
Hinweis: Dieses Dokument wurde gegenüber der gedruckten Fassung aktualisiert: 22.09.1997
Die Darstellung fremdsprachlicher Zeichen
(Dieter Weiß, HRZ Gießen)Inhalt:
- Einführung
- Die ASCII-Tabelle
- Font-Dateien
- Der erste Schritt - Sprachenunterstützung
- Schriftarten in Anwendungsprogrammen
- Fremdsprachige Zeichen in der ASCII-Tabelle
- Der zweite Schritt - Tastaturanpassung
- WWW-Dokumente in anderen Sprachen
- Besonderheiten bei der kyrillischen Schrift
- Electronic Mail
- Der dritte Schritt - Installation eines neuen Tastatur-Layouts
- Ausblick
- Weiterführende Informationen
Einführung
In der Anfangszeit der elektronischen Datenverarbeitung wurden nur Ziffern, Großbuchstaben und einige Sonderzeichen in Computern gespeichert. Dazu reichten mit einem Trick1 5 Bits aus, mit denen bekanntlich 25=32 verschiedene Zeichen codiert werden können: Typisch für diese Codierung waren die 5-Kanal-Lochstreifen. Mit der Ausweitung der Anwendungsgebiete wuchs auch der Bedarf nach weiteren Zeichen, und es wurden 7- und 8-Bit-Codes eingeführt. Das geschah allerdings nicht einheitlich, und so gibt es heute leider eine Vielfalt von Codierungssystemen. Diese bereiten vielfache Probleme. Wenn Sie wie ich ein "ß" oder einen Umlaut in Ihrem Namen haben, sind Ihnen solche Probleme sicher schon begegnet. Erst recht verworren wird es, wenn es darum geht, Buchstaben aus anderen Sprachen korrekt darzustellen.
Damit dieses Thema nicht ausufert, möchte ich mich Windows 95 (einige Ausführungen gelten auch für Windows NT) beschränken und aufzeigen, welche Möglichkeiten das Betriebssystem bietet und wie sie in einigen Anwendungsprogrammen genutzt werden können. Die Ergebnisse sind teilweise auch für frühere Windows-Versionen gültig.
[Zurück zum Anfang des Dokuments]
Die ASCII-Tabelle
Grundlage für die "normale" Darstellung von Zeichen unter
Windows 95 ist die in Abb. 1 dargestellte
erweiterte "ASCII-Tabelle". "ASCII" steht dabei für "American
Standard Code for Information Interchange". In ihr ist
festgelegt, welches Zeichen zu welcher Bit-Kombination gehört.
Diese Tabelle hat 16 Zeilen und 16 Spalten, die "hexadezimal" von
0 bis 15 durchnumeriert sind (dabei steht
A für 10, B für 11 u.s.w.). Die
Spaltennummer besteht aus den ersten vier Bits und die Zeilennummer
aus den letzten vier Bits des Codes für das betreffende Zeichen.
Die Spalten 0 und 1 enthalten
Steuerzeichen, auf die hier nicht näher eingegangen werden
soll.
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | A | B | C | D | E | F | |
| 0 | NUL | DLE | 0 | @ | P | ` | p | € | ° | À | Ð | à | ð | |||
| 1 | SOH | DC1 | ! | 1 | A | Q | a | q | ' | ¡ | ± | Á | Ñ | á | ñ | |
| 2 | STX | DC2 | " | 2 | B | R | b | r | ' | ' | ¢ | ² | Â | Ò | â | ò |
| 3 | ETX | DC3 | # | 3 | C | S | c | s | ƒ | " | £ | ³ | Ã | Ó | ã | ó |
| 4 | EOT | DC4 | $ | 4 | D | T | d | t | " | " | ¤ | ´ | Ä | Ô | ä | ô |
| 5 | ENQ | NAK | % | 5 | E | U | e | u | … | ¥ | µ | Å | Õ | å | õ | |
| 6 | ACK | SYN | & | 6 | F | V | f | v | † | - | ¦ | ¶ | Æ | Ö | æ | ö |
| 7 | BEL | ETB | ' | 7 | G | W | g | w | ‡ | - | § | · | Ç | × | ç | ÷ |
| 8 | BS | CAN | ( | 8 | H | X | h | x | ˆ | ˜ | ¨ | ¸ | È | Ø | è | ø |
| 9 | HT | EM | ) | 9 | I | Y | i | y | ‰ | ™ | (c) | ¹ | É | Ù | é | ù |
