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Artikelaktionen

Mediatisierung von Eltern-Kind-Beziehungen

kurzinfo

Zeichnung einer FamilieMediatisierung von Eltern-Kind-Beziehungen im Kontext transnationaler Migration

Wie werden Primärbeziehungen und Alltag in Familien aufrechterhalten, wenn zwischen Eltern und Kindern geographische Distanzen und staatliche Grenzen liegen? Welche Bedeutung haben Kommunikationstechnologien in diesen transnationalen Fernfamilien-Arrangements? Das Ziel des Projekts besteht in einer transnational vergleichend angelegten Rekonstruktion der techno-sozialen Verfasstheit familialer Alltagswelten im Kontext transnationaler Migration.

inhalt

Familie wird hier verstanden als „durch die Übernahme und das Innehaben einer Mutter- und/oder Vater-Position im Lebensalltag eines Kindes generiert“ (Lenz 2007: 192). Das Projekt untersucht, wie und mit welchen Implikationen es (nicht) gelingt, in geografischer Distanz eine Mutter- oder Vater-Position im Lebensalltag eines oder mehrere Kinder innezuhaben. Dabei legt das Projekt besonderes Augenmerk auf die Wechselwirkungen zwischen technologischen und sozialen Prozesslogiken und die Frage, wie sich diese in Interaktionsmustern, familialen Routinen und Sorge- und Erziehungspraktiken manifestieren. Konzeptioneller Ausgangspunkt ist die Annahme, dass nicht nur Alltagsleben, soziale Beziehungen und Praktiken zunehmend mediatisiert werden, sondern auch umgekehrt Medien im Alltag ihre Bedeutung als Instrumente der Gestaltung des sozialen Lebens entfalten, Medien mithin im Zuge ihrer Innovations- und Gebrauchsgeschichte zunehmend sozialisiert werden. Bei der Frage, welche gesellschaftlichen Veränderungen die fortschreitende Integration von Medien in den Alltag und die zunehmende Mediatisierung interpersonaler Kommunikation allgemein mit sich bringen und wie die Mediatisierung der unmittelbaren sozialen Beziehungen von den Akteur/innen befördert und gestaltet wird, stellen transnationale Familien gewissermaßen eine Avantgarde dar, da sie in besonderem Maße auf kommunikative Mobilitätsressourcen zurückgreifen müssen, um die Einschränkungen körperlicher Mobilität zu kompensieren, die mit transnationaler Migration verbunden sind.

Für die Untersuchung soll ein Sample an geeigneten Vergleichs- und Kontrastfällen zusammengestellt werden, das verschiedene Raum-Zeit-Muster, Grenzregime und (sozio-kulturelle) familiale Konstellationen repräsentiert. Entsprechend seinem Forschungsgegenstand ist das Projekt als transnationale kollaborative Forschung angelegt, die ethnografische mit kommunikationsanalytischen Methoden verbindet, um so die Alltagswelten transnationaler Familien in ihrer spezifischen techno-sozialen Verfasstheit zu beschreiben. Zunächst soll mithilfe ethnographischer Methoden ein Sample aus verschiedenen Familienkonstellationen generiert und in ihrer spezifischen techno-sozialen Beschaffenheit beschrieben werden. Im zweiten Schritt werden die multimodalen und multimedialen kommunikativen Welten transnationaler Familien in vergleichender Perspektive und mithilfe von gattungsanalytischen Verfahren untersucht.

 

Folgende Fragen sind richtungsweisend für die Analyse:

1. Welche techno-sozialen Ressourcen und Praktiken ermöglichen es, „Wir-Beziehungen“ in einer transnationalen familialen Alltagswelt – einem Bereich der Welt „der zugleich in gemeinsamer Reichweite gegeben ist“ (Schütz 1971: 366) – zu pflegen, obgleich sich die Beteiligten an mehr oder weniger weit voneinander entfernten geografischen Orten befinden.

 

2. Wie verändert sich die Institution Familie hinsichtlich ihrer Primärbeziehungen und - aufgaben durch die strukturierende Eigenmacht von IKT? Inwieweit prägen etwa Kommunikationstechnologien die Praktiken und Semantiken von An- und Abwesenheit, Intimität, Vertrauen und Loyalität in transnationalen Familien? Auf welche Weise und in welchem Maße lässt sich Sorge- und Erziehungsarbeit mediatisieren?

 

3. In welchem Verhältnis stehen verkörperte und medial vermittelte Interaktions- und Handlungsformen in der Elternschaft auf Distanz? Mit welchen Begriffen können die entstehenden techno-sozialen Hybridformen angemessen beschrieben werden?

 

Das beantragte Forschungsprojekt wird im Rahmen des Schwerpunktprogramms (SPP) „Mediatisierte Welten“  im Teilbereich „Interaktions- und Handlungsformen“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Es schließt empirisch an die Arbeiten der multilokalen und transnationalen Familienforschung an und verknüpft sie aus einer mediatisierungstheoretischen Perspektive mit der soziologischen Interaktionstheorie.