der Kritiker der Süddeutschen Zeitung, Egbert Holl, schreibt dazu: „Die Namensgebung sagt schon viel über den ebenso grimmigen wie vor allem verspielten Humor Gebings aus, dessen Arbeit wie die anderer freier Theatermacher in China  ein permanentes Ausloten der Grenzen der Zensur ist.
Über diese und andere Fragen gab es am Samstag, 18. Oktober im Werkraum der Münchner Kammerspiele vor einem höchst interessierten Publikum eine Podiumsdiskussion.

 

Podiumsdiskussion mit Sabine Heymann bei den Müchener Kammerspielen - Moderiert von den beiden Dramaturgen der Produktion: Christoph Lepschy (rechts auf dem Bild) und Jeroen Versteele (links); Teilnehmer/innen waren neben Sabine Heymann (2. von rechts) der Regisseur von Totally happy, Tian Gebing (2. von links) und die chinesische Theatermacherin Cao Kefei (3. von rechts) Fotos: Folker Schreiber.


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Gespräch mit Annette Bruhns über das Thema ProQuote Medien - Der Erfolg einer Guerilla-Aktion

Das ZMI und die Professur Fachjournalistik Geschichte luden am Donnerstag, den 23. Oktober, zu einem Gespräch mit der Mitgründerin der Initiative ProQuote und Spiegel-Redakteurin Annette Bruhns ein.

Im Februar 2012 ging bei deutschen Chefredakteuren, Intendanten, Verlegern und Herausgebern ein von zahlreichen namhaften Journalistinnen unterzeichneter offener Brief ein. Angesichts dessen, dass damals nur zwei Prozent aller rund 360 Chefredakteursposten der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen von Frauen besetzt waren und es unter den Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch nicht viel besser aussah, forderten sie eine Frauenquote von 30 Prozent aller Führungspositionen in den Redaktionen auf allen Hierarchiestufen bis 2017. „Schaffen Sie das?“, fragten sie provozierend und baten um eine schriftliche Antwort, die sie dann gern auf ihrer Website veröffentlichen wollten.

Die Hälfte der gesetzten 5-Jahresfrist ist nun rum. Eine ganze Reihe von Chefredakteuren nahm die Wette seinerzeit an. Bei einigen Blättern hat sich seitdem allerlei getan. Und die Wirkungen machen sich bemerkbar.


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Konferenz zum Wandel von Wissenschaftsmodellen

„Modell + Risiko. Historische Miniaturen zu dynamischen Epistemologien“ – Unter diesem Titel geht der Sonderforschungsbereich 980 „Episteme in Bewegung. Wissenstransfer von der Alten Welt bis in die Frühe Neuzeit“ der FU Berlin dem Wandel von Wissenschaftsmodellen nach.  Vom 6.-8.11.2014 diskutierten interdisziplinäre Vorträge die materiellen und historischen Verfasst- und Bedingtheiten von Modellen und Modellvorstellungen. Als „historische Miniaturen“ gedacht, widmeten sich die Beiträge in exemplarischer Form der Exploration und Tiefensondierungen historischer und epistemologischer Schichtungen. Dabei sichtbar werdende Verschiebungen, Brüche und Kontinuitäten des Modellgebrauchs sollten im Sinne einer Revision einer allzu scharfen wissensgeschichtlichen Trennung von Moderne und Vormoderne diskutiert werden.

Organisiert wurde diese Konferenz vom Teilprojekt C04 „Spielteufel, Narrenschiff, Totentanz: Figurationen von Risiko in Mittelalter und Früher Neuzeit“ unter Prof. Dr. Helmar Schramm, in dem der ZMI-Alumnus Michael Conrad tätig ist.

  • Hier geht’s direkt zum Konferenz-Flyer
  • Hier finden Sie weitere Informationen zum Sonderforschungsbereich

 

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Henning Lobin und Michael Schindhelm lesen aus Engelbarts Traum und Lavapolis zum Thema Heterotopien

Henning Lobin (Bild rechts) und Michael Schindhelm (Bild links) bei gemeinsamer LesungHenning Lobin (Direktor des ZMI) und Michael Schindhelm haben am 08. Oktober in der Frankfurter Galerie PrivateOffSpace von Jean-Claude Maier zu einer gemeinsamen Lesung aus ihren aktuellen Werken „Engelbarts Traum“ (Campus) und „Lavapolis“ (Matthes & Seitz) eingeladen. Eine echte Premiere für beide Autoren, die Ihre Werke zum ersten Mal einem größeren Publikum in Form einer Lesung vorstellten.

Lobin begann mit der Lesung aus seinem Buch, indem er darauf aufmerksam machte, dass sein Fachgebiet „Computerlinguistik, Sprach- und Texttechnologie“ grundsätzlich vollkommen „geschichtsvergessen“ sei. In „Engelbarts Traum“ ergründet Lobin ganz bewusst auch aus historischer Perspektive, wie sich die basalen Kulturtechniken des Lesens und Schreibens im Zeitalter der Digitalisierung verändern. Er suchte nach dem Ursprung der Digitalisierung des Lesens und Schreibens, um die Auswirkungen des medialen Wandels auf diese Kulturtechniken so tiefgründig wie nie zuvor zu analysieren.

Seine Recherchen führten ihn zu Douglas Engelbart, dem Erfinder der Computer-Maus. Dieser demonstrierte 1968 zum ersten Mal vor Publikum, wie auf einem Bildschirm Texte und Grafiken interaktiv verändert, ergänzt und gelöscht werden können. Engelbart war sogar ein Projektmitarbeiter von einem anderen Ort hinzugeschaltet, der den Schreibprozess auf dem Bildschirm mitgestalten konnte. Engelbarts Traum den Computer als Hilfsmittel zu benutzen, ihn nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Schriftzeichnen rechnen zu lassen und Texte hybrid, multimedial und sozial zu erstellen, sei unsere Wirklichkeit geworden, so Lobin.

Durch diese Tendenzen würden sich unsere Kulturtechniken des Lesens und Schreibens grundlegend ändern. Auch die Schriftkultur mit ihren Infrastrukturen, wie Verlagen und Schulen, die Werte der Schriftkultur, die sich u.a. im Urheberrecht materialisieren, würden von der Digitalisierung beeinflusst werden.

Mehr Informationen zu „Engelbarts Traum

Schindhelm übte sich in seiner Lesung aus „Lavapolis“ in Gesellschaftskritik und ging sogar darüber hinaus, indem er Kritik an der Kritik übte. Sein transmediales Erzählprojekt beschrieb er lebhaft: „Ich gehe zurück in die Wiege der Zivilisation und habe mir vorgestellt es gebe irgendwo im Mittelmeer in der Nähe von Kreta eine Insel. […] Das Buch ist so aufgebaut, dass es von dieser Insel erzählt und zwar durch Menschen, die auf dieser Insel leben.“ So erzählte er unter anderem von Alberto, einem Bewohner der fiktiven Insel Lavapolis, der schon seit seiner Geburt an diesem Ort wohnt. Andere Figuren sind hinzugezogen, andere wiederum dorthin geflüchtet. Sie alle stellen sich eine Frage: „Was ist möglich?“ Auf Lavapolis herrschen andere gesellschaftliche Voraussetzungen und diese geben Freiräume zum Träumen, zum Aufbau alternativer Gesellschaftssysteme und lassen ebenso Raum für Erfolg und Scheitern.

Mehr Informationen zu „Lavapolis

Henning Lobin (linkes Bild 3. von links) und Michael Schindhelm (rechtes Bild links) im Gespräch mit interessierten Gästen Nach den Lesungen verbanden Lobin und Schindhelm in einem Zwiegespräch ihre Prognosen unserer nahen sozialen, politischen und kulturellen Zukunft mit Überlegungen zum transmedialen Erzählen und Publizieren, die sie mit ihren Büchern umsetzen. Im Anschluss an die Lesung ergaben sich in lockerer Atmosphäre zahlreiche Einzelgespräche zwischen den beiden Autoren und interessierten Zuschauern.

 

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Sommersemester 2014



Die migrantische Seele Gießens sprechen lassen

ZMI geförderte Ausstellung Grenzfahrt ….endlich drüben?

Mobiler Ausstellungswagen auf dem BahnhofsvorplatzDer mobile Ausstellungswagen, in dem über das Gießener Aufnahmelager informiert wurde, öffnete am 17. September auf dem Vorplatz des Gießener Bahnhofs seine Türe. Frau Prof. Dr. Georgia Rakelmann und Bürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hielten vor großem Besucherandrang und Vertretern der regionalen Presse Eröffnungsreden. Projektträger und Veranstalter der Ausstellung waren der Verein transit Giessen e.V. sowie der Magistrat der Stadt Gießen.

Die Themen Flucht, Migration und Integration sind orts- und zeitgeschichtlich eng mit Gießen verbunden. Mit Erinnerungswerkstätten und Kunstaktionen lädt die Ausstellung „Grenzfahrt...endlich drüben?“ ihre Besucher ein, sich über persönliche Perspektiven, Gehörtes und selbst Erlebtes zu den Themen Flucht, Migration und Integration (auch jenseits der SBZ/DDR-Flucht) auszutauschen.

Besucherandrang bei EröffnungsveranstaltungAusgehend vom Bahnhof reiste die Ausstellung sechs Wochen lang durch die Stadt und machte dabei jeweils für eine Woche an verschiedenen Standorten Halt. Das ZMI reihte sich als Förderer in die namhafte Riege von Unterstützern ein, zu der die Stadt Gießen, die Bundesdesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Gemeinnützige Stiftung Sparkasse Gießen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zählen.

 

 

 

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Wir stellen vor: Performing Arts – ZMI-geförderte Projekte

Mit der neuen Rubrik „Performing Arts – ZMI-geförderte Projekte“ möchten wir Ihnen ab sofort die von uns geförderten Performing-Arts-Projekte vorstellen.

Die Förderung künstlerischer und performativer Aktivitäten und Projekte hat im ZMI schon eine lange Tradition. Zahlreiche Aktionen, Festivals, Performances und Projekte vor allem von Studierenden der Gießener Angewandten Theaterwissenschaft wurden von  Sektion 5 – Kunst und Medien finanziell unterstützt. U.a. das jährlich wiederkehrende „Diskurs Festival“, die Performance „Kleine Terrorakte“, die Kunstinstallation „Breaking News“ (rechtes Bild: Philipp Bergmann/ Matthias Schönijahn), die auf der B3-Biennale 2013 prämiert wurde und viele weitere größere und kleinere Vorhaben.

