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Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? − Nachlese zur Bundestagswahl

Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? − Nachlese zur Bundestagswahl

Das Ergebnis der Wahl zum 19. Bundestag vom 24. September 2017 stellt sowohl mit dem Einzug der AfD als auch mit der Anzahl der in den Bundestag gewählten Parteien eine Zäsur für den deutschen Parlamentarismus dar. Wie geht es jetzt weiter? Mit sieben in den neuen Bundestag gewählten Parteien und neuen Koalitionsoptionen gibt es Gesprächsbedarf, nicht nur für die Politikwissenschaft.

Unter dem Titel Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl 2017 findet am 26. Oktober 2017 um 18:00 Uhr s.t. eine Podiumsdiskussion in der Aula der JLU, Ludwigstr. 23, 35390 Gießen statt, die das ZMI in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaft (IfP) der JLU in der Reihe Kontroversen veranstaltet.

Auf dem Podium diskutieren Prof. Sigrid Roßteutscher (Goethe Universität Frankfurt und Projektleiterin der German Longitudinal Election Study), der politische Blogger Stefan Krabbes, die Journalistin Maria Fiedler (Tagesspiegel), der Politikberater Matthias Hartl (pollytix strategic research gmbh) sowie die Politikwissenschaftlerin Prof. Dorothée de Nève (ZMI/IfP). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde werden unter anderem Motive und Präferenzen der Wählerinnen und Wähler sowie die Wahlbeteiligung beleuchten. Auch die Verläufe und Strategien der Wahlkämpfe sollen noch einmal im Fokus stehen. Zudem werden aktuelle Fragen rund um die nun anstehende Regierungsbildung und mögliche Ausstrahlungseffekte angesprochen. Nach kurzen Inputs des Podiums besteht Gelegenheit zu einer offenen Debatte. Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Simone Abendschön (IfP). Prof. Joybrato Mukherjee, Präsident der JLU, wird mit einem Grußwort in die Diskussion einführen.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Facebook-Seite des ZMI.

(9.10.2017, Katharina Monaco)

"Faktencheck" von Dorothée de Nève bei "Maischberger"

"Faktencheck" von Dorothée de Nève bei "Maischberger"

Dorothée de Nève Foto: ZMIIn den Medien und in Fernseh-Talkshows wurde und wird heftig über die Bundestagswahl 2017 und deren Ergebnis debattiert. Oft bleiben dabei am Ende Fragen offen oder Argumente uneindeutig. Aus diesem Grund gibt es im Anschluss der Fernseh-Talkshow Maischberger einen "Faktencheck". Dort werden Fragen zum Thema der Sendung von Experten beantwortet.
Prof. Dorothée de Nève (Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI, Sektion 1) beantwortete einen solchen "Faktencheck" zur Sendung "Wutwahl: Haben die Volksparteien ausgedient?" am 28. September 2017. Insbesondere das Wahlergebnis der AfD wurde diskutiert. Im "Faktencheck" analysiert Dorothée de Nève das Wahlergebnis der AfD und zeigt auf, wie dieses zustande kam sowie welche Rolle die AfD im Osten Deutschlands spielt.
Wer selbst mit Expertinnen und Experten über den Ausgang der Bundestagswahl und über Prognosen für die Zukunft diskutieren möchte, der ist herzlich zur Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017, am Donnerstag, 26. Oktober 2017, eingeladen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

Der Faktencheck von Dorothée de Nève:

 

Warum ist die AfD in den ostdeutschen Ländern so erfolgreich?

Der Erfolg der AfD in den neuen Bundesländern hat sich seit längerer Zeit langsam aufgebaut und im Kontext der Bundestagswahl 2017 nun einen neuen, vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Ursachen dafür sind vielfältiger Natur: Erstens haben die Volksparteien seit Beginn der 1990er-Jahre einen dramatischen Mitgliederverlust erlitten. Die Mobilisierungsbasis dieser Parteien hat sich insbesondere auch in den neuen Bundesländern verschlechtert. Seit Beginn der 1990er-Jahre hat die CDU beispielsweise in Sachsen rund 2/3 der Mitglieder verloren. Bei Die Linke hat sich die Zahl von 45.000 (1991)[1] auf 8.300 (2016)[2] reduziert. Auch wenn sich Parteien heute auch unabhängig von Parteimitgliedschaften erfolgreich organisieren können, so sind diese Zahlen doch ein deutlicher Indikator dafür, wie gering der gesellschaftliche Rückhalt dieser Parteien inzwischen ist. In dieser Krise lassen sich dann eben auch Wähler nicht mehr kurzfristig für einen Wahlgang mobilisieren. Die Schwäche der einen ist also die Chance der anderen. Zweitens entspricht der Erfolg rechtspopulistischer Parteien einem internationalen Trend. Auch in anderen europäischen Ländern sind rechtspopulistische Parteien erfolgreich – von Skandinavien bis Griechenland, von Großbritannien bis Rumänien. Die Wahlerfolge der Rechtspopulisten in Deutschland entsprechen also diesem allgemeinen Trend und sind im Vergleich zu den Nachbarländern Deutschlands bislang relativ niedrig. Drittens tritt die AfD mit einer politischen Agenda an, die bei den Wählern offensichtlich gut ankommt. Es geht inhaltlich um ein exklusives und zugleich sehr konservatives Gesellschaftsbild, um die Wahrung vermeintlich nationaler Interessen im Kontext der Globalisierung und um ein grundsätzliches Misstrauen gegen das Establishment, zu dem sowohl politische Eliten, als auch Intellektuelle und Medien zählen.

 

Ist die AfD die neue Partei der "Abgehängten"? Das war doch vormals wohl die Linkspartei? Wer sind überhaupt die "Abgehängten"?

Die Vorstellung, dass die AfD-Wähler "Abgehängte" seien, greift zu kurz und ist teilweise sogar irreführend. Die Kernklientel der AfD sind Angestellte, Arbeiter, kleine Selbständige und auch Arbeitslose mittleren Alters (insbesondere zwischen 35 und 44). Der Anteil der Männer, die sich für die AfD entscheiden, ist signifikant höher als jener der Frauen. Die Vorstellung, dass es sich hier um eine gesellschaftliche Gruppe in ökonomischer Not handle, die aus Verzweiflung die AfD wählt, ist insofern nur für einen geringen Teil der AfD-Wähler tatsächlich zutreffend. 73% der AfD-Wähler bezeichnen ihre eigene wirtschaftliche Situation als sehr gut bzw. gut.[3] Wenn man also den Begriff der "Abgehängten" überhaupt bemühen möchte, dann geht es nicht um ein ökonomisches Abgehängt sein, sondern ein politisch kulturelles Abgehängtsein von aktuellen Diskursen und Entwicklungen. Das spiegelt sich zum Beispiel in dem Vertrauensverlust gegenüber Medien und Wissenschaft, aber auch in den Debatten über Religion, Genderpolitik und sexuelle Orientierung wider.

 

Welche Bedeutung hat es, dass die AfD in den neuen Ländern die Linke überholt hat?

Ich denke, es ist Aufgabe der Wissenschaft, die Voten der Wähler erstmal ernst zu nehmen und systematisch zu analysieren, welche Motive die Wähler haben, einer bestimmten Partei ihre Stimme zu geben und einer anderen das Vertrauen zu entziehen. Hier spielen immer viele Gründe eine Rolle. Es gibt nicht den einen Grund oder die eine Schuldige – Merkel und ihre Politik der Geflüchteten – die den Erfolg der AfD erklären.

Ein Spezifikum der neuen Bundesländer ist sicherlich die postsozialistische Transformationserfahrung. In der aktuellen Situation nehmen Bürgerinnen und Bürger gesellschaftliche Veränderungen im Kontext der Globalisierung und globaler Fluchtbewegungen als bedrohlich war. Veränderungen und Reformen werden mit einer latenten Bedrohung bzw. Verschlechterung assoziiert. Insofern geht es um eine Verteidigung des lieb gewordenen status quo. 

