• Definition
    • Nosologie ist die Lehre von den Kranheitseinheiten. Sie besteht aus den beiden Methoden Taxonomie und Klassifikation.
    • Beschwerden, Auffälligkeiten => Symptome => Syndrome => Diagnose (diagn. Algorithmen) => Diagnostische Hierarchien (Vereinheitlichung, Ausschlußkriterien usw.)
  • Taxonomie (Symptome werden zu Störungsformen zusammengefasst), Methoden:
    • Faktorenanalyse
      • statistisches Verfahren der Datenreduktion
      • Bsp.: Eysencks Einordnung der Störungen in zwei Dimensionen "Normal - Neurotizismus", "Introvertiert - Extravertiert" und "Psychotizismus".
      • Kritik:
        - Faktoren keine Entitäten
        - Vortäuschung monokausaler, endogener Krankheitsursache
        - geringe Korrelation zwischen Fragebogen und objektivierbaren (physiologischen) Daten
    • Häufigkeitszählungen
      • deskriptive Erfassung, welche Symptome bei Störung häufiger als in der "Normalbevölkerung" auftreten
    • Beschreibung von Prozessabläufen
      • Konsequenzen einer Krankheit
      • Verletzung => Schmerz => Schmerzverhalten / Immobilität / Dekonditionierung / Schlafprobleme / Depression / Angst
    • Funktionales Zusammenhangsdiagramm
      • komplexes Ursache-Wirkungs-Diagramm (Schaltplan mit unterschiedlichsten Wirkrichtungen, Bsp. Migräne)
    • PE-Fit
      • ausschließliche Betrachtung einer Wirkungsrichtung
      • Wirkzusammenspiel von Umgebungsfaktoren und inneren Ressourcen
      • Chi-Quadrat: je weniger Modellannahmen mit Empirie übereinstimmen desto geringerer Chi-Quadrat Wert.
  • Klassifikationssysteme (Störungsformen werden zu Klassen zusammengefasst)
    • Allgemeines
      • Spitzer & Wilson (1975): Beurteiler-Übereinstimmung (interrater reliability) ist sehr gering bei
        - Neurosen (0.3)
        - Affektiven Störungen (0.3)
        - PS (0.3)
        - Psychosen (0.5)

           besser bei
        - organischen Hirnschäden (0.77)
        - Alkoholismus (0.71)
      • Ziel der Klassifikationssystemen ist Verbesserung der Beurteiler-Übereinstimmung, Minimierung der Fehler durch subjektive Wahrnehmung des Klinikers und / oder ungenauen Beschreibung der Syndrome.
    • Merkmale des DSM-III-R u. ICD-10
      • Expizit definierte diagnostische Kriterien auf der Symptom- und Syndromebene.
      • Definition von Zeitkriterien (Beginn, Verlauf, Persistenz)
      • Spezifische Ein- und Ausschlußkriterien
      • Versuch der Beschränkung auf gut erfassbare Merkmale
      • Theorieabstinenz
      • Berücksichtigung von Schweregrad und psychosozialen Merkmalen
      • Mehrfach- (Komorbidität) und Lebenszeitdiagnosen sind möglich.
      • deutliche Vermehrung der Einzeldiagnosen und Neugruppierung einer Vielzahl von Störungsbereichen.
    • ICD-10 (International Classification of Deseases)
      • Die ICD beeinhaltet neben psychiatrischen auch rein medizinische Krankheiten.
      • Syndromatologischer Ordnungsgesichtspunkt
      • Auf Begriffe wie psychogen, psychosomatisch wird gänzlich oder weitestgehend verzichtet
      • Auf die klassische Einteilung der Störungen in die beiden Oberkategorien Neurose und Psychose wird verzichtet.
      • Multiaxiales System ist in Arbeit:
        - Ia: psychiatrische Erkrankungen
        - Ib: somatische Erkrankungen
        - II: soziale Behinderungen
        - III: Faktoren der sozialen Umgebung und der individuellen Lebensbewältigung
      • Vorteile und Kritik
        • ICD-10
          VorteileKritik
          1. Ergebnis einer langjährigen internationalen Gemeinschaftsarbeit
          2. Diskontinuitätsannahme: Auf Begriffe wie Neurose, Psychose, Endogenität wird verzichtet
          3. ständige Begleitforschung
          4. Störung soll Krankheit ersetzen
          5. Schweregrad und Verlauf sind dazugekommen
          1. es fehlen z.T. Hinweise über Prädisposition, Verlauf und Prävalenzen
          2. Mehrfachstörungen sind schwerer diagnostizierbar
          3. Zwang zur internationalen Vereinheitlichung erschwert schnelle Anpassung
          4. keine Entscheidungsbäume
    • DSM-IV (Diagnostisches un Statistisches Manual Psychischer Störungen)
      • Multiaxiales Manual
      • sehr ausführlich (Beispiele, auch Störungen in anderen Kulturen, Enscheidungsbäume)
