SAS - nicht nur ein Statistisches Analyse-System
(Manfred HollenhorstManfred Hollenhorst, HRZ)
Das Hochschulrechenzentrum Gießen hat sich an einer Landeslizenz für das Programmpaket SAS beteiligt und kann nun Kopien zu einem jährlichen Mietpreis von 350,00 DM an Institute und Einzelpersonen innerhalb der Universität Gießen weitergeben (Anfragen an den Verfasser dieses Artikels, Tel. 99-13052); für die Belieferung der hessischen Fachhochschulen ist die Fachhochschule Darmstadt, und zwar Herr Professor Helm im Fachbereich Mathematik-Naturwissenschaften, zuständig. SAS steht für PCs mit den Betriebssystemen MS-DOS, MS-Windows oder OS/2 zur Verfügung. Es ist somit das einzige Statistik-Programm unter dem Betriebssystem OS/2, das innerhalb einer Mehrfachlizenz verbilligt bezogen werden kann.
Die Abkürzung SAS stand ursprünglich für "Statistical Analysis System", aber das Paket ist inzwischen über dieses Anwendungsgebiet hinausgewachsen in die Bereiche Optimierung, Datenverwaltung (insbesondere für Labordaten) und allgemeine Informationssysteme. Daher sprechen die Vertreter der Firma SAS Institute lieber von einem "Strategic Analysis System", was aber nicht bedeutet, daß die Hauptzielgruppe jetzt die Hochschulen der Bundeswehr oder andere Militärakademien wären. Vielmehr wird versucht, innerhalb von Firmen (z.B. in der pharmazeutischen Industrie) SAS zum zentralen Hilfsmittel der "Unternehmensstrategie" zu machen.
Auch im Bereich der Statistik leistet SAS deutlich mehr als etwa SPSS. So sind z.B. Module zur Zeitreihenanalyse, zur Qualitätskontrolle und zur Analyse von Strukturgleichungsmodellen vorhanden, die in der SPSS-Landeslizenz zur Zeit fehlen (siehe den Beitrag "Neuigkeiten zu SPSS" in dieser LOGIN-Ausgabe). Auch im Bereich Varianzanalyse und Graphik bietet SAS deutlich leistungsfähigere Prozeduren.
Aus diesem großen Leistungsumfang ergibt sich ein entsprechend großer Plattenplatz-Bedarf (ca. 130 MB für die Installation der MS-Windows-Version), und auch die Dokumentation umfaßt etwa dreißig Bände. Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, SAS zu benutzen, insbesondere wenn SPSS nicht die geeigneten Tests enthält, wie bei Modellen mit zufälligen Effekten bzw. leeren Zellen in der Varianzanalyse. Die vielen für Ihre Analyse nicht benötigten Module können Sie einfach ignorieren.
In der Anmeldung des HRZs ist zum Preis von 4,60 DM eine vom Rechenzentrum der Universität Osnabrück erarbeitete Broschüre mit dem Titel "SAS - Einführung in das Statistical Analysis System" mit einem Umfang von 75 Seiten erhältlich, die allerdings nicht speziell auf das Menüsystem der Windows-Version eingeht.
Es gibt eine umfangreiche Sekundärliteratur zu SAS - auch in deutscher Sprache -, von der hier nur erwähnt werden sollen
- Julius Dufner, Uwe Jensen, Erich Schumacher
- Statistik mit SAS; Teubner, Stuttgart, 1992; 42,00 DM; 398 Seiten; ISBN 3-519-02088-2
- Alexander Graf, Werner Bundschuh, Hans-Günther Kruse
- Effektives Arbeiten mit SAS. Grundlagen und Programmierung; BI-Wissenschaftsverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1993; 29,80 DM; 333 Seiten; ISBN 3-411-76461-9
Das erste Buch behandelt fundiert die statistischen Prozeduren, insbesondere zur Varianzanalyse, während letzteres unter anderem eine Einführung in die Windows-Oberfläche von SAS bietet.
Die Windows-Oberfläche benutzt allerdings in großem Umfang SAS-eigene Ikonen und nicht die von MS-Windows vorgegebenen Pull-Down-Menüs wie SPSS für Windows es tut, was eine gewisse Eingewöhnung erfordert. Der Grund dafür ist, daß SAS unter allen Betriebssystemen möglichst die gleiche Oberfläche bieten will. Die Windows-Version von SAS wird auf den PCs im HRZ im Raum 226 bereitgestellt.
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