Die Linke galt lange Zeit als die Partei, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Osten des Landes per se vertritt. Diese Rolle kann sie offenbar nur noch bedingt erfüllen. Es fehlt ihr offensichtlich auch an einer gesellschaftspolitischen Vision, wie die sich Sozialpolitik und Wirtschaft im postindustriellen Zeitalter und in der demographischen Krise entwickeln können.

Im Übrigen ist es wichtig zu beachten, dass die AfD nicht nur im Osten Deutschlands erfolgreich war, sondern auch in vielen westlichen Bundesländern sehr gut abgeschnitten hat.

 

Wie konnte es dazu kommen, dass sich die AfD im Stammgebiet der Linken so ausbreiten konnte?

Der Wahlerfolg der AfD ist keine spontane Protestwahl. Über 1,4 Mio. Wähler, die 2017 die AfD gewählt haben, haben dies bereits 2013 getan. Und viele Wähler haben auch in den dazwischen liegenden Landtagswahlen der AfD ihre Stimme gegeben. Die AfD hat also bereits eine stabile Wählerbasis ausgebildet.

Die neuen Bundesländer waren in der Vergangenheit nicht einfach Stammgebiet der Linken, die höchsten Stimmanteile hatte hier immer die CDU. Die AfD hat ihre Wählerstimmen nicht in erster Linie von der Linken abgeworben. Die Analysen der Wahlerwanderung zeigen, dass die AfD und 420.000 Stimmen von der Linken abgeworben hat. Hinzu kommen rund 1 Mio Stimmen von der CDU sowie 500.000 von der SPD.[4]

 

Kann man im Osten Deutschland über die Ländergrenzen hinaus noch weiter differenzieren, was das Abschneiden der AfD angeht?

Es handelt sich bei den Erfolgen – wie bereits oben ausgeführt – nicht um eine kurzfristige Entwicklung, sondern um einen längerfristigen Trend. Die AfD hat in jenen sächsischen Wahlkreisen, in denen sich auch die Protestbewegung Pegida konstituierte, besonders viele Wählerstimmen und zum Teil ja auch Direktmandate gewonnen (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen I und Görlitz).



[1] http://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/empsoz/schriften/Arbeitshefte/P-PM16-NEU.pdf

[2] http://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/42228/mitglieder-nach-bundeslaendern

[3] http://blog.tagesschau.de/2017/09/24/wer-sind-die-afd-waehlerinnen/

[4] http://wahl.tagesschau.de/wahlen/2017-09-24-BT-DE/index.shtml

Podiumsdiskussion: Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 richtig wählen - Videomitschnitt jetzt auf YouTube!

Podiumsdiskussion: Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 richtig wählen - Videomitschnitt jetzt auf YouTube!

Im Vorfeld der nächsten deutschen Bundestagswahl am 24. September 2017 werden Themen wie Fake News, der Vorwurf der „Lügenpresse“ und der Einsatz von Bots in sozialen Medien in Deutschland wieder besonders relevant. Zur wichtigen Frage, welche Informationsquellen zur Bundestagswahl bestehen und welche vertrauenswürdig sind, haben das ZMI und das Institut für Politikwissenschaft unter der Beteiligung von Studierenden der Politikwissenschaft gemeinsam eine Podiumsdiskussion organisiert, die am 11. Juli in der Alten Universitätsbibliothek stattfand und ein großes Publikum anzog.

Nach einer kurzen thematischen Einführung durch Prof. Dorothée de Nève (Institut für Politikwissenschaft, ZMI) sprach Prof. Simone Abendschön (Institut für Politikwissenschaft, Schwerpunkt Methoden, JLU) über die Umstände, unter denen Wahlbefragungen entstehen. Sie warb für eine kritische Rezeption solcher Umfragewerte. Tanja Binder M.A., Mitglied im wissenschaftlichen Begleitteam des Wahl-O-Mat, präsentierte den Wahl-O-Mat als Orientierungshilfe bei der persönlichen Wahlentscheidung. Alexander Sander, Geschäftsführer der Digitalen Gesellschaft e.V. sprach über Informationsbezug in sozialen Netzwerken im Vorfeld von Wahlen und wägte hierbei das Risiko irreführender Phänomene wie bots gegen aufgeklärte Nutzerpraxis ab. Im Anschluss erfolgte eine lebhafte Diskussion mit vielen Rückfragen, die von Louisa A. Süß (Studentin der Politikwissenschaft, JLU) moderiert wurde.

Den Videomitschnitt der vollständigen Veranstaltung finden Sie jetzt auf unserem YouTube-Kanal.


Die hessencam berichtete im Rahmen des Formats Jugend berührt Politik ausführlich über die Podiumsdiskussion. Das Video finden Sie hier.

Auch die Presse berichtete über die Veranstaltung:

(19.07.2017, Ann-Marie Riesner)

Tagungsbericht: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media – internationale Konferenz des GCSC und ZMI

Tagungsbericht: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media – internationale Konferenz des GCSC und ZMI

LogoOnlineVitriol 

Der Begriff Online Vitriol umfasst all jene Phänomene in den sozialen Medien, die die Kehrseite der Meinungsfreiheit und Vernetzung aufdecken: Hasskommentare, Cyberbullying, Aufruf zur virtuellen Hetze und vieles mehr. Auf vielfältigen Ebenen näherte sich die viertägige internationale Konferenz Online Vitriol. Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media dem komplexen Thema der Gewalt in Online-Kontexten an.

Gerahmt wurde die gesamte Tagung von zwei Vorträgen der amerikanischen Journalistin und Anthropologin Dr. Sarah Kendzior. Kendzior sprach am Mittwochabend zur Eröffnung der Tagung im Kontext der ZMI-Vortragsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit zum Thema Coping with Social Media under a Post-Truth President und verdeutlichte die prekäre Lage des kritischen Journalismus in Amerika. Bei Ihrer Einschätzung Donald Trumps konnte sie immer wieder auf ihre wissenschaftliche Arbeit zum Autoritarismus in postsowjetischen Ländern wie Usbekistan zurückgreifen und zeigte erstaunliche Parallelen, aber auch deren Grenzen, auf. In ihrem Vortrag Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’ am Freitagabend ging sie stärker auf die Dynamiken der sozialen Medien in Amerika ein und gab Einblicke in ihre persönliche Arbeit als Journalistin in St. Louis im amerikanischen Midwest. Dieser hochinteressante Vortrag der Journalistin und Zeitdiagnostikerin, die auf Twitter mehr als 260.000 Follower zählt, ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Am Donnerstag früh begann die Konferenz mit zwei sehr erhellenden Keynote-Vorträgen: Prof. Frans-Willem Korsten (Universität Leiden) leitete aus der griechischen Mythologie die Konzepte des Spottes (Momus) und des Gerüchts (Fama) her und beleuchtete deren ambivalente Karriere in der europäischen Kulturgeschichte bis in die Gegenwart. Dr. Daniel Trottier (Erasmus University Rotterdam) sprach vom weltweit verbreiteten Phänomen des „Digital Vigilantism“, der Praxis des Filmens in der Öffentlichkeit mit dem Ziel der Denunzierung von Personen in den sozialen Medien.