Performing ArtsBisher haben wir dies stets in unserem aktuellen Blog  bzw. auf der Seite der Sektion 5 dokumentiert. Damit Sie sich dauerhaft über ZMI-Aktivitäten im Bereich Kunst auf dem Laufenden halten können und wegen der großen Nachfrage nach Informationen rund um „Performing Arts“ präsentieren wir Ihnen ab sofort die neue Rubrik „Performing Arts – ZMI-geförderte Projekte“ auf unserer Homepage. Sie können die Rubrik über den „Performing Arts“-Button, der sich in der rechten Navigationsleiste unserer Homepage befindet, öffnen.

 

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Gerade erschienen: Engelbarts Traum

Henning Lobins Buch über die Zukunft des Lesens und Schreibens

Engelbarts Traum; Campus VerlagIn seinem neuen Buch untersucht Henning Lobin, Direktor des ZMI, den Wandel des Lesens und Schreibens auf dem Weg zu einer Digitalkultur.

Die Digitalisierung bedeutet das Ende der Schriftkultur, sie markiert damit eine kulturelle Zeitenwende wie die Erfindung des Buchdrucks. Mit der Entwicklung des Computers haben die Menschen das Monopol über die Schrift verloren. Der Computer nimmt uns Lesen und Schreiben immer mehr ab und wird dabei selbst zum Leser und Schreiber. Douglas Engelbart, der Erfinder der Computer-Maus, zeichnete diese Entwicklung schon 1968 in einer legendären Demonstration vor, sein Traum ist unsere Wirklichkeit geworden und bestimmt unsere Zukunft.

Henning Lobin zeigt in seinem gerade im Campus-Verlag erschienenen Buch „Engelbarts Traum“, wie sich diese Entwicklung des Lesens und Schreibens auf die Infrastrukturen der Schriftkultur (Bibliotheken, Verlage) und ihre Institutionen (Schule, Universität, Presse, Zensur) auswirkt. Auf dem Weg hin zu einer „Digitalkultur“ wird der Mensch zunehmend in die Peripherie gedrängt. Der digitale Code, gleichsam eine neue kulturelle DNA, tritt dabei mehr und mehr an seine Stelle. Welche weiteren Veränderungen lassen sich derzeit voraussagen? Wie können wir verhindern, dabei zum Spielball der technischen Evolution zu werden?  Engelbarts Traum muss heute neu gedeutet werden, soll er sich nicht in einen Albtraum verwandeln.

Diese Thesen werden in 10 Kapiteln entfaltet und den offenen Fragen wird auf den Grund gegangen. Lobins evolutionärer Blick auf das Ende der Schriftkultur bietet jenseits von Kulturpessimismus oder Fortschrittsfeindlichkeit unverzichtbares Hintergrundwissen und fundierte Orientierung in der aktuellen Debatte um die Digitalisierung.

 

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Heiner Goebbels’ Inszenierung von De Materie eröffnet die Ruhrtriennale

Der Zeppelin über der Schafherde im vierten Teil von De Materie. Foto: Wonge Bergmann/Ruhrtriennale

Das dritte (und letzte) Jahr der Ruhrtriennale unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels hat am Wochenende in Duisburg und Dortmund begonnen. Im Zentrum stehen große Musiktheaterproduktionen und die Bildende Kunst im Verhältnis zu Tanz, Performance, Film und Konzert. Aus Heiner Goebbels‘ Editorial: „Was die Ruhrtriennale auszeichnet, sind die Wechselwirkungen zwischen Künstlern und Räumen. Sie ermöglichen uns starke künstlerische Erfahrungen und haben für mich oberste Priorität; wo sonst hat man die Freiheit, kompromisslos etwas entstehen zu lassen. So hat es auch mit den besonderen ästhetischen Herausforderungen des Landschaftsparks zu tun, wenn am Eröffnungswochenende die große Präsenz des Festivals in Duisburg unübersehbar ist. Musiktheater, das die Grenzen zu den anderen Künsten nicht mehr kennt: zum Theater, zum Tanz, aber auch zur Ästhetik der Installation und Performance.“

Heiner Goebbels am Eröffnungswochenende im Gespräch mit Bundestagspräsident Norbert Lammert. Foto: Sabine HeymannMit der Oper De Materie des niederländischen Komponisten Louis Andriessen kommt eine exzeptionelle Musiktheaterarbeit des 20. Jahrhunderts zur Aufführung, die neue Perspektiven jenseits der Oper ermöglicht.  Heiner Goebbels‘ Inszenierung in der Duisburger Kraftzentrale ist die erste szenische Realisierung seit der Uraufführung in Amsterdam 1989. Michael Stallknecht in der SZ: „Am Eröffnungsabend im Landschaftspark Duisburg-Nord überwältigt allein die Raumtiefe der ehemaligen Kraftzentrale des Eisenwerks mit ihren 160 Metern, in dem ‚De Materie‘ (…) stattfindet. Kaum ein Stück könnte besser hierher passen.“ - „Packendes Objekt- und Maschinentheater“ schreibt Friederike Felbeck auf http://www.nachtkritik.de/:  „Mit der Neuinszenierung von „De Materie“ ehrt die Ruhrtriennale den niederländischen Komponisten Louis Andriessen, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert. Die (…) Oper kreist um das Wechselspiel von Geist und Materie, Eros und Glaube, Natur und Wissenschaft. Gemeinsam mit dem Ensemble Modern Orchestra unter der Leitung von Peter Rundel und dem ChorWerk Ruhr gelingt in der größten Spielstätte des an ehemaligen Industriestandorten des Ruhrgebiets beheimateten Festivals ein packendes Musiktheaterspektakel, das viel Raum für Assoziationen lässt.“ Und Eleonore Büning in der FAZ: „Anders als [seine Vorgänger] Jürgen Flimm und Willy Decker vergibt Goebbels keine Uraufführungsaufträge. Er ruft dafür Stücke zurück ins Gedächtnis, die ihrer Zeit so weit voraus waren oder nach Aufwand und Anspruch so unaufführbar schienen, dass sie gleich wieder eingemottet wurden. (…) Gleich Anfangs tauchten, als leuchtende Vollmonde, die sich ins Längliche drehen, drei Zeppeline auf. (…) Einer der Zeppeline (…) beleuchtet den Auftritt von hundert Schafen aus dem Raum Düsseldorf. Die Tiere sind bestens trainiert und folgen ihren Hütern auf den Klick genau. Eine stille Herde, die aus dem Background nach vorne trottet, friedlich ein bisschen vor sich hin müffelt und köttelt und ab und zu (…) ein ‚Mäh‘ in den Fluss der Musik streut. Dann treten die Tiere wieder ab.“

Expeditions- (oder Flüchtlings-)zelte im ersten Bild von De Materie, vorne das Ensemble Modern Orchestra, das später auf einer Plattform aus dem Graben hoch in die Tiefe des Raums und wieder zurückfahren wird.                                                                                                               Foto: Wonge Bergmann/Ruhrtriennale

Vom 15. August bis 28. September 2014 lag der Fokus der Ruhrtriennale auf grenzauflösenden Uraufführungen und Neuinszenierungen internationaler Künstlerinnen und Künstler. 2015 übernimmt der niederländische Theaterregisseur Johan Simons die künstlerische Leitung der Ruhrtriennale.

 

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Machen Power Point Präsentationen dumm?

archiv.text.image74Henning Lobin stand dem SWR in einem Radiointerview zum Thema „Machen Power-Point Präsentationen dumm?“ Rede und Antwort. In der heutigen Gesellschaft ist Power Point aus Seminaren oder Vorträgen nicht mehr wegzudenken. Der Bildungsforscher Christof Wecker hat nun eine Studie veröffentlicht, die davon ausgeht, dass Power Point Folien das Lernen behindern können. Weckers These ist, dass Inhalte, die nicht auf Folien stehen, von vielen Zuhörern für unwichtig gehalten werden. Ist Power Point also kontraproduktiv? Henning Lobin dazu: „Wenn etwas so erfolgreich ist wie Power Point in den letzten 20, 25 Jahren, dann kann es eigentlich nicht vollständig kontraproduktiv sein, jedenfalls nicht im kommunikativen Sinne.“ Als Grund für den Erfolg dieses Kommunikationsprogramms sieht Lobin den wachsenden Bedarf an Vermittlung von Informationen. „Das ist in Fabriken oder in Behörden oder in Bereichen der Fall, wo einfach heute Informationen in Teams zu vermitteln und abzustimmen sind, wo früher vielleicht einfach nur eine Order ergangen ist.“ Das Problem sieht Lobin nicht in Power Point selbst, sondern im unreflektierten Umgang damit. So sei es kaum sinnvoll, dass ohnehin zu Vermittelnde eins zu eins auf die Folien zu schreiben. Vielmehr sei Power Point zur begleitenden Visualisierung von abstrakten Inhalten zu nutzen. Der von Wecker so betitelten „Power Point Hölle“ kann laut Lobin durch eine reflektierte Nutzung entgangen werden.


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Neues WissensLog von Henning Lobin

Prof. Dr. Henning Lobin„Die Engelbart-Galaxis“ – so heißt das neue WissensLog, das Henning Lobin am 4. August 2014 auf den Scilogs begonnen hat. Das Scilogs-Blogging-Portal wird seit 2007 vom „Spektrum der Wissenschaft Verlag“ angeboten und ist seither eine Plattform, auf der Wissenschaftler und Wissenschaftsinteressierte über aktuelle Themen diskutieren. Bereits von 2009 bis 2012 war hier ein kleines Team mit dem Blog „Interactive Science“ im Rahmen des gleichnamigen Forschungsverbunds des ZMI vertreten, in dem es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die innerwissenschaftliche Kommunikation ging. In seinem neuen Blog widmet sich Henning Lobin nun dem Wandel der Kulturtechniken des Lesens und Schreibens – im technischen Sinne und mit Blick auf seine kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Eine wichtige Grundlage für die Beiträge stellt die zweijährige Arbeit an dem Buch „Engelbarts Traum“ dar, das im September im Campus-Verlag erscheint. In dem Blog werden Themen aus dem Buch aufgegriffen und weitergeführt, zudem werden Publikationen und Entwicklungen, die seit der Fertigstellung des Buchmanuskripts im Frühjahr öffentlich geworden sind, zum Gegenstand gemacht. In seinem nächsten Beitrag wird Henning Lobin dann auch erklären, was Douglas C. Engelbart, Erfinder der Computermaus, mit all dem zu tun hat.

