Der Krieg der Generationen oder Wer kriegt hier was?
Man muß ihn sich wohl nicht so vorstellen, daß die Rentner mit Golfschlägern und die
Jugendlichen mit Baseballschlägern aufeinander losgehen - den Krieg der Generationen.
Krieg heißt zunächt einmal - im Sinne des Wortes kriegen -: Wer kriegt was? Wer wird sich
das meiste vom Sparschwein sichern können?
Das Problem ist wohl, das wir das Ende des Generationenvertrages begreifen müßen als etwas das
zusammenhängt mit dem Ende der Industriegesellschaft - das wir erleben -. Diese Stürzt ab und
reißt den Generationenvertrag mit sich in den Abgrund. Dieser Generationenvertrag war gegründet
auf viele junge Menschen, die einen Beruf haben. Beides haben wir nicht mehr:
Nicht mehr viele junge Menschen und nicht mehr viele Jobs. Diese Tatsache wird den
Generationenvertrag ins Schwanken bringen und vielleicht werden dann die Fraktionen deutlicher
zu Tage treten, die sagen: Seht dort, die gierigen Greise und Ach da, die faulen
Jugendlichen.
Aber genauer betrachtet läßt sich feststellen, daß genau das schon eingetreten ist.
Wir scheinen keine andere Ebene mehr zu haben, als die Auseinandersetzung um Geld. Europa
beispielsweise wird gerade um eine Bank herum gebaut und nicht um eine Idee oder um eine Moral.
Und auch andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen spielen sich nur noch auf der Ebene von
Haushaltsplänen ab. Die alten Begriffe, wie Solidarität und Gemeinwohl verpuffen. Die
Gesellschaft wird zum Kuchen, bei dem es darum geht sich möglichst viel davon abzuschneiden.
Die Beziehungen zwischen den Generationen - einmal in Dimensionen von Moral und Gemeinwohl
gedacht und als Generationenvertag bezeichnet - werden zur Tortenschlacht.
Junge Menschen werden in Zukunft ein Projektleben führen, das von kleineren, kürzeren
Berufstätigkeiten zu anderen trägt und werden - in der Mehrzahl - niemals solche
Pensionsansprüche erwerben können, wie das für die Generation ihrer Väter mehr oder weniger
eine Selbstverständlichkeit war. Und genau das ist etwas, das den Konflikt zwischen
Älteren und Jüngeren anheizen dürfte.
Die Alten haben vorerst gesiegt. Sie haben Schlüsselpositionen besetzt und ihre Zahl wächst
unaufhörlich. Sie haben die schleichende Vernichtung der Lebensgrundlagen eingeläutet.
Die Jungen müßen die Renten und Intensivstationen bezahlen und ein vergiftetes Erbe antreten.
Aus dem alten Generationenvertrag droht ein Krieg zu werden.