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Session „Legal and Ethical Approaches“ mit Penelope Kemekenidou, Jutta Hergenhan, Seda Gökçe Turan und Bernardo Caycedo (v.l.n.r.) Foto: Ann-Marie Riesner

Drei Panels vertieften am Donnerstag und Freitag folgende Themenkomplexe: Die Beiträge im Panel History & Memory of/in Online Vitriol beschäftigten sich mit der geschichtlichen Dimension von Online Vitriol und Erinnerungsprozessen in sozialen Medien. Im Panel Legal and Ethical Approaches adressierten drei Beiträge Gewaltphänomene im Internet und damit verbundene Fragen rechtlicher Regulierung und pädagogischer Sensibilisierung. Im Panel Racism, Misogyny, Ableism Etc. Online wurden verschiedene Beispiele von Belästigung im Netz präsentiert und mögliche Abwehrstrategien aufgezeigt.

Ein weiteres Highlight war die Podiumsdiskussion zum Thema Dealing with Online Vitriol in Theory and Practice mit der Aktivistin Penelope Kemekenidou (Stop BILD Sexism), dem Medienwissenschaftler Dr. Ramón Reichert (Universität Wien) und dem Journalisten Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau). Unter der Moderation von Prof. Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) sprachen alle drei von ihren persönlichen Erfahrungen mit „Online Vitriol“ und Strategien der Abwehr oder Entkräftung. Dr. Ramón Reichert zeigte die Problematik der Geolokalisierung und Visualisierung von Emergenzen des Tweetens von Hasskommentaren auf.

Eine Roundtable-Diskussion mit Dr. Burcu Alkan, Dr. Sonja Schillings, Rahel Schmitz, Ann-Marie Riesner (jeweils GCSC, JLU Gießen) und Marie Jude Bendiola (Philipps-Universität Marburg) präsentierte und analysierte weitere Fälle von Online Vitriol und erweiterte somit noch das Spektrum der betrachteten Phänomene.

Die Tagung mündet in die gemeinsame Erarbeitung eines Rough Guide to Online Vitriol, das im Amsterdam University Press Verlag erscheinen wird.

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Die TeilnehmerInnen und ReferentInnen der internationalen Konferenz „Online Vitriol“. Foto: Ann-Marie Riesner

(13.07.2017, Ann-Marie Riesner)

Bericht: Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Bericht: Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit im Sommersemester 2017

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Der zunehmende Anstieg von verbalisierter Menschenverachtung durch die Nutzung digitaler Medien hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht. Sie stellt nicht zuletzt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar und war der Ausgangspunkt der Reihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe mit Gastvorträgen und Debatten wurde von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1 im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel war es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

Die erste Veranstaltung am 9. Mai 2017 beschäftigte sich mit den rechtlichen Grenzen der Meinungsfreiheit. PD Dr. Alexander Thiele (Universität Göttingen) betonte in seinem Beitrag die hohe Relevanz der Meinungsfreiheit als zentrales demokratisches Recht. Allerdings bedeutet dies nicht im Umkehrschluss, dass jede Form der Meinungsäußerung durch dieses Gesetz tatsächlich geschützt ist. Jedoch setzt die Einschränkung der Meinungsfreiheit ein kontextspezifisches Abwägen voraus, welches, laut Thiele, von den zuständigen Gerichten für jeden Einzelfall geklärt werden muss. Jegliche Einschränkung durch Dritte bewertete er sehr skeptisch, da hier das Recht auf Meinungsfreiheit potenziell Schaden nehmen könne. Sandra Niggemann (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) hingegen präsentierte den Entwurf des inzwischen verabschiedeten „Netzwerk-Durchsetzungsgesetzes“, welches große Social Media Konzerne in die Pflicht nehmen soll, gegen Hasskriminalität entschieden vorzugehen. Sie skizzierte, inwiefern der vorherige Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung durch Twitter, Facebook und Co. nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt habe. Das Gesetz sieht Bußgelder bis zu 50 Millionen Euro bei Nichtlöschung klar strafbarer Inhalte vor. Es ist, laut Niggemann, eine Antwort der Politik auf den gesellschaftlich formulierten Wunsch der stärkeren staatlichen Regulierung und Sanktionierung. Insgesamt zeigten die Vorträge und die anschließende, lebhaft geführte Diskussion, dass zwar ein allgemeiner Konsens darüber besteht, Hasskriminalität im Netz Einhalt zu gebieten ist. Die Wege dahin und die bestmögliche Umsetzung wurden jedoch durchaus kontrovers diskutiert.

Die US-amerikanische Journalistin Dr. Sarah Kendzior, die am 28. Juni 2017 einen Vortrag zu Coping with social media under a post-truth president hielt, zeigte auf, inwiefern sich das Verhältnis von klassischen Medien und Social Media zur Politik geändert hat – teils als Resultat des medialen Hypes um Donald Trump vor seiner Kandidatur, teils aufgrund der Konzentration von (überwiegend weißen, männlichen) JournalistInnen auf ein paar Städte wie Washington, New York und San Francisco. Dadurch, so Kendzior, wurde zum einen der Aufstieg von Donald Trump befördert und gleichzeitig seine Bedeutung für potenzielle WählerInnen in ruralen Regionen falsch eingeschätzt. Kendzior, die lange zu Medienfreiheit in postsozialistischen Staaten Zentralasiens geforscht hat, zeigte auf inwiefern – bei allen augenscheinlichen Unterschieden – ähnliche Strukturen (Aufbau eines potenziell kleptomanischen Familienclans im Amt, Einschüchterungsversuche gegenüber JournalistInnen und KritikerInnen) und Argumentationsmuster (Medien als Feinde des Regimes) zwischen diesen Staaten und der „autokratischen“ Administration unter dem Präsidenten Donald Trump bestehen. Beklemmend und zugleich eindrucksvoll beschrieb sie die zunehmende verbale und physische Gewalt gegen Frauen, die zu politischen Themen Stellung beziehen. In der anschließenden Diskussion, moderiert von Prof. Dr. Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) wurden weitere Facetten des amerikanischen politischen Systems unter Trump diskutiert, etwa seine Verbindungen zu evangelikalen Gruppierungen oder der Alt-Right Bewegung. Kendzior zeichnete das Bild einer US-amerikanischen Gesellschaft, die sich in einem tiefgreifenden Umbruchprozess befindet und in der viele der konstituierenden Elemente des amerikanischen Selbstverständnisses, wie etwa die Meinungs- und Pressefreiheit, starkem Druck ausgesetzt sind.

Sarah Kendzior hielt zudem auf der internationalen Konferenz Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media einen Vortrag zu dem Thema Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Hergenhan, Schutzbach, Drüeke
Jutta Hergenhan (links) moderierte am 4. Juli die Diskussion mit Franziska Schutzbach und Ricarda Drüeke (rechts)

Am 4. Juli 2017 wurde die Veranstaltungsreihe mit Vorträgen zu dem Thema Die Grenze des Sagbaren in Politik und Wissenschaft – Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus beendet. Franziska Schutzbach (Universität Basel) und Ass. Prof. Ricarda Drüeke (Universität Salzburg) analysierten aus unterschiedlichen Perspektiven antifeministische Diskurse, die zunehmend nicht nur als (rechte) Randerscheinungen auftreten, sondern mehr und mehr eine Verankerung in der „Mitte“ der Gesellschaft finden. Schutzbach skizzierte zudem, inwiefern antifeministische Tendenzen in Umbruchs- und Krisenzeiten im Laufe der Geschichte immer wieder Konjunktur haben. Sie legte die dahinterliegenden Motive und Argumentationslinien am Beispiel der Romanfigur „Heidi“ von Johanna Spyri aus den 1880er Jahren dar. Zudem erläuterte sie, wie in den heutigen Diskursen die Idee der Meinungsfreiheit instrumentalisiert wird, um rassistische, antifeministische und homophobe Positionen zu legitimieren. Ricarda Drüeke analysierte unterschiedliche Kommunikationsräume und die dort verwendeten Strategien, antifeministische und rassistische Positionen zu platzieren. Dabei thematisierte sie nicht nur die neu entstandenen Räume in den Sozialen Medien, sondern auch traditionelle Medien. Drüeke kommt zu dem Schluss, dass hier ein Wissensvorrat geschaffen wird, der dann in Alltagsöffentlichkeiten in Handlungen umgesetzt wird (Hass Postings, Gewaltaufrufe etc.). Der Moderatorin Dr. Jutta Hergenhan (Geschäftsführerin des ZMI) gelang es in der Abschlussdiskussion, die unterschiedlichen Fragestellungen der Vortragsreihe nochmals zusammenzubinden und relevante Forschungsfragen nach Wandlungsprozessen in den gesellschaftlichen Diskursen durch soziale Medien bzw. lediglich deren Sichtbarmachung zu stellen. Insgesamt hat die Vortragsreihe damit verdeutlicht, dass das Spannungsverhältnis zwischen Hetze und Meinungsfreiheit uns in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen wird.