 

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Christian Papesch und Manuel Daubenberger zu Gast bei Stimmen aus der Praxis

Christian Papesch und Manuel Daubenberger haben am 17. Juli im Philosophikum I zum Thema „Journalistische Arbeit beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ referiert. Beide waren bis vor kurzem noch Volontäre beim NDR Fernsehen und arbeiten für den Sender nun weiter als freie Journalisten. Ihr derzeitiges Projekt ist ein Dokumentarfilm über die Zukunft Europas. Auf dem Weg zu einer sechswöchigen Reportagereise durch den Balkan machten sie an der JLU Station und berichteten in einem „Werkstattgespräch“ über ihre Arbeit und beantworteten Fragen. Die Veranstaltungsreihe „Stimmen aus der Praxis“ wird von der Sektion 4 des ZMI in Kooperation mit der Professur Fachjournalistik Geschichte ausgerichtet.

 

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Nach der Hybridität II - Transplantation und Transkulturation

Internationale Tagung

Die Sektion 5 des ZMI lud vom 3. bis 5. Juli 2014 zur zweiten Tagung der Reihe Nach der Hybridität ein. Ausgangspunkt dieser Tagung war ein problematisch gewordener Begriff des Hybriden. Trotz aller kulturtheoretischer Bemühungen, seine biologischen Wurzeln zu überwinden und in ein Konzept semantischer Kreuzungen und machtpolitischer Konfrontationen zu übersetzen, wurde und wird der Hybriditätsbegriff immer wieder von den Konnotationen des Organischen und des Botanischen eingeholt. Die Tagung ging den Fragen nach, ob und inwiefern eine kulturtheoretische Abstraktion von derartigen Biologismen und Essentialismen möglich und nötig ist.

Die Tagungsreihe Nach der Hybridität wird von Prof. Dr. Ottmar Ette (Potsdam) und Prof. Dr. Uwe Wirth (Gießen) konzipiert und organisiert. Nach der Hybridität II: Transplantation – Transkulturation wurde als Kooperation zwischen der Universität Potsdam (unter Beteiligung des Internationalen Graduiertenkollegs Zwischen Räumen / Entre Espacios) und der Universität Gießen (unter Beteiligung des Gießener Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI)) durchgeführt.

Aus der Tagung ging der Band „Nach der Hybridität – Zukünfte der Literaturtheorie“ hervor. Dieser ist in der Reihe POINTE (Band 11) im tranvia-Verlag Walter Frey erschienen.
Aus dem Klappentext: Der Begriff des Hybriden hat in den letzten drei Jahrzehnten im Rahmen unterschiedlichster Text- und Kulturtheorien eine beeindruckende Konjunktur erlebt. Besonders wirkmächtig ist der Hybriditätsbegriff im Kontext der Postcolonial Studies geworden.
Die Idee dieses Bandes besteht darin, erstens die Probleme des Hybriditätsbegriffs detailscharf zu beschreiben; zweitens die Politiken der semantischen Zuschreibung und Umschreibung des Hybriditätsbegriffs nachzuvollziehen; drittens über alternative Beschreibungsmodelle nachzudenken, die entweder eine differenziertere Verwendung des Hybriditätsbegriffs – oder seine Überwindung – erlauben; viertens Konzepte für künftige kulturtheoretische Modellierungen zu entwickeln, die im Sinne vektorisierter Zwischenräume die Rhizomatiken lebendiger Interkonnektoren im Kontext divergierender Modernen weltweit als Lebenspolitiken reformulieren; fünftens aktuelle Diskussionslinien weltweit transarchipelisch zusammenzuführen.
Das Einleitungskapitel von Ottmar Ette und Uwe Wirth „Nach der Hybridität: Zukünfte der Kulturtheorie“ kann hier gelesen werden.


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Kurz und Schmerzlos von Fatih Akin war der Abschluss der ZMI-Filmreihe Das erste Mal - Langfilmdebüts von Kinogrößen

Im Rahmen der ZMI-Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ fand am Mittwoch den 25. Juni 2014 im Margarete-Bieber-Saal die vierte und vorerst letzte Filmvorführung statt. Nach einer Begrüßung durch Prof. Henning Lobin stellte Jens Balkenborg den Gastredner des Abends, Prof. Malte Hagener, vor. Hagener ist Professor für Medienwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg mit Schwerpunkt auf Geschichte, Theorie und Ästhetik des Films und neben vielen weiteren Mitgliedschaften Vorstandsmitglied der „hessischen Film- und Medienakademie“ (hFMA), Beiratsmitglied des „Marburger Kamerapreises“ sowie Mitglied des DFG-Netzwerks „Filmstil“.

Prof. Hagener führte die Besucher in Fatih Akins Debütfilm „Kurz und Schmerzlos“ ein, der 1998 beim Internationalen Filmfestival von Locarno mit dem Spezialpreis für das beste Darstellerensemble ausgezeichnet wurde und darüber hinaus den Adolf-Grimme-Preis und den Bayrischen Filmpreis gewann. Dabei betonte Hagener, dass das Neue an Akins Debütfilm mitunter darin liege, dass er im Gegensatz zu dem bis dahin vorherrschenden „Betroffenheitskino“ oder „Problemkino“ das Leben von Migranten in einer multikulturellen, hybriden Gesellschaft zeigt, ohne dabei paternalistisch zu sein oder um Verständnis zu werben. Stattdessen zeigt Akin eine authentische multikulturelle Gesellschaft, mit all ihren positiven wie negativen Facetten. Auch durch eine ausgeprägte Direktheit und Körperlichkeit hebe sich Akins Debütfilm von den Charakteristika des deutschen Kinos der 90er ab. Darüber hinaus fänden sich in „Kurz und Schmerzlos“ Einflüsse von Scorsese, beispielsweise bei der Figur Gabriel, der als Taxifahrer in Analogie zu „Taxi Driver“ gesehen werden kann. Aber auch zu Tarantino, berücksichtigt man den Kleinauftritt Akins in seinem Debütfilm und schließlich sei der Film auch durch Al Pacino und „Scarface“ beeinflusst worden.

Bild: Prof. Malte Hagener während seiner Einführung zu Fatih Akins Debütfilm „Kurz und Schmerzlos“ im Margarete-Bieber-Saal

Einmal ist immer das erste Mal. Auch die großen Filmemacher sind von dieser Redewendung nicht ausgeschlossen. Nicht selten sind deren Erstlingswerke unbekannte Studentenfilme, Lowbudget-Produktionen, die, wenn überhaupt, erst retrospektiv nach größeren Erfolgen vermarktet werden. Was nicht heißen soll, dass die Debüts geringzuschätzen sind. Im Gegenteil, handelt es sich dabei oft um innovative Erstlingswerke von „unverbrauchten“ und kreativen jungen Köpfen, die ihren eigenen Stil zu entwickeln suchen.
Im Rahmen der Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ bot das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) im Sommersemester Studierenden und Filminteressierten die Möglichkeit, sich mit den Langfilmdebüts bekannter Regisseure auseinanderzusetzen. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, die formalen und inhaltlichen Grundtendenzen erkennbar werden zu lassen, die den Grundstein für die individuelle Handschrift der vorgestellten Filmemacher legten. Zu Beginn jeder der vier Veranstaltungen führten fachkundige Gastredner aus Filmkritik und Filmwissenschaft das Publikum in den jeweiligen Film ein und standen im Anschluss an die Filmvorführung zur Diskussion zu Verfügung.


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Stephan Bröchler zur Lage der derzeitigen Opposition im Deutschen Bundestag in der hr2 Kultur Sendung Der Tag

Das assoziierte Mitglied der ZMI Sektion 1 Dr. Stephan Bröchler, Privatdozent der Fernuniversität Hagen, vertrat kürzlich in der hr2 Kultur Sendung „Der Tag“ zum Thema „Sind sie zu stark, bist du zu schwach – die Ohnmacht der Opposition“  die Ansicht, dass die Opposition nicht so „lahm“ sein müsse, wie sie derzeit sei. Bröchler wurde der Radiosendung per Telefon zugeschaltet und  stellte zunächst fest, dass die formalen Voraussetzungen für die Oppositionsarbeit im Bundestag verbessert worden seien. Mit der aktuellen Geschäftsordnung des Bundestags könnten Enquetekommissionen, Untersuchungsausschüsse und Sitzungen mit einem Quorum von 120 Abgeordneten einberufen werden - das sind sieben Abgeordnete weniger als die Gesamtzahl der Oppositionsmitglieder. Auch habe die Opposition erhöhte Redezeiten zugestanden bekommen. Ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht könne sie hingen nicht anstreben, ohne Mehrheiten über die Abgeordneten der Opposition hinaus zu generieren. Die Verfassungsbeschwerde stehe hingegen jedem Bürger zur Verfügung, um verabschiedete Gesetze auf den Prüfstand zu stellen.

Die mit der neuen Geschäftsordnung des Bundestags entstandenen formalen Verbesserungen nutze die Opposition jedoch nicht ausreichend, um Politik mitzugestalten. Aufgrund dessen würden sich die gesellschaftlichen Gegenbewegungen zur derzeitigen Politik neue Orte suchen. Zum einen verlagerten sich Konflikte in die Regierung selbst, was Bröchler anhand der Debatte um den Mindestlohn innerhalb der Regierung belegt. Zum anderen verlagere sich Opposition in die Zivilgesellschaft. Im Internet hätten z.B. 500.000 Bürger eine Petition gegen den Abschluss des US-Europäischen Freihandelsabkommens unterzeichnet. Zudem gäbe es Parteien die immer stärker werden, wie die AfD, die „Kritik aufnimmt“.


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Friday in Venice auf der Architekturbiennale Venedig

ZMI fördert Michael Schindhelms transmediales Erzählprojekt LAVAPOLIS

Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Buch, besuchen eine Webseite oder schauen sich eine Theater-Performance an und plötzlich scheinen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu verschwimmen. In der Grauzone Ihrer Imagination beginnen Sie, die Handlung zu leben und ihr Leben selbst schreibt diese fort. Scheinbar unumstößliche soziale und wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten weichen unbegrenzten Möglichkeiten der Neugestaltung. Gesellschaftlich konditionierte Geistesblockaden beginnen sich zu lösen. Sie haben die Chance, alles, wirklich alles in Frage zu stellen, zu überprüfen und gewinnen nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten, Lebensentwürfe zu gestalten, zu erneuern und zu verändern. Eine unglaublich spannende und aufregende Situation - meinen Sie nicht? Das vom ZMI geförderte transmediale Erzählprojekt LAVAPOLIS von Michael Schindhelm stellt sich der Frage: „Was ist möglich?“.

