2.1. Geographischer Überblick
Die Republik Botswana ist mit 582.000 km2 flächenmäßig etwa so groß wie Frankreich oder Kenya. Sie liegt im Herzen des südlichen Afrikas, Zambesi im Norden und Limpopo und Molopo im Südosten, und grenzt an die Staaten Südafrika, Namibia, Zimbabwe und Zambia. Mit einer Einwohnerzahl von 1,44 Mio.Menschen (1993, ca. 2 Einwohner pro km2)2 ist es damit eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt. Botswana hat keinen Zugang zum Meer; die Häfen der Nachbarstaaten sind mindestens 500 km entfernt. Das trockene Hochland (800-1300m ü.NN) ist überwiegend flach oder sanfthügelig, mit gelegentlichen Felsanhäufungen und Kuppen. Den weitaus größten Teil des Landes (80%) bildet die Kalahari, ein oft fälschlich als Wüste bezeichnetes Gebiet, in Wirklichkeit aber eine Baum- und Buschsavanne, die eine Vielfalt von Flora, Fauna und menschlichen Lebensformen ermöglicht. Die Kalahari ist ein mit Sand gefülltes Becken, das in der Magkadikgadi-Senke seinen tiefsten Punkt hat und im Westen und Osten durch etwas höhere Hügelketten begrenzt wird. Die Sandbedeckung variiert zwischen einigen Metern und mehr als 200m. Die Vegetation reicht von Gras- und Buschsavanne zu Busch- und Baumsavanne je nach Durchfeuchtung des Bodens. Das Klima Botswanas ist kontinental und semi-arid; das bedeutet heiße Sommer mit erratischen Regenfällen in der Zeit von Oktober bis März/April und trockene kühle Winter. Die Luftfeuchtigkeit ist generell sehr gering. Regenfälle variieren zwischen weniger als 250 mm (Jahresmittel) im Südwesten und bis zu mehr als 650mm im Nordosten. 90% der Regenfälle fallen in den heißen Sommermonaten von November bis April. Wiederkehrende anhaltende Dürreperioden sind eine permanente Realität, die die Geschichte und Entwicklung Botswanas mitbedingt. Da Botswana außer dem Okavango und dem Chobe im Norden kein ganzjährig verfügbares natürliches Oberflächenwasser hat, muß der Wasserbedarf von Siedlungen und Städten durch künstlich angelegte Oberflächendämme, die das Wasser kurzzeitig fließender Flüsse aufstauen, und die Anbohrung von Grundwasser gedeckt werden.3
Natürlicher
Reichtum und Bodenschätze:
Über die Kalahari hinaus sind Botswanas
markanteste landschaftliche Formationen das Okavango-Delta im Nordwesten
und der
nach Osten anschließende Uferstreifen am Chobe, der am Vierländereck
- Namibia, Botswana, Zambia und Zimbabwe - in den Zambesi mündet. Der
Okavango (siehe 4.5.), einer der großen Flüsse Afrikas, entspringt
im
regenreichen Hochland Angolas. Er wird in seinem Fluß nach Süden
durch eine Verlängerung des großen ostafrikanischen Grabensystems
in
Botswana blockiert und versickert in einem einzigartigen Binnendelta im Sand
der
nordwestlichen Kalahari. Das Delta bedeckt mit seinen unzähligen
Kanälen,
Sümpfen und Schwemmflächen, Seen und Inseln ein Gebiet von
ca.15.000km2 (entspricht der Größe des Nildeltas). Die Vegetation
in
diesem Delta zeigt alle Übergänge zwischen Baum- und Buschsavanne,
Palmenhainen und üppigen tropischem Feuchtpflanzenbewuchs, wie Papyrus,
und
bietet einen ganz eigenen Lebensraum für Vögel, Wild- und Wassertiere.