(Tina Olteanu)

Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen

Podiumsdiskussion:

Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen

Am 24. September 2017 findet die nächste Bundestagswahl statt. Sie fragen sich im Vorfeld, wen Sie wählen sollen und ob Sie überhaupt zur Wahl gehen sollen? Sie sind unsicher, welche Informationsquellen zur Bundestagswahl vertrauenswürdig sind?

 

Die Debatten um „fake news“ seit dem US-Wahlkampf, die Neuauflage des rechten historischen Kampfbegriffs der „Lügenpresse“ und der Einsatz von bots in Wahlkämpfen werfen Fragen auf, die viele WählerInnen verunsichern. Wenn Sie erfahren möchten, was hinter diesen Phänomenen steckt und wie Sie mögliche Irreführungen erkennen können, dann kommen Sie zu unserer Diskussion „Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen“. Wir haben ExpertInnen eingeladen, die Wege aufzeigen, sich im Vorfeld der Bundestagswahl verlässlich zu informieren und dadurch eine eigene Meinung zu bilden.

 

Studierende des Instituts für Politikwissenschaft (IfP) der Universität Gießen (JLU) organisieren gemeinsam mit dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) eine Podiumsdiskussion mit anschließender offener Debatte zu diesen Themen. Auf dem Podium spricht die Wahlforscherin Prof. Simone Abendschön (Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der Politikwissenschaft, JLU). Tanja Binder M.A., Mitglied im wissenschaftlichen Begleitteam des Wahl-O-Mat, spricht über den Wahl-O-Mat als Orientierungshilfe für persönliche Wahlentscheidungen. Alexander Sander, Geschäftsführer der Digitalen Gesellschaft e.V. spricht über Chancen und Risiken des Internets im Vorfeld von Wahlen. Einleitend spricht Prof. Dorothée de Nève (Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/Vergleich politischer Systeme, JLU). Die Debatte wird von Luisa A. Süß (JLU) moderiert.

 

Die Podiumsdiskussion findet am 11. Juli 2017 in der Alten Universitätsbibliothek, Bismarckstr. 37 statt. Beginn ist 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist für alle interessierten Personen geöffnet. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Prof. Dorothée de Nève, stellvertretende Geschäftstführende Direktorin des ZMI und Mitglied der Sektion 1 (Macht - Medium - Gesellschaft), spricht im Interview mit dem Gießener Anzeiger über die Bundestagswahl, Donald Trump und direkte Demokratie. Das Interview können Sie hier nachlesen.

(03.07.2017, Ina Daßbach)

Die Grenze des Sagbaren in der Politik und Wissenschaft - Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus

Die Grenze des Sagbaren in der Politik und Wissenschaft - Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus

Diskussion mit Franziska Schutzbach und Prof. Ricarda Drüeke in der Reihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit


Der zunehmende Anstieg von verbalisierter Menschenverachtung durch die Nutzung digitaler Medien hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht. Sie stellt nicht zuletzt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit mit Gastvorträgen und Debatten wird von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1  im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

Die dritte Veranstaltung in der Reihe widmet sich Diskreditierung genderbezogener Themen in politischen und wissenschaftlichen Debatten. In der Diskussion stellen sich Franziska Schutzbach (Universität Basel) und Prof. Ricarda Drüeke (Universität Salzburg) der Frage, inwiefern sich antifeministische, sexistische, homophobe und rassistische Positionen insbesondere durch das Internet ausbreiten und sich das Sagbare im Mainstream dadurch wandelt. Außerdem werden Potenziale neuer inklusiver feministischer Bewegungen – wie etwa der Women’s March – diskutiert.

Franziska Schutzbach ist Genderforscherin an der Universität Basel und Initiatorin des #SchweizerAufschrei. In ihrem Beitrag wird sie nicht nur über ihre eigenen Erfahrungen als Netzaktivistin berichten, sondern auch das Potential und die Strategien für queer-feministischen Aktivismus in sozialen Medien aufzeigen.

Prof. Ricarda Drüeke, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Salzburg, thematisiert insbesondere den Wandel in der Erscheinung von Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus in den klassischen und auch digitalen Medien.

Die Veranstaltung wird von Dr. Jutta Hergenhan (wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI und Mitglied der Sektion 1) moderiert.

Die Veranstaltung findet am 4. Juli 2017 um 18:00 Uhr c.t. in der Alten Universitätsbibliothek (AUB 1), Bismarckstr. 37, 35390 Gießen statt.

(28.06.2017, Thea Rathmann)

Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik

Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik

Dokumentarfilmvorführung mit anschließender Diskussion


Wie spielen Popkultur und rechte Ideologie zusammen? Trägt Musik dazu bei, dass rechte Ideologien in die Gesellschaft einsickern? Diesen Fragen soll in einer vom ZMI geförderten Kooperationsveranstaltung der Institute für Politikwissenschaft (Prof. Andrea Gawrich) und Musikwissenschaft/-pädagogik (Dr. Ralf van Appen) nachgegangen werden. Das Grußwort hält Prof. Christine Wiezorek (ZMI-Sektion 1: Macht – Medium – Gesellschaft).

Der Dokumentarfilm Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik  zeichnet die Entwicklung nationalistischer Musik in Deutschland seit den späten 1970er Jahren nach. Diese wird anhand einer umfangreichen Sammlung musikalischer Beispiele von Poptheoretikern, Soziologen, Musikern, Label-Vertretern, einem Aussteiger sowie einem Ausstiegsberater aus der rechten Szene analysiert, kommentiert und systematisiert. 2016 war der Film für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.

Wissenschaftlich begleitet wurde der Film von Dr. Thorsten Hindrichs von der Universität Mainz. Im Anschluss an die Filmvorführung kann mit ihm über das Gesehene und darüber hinaus diskutiert werden.  Thorsten Hindrichs studierte Musikwissenschaft, Romanische Philologie (Italienisch) und Sonderpädagogik in Köln, Perugia und Mainz. Seit 2012 verantwortet er das Forschungsprojekt „Musik und Jugendkulturen“.

Die Veranstaltung findet am Montag, 3. Juli 2017 um 18 Uhr im Musiksaal der Universität Gießen (Phil II, D019) statt. Es handelt sich um eine universitätsöffentliche Veranstaltung!

Den Trailer zum Film können Sie hier anschauen.

Coping with social media under a post-truth president

Coping with social media under a post-truth president

Vortrag von Dr. Sarah Kendzior in der Reihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

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Im Februar verbreitete Präsident Donald J. Trump über Twitter, dass die liberalen Medien die „Feinde des amerikanischen Volkes“ seien. Seit dem Wahlkampf in den USA haben Social Media-Diskurse an beeindruckendem politischem Einfluss gewonnen. Soziale Medien werden als wirksames Medium für politisch motivierte verbale Gewaltattacken und Verbreitungen von falschen Fakten genutzt. Welche Narrative werden dadurch erzeugt und welchen Einfluss hat dies auf die Meinungsbildung?

