PostScript am HRZ
Jürgen Obermann, HRZ, 05.10.2004In diesem Dokument wird die Seitenbeschreibungssprache PostScript kurz vorgestellt, es werden die Möglichkeiten zur Ausgabe von PostScript-Dateien am Hochschulrechenzentrum (HRZ) auf Bildschirmen, schwarzweißen und farbigen Laser- und Tintendruckern und Filmbelichter beschrieben und Tipps zur Korrektur bei Fehlern angegeben.
Inhalt
- Die Sprache PostScript
- Vorschau am Bildschirm
- Ausgabe auf Drucker
- Korrektur von PostScript-Programmen
Die Sprache PostScript
PostScript wurde von der Firma
Adobe Systems Incorporated entwickelt, um den Inhalt einer Seite, die auf einem rasterorientierten Gerät ausgegeben werden soll, in Form von graphischen Elementen und ihrer Lage zu beschreiben. Die PostScript-Dateien enthalten mathematische Darstellungen von graphischen Objekten, die beliebige Figuren, gerasterte Bilder, gemalte Elemente und Texte sein können. Da die Seiten mathematisch beschrieben werden und nicht von den Eigenschaften des Ausgabegeräts wie etwa seiner Auflösung abhängen, können PostScript-Programme unabhängig vom Ausgabegerät sein.
Typischerweise werden PostScript-Dateien von anderen Anwendungsprogrammen erzeugt und an einen PostScript-Interpreter weitergegeben, der ein gerastertes Bild der Seiten erstellt, und der traditionellerweise in der Hardware eines PostScript-fähigen Druckers vorhanden ist.
Die hervorstechendsten Merkmale der Programmiersprache PostScript sind:
- sie ist eine vollständige, Stack-orientierte Programmiersprache;
- sie enthält Variablen und Operatoren, die zu komplexeren Prozeduren und Funktionen zusammengestellt werden können;
- sie enthält ausgezeichnete Text- und Graphik-Ausgabemöglichkeiten mit Unterstützung von Linien- und Raster-Graphik.
Interpreter für PostScript
Damit sichtbare Bilder aus einem PostScript-Programm entstehen, muss ein PostScript-Interpreter das PostScript-Programm abarbeiten und die Seiten in der für das Ausgabegerät passenden, gerasterten Form erzeugen. PostScript-fähige Laserdrucker z.B. besitzen einen in das Gerät eingebauten Interpreter. Auf den Rechnern des HRZs stehen folgende Interpreter für PostScript zur Verfügung:
- Innerhalb der Public-Domain-Software gibt es für UNIX-Workstations und PCs mit DOS/MS-Windows den PostScript-Interpreter GhostScript, der diverse Ausgabegeräte unterstützt, und den dazugehörigen interaktiven Betrachter GhostView bzw. Gsview.
- Display-Postscript (DPS) ist eine Erweiterung im Display-Server des X-Window-Systems, die zur Darstellung von PostScript auf dem Bildschirm dient.
Konverter von Text nach PostScript
Zur schönen Ausgabe von einfachen Texten, die im ASCII-Format vorliegen, auf einem PostScript-Drucker muss erst eine Umwandlung der Ascii-Datei in ein richtiges PostScript-Programm vorgenommen werden. Dazu gibt es einige Konvertierungsprogramme, z.B.:
- Enscript ist ein sehr vielseitiges Konvertierungsprogramm, das als Public-Domain-Programm auf allen UNIX-Workstations des HRZs vorhanden ist.
Weitere Informationen zu PostScript-Software unter UNIX finden Sie unter 'lokale UNIX-Software / PostScript'.
Vorschau am Bildschirm
Die Vorschau (engl. preview) von PostScript-Dateien an einem Bildschirm, bevor sie gedruckt werden, dient zur Kontrolle, ob auch alles so ist, wie es sein soll. Das spart im Fehlerfall viel Zeit und Papier und damit auch Geld.