Doch nicht nur das Okavango-Delta bietet den zahlreichen Wildtieren einen
hervorragenden Lebensraum. Aus diesem Grund ist der große Bestand an
Wildtieren auch bei den Ressourcen als eine der Wichtigsten zu nennen. Es
gibt
in Botswana riesige Herden von Wildtieren wie z.B. Elefanten, Büffel,
Zebras, Affen und verschiedene Antilopenarten und Gazellen, Giraffen, Nilpferde,
Strauße ebenso Raubtiere wie Löwen, Leoparden, Geparden, Schakale,
Hyänen
usw. sowie Vögel, Schlangen und Kleintiere. Besonders häufig, da
sie
geschützt werden und relativ unbehelligt sind, kommen die Wildtiere
in den
insgesamt 8 Nationalparks vor: Chobe National Park, Moremi Wildlife Reserve,
Central Kalahari Game Reserve, Khutse Game Reserve, Gemsbok National Park
und
Makgadikgadi Pans Gama Reserve. In den Zeiten, in denen in der Kalahari das
Oberflächenwasser verdunstet ist, ziehen die Herden zum Okavango-Delta.
Dabei geraten sie, was Wasser und Weideland anbelangt, immer häufiger
in
Konkurrenz mit den Rinderherden, einem weiteren Reichtum des Landes. Die
Rinderhaltung nimmt traditionellerweise einen wichtigen Platz in Botswana
ein.
Rinder sind vor allem Fleisch-, z.T. auch Milchlieferanten, aber auch
Statussymbol und Altersversorgung. Seit der Kommerzialisierung der Rinderhaltung
stellen große Herden einen hohen kommerziellen Wert dar, was zu einem
immensen Anwachsen der nationalen Rinderherde (das Doppelte der
Bevölkerungszahl)
geführt hat. Da aber nur ca. 20% des Landes als Weideland nutzbar sind,
kommt es seither im hohen Maß zu Überweidungen der Gebiete bzw.
zur
Ausdehnung des Weidelandes in vormals geschützte oder nur mangelhaft
geeignete Gebiete, welche sehr schnell veröden können.
Botswana
ist aber nicht nur reich an Wildtieren, Rindern und anderen Nutztieren (Ziegen
und Esel), sondern vor allem an Bodenschätzen. Der Abbau von Diamanten,
Kupfer, Nickel und Kohle macht das Land zu einem auf dem Weltmarkt interessanten
Rohstofflieferanten. In geringem Ausmaß findet man Soda-Salz, Pottasche,
Eisenerz, Asbest, Gold und Gips. Der Osten Botswanas ist geologisch gut
erforscht, man vermutet aber vor allem unter dem Sandboden der Kalahari weitere
Vorräte an Kupfer, Mangan, Zink, Uran und Öl. Guter Ackerboden
ist in
Botswana jedoch kaum vorhanden, man schätzt, daß nicht einmal
5% des
Landes für Ackerbau geeignet ist; der unregelmäßige, oft
ganz
ausbleibende Regen macht Landwirtschaft außer Viehhaltung zu einer
unsicheren und recht anfälligen Sache. Dennoch werden im Ostteil des
Landes
Sorghum, Mais, Hirse, Bohnen, Gemüse und Südfrüchte angebaut.
Die
"Kornkammer" liegt im Südosten des Landes, im Gebiet der
Barolong.4
2.2. Die Besiedlung Botswanas
Die Tswana-Staaten Botswanas, so wie sie zum Zeitpunkt der britischen Kolonialisierung Ende des letzten Jahrhunderts bestanden, waren relativ jung. Erst um 1840 - nach den Wirren der "Difaqane"5 - hatten sich die Tswana- Monarchien der Bangwato, Bangwaketse, Bakwena, Bakgatla und Batawana fest in ihren gegenwärtigen Hauptstädten (Agrotowns) - Serowe, Kanye, Molepolole, Muchudi und Toteng - und dem diese umgebenden Land etabliert. Doch die Geschichte des geographischen Gebietes Botswanas ist um einige Jahrtausende älter.Seit über zwei Millionen Jahren bewohnen Menschen bzw. ihre unmittelbaren Vorfahren je nach den vorherrschenden Klimaverhältnissen größere oder kleinere Teile des heutigen Botswana. Wesentlich jünger hingegen sind Funde von zierlichen Werkzeugen mit sorgfältig gearbeiteten Kordeln mit einem Alter von ungefähr 130.000 Jahren. Ihre weite Verbreitung besonders entlang früherer Flußläufe in der Kalahari deutet auf eine feuchte Klimaperiode zu jener Zeit hin. Die nach ihren Fundorten benannten 28.000 Jahre alte "Smithfield"- und die 8.000 Jahre alte "Wilton"- Kultur6 werden durch andere Werkzeugformen charakterisiert. Die winzigen, oft nur einen Zentimeter langen Werkzeuge der Wilton-Kultur fanden als Speerspitzen, Sägen, Sicheln und Handbohrer Verwendung. Ihre Fundorte ergeben aneinandergereiht einen breiten Gürtel von Namibia über das nördliche Botswana bis hinein in das heutige Zimbabwe. Beide, Smithfield- und Wilton-Werkzeuge, fand man zusammen mit dekorierten Werkzeugen aus Knochen, aus Eierschalen gefertigten Perlen, Gewichten und Gravuren. Am bekanntesten sind diejenigen der Tsodilo-Hills westlich des Okavango Deltas. Die Menschen dieser Steinzeiten gelten als Vorfahren der heutigen Buschmänner, der San.