Schindhelm thematisiert diese Frage fiktional, aber nicht nur in seinem Roman „Lavapolis“, der der Ausgangspunkt für das transmediale Storytelling-Projekt mit einer Internet-Plattform und einer Installation auf der aktuellen Architekturbiennale Venedig ist. Genres verschwimmen in seinem Projekt, Grenzen zwischen Internet, Buch und Theater-Performance werden neu definiert und schaffen ihrerseits neue Möglichkeiten für Beobachter, User, Leser und Teilnehmer, Geschichte zu erleben und zu gestalten.

Schindhelms Buch beschäftigt sich konkret und metaphorisch zugleich mit der unmittelbaren Zukunft. In Form einer fiktiven Geschichte wird sich an einen gesellschaftlichen Ausnahmezustand angenähert, der zur Zeit allenthalben zu beobachten ist und der hier auf einen Ort verdichtet wird: in die Zeitkapsel einer Insel – Lavapolis. Der Ort stellt die Realität in Frage, repräsentiert Alternativen, kehrt Reales ins Gegenteil und zeigt  Bestehendes gleichermaßen auf. Er ist zwar unerreichbar und flüchtig, enthält jedoch Möglichkeiten – Ablösungen von sozialen oder wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten der Gegenwart. Die Inselbewohner, die Michael Schindhelm in unterschiedlichen Medien zum Leben erweckt, hegen Unbehagen an der Gesellschaft und der Gegenwart. Sie haben jedoch nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten, Lebensentwürfe zu gestalten. Sie berichten von ihrem Leben, stimmen einander zu, widersprechen sich.

Die Inselgesellschaft bedient sich neuester Erkenntnisse der Sozialforschung, Urbanistik, Migrationspolitik und Finanzwirtschaft, um ein Gesellschaftssystem zu errichten, das die reale Welt und ihre dramatischer werdenden Probleme zwar repräsentiert, aber auch ins Gegenteil verkehrt. Auf diese Weise werden Fiktionen zu zukünftigen realen Möglichkeiten. Die Frage „Was ist möglich?“ manifestiert sich in den Köpfen der Leser, Zuschauer, Teilnehmer und User. Somit wird Fiktion zu Realität und Realität zu Fiktion. Der Foucault’sche Gegenort zur Realität scheint nicht mehr flüchtig und unerreichbar, vielmehr ist er tief in uns selbst zu finden, wenn wir uns Gedanken über Lavapolis machen. „Es sollte schamlos geträumt werden“, fordert Schindhelm.

Das Projekt greift das Genre der Utopie-Imagination (als direkte oder indirekte Kritik an den bestehenden Verhältnissen) bzw. der Foucault’schen Dystopie auf und versucht sich als Kritik an der Kritik. Schindhelms Roman hat den Charakter einer fiktiven Dokumentation, die aktuelle und latente Trends der Forschung, Urbanistik, Bildung, Finanzwirtschaft, Migration und Kommunikationstechnologie aufgreift, kritisch betrachtet und das Thema in drei Richtungen (Speculations, Imaginations und Predictions) auf die Frage zuspitzt, was Experten und Nicht-Experten, Betroffene und Außenstehende über bestimmte Trends, Probleme, urbane, politische, kulturelle etc. Sachverhalte und Entwicklungen denken.

Die Website präsentiert neben dem Romantext bzw. Ausschnitten daraus in Form von „Auftritten“ der Protokollanten und Interviews mit Experten und Künstlern sog. Logbucheintragungen aus verschiedenen Städten der Gegenwart in Form von Interviews, Anekdoten, Porträts, Erzählungen, Fotos, Videos, Simulationen u.v.m. Beiträge weiterer Autoren sind vorgesehen. Die Website ist ein Fortsetzungsprojekt über einen unbestimmten Zeitraum, das mit einem Team entwickelt und vom Autor selbst betreut wird.

Die Installation „Friday in Venice“ flankiert reale Auftritte des Aktivisten Friday – einer Romanfigur aus „Lavapolis“ – mit einer Reihe von Online Aktivitäten, bei denen bestimmte Diskussionen rund um die Themen Europa, Gesellschaft und die Biennale selber aufgeworfen werden. Dazu wird Friday eigene Statements verbreiten und die Besucher seiner Online-Präsenz dazu einladen, ihre Meinungen kundzutun. Architektur und Urbanistik sind Thema des Romans Lavapolis und werden zentraler Gegenstand der interaktiven Plattform sein. Aufgrund der Einladung von Kurator Rem Koolhaas wird das Projekt daher auch auf der Architekturbiennale von Venedig gezeigt und das Publikum in den Diskurs einbeziehen. Koolhaas selbst wird an einer der geplanten Aktionen von Friday in Venice teilnehmen.

Das ZMI hat in der Vorbereitungsphase des Projektes mit Michael Schindhelm kooperiert und es gefördert. Damit reiht es sich ein in die Riege namhafter Institutionen, die an LAVAPOLIS beteiligt sind, hierzu zählen: die Alfred Herrhausen Gesellschaft, Deutschland; die Zürcher Hochschule der Künste, Schweiz; La Biennale di Venezia, Italien und OMA, Niederlande.

LAVAPOLIS erscheint im Herbst  2014 als Buch (in der deutschen Ausgabe bei Matthes&Seitz, auf Englisch bei Sternberg Press). Im Mai 2014 erfolgte der Launch der interaktiven Webseite www.lavapolis.com. LAVAPOLIS tritt zudem in verschiedenen Performances auf, zunächst seit dem 7. Juni auf der Architekturbiennale von Venedig unter dem Titel „Freitag in Venedig”.

(Bilder: Lavapolis)   


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Kleine Terror Akte - the revolution will be televised

ZMI-gefördertes performatives Theaterprojekt im Stadtraum Gießen

„Der Moment der Veränderung ist endlich da“! Im Rahmen der Theatermaschine 1714, die vom 18. bis 23. Juni stattfindet, erwartet die Gießener eine spannende urbane Theaterperformance der Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft Gießen. Mittels „kleiner Terrorakte“ werden die Konfigurationen und Strukturen des öffentlichen Raums betrachtet – der soziale Code der Stadt gehackt und offengelegt.

Aus der Ankündigung:

Diejenigen, die „Terror machen“ stören die Ordnung, erzeugen ein Klima der Unsicherheit und Angst, rütteln an den Grundfesten von Staat und Gesellschaft. Sie zeigen, wie fragil und angreifbar die Gesellschaft ist und dass unsere auf Ordnung, Sicherheit und Kontrolle ausgerichtete Zivilisation unsicher wird. Unsicher, weil es jeden treffen kann. Unsicher bezüglich der Frage, wie die Gesellschaft mit einem Angriff auf ihre Werte umgeht. Unsicher auch, warum wir denn angegriffen werden. 

Wie gehen wir mit dieser Unsicherheit um? Soll Sicherheit das neue Supergrundrecht werden? Wie betrifft uns das? Wie berührt es unser alltägliches Leben? Wie verändert sich der öffentliche Raum? Normen erscheinen schnell als „alternativlos“ und verfestigen sich. Abweichendes Verhalten kann zu sozialem Ausschluss führen und macht verdächtig. Durch wachsende Überwachung, Kontrolle und Reglementierung - ob aus Sicherheitsgründen oder aus wirtschaftlichem Interesse - entsteht eine immer weiter fortschreitende Normierung des Verhaltens im öffentlichen Raum.

Terror als Erschütterung von Normen und Störung von gesellschaftlichen Abläufen und Automatismen; wir nehmen diese Erschütterung als Anfangspunkt, um uns in unserer Umgebung umzuschauen.

Wer: Corbinian Deller, Lukas T. Goldbach, Nina Koch, Anne Mahlow, Janna Athena Pinsker, Arthur Romanowski, Ola Stankiewicz, Marcus Peter Tesch


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„Der größte Unterschied: Natürlich das Budget!“

ZMI-Filmreihe Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen zeigt Darren Aronofskys  Pi

Am Mittwoch den 11. Juni 2014 fand im Margarete-Bieber-Saal in der Ludwigstraße 34 zum dritten Mal die vierzehntägliche ZMI-Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ statt. Die renommierte Filmkritikerin und Redakteurin der Filmzeitschrift epd Film Barbara Schweizerhof, führte das Publikum an diesem Abend in das Debütwerk „Pi“ von Darren Aronofsky („The Wrestler“, „Black Swan“, „Noah“) ein. Sie veröffentlichte zahlreiche Kritiken für die „taz“, „Die Welt“, „Die Zeit“, „Freitag“, das Magazin für Popkultur „spex“ und bekannte online-Filmseiten wie „filmzentrale.com“. Sie ist in Tübingen geboren, studierte Theaterwissenschaft, Slawistik und osteuropäische Geschichte an der FU Berlin. Von 2000 bis 2007 war sie Kulturredakteurin der Wochenzeitung „Freitag“.
Laut Schweizerhof lassen sich die Merkmale von Aronofskys filmischer Handschrift von seinem neuesten Film „Noah“ (2014) bis zu seinem Debütwerk „Pi“ (1998) gut zurückverfolgen. Der größte Unterschied zu späteren Filmen Aronofskys sei das Budget von gerade einmal 60 000 $, das noch dazu nach einem Crowdfunding Modell beschafft wurde: Aronofsky und seine Produzenten sammelten das Geld unter ihren Freunden und Bekannten ein und versprachen eine 50 prozentige Rendite, sollte der Film erfolgreich sein. Die Bezahlung des Filmteams erfolgte mittels Schecks, die erst zeitlich versetzt einlösbar waren sowie einer potentiellen Gewinnbeteiligung. Aronofskys Mutter kümmerte sich um das Catering, der Vater musste als Darsteller einspringen und auch Aronofsky selbst musste in einer Szene aus dem Hintergrund dubben. „Pi“ spielte in der Folge über 3 Millionen US Dollar ein und Aronofsky erzählt davon, dass er noch Jahre später versuchte Leute aufzuspüren, denen aus der Produktion von „Pi“ noch Geld zustand und davon wie glücklich er war, 2009 einem Techniker 30 000 $ aushändigen zu können.
In Aronofskys Debütwerk lassen sich Einflüsse der japanischen Anime Filme wie auch die trockene Unheimlichkeit der amerikanischen „Twilight Zone“-Serie erkennen, so Schweizerhof weiter. Letztere werde auch durch die Schwarz-Weiß-Filmtechnik verstärkt, die eine inhärente Dramatik mit sich bringe und durch starke Kontrastierung von Aronofsky weiter gesteigert wird, was auch ein wesentliches Merkmal seiner späteren Filme darstellt. Der Faust-Mythos, der Ikarus-Mythos sowie das zeitlose Moral-Dilemma des Wissens stellten weitere Inspirationsquellen für „Pi“ dar. Als starke Motive ließen sich ferner Obsession, Sucht und Monomanie benennen. Auch auf technischer Ebene legt Aronofsky bereits den Grundstein für seine ihm typische Handschrift. So entwickelt er für „Pi“ eine Kamera, die dem Hauptdarsteller an den Körper montiert wird, um so dessen subjektive Perspektive zu betonen. Auch Serien von schnellen Schnitten, die mit, teilweise übertriebenen, Soundeffekten kombiniert werden, gehören zu Aronofskys Markenzeichen. Diese Technik bekommt den Namen „Hip-Hop-Montage“ und wird in den folgenden Jahren von immer mehr Regisseuren verwendet.
Der Film handelt von einem jungen Mathematiker, der glaubt, über das Spiel mit Zahlen den Schlüssel zur Erkenntnis der Welt zu finden. Sein Wissensdrang treibt ihn in die Schizophrenie, so dass er nicht mehr zwischen Gut und Böse, Lüge und Wahrheit unterscheiden kann, sich von bösen Mächten verfolgt fühlt und sich immer mehr in seiner höhlenhaften Wohnung einschließt. Es ist die bedrückende Studie eines Psychopathen, der auf die Muster klassischer Psychothriller und Horrorfilme zurückgreift und sie experimentell verarbeitet. Ein Film von beachtlicher atmosphärischer Dichte, dessen Hauptdarsteller die Stadien von Klaustrophobie und Schizophrenie körperlich intensiv vorführt.
Im Anschluss an die Filmvorführung nutzten die Gäste die Möglichkeit ihre Eindrücke zu schildern oder Fragen zu stellen.