Die Vorschau kann auch zum Lernen der Sprache PostScript eingesetzt werden, indem kleine Beispiele mit einem beliebigen Texteditor eingegeben und mit dem Vorschau-Programm dargestellt werden.
Die folgenden Kommandos können zum Betrachten von PostScript-Dateien am Bildschirm verwendet werden:
- ghostview kann an allen Workstations des Sun-Clusters eingesetzt werden.
Ausgabe auf Drucker
Für die Ausgabe von PostScript-Dateien können im HRZ mehrere schwarzweiße Laserdrucker, zwei farbige Laserdrucker, ein großformatiger Farbdrucker und ein Filmbelichter verwendet werden. (Weitere Informationen zum Drucken finden Sie unter 'Zentrale Netzwerkdrucker im HRZ'.)
Schwarzweiß-Laserdrucker
Im Rechnerraum des HRZs befinden sich zwei schnelle, hochauflösender Laserdrucker der Typen Lexmark Optra T610 und Lexmark Optra S2450, die das Papier von beiden Seiten bedrucken können.
Die technischen Merkmale der Modelle sind weitgehend gleich. Sie verarbeiten nur Papier in dem Format DINA4 bei einer Auflösung von 600 Punkten pro Zoll (dpi=dots per inch). In den PostScript-Einheiten Points (entspricht 1/72 Zoll) beträgt die Seitengröße einer DINA4-Seite 595 x 842 Points (horizontal x vertikal). Da aus technischen Gründen beim Drucken ein Rand frei bleiben muss, ist z.B. bei den Lexmark-Druckern nur der Bereich mit der linken, unteren Ecke bei (10,12) Points und der rechten, oberen Ecke bei (588,829) Points nutzbar, woraus sich eine effektive Seitengröße von 4.828 x 6.814 Bildpunkten (Pixel) ergibt.
Pro Bildpunkt wird bei schwarzweißen Laserdruckern nur 1 Bit zur Speicherung der Information schwarz oder weiß benötigt. Farben und Grauwerte werden als schwarzweiße Punktemuster dargestellt, die Grauwerte in 128 Stufen ergeben. Das Datenvolumen für eine DINA4-Seite auf dem Lexmark-Drucker ergibt sich aus den obigen Merkmalen zu 4.828 x 6.814 = 32.897.992 Pixel oder 4.112.249 Bytes, also zu cirka 4 Megabyte.
Empfehlung: Wegen des besseren Durchsatzes und der papiersparenden Ausgabe von zwei Seiten auf Vorder- und Rückseite eines Blattes sollten bevorzugt die Drucker Lexmark Optra T610 oder Lexmark Optra S2450 im beidseitigen Druckmodus verwendet werden.
Technische Daten
Lexmark Optra T610, Lexmark Optra S2450
- Auflösung: 600 dpi
- Farbe: 1 Bit/Pixel, 128 Graustufen
- Druck: einseitig oder zweiseitig
-
Seitenformat DINA4
- Größe: 595 x 842 Points
- nutzbarer Bereich: von (10,12) bis (588,829) Points
- effektive Bildgröße: 4.828 x 6.814 Pixel
- Datenvolumen pro Seite: 4.112.249 Bytes
- Kosten: 0,05 EUR pro Seite
Farbdrucker
Für farbige PostScript-Dateien können ein Laserdruckersystem Canon CLC3200 und ein Farblaserdrucker des Typs Xerox Phaser 6250DP im Rechnerraum des HRZs verwendet werden. Für größere Formate bis DINA0 (cirka 120 x 87 cm) ist ein Tintenstrahldrucker HP DesignJet 5500 vorhanden, der hauptsächlich nur unter MS-Windows verwendet werden kann (siehe unter 'Farbdrucker HP DesignJet 5500').
Das Laserdruckersystem Canon CLC3200 zur Ausgabe farbiger Vorlagen besteht aus einem digitalen Farbkopierer Canon Colour Laser Copier 3200, der eine Druckersteuerung des Typs EfI-Fiery enthält.