Der Vortrag von Dr. Sarah Kendzior, freie Journalistin aus St. Louis (Missouri), befasst sich mit dem schwierigen Verhältnis von Medien und Politik im US-amerikanischen Kontext nach der Wahl von Donald Trump. In ihrem Vortrag wird sie auf Trumps Strategien zur Delegitimierung der freien Presse eingehen. Außerdem wird sie von ihren eigenen Erfahrungen und Reaktionen auf Hassbotschaften im Netz berichten.

Prof. Greta Olson wird das Gespräch führen. Sie ist Mitglied der ZMI-Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft), ist Professorin für English and American Literature and Cultural Studies an der JLU. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Konferenz Online Vitriol statt. Diese wurde von Dr. Sara Polak (Leiden University) organisiert, die Gastwissenschaftlerin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und der ZMI-Sektion 1 ist.

Der zunehmende Anstieg von verbalisierter Menschenverachtung durch die Nutzung digitaler Medien hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht. Sie stellt nicht zuletzt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit mit Gastvorträgen und Debatten wird von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1 im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 28. Juni um 18:00 Uhr c.t. in der Alten Universitätsbibliothek (AUB 1), Bismarckstr. 37 in Gießen statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

(20.06.2017, Katharina Monaco)

Das ZMI freut sich anzukündigen: Dr. Jutta Hergenhan übernimmt die wissenschaftliche Geschäftsführung des ZMI

Das ZMI freut sich anzukündigen: Dr. Jutta Hergenhan übernimmt die wissenschaftliche Geschäftsführung des ZMI

Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
Ab dem 1. Juni 2017 übernimmt Dr. Jutta Hergenhan die wissenschaftliche Geschäftsführung des ZMI und tritt damit die Nachfolge von Sabine Heymann, M.A. an.

Die Politikwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Frankreich- und Geschlechterforschung ist seit September 2012 an der Justus-Liebig-Universität tätig. Sie war bislang Projektkoordinatorin des vom Fachbereich 03 initiierten interdisziplinären Forschungsverbund Antidemokratische Haltungen. Seit 2016 ist Jutta Hergenhan als Mitglied des Direktoriums und der Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft) an zahlreichen wissenschaftlichen Aktivitäten des Zentrums beteiligt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Pilotprojekts Einstellungen – Medien – Engagement – Lehren (EMEL) nahm sie unter der Leitung von Prof. Dorothée de Nève an der Untersuchung von politischen Einstellungen, gesellschaftspolitischem Engagement und Mediennutzung von Gießener Lehramtsstudierenden teil. 

Jutta Hergenhan studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, dem Institut d’Études Politiques in Paris und der Universität Mannheim. An der Freien Universität Berlin promovierte sie zum Verhältnis von Sprache, Politik und Geschlechterordnung am Beispiel Frankreichs und der französischen Sprache. Von 1996 bis 2001 war sie als europapolitische Referentin für französische PolitikerInnen wie Jacques Delors und Elisabeth Guigou tätig sowie als parlamentarische Assistentin in der französischen Nationalversammlung.Von 2012 bis 2015 war sie die Geschäftsführerin der Arbeitsstelle Gender Studies sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin und dezentrale Frauenbeauftragte des Instituts für Politikwissenschaft der JLU. 

Zu ihren neueren Publikationen zählt der Sammelband „Gender and Family in European Economic Policy: Developments in the New Millenium“, den sie im Januar 2017 gemeinsam mit Prof. Diana Auth und Prof. Barbara Holland-Cunz bei Palgrave Macmillan/Springer International herausgab.

Ihre internationale Ausrichtung und vor allem ihr Schwerpunkt auf Frankreich werden sicherlich auch in ihre neue Funktion als Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI einfließen. Das Team des ZMI heißt die neue wissenschaftliche Geschäftsführerin herzlich willkommen und freut sich auf die weitere gute Zusammenarbeit!

(01.06.2017, Katharina Monaco)

Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Der zunehmende Anstieg von Hasskommentaren, verbalisierter Menschenverachtung – anonym/nicht anonym, online/offline, öffentlich/privat – hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht und stellt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe mit Gastvorträgen und Debatten Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit wird von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft) im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

 

9. Mai 2017: Rechtliche Grenze der Meinungsfreiheit: Hasskriminalität, Satire und Blasphemie

Mit PD Dr. Alexander Thiele (Institut für Allgemeine Staatslehre, Universität Göttingen) und Sandra Niggemann, Mitarbeiterin der Task-Force des Justizministeriums, Referat V B 2 BMJV. Moderation: Dr. Tina Olteanu (Institut für Politikwissenschaft der JLU).

 

28. Juni 2017: Coping with social media under a post-truth president

Mit Dr. Sarah Kendzior, Aktivistin und freier Journalistin aus St. Louis (Missouri).

Moderation: Prof. Greta Olson (ZMI/Institut für Anglistik, JLU).

 

4. Juli 2017: Die Grenze des Sagbaren in der Politik und Wissenschaft – Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus

Mit Franziska Schutzbach, Genderforscherin an der Universität Basel, Netzaktivistin und Initiatorin des #SchweizerAufschrei und Dr. Ricarda Drüeke, Kommunikationswissenschaftlerin der Universität Salzburg.

Moderation: Dr. Jutta Hergenhan (ZMI/Institut für Politikwissenschaft, JLU)

 

Die Veranstaltungen finden jeweils um 18:00 Uhr c.t. in der Alten Universitätsbibliothek (AUB 1), Bismarckstr. 37, 35390 Gießen statt.

(11.04.2017, Ann-Marie Riesner)

Dorothée de Nève, Jutta Hergenhan und Tina Olteanu mit Vorträgen auf der European Conference on Politics and Gender in Lausanne

Dorothée de Nève, Jutta Hergenhan und Tina Olteanu mit Vorträgen auf der European Conference on Politics and Gender in Lausanne

Vom 8. bis 10. Juni 2017 findet in Lausanne zum fünften Mal die European Conference on Politics and Gender statt. Prof. Dorothée de Nève (Stellv. Direktorin des ZMI) wird gemeinsam mit Dr. Jutta Hergenhan (Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI) einen Vortrag zu Teacher’s Attitude and Gender Habitus in the Classroom halten. Die Ergebnisse des am ZMI angesiedelten Forschungsprojekts EMEL werden in diesem Zusammenhang vorgestellt. Jutta Hergenhan wird auf der Konferenz darüber hinaus zu Gender Policies and Right-Wing Populism vortragen. Dr. Tina Olteanu (Sektion 1 Macht - Medium - Gesellschaft) wird in Lausanne gemeinsam mit Andrada Nimu (Bukarest) ein Panel zu The Polarization of LGBTIQ* issues in the Post-Socialist Region and Beyond? organisieren und zusammen mit Michael Hunklinger (Universität Wien) einen Vortrag zu Homonationalism in Austria and Germany halten.

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Drei Fragen an Dorothée de Nève

Drei Fragen an Dorothée de Nève

Interview mit der stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin des ZMI jetzt auf YouTube

Sie wollten immer schon wissen, was wir hier im ZMI eigentlich machen und warum? Im neuen ZMI-Interview „Drei Fragen an…“ haben Sie die Möglichkeit Antworten auf diese Frage zu erhalten. Die stellvertretende Geschäftsführende Direktorin Prof. Dorothée de Nève spricht über die anspruchsvolle Aufgabe, Interdisziplinarität in der Arbeit zu leben und wie dies in einem interdisziplinär aufgestellten Forschungszentrum wie dem ZMI funktionieren kann. Im Gespräch mit Ann-Marie Riesner stellt Dorothée de Nève dar, welche Bedeutung  es für sie als Politikwissenschaftlerin hat, ihre Forschung am ZMI anzusiedeln und geht dabei auch auf die besondere Beziehung zwischen Politik und Medien ein. Nicht zuletzt hebt sie die Verantwortung des ZMI hervor, mediale Kompetenzen an Bürgerinnen und Bürger zu vermitteln, damit diese ihre Interessen und Rechte in der Mediengesellschaft wahrnehmen können.