| A | LF | SUB | * | : | J | Z | j | z | Š | š | ª | º | Ê | Ú | ê | ú |
| B | VT | ESC | + | ; | K | [ | k | { | ‹ | › | " | " | Ë | Û | ë | û |
| C | FF | FS | , | < | L | \ | l | | | Œ | œ | ¬ | 1/4 | Ì | Ü | ì | ü |
| D | CR | GS | - | = | M | ] | m | } | | 1/2 | Í | Ý | í | ý | ||
| E | SO | RS | . | > | N | ^ | n | ~ | Ž | ž | (r) | 3/4 | Î | Þ | î | þ |
| F | SI | US | / | ? | O | _ | o | DEL | Ÿ | ¯ | ¿ | Ï | ß | ï | ÿ |
Abb. 1: Erweiterte ASCII-Tabelle in der deutschen Version des Betriebssystems Windows 95
Beispiel:
Das Zeichen "ß" steht in der Spalte D
und in der Zeile F und hat damit den Binär-Code
1101 1111:
| erste Hexadezimalziffer | zweite Hexadezimalziffer | |
| hexadezimal | D | F |
| dezimal | 13 | 15 |
| binär | 1101 | 1111 |
| dezimal mit Stellenwert | 13x16 + 15 = 223 |
Unter einer anderssprachigen Version von Windows 95 hat die ASCII-Tabelle u.U. ein anderes Aussehen. Das wird in der sogenannten Codepage festgelegt. Der deutschen Version liegt die Codepage 1252 zugrunde, die auch für Amerika und ganz Westeuropa gilt.
Font-Dateien
In Ergänzung zu den in der Codepage festgelegten Zeichen, die
für Windows 95 insgesamt gelten, können
Windows-95-Anwendungsprogramme in Textdateien eine Vielzahl
weiterer Zeichen verwenden. Dazu gibt es die sogenannten
Font-Dateien. Diese stehen im Unterverzeichnis Fonts
des Windows-Verzeichnisses, das meist mit Win95 oder
Windows bezeichnet wird (siehe dazu
Abb. 3). Es gibt verschiedene Arten von
Font-Dateien. Hier sollen nur die wichtigsten, die sogenannten
True-Type-Fonts betrachtet werden. Diese Font-Dateien haben alle
die Namensendung .ttf. True-Type-Fonts werden im
Gegensatz zu den sogenannten Bitmap-Fonts nicht durch ihre
Punktmuster, sondern durch geometrische Eigenschaften
beschrieben2. Auf
diese Weise lassen sich verschiedene Schriftgrößen (Schriftgrade)
einfacher beschreiben als bei Bitmap-Fonts, wo im Grunde für jeden
Schriftgrad ein eigener Satz von Punktmustern gespeichert werden
muß. Außerdem stehen die True-Type-Fonts einheitlich für Bildschirm
und Drucker zur Verfügung.
Bei früheren Windows-Versionen mußten neue Font-Dateien speziell installiert werden. Unter Windows 95 genügt es, sie in dem oben angegebenen Verzeichnis abzulegen. Sie stehen damit allen Windows-95-Anwendungsprogrammen zur Verfügung, die überhaupt eine Schriftauswahl zulassen.
Abgesehen von einigen Spezial-Fonts wie "animals" oder "music
symbols" enthalten die meisten Font-Dateien jeweils dieselben
Zeichen an denselben Tabellenplätzen. Sie unterscheiden sich nur
durch den typographischen Stil. Einen Überblick über die Zeichen
eines Fonts können Sie sich übrigens am einfachsten verschaffen,
indem Sie in WinWord den Befehl Einfügen Sonderzeichen
aufrufen.
Der erste Schritt - Sprachenunterstützung
Für das folgende wird vorausgesetzt, daß die Komponente
"Sprachenunterstützung" im Rahmen von Windows 95
installiert ist. Ist dies nicht der Fall oder sind Sie nicht
sicher, dann wählen Sie ausgehend vom Startmenü
EinstellungenSystemsteuerungSoftwareund die- Registerkarte
Windows-Setup(Abb. 2).

Abb. 2: Prüfen bzw. Einrichten der Sprachunterstützung in Windows 95
Wenn der Eintrag "Sprachenunterstützung" einen
Haken hat, ist alles in Ordnung, andernfalls müssen Sie das
Kästchen anklicken und die Windows-95-CD-ROM einlegen.