San und Khoe - Jäger und Sammler7:Vor 2000 Jahren war der ganze
südliche
Teil des afrikanischen Kontinents ausschließlich von San bewohnt, einem
Nomadenvolk, dessen Subsistenz auf dem Sammeln wilder Früchte und der
Jagd
beruhte. Während der Kontakt mit bantu-sprachigen Viehzüchtern
und
Bauern8 und die Beschränkung ihres Lebensraums ihre Kultur verändert
haben mögen, so sind doch ihre Überlebenstechniken über
Jahrhunderte bewahrt geblieben. Von diesen Ureinwohnern des südlichen
Afrika leben heute in Botswana noch etwa 40.000 Menschen. Doch nurmehr eine
winzige Minderheit in abgelegenen Gebieten der Kalahari (Namibia und Botswana)
verfolgt heute noch für einen größeren Teil des Jahres ihre
traditionelle Lebensweise.
Über die Khoe ist aus der Zeit, bevor
europäische
Siedler am südafrikanischen Kap der Guten Hoffnung mit ihnen in
Berührung
kamen (um 1600), wenig bekannt. Physische Erscheinung und Sprache deuten
auf
eine nahe Verwandtschaft mit den San hin. Doch unterscheiden sich Khoe-Kultur
in
wesentlichen Aspekten von der der San: sie hielten Rinder und Schafe,
verfügten
über Techniken der Eisenbearbeitung und Tonwarenherstellung und waren
in "Clans"
unter einem jeweiligen lokalen Oberhaupt (headman) organisiert.
Die
frühesten
Siedlungsspuren bantu-sprachiger Bauern und Viehzüchter in Botswana
sind im
Norden, Nord- Südosten gefunden worden - am Chobe 200 n.Chr., in der
Gegend
um Francistown 400 n.Chr., um Molepolole zwischen 700 und 900 n Chr.. Im
Norden
waren diese nach Botswana eingewanderten Völkerschaften
zentralafrikanischen Ursprungs, im Nordosten Shona-Gemeinschaften und im
Südosten
Tswana- und Kgalagadi-Völker aus Südafrika und Transvaal. Somit
lebten
um das Jahr 1200 n.Chr. Jäger und Sammler- Gemeinschaften und
bevölkerungsmäßig
stärkere, ackerbauende und viehzüchtende Dorfstaaten nebeneinander.
Der geographisch weitläufigste und politisch- ökonomisch entwickeltste
Staat dieser frühen Zeit auf dem Boden Botswanas war der von Touswe
-
etabliert zwischen 650 und 1300 n.Chr., mit einer Blütezeit um 1050
n.Chr..9Bakgalagadi und Batswana:Nach dem Niedergang der Toutswe-Tradition
um
1300 und der darauf folgenden Entvölkerung begann um 1500 n. Chr. eine
starke Wiederbesiedlung Botswanans. Sie erfolgte aus zwei Richtungen: 1.