      • Vorteile und Kritik
        • DSM-IV
          VorteileKritik
          1. Multiaxiale Beurteilung: Mehrfachstörungen klassifizierbar
          2. Kompatibilität zur ICD-10
          3. Trennung zwischen Kindern u. Erwachsenen
          4. detailierte Beschreibung der Strg. mit Berücksichtigung v. Kulturfaktoren
          5. Entscheidungsbäume führen zu reliableren Einschätzungen
          6. Achse 4 u. 5 helfen bei Therapieplanung u. Prognose
          1. Kategoriale statt dimensionale Skalierung (fehlt krank vs. gesund)
          2. Psychiatrische Hegemonie-Ansprüche (V-Kodierung, Eheprobleme)
          3. VT: Therapieempfehlungen fehlen
          4. PA: Ätiologie fehlt
          5. zu wenig verhaltensorientierte Diagnostik
          6. Frauendiskriminierend (typisch weiblich: histrionisch, dependent)
          7. Homosexualität fehlt (ich-dystone H.)
          8. keine Validitätsangaben (Kriterium entfällt)
          Entscheidungsbäume
          VorteileNachteile
          1. Verbesserung der Beurteiler-Übereinstimmung
          2. Erleichterung der Differentialdiagnose
          3. basieren auf hohem Wissensniveau
          4. sind übersichtlich strukturiert
          1. Durch Ja-Nein-Entscheidungen werden andere Möglichkeiten ausgeschlossen
          2. Die meisten Störungen nicht gradlinig
          3. Falsifikation wird erschwert
          4. temporäre Validität
    • Die wichtigsten Unterschiede zw. DSM-III-R u. DSM-IV
      • Tabelle der Achsen-Unterschiede
        • DSM-III-RDSM-IV
          Achse
          I
          1. Klinische Syndrome
          2. V-Kodierung (Bsp. Eheprobleme)
          1. Klinische Syndrome
          2. andere Zustände
          3. Störungen mit Beginn im Kleinkindalter, Kindheit oder Adolesenz
          Achse II
          1. Entwicklungsstörungen
          2. Persönlichkeitsstörungen
          3. Störungen mit Beginn im Kleinkindalter, Kindheit oder Adolesenz (inkl. geistige Behinderung)
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          2. Persönlichkeitsstörungen
          3. geistige Behinderung
          Achse III
          1. körperliche Störungen u. Zustände
          1. körperliche Störungen u. Zustände
          Achse IV
          1. Schweregrad psychosozialer Belastungsfaktoren (eingestuft nach Schweregrad)
          1. psychosoziale Belastungsfaktoren (nur noch berichtet)
          Achse V
          1. Globalbeurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus (Skala 1-90)
          1. Globalbeurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus (Skala 1-100)
      • Änderungen innerhalb der Angststörungen
        • einfache Phobie => spezifische Phobie
        • zusätzlich zur PTBS => akute BS
        • organisch bedingte Angst-Strg. =>
          - Angst-Strg., die mit einer körperlichen Strg. assoziiert ist
          - Angst-Strg. durch psychotrope Substanzen
        • Panikattacken bekamen getrennte Kriterienliste
        • Schwellenerhöhung für die Diagn. Panikstörung (mit / ohne Agoraphpbie)
        • ZS: Trennung zwischen "obsession" und "compulsion" klarer
      • Änderungen bei den Affektiven Störungen
        • bipolare Strg. aufgeteilt in:
        • - bipolare Strg. I und II
          • - gegenwärtig hypomanische, manische (nur bei Typ bipolar I), gemischte oder depressive Episode
          • - in der Anamnese mehrere Episoden affektiver Störungen
          • bei Typ bipolar I: mindestens aber einmal eine manische Episode (inklusive Diagnose der gegenwärtigen Episode). Wenn keine Episode in der Anamnese die Kriterien einer Manie erfüllt → Bipolare Störung II
        • organisch bedingte AS =>
          - AS, die mit einer körperlichen Strg. assoziiert ist
          - AS durch psychotrope Substanzen
      • Änderungen bei den PS
        • antisoziale PS wurde vereinfacht
        • Borderline PS wurde ergänzt
        • passiv-aggressive PS wurde herausgenommen
      • Änderungen bei den "Organisch bedingten psychische Syndrome und Störungen"
        • fällt im DSM-IV weg, weil sie beinhaltet, daß die anderen Störungen keine "organische" Komponente haben.
        • Dadurch wurden "Delir, Demenz, amnestische Störungen und andere kognitive Störungen" einer eigene Kategorie zugeordnet.
        • ebenfalls entstandene Restgruppe: "Psychische Störungen, die mit körperlichen Störungen oder Zuständen der Achse III assoziiert sind (und nicht andernorts klassifiziert sind