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OPAC: Rechnergestützte Literaturrecherchen
in Gießener Bibliothekskatalogen
Der Hessische Bibliotheksverbund ist jetzt on-line

(E-Mail: Joerg.Risius@hrz.uni-giessen.deJörg Risius, HRZ)

Inhalt:

1 Einführung

Seit dem Herbst vergangenen Jahres besteht die Möglichkeit, rechnergestützte Literaturrecherchen in den Beständen der wissenschaftlichen Bibliotheken in Hessen durchzuführen. Der 1. Oktober 1995 war der offizielle Termin für die landesweite Einführung des aus den Niederlanden stammenden Software-Systems PICA (PICA steht für "Project for Integrated Catalogue Automation"). Das PICA-System stellt unter anderem ein OPAC-Modul bereit (OPAC = "On-line Public Access Catalogue"), mit dem im Prinzip jeder Benutzer* über das Internet aus aller Welt in Bibliothekskatalogen recherchieren kann.

In Hessen besteht seit 1987 ein Verbund der wissenschaftlichen Bibliotheken. Bis zum September 1995 wurden alle von den Verbundbibliotheken neu angeschafften Bücher mit HEBIS ("HEssisches Bibliotheks-Informations-System") zentral auf einem Rechner in Frankfurt katalogisiert. Für diesen Zweck wurden in den Bibliotheken Terminals aufgestellt, die an den Zentralrechner angeschlossen waren. Literaturrecherchen im Bestand des Verbunds waren während dieser Zeit jedoch nur dem Fachpersonal vom Terminal am Arbeitsplatz aus möglich.

Sämtliche Titelaufnahmen aus dieser Periode wurden in das PICA-System, das ein von HEBIS abweichendes bibliothekarisches Datenformat verwendet, konvertiert, so daß bei Beginn des Betriebs unter PICA bereits ein Bestand von verbundweit 2,6 Millionen Datensätzen zur Verfügung stand.

2 Die Systemarchitektur von HEBIS-PICA

In Frankfurt befindet sich die Zentrale des hessischen Bibliotheksverbunds (auch "HEBIS-Verbundzentrale"). Am Rechenzentrum der Universität Frankfurt stehen zwei Tandem-Rechner. Auf ihnen läuft das Zentrale Bibliothekssystem (CBS) von PICA. Einer der Rechner dient als Produktionssystem, der andere als Test- und Schulungssystem. Tandem-Rechner bieten aufgrund ihrer durchgängig doppelt vorhandenen Hardware-Komponenten eine hohe Ausfallsicherheit.

Auf dem Produktionssystem wird der gesamte Bestand des Verbunds (z.Zt. 2,6 Millionen Datensätze) in einer Datenbank bereitgestellt. Nach wie vor werden alle Neuerwerbungen der hessischen Bibliotheken von den Bibliothekaren* vor Ort in diesem zentralen System katalogisiert.

Eine Neuerung gegenüber dem alten HEBIS-Verfahren liegt in den Lokalen Bibliothekssystemen (LBS) des PICA-Systems, die an den hessischen Universitätsstandorten Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Marburg errichtet wurden. In den jeweiligen Hochschulrechenzentren bzw. -bibliotheken wurden zu diesem Zweck leistungsfähige DEC-Alpha-Rechner mit dem Betriebssystem OSF/1 (DEC-UNIX) angeschafft, auf denen die Bestände aller zum Lokalsystem gehörenden Bibliotheken in einer lokalen Datenbank verwaltet werden.

Die Lokalsysteme sind über das Wissenschaftsnetz (WiN) durch einen "On-line-Update-Mechanismus" an das Zentralsystem gekoppelt. Dieser Mechanismus sorgt dafür, daß jeder Datensatz, der im Frankfurter Zentralsystem beim Katalogisieren neu erstellt oder modifiziert wird, im Regelfall binnen einer Minute in die Datenbank aller Lokalsysteme übertragen wird, in denen eine Bibliothek das entsprechende Buch besitzt.

Das Katalogisieren im Zentralsystem bringt den Vorteil mit sich, daß in den meisten Fällen die Titeldaten eines zu katalogisierenden Buchs bereits in der Datenbank des CBS vorhanden sind. Dadurch reduziert sich der Vorgang des Katalogisierens auf das bloße "Anhängen" bibliotheksspezifischer Zusatzinformationen (Lokal- und Exemplardaten, wie z.B. die Signatur) an die bereits verfügbaren allgemeinen Titeldaten.

3 Das hiesige Lokalsystem

Am Universitätsstandort Gießen wurde im Zuge der PICA-Einführung eine eigene Bibliotheksdatenverarbeitung für das Lokalsystem Gießen/Fulda am Hochschulrechenzentrum (HRZ) angesiedelt. Die Bezeichnung des Lokalsystems rührt daher, daß ihm als Institutionen neben der Justus-Liebig-Universität Gießen auch die Fachhochschule Gießen-Friedberg, die Hessische Landesbibliothek Fulda, sowie die Fachhochschule Fulda angehören.