Einmal ist immer das erste Mal. Auch die großen Filmemacher sind von dieser Redewendung nicht ausgeschlossen. Nicht selten sind deren Erstlingswerke unbekannte Studentenfilme, Lowbudget-Produktionen, die, wenn überhaupt, erst retrospektiv nach größeren Erfolgen vermarktet werden. Was nicht heißen soll, dass die Debüts geringzuschätzen sind. Im Gegenteil, handelt es sich dabei oft um innovative Erstlingswerke von „unverbrauchten“ und kreativen jungen Köpfen, die ihren eigenen Stil zu entwickeln suchen.
Im Rahmen der Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ bot das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) im Sommersemester Studierenden und Filminteressierten die Möglichkeit, sich mit den Langfilmdebüts bekannter Regisseure auseinanderzusetzen. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, die formalen und inhaltlichen Grundtendenzen erkennbar werden zu lassen, die den Grundstein für die individuelle Handschrift der vorgestellten Filmemacher legten.


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Werden wir zu Analphabeten?

Prof. Henning Lobin geht dieser Frage in der Fernsehsendung  RTL Hessen nach

Pessimisten befürchten, dass uns das Internet zu Analphabeten macht. Texte werden überflogen, Einladungen nicht mehr per Brief, sondern per Mouseklick angenommen und geschriebene Sprache verliert Stil. Prof. Henning Lobin (Geschäftsführender Direktor des ZMI) sieht die Zukunft des Lesens und Schreibens weitaus weniger pessimistisch. Das Lesen und Schreiben wird sich zwar verändern: „Wir sind das erste Mal in einer Situation, in der wir Menschen nicht alleine lesen und schreiben, sondern das erste Mal ist auch noch jemand anderes mit dabei - nämlich der Computer.“ Smartphones und Co. schrieben und läsen heute mit, Schrift sterbe jedoch nicht aus. Tendenziell würden Texte jedoch weniger komplex werden.


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Mehr als Bits und Bytes

Prof. Heike Greschke und ihr Team gewinnen Hochschulwettbewerb im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2014 - ZMI Transfer und Sektion 1 kooperieren

Wie verändern wir uns durch die zunehmende Digitalisierung – als Einzelne und als Gesellschaft? Das war die zentrale Frage des diesjährigen Hochschulwettbewerbs von Wissenschaft im Dialog. Prof. Heike Greschke, Leiterin des anjungierten ZMI-Projekts „Mediale Dimensionen“ und Mitglied der Sektion 1 des ZMI, gehört mit ihren Mitarbeiterinnen Anja Nowak, Jagoda Motowidlo und Besgül Coskun zu den 15 Gewinnern des bundesweiten Wettbewerbs. Das mit 10.000 € geförderte Gießener Kommunikationsprojekt „Grenzen überwinden – Nähe erzeugen: Digitales Miteinander in der Migrationsgesellschaft“ vermittelt Erkenntnisse der Forschung an die Öffentlichkeit.

Bei der Entwicklung der Projektidee wurden Heike Greschke und ihr Team von ZMI-Transfer unterstützt. Die entstehende Online-Plattform soll zeigen, wie Informations- und Kommunikationstechnologien das Kommunikationsverhalten sowie die gesellschaftliche Repräsentation und Zugehörigkeit von Migrant/-innen prägen. Dienten früher Postkarten, Telefone oder Radios der Kontaktpflege in die Heimat, ist der Alltag von Migrant/-innen heute maßgeblich durch digitale Kommunikation wie Skype und Social Media bestimmt.

Mit dem Hochschulwettbewerb „Mehr als Bits und Bytes – Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit“ hatte Wissenschaft im Dialog Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aufgerufen, Kommunikationsideen zur Vermittlung von Forschung und Wissenschaft im Bereich der digitalen Gesellschaft zu erarbeiten.

Weitere Informationen:

 

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Einer der letzten Autorenfilmer Hollywoods!

ZMI-Filmreihe Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen stellt Christopher Nolans Following vor

Am Mittwoch, den 28. Mai 2014, war es wieder soweit. Der Gastredner Urs Spörri ist Kulturmanager, Moderator und Journalist. Für das Kino des Deutschen Filmmuseums Frankfurt kuratiert er monatliche Filmreihen mit Gästen aus der Filmwelt und fungiert als Experte für den aktuellen deutschen Film im Deutschen Filminstitut. Als langjähriger Leiter des Mainzer Filmfestivals FILMZ gilt seine Leidenschaft dem Kino. Seit 2010 ist der studierte Filmwissenschaftler zudem Juror der Deutschen Film- und Medienbewertung. Er führte am zweiten Termin der vierzehntäglich stattfindenden ZMI-Filmreihe im Margarete-Bieber-Saal in Christopher Nolans Debütwerk „Following“ ein und schärfte so die Sinne des filminteressierten Publikums für die nachfolgende Filmvorführung. Christopher Nolan ist bekannt durch Filme wie „Memento“, „Batman Begins“, „The Dark Knight“, „The Dark Knight Rises“ sowie „Inception“. Zu Beginn seiner Einführung wies Spörri darauf hin, dass Nolan nicht nur einer der kommerziell erfolgreichsten Hollywoodregisseure der vergangenen Jahre, sondern auch einer der letzten Autorenfilmer Hollywoods ist. So schreibt Nolan die Drehbücher zu all seinen Filmen gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan selbst, seine Frau Emma ist Producerin und bei „Following“ führte Nolan sogar selbst die Kamera. Die Entstehungsgeschichte von „Following“ sei auch deshalb bemerkenswert, weil der Film mit dem sensationell kleinen Budget von 6000 £ gedreht wurde. Da die Freunde, die Nolan für die Besetzung der Rollen anheuerte wochentags ihrer Arbeit nachgingen, konnten die Dreharbeiten über ein ganzes Jahr hinweg immer nur samstags stattfinden, weshalb „Following“ auch als „Feierabendfilm“ bezeichnet wurde.

Aber schon mit „Following“ beweise Nolan erstmals seine Vorliebe für verschachtelte Erzählstrukturen, düstere Atmosphäre und doppelbödige Geschichten. Deshalb, so Spörri, sei „Following“ die logische Vorstufe für Nolans Meisterwerk „Memento“. Diese Tatsache illustrierte Spörri anhand von 11 Merkmalen bzw. Motiven, die sich auf dramaturgischer, motivischer und technischer Ebene finden und auch für die späteren Werke Nolans charakteristisch sind. Zu diesen 11 Merkmalen gehöre das Erzählen non-linearer, antichronologischer Geschichten mit komplizierten Erzählstrukturen. Dabei bewegt sich Nolan genrehaft in der Tradition des Film noir, wobei seine Filme durch eine radikale und selbstbewusste Dekonstruktion ihrer Story den Zuschauer auf eine Metaebene entführen. Manipulation und Illusion, Träume sowie Schuld und Rache seien die zentralen Motive aller Filme Nolans. Ebenso verhalte es sich mit dem Bösen, das schicksalhaft wie im Film noir aus dem Nichts kommt und mit der Gewalt, die, durchaus brutal und erschreckend, ein zentrales Element seiner Filme darstellt, dabei aber nur selten offen gezeigt wird. In „Following“ wie auch bei Nolans späteren Filmen findet sich ferner das Motiv des beobachteten Beobachters. Hinsichtlich technischer Parallelen zwischen Nolans Filmen verwies Spörri auf das Anfangsbild, das bereits zu Beginn der Filme Aufschluss über deren Verlauf gebe, Flashbacks, Wiederholungen, Jump Cuts und eine elliptische Erzählweise.  
Im Anschluss an die Filmvorführung gab es Gelegenheit, sich über das Gesehene auszutauschen und zu diskutieren.

Einmal ist immer das erste Mal. Auch die großen Filmemacher sind von dieser Redewendung nicht ausgeschlossen. Nicht selten sind deren Erstlingswerke unbekannte Studentenfilme, Lowbudget-Produktionen, die, wenn überhaupt, erst retrospektiv nach größeren Erfolgen vermarktet werden. Was nicht heißen soll, dass die Debüts geringzuschätzen sind. Im Gegenteil, handelt es sich dabei oft um innovative Erstlingswerke von „unverbrauchten“ und kreativen jungen Köpfen, die ihren eigenen Stil zu entwickeln suchen.
Im Rahmen der Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ bot das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) im Sommersemester Studierenden und Filminteressierten die Möglichkeit, sich mit den Langfilmdebüts bekannter Regisseure auseinanderzusetzen. Ziel der Veranstaltungsreihe war es, die formalen und inhaltlichen Grundtendenzen erkennbar werden zu lassen, die den Grundstein für die individuelle Handschrift der vorgestellten Filmemacher legten.

(Bild: Urs Spörri während seiner Einführung zu Christopher Nolans „Following“.)