Schriftarten in Anwendungsprogrammen
Wenn Sie sich die Liste der Dateien im Font-Verzeichnis einerseits und die Liste der Schriftarten in einem Anwendungsprogramm (bleiben wir mal bei WinWord) andererseits ansehen, stellen Sie fest, daß zwar einiges zusammen zu passen scheint, aber vollständig klar werden die Zusammenhänge wohl auf Anhieb nicht.

Abb. 3: Font-Dateien
im Windows-95-Verzeichnis Win95\fonts

Abb. 4: Schriftarten in WinWord 7 (Windows 95)
Einerseits gibt es offenbar verschiedene Dateien für
verschiedene Schriftschnitte (fett, kursiv u.s.w.), andererseits
gibt es wohl die Schriftarten Arial Greek (Griechisch)
und Arial Cyr (Kyrillisch), sowie
Arial CE für die lateinisch schreibenden mittel- und
osteuropäischen Sprachen (CE=Central Europe). Das ist
zunächst ziemlich verwirrend. Tatsache ist, daß es wegen der ganz
anderen geometrischen Eigenschaften für die verschiedenen
Schriftschnitte verschiedene Dateien gibt. Diese werden aber von
Word nicht als verschiedene Schriftarten geführt, denn für fett,
kursiv u.s.w. sind ja spezielle Symbole in der Symbolleiste bzw.
Zeichenformate vorgesehen. Die verschiedenen Sprachvarianten
hingegen sind jeweils in derselben Datei gespeichert, in WinWord
aber als verschiedene Schriftarten ausgewiesen.

Abb. 5: Schriftarten in WordPad
Andere Programme, wie z.B. das im Windows-Zubehör enthaltene WordPad stellen den Sachverhalt etwas einleuchtender dar. WordPad erschließt auch noch andere Zeichen, die in den Font-Dateien enthalten sind. Beispielsweise gibt es für viele Fonts die Variante Türkisch, die als besondere Zeichen unter anderem ein großes "I" mit Punkt und ein kleines "i" ohne Punkt enthält. Diese Zeichen sind mit der deutschen Version von WinWord nicht darstellbar. Es ist unverständlich, daß Software-Produkte aus demselben Hause solche Diskrepanzen aufweisen.
Die Datei ARIAL.TTF enthält also Deutsch (genauer
gesagt: westeuropäisch), Osteuropäisch, Griechisch und Kyrillisch.
Dies gilt allerdings außer für Arial nur noch für
Times New Roman und (eingeschränkt) für
Courier New. Das wird auch deutlich, wenn Sie einmal
die Größen der verschiedenen Font-Dateien vergleichen. Weitere
Font-Dateien stehen (teilweise kostenlos) im Internet zur
Verfügung. Es gibt auch Usenet-News-Gruppen, die sich
ausschließlich mit Fonts befassen (z.B. die Gruppe
comp.fonts). Damit komme ich jetzt zum eigentlichen
Thema.
Fremdsprachige Zeichen in der ASCII-Tabelle
Sehen Sie sich Abb. 1 noch einmal etwas genauer an. In der linken Hälfte (das sind alle Codes, bei denen das erste Bit 0 ist; man spricht auch von der 7-Bit-ASCII-Tabelle) stehen alle Buchstaben der englischen Sprache, alle Ziffern und viele Sonderzeichen. Die deutschen Umlaute und das beliebte "ß" stehen in der rechten Hälfte. Entsprechendes gilt beispielsweise für französische akzentuierte Buchstaben und für das spanische "ñ". Die normale PC-Tastatur enthält alle Zeichen der linken Tabellenhälfte und die jeweils benötigten der rechten Hälfte. Die deutsche Tastatur enthält also die Umlaute und das "ß". Im Prinzip sollen mit der bisher vorgestellten ASCII-Tabelle fast alle westeuropäischen Sprachen darstellbar sein. Bei genauem Hinsehen weist sie jedoch etliche Unzulänglichkeiten auf. So sind beispielsweise das niederländische "ij" (Nijmegen) und das spanische "ll" (Mallorca) nicht enthalten. Beide gelten in der jeweiligen Sprache als ein einziger Buchstabe.