Die Hardware-Ausstattung des LBS umfaßt vorrangig zwei DEC-Alpha-Server (Taktfrequenz: 275 MHz bzw. 200 MHz, Arbeitsspeicher: 256 MB bzw. 128 MB) mit einer Gesamt-Plattenkapazität von derzeit 24 GB. Diese Größe muß jedoch aufgrund des verwendeten RAID-Systems zur redundanten (und damit gegenüber Plattenausfällen relativ unanfälligen) Datenspeicherung auf einen geringeren Netto-Wert bereinigt werden. Beide Server werden am Ende so konfiguriert sein, daß Totalausfälle des Systems so gut wie nie vorkommen können. Auf diesen Servern laufen im wesentlichen die in Pascal implementierte PICA-LBS-Software mit ihren verschiedenen Modulen, sowie eine Sybase-Datenbank.

Außer den DEC-Alpha-Servern gibt es im HRZ zwei Novell-Fileserver, über die ca. 100 PCs in den zum Lokalsystem gehörenden Bibliotheken der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Software versorgt werden. Bei diesen handelt es sich um 486er-PCs unter Windows 3.11. Ein Teil von ihnen wird von den Bibliothekaren für das Katalogisieren und Recherchieren mit dem speziellen Programm IBW (= "Intelligent Bibliographic Workstation") benutzt; der andere Teil ist in den Bibliotheken öffentlich zugänglich und steht allen Bibliotheksbenutzern für OPAC-Recherchen zur Verfügung.

Mit dem Betrieb und der Pflege des PICA-Lokalsystems sind am HRZ die Mitarbeiter Dr. Andreas Mischnick und Jörg Risius betraut.

4 On-line-Kataloge im LBS Gießen/Fulda

Im Lokalen Bibliothekssystem Gießen/Fulda werden insgesamt zehn Kataloge angeboten, wobei derzeit eine Ausnahme zu beachten ist. Die Ausnahme bildet der Katalog der Universitätsbibliothek Gießen. Bis zum Ende des Wintersemesters 1995/1996 befindet sich dieser Katalog auf einem anderen Rechner, der direkt in der Universitätsbibliothek Gießen betrieben wird. Ursache dafür ist das Ausleihsystem der Universitätsbibliothek, das bereits 1994 vorab auf PICA umgestellt werden mußte, jedoch erst im März 1996 in das LBS integriert werden kann.

Die Kataloge im LBS mit ihren Bestandszahlen (Stand: 10.1.1996) sind im einzelnen:

1 Regionalkatalog Gießen 286475
2 Universitätsbibliothek (erst ab Sommersemester 1996) 0
3 Bereichsbibliothek, Gesellschaftswissenschaften, Romanische Philologie 46641
4 Juristisches Seminar, Wirtschaftswissenschaftliches Seminar 42103
5 Psychologie, Germanistik, Anglistik, Physik, Historisches Institut, Zentrum für kontinentale Agrar- und Wirtschaftsforschung 59465
6 Übrige Bibliotheken der Justus-Liebig-Universität Gießen 58824
7 Fachhochschule Gießen-Friedberg 13574
8 Regionalkatalog Fulda 69925
9 Hessische Landesbibliothek Fulda 38516
10 Fachhochschulbibliothek Fulda 34526

Bedingt durch Sachzwänge war es teilweise unumgänglich, im PICA-System die Bestände mehrerer Bibliotheken in einem einzigen Katalog zusammenzufassen (Nr. 3-6). Im hier an fünfter Stelle genannten Katalog sind beispielsweise die Bestände der Bibliotheken der Fachbereiche Psychologie, Germanistik, Anglistik, Physik, des Historischen Instituts und des Zentrums für kontinentale Agrar- und Wirtschaftsforschung (ZKAW) vereint. Im Katalog Nr. 6 sind die Bestände aller Bibliotheken der Justus-Liebig-Universität enthalten, die nicht selbst katalogisieren, sondern dabei von der UB unterstützt werden. Das sind mehr als 100 über die Stadt Gießen verteilte Fachbereichs-, Instituts- und Zentrumsbibliotheken.

Hervorzuheben sind die beiden Regionalkataloge (Gießen und Fulda). In diesen sind die Bestände aller dem LBS angehörenden Bibliotheken in Gießen respektive Fulda zusammengefaßt. Dies bietet den Benutzern den Vorteil, in großen und bibliotheksübergreifenden, geographisch abgegrenzten Beständen recherchieren zu können. Weltweit existiert nur noch ein einziger weiterer Regionalkatalog unter PICA, nämlich in Maastricht (Niederlande).

5 Durchführung von OPAC-Recherchen

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Wege, um Literaturrecherchen mit dem OPAC durchzuführen. Diese sollen in diesem Abschnitt kurz beschrieben werden. Nicht weiter erläutert werden soll hier die Handhabung des OPAC-Programms; es ist durch seine Menüsteuerung relativ einfach zu bedienen und unterstützt die Benutzer durch zahlreiche On-line-Hilfen.