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Vera Ermakova als Gastdozentin an der Universitat de València

Vera Ermakova, wissenschaftliche Mitarbeiterin des ZMI, war im Rahmen der Dozentenmobilität des ERASMUS Programms vom 11. bis zum 15. Mai 2014 Gast der Universitat de València. Eine absolute Premiere, denn bisher war noch nie ein Dozentenaustausch zwischen den JLU-Fachbereichen Sprache, Literatur, Kultur sowie dem ZMI auf der einen Seite und den valencianischen Fakultäten Facultat de Filologia und Traducció i Comunicació auf der anderen Seite zustande gekommen. Die Gasthochschule war deswegen sehr an einer Gießener Gastdozentin interessiert. Prof. Herbert Holzinger koordinierte den Austausch vor Ort.

Am ersten Tag des Austauschs präsentierte Vera Ermakova die JLU, das ZMI und die Austauschmöglichkeiten zwischen den Universitäten València und Gießen. Anschließend gab es eine Fragen/Antworten-Stunde für StudentInnen. Vom 12. bis zum 15. Mai wurden im Kurs „Lengua 6“ zwei Seminare mit jeweils 16 StudentInnen durchgeführt. Prof. Dr. Holzinger war anwesend, geleitet wurden die Seminare von Vera Ermakova. Beide Seminare behandelten die Veränderungen der Kommunikation und der Medienlandschaft sowie der Globalisierung.

„Alles in allem war das eine sehr erfolgreiche Reise, die mich sowohl beruflich als auch persönlich ein Stück weiter gebracht hat. Die Zeit in València verging wie im Fluge! Die Student/innen waren sehr freundlich und interessiert und die spanischen Kollegen waren sehr liebenswürdig.“ (Vera Ermakova)

 

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Sabine Heymann an der Georgetown University über Urban Performances

„Partizipatives Theater: Die Schnittstelle von Theater und sozialer Intervention“ war in diesem Jahr das Thema von „Zeitgeist“, dem internationalen Festival des Goethe Instituts in Washington DC. Vom 10. bis 12. Mai brachte dieses Festival Theaterinnovatoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mit Künstlern, Regisseuren und Zuschauern aus Washington DC zusammen. Mitten in Washingtons Chinatown, dem Sitz des örtlichen Goethe Instituts, erlebte ein höchst interessiertes Publikum Performances der Gruppen Machina Ex, God's Entertainment und mercimax.

An der Georgetown University (Davis Performing Arts Center, Gonda Theatre) fand im Rahmen des Festivals ein Symposium zum Thema „Audience Integration/Audience Relationship. Politics, Intimacy and the Barriers between Private and Public“ statt. Aus dem Mission Statement: „Beim partizipatorischen Theater interagieren die Zuschauer mit dem Künstler und werden Teil der Performance. Diese Veränderung in der Künstler-Zuschauer Beziehung eröffnet die Möglichkeit, Form, Ästhetik und Inhalt in der Theaterkunst, ziviles Engagement und soziale Gerechtigkeit in Frage zu stellen. Zuschauer können Themen erforschen, einen Sinn für Eigentum entwickeln, und zusammen arbeiten, um zu überlegen, wie Wandel passieren kann.“

Keynote-Speakerin war mit dem Vortrag „Urban Performances. The Intersection between Action Art and political activism“ die Geschäftsführerin des ZMI, Sabine Heymann. Dabei lag der Fokus auf politisch inspirierten „Urban Performances“. Anhand von Video-Beispielen aus Russland, der Türkei, China und Ägypten (Pussy Riot, Voina, Erdem Gündüz, Zhang Xian, /VRUrban) wurde eine erste Einordnung und theoretische Annäherung an diese neue künstlerische Ausdrucksform versucht. Ein vom ZMI (Sabine Heymann/Jens Balkenborg) hergestelltes Video wurde im Rahmen des Festivalprogramms gezeigt.
Weitere Informationen:


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Soziolinguististik des höheren Lebensalters 

Vortrag der Sektion 3

Prof. Annette Gerstenberg (Freie Universität Berlin) hält auf Einladung der ZMI Sektion 3 am heutigen Dienstag, den 20. Mai, einen Vortrag zum Thema „Soziolinguististik des höheren Lebensalters“. Sprecherinnen und Sprecher, die dem höheren Lebensalter angehören, stellen die Soziolinguistik vor Herausforderungen. Diese sind zwar bei näherem Hinsehen nicht altersexklusiv, aber sie treten  in späteren Lebensphasen mit größerer Deutlichkeit hervor: Welche Rolle spielt die (über Jahrzehnte gewachsene) Individualität? Welche sprachliche Relevanz hat das chronologische Alter im Vergleich unterschiedlicher generationeller Prägungen? Welche sprachlichen Veränderungen sind im höheren Lebensalter „normal“? Mit Beispielen aus Studien und eigenen empirischen Daten werden die Perspektiven aufgezeigt, die sich daraus ergeben, wenn auch die höheren Jahrgänge ihren festen Platz in soziolinguistischen Erhebungen erhalten.



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Debütfilm als Keimzelle für spätere Werke – Auftakt der ZMI-Filmreihe

Am 14. Mai 2014 um 19 Uhr wurde mit der Vorführung von „Blood Simple“ der Brüder Joel und Ethan Coen die ZMI-Filmreihe „Das erste Mal – Langfilmdebüts von Kinogrößen“ eröffnet. Die Filmreihe widmet sich den Erstlingswerken bekannter Regisseure und der Frage nach deren charakteristischen und innovativen Merkmalen. Im gut besuchten Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34) eröffnete Prof. Henning Lobin den Abend mit einer feierlichen Begrüßung. Anschließend führte der Filmwissenschaftler, Filmemacher, Autor und Publizist PD Dr. Marcus Stiglegger von der Uni Mainz das interessierte Publikum in das Coensche Universum und speziell „Blood Simple“ ein. Laut Stiglegger sind die Filme der Coen-Brüder zwar nach Hollywoodmaßstäben überwiegend keine großen ökonomischen Erfolge, tragen aber wesentlich zur weltweiten Etablierung des Hollywoodkinos als Kunstform bei. Die individuelle Handschrift der Coens erklärte Stiglegger mit der Autorentheorie. Diese sei zwar zu Recht umstritten, biete aber eine gute Basis, um die bereits im Debütwerk eines Regisseurs enthaltenen wesentlichen filmischen Merkmale zu beschreiben. So sei z.B. die bei „Blood Simple“ vorzufindende Langsamkeit der Inszenierung ein typisches Merkmal aller Coen-Filme, ebenso wie die Komik, die aus der Figurenkonstellation erwächst oder die postmodernistische Zitation und Variation von konventionalisierten Genres. „Blood Simple“ wird gerne als Neo-Noir bezeichnet, weil er die Merkmale des klassischen Film noir in eine in der Gegenwart spielenden Handlung überträgt. Für Stiglegger ist allerdings der Begriff Meta-Noir treffender, da der Film die Techniken des Film noir reflektiert und neu arrangiet. „Blood Simple“ sei damit die Keimzelle für die späteren Werke des Coen-Brüder. Im Anschluss an den Film nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit zur konstruktiven Diskussion mit Herrn Stiglegger.

 

 

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Werkstattgespräch mit DAMALS-Chefredakteur Stefan Bergmann

Die Fachjournalistik Geschichte und das ZMI ludenam 8. Mai 2014 in der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ zu einem Werkstattgespräch mit Stefan Bergmann ein. Der Chefredakteur hat zunächst das Geschichtsmagazin DAMALS und seine Themenplanung vorgestellt. Anschließend wurde konkret über das Themenheft „Alptraum Erster Weltkrieg“ diskutiert, von dem die Teilnehmenden bei verbindlicher Anmeldung zum Werkstattgespräch ein Freiexemplar erhielten. Im Gespräch ging es um das persönliche Interesse der TeilnehmerInnen am Ersten Weltkrieg und was sie sonst noch an aktuellen Aufbereitungen des Themas anlässlich des 100. Jahrestages kennen und verfolgen. Außerdem ging es um die Arbeit am vorliegenden Heft. Folgende Fragen waren Grundlage der rege geführten Diskussion: Was gefällt ihnen und warum? Was würden sie selbst anders machen? Wie schätzen sie den Themenmix, die Rubriken, die Aufmachung und graphische Gestaltung von DAMALS ein?

 

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Brasilianische Austauschstudierende zu Besuch im ZMI

Sabine Heymann, Geschäftsführerin des ZMI, und Julian Nordhues, Koordinator des Studierendenaustausches zwischen der JLU und der Universidade de Brasilia, begrüßten drei brasilianische Austauschstudierende im ZMI, die das kommende Sommersemester in Gießen verbringen werden. Das Treffen hatte einen „Meet and Greet“ Charakter. Man unterhielt sich über den Austausch, die Stadt Gießen und vieles mehr.

Victor Ribeiro Cardoso (Bild Mitte) legt an der JLU einen Schwerpunkt auf Wirtschaftswissenschaften, während er in Brasilia „Policy Management“ studiert. Die Politikstudentin Stefanie Schegoscheski Viotto Ferraz (Bild links) und die Studentin der Wirtschaftswissenschaften, Yasmin Martins de Oliveira (Bild rechts), bleiben ihrem Studienfach auch in Gießen treu.

Auf die Frage, ob es eine große Umstellung sei, von der Großstadt Brasilia nach Gießen zu ziehen, antwortete Stefanie Schegoscheski Viotto Ferraz: „Es ist sehr schön hier. In Brasilia fahren wir mit dem Auto zur Uni. Hier in Gießen kann man alles mit dem Fahrrad erreichen.“ Wir freuen uns über den Besuch und wünschen den sympathischen BrasilianerInnen für das neue Sommersemester das Allerbeste.


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Wintersemester 2013/2014


Filmvorführung und Diskussion: Erhobenen Hauptes: (Über)Leben im Kibuzz Ma`abarot

Die ZMI-Sektion 4 Medien und Geschichte lud am 11. Februar 2014 herzlich zu einer Filmvorführung und anschließender Diskussion mit den Machern des Dokumentarfilms „Erhobenen Hauptes: (Über)Leben im Kibuzz Ma`abarot“ ein. Der Film erzählt von fünf jüdischen Menschen, die in Deutschland geboren wurden und die, wie so viele andere, vor den Nazis flüchten mussten. Der Fokus des Films liegt weniger auf der Verfolgung der ProtagonistInnen in Nazi-Deutschland, vielmehr bekommt der Zuschauer einen eindringlichen Einblick in das heutige Leben in ihrem Kibbuz in Israel. Trotz der ungeheuerlichen Erfahrungen, die sie machen mussten, erzählen die ProtagonistInnen mit Begeisterung von ihrem Versuch, ein anderes Leben zu führen: Ein Leben in Solidarität und Gemeinschaft, in dem jeder Einzelne wichtig ist.