aus dem
Nordosten und 2. die eigentliche Besiedlung Botswanas durch Tswana-Stämme
aus dem Südwesten (Transvaal). Die Gemeinschaften , aus denen sich die
Völker
der Bakgalagadi und Batswana konstituierten, formierten sich zwischen 1200
und
1500 n.Chr. im westlichen Transvaal durch die Herausbildung von
Abstammungslinien und Verbindungen kleiner Gruppen. Mündliche
Überlieferung
führt die Vorfahren der heutigen Batswana und Bakgalagadi10 auf fünf
Stammesgruppen zurück:11 1. Bakgalagadi, wahrscheinlich diejenigen,
die am frühesten die Randgebiete der Kalahari besiedelten, 2.Bafokeng,
3.westliche Batswana, einschließlich der Bahurutse und Bakwena, 4.
südliche
Batswana, einschließlich der Barolong und 5. Bakgatla, einschließlich
der Bapedi im nördlichen und östlichen Transvaal. Zusammenfassend
ist
festzustellen, daß sich mit dem 16. Jahrhundert Tswana-Königreiche
bis in die Ausläufer der Kalahari ausgebreitet, sich um 1800 Batswana-
Stämme
im ganzen Osten Botswanas niedergelassen hatten und im Norden (Francistown),
Westen (Bokspits) und Nordwesten (Ngamiland) vorgedrungen waren. Im Zuge
dessen
waren die kleineren Gruppen und loser organisierten Bakgalagadi verdrängt
oder als abhängige Völkerschaften absorbiert worden. Eine besondere
Bedeutung im Entwicklungsprozeß der Tswana-Staaten kommt den sog. Difaqane
oder Mefcane-Kriegen12 zu. Diese Auseinandersetzungen nahmen ihren Anfang
in der
Zulugesellschaft und den von ihr dominierten Ethnien in Südafrika. Zwischen
1820 und 1840 entwickelten sie sich zu sozialrevolutionären
Veränderungen
im gesamten südlichen Afrika.
2.3. Das Protektorat Bechuanaland - Die Kolonialisierung Botswanas
Die Phase des gesellschaftlichen Neuaufbaus nach den Difaqane-Kriegen ging
einher mit neuen Bedrängungen, einem wachsenden Einfluß christlicher
Missionare und Händler auf die afrikanischen Gesellschaften und einer
damit
verknüpften Verbreitung neuer Technologien (v.a. Gewehre und Pflüge).
Auf der politischen Ebene wurde die Ausbreitung des britischen Imperialismus
im
südlichen Afrika, besonders aber in Form der in den Jahren 1852-54
neugegründeten
Burenrepubliken in Südafrika zu einer ständigen Bedrohung der
Tswanagesellschaften. Letztere führte jedoch auch dazu, daß die
Führer
der Tswana-Staaten (dikgosi) stärker zusammenrückten. So entstand
eine
Allianz zwischen den dikgosi, die zu einem Vorläufer für die
spätere
Einheit der Tswanareiche in einem einheitlichen Botswana wurde. Am 30.9.1885
wurde das Gebiet des heutigen Botswana kurzerhand von der britischen Regierung
zum britischen Protektorat erklärt. Seit den 70er Jahren hatten
Tswana-Führer
bei britischen Missionaren und der Londoner Missionsgesellschaft darauf
gedrängt
einen britischen Schutz gegen die Überfälle burischer Siedler zu
bekommen. Hintergrund für die britische Entscheidung bildeten in erster
Linie jedoch weniger die Gesuche der dikgosi als allgemeine wirtschaftliche
und
politische sowie geostrategische Veränderungen in der Region. Im Jahre
1867
hatten die ersten Diamantenminen im südafrikanischen Kimberley mit der
Produktion begonnen, und in den Jahren 1884-85 wurde Gold im Witwatersrand
entdeckt. Beide Ereignisse sollten die wirtschaftliche und politische Landkarte
des südlichen Afrika nachhaltig verändern. Allein der beginnende
und
erwartende Bedarf an Arbeitskräften für den Berg- und Eisenbahnbau
trug dazu bei, das britische Interesse und insbesondere den Einflußbereich
der den Goldbergbau in Südafrika dominierenden British South African
Company (BSAC) weiter nach Norden auszudehnen. Ebenfalls im Jahre 1884
erklärte
das deutsche Kaiserreich ein Protektorat über Südwestafrika. Die
britische Regierung befürchtete einen Zusammenschluß zwischen
der
deutschen Kolonie und dem mit Deutschland sympathisierenden burischen
Transvaal, was die Straße nach Norden in Ostbotswana zu kappen drohte.
