Warum sichere Passwörter benutzen?


Wir werden immer wieder von Benutzern darauf angesprochen, warum am HRZ der JLU Gießen so strenge Regeln bezüglich der Vergabe von Passwörtern bestehen.

Viele Benutzer glauben, dies diene vorrangig der Sicherheit des HRZ selbst. Dies ist nur zum Teil richtig. Vor allem dienen gute Passwörter ihrer eigenen Sicherheit. Dies wollen wir an ein paar Beispielen erläutern.


Unsichere Passwörter können sehr schnell von sogenannten 'Crackern' durch einfaches ausprobieren gefunden werden. Diesen Leuten geht es meistens nicht darum Daten zu klauen, zu verändern oder fremde Emails zu lesen, sondern sie sind auf der Suche nach einem Account über den sie ihre kriminellen Aktivitäten ungestört ausüben können.


Dabei kann es sich um Angriffe gegen einzelne Rechner, um geplante „Denial of Service“ Attacken gegen ganze Netzwerke (als Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind Angriffe gegen Yahoo, Amazon und diverse IRC Server zu erwähnen) oder um den Handel mit Kinderpornografie o.ä. handeln. In jedem dieser Fälle fällt der Verdacht zuerst auf den Inhaber des gecrackten Accounts. Dies ist in der Regel mit erheblichen Unannehmlichkeiten verbunden (Hausdurchsuchungen, Verhöre durch die Polizei/Staatsanwaltschaft usw.).


Sie können das Risiko, Opfer einer solchen 'Verwechslung' zu werden erheblich senken, indem sie ihre Passwörter regelmäßig ändern und dabei auch auf die Sicherheit der Passwörter achten.


Bevor wir ihnen zeigen wollen wie sichere Passwörter aussehen, wollen wir ihnen zeigen, wie Passwörter auf gar keinen Fall aussehen sollten. Dazu bemühen wir unseren Beispielbenutzer Stefan Mustermann mit der Benutzerkennung su2476.


Einfach wären natürlich Passwörter wie „Stefan“, „StefanM“, „Ssu2476M“ oder ähnliche Kombinationen aus Name und Benutzerkennung. Diese sind aber auch extrem unsicher, da beim Cracken von Passwörtern zuerst mit den bekannten Daten des Benutzers gearbeitet wird. Auch Passwörter wie „StfnMstrmnn“ (Vor- und Nachname ohne Vokale), „Stefan28“ (er ist 28 Jahre alt), „19sm72“ (geboren im Jahr 1972) oder „nafetS“ (Vorname umgedreht) werden ebenso schnell gefunden. Daten mit persönlichem Bezug eignen sich also nicht als Passwörter.


Die nächste einfache Alternative ist normale Wörter zu benutzen. Aber auch dies ist extrem unsicher, denn der Cracker wird, wenn er mit benutzerbezogenen Daten keinen Erfolg hatte, sein Glück mit Wörterbüchern versuchen. Jedes Wort dieses Wörterbuchs wird wiederum in etlichen Kombinationen und Variationen als Passwort getestet. So wird z.B. aus „Internet“ auch „tenretnI“ oder „1n7ern37“ oder „ntrt22“ oder oder oder. Wörterbücher enthalten nicht nur alle Wörter einer bestimmten Sprache. Sie sind meist mehrsprachig und enthalten auch alle gängigen Vor- und Nachnamen. Zudem gibt es Wörterbücher zu speziellen Themengebieten wie Computer, Literatur, Internet, Medizin, Fantasy oder Science-Fiction. Dadurch sind Wörter wie „Appendix“, „Zaphod“, „ncc1701“ oder „Bond007“ als Passwort ungeeignet.


Versuchen wir es also mit unsinnigen Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen. Viele Benutzer lieben es einfach, daher sind Tastaturkombinationen wie „abc123“, „1234qwer“, „1q2w3e4r“, „abc:123“ oder „0987poiu“ längst bekannt und stellen somit keinerlei Sicherheit mehr dar.


Außerdem sollten sie unter keinen Umständen Netz- und Unixpasswort identisch wählen, da möglicherweise gespeicherte Passwörter unter Windows nur durch einen schwachen Algorithmus verschlüsselt werden und je nach Version sehr leicht zu knacken sind.

Es ist trotzdem sehr einfach, sich sichere und gut merkbare Passwörter herzuleiten. Nehmen sie einen Satz, den sie sich persönlich gut merken können. Von jedem Wort dieses Satzes nehmen sie nun den ersten Buchstaben (Groß- und Kleinschreibung beibehalten) und auch eventuell vorkommende Satzzeichen, und reihen sie diese aneinander.

So wird zum Beispiel aus dem Satz „Ein sicheres Passwort besteht aus mindestens 8 Zeichen.“ das Passwort „EsPbam8Z.“. So einfach ist das.

Natürlich kann man durch bloßes probieren bei genügend langer Rechenzeit auch dieses Passwort finden, allerdings normalerweise nicht innerhalb von 100 Tagen - und dann sollte ja schon ein neues Passwort gelten.


Fassen wir einmal kurz zusammen:


Stand: 19.10.1999 (Für Hinweise und Vorschläge wenden Sie sich bitte per E-Mail an: Webmaster@hrz.uni-giessen.de )