| ISO 8859-1 | westeuropäische Sprachen |
| ISO 8859-2 | mittel- und osteuropäische Sprachen (lateinisch schreibend) |
| ISO 8859-5 | Kyrillisch |
| ISO 8859-6 | Arabisch |
| ISO 8859-7 | Griechisch |
| ISO 8859-8 | Hebräisch |
Abb. 6: Zeichensätze nach ISO 8859>

Abb. 7: Einrichten von Tastatur-Layouts in Windows 95
Die Codierung wurde von der International Standards Organization als Norm ISO 8859-1 (auch als "latin-1" bezeichnet) festgelegt. Die weiteren bisher erwähnten Schriftarten sind auch in ISO 8859 festgelegt (Abb. 6). Gemeinsam haben sie alle die linke Tabellenhälfte, und sie unterscheiden sich in der rechten. Das bedeutet insbesondere, daß bei all diesen Schriftarten jeweils alle lateinischen Buchstaben zur Verfügung stehen. Während im UNIX-Bereich diese Code-Tabellen konsequent verwendet werden, ist die Situation bei den Windows-Varianten leider verworrener. Die in Abb. 1 dargestellte ASCII-Tabelle weicht an einigen Stellen von ISO 8859-1 ab.
Der zweite Schritt - Tastaturanpassung
Wenn Sie nun einen Text in griechischer oder kyrillischer
Schrift eingeben möchten, dann wäre das zwar mit den bisher
vorgestellten Mitteln (mit Hilfe des WinWord-Befehls
Einfügen Sonderzeichen) möglich, aber unzumutbar.
Windows 95 muß dazu gebracht werden, die Tastatur so
umzudefinieren, daß sie einer griechischen oder russischen
Schreibmaschine ähnelt. Dies ist möglich, wenn die
"Sprachenunterstützung" (s.o.) installiert ist. Mit der
Menüfolge
EinstellungenSystemsteuerungTastaturund- der Registerkarte
Sprache
können Sie zusätzlich zur deutschen Tastatur weitere
Tastatur-Layouts einrichten (Abb. 7). Wenn Sie
das Kästchen "Tastaturanzeige aktivieren" ankreuzen,
wird das jeweils eingestellte Tastatur-Layout rechts unten in der
Task-Leiste angezeigt. Durch Anklicken dieses Symbols wird ein Menü
eingeblendet, das alle vorgesehenen Tastatur-Layouts zur Auswahl
anbietet (Abb. 8).

Abb. 8: Tastaturanzeige in Windows 95
Damit wissen Sie noch nicht, welche Taste welchem Buchstaben zugeordnet ist. Zu diesem Zweck können Sie sich jedoch leicht eine Tastaturschablone erzeugen, wie ich es in der Abb. 9 für Kyrillisch gemacht habe. Achten Sie darauf, die Tastatur wieder umzuschalten, sobald Sie etwas anderes tun wollen als fremdsprachlichen Text einzugeben. Da das Tastatur-Layout für Windows 95 insgesamt gilt, können beispielsweise seltsame Dateinamen entstehen.

Abb. 9: Kyrillische Tastatur (Win1251) in Windows 95
Für die praktische Arbeit empfehle ich, einfach ein Stück Haushaltsfolie mit Klebestreifen über die Tastatur zu kleben und die Buchstaben mit permanentem Filzstift darauf zu schreiben. Das funktioniert besser als ich vorher gedacht hätte.
WWW-Dokumente in anderen Sprachen
Die Sprachenunterstützung von Windows 95 steht prinzipiell allen Windows-95-Anwendungsprogrammen zur Verfügung. Das gilt auch für WWW-Browser. Hier gilt allerdings eine einzige Code-Tabelle durchgängig für das gesamte Dokument (In WinWord ist beispielsweise die Verwendung mehrerer Code-Tabellen in demselben Dokument möglich, aber alle kyrillischen und griechischen Buchstaben in diesem WWW-Dokument sind als Grafiken dargestellt.). Beispielhaft soll hier der Netscape-Navigator betrachtet werden, der von den gängigen Browsern die ausführlichste Sprachenunterstützung bietet.

Abb. 10: Menü
"Document Encoding" im Netscape-Navigator
In dem Menü
OptionsDocument Encoding(Abb. 10)
können Sie festlegen, in welcher Sprache (genauer gesagt, mit welcher Codierung, d.h. Code-Tabelle) die Dokumente angezeigt werden sollen. Eine solche Festlegung gilt für alle Dokumente, die selbst keine Information über die Codierung enthalten. Diese Information - falls überhaupt vorhanden - ist nicht Bestandteil des WWW-Dokuments selbst, sondern wird im Kopf des Nachrichtenpakets vom WWW-Server an den Browser übermittelt. Sie können diese Information aber mit
ViewDocument Info
anzeigen lassen. Unter "Charset:" steht dort die
verwendete Codierung. Der Zusatz "(default)" besagt,
daß die mit "Document Encoding" eingestellte benutzt
wird. Mit der Einstellung der Codierung ist aber noch nicht
festgelegt, mit welcher Code-Tabelle die Information tatsächlich
dargestellt werden soll. Das wird mit
OptionsGeneral PreferencesFontsfestgelegt (Abb. 11).