Dorothée de Nève ist seit 2015 Professorin am Institut für Politikwissenschaft und hat die Professur Politisches und Soziales System Deutschlands/Vergleich politischer Systeme inne. Seitdem unterhält sie enge Beziehungen zum ZMI. Seit Juni 2015 ist sie Sprecherin der Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft), in der sie ihre vielseitigen Erfahrungen und Ideen in zahlreichen Veranstaltungen verwirklicht hat. Mit ihrer Wahl zur stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin im Juni 2016 wurde die sozialwissenschaftliche Perspektive in der ZMI-Leitung gestärkt.

Das Video zum Interview ist jetzt auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen.

(23.05.2017, Katharina Monaco)

100 Tage Trump – Die Bilanz der Bilanz

100 Tage Trump – Die Bilanz der Bilanz



 

Wie bilanziert man die ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump und ist dies die Aufgabe der Universität? Unbedingt! Dieser Auffassung waren zumindest die DiskutantInnen der von dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) und dem Institut für Politikwissenschaft (JLU) veranstalteten Podiumsdiskussion 100 Tage Trump am 28. April 2017. Die Podiumsdiskussion in der Aula des Universitätshauptgebäudes war sehr gut besucht und bot einen guten Anschluss an die viel gelobten Veranstaltungen zur US‑Wahlnacht und zum Brexit, die ebenfalls in Zusammenarbeit des ZMI und des Instituts für Politikwissenschaft organisiert wurden. So begrüßte  Prof. Dr. Christine Wiezorek (Studiendekanin des Fachbereichs für Sozial- und Kulturwissenschaften) die ZuhörerInnen und DiskutantInnen und betonte die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Begleitung tagespolitischer Ereignisse. Sie ging auf die Aufgabe der Wissenschaft, sich öffentlich zu positionieren und sich eine Haltung anzueignen ein und erklärte ihre Freude über die so zahlreich erschienenen ZuhörerInnen.

Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Abendschön (Professur für Methoden der Politikwissenschaft, JLU), die zu Beginn die drei einleitenden Fragen stellte: Wie fällt die Bilanz der ersten 100 Tage von Donald Trumps Amtszeit aus? Wie beurteilen die DiskutantInnen den Ausblick auf die weitere Amtszeit? Was haben wir innen- sowie außenpolitisch von Donald Trump zu erwarten? Eingeladen um diese Fragen zu diskutieren waren ProfessorInnen aus Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft und Japanologie sowie ein Vertreter der Presse.

Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) sprach aus der Rolle des kritisch-analytischen Journalisten und ging als solcher auf das gespannte Verhältnis Trumps zu den Medien ein. Im Besonderen thematisierte er die Verunglimpfung der Medien als ‚Lügenpresse‘, die Nutzung von fake news im Wahlkampf und die Ausgrenzung der freien Presse von Berichterstattungen im Weißen Haus. In diesem Zusammenhang betonte er jedoch auch den Willen der Medien, kritisch zu bleiben und die gesteigerten Auflagen führender amerikanischer Zeitungen wie der New York Times oder der Washington Post. Außerdem ging er auf Trumps, in seinen Augen „Katastrophenbilanz“ ein und nannte als Beispiele die gescheiterte Steuerreform und die Abschaffung von Obamacare. Im weiteren Verlauf spannte er den Bogen zu dem globalen Phänomen des Aufstrebens von Rechtspopulisten und lenkte den Blick auf die Frage, ob Trump Symptom oder Wirkung dieses Phänomens sei. Andreas Schwarzkopf identifizierte den Sieg Trumps als Niederlage der etablierten Parteien, die seiner Ansicht nach keine ausreichenden Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit gefunden haben. Abschließend spannte er den Bogen zu dem militärischen Schutz, den die USA für Europa und Deutschland lange boten und argumentierte hier, dass die EU zukünftig bereit und in der Lage sein müsse, sich militärisch selbst zu verteidigen, da man sich nun nicht mehr zurücklehnen und auf die Hilfe der USA vertrauen könne.

Prof. Verena Blechinger-Talcott (Professur für Japanologie, Freie Universität Berlin) ging auf das Verhältnis der USA zu den Ländern Asiens ein und betonte hier die großen Unsicherheiten, die sich aus Trumps unklarem politischem Kurs ergäben. So sei die japanische Regierung sehr besorgt über die Äußerungen Trumps im Wahlkampf und erst seit einem Staatsbesuch nach der Wahl beruhige sich die Lage etwas. Die Situation sei jedoch auch für die Regierung der USA problematisch, da es dort keinen Experten für Asienpolitik gäbe und Südkorea und Japan die beiden entscheidenden Bündnispartner der USA in Asien seien. Im Gegensatz dazu stehen jedoch die Wichtigkeit Asiens in handels- und sicherheitspolitischen Fragen und die Möglichkeiten die sich dort für Trump böten, Asien als Bühne für sich zu nutzen. Als Ausblick betonte Prof. Blechinger-Talcott die immer wichtiger werdende Rolle Chinas in der Weltpolitik.

Prof. Helmut Breitmeier (Professur für internationale Beziehungen, JLU) ging ebenfalls auf das Fehlen außenpolitischer Konzepte und Strategien der Regierung Trump ein und bezeichnete die USA in diesem Zusammenhang als „Weltmacht im Abstieg“, da die Probleme der Vorgängerregierung geblieben und lediglich durch neue Probleme ergänzt worden sein. Als zukünftig relevante politische Probleme identifizierte er unter anderem den Umweltschutz und die Armutsbekämpfung. Auch Prof. Breitmeier argumentierte für ein neues europäisches Sicherheitskonzept, da man sich in Europa zu lange allein auf die Hilfe der USA verlassen habe.

Prof. Dr. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur, ZMI/JLU) beschrieb Trumps ideologische Grundlagen als faschistoid und autoritär. Er ging auf die Gefahren für die amerikanische Demokratie und die Normen und Werte des Westens ein und erklärte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Widerstands der Zivilgesellschaft. Weiterhin ordnete er Trumps Handlungen in verschiedene Typen ein: Als Erstes beschrieb er ‚Trump the American‘ als äußerst liberalen, sozialkonservativen und religiösen Politiker. Es folgte ‚Trump the European‘ mit Elementen des europäischen Faschismus und dessen völkisch-autoritärem Denken. Danach beschrieb er ‚Trump the Anti-European‘ als Demonstrationseffekt auf einen Paradigmenwechsel von „links-liberaler Modernität zu einem völkisch-autoritären Nationalismus“. Als letzten Typ zeichnete er ‚Trump als Quasi-Europäer‘, der die Medialisierung der Politik im Stile eines Silvio Berlosconi einerseits wie ein Unterhaltungskünstler ausreizte, andererseits aber auch Politik und Medien zueinander in Opposition stellte. Prof. Leggewie argumentierte, der Sieg Trumps sei nicht nur über soziale Fragen, sondern auch über einen tief verwurzelten Hass auf kulturelle Diversität möglich geworden. Europa, so forderte er, solle Trump nicht nur belächeln, sondern eigene Antworten auf die Fragen der Gegenwart finden und so zum Hort der kulturell-westlichen Werte in der Welt werden.