Vor
diesem Hintergrund entschloß sich Großbritannien, Bechuanaland
quasi
präventiv und ohne vorherige Konsultation mit den Tswana-Führern
zum
britischen Protektorat zu erheben.
In der darauffolgenden Zeit errichteten
die Briten ein System der indirekten Herrschaft, das die innergesellschaftliche
Stellung der dikgosi und die bestehenden afrikanischen Institutionen
vordergründig
kaum beeinträchtigte, diese jedoch der Kolonialregierung unterordneten.
Die
geringe Einflußnahme auf die inneren Angelegenheiten der
Tswana-Gesellschaften erklärte sich in erster Linie aus dem britischen
Bemühen,
die mit dem Protektoratsstatus verbundenen Verwaltungskosten möglichst
gering zu halten. So behielten einerseits die dikgosi ihre Richterfunktion
bei,
solange Afrikaner betroffen waren. Andererseits wurden sie jedoch
gewissermaßen
zu Beamten der Kolonialverwaltung. Dies wiederum hatte die Konsequenz, daß
die Macht der Häuptlinge nunmehr in erster Linie von der Kolonialmacht
abhing. Trotz dieser Veränderungen erfreute sich die Tswana-Gemeinschaft
während
der gesamten Kolonialzeit eines im Vergleich zu anderen Kolonien in Afrika
beachtlichen Maßes an Unabhängigkeit. Vor allem behielten sie
die
weitgehende Verfügungsgewalt über ihre wichtigsten Produktionsmittel,
die Rinder und den Boden. Letzterer wurde allerdings durch die Proklamierung
der
Tswana-Territorien zu Nativ Reserves, dem sog. Tribal Land des heutigen
Botswanas, eingeschränkt. Daneben wurden sog. Crownlands und die mit
privaten Eigentumstiteln ausgestatteten Freehold-Farms bzw. Blocks für
die
vorrangige Nutzung durch europäische Siedler ausgewiesen.
Die trotz
der kolonialen Durchdringung relativ erfolgreiche Selbstbehauptung der Tswana-
Gesellschaften konnte indes nicht gravierende strukturelle und wirtschaftliche
Veränderungen auf Dauer verhindern, die Botswana zunehmend in die
ökonomisch-politische
Entwicklung Südafrikas einbeziehen und ihr unterordnen sollte. So bestand
eine enge Verknüpfung zwischen der kolonialen Gesetzgebung und der
Entwicklung Botswanas zu einem Reservoir billiger Arbeitskräfte für
den südafrikanischen Arbeitsmarkt. Wie in anderen Kolonien erwies sich
hierbei auch in Botswana die Erhebung von Steuern als wichtiges Instrument.
Mit
der Einführung der Hüttensteuer13 im Jahr 1899 wurde der Besitz
von
Bargeld für jeden Tswana- Haushalt zu einem Muß. Geldeinnahmen
konnten in erster Linie nur durch den Verkauf von Rindern oder von Lohnarbeit
erzielt werden. Rinder waren meist im Besitz von älteren Leuten, und
Beschäftigungsmöglichkeiten
in Botswana gab es kaum. Dies zwang die meisten jüngeren Männer
-
Frauen waren von der Steuerpflicht ausgenommen -, sich um eine Arbeit in
den
Minen oder auf den Farmen in Südafrika oder Namibia zu bemühen.
Seretse Khama und die Vorbereitung zur politischen Unabhängigkeit
Botswanas:
Zwei Ereignisse des Jahres 1948 gaben der schon zuvor
entstandenen nationalistischen Bewegung in Betchuanaland Auftrieb und
führten
schließlich zur politischen Unabhängigkeit Botswanas. 1. Die Heirat
des Thronfolgers der Bangwato, Seretse Khama, mit der Engländerin Ruth
Williams während seines Jurastudiums in England und 2. Der Wahlsieg
der "National
Party" in Südafrika, der Großbritannien zwang, seine Position
gegenüber der Kolonie und den "High Commission Territories" zu
überdenken.
