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1. Einleitung:

Beginnen möchte ich diesen Text mit einem Zitat über Botswana aus dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Dieses Land ist selbst nach europäischen Maßstäben wirklich demokratisch, versicherte der deutsche Botschafter Herman Kröger. Damit nicht genug: Die Währungsreserven des Landes sind - relativ betrachtet - größer als diejenigen Deuschlands. In den 80er Jahren verzeichnete es das höchste Wirtschaftswachstum der Welt, Hungerkatastrophen hat es nie gekannt, seine Armee ist diszipliniert, politische Gefangene gibt es ebensowenige wie ethnische Konflikte. Nicht ein Märchenland in Afrika wird hier beschrieben, sondern die reale Schweiz des Kontinents: Botswana1". Der Sprung Botswanas in die Moderne scheint also vollkommen und geglückt zu sein. Der Staat der Jäger und Sammler sowie der Viehhirten hätte sich demnach in nur gut 30 Jahren von der "Steinzeit" in die "Moderne" katapultiert. Glaubte man diesen Worten, müßte man davon überzeugt sein. Doch das nicht alles Gold ist was glänzt, hat sich beim Besuch des Landes unserer Projektgruppe im März/April 1995 gezeigt, der letztlich auch ausschlaggebend für diese Arbeit war.

Begonnen werden soll dieser Text mit einer allgemeinen Einführung in die Geographie und Geschichte des Landes vor, während und nach der Kolonialzeit. Der eigentliche Sprung in die Moderne findet seinen Ausdruck unter dem Punkt "Gesellschaft im Wandel". Hier wird deutlich gemacht, wie sich das traditionelle gesellschaftliche Leben der Tswana-Staaten strukturierte und organisierte. Anhand von den Veränderungen des Wohnungsmusters und des Lebens im traditionellen Dorf, in den Anbaugebieten und am Cattle Post wird deutlich, was geschieht, wenn die traditionelle Dorfgemeinschaft mit der modernen Entwicklung zusammentrifft, und welche Auswirkungen es auf die gesellschaftlichen Strukturen hat. Aber nicht nur die Dorfgemeinschaft hat ihre Probleme mit den Transformationsprozessen. Auch der Staat und die Ökonomie müssen sich den Entwicklungen anpassen. Ein besonderer Aspekt von staatlicher Seite ist, daß es bisher nicht gelang, die immensen Einkünfte aus den Diamantenexporten gerecht unter der Bevölkerung zu verteilen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander und hat im letzten Jahr die Weltspitze noch vor Brasilien eingenommen. Die hohe Konzentration der Einkünfte aus dem Diamantengeschäft und die fehlende Diversifizierung der Wirtschaft schafft einseitige Abhängigkeiten, die die Wirtschaft anfällig macht. Aufgrund der fehlenden Diversifizierung steigt die Arbeitslosenquote und es kommt immer häufiger zu sozio-ökonomischen Spannungen in der Bevölkerung. Zusammengefaßt heißt das, daß es zwar einerseits ein rasantes Wirtschaftswachstum, finanziellen Reichtum und eine Mehrparteiendemokratie gibt, es aber andererseits noch nicht gelungen ist, Entwicklung und Wohlstand für alle zu ermöglichen.

Doch nicht nur die Wirtschaft ist in Botswana von größter Wichtigkeit. Ohne Wasser ist im Kalahari-Staat Botswana keine Entwicklung möglich. Doch auch der Umgang mit Wasser hat sich seit 1930 erheblich verändert. Zu Beginn des 4. Kapitels wird der traditionelle Umgang mit der periodisch immer wieder auftretenden Dürre beschrieben, und wie sich die Viehzüchter und Ackerbauern dagegen schützten. Auch in der "Moderne" ist für den Staat die Verteilung der begrenzten Wasserreserven eine große Aufgabe. Besonders die ganzjährig gesicherte Wasserversorgung der immer größer werdenden Städte, aber auch die Versorgung der Kleinstsiedlungen auf dem Land stellt eine große Herausforderung dar. Doch auch der "moderne Staat" muß mit den periodischen Dürren auskommen und geeignete Wege finden, um Verteilungskämpfe und Hungerkatastrophen zu verhindern. Diesbezüglich wird das staatliche Dürreprogramm mit seinen Vor- und Nachteilen vorgestellt. Das größte Wasserreservoir in Botswana ist der Okavango und das Okavango-Delta. Es verfügt über ungeheure Mengen des begehrten Wassers. Doch leider - oder zum Glück - ist es auch eines der letzten Gebiete afrikanischer Wildnis mit einer wunderbaren Flora und Fauna. Hierdurch entstehen bei Wassermangelsituationen natürlicherweise auch Nutzungskonflikte. Einerseits soll das Delta erhalten bleiben, anderseits soll aber auch das Wasser für die Versorgung von Mensch, Vieh und Industrie genutzt werden.
Abschließend wird noch auf die Veränderungen der gesamten Region des südlichen Afrikas eingegangen. Die Region hat sich seit Beginn der 90er Jahre stark gewandelt. Nach der Unabhängigkeit Namibias, der Friedensverträge in Angola und Mosambik und den ersten freien Wahlen in Südafrika verbunden mit dem Fall der Apartheid, besteht die Möglichkeit, daß in der chronischen Krisenregion Frieden einkehrt, was für die gesamte Region positive Impulse bringen kann.

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