Prof. Greta Olson (Professur für English and American Literature and Cultural Studies, JLU) ging auf den Widerstand der Justiz im Fall des Einreiseverbots für Menschen aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ein und lobte in diesem Zusammenhang die „robuste amerikanische Verfassung“. Außerdem beschrieb sie die starke Zunahme von Kriminalität gegenüber MuslimInnen und der Benachteiligung von Frauen, Queers und schwarze AmerikanerInnen. Als positive Effekte bezeichnete sie die politisierende Wirkung  einer so kontroversen Regierung und Demonstrationen wie den Womens March.

Prof. Dorothée de Nève (Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/ Vergleich politischer Systeme, Stellvertretende Direktorin ZMI, JLU) ging auf die Bezüge der politischen Ereignisse in den USA zu europäischer und deutscher Politik ein.  Besonders die Tendenzen zur vorschreitenden Spaltung der Gesellschaft sein hier zu thematisieren. Prof. de Nève beschrieb eine zunehmende Tendenz zum Antiamerikanismus, der quer durch alle politischen Lager zu beobachten sei. Außerdem wie sie auch auf die Formen des Widerstands gegen Trumps Regierung hin, die teils auch in Europa aufgenommen werden würden. Im weiteren Verlauf ging sie auf die Bedeutung von Verhaltenskonsolidierung der BürgerInnen als Ergänzung zu stabilen politischen Verfassungen ein. Hier seien demokratische Grundhaltungen und „Anstand“ bei politischen Eliten, wie bei den BürgerInnen von essentieller Bedeutung. Andernfalls drohe das demokratische politische System schnell Risse zu bekommen, welche auch das menschliche Miteinander angreifen könnten. Zusätzlich ging Prof. de Nève auf die gesellschaftliche Anschlussmöglichkeit der politischen Agenda von Trump in Deutschland ein. So sei die Zustimmung für eine bestimmte Agenda größer als die Zustimmungsraten für bestimmte Parteien. Abschließend ging sie auf die politischen Prozesse ein, die ein Emporkommen von Donald Trump überhaupt erst möglich machen, und dass man diese genau untersuchen müsse um dies zukünftig zu verhindern.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden vor allem Thematiken wie die Legitimationskrise der westlichen Demokratien und die Möglichkeiten und Risiken der direkten Demokratie angesprochen. Außerdem wurden Fragen nach den potentiellen Gründen für die Wahl Donald Trumps aufgeworfen und Bezüge zu den in Europa anstehenden Wahlen erfragt.

Den Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung finden Sie hier. Das ZMI möchte diese Gelegenheit nochmals nutzen um sich für die freundliche Unterstützung des Hochschulrechenzentrums der JLU herzlich zu bedankten.

Über die Veranstaltung wurde außerdem durch die Gießener Allgemeine (den Bericht finden Sie hier) und durch den Gießener Anzeiger (den Bericht finden Sie hier) berichtet.

(Ina Daßbach, 11.05.2017)

Drei Fragen an Urs Bremer

Drei Fragen an Urs Bremer

Interview mit dem ehemaligen Wissenschaftlichen Mitarbeiter des ZMI jetzt auf YouTube

 

Urs Bremer (Sektion 1 Macht - Medium - Gesellschaft) berichtet im Interview über das erfolgreiche ZMI-Projekt migr@com, das im Wissenschaftsjahr 2014 den Hochschulwettbewerb „Mehr als Bits und Bytes – Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit“ gewann. Das Projekt beschäftigt sich mit der Rolle von Medien für MigrantInnen, um Kontakt in ihre Herkunftsländer zu halten. Die Internetplattform migr@com: Grenzen überwinden – Nähe erzeugen: Digitales Miteinander in der Migrationsgesellschaft wurde unter der Projektleitung von Prof. Heike Greschke entwickelt. Auf dieser werden mit Hilfe von medialen Objekten (zum Beispiel Briefe, Telefone, Handys, soziale Netzwerke, Tonkassetten und Bilder) Geschichten von Familien dargestellt, die die Situation migrationsbedingter Trennung bewältigen. Außerdem spricht Urs Bremer über das an migr@com angefügte Teilprojekt Soziologie 2 Go – Lernen mit dem Smartphone. Mit dem Projekt wurde ein innovatives Lehrkonzept realisiert, das Gießen als Ort der Migrationen im Sinne einer „Augmented Reality“ zum Lern- und Anwendungsort allgemeiner soziologischer Theorien und Methoden macht. Bremers Offenheit für innovative Projekte schlägt sich auch in seinem neuen spannenden Projekt Open Lucidity nieder, in dem eine Technik entwickelt werden soll, um mit dem geringsten Aufwand die eigenen Träume nach Wunsch gestalten zu können ohne dabei aufzuwachen .

In „Drei Fragen an…“ blickt Urs Bremer auf seine Zeit am ZMI zurück, gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag, beschreibt den besonderen „Geist“ des Zentrums und erläutert wie dieser sowie seine im ZMI gesammelten Erfahrungen ihn auch heute noch beeinflussen.

Das Video zum Interview ist jetzt auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen.

(11.05.2017, Katharina Monaco)

Veranstaltungsreihe: Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Der zunehmende Anstieg von Hasskommentaren, verbalisierter Menschenverachtung – anonym/nicht anonym, online/offline, öffentlich/privat – hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht und stellt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe mit Gastvorträgen und Debatten Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit wird von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1 (Macht – Medium – Gesellschaft) im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

 

9. Mai 2017: Rechtliche Grenze der Meinungsfreiheit: Hasskriminalität, Satire und Blasphemie

Mit PD Dr. Alexander Thiele (Institut für Allgemeine Staatslehre, Universität Göttingen) und Sandra Niggemann, Mitarbeiterin der Task-Force des Justizministeriums, Referat V B 2 BMJV. Moderation: Dr. Tina Olteanu (Institut für Politikwissenschaft der JLU).

 

28. Juni 2017: Coping with social media under a post-truth president

Mit Dr. Sarah Kendzior, Aktivistin und freier Journalistin aus St. Louis (Missouri).

Moderation: Prof. Greta Olson (ZMI/Institut für Anglistik, JLU).

 

4. Juli 2017: Die Grenze des Sagbaren in der Politik und Wissenschaft – Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus

Mit Franziska Schutzbach, Genderforscherin an der Universität Basel, Netzaktivistin und Initiatorin des #SchweizerAufschrei und Dr. Ricarda Drüeke, Kommunikationswissenschaftlerin der Universität Salzburg.

Moderation: Dr. Jutta Hergenhan (ZMI/Institut für Politikwissenschaft, JLU)

 

Weitere Informationen zu den Vorträgen finden Sie auf der Seite der Sektion 1 (Macht - Medium - Gesellschaft).

Die Veranstaltungen finden jeweils um 18:00 Uhr c.t. in der Alten Universitätsbibliothek (AUB 1), Bismarckstr. 37, 35390 Gießen statt.

(11.04.2017, Ann-Marie Riesner)

Podiumsdiskussion: 100 Tage Trump

Podiumsdiskussion: 100 Tage Trump

Ende April wird Donald J. Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 100 Tage im Amt sein. Was ist die Bilanz dieser ersten Regierungszeit?

Das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) und die Kontroversen-Debatten des Instituts für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) laden am 28. April 2017 um 18 Uhr zu einer Veranstaltung an die JLU ein, um die innen- und außenpolitischen Weichenstellungen der neuen US-Administration zu diskutieren. Themen der Podiumsdiskussion und der anschließenden öffentlichen Debatte werden die Entwicklungen der US-amerikanischen Innenpolitik sowie die Beziehungen zu wichtigen internationalen Partnern wie Deutschland, der Europäischen Union und Japan sein. Nicht zuletzt wird es auch um die besondere Rolle der Medien im bewegten politischen Geschehen dieser ersten 100 Tage gehen.