Unter dem Druck schwarzafrikanischer Führer, englischer Liberaler und
Stellungnahmen internationaler Foren gegen die Apartheid wendete sich in
den
50er Jahren das politische Blatt. Großbritannien gab den
Inkorporierungsplan auf zugunsten der Vorbereitung Bechuanalands auf politische
Unabhängigkeit in relativ kurzer Zeit. Nachdem der Prozeß politischer
Veränderungen einmal begonnen hatte, beschleunigte er sich rasch, bis
es
dann 1965 die ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung gab. Diese gewann
die BDP (Botswana Democratic Party) indem sie 80,4% der Stimmen bei einer
Wahlbeteiligung von 75% aller Wahlberechtigten erzielte. Im September 1966
erhielt die Republic of Botswana volle politische Unabhängigkeit und
Sir
Seretse Khama wurde Botswanas erster Präsident, der er unangefochten
bis zu
seinem Tode 1980 blieb.14Di?e politische Unabhängigkeit verdankt Botswana
in erster Linie den Konflikten zwischen den europäischen Akteuren in
der
Region, Großbritannien und dem Burentum. Deren Widersprüche
vermochten die Führer und Vertreter der Batswana zu ihren Gunsten zu
nutzen. Wiederholt ist es ihnen dabei gelungen, die eigene Position der
Schwäche
und die andauernde Bedrohung von außen zum Instrument politischer
Stärke
zu machen. So wurde der Protektorat-Status, der Bechuanaland zu einer britischen
Kolonie machte, später zu einem wesentlichen Element bei der Erlangung
der
Unabhängigkeit. Das Glück hierbei bestand zusätzlich darin,
daß
die Diamantenfelder erst nach der Unabhängigkeit entdeckt wurden.
2.4. Botswana nach der Unabhängigkeit
Genau 81 Jahre nach der Erklärung zum britischen Protektorat erlangte die Republik Botswana am 30.9.1966 die politische Unabhängigkeit, auf friedliche Weise und ohne Rückgriff auf eine dem anti-konolialen Kampf verpflichtete nationale Volks- oder bewaffnete Befreiungsbewegung. Die Geschichte des Landes läßt sich vereinfacht kennzeichnen: erstens durch ein völlig unerwartetes, in Afrika einmaliges wirtschaftliches Wachstum, das zweitens von einer politischen Stabilität bei gleichzeitiger innenpolitischer Liberalität begleitet ist. Drittens gibt es indes eine sich verschärfende Kluft zwischen der Masse der Armen und einer reichen Elite, die die Stabilität und Liberalität gefährdet und viertens schließlich besteht eine anhaltende Abhängigkeit von Südafrika, wohingegen sich die Bedrohung vor Übergriffen seit der Absetzung des Apartheidsregimes reduzierte. Nach der Übernahme der Regierung durch den ANC in Südafrika, der Unabhängigkeit in Namibia und den freien Wahlen in Mocambique und Malawi, sowie dem Friedensschluß der Bürgerkriegsparteien Angolas im Mai 1995 steht der Region des Südlichen Afrikas und somit auch Botswana eine neue Ära bevor, die für eine Vielzahl von Möglichkeiten offen ist.
Das politische System:
Aufgrund der ökonomischen Umstände und
des
allgemeinen Entwicklungsdefizits zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit spielt
der Staat eine zentrale Rolle im post-kolonialen Botswana.
Botswana ist
eine parlamentarische Republik. Ihre Institutionen basieren auf dem
Westminster-Modell parlamentarischer Regierung, schließen jedoch Züge
der präsidialen Regierungsform ein. Das Parlament ist die legislative
Autorität und besteht aus dem Präsidenten und der Nationalversammlung.