Canon CLC3200
Technische Daten
- Auflösung: 600 x 600 dpi
- Farben: 4 (rot, grün, blau und schwarz) * 8 Bit/Pixel
- Druck: einseitig oder zweiseitig bei DINA4
-
Seitenformat DINA3
- Größe: 842 x 1190 Points
- nutzbarer Bereich: von (8,8) bis (834,1174) Points
- effektive Bildgröße: 6.884 x 9.622 Pixel
- Kosten: 1,00 EUR pro Seite
-
Seitenformat DINA4 und Overhead-Folie
- Größe: 595 x 842 Points
- nutzbarer Bereich: von (8,8) bis (587,834) Points
- effektive Bildgröße: 4.822 x 6.884
- Kosten: 0,50 EUR pro Seite Papier und 1,50 EUR pro Overhead-Folie
Xerox Phaser 6250DP
- Auflösung: 600 x 600 dpi
- Farben: 16,7 Millionen
- Druck: einseitig oder beidseitig
-
Seitenformat DINA4
- Größe: 595 x 842 Points
- nutzbarer Bereich: von (15,15) bis (581,827) Points
- effektive Bildgröße: 4.728 x 6.780 Pixel
- Kosten: 0,50 EUR pro Seite
HP DesignJet 5500
- Auflösung: 600 x 600 dpi, 1200 x 600 dpi
- Farben: 16,7 Millionen, aus 6 Farben Schwarz, Cyan, Magenta, Gelb, Hell Zyan, Hell Magenta
- Druck: einseitig auf diversen Rollenmedien
- maximales Seitenformat Übergröße A0
- weiteres siehe Farbdrucker HP DesignJet 5500
Das Kommando prips
Auf den UNIX-Workstations im HRZ können PostScript-Dateien auf den schwarzweißen Laserdruckern und dem Tektronix-Farbtintendrucker mit dem Kommando prips ausgegeben werden. Der Name prips steht für 'print PostScript'. Das Kommando prips ist ein am HRZ entwickeltes Shell-Skript und besitzt mehrere Vorzüge gegenüber dem Drucken mit dem Kommando lpq:
- Mit prips können Sie mehrere Dateien als einen einzigen Auftrag drucken und dadurch Papier für Titelblätter einsparen.
- Prips erkennt Ascii-Dateien und wandelt sie in PostScript um. PostScript-Dateien müssen mit den zwei Zeichen %! in der ersten Zeile der Datei beginnen, sonst werden sie als Ascii-Datei behandelt und in PostScript konvertiert. Es wird das Kommando enscript zur Umwandlung von ASCII nach PostScript verwendet. Optionen für enscript sind mit der Umgebungsvariablen ENSCRIPT steuerbar.
- Umlaute und Eszet werden korrekt gedruckt .
- Bei allen Warteschlangen werden Titelblätter ausgegeben.
Der Drucker, auf den die Ausgabe mit prips erfolgen soll, kann in der Umgebungsvariablen LPDEST voreingestellt werden. Außerdem kann prips auch in einer UNIX-Pipe verwendet werden. Weitere Informationen finden Sie in der Beschreibung von prips.
Fehlerbehandlung
Wenn eine PostScript-Datei auf einem PostScript-Drucker nicht richtig gedruckt wird, indem z.B. seitenweise der ASCII-Text der PostScript-Datei erscheint, oder gar nichts herauskommt, sind oftmals am Anfang der Datei ein überflüssiges Zeichen oder mehrere überflüssige Zeilen die Ursache. Sie können dies mit einem Editor, der wie z.B der vi auch ASCII-Steuerzeichen anzeigt, prüfen und alles, was in der PostScript-Datei vor der Zeichenkette %! steht, entfernen.
Korrektur von PostScript-Programmen
Bei der Vorschau von PostScript-Dateien am Bildschirm oder auch erst bei der Ausgabe auf einem Drucker kann es sich herausstellen, dass das PostScript-Programm korrigiert werden muss, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Zum Beispiel kann es nötig sein, die Seite um 90 Grad zu drehen, sie zu verkleinern oder zu vergrößern, oder das Bild etwas zu verschieben.