Hier können für jede Codierung je eine Code-Tabelle für Proportionalschrift und für Nicht-Proportionalschrift festgelegt werden.

Abb. 11: Font-Auswahl für die verschiedenen Codierungen im Netscape-Navigator
Wenn Sie auf diese Weise für Griechisch, Kyrillisch und Osteuropäisch passende Fonts definiert haben, dann können sie duch Anklicken jeweils die erweiterte ASCII-Tabelle mit den entsprechenden Zeichen anzeigen lassen.
Besonderheiten bei der kyrillischen Schrift
Während es beispielsweise für Griechisch (genauer: für die für Neugriechisch benutzte Schrift) eine allgemein verwendete Code-Tabelle gibt, ist die Situation bei Kyrillisch leider komplizierter. Neben der zwar von der ISO standardisierten aber nahezu bedeutungslosen Code-Tabelle ISO 8859-5 gibt es unter Windows die Code-Tabelle Win1251 (die auch der russischen Version von Windows 95 als Codepage 1251 zugrunde liegt) und außerdem die im gesamten Gebiet der früheren Sowjetunion weitgehend verwendete Tabelle KOI8-R. Die oben beschriebenen Einstellungen beziehen sich alle auf Win1251. WWW-Dokumente werden häufig alternativ in Win1251 und KOI8-R angeboten. Falls ein Dokument nur in KOI8-R vorliegt, können Sie es entweder umwandeln lassen (dazu gibt es einen kostenfreien Service im WWW [7]) oder eine entsprechende Font-Datei installieren und in Netscape zur Verfügung stellen, wie im vorigen Abschnitt beschrieben. Solche Font-Dateien sind auch im WWW verfügbar [1, 3].
Electronic Mail
Bei E-Mail werden sowohl auf der Sender- wie auch auf der
Empfängerseite ganz unterschiedliche Betriebssysteme und
Mail-Programme eingesetzt. Manche dieser Programme (und der
zwischengeschalteten Übertragungsprogramme) erlauben nur die
Übertragung von 7-Bit-Zeichen. In diesem Fall kann nur die linke
Hälfte der ASCII-Tabelle verwendet werden. Texte, die weitere
Zeichen enthalten, müssen so umcodiert werden (z.B. mit
uuencode), daß sie nur 7-Bit-Zeichen enthalten.
Absender und Empfänger müssen sich über das verwendete Verfahren
einigen.
Wenn vom Absender bis zum Empfänger durchgängig 8-Bit-Übertragung gewährleistet ist, kann die volle ASCII-Tabelle verwendet werden, und die Übertragung von griechischen oder kyrillischen Buchstaben ist möglich. Hier spielt der Code KOI8-R eine besondere Rolle, denn dieser ist so eingerichtet, daß das Weglassen des achten Bits aus jedem kyrillischen Buchstaben den entsprechenden lateinischen Buchstaben macht (einige werden zu Sonderzeichen). Damit bleibt der Text einigermaßen lesbar.
Hier tritt aber ein neues Problem auf, denn unter Windows 95 ist KOI8-R überhaupt nicht vorgesehen, und damit ist auch keine Tastaturanpassung nach der oben beschriebenen Methode möglich. Sie müssen ein neues Tastatur-Layout installieren (s.u.).
Abgesehen davon, erlauben es die mir bekannten E-Mail-Programme auch nicht, einen anderen Font am Bildschirm darzustellen. Hier können Sie sich aber mit einem kleinen Trick helfen. Sie geben den Text in WinWord oder WritePad mit russischem Tastatur-Layout ein und kopieren ihn über die Zwischenablage in das Fenster des E-Mail-Programms. Dann werden zwar am Bildschirm die Zeichen wie in Abb. 1 dargestellt, wenn der Empfänger aber ein "richtiges" KOI8-R-fähiges E-Mail-Programm hat, wird er den Text sofort lesen können.