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Chinesisches Neujahrsfest im ZMI

Am 30. Januar wurde im ZMI das chinesische Neujahr gefeiert. Die Eltern der aus China kommenden ZMI-Mitarbeiterin Yan Cheng waren in Gießen zu Besuch und haben es sich nicht nehmen lassen, anlässlich des wichtigsten chinesischen Feiertages für die ZMI-MitarbeiterInnen ein Festtagsmenü mit 15 verschiedenen typisch chinesischen Speisen zuzubereiten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Frau Chengs Vater professioneller Koch ist. 2014 ist das Jahr des Pferdes. Das Pferd steht symbolisch für Zielstrebigkeit, Tapferkeit, Intelligenz, Kreativität, Tatendrang, Abenteuerlust und Freiheitsliebe. Wir wünschen ein glückliches neues Jahr und alles Gute! 新春愉快,万事如意!


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Den Vorhang zu und alle Fragen offen...

.... war das Motto eines Gesprächs über Theater und Gesellschaft heute in China und Deutschland, das als 41. Deutsch-Chinesischer Dialog am Freitag, 17. Januar, vom Konfuzius Institut an der Universität Hamburg veranstaltet wurde. Dialogpartnerinnen waren die chinesische Theaterwissenschaftlerin Prof. Li Yinan (Zentrale Theaterakademie Peking) und Sabine Heymann (Geschäftsführerin des ZMI). Das Gespräch fand vor einem theaterinteressierten Hamburger Publikum statt und ging von dem Tatbestand aus, dass das Sprechtheater in Deutschland eine lange Tradition hat, während es in China erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts „importiert“ wurde. Die Diskussion kreiste um Fragen wie diese: Wie sieht heute die Theaterlandschaft in beiden Ländern aus? In welchem Spannungsfeld bewegt sich Theater und welchen konkreten Herausforderungen müssen sich Theatermacher in beiden Ländern stellen? Inwieweit beeinflussen sich chinesisches und deutsches Theater über kulturelle Grenzen hinweg. Auf dem Foto (von links) der Geschäftsführende Direktor des Konfuzius Instituts, Dr. Carsten Krause, Prof. Li Yinan und Sabine Heymann im Chinesischen Teehaus „Hamburg Yu-Garden“.


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Wissenschaftlich schreiben – zwischen Autorschaft und Plagiat

Vortragsreihe der Sektion 3

Die ZMI-Sektion Educational Linguistics veranstaltete im Wintersemester 2013/2014 drei Gastvorträge zum Thema „Wissenschaftlich schreiben – zwischen Autorschaft und Plagiat“. Bereits im letzten Jahr referierten Dr. Heidrun Dorgeloh (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) zum Thema „Abstract Syntax: Die Entstehung wissenschaftssprachlicher Konstruktionen im Genre-Kontext“ und Prof. Thorsten Pohl (Universität zu Köln) über den „Erwerb wissenschaftssprachlicher Kompetenzen“. Am 4. Februar 2014 schloss die Reihe mit einem Vortrag von Prof. Diane Pecorari (Linnéuniversitetet Kalmar/Växjö, Schweden) zum Thema „Student plagiarism: Where does it come from and what can educational linguistics do about it?“.


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Publikationsreihe dieS-online erscheint in der Elektronischen Bibliothek

Prof. Katrin Lehnen (stellvertretende Direktorin des ZMI) und Prof. Helmut Feilke geben seit kurzem die Publikationsreihe für den Forschungsverbund dieS (didaktisch-empirische Schreibforschung) „dieS-online“ heraus und möchten auf folgenden Beitrag aufmerksam machen:
Berkemeier, Anne; Geigenfeind, Astrid; Schmitt, Markus (2013): Implementierung und Evaluation schulischer Schreibförderung als Herausforderung am Beispiel der Sachtextzusammenfassung. In: dieS-online Nr. 1/2013.
Die Publikationsreihe veröffentlicht in loser Reihenfolge Forschungsbeiträge zur didaktisch-empirischen Schreibforschung. Die Beiträge stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Der Forschungsverbund setzt sich aus von Forscherinnen und Forschern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Die Kooperation begünstigt einen interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch zu Fragen der Erforschung und Förderung von Schreib- und Textkompetenzen. dieS veranstaltet jährliche Tagungen bzw. Sommerschulen, gibt die Publikationsreihe dieS-online heraus und bietet über die Website des Forschungsverbunds Informations- und Kontaktmöglichkeiten für alle Interessierten.
Weitere Informationen:


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ZMI beim Infocafé des GCSC vertreten

Am 15. Januar 2014 war das ZMI mit einem Informationsstand beim Infocafé des GCSC vertreten. Der Stand wurde von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Vera Ermakova (Bild rechts) und Natali Karlova-Bourbonus (Bild links) betreut. Im Rahmen des Information Day fand das Infocafé als informelles Zusammentreffen zwischen Postdocs, Doktorand/innen und Mitarbeiter/innen des GCSC und seinen Partnerinstitutionen statt, zu denen auch das ZMI zählt. Der Information Day hatte das Thema „Was Sie schon immer über das Promovieren in den Kulturwissenschaften wissen wollten“.


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Delegation der Shanghaier Theaterakademie zu Gast beim ZMI

Der ehemalige Generalsekretär des Goethe-Instituts Prof. Dr. Hans-Georg Knopp (Strategischer Berater der Shanghaier Theaterakademie - STA) und Prof. Tian Mansha (Vizepräsidentin der STA) waren vom 13. bis zum 15. Februar zu Gast beim ZMI. Die Delegation besprach die anstehende Gründung eines Gießener Konfuzius-Instituts und verschiedene weitere Kooperationsvorhaben. Während ihres mehrtägigen Aufenthalts trafen sich die Gäste mit Vertretern des ZMI und des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft (ATW) der JLU. Empfangen wurden sie am Mittwoch von Prof. Dr. Henning Lobin (Direktor des ZMI) und Sabine Heymann M.A. (Geschäftsführerin des ZMI), abends nahmen sie am „Kamingespräch“ des ZMI teil. Es folgten Arbeitsbesprechungen mit Prof. Dr. Gerald Sigmund und Prof. Heiner Göbbels (beide ATW).


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2013-2014

 


Vortragsreihe Medien_Kontrolle (2013-2014)

Auf Einladung der ZMI-Sektion 1 „Macht-Medium-Gesellschaft“ und der Sektion „Medialisierung der Gesellschaft“ des Gießener Graduiertenzentrums Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (GGS) fand von November 2013 bis November 2014 eine Vortragsreihe zu Medien und Kontrolle statt. Die Veranstaltungsreihe beschäftigte sich mit den Wechselwirkungen zwischen Medienwandel und Gesellschaftswandel und reflektierte diesen Zusammenhang methodologisch. Die Veranstaltungsreihe richtete sich an alle (Nachwuchs-)Wissenschaftler_innen der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften, die an methodischen, empirischen bzw. theoretischen Fragen der Medienforschung interessiert sind.

 

 

  • Late Deciding in der sozialwissenschaftlichen Wahlforschung 

Prof. Dr. Olaf Jandura (Universität Düsseldorf) hielt am 15.05.2014 auf Einladung der Sektion 1 des ZMI einen Vortrag zum Thema „Informationsverhalten von Spätentscheidern – Late Deciding in der sozialwissenschaftlichen Wahlforschung“. Dabei ging er folgenden Fragen auf den Grund: „Wer entscheidet sich, spät zur Wahl zu gehen? Wie informieren sich ‚Spätentscheider‘ über die Wahl? Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus?“. Durch Befragungen im Rahmen eines Projekts zur Bundestagswahl 2009 gelang es, bestimmten Wählertypen von Früh- und Spätentscheidern bestimmte Medienportfolios zuzuordnen. In seinem Vortrag zog Jandura spannende Rückschlüsse aus den 2009 gesammelten Daten. Beispielsweise wird die Medienzusammenstellung, aus der Wähler ihre Informationen gewinnen, immer individueller. „Leitmedien“ gibt es allenfalls noch regional und in bestimmten Sparten. Spätentscheider müssen in ihren Medienportfolios entsprechend sehr differenziert betrachtet werden.

 

  • „Überwachung konsumieren! Von Medien, Kontrolle und ihren Annehmlichkeiten“

Am 25. November 2013 hielt Dr. habil. Nils Zurawski (Professur für Kriminologie an der Universität Hamburg) auf Einladung der ZMI-Sektion 1 „Macht - Medium - Gesellschaft“ und des GGS an der JLU einen Vortrag mit dem Titel „Überwachung konsumieren! Von Medien, Kontrolle und ihren Annehmlichkeiten“.
Die Überwachungskamera ist zu einem unausweichlichen Bestandteil unserer Lebenswelt geworden und hat, als Symbol der omnipräsenten Kontrolle, längst ihren Weg in die Pop- und Werbekultur gefunden. Die rohe Ästhetik der verwaschenen Alltagsmitschnitte und der „zufällig“ aufgezeichneten kleinen Heldentat, machen sich beispielsweise global agierende Unternehmen für ihre Werbekampagnen zu Nutze.
Mit diesem Aufhänger stellte Dr. Zurawski in seinem Vortrag die Frage, wie Menschen mit dem Wissen umgehen, dass sie ununterbrochen gefilmt, ihre persönlichen Daten gesammelt und analysiert werden können. Im Versuch gängige Vorurteile über die Unwissenheit und Herdenmentalität der „Überwachten“ außen vor zu lassen, wurde der Umgang von Individuen mit lebensweltlichen Überwachungs-Erlebnissen verknüpft. Die Handhabung von Kundenkarten, wie sie im Einzelhandel angeboten werden, beschrieb Dr. Zurawski in seinem Vortrag anhand von aktuellen Interview-Studien.

 

  • „Ganz sicher: Digitale Sicherheitsforschung mit und ohne Öffentlichkeit“


Am 30. Januar 2013 hielt Dr. Stephan G. Humer (Universität der Künste, Berlin einen Vortrag mit dem Titel „Ganz sicher: Digitale Sicherheitsforschung mit und ohne Öffentlichkeit“. Nach der Veranstaltung bestand die Möglichkeit mit Dr. Humer und den Zuhörer_innen zu diskutieren, wozu ebenfalls herzlich eingeladen wurde.