Unter Umständen ist es nicht mehr möglich oder nicht praktikabel, das Anwendungsprogramm, mit dem die PostScript-Datei erstellt wurde, noch einmal mit veränderten Einstellungen laufen zu lassen. Dann muss die Korrektur mit einem beliebigen Texteditor an der PostScript-Datei selbst vorgenommen werden. Dazu empfiehlt sich folgende Arbeitsweise:
Öffnen Sie zwei Fenster, eines mit einem Vorschau-Programm, z.B. mit ghostview, und ein weiteres mit Ihrem Lieblingseditor, z.B. mit vi. Sie können dann in dem Editor-Fenster die PostScript-Datei bearbeiten und speichern und danach sofort in dem Vorschau-Fenster prüfen, ob Ihre Korrekturen in Ordnung sind.
Die meisten hier angegebenen Korrekturen, die eine Seite als ganzes betreffen, müssen Sie in der PostScript-Datei an der richtigen Stelle anbringen. Das ist immer hinter den einführenden Kommentaren am Anfang der Datei, die Sie an den zwei Prozentzeichen am Zeilenanfang erkennen können, und vor der Ausgabe der betreffenden Seite.
Drehung von Quer- auf Hochformat
Die Drucker geben die Seiten immer im Hochformat (Orientierung Portrait) aus. Wenn Sie eine Seite im Querformat (Orientierung Landscape) entworfen haben, muss sie vor der Ausgabe um 90 Grad gedreht werden.
Die folgenden zwei Zeilen, die Sie hinter den einleitenden Kommentaren (erkennbar am Prozent-Zeichen am Zeilenanfang) aber vor dem eigentlichen Bild in der PostScript-Datei einfügen müssen, verschieben bei einer A4-Seite den Ursprung des Koordinatensystems von der linken, unteren Ecke an die rechte, untere Ecke und drehen das Bild um 90 Grad entgegen dem Uhrzeigersinn:
595 0 translate 90 rotate
Bei einer Seite im Format A3 lauten die zwei Zeilen:
842 0 translate 90 rotate
Vergrößern von A4 auf A3
Der Farblaserdrucker kann Seiten in den DIN-Formaten A3 und A4 drucken. Wenn Sie eine Seite, die im Format A4 vorliegt, auf A3 vergrößern wollen, können Sie das mit der folgenden Zeile (hinter den einleitenden Kommentaren, erkennbar am Prozent-Zeichen am Zeilenanfang) erreichen, die eine gleichmäßige Vergrößerung des Bildes um den Faktor 'Wurzel aus 2' bewirkt.
1.4142 1.4142 scale
Verschieben
Wenn Sie ein Seite als ganzes auf dem Papier verschieben wollen, z.B. um sie genau in die Mitte zu legen oder weil ein Stück am Rand abgeschnitten wurde, können Sie mit dem Betrachter GhostView die alte und die neue Position eines Punktes auf der Seite messen, indem Sie mit dem Mauszeiger auf dem Bildschirm die entsprechenden Stellen anfahren und die zugehörigen Koordinaten in der linken, oberen Ecke des Fensters ablesen.
Die Differenz der beiden Punkte ergibt den Verschiebungsvektor. Tragen Sie mit dem Texteditor den Verschiebungsvektor in die PostScript-Datei ein (wieder hinter den einleitenden Kommentaren, erkennbar am Prozent-Zeichen am Zeilenanfang). Die folgende Zeile verschiebt die Seite um 50 Einheiten nach rechts und 100 Einheiten nach oben (eine Einheit ist 1/72 Zoll):
50 100 translate
![[HRZ-Logo; anklickbar] [HRZ der JLU Gießen]](/hrz/bilder/hrzlogo6.gif)
![[JLU-Logo mit Wappen; anklickbar] [JLU-Logo mit Wappen; anklickbar; alt+j]](/hrz/bilder/jlu-logo.png)