Diese setzt sich aus 34 vom Volk gewählten Mitgliedern, 4 vom
Präsidenten
nominierten Mitgliedern, dem Sprecher, der von den Parlamentsmitgliedern
bestimmt ist und dem Generalstaatsanwalt zusammen. Bis dato waren alle
nominierten Parlamentarier Vertreter der BDP (Botswana Democratic Party),
die
bei allen bisherigen, im Rhythmus von 5 Jahren abgehaltenen allgemeinen Wahlen
die überwältigende Mehrheit der Sitze gewann, obwohl sie bei den
letzten Wahlen im Oktober 1994 empfindliche Verluste durch die Oppositionspartei
BNF (Botswana National Front) hinnehmen mußte. Die oberste Gewalt liegt
beim Parlament, und die Executive ist der Legislative verantwortlich. Doch
modifiziert die Verfassung dieses Verhältnis, indem sie dem
Präsidenten
spezielle Vollmachten einräumt. Er ist oberster Befehlshaber der Armee,
ernennt alle Minister, deren Vertreter und ständigen Sekretäre
sowie
den Vizepräsidenten und hat Vetorecht bei allen Gesetzesvorlagen. Das
Kabinett, bestehend aus Präsident, Vizepräsident und Ministern,
hat
den Präsidenten in allen Fragen der Regierungspolitik zu beraten, und
der
Präsident hat den Kabinettsentscheidungen, von einigen Ausnahmen abgesehen,
zu folgen. Einmal ernannt, sind die Minister individuell verantwortlich.
Das
Kabinett ist kollektiv der Nationalversammlung verantwortlich. Die Judikative
liegt beim High Court (Lobatse) und einer Reihe von Bezirksgerichten. Darunter
gibt es die Maistrate Courts sowie die Customary Courts. Das House of Chiefs
setzt sich zusammen aus den Chiefs der acht Tswana-Stämme, vier unter
den
Subchiefs der Distrikte Chobe, Francistown, Ghanzi und Kgalagadi gewählten
und drei speziell gewählten Mitgliedern. Alle stammesbezogenen
Gesetzesvorlagen müssen dem House of Chiefs zur Diskussion vorgelegt
werden. Die Kammer hat allerdings nur beratende Funktion, doch ist die Stellung
der Chiefs in den Distrikten nicht zu unterschätzen.
Politische Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung:
Neben einem
rasanten Wirtschaftswachstum sind die auffälligsten Merkmale des post-
kolonialen Botswana seine innenpolitische Stabilität und Kontinuität.
Hier mögen historische Faktoren mitspielen wie die relative
stammesmäßige
Homogenität, die Tradition politischer Debatte in der Kgotla, die relativ
schwache kolonialistische Durchdringung und der gewaltlose Übergang
in die
politische Unabhängigkeit (siehe Punkt 3.1.).Aus allen allgemeinen Wahlen
seit 1965 ging die BDP als absoluter Sieger hervor. Sie war über 20
Jahre
unangefochten an der Spitze in Botswana und muß sich erst seit Beginn
der
90er Jahre gegen eine vorallem in den städtischen Zentren stark wachsende
Opposition behaupten. Die BNF erzielte jedoch bei den Wahlen im Oktober 1994
immerhin ein Ergebnis von 38,2% der Stimmen (1989; 26,95%) und 13 Mandate
(1989;
3 Mandate).15 Die ökonomischen Aussichten für Botswana zu Beginn
der
Unabhängigkeit waren hingegen alles andere als positiv. Der Staat war
auf
britische Subventionen angewiesen, um seine laufenden Ausgaben zu decken.
Abgesehen von geringen Rindfleischexporten nach Südafrika und Nordrhodesien
und der kleinen Monarch Gold Mine bei Francistown gab es kaum wirtschaftliche
Unternehmen. Die bestehende Infrastruktur wie Straßennetz und
Eisenbahnlinie im Osten waren nur Erweiterungen des südafrikanischen
bzw.
rhodesischen Netzes. Verarbeitende Industrie gab es praktisch keine. Botswana
gehörte der Rand Monetary Area (RMA) an und war abhängig von den
Zuweisungen aus dem Pool der Zollunion (SACU). Die landwirtschaftliche
Produktionskapazität war begrenzt, die allgemeinen Entwicklungsprobleme
immens. Die politische Ökonomie Botswanas war die eines
Arbeitskräftereservoirs.
Aus diesem Kontext heraus entstand die post-koloniale Wirtschaftsplanung.