Der dritte Schritt - Installation eines neuen Tastatur-Layouts
Dieser Schritt erfordert einen tieferen Eingriff in das
Betriebssystem, den Sie nur auf Ihrem eigenen PC durchführen
sollten. Er ist erforderlich, wenn Sie ein Tastatur-Layout benutzen
wollen, das in Windows 95 nicht vorgesehen ist, z.B. KOI8-R. Ein
solches Tastatur-Layout finden Sie im WWW [2]. Ausgehend von diesem
WWW-Dokument können Sie zwei Dateien auf Ihren PC übertragen:
kbdr8.kbd und koi8-kbd.reg. Die erste muß
in das Unterverzeichnis System des
Windows-Verzeichnisses kopiert werden. Die zweite Datei muß mit
Hilfe des Registrierungseditors in die Systemregistrierung
importiert werden. Dazu starten Sie mit
StartAusführen
das Programm regedit.exe und wählen im
Dialogfenster dieses Programms
RegistrierenRegistrierungsdatei importieren
Vorher muß die Datei koi8-kbd.reg aber noch um
zwei Zeilen ergänzt werden, so daß sie den folgenden Inhalt
hat:
REGEDIT4
[HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\control\keyboard layouts\00000819]
"layout file"="kbdr8.kbd"
"layout text"="Russian (KOI8-R)"
[HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\control\Nls\Locale]
"00000819"="Russisch (koi8-R)"
Es gibt sogar die Möglichkeit, ein ganz neues Tastatur-Layout zu erzeugen [8].
Ausblick
Dieser Artikel zeigt, daß die Darstellung und Verarbeitung von Texten in verschiedenen Schriftsprachen keineswegs selbstverständlich und - soweit überhaupt möglich - noch mit vielen Unzulänglichkeiten behaftet ist. Zum Teil liegt dies daran, daß auch mit acht Bits eben nur maximal 256 Zeichen dargestellt werden können. Darüber hinaus sind komplizierte Vereinbarungen über die Belegung der 256-Zeichen-Tabelle erforderlich. Abhilfe soll hier ein neuer allumfassender Code schaffen, der jedes Zeichen mit 16 Bits verschlüsselt. Dieser sogenannte "Unicode" wird von dem gleichnamigen Konsortium entwickelt [9]. Das Unicode-Konsortium wird von mehreren großen DV-Herstellern gebildet. Die Infrastruktur für Unicode ist bereits in Windows NT und in Java enthalten. Windows 95 sollte ursprünglich auch auf Unicode basieren. Dieses Vorhaben wurde aber in der endgültigen Version fallen gelassen.
Weiterführende Informationen
Im WWW stehen zu einigen Aspekten des vorgestellten Themenbereichs zusätzliche Informationen zur Verfügung:
- [1]
- Ausführliche Informationen zum Code KOI8-R:
http://www.nagual.pp.ru/~ache/koi8.html - [2]
- Tastaturanpassung zum Code KOI8-R:
http://www.lvnet.lv/~iva/w95/r/koi8kbd.html - [3]
- Weitere kyrillische Font-Dateien:
http://www.funet.fi/pub/culture/ russian/0_FAQ/0ttfonts_on_the_net - [4]
- Association for Font Information Interchange (AFII):
http://www.isc.rit.edu/~afii/ - [5]
- Zeichensätze für viele Sprachen:
http://www.knowledge.co.uk/xxx/mpcdir/inetsite.htm - [6]
- Paul's Guide to Cyrillic for Windows 95 (enthält
ausführliche Information über Varianten, wie z.B. Ukrainisch):
http://www.netsight.net/~ryba/cyrillic/ - [7]
- Umwandlung zwischen verschiedenen kyrillischen Codes:
http://funnelweb.utcc.utk.edu/~isandler/cyrconv.html - [8]
- Janko's Keyboard Generator:
http://solair.eunet.yu/~janko/engdload.htm - [9]
-
Homepage des Unicode-Consortiums:
http://www.stonehand.com/unicode.html
Fußnoten:
- Die meisten Codes waren mit zwei Bedeutungen belegt, je nachdem ob sich das System im Zustand "Buchstaben" oder im Zustand "Ziffern und Sonderzeichen" befand. Zum Umschalten zwischen den beiden Zuständen waren zwei spezielle Codes vorgesehen. (zurück zum Text)
- Genau genommen werden in der ttf-Datei die Parameter von Bézier-Splines und weitere Angaben zur Berechnung der Kurven, die die jeweiligen Buchstaben bilden, gespeichert. (zurück zum Text)
![[HRZ-Logo; anklickbar] [HRZ der JLU Gießen]](/hrz/bilder/hrzlogo6.gif)
![[JLU-Logo mit Wappen; anklickbar] [JLU-Logo mit Wappen; anklickbar; alt+j]](/hrz/bilder/jlu-logo.png)