  • Der direkte Weg zum OPAC führt über den Besuch einer zum LBS gehörenden Bibliothek. Dort stehen den Benutzern öffentlich zugängliche PCs zur Verfügung, die bereits so eingerichtet sind, daß von ihnen aus der OPAC des LBS Gießen/Fulda, aber auch die OPACs der anderen hessischen Lokalsysteme und weitere OPACs in der ganzen Bundesrepublik aufgerufen werden können. Das Bibliothekspersonal gibt erforderlichenfalls die notwendigen Auskünfte über die Benutzung der Geräte vor Ort.
  • Die zweite Alternative eines Zugriffs auf den OPAC basiert im Grunde genommen für jeden Standort irgendwo in der Welt auf dem gleichen Prinzip: Sie benötigen lediglich Zugang zu einem Rechner, der an das Internet angeschlossen ist (und sei es über eine Modem-Verbindung vom heimischen PC aus), und von diesem Rechner aus eine Telnet-Verbindung zum Bibliotheksrechner, der den OPAC anbietet. Diese kann beispielsweise
    • unter UNIX durch das UNIX-Kommando telnet rechneradresse,
    • unter MS-DOS mit dem Programm Kermit und
    • unter Windows mit dem Programm Ewan

aufgebaut werden. Es wird derzeit nur eine vt100-Terminal-Emulation vorausgesetzt. Ferner muß die Kennung bekannt sein, unter der Sie sich auf dem Bibliotheksrechner anmelden können. Unter Umständen ist die Kenntnis eines Paßworts nötig.

Die Namen der Bibliotheksrechner im hessischen Verbund sind:

LBS Darmstadt bibdec1.hrz.th-darmstadt.de
LBS Frankfurt opac.server.uni-frankfurt.de
LBS Gießen/Fulda opac.uni-giessen.de
LBS Kassel sv1.bibliothek.uni-kassel.de
LBS Marburg opachost.ub.uni-marburg.de

Die Kennung, mit der Sie sich an diesen Rechnern für OPAC-Recherchen anmelden müssen, lautet jeweils "opc". Ein Paßwort ist nicht erforderlich.

Nebenbemerkung: Weil es einen zu hohen Bedarf an Rechenleistung erfordern würde, ist es derzeit leider noch nicht möglich, daß auch das CBS einen eigenen OPAC für den gesamten hessischen Bibliotheksdatenbestand anbietet.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Möglichkeit, auch über das World-Wide Web (WWW) einen Weg zu einem OPAC-Rechner zu finden. Für das LBS Gießen/Fulda beispielsweise findet sich auf der WWW-Seite des Hochschulrechenzentrums der JLU

     /hrz/

der Punkt

     Dienste

mit einem Unterpunkt

     Bibliotheksdienste

der zu weiteren Informationen über den lokalen OPAC und einem Beispiel-OPAC-Aufruf verzweigt. Sie können aber auch direkt über den URL

     /hrz/bibl/

die betreffenden Informationen erreichen.

6 Die Zukunft

Die Zukunft hat gerade erst begonnen. Momentan stecken die hessischen PICA-Installationen in ihren Kinderschuhen und haben mit dem Laufen noch so ihre kleinen Probleme. Ihre Abstammung von niederländischen Vorfahren tritt an manchen Stellen im System noch offen zutage. An ihrem Erwachsenwerden wird jedoch täglich an allen Standorten in Hessen unermüdlich mit großem Einsatz gearbeitet. Für die zur Zeit noch bestehenden Unzulänglichkeiten werden alle Benutzer um Nachsicht gebeten.

Grundsätzlich stellt jedoch die Möglichkeit einer rechnergestützten Literaturrecherche schon jetzt für die Bibliotheksbenutzer einen großen Gewinn dar, weil ihnen eine Vielzahl von Bibliothekskatalogen gleichzeitig zugänglich und weitaus subtilere Recherchen als bei dem konventionellen Arbeiten mit Zettelkatalogen und Microfiche möglich sind.

Im Laufe der kommenden Monate werden nach und nach die Ausleihen der Nicht-Präsenzbibliotheken auf PICA umgestellt, wodurch im OPAC der Ausleihstatus eines Buchs erkennbar wird. Dann werden die Benutzer vom OPAC aus ein gewünschtes Buch entweder direkt zur Ausleihe bestellen oder aber zumindest schon vormerken können. Auch die Fernleihe wird eines Tages über PICA abgewickelt werden. Außerdem werden in absehbarer Zeit OPENCAT und WINCAT, komfortablere bzw. Windows-basierte Versionen des OPAC, zur Verfügung stehen.

Die Aufgeschlossenheit der Benutzer gegenüber den neuen Technologien ist dabei die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der zukünftigen Entwicklungen in der Welt der Bibliotheken.

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Letzte Änderung am 17.11.2005 von GP


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