Das Motiv / Thema der Bibliothek in der fiktionalen Literatur

 

Prof. Dr. Dietmar Rieger
Martina Bork
Dr. Kirsten Dickhaut

Projektbeschreibung
e-mail Adressen
Publikationen



 
 
 
 
 
 
 
 
 

Projektbeschreibung
Das von der DFG finanzierte Forschungsprojekt hatte zum Ziel, das Thema/Motiv der Bibliothek in der fiktionalen Literatur anhand wichtiger Beispiele zu untersuchen, in weitere geistes- und mentalitätsgeschichtliche, wissens- und wissenschaftsgeschichtliche - selbstverständlich auch bibliotheksgeschichtliche - Zusammenhänge zu stellen.

Einen zentralen Aspekt bildet dabei die Bibliothek als Metapher für das nicht mehr göttliche (verkörpert in der Bibel als dem "Buch der Bücher"), sondern menschliche Wissen und für das Verhältnis zu diesem Wissen bzw. für die jeweilige Welt- und Gesellschaftssicht. Wird die Bibliothek in mittelalterlicher Literatur (afrz. le livraire, la librairie) noch höchst selten thematisiert, finden sich von Beginn der Neuzeit an zahlreiche Beispiele literarischer Thematisierungen. In der Fiktion bildet die Bibliothek einen Kulminationspunkt für Fragen der Mimesis, der Relevanz poetologischer Traditionen und ästhetischer Reflexionen sowie einen Spiegel für historische Wissensordnungen, die die Projektmitarbeiter besonders auch mit dem Gießener SFB Erinnerungskulturen diskutieren. 

Aus dem weiten Feld der Bibliotheksthematik und der intensiven Projektarbeit sind zahlreiche Aufsätze hervorgegangen. Nach Ablauf der zweiten Projektphase hat Prof. Dr. Dietmar Rieger seine Forschungsergebnisse über fiktionale Bibliotheken unter dem Titel Imaginäre Bibliotheken - Bücherwelten in der Literatur zusammengestellt und 2002 bei Fink publiziert. Seine Mitarbeiterin Kirsten Dickhaut hat ihre Dissertation über Verkehrte Bücherwelten. Studien zu deformierten Bibliotheken in der französischen Literatur ebenfalls 2002 abgeschlossen und 2004 bei Fink veröffentlicht. Martina Bork, die zweite Mitarbeiterin des Projekts, wird ihre Dissertation mit dem Titel „Lieux de miroir“ – Bibliotheken im Spiegel der zeitgenössischen französischen und deutschen Literatur und der bildenden Kunst voraussichtlich Ende 2005 fertig stellen.

In der dritten Projektphase wird der Forschungsgegenstand um ikonographische Aspekte aus dem Bereich der bildenden Kunst erweitert. Damit wird das kulturwissenschaftliche Paradigma, in das sich das Projekt einordnet, interdisziplinär ergänzt. Den Textbeispielen der romanischen Literaturen werden zusätzlich Werke der deutschen Literatur gegenüber gestellt. Die Einbeziehung einer komparatistischen und intermedialen Perspektive ermöglicht es, von den literarischen divergierende bzw. mit ihnen identische Wissenskonzepte, Bildungsideale und metaphorisch gespiegelte Gesellschaftsentwürfe herauszuarbeiten. Darüber hinaus ist gerade die Medien und Disziplinen übergreifende Dimension des Projekts besonders geeignet, um das wissenschaftshistorische und wissenschaftstheoretische Potenzial der Bibliothek aufzuzeigen und das fächerübergreifende Profil der Thematik zu konturieren. 
 