 

  • „Koalitionsverhandlungen in vernetzten Öffentlichkeiten: Transparente Verfahren - Transparente Politik?“


Am 05. Februar 2014 hielt Prof. Dr. Christoph Bieber (Universität Duisburg-Essen) einen Vortrag mit dem Titel „Koalitionsverhandlungen in vernetzten Öffentlichkeiten: Transparente Verfahren - Transparente Politik?“. Nach der Veranstaltung bestand die Möglichkeit, mit Prof. Dr. Bieber und den Zuhörer_innen inhaltlich und methodologisch zu diskutieren, wozu ebenfalls herzlich eingeladen wurde.

 

  • „Experientielle Fiktionen (mit) der Überwachungskamera“

Am 17. Juni 2014 hielt Frau Dr. Nicole Falkenhayner der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Rahmen der Vortragsreihe „Medien_Kontrolle“ einen Vortrag zum Thema „Experientielle Fiktionen (mit) der Überwachungskamera“. Überwachungskameras – obwohl sie mittlerweile von vielen als unser „geringstes Problem“ im Kontext der gesellschaftlichen Kontrolle angesehen werden – symbolisieren die Kontrollgesellschaft auf spezifische Weise. Als „evokative Objekte“ (Sherry Turkle) erlauben sie eine besondere affektive Aufladung, die sie zu Auslösern verschiedenster Narrative werden lassen. Neben der Verwendung der Logik und Ästhetik von Überwachungskameranetzwerken in panikgetriebenen Thrillern, wie der „Bourne Identity“-Reihe, auf der einen Seite, und den verschiedenen Formen der „surveillance art“ auf der Anderen, gibt es eine dritte Art der Verwendung von Überwachungskameras in Narrativen in Film, Kunst und Romanen vor allem der jüngeren Kulturproduktion Großbritanniens, die Falkenhayner als „Fictions of Being Captured“ bezeichnet. Im Gegensatz zu Kunstbewegungen, wie der „Surveillance“ oder klassischen Darstellungen der Überwachungsgesellschaft in den Werken Ballards oder Orwells, werden hier die Überwachungskamera und ihr Netzwerk verwendet, um Geschichten im Modus des Sentimentalen zu erzählen. Wie können wir diese Fiktionen mit der Überwachungskamera einordnen, die scheinbar gar nicht von Überwachung erzählen? Sind sie, wie die Filmphilosophin Patricia Pisters argumentiert, „war-machines“ oder Ausdruck einer Normalisierung von alltäglicher Überwachung, die zeigt, wie sehr deren Artefakte und Techniken unsere Erfahrungswelten und Subjektivierungsweisen bereits prägt?

 

  • „Hürden auf dem Weg zu einer erfolgreichen Petition an den Deutschen Bundestag“

Im Abschlussvortrag am 27. November 2014 spricht Ulrich Riehm über die „Hürden auf dem Weg zu einer erfolgreichen Petition an den Deutschen Bundestag“. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), dem Riehm angehört, hat auf Anregung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages in den letzten Jahren das 2005 eingeführte elektronische Petitionssystem und die Öffentlichen Petitionen des Deutschen Bundestages wissenschaftlich begleitet und dabei umfangreiche Befragungen von Petenten vorgenommen. Im Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, wie selektiv das Petitionsverfahren des Deutschen Bundestages auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen wirkt.


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2012-2013

 

Stimmen aus der Praxis (2012-2013)

Die Fachjournalistik Geschichte und das ZMI laden regelmäßig Journalisten an die Universität Gießen ein, um über ihren beruflichen Werdegang, spezifische Aspekte der Berufspraxis, die gesellschaftliche Funktion und aktuelle Herausforderungen des Journalismus zu sprechen. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

 

  • „Nicht nur Nazis und Stasi: Geschichte aus Deutschland für die Welt.“ - Die Kultur- und Geschichtsredaktion der Deutschen Welle

Am 17. Dezember 2013 hielt Susanne Spröer, Redaktionsleiterin Kultur/Geschichte bei der Deutschen Welle in Bonn, einen Vortrag zum Thema „Nicht nur Nazis und Stasi: Geschichte aus Deutschland für die Welt. Die Kultur- und Geschichtsredaktion der Deutschen Welle“.

 

  • „Sie stehen nun am Brandenburger Tor: Beobachtungen zum wachsenden Markt der Audio-Führer“ - Clemens Tangerding von ‚jetzt und einst‘

Am 12. November 2013 sprach Dr. Clemens Tangerding, freier Journalist und Gründer der Berliner Geschichtsagentur „jetzt und einst“, über das Thema „Sie stehen nun am Brandenburger Tor: Beobachtungen zum wachsenden Markt der Audio-Führer“. Nach dem Vortrag bestand wie immer Gelegenheit zur Diskussion.

 


Am Dienstag, den 25. Juni 2013, kam Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Hauptredaktion „Aktuelles“ des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF), nach Gießen und widmete sich in seinem Vortrag der Frage „Wo liegt die Zukunft des Fernsehens?“

Elmar Theveßen studierte Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft in Bonn und arbeitete als freier Mitarbeiter des dortigen ZDF-Studios. Anschließend war er bis 2001 Auslandskorrespondent des ZDF in Washington. Er war Reporter des ZDF-Magazins „Frontal21“ und Chef vom Dienst der Hauptredaktion „Aktuelles“. Seit 2007 leitet er die Hauptredaktion „Aktuelles“ (u.a. heute und heute-journal) und ist stellvertretender Chefredakteur des ZDF. Theveßen äußert sich regemäßig zu Fragen des Terrorismus und hat verschiedene Sachbücher zu diesem Themenfeld verfasst.

Im Anschluss an den Vortrag bestand wie immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren.


In der Vergangenheit wurden bereits hochkarätige Gäste, wie Christoph Hickmann (Der Spiegel), Cigdem Akyol (taz), Uwe Oster (DAMALS), Hajo Gevers (Wallstein Verlag) und Andreas Fauth (Hörfunkschule Frankfurt) empfangen. Am 24. April 2013, kam Sven Stienen vom Magazin Stadtaspekte - Die dritte Seite der Stadt nach Gießen und redete mit uns über Magazinneugründungen und die damit verbundenen Herausforderungen für junge Kulturjournalisten. Der Titel der Veranstaltung lautete „Ich mach das lieber selbst“. Wege zum eigenen journalistischen Medienprojekt. Am Dienstag, den 14. Mai 2013, war Sven Felix Kellerhoff, Leitender Redakteur Zeit- und Kulturgeschichte bei „Die WELT“/“Berliner Morgenpost“, zu Gast in Gießen und widmete sich in seinem Vortrag der Frage „Was bleibt vom klassischen Journalismus in Zeiten der Social-Media-Revolution?“

 

  • Uwe Oster sprach über die Redaktionstätigkeit beim Geschichtsmagazin DAMALS (2012)
  • Hajo Gevers sprach über die Arbeit beim Wallstein-Verlag (2012)
  • Spiegel-Redakteur Christoph Hickmann hielt einen Vortrag mit dem Titel „Vor Sitzungssälen und Hinterzimmern – wie Politik sich inszeniert und Journalismus damit umgeht“  (2012)
  • Taz-Redakteur Cigdem Akyol sprach über die Positionierung der taz innerhalb der Zeitungsbrache. „Die taz: Linke Krawallmacher oder ernstzunehmende Konkurrenz auf dem Zeitungsmarkt?“ (2012)


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Gießener, die Geschichte schrieben (2012-2013)

Die Universitätsstadt an der Lahn liegt zwar mitten in Deutschland, wird aber bisweilen als etwas peripher empfunden. Dabei hat Gießen in den letzten ein bis zwei Jahrhunderten eine Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten hervorgebracht. Georg Büchner, Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Conrad Röntgen zählen ebenso dazu wie Stefan Bellof, Albert Osswald, Henriette Fürth, und Horst-Eberhard Richter, um nur einige wenige zu nennen.
Die vom ZMI geförderte Vortragsreihe möchte solche Menschen in Erinnerung rufen, die in der Stadt groß geworden sind, ausgebildet wurden oder gewirkt haben. Manche von ihnen sind im Stadtbild präsent, andere vom Hörensagen bekannt, wieder andere gilt es erneut zu entdecken. Dabei sollen überraschende Bezüge geknüpft und auch solche Personen vorgestellt werden, deren Ruhm eher vergänglich war.
Die Vortragsreihe richtete sich gleichermaßen an ein städtisches sowie - fachbereichsübergreifend – an ein universitäres Publikum. Die Vorträge im Konzertsaal des
Gießener Rathauses fanden großen Anklang. Organisiert wurde die Vortragsreihe von Florian Greiner M.A. und Prof. Dirk van Laak.

 

„Politiker“ – Vortrag von Claus Leggewie

Gießen hat besonders viele starke und rebellische Politiker hervorgebracht. Sie haben, laut dem ehemaligen Direktor des ZMI und aktuellem Beiratsmitglied Claus Leggewie, dreierlei

gemeinsam: sie sind sozialdemokratisch engagiert, verfolgen die Ziele kleiner Gruppen und sind rebellische Widerstandskämpfer. So zum Beispiel Georg Büchner, der 1834 die Landbevölkerung zum Aufstand gegen Unterdrückung aufrief, und Wilhelm Liebknecht. Der 1826 geborene Liebknecht gilt als Vorkämpfer der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung. Bei seiner

Zeitreise durch die Riegen namhafter Gießener Politiker ließ Leggewie auch den Nationalsozialismus nicht außen vor. „Man tut immer so als hätte die Politik dann aufgehört und später wieder angefangen“, so Leggewie. Der ehemalige Oberbürgermeister Heinrich Ritter habe zwar erreicht, dass Gießen an das Autobahnnetz angeschlossen wurde, doch auch er war Teil des Nazi-Regimes und somit verantwortlich für die Deportation der Gießener Juden.

Die Vorträge fanden an folgenden Terminen und zu diesen Themen statt:

  • 22. Oktober 2012: Grußwort: Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Pioniere: Manfred Kröger
  • 5. November 2012: Kämpferinnen: Eva-Marie Felschow
  • 19. November 2012: Politiker: Claus Leggewie
  • 3. Dezember 2012: Couragierte: Dagmar Klein
  • 17. Dezember 2012: Juristen: Heinhard Steiger
  • 7. Januar 2013: Literaten: Rolf Haaser
  • 21. Januar 2013: Geschichtsdeuter: Horst Carl
  • 4. Februar 2013: Illusionisten: Friedhelm Häring


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