Die
Wende trat mit dem Beginn der 70er Jahre ein. Im Finanzjahr 1972/73 war Botswana
zum ersten Mal budgetmäßig unabhängig. Die Entdeckung
substantieller Bodenschätze - Kupfer/Nickel, Kohle, vor allem aber
Diamanten - und deren Bewirtschaftung (Diamantenmine von Orapa, eröffnet
1971, Lethlakane 1977, Jwaneng 1982), die kommerzielle Entwicklung der
Rinderzucht für den Exportmarkt, vor allem des europäischen, die
allgemeine Infrastrukturentwicklung aus Erlösen des Bergbausektors sowie
die Revision der SACU (Southern African Customs Union) 1969 führten
zu
rapidem Wirtschaftswachstum. Was die Höhe des BSP (Bruttosozialprodukt)
betrifft, rangiert Botswana heute unter den wohlhabenderen der
schwarzafrikanischen Länder. Die hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten
und
die beachtlichen wirtschaftspolitischen Erfolge Botswanas täuschen
allerdings über die seit der Unabhängigkeit gewachsenen
Einkommensunterschiede und die noch immer bestehende Armut der Mehrheit der
Bevölkerung
hinweg. Die in den frühen 70er Jahren formulierte duale ökonomische
Strategie unterschied zwischen einem modernen und einem nicht-modernen Sektor.
Sie sah als Basis wirtschaftlichen Wachstums die Entwicklung des Bergbausektors
vor, mit dessen Hilfe der Rest der Wirtschaft modernisiert werden sollte.
Ebenso
sollten die Entnahmen aus dem Bergbau in arbeitskraftintensive Sektoren wie
z.B.
dem Aufbau eines sozialen Versorgungsnetzes und in ländliche
Entwicklungsprogramme reinvestiert werden. Die Vorhaltung physischer und
sozialer Infrastruktur sog in den ersten 15 Jahren nach der Unabhängigkeit
den überwiegenden Teil staatlicher Ressourcen auf. In dieser Hinsicht
ist
sehr viel geleistet worden, v.a. im Gesundheits-, Erziehungs- und Verkehrswesen.
Doch verteilen sich die Ressourcen nicht gleichmäßig über
städtische
und ländliche Gebiete. Abgesehen vom Primärschulwesen, Sicherung
der
Wasserversorgung und Gesundheitsstationen bleiben letztere gegenüber
den städtischen
Zentren benachteiligt. Allerdings ist der BDP-Regierung auch zugute zu halten,
daß sie keine teuren Prestigeobjekte zu ihrer Selbstdarstellung nötig
hatte. In den 80er Jahren hat sich gezeigt, daß die Landwirtschaft
zugunsten der Viehwirtschaft vernachlässigt wurde und verstärkte
Aufmerksamkeit erfahren müsse. Nicht zuletzt die langanhaltenden
Dürrejahre
1980-87, die Jahrhundertdürre 1991/92 und die Dürrejahre 92-94
haben
deutlich gemacht ,daß die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln mangelhaft
ist. Auch bei der Viehwirtschaft werden die natürlichen Grenzen immer
deutlicher, da sehr große Gebiete von der Überweidung bedroht
oder
schon zerstört sind.
Zugleich machte eine stetig steigende
Arbeitslosigkeit die Notwendigkeit deutlich, die Entwicklungsstrategie
stärker
an der Schaffung breitgefächerter Beschäftigungsmöglichkeiten
zu
reorientieren, die unter dem Vorrang der Infrastrukturerstellung nach der
Unabhängigkeit
völlig ungenügend waren. Entsprechende Programme dazu und eine
gezielte Industrialisierungsstrategie sind formuliert worden, um die Wirtschaft
durch den Aufbau inländischer Industrien auf eine breitere, weniger
anfällige
und stärker inlandsbezogene Basis als Diamanten- und Fleischexporte
zu
stellen.
Sicherlich ist es der Regierung Botswanas durch eine effiziente
Wirtschaftspolitik gelungen dem Land ein Wirtschaftswachstum beschert zu
haben,
welches auf dem Kontinent einmalig ist, doch konnten bisher bei weitem nicht
alle Probleme zur Zufriedenheit gelöst werden. Doch stehen dem Land
und der
gesamten Region, seit der Unabhängigkeit Namibias, der Friedensbestrebungen
Mocambiques und Angolas und nicht zuletzt der Veränderungen in
Südafrika
neue Möglichkeiten zur Verfügung, auch wenn die Wirtschaftskraft
Botswanas in den Jahren 89-94 stagnierte.
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