 
 


e-mail Adressen des DFG-Projekts:

Prof. Dr. Dietmar Rieger
dietmar.rieger@romanistik.uni-giessen.de

Französische und Spanische Literatur:

Martina Bork
martina.c.bork@romanistik.uni-giessen.de

Französische Literatur

Dr. Kirsten Dickhaut
kirsten.a.dickhaut@romanistik.uni-giessen.de
 
 









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Publikationen des DFG-Projekts  „Das Motiv / Thema der Bibliothek in fiktionaler Literatur“

gemeinsame Publikation:

  • Dietmar Rieger, Kirsten Dickhaut und Cornelia Schmelz.  „Bücher in Bibliotheken -  Bibliotheken in Büchern. Das Motiv der Bibliothek in fiktionaler Literatur“, in: Spiegel der  Forschung. Wissenschaftsmagazin 16,2 (November 1999), S. 14-23.


Prof. Dr. Dietmar Rieger:

Buch:

  • Imaginäre Bibliotheken. Bücherwelten in der Literatur, München: Fink 2002. 


Aufsätze:

  •  „'La lueur de sang qui se mêle à l'aurore'. Les bibliothèques en feu chez Victor Hugo“, in: Revue d'histoire littéraire de la France 97,6 (nov.-déc. 1997), S. 1031-1055.
  •  „Von Don Federigo Borromeo zu Monsignore Boccamazza: Bibliotheken bei Manzoni und Pirandello“,  in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte/ Cahiers d'Histoire des  Littératures Romanes 22 (1998), S. 151-177.
  •  „'La tour de Babel en deux cents volumes'. Gérard de Nerval und die exzentrische Bibliothek“, in: Romanische Forschungen 110 (1998), S. 348-365.
  •  „'Inventer au fond c'est se ressouvenir'. Remarques sur quelques bibliothèques classiques et  romantiques“, in: Lendemains 23 (1998), S. 40-56.
  •  „'Il ne faut rien prématurer, pas même le progrès'.  Jules Verne und die utopische  Bibliothek“, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 236,  Jahrgang 151 (1999), S. 70-93.
  •  „Des 'livres sacrés'. Fiction et idée de la bibliothèque au Moyen Âge“, in: Cahiers de Recherches Médiévales (XIIIe-XVe siècles) 7 (2000), 227-251.
  •  „Bibliothek und Welterfahrung. Balzacs César Birotteau und Huysmans’ A Rebours“, in: Ursula Mathis-Moser et aliae (Hg.): Blumen und andere Gewächse des Bösen in der Literatur. Festschrift für Wolfram Krömer zum 65. Geburtstag, Frankfurt a.M. / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Wien: Peter Lang 2000, 181-197. 
  • „Wer war der Täter? Zur Konkurrenz der ‚Geschichten’ über die Zerstörung der Bibliothek von Alexandria“, in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte/ Cahiers d'Histoire des Littératures Romanes 27 (2003), 371-398.
  • „Bibliothek und Vergessen – vergessene Bibliotheken“, in: Günter Butzer/Manuela Günter (Hg.), Literatur und Vergessen: Medien – Rituale – Orte, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2004, 17-40.
  • „Von der Öffnung des Bücherschranks. Zur Ikonographie der Bibliothek im späten Mittelalter“, in: Helmut Krasser/Dietmar Rieger/Friedrich Vollhardt (Hg.), Schatzkammern des Wissens, Göttingen 2005 (im Druck).


Dr. Kirsten Dickhaut

Buch:

    Verkehrte Bücherwelten. Studien zu deformierten Bibliotheken in der französischen Literatur. München  2004.
Aufsätze:
  • „‘...une prière à la déesse Mnémosyne’. Gérard de Nerval als Gedächtnisschreiber oder die mnemotechnische Raumstruktur der Texte – das Beispiel Aurélia“, in: Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte (1999, 1-2), 69-85.
  • „Diener des Wissens und ihre Gedächtnisspeicher in Bernard Comments Erstlingsroman L’Ombre de mémoire,“ in: Heike Brohm, Claudia Eberle, Brigitte Schwarze (Hg.). Forum Junge Romanistik (FJR), Vol. 6: Erinnern – Gedächtnis – Vergessen. Beiträge zum 15. Nachwuchskolloquium der Romanistik, Bonn 2000, 145-154.
  • “Till Eulenspiegel aß keine Bücher – der Erstlingsroman von François Forestier: La Manducation“ In: Guido Naschert (Hg.). http://www.parapluie.de – Zeitschrift für Literatur und Philososphie. März 2000, 1-5.
  •  „Bibliomane Fiktionen – fiktionale Bibliomane. Beispiele einer rekurrenten Figur der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts.“ In: Anne Amend-Söchting, Kirsten Dickhaut, Walburga Hülk, Klaudia Knabel, Gabriele Vickermann (Hg.). Das Schöne im Wirklichen – Das Wirkliche im Schönen. Festschrift für Dietmar Rieger zum 60. Geburtstag. Heidelberg: Winter. 2002, 407-422.
  • „Sammler und Jäger – Zur Pathogenese der Bücherlust und Charles Nodiers modernem Umgang mit den historischen Denkmustern,“ in: Britta Herrmann, Barbara Thums (Hg.), Ästhetische Erfindung der Moderne? Perspektiven und Modelle 1750-1850, Würzburg 2003, 55-75.
  • „Das Paradox der Bibliothek: Metapher, Gedächtnisort, Heterotopie“, in: Günter Oesterle (Hg.). Erinnerungskulturen interdisziplinär: Kulturhistorische Problemfelder und Perspektiven. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. 2005 (im Duck).   
  • „Grenzüberschreitung und Provokation – Die 'Krankheit' Bibliomanie im Feld von Medizin, Literatur und Kunst (exemplarisch dargestellt an Arbeiten Descurets, Flauberts und Grandvilles)“, in: Walburga Hülk (Hg.). Biologie - Psychologie – Poetologie. Akten des Frankoromanistentags in Aachen 26.09. - 29.09.2002. Würzburg: Königshausen & Neumann 2004 (im Druck).  
  • „Intermedialität und Gedächtnis“, in: Astrid Erll, Ansgar Nünning in Zusammenarbeit mit Birgit Neumann (Hg). Gedächtniskonzepte der Literaturwissenschaft. Theoretische Grundlegung und Anwendungsperspektiven. Tübingen: de Gruyter 2004, 25-48.
Rezensionen:
  • François Géal. Figures de la bibliothèque dans l’imaginaire espagnol du siècle d’Or. Paris: Champion 1999, 944 S., in: Romanische Forschungen 113/4 (2001), 525-528. 
  • Nathalie Ferrand. Livre et lecture dans les romans français du XVIIIe siècle. Paris: Presses universitaires de France. 2002, 383 S., in: Romanische Forschungen 116. Band, Heft 3 (2004), 404-407.
  • Dietrich Scholler. Umzug nach Encyclopaedia. Zur narrativen Inszenierung des Wissens in Flauberts Bouvard et Pécuchet. Berlin: Weidler. 2002, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 54/2 (2004), 254-257.
Martina Bork M. A.
  • „Mnemosyne in der Bibliothek – Die imaginäre Bibliothek als Erinnerungsort und (inter)mediales Phänomen“, in: Forum Junge Romanistik (FJR), Vol. 11: Über-Setzen als literarisches und linguistisches Phänomen. Beiträge zum 20. Forum Junge Romanistik 2004 (erscheint 2005).  


Cornelia Schmelz 

  • „Der defunktionalisierte Gedächtnisspeicher: Zur Rolle der Bibliothek in Paola Capriolos Il doppio regnio“, in: Forum Junge Romanistik (FJR), Vol. 6: Heike Brohm, Claudia Eberle, Brigitte Schwarze (Hg.). Erinnern – Gedächtnis – Vergessen. Beiträge zum 15. Nachwuchskolloquium der Romanistik, Bonn 2000, 285-294.  

 

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