An der Debatte beteiligen sich Prof. Verena Blechinger-Talcott (Japanologie, Freie Universität Berlin), Prof. Helmut Breitmeier (Politikwissenschaft, JLU), Prof. Claus Leggewie (ZMI/JLU), Prof. Dorothée de Nève (Politikwissenschaft, JLU), Prof.  Greta Olson (Anglistik, JLU) und Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau). Die Moderation übernimmt Prof. Simone Abendschön (Politikwissenschaft, JLU).  

Die Veranstaltung findet am 28. April 2017 um 18:00 s.t. in der Aula der Justus-Liebig-Universität in der Ludwigstraße 23 (Uni-Hauptgebäude), 35390 Gießen, statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Dorothée de Nève

Institut für Politikwissenschaft

dorothee.de-neve@sowi.uni-giessen.de

Sekretariat: Frau Angelika Buchmüller, Tel.: 0641/99-23145

(21.03.2017, Ina Daßbach)

Bilder von Migration – Bericht über die ZMI Tagung vom 02. Dezember 2016

Bilder von Migration – Bericht über die ZMI Tagung vom 02. Dezember 2016

Die gesellschaftspolitischen Debatten um Geflüchtete und aktuelle Fragen der Zuwanderung und Inklusion sind nicht nur von mahnenden und hetzerischen Reden, Streits um die korrekten Zahlen und angemessenen Strategien, sondern auch von Bildern geprägt. Die Bilder von Geflüchteten sind selbst Politikum, relevanter Teil medialer Berichte, Objekte der Aneignung und des politischen Aktionismus.

Die Sektion 1 „Macht – Medium – Gesellschaft“ hat die im vergangenen Sommer in einem Workshop begonnene interdisziplinäre Arbeit mit einer Tagung zum Thema „Bilder von Migration“ fortgesetzt. Die Präsentationen haben auch auf einer methodischen Ebene gezeigt, dass die Souveränität in der Beschreibung und Interpretation von Bildern nicht in allen Disziplinen gleichermaßen routinisiert ist. Dementsprechend wurde auch der Wunsch nach weiterem Austausch zu Methoden der Bildanalyse unter verschiedenen Aspekten (ikonographische Bezüge, Framing, Lesbarkeit/Lesarten von Bildern u.a.) deutlich geäußert.

Ein zentraler Diskussionspunkt der Tagung war es, die Konstruktion und Reproduktion von Bildern von Migration und Migrant*innen – u.a. im Kontext politischer Bildung – zu hinterfragen. Dabei wurde kritisch reflektiert, wie die inzwischen etablierten Klischeebilder von Migrant*innen und Geflüchteten durch andere bzw. neue Bilder in Frage gestellt werden können. Dabei wurde auch die Rolle von Fotograf*innen als so genannte „Bilderkrieger*innen“ und deren moralische Verpflichtung, Flucht, Gewalt und Krieg zu dokumentieren, in Frage gestellt. Ebenso wurde die Zulässigkeit der Verletzung von Persönlichkeitsrechten sowie die Darstellung von Kindern um Verständnis und Empathie für Geflüchtete herzustellen, kontrovers diskutiert.

Unabhängig davon hat die Analyse auch die religiöse Überformung vieler Bilder von Migration aufgezeigt. Insbesondere die Darstellung von Migrant*innen als heilige Familie und die Idealisierung von Familie als kleinste schützenswerte Einheit markieren die christliche Ikonographie nicht selten als die nach wie vor dominante Interpretation von Inhalten und Symbolen. Neben der Bezugnahme auf ein religiöses kollektives Bildgedächtnis stellte auch die Bezugnahme auf einen historischen Bilderkanon (II. Weltkrieg, Vietnamkrieg, Napoleonische Kriege u.a.) ein wichtiges Thema in der Debatte um die Herstellung von affektiver Wirkung und moralischem Appell durch Bilddarstellungen in verschiedenen Formen (Fotos, Karikaturen, Malerei) dar. 

In der Abschlussdebatte wurde das innovative Format der Tagung als „Universität im besten Sinne“ bezeichnet. Fünf interdisziplinäre Tandems eröffneten jeweils verschiedene Fachzugänge zu Bildern von Migration. Jedes Tandem analysierte ein von ihm gewähltes Bild aus der Perspektive der jeweils vertretenen Disziplinen. So wurden aus der Perspektive der Chemie, der Kunstgeschichte und -pädagogik, der Soziologie und Politikwissenschaft ausgewählte Fotografien und eine Karikatur systematisch analysiert. Das Tandem-Format mit klaren Spielregeln hat sich für den interdisziplinären Austausch bewährt. Es hat erneut bewiesen, dass es zu sehr interessanten und wirklich weiterführenden Gedanken und Diskussionen zwischen den disziplinären Perspektiven anregen kann. Das Programm bot genug Raum für Diskussionen im Plenum und informelle Gespräche während der Pausen.

Mit dieser Veranstaltung wurde das Thema Bilder von Migration noch keineswegs erschöpfend diskutiert. Etwa Fragen nach den ökonomischen Interessen und Machtstrukturen, in denen die Bilder entstehen, sowie nach den medialen Kontexten, in den Bilder von Migration veröffentlicht werden, bedürfen noch einer weiterführenden Debatte.

(14.12.2017, Dorothée de Nève)

Tagung: bilder von migration. interdisziplinäre perspektiven

Tagung: bilder von migration. interdisziplinäre perspektiven

 

 

 

Das ZMI lädt alle Interessierten sehr herzlich zur Teilnahme an der Tagung bilder von migration. interdisziplinäre perspektiven am 2. Dezember 2016 ab 9:00 Uhr in den Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, 35390 Gießen) ein.

Fünf interdisziplinäre Tandems eröffnen verschiedene Fachzugänge zu Bildern von Migration. Jedes Tandem analysiert ein von ihm gewähltes Bild aus der Perspektive der beiden von ihm vertretenen Disziplinen. Nach jeder Präsentation ist das Plenum eingeladen, sich in der Diskussion ebenfalls diesen Bildern von Migration interdisziplinär zu nähern.






Programm


(21.11.2016, Katharina Monaco)

"Wie konnte es dazu kommen? / How did this happen? - America after the Elections" - Öffentliche Podiumsdiskussion

„Wie konnte es dazu kommen? / How did this happen? - America after the Elections“ - Öffentliche Podiumsdiskussion

Für viele Deutsche – ebenso wie für die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner – war der Ausgang der Präsidentenwahl am 8. November 2016 sehr schwer zu verstehen (und zu verdauen). Die neue Trump-Weltordnung löst viele Sorgen aus, auch was Deutschlands veränderte Stellung in Europa und der Welt angeht. In dieser Podiumsdiskussion in deutscher und englischer Sprache werden deutsche und US-amerikanische Perspektiven zu den Konsequenzen der Wahl präsentiert, um Amerika und das deutsch-amerikanische Verhältnis nach der Wahl besser einzuordnen.
Die Podiumsdiskussion führen Prof. Greta Olson (Amerikanistik, JLU; Mitglied der Democrats Abroad Frankfurt; Mitglied der ZMI Sektion 1 „Macht – Medien – Gesellschaft“), Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) und Dr. Falk Ostermann (International Relations, JLU). Moderiert wird sie von Dr. Wiebke Schneidermann (GCSC, JLU). Die Diskussion wird in deutscher und englischer Sprache gehalten und findet am 21. November 2016 um 19 Uhr c.t. in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen (Ludwigstraße 23) statt.
Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Stephan Scholz vom Gießener Anzeiger berichtet über die Podiumsdiskussion im Artikel „Befürchtungen und Erwartungen: Experten diskutieren an JLU Ursachen und Folgen der Wahl von Donald Trump“.

Ein Gastbeitrag Gezielt für unsere Demokratie kämpfenvon Prof. Greta Olson erschien am 1. Dezember in der Frankfurter Rundschau und kann hier nachgelesen werden.

(05.12.2016, Katharina Monaco)